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UNEF II

Vor mehr als 40 Jahren

Einsatz österreichischer Soldaten im Nahen Osten
1973-1974

Meine Tagebuchaufzeichnungen

UNDOF Golan
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Vor mehr als 40 Jahren begann Öswterreichs bedeutendste Friedensmission im Nahen Osten
Dem erfolgreichen, auch von internationaler Seite anerkannten Einsatz der Österreicher auf den Golanhöhen war dieses Jubiläum nicht gegönnt, da aus parteipoitischen Interessen das Kontingent im Sommer 1913 abgezogen wurde. Es ist mir daher ein Anliegen, den den Einsatz der Österreicher am Suezkanal und auf den Golanhjöhen in Erinnerung zu bringen, wie auch auch das unrühmliche Ende zu kommentieren

Inhaltsverzeichnis

(Die folgenden Tagebuchaufzeichnungen enthalten zum Thema relavante Texte)

  1. Vorgeschichte
  2. Vorbereitende Maßnahmen 19.11.- 13. 12. 1973
  3. Eintreffen in Kairo
  4. Die allgemeine Lage
  5. Das UN-Camp Ismailia
  6. Close the Hole - die UNEF verdichtet ihre Linien
  7. Der Unglückstag
  8. Übernahme der 1.Kompanie
  9. Operation Calendar
  10. Die Ruhephase
  11. Alkoholisches
  12. Bundeskanzler Dr. Bruno Kreisky in Ismailia
  13. Flottenbesuch
  14. Die Verlegung nach Suez
  15. Sinai
  16. Das Schlachtfeld
  17. Das Leben in der Pufferzone
  18. Lagerleben in Suez - der Pressebesuch
  19. Zurück in die Wüste
  20. Auf Moses Spuren zum Katharinenkloster
  21. Die große Rotation
  22. Der Auszug aus Ägypten
  23. Auf den Golanhöhen
  24. Die Phase 1
  25. Die Phase 2
  26. Die Phase 3
  27. Die Phase 4
  28. Das Leben geht weiter
  29. Die Untersuchung
  30. Nachschlag

Vorgeschichte

Als Österreich unmittelbar nach der Erlangung seiner Souveränität, am 14. Dezember 1955 als Vollmitglied in die Vereinten Nationen aufgenommen wurde, konnte niemand ahnen, dass sich aus diesem formellen Beitritt ein politisches Engagement entwickeln würde, das heute als essentieller Bestandteil österreichischer Politik angesehen werden kann. Seit 1990 ist die "Hilfeleistung im Ausland auf Ersuchen internationaler Organisationen oder der Liga der Rotkreuz-Gesellschaften" als eine der Hauptaufgaben des Bundesheeres im §2 des Wehrgesetzes festgeschrieben.
Zum Zeitpunkt des Beitrittsansuchens gab es allerdings noch völkerrechtliche Bedenken, ob diese Mitgliedschaft mit den Bestimmungen der Neutralität vereinbar wäre. Das glaubte man auch 1956, als die Vereinten Nationen Österreich um Beteiligung an der Aufstellung einer Friedenstruppe zur Bewältigung der Suezkrise ersuchten. Die Ablehnung erfolgte allerdings weniger aus politischen Gründen. Damals war das Bundesheer beim besten Willen nicht in der Lage, auch nur eine Kompanie an den Suezkanal oder in den Gazastreifen zu entsenden. Was damals an militärischen Kräften verfügbar war, brauchte man bekanntlich in eigener Sache, um mit der Ungarnkrise fertig zu werden.
Außerdem war Österreich selbst noch wegen des latenten Südtirolproblems die Rolle des Klienten zugedacht, nachdem es dem damaligen Außenminister Bruno Kreisky gelungen war eine UN-Resolution zu erwirken, die beide Streitparteien zur gegenseitigen Einigung verpflichtete.
Man kann es sozusagen als positive Vorleistung betrachten, als die österreichische Bundesregierung am 15. September 1960 beschloss, dem Ansuchen der Vereinten Nationen zur Entsendung eines Sanitätskontingents in die Krisenregion der ehemaligen Kolonie Belgisch Kongo nachzukommen.
Auf Grund der positiven Erfahrungen und nicht zuletzt der gezeigten Wertschätzung seitens der UNO bleibt das Sanitätskontingent bis zur Beendigung der UN-Mission 1964 im Einsatz, was den damaligen Außenminister Dr. Bruno Kreisky zur Feststellung veranlasste, dass dieses Kongokontingent dem Namen Österreich große Ehre gemacht und zehntausenden Menschen geholfen hat, wieder gesund zu werden.
Als dann mit der Zypernkrise ein neuer Unruheherd - diesmal auf europäischem Boden - zum Ausbruch kam, beschloss der Ministerrat die Entsendung eines Sanitätskontingents in der Stärke von 54 Mann, das ein Feldspital zur Versorgung der Un-Friedenstruppe UNFICYP betreiben sollte. Dem Ansuchen der UN um Beistellung eines Bataillons von 700 Mann Kampftruppen sah sich die damalige Regierung wegen des Neutralitätsgesetzes noch nicht in der Lage, nachzukommen. Dafür bestanden für die Entsendung eines Polizeikontingents von 50 Beamten, keine Bedenken. Diese wurden dann mit dem Entsendungsgesetz von 1965 ausgeräumt und somit die Vorraussetzungen geschaffen, ein bewaffnetes Kontingent von 300 Mann nach Zypern zu entsenden.

Luftbild Nach Ausbruch des Oktoberkrieges im Nahen Osten und des darauf folgenden Waffenstillstandes, kam es zur Aufstellung einer UN-Friedenstruppe (UNEF), an der das Österreichische Bundesheer sich mit 600 Mann beteiligen sollte. Am 26.10. kam es zur Verlegung von Teilen von AUSCON /UNFICYP nach Ägypten, zwischen 9. und 14.11. wurde 184 Mann und 60 t Gerät durch russische Transportflugzeuge des Typs Antonow von Wien nach Kairo geflogen.

Vorbereitende Maßnahmen 19.11.- 13. 12. 1973

Der Einberufungsbefehl erreichte mich in der Woche zum 18.11.73 Montag 19.11.1973
Treffe um ca. 0300 Uhr in der Maria-Theresien-Kaserne ein. Der KvT, der mir meine Unterkunft zeigt, erzählt mir, dass er schon seit 3 Wochen auf den Abflug warte. Um 1400 Uhr Antreten aller einberufenen Soldaten, Bekanntgabe der Einteilung und des Zeitplanes der Vorbereitungs-maßzahmen.
Meine Einteilung lautet: UNEF/Ägypten, Abflug des Kontingentes am 23.11. Bin im Dilemma, da ich meiner Frau versprochen hatte, da nicht hinzugehen. Andererseits will ich nicht den Anschein erwecken, mich vor einer Herausforderung zu drücken. Außerdem war meine vorgesehene Einteilung als Kommandant der 4. Kompanie ein entsprechender Anreiz, nach Ägypten zu gehen.
In diesem Dilemma kam mir eine nachhaltig andauernden Telefonstörung entgegen, die eine Rücksprache mit meiner Frau zunächst unmöglich machte. Der nahe Abflugtermin am 23.11. war eine weitere Erleichterung meiner Entscheidung für den Nahen Osten.
20. -22.11.1973
Untersuchungen und Impfungen aller Art im Heeresspital unde im Institut für Tropenmedizin
Verabschiedungen und Verwandtenbesuche in Wien und Klosterneuburg.
Der geplante Abflug am 23.11. um 1400 Uhr wir auf nächsten Tag verschoben und in weiterer Folge für 3 weiter Wochen hinausgezögert. Der Grund war der plötzliche Abbruch der Transportflüge durch die Russen infolge politischer Verstimmungen mit der UNO.
23.11. bis 13.12. 1973
Eine nervenaufreibende Wartezeit für das inzwischen auf mehr als 200 Mann angewachsene Marschkontingent unterbrochen durch kurze Beurlaubungen über die Wochenenden
Es wird versucht diese Zeit mit Auswbildung zu überbrücken und erkläre mich bereit diese Aufgabe zu übernehmen Es fehlt aber an Gerät und KFZ, um ins Gelände zu kommen und schließlich auch am guten Willen so mancher Dienststelle. Donnerstag 13.12.73
Endgültige Festlegung des Abfluges auf 14.12.
Auf Grund meiner bisherigen Aufgaben wurde ich als Transportkommandant des 1.Marschpaketes eingeteilt. Der Abflug des 2. und 3. Marschpaketes (KFZ und schweres Gerät) war für den 15.11. vorgesehen. Die Transportflüge werden durch die US-Airforce mit sechs C-141Starlifter durchgeführt.

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Eintreffen in Kairo

Freitag 14.12.1973
Um 0400 Uhr ist Tagwache und Abmarsch auf den Flughafen Schwechat um 0930 Uhr Start und planmäßiger Abflug, um 1345 Uhr Landung in Kairo. Empfang durch ägyptische Militärpolizei, die uns vorerst 1 ½ Stunden am Flugfeld vermutlich wegen Henry Kissinger, der sich auf seiner Friedensmission befindet, warten lässt. Einstellen der Uhren auf Lokalzeit (= Ost-Europäische Zeit)
Endlich Fahrt in das Shams-Camp, das Basislager der UNEF im Kairoer Stadtteil Heliopolis. Transportmittel sind ägyptische MTW, russischer Herkunft, die Fahrer sind österreichische UN-Soldaten. Zu diesem Zeitpunkt verfügen weder UNEF noch AUSBATT über eigenen Transportraum, so dass man auf Leihfahrzeuge der Ägypter angewiesen ist. Ursprünglich stellten sie auch die Fahrer, ein Service auf das bald verzichtet werden musste, nachdem ganze Wagenladungen an Versorgungsgütern verschwunden waren.
Das Camp ist noch primitiv eingerichtet, es gibt zwar Zelte aber keine Schlafgelegenheiten, unsere Luftmatratzen, wie vieles andere Mobilar und Gepäck sind noch auf dem Lufttransport.
Um 1800 Uhr erscheint der Bataillonskommandant

Weingerl
Foto: Klinger
ObstLt Dr. Erich Weingerl.
Bataillonskommandant AUSBATT
Er war bereits Kommandant des AUSCON in Zypern und ging mit Teilen der Stabskompanie und der 1. Jägerkompanie am 26. 10. 1973 nach Ägypten.
Ursprünglich als Polizeijurist im Staatsdienst, ging er zur B-Gendarmerie, von wo ihn die meisten "Alten Hasen" als Kommandant der legendären Mondscheinkompanie kennen. Danach war er in der Intendanzabteilung des Ministeriums tätig und hatte erheblichen Anteil an der Gestaltung der Bekleidung und Ausrüstung. Er ist der Schöpfer der nach ihm benannten Schaftschuhe, die heute fast jede Armee der Welt als "Weingerlschuh" trägt.
Von 1958 bis Ende 1962 war er als Kommandant der Brigade-Aufklärungskompanie 6 (AufklKp 6) mein Kompaniechef. Als außerordentlicher Praktiker vetrat er einen modernen Führungsstil, der Kompetenz über Autorität stellte. Er war auch ein "I-Tüpferlreiter", dem kein Detail entging und verlangte auch von seinen Leuten ein Höchstmaß an Genauigkeit.
Als Kommandant des Jägerbataillons 21 in Kufstein wurden diese Anforderungen von seinen Mitarbeitern noch geschätzt, als Kommandant des UN-Bataillons fand er nur mehr wenig Verständnis, sei es weil man sich von einem Bataillonskommadanten mehr eindruckerweckendes Auftreten erwartete. Sich dieser Tatsache bewusst und verunsichert, vergrub er sich noch mehr in Kleinigkeiten.
Für mich war er ein überaus korrekter und gerechter Vorgesetzter, an dem ich mich stets orientiert hatte.

Wir kennen uns bereits seit einigen Jahren, als er mein KpKdt in der Brigade Aufklärungs-Kompanie 6 war. Wir kennen und also gegenseitig gut und jeder über die Eigenheiten, Vorzüge und Fehler des Anderen ziemlich gut Bescheid . Er teilte mir mit, dass das AUSBATT nicht aus 4, sondern aus 3 Jägerkompanien bestünde, deren Kommandanten er bereits bestellt habe. Ich müsse mich daher gedulden, bis Hptm Dallinger seinen UN-Einsatz im Februar 74 beendet habe, um seine Stelle als Kommandant der 1.Kp zu übernehmen.
Nach diesem etwas ernüchternden Empfang lädt Olt Scherer, Zugskommandant und seines Zeichens Lateinprofessor zu einem ersten Besuch von Kairo ein. Um diese ersten Eindrücke richtig nahe zu bringen, halte ich es für notwendig, die politische und militärische Lage der ganzen Region näher zu erläutern:

Kanalzone
Satellitenbild
Der Suezkanal
Das Satellitenbild zeigt uns den Suezkanal in seiner ganzen Länge. Bei Vergrößern des Bildes durch anklicken auf volle, sind auch die Landschaftsformen Straßen und Ansiedlungen wie deren Beschreibung genau zu erkennen.
Schon seit dem 14. Jahrhundert vor Chr. hatten die alten Ägypter eine Kanalverbindung zwischen dem Mittelmeer bzw. dem Nil und dem Roten Meer geschaffen. Ein Teilstück davon ist bis heute mit dem Ismailia-Kanal erhalten geblieben und verbindet Ismailia durch einen für kleine Kähne schiffbaren Wasserweg mit dem Niltal.
Es ist überliefert, dass der Altägyptische Kanal unter einem schlechten Stern gestanden habe, denn ein Orakelspruch aus der Zeit des Pharao Necho (616-600), besagt, dass der Kanal nur den Fremden nützen würde.
Dieses Orakel scheint sich voll bewahrheitet zu haben, als nach Fertigstellung des modernen Kanals die damaligen Kolonialmächte England und Frankreich die Kontrolle über das Gebiet übernahmen Erst 1956 wagte es der damalige Staatschef Ägyptens, Gamal Abdel Nasser, die nationalen Eigentumsrechte einzufordern und den Kanal samt seiner Betriebseinrichtungen zu verstaatlichen. Aus den beträchtlichen Einnahmen der Schiffspassagen sollte der Assuanstaudamm finanziert werden.
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Die allgemeine Lage

Der Jom Kipur-Krieg war zwar seit Ende Oktober durch einen äußerst labilen Waffenstillstand beendet. Die Kampfhandlungen konnten jederzeit wieder zum Ausbruch kommen, was durch die täglichen, von beiden Seiten geführten Feuerüberfälle mit Artillerie und schweren Waffen zum Ausdruck kam. Die 3. Ägyptische Armee war zwar auf der Sinai Halbinsel so Suez von allen Versorgungsmöglichkeiten abgeschnitten, das gleiche Schicksal drohte aber auch den israelischen Truppen, die unter der Führung des General Sharon am Westufer des Suezkanals einen Brückenkopf bildeten, falls es zu einer Fortsetzung des Krieges kommt.Dank der materiellen Unterstützung der Sowjets, konnten die Ägypter ihrerseits einen Belagerungsring um diesen Brückenkopf aufbauen, der Tag für Tag massiver wurde.
Der UN Sicherheitsrat war daher bestrebt ein Kippen dieser militärischen Pattstellung zugunsten der Ägypter unter allen Umständen durch die Zwischenschaltung einer Pufferzone zu verhindern. UNEF 2 1 unter der Führung des finnischen Generalleutnant Ensio Siilasvuo (Chief Coordinator for UN-Opersatins in the Middle East) war beauftragt vorerst den Waffenstillstand gem. den UN-Resolutionen 399, 340 und 341zu überwachen und eine Truppenentflechtung durchzuführen. Die Verhandlungen zwischen den Kriegsparteien fanden am legendären Kilometerstein 101 unter der Leitung der UNEF statt und waren bei meinem Eintreffen in vollem Gange.

Suezfront Die Front am Suezkanal 1973
Die Aufforderung zur Einstellung der Kampfhandlungen durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen kam den Streitparteien gleichermaßen gelegen, auch wenn der Zeitpunkt nicht ganz dem Israelischen Operationsplan entsprach und vor allem der Querkopf Sharon sich um einen glänzenden Sieg betrogen sah. Offenbar hatte er übersehen, dass mit dem Vorstoß auf Suez die israelischen Verbände eine offene Flanke von 200 km hatten, welche die 1. ägyptische Armee, die dank der materiellen Nachrüstung durch die Sowjets ihre Verluste ausgleichen konnten, aufzureißen drohte.
Aus diesem Grunde war die Aufgabe des AUSBATT besonders heikel, weil bei einem Überraschungsangriff, - und nur ein solcher hätte Aussicht auf Erfolg, - die österreichischen Positions als erste getroffen würden. Was das bedeutet, können jene UN-Beobachter nachfühlen, die vom Angriff der Ägyper im Pktober überrollt wurden und 2 von Ihnen getötet wurden.
Die anfangs 5 errichteten Positions sollten daher verdoppelt werden, um vor allem die klaffende Lücke zwischen 103 und 104 zu schließen.

Eine der wichtigsten Verhandlungspunkte war auch die Versorgung der auf Sinai eingeschlossenen Verbände der 3.Ägyptischen Armee.
Zum Zeitpunkt meines Eintreffens war UNEF noch in Aufstellung begriffen und bestand vorwiegend aus Kontingenten von Finnen, Schweden Kanadiern und Österreichern, die von Cypern abgezogen wurden.
Sie waren sozusagen die Feuerehr zwischen den Fronten und der Kern der Führungsstäbe der Bataillone. Das UNEF HQ wurde vorwiegend aus dem Personal von UNTSO 2gebildet Die Hauptstadt Kairo etwa 100 Km vom Kampfgebiet entfernt, zeigte alle Merkmale einer vom Krieg bedrohten Stadt, von denen die Verdunklungsmaßnahmen am augenfälligsten waren. Die sprichwörtliche ägyptische Finsternis wurde lediglich von wenigen Straßenlampen durchbrochen, der Straßenverkehr erinnerte an die unseligen Zeiten des 2. Weltkrieges. Es wäre aber nicht der Orient, würde der Verkehrsfluss durch die Sichtverhältnisse beeinträchtigt, oder eine Massenkarambolage unvermeidlich sein. Die Verkehrsteilnehmer geben zwar ihr Bestes an Fahrgeschicklichkeit und überlassen das Übrige einfach Allahs Fernsteuerung, uns Europäern als "Kismet" bekannt. Mit dieser Art orientalischer Problemlösung werden wir uns in Hinkunft abzufinden haben.

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Das UN-Camp Ismailia

16. und 17.12. 1973
Einweisung in den Einsatzraum UNEF/AUSBATT 3
Sonntag 16.12. 0700 Uhr Abfahrt zu den Positions der 1. Kompanie, Pos 101, 102,und 103 Nach Überschreiten der ägyptischen Front bei Abu Soweir, treffen wir auf einen israelischen Vorposten.
Erster Kontakt mit den Israelis, vergebliches Warten auf die israelische Eskorte, nehmen daher einen weiteren Umweg in Kauf und erreichen schließlich unser Ziel.
In diesem Frontbereich ist es absolut ruhig und die Einweisung ist sehr interessant, die Mannschaft macht einen sehr guten, disziplinierten Eindruck. Das Leben auf den Pos scheint zwar eintönig zu sein, trotzdem sind die Leute lieber draußen, als in Ismailia. (Später werde ich diese Erfahrung selber machen)

Pos101 Pos102 Pos103

Montag 17.12. 0830 Abfahrt zu den Positions der 2. Kp Pos 104 und 105. Ähnliche Eindrücke wie am Vortag und Ruhe an der Front. Nach Rückkehr wird es allerdings lebendig! Ein kleiner Vorgeschmack auf das, was wir noch erleben werden
Pos105
Foto: UNEF/Nagata Dienstag 18. 12. 73
Nach einer Aussprache mit dem Kp Kdten Hptm Dallinger, haben wir uns darauf geeinigt, dass ich mich als sein Stellvertreter mit der Dienstaufsicht der in Ismailia befindlichen Teile der Kp befasse und die Ausbildung der Newcomer übernehme. Das Betriebsklima zwischen uns scheint in Ordnung zu sein. Er selbst besucht täglich seine Positions, zwischen denen die Errichtung von 2 Weiteren geplant ist. Nachts wird fast ununterbrochen geschossen. Der ägyptische "Volkssturm", offenbar als Wachen und Sicherungsposten eingesetzt, feuert auf alles, was sich bewegt und wenn sich nichts bewegt, wird einfach in die Luft geballert. Ab Einbruch der Dunkelheit herrscht daher striktes Ausgangsverbot für das gesamte UN-Personal.
Samstag 19.12.1973
Da sich der 1.Zug der Kp auf Recreation in Kairo befindet, fahre ich heute zur Dienstaufsicht dorthin. Die Leute sind im bereits erwähnten "Shams Camp", das als Basislager der UNEF dient, untergebracht. Natürlich nütze ich auch die Gelegenheit, um mir ein erstes Bild von Kairo zu machen. Im Basar mache ich einige Weihnachtseinkäufe. Das Angebot an Wahren reicht vom Ramsch bis zu echten, wertvollen Stücken des orientalischen Kunsthandwerks.
Am Abend erhalte ich endlich den Fotoapparat, den mir ein Jahrgangskamerad, der sich als Beobachter bei UNTSO, ICC4 befindet. Aufgabe der UNTSO ist vorwiegen die bewegliche Überwachung des Frontgebietes, während die Bataillone der Force diese Tätigkeit aus den Positions wahrnehmen. Im Gegensatz zur Force sind die Beobachter, oder kurz UNMO 5 genannt, unbewaffnet.
20. - 22.12.1973
Ich lasse den Unterkunftsblock, ein dreistöckiges Gebaude, das die vergangenen Kämpfe relativ wenig beschädigt überstanden hatte, gründlich reinigen und die WC und Waschräume reparieren. - Langsam gewöhnt man sich ein.
Außer neuen Bekanntschaften im ICC, einem russischen UNMO und dem Chef des ICC, ein UNMO aus Frankreich, ist meine Premiere als Duty-Officer eine Erfahrungen der besonderen Art:
Ein Reporterteam der Bunten Illustrierten begehrt forsch um ein Photoshooting, ist aber weder angemeldet noch kann der Wortführer eine schriftliche Genehmigung vorweisen. Um sicher zu gehen, wage ich es, trotz besseren Wissens Weingerl aus seinem Schlaf zu stören. Der schmeißt dann das ganze Team persönlich raus, nicht ohne mir vorher sein Missfallen über die Ruhestörung zu bekunden. Immerhin schien die Sache so wichtig, als der Vorfall auch im Monatsbericht nach Wien gemeldet wurde.
Erstmaliges Auftreten des Kommandanten der Nord- Brigade, General Soutanto aus Indonesien und Bekanntschaft mit dem CO von ICC, einem französischen Major.
Die häufigen Besuche im ICC gelten vorwiegend meinem Jahrgangskameraden von der MilAk, Hptm Buzek, der mir bei der Eingewöhnung in die Sitten und Gebräuche der neuen Umgebung behilflich ist. Hier herrscht vorrangig das Motte den Newcomer "blöd sterben lassen".

Sonntag 23. 12. 73 Fahre um 0900 Uhr zu den Positions. Heute werde ich meine ersten Fotos machen können. Grundsätzlich gilt allgemeines Fotografierverbot und man darf sich keinesfalls von den Ägyptern erwischen lassen . Beim Passieren der Frontlinie von AREF geraten wir in Artilleriefeuer. Die Einschläge sind etwa 100m neben der Strasse. Kurz entschlossen fahren wir weiter. Später sollte sich herausstellen, dass alle Aufnahmen wegen eines Bedienungsfehlers unbrauchbar waren. Deppensichere Kameras gab es damals noch kaum.
Bei den Israelis werden wir freundlich empfangen und tauschen Zigaretten und verschiedene Konserven und Getränke. Am begehrtesten sind Spirituosen. Auf dem Rückweg nach Ismailia lerne ich Achmed kennen. Er ist Militärpolizist an einem Checkpoint vor Ismailia und Sportlehrer von Beruf. Bei einer Tasse Tee erklärt er dass er vom Krieg die Nase voll habe. Das haben die Beteiligten übrigens auf beiden Seiten der Front, nur wissen sie nichts von einander. Abends lerne ich im ICC einen Russen kennen. Wir diskutieren bis 0300 Uhr früh unter anderem auch über das Engagement der Sowjets im Yom Kippuhr Krieg. Er ist als Panzeroffizier schockiert über die Verluste modernster Panzern sowjetischer Herkunft und beklagte, dass seine Einheit in der Heimat noch immer mit den alten Panzern ausgestattet sei.

Montag 24.12.1973 Heiliger Abend. Bei strahlendem Sonnenschein und 20° C ist es kaum möglich, sich in Weihnachtsstimmung zu versetzen. Das einzige Gefühl ist Heimweh. Auch der Wunsch auf einer Position zu sein kommt auf, denn dort ist auch so auch so etwas, wie eine Familie.
Hier in Ismailia lassen die Anzeichen, wie Gegröle von Weihnachtsmelodien aus Richtung der kanadischen und schwedischen Unterkünfte, eher ein lärmendes Massenbesäufnis erwarten.
Die Christmette soll auf dem Dach gefeiert werden. Meine Befürchtungen, wie störendes Hintergrundgegröhle und eine süssliche Weihnachtspredigt vom Pfarrer bleiben aus und es wird ein wunderschöner Weihnachtsabend. für ein besonders festliches Feurwerk sorgte der einheimische Volkssturm, was mich irgendwie an die Festtagsbräuche unserer Tiroler Schützen erinnert.
Dafür fiel an der Front fast kein einziger Schuss.

25. - 26. 12. 73
Verbringe die Weihnachtsfeiertage in Kairo im vornehmen Hotel Hilton. Der Zimmerpreis kann mit dem des Wiener Hilton nicht verglichen werden.

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Close the Hole - die UNEF verdichtet ihre Linien

So lautete angeblich der Befehl von General Siilasvuo an unseren BKdt ObstLt Weingerl, womit das AUSBATT die etwa 30 km breite Lücke zwischen Pos 103 und 104 schließen sollte.

Donnerstag 27.12.1973

Fahrt in das Gebiet der neu zu errichtenden Positions. Heute ist es wirklich spannend, denn wir wollen versuchen, auf Pos. 104 zur 2.Kp zwischen den Fronten durch zu stoßen
Das Erkundungskommando bestand aus dem S3, Hptm Wieser, FMO Hptm Weber, Kdt 1.Kp Hptm Dallinger, dem S2 Olt Buchinger und einigen weiteren Stabsangehörigen. Wir fuhren auf 3 Landrovern. Selbstverständlich war das Unternehmen von UN- und Bataillonskommando geplant und mit den Verbindungsoffizieren von AREF und IDF abgesprochen.
Etwa 1 km südlich der geplanten Position 110 wird das Gelände immer unübersichtlicher und ist kaum mehr befahrbar. Hier endeten auch alle Informationen der Ägypter und Israelis über Minenfelder, vom Frontverlauf ist nur mehr ein ägyptischer Stützpunkt in etwa 1000 m Entfernung zu sehen. Hptm Wieser entschließt sich, den Kdt dieser Stellung zu kontaktieren, Hptm D. und ich gehen mit und werden prompt unter Feuer, vermutlich üsMG, genommen obwohl wir gut sichtbar eine UN Flagge führen. Wir liegen allesamt flach im Sand, rundum die Einschläge, nur unsere Stahlhelme sind in Sicherheit auf den Fahrzeugen.
Als das Feuer eingestellt wird, da man uns offensichtlich erkannt hat, setzen wir den Weg in Richtung der Stellung fort, wo wir schließlich unter höflichen Entschuldigungen zum Tee geladen werden. Die Informationen, die wir bekommen, sind so vage dass das Unternehmen abgeblasen wird. Auf der Rückkehr zu Position 103 bekommen wir es nochmals knüppeldick gezeigt, dass wir uns in einem Krieg befinden: Ein Artillerieduell bei dem die Einschläge bedrohlich nahe kommen und unsere Unterstände einigermaßen ein beruhigendes Gefühl vermitteln.
Dieser Tag ist besonders reich an erfahrungen, besonders was den richtigen Gebrauch des Stahlhelms anbelangt.
Freitag 28.12.1973
Hptm Dallinger fährt auf Heimaturlaub, ich führe die Kompanie.
Erstes Heimatfunkgespräch mit Inge. Man kann allerdings kaum sagen was man wirklich fühlt, weil man nicht allein im Raum ist. Ich selbst bin derart heiser (akute Halsentzündung), dass ich kaum sprechen kann und jemanden bitten muss, das für mich zu tun.
Montag 31.12.1973, Sylvester
Keine besonderen Ereignisse bis zur Sylvesterfeier. Wenn man bedenkt welche Vorbereitungen man zu Hause trifft und welche Bedeutung man dem Jahreswechsel beimisst, kommt einem das hier fast lächerlich vor. Schon deshalb, weil die Araber einen anderen Kalender haben. Hier (im Orient) spielt die Zeit überhaupt keine Rolle.
Abends dann die verrückteste Sylvesterfeier die man sich vorstellen kann. Um Mitternacht versammelte sich alles was noch auf den Beinen stehen konnte, auf den Dächern unserer Wohnblöcke. Schlag 12 begann ein Feuerzauber, der bisher alles Dagewesene übertroffen haben muss. Auch die Kanadier feuerten aus allen Rohren. Selbst vom Dach der Schweden waren ein paar Feuerstöße zu hören.
Die schwedischen Schützen wurden, wie man später erfahren konnte, nach Hause geschickt, für uns hatte das keine Folgen, man hätte ja gut zwei Drittel des Bataillons repatriieren müssen. Daran war auch niemand interessiert, denn der Bataillonskommandant ObstLt Weingerl befand sich auf Heimaturlaub und sein Stellvertreter Mjr Ehrl, war vom Geschehen derart überrascht, dass er sprachlos dem Treiben zusah.
Die verschossene Munition bekamen wir von den Israelis, denn die hatten so reichlich davon, dass einige Dutzend Verschläge keine Rolle spielten. Dieser Munitionsersatz hatte allerdings zur Folge, dass noch Jahre danach Patronen mit Losnummern in Hebräischen Schriftzeichen in den heimatlichen Munitionsbeständen auftauchten.

Dienstag 01. 01. 74 - Neujahrstag
Besuch der Positions. Es fällt kein einziger Schuss. Nachmittag Übernahme Duty, auch nachts kein ShootRep.

Mittwoch 02. 01. 74
Wir beginnen mit dem Bau der Position 108, (die bereits am 27. 12. erkundet und festgelegt wurde)
Die Pioniere prüfen das Areal auf Minen und Blindgänger. Gegen Mittag beginnen die Ägypter (wieder) mit Artilleriefeuer, 15 Minuten spätern antworten die Israelis. Das Feuer hält bis 1400 Uhr an. Am frühen Abend (wieder im Camp Ismailia) geht eine Rak-Batterie (Katjuscha) hart ostwärts des Camps in Stellung. Um 1730 Uhr beginnt sie zu feuern. Es ist ein überwältigender Eindruck. Die Einschläge liegen auf der gegenüberliegenden Seite des Timsah See, wo das Kriegerdenkmal steht. Die israelischen Stellungen werden mit Flächenfeuer zugedeckt.
Erstmalig erleb ich selbst, was ich nur aus Schilderungen von der Wirkung der Stalinorgeln im 2. Weltkrieg gekannt habe.
Vom Dach des Unterkunftgebäudes wird das Ereignis staunend beobachtet. Ich habe größte Bedenken eine möglichen Gegenschlags der Israelis, lasse das Dach räumen um sofort die Shelter zu beziehen. Die Israelis bleiben diesmal die Antwort schuldig.
Dafür wird in der Nacht einer unserer Posten angeschossen. Es geschieht direkt unter dem Fenster meines Zimmers. Der konnte noch das Feuer erwidern, wurde aber im Unterschenkel getroffen. Er hatte Riesenglück: einige Zentimeter höher wäre in den Unterleib oder die Hüfte gegangen. Die heimische Presse - der Kurier - hat den Mann allerdings sterben lassen, bevor der Irrtum nach 2 Wochen berichtigt wurde.
Donnerstag 03. 01. 74
Heute ist Neujahrstag nach dem islamischen Kalender.
Ich übernehme den III. Zug und beginne mit dem Ausbau der Position 108. Zuerst werden Gruben ausgehoben in denen die Großzelte Schutz vor Splittern finden sollen. Zuvor allerdings wird die Centerbox, - der Beobachtungsstand errichtet, der auch während der Arbeiten besetzt ist.
Ich nehme (in Begleitung von 2 Unteroffizieren)Verbindung mit den Ägyptern auf, deren Stellungen ca. 300 Meter entfernt sind.
Zufällig ist auch ihr Bataillonskommandant vorne. Werde zum Essen eingeladen, ein einmaliges Erlebnis wie in Tausend und eine Nacht (Offenbar war man über alle Maßnahmen der UN informiert, so dass anzunehmen ist, dass dieser Empfang bereits arrangiert war.)
Das Essen ist ausgesprochen delikat und reichhaltig (Offensichtlich nicht die täglichen Kost)
Der Neujahrstag wird offensichtlich von allen Seiten respektiert, es fällt kein Schuss.
Freitag 04. 01. 74
Heute Verbindungsaufnahme mit den Israelis. Wir kommen gerade zur Kaffejause zurecht. Der Empfang ist freundlich, aber sachlich und offensichtlich nicht arrangiert.
(Diese Verbindungsaufnahmen zu den Kriegsparteien waren keineswegs von der UNEF angeordnete Aufgaben der Truppe, sondern den wenigen Verbindungsoffizieren vorbehalten. Denen aber fehlte der direkte Einblick in die Verhältnisse an der Front. Auch Seitens des Bataillonskommandos gab es diesbezüglich keine direkten Anweisungen, wurden aber wohlwollend zur Kenntnis genommen. Dieser Initiative der untersten Führungsebene war es zu verdanken, dass der Abschnitt des AUSBATT relativ ruhig blieb und die gegenseitigen Feuerüberfälle eher den Charakter von Drohgebärden hatten.)
Wochenende 05. - 06. 01. 74
Die Arbeiten auf Position 108 gehen nur langsam weiter. Wir brächten dringend Baumaschinen. Zur Unterstützung der Grabarbeiten wird der I. Zug eingesetzt. Hoffe, dass ich morgens die Zelte aufstellen kann. An der Front ist es immer noch ruhig.
Montag 07. 01. 74
Die Position ist fast fertig, die Baugruben für die Zelte ausgehoben, der Zeltaufbau kann beginnen. Position 103 wird heute von der 3. Gruppe des III. Zuges übernommen (vormals besetzt von der 3. Kompanie)
Dienstag 08. 01. 74
Einige Schweden erscheinen, angeführt vom FMO Hptm Nils Bovin: Sie sind auf der Suche nach ihren Antennen. Habe vorerst keine Ahnung wieso sie diese bei mir suchen.
Es sollte sich aber herausstellen, dass die Antennen (und manches andere Gerät)in Form einer spezifischen Variante der Geräteleihe in unseren Besitz kamen:
Bei der Einrichtung der Lager und Positions herrschten bei den Bataillonen die unterschiedlichsten Verhältnisse hinsichtlich ihrer Geräteausstattung. Während die Finnen, Schweden und Kanadier (Indonesier waren zum Beginn noch keine da) aus dem Vollen schöpfen konnten, herrschte bei den Österreichern traditionsgemäß Mangel an Allem. Das Benötigte Gerät war entweder beim Transport vergessen, oder nicht verfügbar weil aus Wien unterwegs oder am falschen Ort gelagert.
Als Weltmeister in Sachen Improvisation wurde eine etwas fragwürdige Methode der Bedarfsdeckung entwickelt, die im Wesentlichen aus einem Tauschhandel bestand:
Der ahnungslose Inhaber der erstrebten Wahre wurder vorerst mit österreichischem Charme und dann mit viel Alkohol von der Zweckmäßigkeit des Geschäftes überzeugt. Als alkoholisches Medium erwies sich der für Skandinavier und Kanadier ungewohnte Wein, besonders wirksam.
Nachdem sich diese Art der Beschaffung auch bei den Versorgungsorganen der Kanadier und Schweden herumgesprochen hatte, begaben sie sich auf die Suche. Sofern die Verluststücke mit der Serialnummer identifizierbar waren, konnten bei Aufbringung einiger Geduld und Findigkeit, die echten Besitzverhältnisse wieder hergestellt werden. Manche nicht so leicht identifizierbare Gegenstände, wie Luftmatratzen und Feldbetten, blieben jedoch dank des durch Alkoholbeeinträchtigung verlorenen Erinnerungsvermögens, für alle Zeiten unauffindbar.
In unserem konkreten Fall aber wurde die Wiederauffindung der Antennen gebührend gefeiert und waqr der Beginn einer Freundschaft, die noch Jahre über den UN-Einsatz hinaus bestehen sollte.
Mittwoch 9.1. 74
Position 108 wird heute bezogen, gleichzeitig wird mit dem Bau von 109 begonnen.
Donnerstag 10. 01. 74

Um 1100 Uhr beginnt wieder das tägliche Artilleriekonzert, der ägyptische Nachbar zeigt sich plötzlich zugeknöpft, der Start für Pos 109 scheint unter keinem guten Stern zu stehen

Freitag 11.1.74
Bekomme bei der " Mütterberatung" den Auftrag im HQ der UNEF in Kairo Den Chief Engeneer aufzusuchen und den Einsatz von Baumaschinen für den weiteren Ausbau der Positions zu organisieren.
( Die Bezeichnung Mütterberatung ist eine Erfindung der damaligen Kompaniekommasndanten und Stabsoffiziere, ich vermute dass der für humorvolle Sprüche bekannte Htm Joe Wieser, OpsA (S3)im BKdo diesen Terminus kreiert hatte.)
Auf der Fahrt nach Kairo kommt es zu einem ernsten Zwischenfall: 1 LKW, vollbesetzt mit Soldaten, die zur Recreation in Kairo bestimmt waren, gerät in massives Artilleriefeuer der Israelis. Es ist ein Wunder, dass es nur einen Leichtverletzten gab, und der hatte sich nur einen Fuß beim Abspringen vom Fahrzeug verstaucht.
Ich selbst komme unmittelbar nach dem Feuerüberfall an die Stelle und finde eine Schar zerzauster und staubiger Soldaten, die sich gerade um das Fahrzeug, das der Fahrer geistesgegenwärtig von der Straße gelenkt hatte, sammeln und erstaunlich gelassen wirken.
In Kairo steige ich im Hotel Victoria ab, ein Haus das mir Olt Scherer als preiswert empfohlen hatte. Der pompöse Empfang als Effendi zeigt, dass er mich auch mit all meinen Titeln angemeldet hatte. Nach Abnahme des Spaliers und Trinkgeldverteilung begebe ich mich in mein Zimmer, das zwar nicht den Standard des Nile Hilton aufweist, dafür aber beruhigend billig ist. Hauptsache ist warmes Badewasser und nachdem auch der fehlende Abflussstöpsel für die Badewanne vom Zimmerservice aufgetrieben werden konnte, genieße ich nach 2 Wochen wieder ein herrliches Bad.

Cembrinsky
Foto: Y.Nagata
Im Bild LCembrinkytCol aus Polen, Force Engeneer UNEF und Capt Stephan Park aus Kanada, Chief Signals Officer und meine Wenigkeit, bei der Besprechung im HQ UNEF.

Samstag 12.1. 74
Besprechung im UNEF/HQ mit ObstLt Cembrinsky, dem Chief Enginer Officer der UNEF. Fortsetzung am nächsten Tag.
Kaufe mir einen Zivilanzug, trotz billigem Preis von bester Qualität. (Das Sakko habe ich noch ein Dutzend Jahre getragen) Sonntag 13. 1. 74
Fortsetzung der Besprechung. Der "Hausfotograf" der UNEF, Mr. Nagata, ein freundlicher Japaner den ich noch oft treffen werde, fotografiert uns dabei. Das Ergebnis ist erfreulich, die Baumaschinen und ein Zug polnischer Pioniere werden zugesagt. Am folgenden Tag sollen sie bereits eintreffen.
Nachmittags ein fürchterlicher Wolkenbruch in Kairo; es regnet auch noch auf der Heimfahrt nach Ismailia. Montag 14.1.74
Besuch der Position 103 und 108. Es wieder alles ruhig, nachdem am Wochenende wieder heftig herum geschossen wurde. Abends treffen die polnischen Pioniere mit ObstLt Cembrinsky ein. Er ist ein angenehmer, zuvorkommender und freundlicher Mensch.
Dienstag 15. 1. 74
Besuch des Brigadekommandanten Generalmajor Soetanto aus Indonesien auf 109.
Soutanto
Die Polen suchen das Gelände ab. Abends Dallinger vom Heimaturlaub zurück. Morgen übersiedle ich wieder in die Wüste auf Pos 108 und das nicht ungern.

Mittwoch 16. 1. 74
Nach einem furchtbar langen Anmarsch, - die Baumaschinen haben ein Tempo von Maximal 20 kmh - beginnen die Polen zu graben. Auch die Leistungsfähigkeit der Bagger ist gering. Trotzdem bin ich froh, dass wir nicht wie zuvor auf 108 händisch graben müssen.

Baumaschine

Donnerstag 17. 1. 74
Die Nacht war kalt, der Morgen regnerisch trüb, ständiger Westwind. Nachmittags ein Wolkenbruch mit Hagelschauern bei etwa + 5° C.
Nachmittag kommt der Pfarrer nach 103. Wir nennen ihn "Seine Merkwürden, Thomas der Ölige" er weiß warum und nimmt es mit Humor. Nach Absolvierung der seelsorglichen Pflichten wird zum gemütlichen Teil gewechselt und der Abend nimmt seinen Lauf. Thomas muss auf der Position übernachten und ich fahre bei Dunkelheit auf 108 zurück. Der Weg, der die Positions verbindet ist nichts als eine Sandpiste, auf der man sicher vor Minen ist, solange man sich an die Fahrspur hält.
Um 2215 Uhr fallen einige Gewehrschüsse, - im Gegensatz zu den täglichen Artillerieduellen eine ungewöhnliche Sache, vor allem aber bei Nacht.
Freitag 18. 1. 74

Besuch bei den Israelis. Erfahre dass das Waffenstillstandsabkommen demnächst unterzeichnet wird. Man bietet mir an, meine Familie zu Hause anzurufen. Anders als wie Bei unserem Heimatfunk, kann man hier ganz normal über den Feldfernsprecher in alle Welt telefonieren, bis die Verbindung zustande kommt vergeht allerdings einige Zeit. Kann aber leider nicht darauf warten. Heute kommt Tomas auf 108 und beschloss von vornherein hier zu nächtigen. Die Polen müssen wieder zurück und brechen daher ihren Einsatz ab.

Samstag 19. 1. 74
Das Waffenstillstandsabkommen ist unterzeichnet. Hptm Wieser, OpsA oder nach unserem Sprachgebrauch der S3 des Bataillons kommt heraus. Wir fahren gemeinsam zu Pos 109, die langsam fertig wird. Das Wetter ist stürmisch und kalt.
Sonntag 20. 1.74
Dallinger kommt heraus. Von Pos 109 fahren Wir gemeinsam in Richtung zur nächsten Position 110. Wir benützen die Spur unsrer Erkundungsfahrt vom 27. 12 die gut im Gelände sichtbar ist. Trotzdem müssen wir wegen des immer stärker werden Sandsturmes umkehren.
Der Sand dringt überall ein und überzieht alles mit einer gelblichen Staubschicht. Die Zelte halten zwar eine zeitlang dicht, bis der Staub schließlich durch alle Ritzen dringt. Am Nachmittag legt sich der Sturm, und wir besuchen gemeinsam die Ägypter. Wir sind bereits gern gesehen Gäste und sollen auch ein Gastgeschenk bekommen. Den angebotenen Radioapparat kann ich aber nicht annehmen, da mir bewusst ist, das der sein ganzer Besitz ist. Um ihn nicht zu beleidigen nahm ich sein Handtuch an. Ich glaube dass auch er darüber froh war.

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Der Unglückstag

Montag 21. 1. 74

Das ist ein schwarzer Tag für uns alle.
Er beginnt aber mit einem prächtigen Morgen und völliger Windstille. Pos 109 soll noch heute bezogen werden und ich fahre mit OStV Friedl, der als Kommandant von 109 vorgesehen ist, dahin. Das Wetter ist hervorragend, unsere gestrige Fahrspur ist wie eingraviert weithin bis zum Horizont zu sehen. Eine erstklassige Gelegenheit, die gestern abgebrochene Fahrt zur Pos 110 anzutreten. Da mein Fahrer nicht dienstfähig ist, - er hat einen schlechten Zahn und soll nach Ismailia gebracht werden. Muss ich selbst den Landrover steuern und Friedl bietet sich als Beifahrer an. Wir passierten den Platz wo wir gestern umkehren mussten und 300 m weiter fuhr ich auf die Mine. Nachdem ich wieder zu mir gekommen war, sah ich dass der Platz bzw. der linke Teil neben mir nicht mehr vorhanden war.
Friedl lag neben dem Wrack. Er war bei vollem Bewusstsein und hatte furchtbare Schmerzen. Meine erste Beurteilung war offener Unterschenkelbruch, konnte aber nur geringe Blutung feststellen. Der Verbandskasten lag irgendwo im Sand und ich versuche das Bein mit meiner Mullbinde abzubinden, alle drei Binden rissen als ich zu zusammenzog. Das Abbinden schien endlich nicht nötig da die Blutung von der Schockeinwirkung völlig zum Stillstand kam. Jetzt erst nehme ich die ganze Bescherung wahr:
wir befanden uns in einem Minenfeld, bestehend aus russischen Holzminen, die teilweise vom Sand bedeckt und daher kaum sichtbar waren.

Mine Abb.links
Der total zerstörte Landrover
Die Mine wurde mit dem linken Vorderrad ausgelöst. Es war ein Minenfeld von etwa 100 m2 Ausmaß, eine Mine unmittelbar neben der Fahrertüre. Hätte sich diese öffenen lassen, wäre ich wahrscheinlich darauf getreten.Zum Zeitpunkt der Fotoaufnahme waren die Minen schon von den Ägyptern geräumt

 


Abb. rechts
Schützenmine der PMD-Serie
Der Sprengkärper sowjetischer Herkunft ist mit Ausnahme der Zündeinrichtung aus Holz.
Holzmine PMD

Endlich kommt Hilfe. Man hat die Detonation von 109 aus beobachtet, auch Ägypter tauchen jetzt auf und bald auch ein SanKW. Die Bergung aus dem Minenfeld ist äußerst gefährlich, weil die Minen nicht regelmäßig ausgelegt sind. Friedl ist entlich versorgt und wird mit dem SanKW weggebracht. Nun fange ich erst klar zu denken an, wieso das passieren konnte. Bin ich von der Spur abgewichen oder hat man die Minen erst seit Kurzem verlegt und warum. Eigentlich hätte es bei unserer Fahrt vom 27.12. krachen müssen, wenn das Minenfeld schon vorhanden gewesen wäre. Eine nachträgliche Verlegung der Minen passt einfach nicht in unser Erfahrungsschema. Ich gehe zur nächsten Stellung; es ist die selbe, wo wir schon einmal waren. Dort treffe ich einen Oberst, der mir auch keine Erklärung geben kann - oder nicht will? Er fährt mich jedenfalls bis zu dem Verbandsplatz, wo ich Friedl wieder sehe, Er wird gerade von unserem Arzt Htm Dr. Fitscha betreut und auf den Transport nach Kairo vorbereitet. Hubschrauber gibt es keinen. Irgendwie komme ich dann wieder in meine Pos 108 wo bereits Hptm Riedl von der UN-Militärpolizei auf mich wartet. Dem gebe ich alles zu Protokoll. Eine Rückkehr nach Ismailia lehne ich ab da ich jetzt von meinen Leuten gebraucht werde. Irgendjemand schickt mir eine Flasche Kognak heraus. Bei der sitzen wir alle noch bis spät in die Nacht.

Artikel
Kurier vom 22. Jänner 1974
Diese Meldung hört sich an, als ob es sich um einen Betreibsausflug handle.
Weiters enthält der Artikel eine grobe Falschmeldung, die hunderte Familien falsch interpretieren mussten, wei sie weder Namen noch Tathergang enthält.
Bein
Krone 22. Jänner 1974
Der reißerische Titel entspricht nicht den geschilderten Tatsachen. Ebenso war die Formulierung in einer leider verloren gegangenen Meldung, "der Fahrer sei 40 Meter von der Spur" abgewichen , eine Behauptung, die mich wegen grober Fahrlässigkeit vor Gericht hätte bringen können. Tatsächlich waren es 4-5 Zentimeter, wie im Unfallbericht angegeben.
Krone
Kurier vom 24. Jänner 1974
1 Woche später wird die Falschmeldung korrigiert. Gfr Huber, der am 2. Jänner 1974 als Wachposten angeschossen wurde, ist bereits wieder dienstfähig.

(Bilder anklicken, Um die Pressetexte zu lesen)
Aus obigen Pressemeldungen ist ersichtlich, wie der Minenunfall medial verarbeitet wurde.
Verzerrung von Sachverhalten, Übertreibungen und falsche Sachverhaltsdarstellungen wie diese waren an der Tagesordnung und trugen dazu bei, mein gestörtes Verhältnis zu gewissen Medien zu bekräftigen

Dienstag 22.1. 74
In Ismailia grassiert die Hepatitis.
Jetzt erst spüre ich, dass mein ganzer Rahmenbau gehörig durchgeschüttelt wurde und kann mich kaum bewegen. Ich erfahre, dass man Friedl noch am Abend das Bein bis zum Knieansatz amputieren musste. Meine Leute hatten das die ganze Zeit gewusst, als wir beim Kognak saßen. Auch meine Pistole ist verschwunden; den Grund scheine ich zu kennen und man macht sich um mich Sorgen. Ich tue daher so als würde ich das Ding gar nicht vermissen.
Schlimmer ist, dass wir auch bereits einen Fall von Hepatitis auf der Position haben. Ein Mann des Funktrupps. Am Abend dann ein zweiter Fall. Der Mann hat hohes Fieber und der SankW ist bereits mit dem einen Kranken abgefahren. Inzwischen ist es stockdunkel geworden. Ich muss den Mann daher bis zur Position 102, die an der asphaltierten Strasse liegt, bringen. Eine Fahrt zwischen den Fronten bei stockdunkler Nacht kann ich niemandem zumuten. Ich fahre daher selbst. Über Funk bekomme ich grünes Licht, die Isis geben mir eine Stunde Zeit, von den Ägyptern kommt keine Meldung, ein ungutes Gefüfühl. Irgendwann bin ich dann mit dem Kranken auf 102, wo der SanKW bereits wartete.
(Da das Bataillon damals noch keine geländegängigen SanKW hatte, musste jeder Krankentransport auf Sandpisten improvisiert werden; das Problem wurde im Mai 1974 nach der Lieferung der neuen Pinzgauer mit San-Aufbau gelöst. Auch die auf VWBus montierten Funkfernschreiber MFF1, unsere leistungsfähigsten Verbindungsmittel mussten in die Positions geschleppt werden.)
Mittwoch 23. 1. 74
Wir machen eine schwere Zeit durch, in Ismailia soll es aber wegen der Gelbsucht noch schlimmer sein. Ich glaube selbst schon angesteckt zu sein, was allerdings nur auf Einbildung beruhte. Das Wetter ist uns auch nicht gesonnen. Sandstürme und Wolkenbrüche wechseln sich ständig ab, zudem ist es bitter kalt. Sturm und Regen machen es zeitweise unmöglich das Zelt zu verlassen.
Dafür aber merkt man die Auswirkungen des Waffenstillstandes. Die Ägypter fahren jetzt mit ihren Fahrzeugen bis in die vordersten Stellungen und über den ganzen Aufregungen in eigener Sache ist uns gar nicht aufgefallen, dass seit dem 19. Jänner kein Schuss mehr gefallen ist.
Heute ist OstV Friedl mit 8 Hepatitispatienten nach Wien geflogen.

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Operation Calendar

Am 18. Jänner 1974 wurde jenes Abkommen von den Kriegsparteien unterzeichnet, das den Friedensprozess zwischen Ägypten und Israel einleiten sollte. Das unter der offiziellen Bezeichnung Sinai Separation of Forces Agreement geführte Truppentrennung sollte in einer schrittweisen Operation, beginnend am 25. Jänner 1974 die israelischen Truppen veranlassen, das eroberte Westufer des Suezkanals zu räumen, und sich auf. eine Linie, etwa 20 Kilometer westlich und annähernd parallel zum Suezkanal verlaufend, zurückziehen. Den Ägyptern wurde es gestattet, auf die Sinai nachzurücken, und einen Streifen von 10 Kilometer Breite parallel zum Suezkanal zu besetzen. Damit waren sie wieder auf dem Territorium, das sie zum Kriegsbeginn erobert hatten, was natürlich genügend Anlass bot, den Sieg aus dem vergangenen Krieg für sich zu beanspruchen. Die Israelis, mit der Nachlese ihrer eigenen politischen Probleme bereits vollauf beschäftigt, trugen es gelassen.
Ermöglicht wurde dieses Abkommens wurde durch die Friedenskonferenz vom 22. Dezember 1973 die zwar hinsichtlich ihres gesamten Zieles einer generellen Truppenentflechtung auch an der Golanfront, gescheitert war. Nicht zuletzt aber war es die hartnäckige Shuttle Diplomacy Kissingers und seines russischen Amtskollegen. Für uns selbst bedeutete es vor allem die endgültige Feuereinstellung und eine erhebliche Verbesserung unserer logistischen Situation. Bereits wenige Tage nach Beginn der Operationen verkürzte sich unser Nachschubweg in die Positions um gute 20 Kilometer. In Erster Linie war von dem Truppenrückzug der Abschnitt des AUSBATT betroffen und wir rechneten mit einerr heiklen Aufgabe
Der Abzug der Israelis begann am 25. Jänner 1974, allerdings ohne unserer geschätzten der Mitwirkung, denn kurz zuvor war die Hepatitis ausgebrochen. Nun standen wir unter Quarantäne und mussten erstmals zusehen, wenn etwas los war.

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Übernahme der 1.Kompanie

Freitag 15. 2. 74
Die Newcomer sind da: Leutnant Kofler aus Salzburg und 23 Mann. Kofler übernimmt den III. Zug. Von Operation Calendar läuft die Phase IV an, was bedeutet, dass wir jetzt doch mitspielen dürfen, weil die Quarantäne endlich aufgehoben wurde.

Die Zugskommandanten
Foto: Klinger
Lt Kofler (Mitte) wird von Olt Scherer eingewiesen. Er übernimmt den III.Zug, bestehend vorwiegend aus den Newcomers der Rotation.
Die übrigen Einteilungen:
  • KdoGrp OstV Sommer
  • DfUO Ostv Ödendorfer
  • I.Zug Olt Scherer
  • II. Zug Lt. Endisch
  • III. Zug Lt. Kofler

Der Auftrag an die Kp lautet: Verstärkung der Patrouillentätigkeit und Einrichtung stehender Spähtrupps zwischen Pos 102 und 109:
" Die 1. Kp hat die Absicht, beginnend ab 19.02. ihre Positionen durch stehende Spähtrupps zu verstärken, um ein vorzeitiges Vorgehen der Ägypter zu verhindern, sowie durch eine rasche Inbesitznahme der israelischen Stellungen eine reibungslose Übergabe an die Ägypter sicher zu stellen."
So lautete die Ziffer 2. - Absicht - meines Kompaniebefehles, schulmäßig dem Befehlsschema entsprechend verfasst und vom vorgesetzten Kommando bestätigt. 16.- 18.2. 74
Lt Kofler übernimmt den III. Zug und das Kommando über die stehenden Spähtrupps, die Besetzung der Positions bleibt unverändert. Der Informationsstand über IDF und AREF ist unbefriedigend. Werden die Isis die Raketenstellungen sprengen, oder werdenb sie sie den Ägyptern überlassen?
Werde beim Fotografieren auf der Agicultureroad von einem ägypzischen MP überrascht, kann aber im letzten Moment mit dem Landrover abhauen, - Kamera und Film sind gerettet.
Dienstag 19. 2. 1974
Um 1500 Uhr mit des Israelis, Col Gidra und Capt URI Shani auf Pos 102 über den Verlauf der Übernahme von IDF:
Am 21. Februar um 0700 Uhr früh erfolgt die feierliche Übergabe des gesamten Abschnittes auf Pos. 102.
Abends Party mit dem obersten Verbindungsoffizier des Südabschnittes (SARELO)Col Helmi und seinen Stab. Unterhalte mich mit LtCol Nagi blendend.
Mittwoch 20. 2. 1974
Die ganze Kompanie verlegt in die Wüste.
II.Zug bezieht Stellungen zwischen Pos 102 und 103
III.Zug überwacht das Zwischengelände von Pos 103, 108 und 109 Der I.Zug verbleibt nach wievor als Besatzung der Positions 103, 108 und 109
Damit ist der Abschnitt der 1. Kp nahezu lückenlos besetzt, ob es was nützt hängt von der Bereitschaft der Zusammenarbeit der Kriegsparteien ab. Überetwaige Konsequenzen bei einer Zuwiderhandlung ist allerdings nicht die Rede. Wir führen jedoch die gesamte Munition mit, die MG 74 sind auf Lafette montiert, die Stellungen wurden schon Tage zuvor ausgebaut.
Abends gibt es Abschiedsparties auf allen israelischen Stützpunkten. Schon Tage zuvor wurde vereinbar, dass die Österreicher die Getränke besorgen und die Isis für das Essen zuständig sind. Aus begreiflichen Gründen konnten an den Parties konnten natürlich nur wenige der Österreicher teilnehmen.
Im Kompaniegefechtsstand von Uri Shani geht es hoch her. Uri Shani teilt mir mit, dass seine Kompanie nun unter dem kompletten Schutz der Östrerreicher feiere. Das entsprach auch den Tatsachen, denn in kurzer Zeit hätte man die Krieger nur mehr einsammeln brauchen.
Als gleichrangige Häuptlinge tauschten wir auch unsere Dienstgradabzeichen. Das Ende der Feier ergab sich von selbst: Urider unverändert nüchtern blieb, riet mir den Hinterausgang des Raketenbunkers zu nehmen, den Vorderausgang blockieren einige Leichen der unbesiegbaren Israelischen Armee.
Donnerstag 21. 2. 1974
Um 0600 Uhr früh ist alles wieder nüchtern und steht zur Flaggenparade angetreten, die Schützenpanzer M113 stehen in Reih und Glied, vom gestrigen Sauhaufen ist keine Spur zu sehen. Der Davidstern wird eingeholt und Uri Shahni reicht mir zum Abschied die Hand, dann rollt die Eiheit ab in Richtung Suezkanal. Wie es sich gehört, begleite ich die Kolonne noch einige Kilometer. Das wars dann! Um 1500 Uhr ist Übergabe an die Ägypter. Der Bataillonskommandant Major Rafid wird von mir empfangen. Im letzten Augenblick merke ich, dass ich noch die israelichen Distinktionen auf meinen Schultern trage und kann sie noch unbemerkt entfernen.
Die Einweisung der Ägypter ist detailliert, jeder Stützpunkt wird einzeln übergeben. Die ägyptischen Offiziere nehmen auf unseren Fahrzeugen Platz, manche haben sichtlich Angst, wir könnten auf eine Mine fahren, wir können sie aber beruhigen.
Freitag 22. 2. 1974
Der Tag an dem unsere Aufgabe im Wadi Ashara zu Endegeht, ist angebrochen. Mit Wehmut sehe ich dem Abbau der Positions, der bereits begonnen hat zu. Um 0700 Uhr sind wir, meine Zugskommandanten und Unteroffiziere, von den Ägyptern zum Frühstück geladen.
Wieder haben sie alles gegeben um eine üppige Tafel herzurichten. Den Abschied wollen sie so lang wie möglich hinauszögern und man sieht ihnen die Freude an, wieder Herr im eigenen Land zu sein. Die Offiziere bekommen jeder ein Kompanieabzeichen überreicht, als Gegengeschenk überhäuft man uns mit Konserven aller Art.
Ein wichtiger Abschnitt unsres Einsatzes ist also beendet. Wir haben manches gelernt und haben Opfer gebracht. Erst jetzt wird bewusst, was hinter unds liegt. Man kann sagen, das ist schon Geschichte und es wird auch klar dass das alles bitterer Ernst und jeder Tag, den man erlebt hat, ein Geschenk war und auch ein Gewinn war.
Sicher haben auch unsere laufenden Kontakte und Verhandlungen mit den Kriegsparteien dazu beigetragen, dass man von einer Entwicklung zum Frieden sprechen kann.
Die Israelis waren faire Kämpfer und uns gegenüber gastfreundlich und korrekt. Mag sein, dass ad auch Berechnung dabei war
Die Ägypter uns mit offenen Armen empfangen und uns als Vertreter des modernen Europas gesehen. Als Soldaten haben sie uns mehr als nur respektiert; sie haben in uns Freunde gesehen. Ich hoffe, den einen oder anderen wieder zu sehen.

Inhaltsverzeichnis

Die Ruhephase

23. 2. - 4. 3. 1974 (Da keine chronologische Relevanz besteht, entfallen die Tagebucheintragungen)

Nun beginnt eine Periode eine Routinedienstes, der vorerst der Aufarbeitung der Hinterlassenschaft der Zeit in der Wüste, sprich feststellen der Verluste und Gerätereperaturen, gewidmet war. Weiters sollte an der Wiederherstellung eines militärischen Dinstbetriebes nach Weingerls Vorstellungen gearbeitet werden. Seine etwas eigenartige Auffassung, - es müsse immer Bewegung in der Truppe sein, - wurde allerdings von den Kompaniekommandante kaum geteilt, doch hatten auch die Häuptlinge keine besseren Ideen. Schließlich eingte man sich neben Exerzieren und etwas Gefechtsausbildung auf ein großes Sportprogramm, das mit einem Fußballtournier beginnen sollte .
Ein Fußballturnier und Schießwettbewerbe wurden durchgeführt, und für diejenigen, die sich weder für eine Fußballmannschaft noch im Schießbewerb qualifizieren konnten, gibt es eine Beschäftigungstherapie: Exerzieren. Kein Wunder, dass so Mancher sich nach der Beschaulichkeit des Lebens in der Wüste sehnte.
Eine besondere Schwachstelle der Freizeitgestaltung war das absolute Fehlen weiblicher Wesen, abgesehen von den Bauernfrauen und - Mädchen, die in der Umgebung anzutreffen waren und jegliche Kontaktnahme aber außer Diskussion stand. Und das war auch gut so, denn die muslimische Auffassung von Moral und Sex ist bekannterweise von der unseren etwas verschieden.
Die liberaler eingestellte urbane Gesellschaft gibt sich zwar offenherziger, was nicht nur an den Dekolletees der Damenmode ersehen läßt, sondern auch in offen zum Ausdruck gebrachter Koketterie äußert. Dieses erstaunliche Verhalten, vorwiegend von jungen Mädchen praktiziert, würde unseren Breiten als unmissverständliche Aufforderung zu näherer Kontaktnahme aufgefasst. So aber handelt es sich lediglich um den bescheidenen Versuch, die auferlegten sexuellen Barrieren wenigstens symbolisch zu überschreiten.
Es ist anzunehmen, dass nach der gegenwärtigen Renaissance islamistischer Lebensform, auch diese charmante Art weiblicher Selbstverwirklichung zum Verschwinden kommt.
Um dem Hormonstau, wie er bei ähnlich gearteten Rahmenbedingungen, - sozusagen in sexuellen Notstandsgebieten, - aufzutreten pflegt, zu begegnen, gibt es von alters her eine entsprechende Infrastruktur einschlägiger Dienstleistungen im Interesse der Erhaltung militärischer Zucht und Ordnung.
Im Orient sind diesbezüglich 2 Gesetze maßgeblich: Zum Einen verbietet das ägyptische Strafrecht entsprechend der islamischen Rechtsauffassung, generell jede Art der Prostitution. Auf der anderen Seite steht die landläufige Rechtsauffassung, die mir ein Ägypter auf folgende weise erklärt: "In ganz Ägypten ist die Prostitution verboten, aber ganz Ägypten ist ein Puff." Dieser Sache wollten kurz nach Weihnachten, 25 Schweden auf den Grund gehen. Das Ergebnis dieser Recreation in Alexandria waren 22 veritable Tripperfälle.
Im AUSBATT, wo ähnlich alarmierende Vorfälle zu erwarten waren, reagierte man vorbeugend durch die Ausgabe von Kondomen. Angeblich soll es auch Überlegungen gegeben haben, das Angebot örtlicher Reiseagenturen zu entsprechende Arrangements mit bereitwilligen Hostessen aufzugreifen. Der gut gemeinte Vorschlag wurde allerdings nicht weiter verfolgt.
An dieser Stelle möchte ich klarstellen, dass das offiziel mi dem AUSBATT zusammenarbeitende Reisebüro Egypt Tours, des Dr. Mussa nichts damit zu tun hatte.
In diesen Wochen der Erholungsphase von Ende Februar bis Mitte März, hatte die UNEF endlich die geplante Stärke von 7000 Mann erreicht und bestand nun aus 12 Nationen:

  1. 604 Österreicher
  2. 1097 Kanadier
  3. 637 Finnen
  4. 499 Ghanesen
  5. 550 Indonesier
  6. 271 Iren
  7. 571 Nepalesen
  1. 406 Mann aus Panama
  2. 497 Peruaner
  3. 822 Polen
  4. 399 Mann aus Senegal
  5. 620 Schweden

Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir noch keine Kontakte zu den Afrikanern und Südamerikanern, da deren Einsatzräume außerhalb unserer Reichweite gelegen waren. Die Afrikaner sollten jedoch in wenigen Tagen unsere unmittelbaren Nachbarn werden, als das AUSBATT seine neue Aufgabe auf Sinai zugewiesen bekam.
Interessant gestaltete sich das Verhältnis zu den Indonesiern, die mit Jahresanfang in Ismailia eingezogen sind. Da war zunächst Brigadekommandant General Soutanto, ein kultivierter, freundlicher Offizier, der offensichtlich vom Ausbildungsstand der Österreicher beeindruckt, unseren Chef ersucht hatte, seinen jungen Offizieren Nachhilfeunterricht zu erteilen. Dieses Ansinnen wurde dann tatsächlich in die Tat umgesetzt, indem die indonesischen Leutnants 1 bis 2 Wochen auf unsere Positions verteilt, von leidlich englisch sprechenden Unteroffizieren über alle möglichen Ausbildungszweige, vom Kartenlesen bis zum Stellungsbau, unterwiesen wurden. Die militärischen Bildungslücken der Leutnants sind eine Folge des Offiziersstellenkaufes, eine Unsitte, über die sich bereits Feldmarschall Radetzky beklagte.
General Soutanto und unser Vater Radetzky hatten also die gleichen Sorgen. Die jungen, meist aus gutem Hause kommenden Leutnants, fühlten sich jedenfalls bei uns recht wohl und fanden nichts dabei, von einem Gefreiten in der Handhabung von Karte und Bussole unterrichtet zu werden. Ähnliche Probleme der Kartenkunde waren auch bei Vertretern anderer Nationen zu beobachten, wie etwa der russische Major, der mir irgend eine Position auf der Karte erklären wollte, die auf der Motorhaube seines Jeep ausgebreitet lag. Sein Versuch die Karte mittels der Bussole in die Nordrichtung zu bringen, musste er verwundert abbrechen, da die Magnetnadel hartnäckig in Richtung Motorblock wies. Ein neuer kartografischer Begriff, "Jeep-Nord" machte darauf die Runde durch den Nahen Osten.

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Alkoholisches

Wie schon vorher erwähnt, spielt der Alkohol im Rahmen der Völkerverständigung eine wesentliche Rolle, was nicht zuletzt auf das nicht gerade reichhaltige Angebot anderer Möglichkeiten der Freizeitgestaltung zurückzuführen ist.. Die gewissermaßen gleiche Vorliebe zur Nahrungsaufnahme in flüssiger Form und die räumlich bedingte Nachbarschaft, musste daher zwangsläufig zur Vertiefung der Beziehungen zwischen Schweden und Österreichern führen. Die nationalen Trinkgewohnheiten unterschieden sich zwar im Wesentlichen dadurch, dass für die Nordländer sich mehr der prozentuale Alkoholgehalt zählte, während der sanguinische Österreicher mehr zum Genuss neigt. Dementsprechend waren auch die Folgen der verschiedenen Trinkgelage, im UN-Jargon auch "Absturz" genannt, vom Gastgeber und seinem Getränkeangebot abhängig. Ein derartiger "Absturz" eines meiner Zugskommandanten, der aus Verschulden der schwedischen Gastgeber mit einer Meldung an das UNEF/HQ endete, wurde auf Anordnung ObstLt Weingerls, mit dem offiziellen "Abbruch" der Beziehungen sanktioniert. Wie es so bei den meisten Sanktionen ist, war diese Strafmassnahme weder von Dauer, noch zeigte sie nachhaltige Auswirkungen. um der Freundschaft mit den schwedischen Kameraden, Abbruch zu tun.
Das Verhältnis zu den Polen war, wie schon erwähnt, geprägt von nostalgischen Gefühlen, die Österreicher gerne jenen Völkern entgegenbringen, die einst der Donaumonarchie angehört hatten. Durch ihre Zugehörigkeit zum Ostblock stigmatisiert, galten sie als die Underdogs in der UNEF, eine Rolle, die durch mangelnde Sprachkenntnisse unterstrichen wurde. Fließend Englisch konnten nur Offiziere, die im Hauptquartier der UNEF tätig waren, bei der Truppe waren nur Wenige die leidliche Sprachkenntnisse hatten. Der Grund lag in der für den Ostblock typischen Furcht vor verführerischen Kontakten mit dem Westen, die die Segnungen des Sozialismus madig machen könnten. Die Gefahr der Verführung durch westlichen Einfluss war in der Tat gegeben, jedoch nicht aus politisch, ideologischen Gründen. Das westliche Interesse galt vorwiegend den Sanitäterinnen und Krankenschwestern die im polnischen Feldlazarett in Kairo tätig waren. Als Meister der Abschirmung nach bewährtem Muster, verstanden es die Polen, ihr weibliches Sanitätspersonal vor jedem außerdienstlichen Einfluss, auch vor dem ihrer österreichischen Gönner, fernzuhalten. Diejenigen aber, die sie als Patienten zu Gesicht bekamen, verbreiteten wahre Legenden ihrer Anmut und Schönheit, wie der Bettelstudent in Millöckers gleichnamiger Operette.
Vom sachlichen Standpunkt gesehen, aber waren wir auf das Funktionieren der Nachschubtransporte, die Unterstützung bei Baumassnahmen, das Räumen von Minen und vieles mehr, was die polnische Logistik /POLLOG anzubieten hatte, angewiesen. Besonders von Nutzen waren daher die Kontakte zu "Chief Engineer" Colonel Cembrinsky, mit dem ich den Baumaschineneinsatz für die Anlage der neuen Positions organisieren konnte. Dienstag 5. 3. 1974
Erkundungsfahrt nach Suez. Das Bataillon soll dorthin verlegen, wann das geschenen soll, wissen aber nur die Götter. Von der UNEF jedenfalls ist kein Termin zu bekommen.
Das Erkundungsergebnis verspricht aber ein Gewinn für uns zu sein: Fast unversehrte Unterkunftsgebäude, viel Platz und Gärten rundherum, der Badestrand in unmittelbarer Nähe!

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Bundeskanzler Dr. Bruno Kreisky in Ismailia

Montag 11. 3. 1974
Großer Bahnhof für unseren Bundeskanzler Dr. Bruno Kreisky.
Die Eherenkompanie unter meinem Kommando steht eine volle Stunde angetreten und wartet vergeblich auf das Erscheinen des Sonnenkönigs, obwohl sein Eintreffen am Stadtrand von Ismailia wurde durch einen Posten gemeldet wurde. Was der Posten aber nicht mitgekriegt hat, war die Einladung des Bürgermeisters zur Kaffeepause, die bekanntlich im Orient mindestens eine Stunde dauert.

Kreiskys Empfang
Foto: StWm Scheucher
Links
Kreisky schreitet die Fromt ab, neben ihm Mjr Ehrl, der stv Kommandant AUSBATT

 

 

rechts
Kreiskys Ansprache vor den Soldaten des AUSBATT
Krieskys Rede
Foto: Klinger

Endlich ist es dann doch soweit dass ich dem hohen Gast die Eherenformation, - allerdings bereits schweißgebadet, - melden konnte. Offenbar ist es ihm nicht entgangen, dass mir der Schweiß in Strömen unter dem Stahlhelm herabrann. "Ist es Ihnen auch zu warm hier, Herr Hauptmann?" So sein treffender Kommentar.
Dann hatte er doch eingesehen, dass die ganze Formation bereits unter der Hitze litt und er verschob seine Ansprache auf eine bessere Gelegenheit, nachdem ich die Übliche Formel "Bitte um weitere Befehle" aufgesagt habe.
"Lassen's die Leute abtreten und versammeln Sie sie im Garten der Villa, dort will ich zu ihnen sprechen".
Die anschließende Mittagstafel erweist sich als regelrechte Plauderstunde mit Kreisky, der mir immer sympatischer wird.
Anwesend ist auch der neue Deputy Chief of Staff der UNEF, mein wohlbekannter Stabschef vom Militärkommando Tirol, ObstdG Erich Seyer.
(das anschließende mediale Echo in Österreich war wie gewohnt unsachlich: Die Krone berichtet: "die Soldaten standen in verlegener Habt-Acht-Stellung und hörten die Ansprache des Bundeskanzlers" Wie hätten sie doch stehen sollen, nachdem die Formation aufgelöst und die Leute formlos versammelt waren. Natürlich hatten alle ihre Waffe dabei. Die "Plauderstunde" beim Mittagessen wurde in eine kritische Befragung umfunktioniert, bei der Personen namentlich zitiert wurden, die gar nicht anwesend waren.)
Dienstag 12. 3. 1974
Offizieller Besuch des Deputy Chief of Staff der UNEF ObstdG Erich Seyer. Abends Party mit nepalesischen Offizieren. Mjr Rana spricht erstklassig Deutsch; wir ziehen Vergleiche und stellen viele Ähnlichkeiten unserer Länder, nicht nur was die Berge betrifft.

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Flottenbesuch

Mittwoch 13. 3. 1974 Ein bemerkenswertes Erlebnis, dass wir den polnischen Beziehungen zu verdanken hatten, war der Besuch auf einem polnischen Handelsschiff, das im kleinen Bittersee ankerte und seit dem 6-Tage-Krieg dort festleg.

Dieses Schicksal teilte die Bolesslav Bierut, sie war nach einem polnischen Staatspräsidenden (1947 - 1952) benannt, mit weiteren 14 Frachtschiffen, die von den Kriegsereignissen überrascht, im Großen Bittersee, der breitesten Stelle im Kanal, vor Anker gehen mussten. Nachdem der Kanal durch absichtliche Schiffsversenkungen blockiert war, wurde daraus eine fast achtjährige Gefangenschaft die erst 1975 mit der endgültigen Wiederherstellung des Suezkanals endete.
Im Oktober 1967 wurde dem englischen Schiff 'Melampus' in einer Versammlung aller 14 Kapitäne und Mannschaften, die 'Great Bitter Lake Association gegründet, deren Hauptziel die Förderung der Freundschaft und die gegenseitige Hilfe untereinander sei sollte.
Die eingeschlossenen Besatzungen führten auf ihren Schiffen hauptsächlich Wartungsarbeiten durch. Nebenbei entfalteten sie diverse Aktivitäten, wie zum Beispiel die Abhaltung einer eigenen Olympiade, oder die Gründung eines Yachtklubs. Sie stellten auch ihre eigenen Briefmarken her und wurden auf diese Weise zu einer philatelistischen Rarität.
Die Besuchstour begann bereits mit einer Panne:
Unsere gewohnt ungehinderte Bewegungsfreiheit zu Lande, schien auf den Wassern des Bittersees keine Geltung zu haben. Nach mehreren Stunden Wartezeit, in der auch ein Sandsturm über uns hinweggefegt war, konnten wir endlich an Bord gehen. Der uns empfangende 1. Offizier musste allerdings mit Bedauern feststellen, dass der vorbereitete Braten inzwischen total verschmort und ungenießbar sei und das geplante Mittagessen daher ausfallen müsse. Als Ersatz dafür gab es reichlich Wodka, der mit Salzgebäck und anderen Snacks nur unzureichend kompensiert werden konnte. Erste Folgen zeigten sich bereits bei der Führung durch das Innenleben der Boleslaw Bierut, die gleichermaßen beeindruckend wie auch gefährlich war. Bereits der herzhafte Begrüßungstrunk hatte zur Folge, dass der Gang durch den Schiffsrumpf, über die engen und öligen Treppen, wie bei hohem Seegang ablief. Die Fortsetzung des geselligen Beisammenseins in der Offiziersmesse, ein musikalischer Kulturaustausch polnischen und alpenländischen Liedgutes, tat ihr Übriges, dass Symptome von aufkommender Seekrankheit, einschließlich der typischen Folgen der Erleichterung auftraten, obwohl der Bittersee spiegelglatt im aufkommenden Mondlicht dalag.
Während der Rückkehr auf das Festland in der Barkasse mussten dan auch die standhaftesten Seebären dem Neptun ihr Opfer bingen.
Die bilateralen Beziehungen zwischen Polen und Österreich haben durch diese kombinierte "Land- Seeoperation" des Bataillonsstabes und der drei Kompaniehäuptlinge, eine weitere Vertiefung erhalten.

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Suez

Der Truppenabzug der Israelis vom Westufer des Suezkanals und deren Neupositionierung in der Sinaiwüste hatte logischerweise Auswirkungen auf die gesamte UNEF und deren Dislokationen. 2 entscheidende Aktionen wurden daher schon seit längerer Zeit geplant:
Die Einrichtung einer ca. 10 - 20 km breiten Pufferzone in der Sinai, sowie die Verlegung des Hauptquartiers der UNEF von Kairo nach Ismailia. Währed die Pufferzone von den neu eingetroffenen Kontingenten aus Senegal und Ghana bereits nahtlos nach dem Rückzug der Israelis eingerichtet wurde, musste das AUSBATT erst aus Ismailia abgezogen werden. Verkompliziert wurde dieser Umzug durch den schon lange erwarteten Nachschubtransport, der auf dem Seeweg nach Alexandria unterwegs war.
Samstag 16. 3. 1964
Erkundungsparty nach Suez: Vom BKdo nehmen teil: S3 Hptm Wieser, OPs Info Hpm Erbstein und Olt Buchinger u.a.sowie alle Kompaniekommandanten.
Als neues Basislager für das AUSBATT war eine ehemalige Werkssiedlung einer Ölraffinerie in Suez vorgesehen. Am 5. März erfolgte dann auch eine detaillierte Erkundung, deren Ergebnis eine erhebliche Verbesserung der Lebensbedingungen und Infrastruktur des Bataillons erwarten ließ.
Im Roten Meer kann man bereits baden. Habe plotzlich eine unerklärliche Angst vor Minen und gehe aus dem Wasser.
Die Stadt selbst ist ein einziger Trümmerhaufen, vom Krieg einigermaßen verschont geblieben sind die Außenbezirke, wo sich auch unser zukünftiges Lager befindet. Bereits an der Einfallsstraße aus Richtung Ismailia kommend merkt man, was sich da in den letzten Tagen des Jom Kipuhrkrieges abgespielt hat. Die Strasse entlang stehen mindestens 5 terstörte Centurionpanzer, die versucht hatten, in die Stadt einzudringen, Trotzdem beginnt sich zwischen den Trümmern wieder ein geschäftiges Leben zu etablieren.

Suez Einfahrt
Foto: Klinger

Am 16. März 74 komme ich erstmals nach Suez. Obwohl bereits 5 Monate vergangen sind, hat man den Eindruck, die Kämpfe hätten erst stattgefunden.
Am 24. Oktober 73 wurde durch diese Strasse der letzte Angriff der 162. iswraelischen Division in das Zentrum der Stadt geführt.

Centurion
Foto: Klinger

Der Angriff misslang und kostete die Division die schwersten Verluste des ganzen Krieges, - 300 Gefallene und etwa 15 Panzer, die noch immer die Straße als Zeuge eines Angriffs wider alle militärischen Regeln säumen

Moschee
Foto: Klinger

Auch diese Moschee am Stadtrand blieb nicht verschont

Sonntag 17. 3. 1974
Vorbereiten der neuen Unterkünfte in Suez. 18. Märztrat dann ein was alle befürchtet hatten:
Diese Arbeiten gleichen der Reinigung von Augias Stall, zudem mussten einige einheimische Familien, offenbar Obdachlose, mit viel Fingerspitzengefühl wieder ausquartiert und in anderen Gebäuden des großen Sieflungsareals untergebracht werden. Vermutlich gingen swie nicht mit leeren Händen, denn am Abend vermisste einer meiner Unteroffiziere seine Geldtasche.
Montag 18.3 1974
In Alexandria war der Seetransport eingetroffen und das unverzügliche Löschen der Ladung vom BMLV angeordnet. Um dieser Forderung zu entsprechen, mussten fast alle LKW des Bataillons nach Alexandria in Marsch gesetzt werden.
Gleichzeitig hatte das HQ die Verlegung nach Suez angeordnet, ohne sich um unsere eigenen Probleme zu kümmern. Der Befehl für die Verlegung kommt gerade zu dem Zeitpunkt, als die Kolonne Ismailia in Richtung Alexandria verlassen hatte. Dass die 1. Kp als erste an der Reihe war, nach Suez zu verlegen, steht ebenso fest, wie die tatsache, dass ich nur 2 LKW zur Verfügung habe. (Tatsächlich war diese Informationspanne, wie sich später herausgestellt hatte, hausgemacht. Denn dem Monatsbericht des Bataillons vom März 74 war zu entnehmen, dass der Termin für die Verlegung dem Bataillon freigestellt, der Vollzug bis 21 März 1700 Uhr zu melden war. Der Termin wurde übrigens trotz des Auslademanövers Alexandria eingehalten.
Montag 18. 3. 1974
Nach Suez zurückgekehrt, starten wir von hier um 0600 Uhr früh mit der Verlegung
Im Pendeltransport, über gute 80 km Fahrtstrecke, gelingt es schließlich, die gesamte Kompanieausstattung, einschließlich der Unterkunftsgeräte, Schreibtische u.s.w. von 0600 Uhr früh bis zum Abend nach Suez in den neuen Lagerbereich zu schaffen und uns in den neuen Unterkünften häuslich einzurichten.Danach beginnt die eigentliche Aufgabe:
Die Gebäude des Bataillonskommandos und der Stabskompanie für das Beziehen vorzubereiten.
Wie Herkules in Augias Stall, machten wir uns über die Gebäude, früher einmal schmucke Reihenhäuser, her und rodeten die Wildnis der Gärten. Nach einer Woche konnte man sagen, dass es sich hier ganz gut wohnen ließ.
Nach einer Woche hatten wir die für das Kommando vorgesehenen Objekte bezugsfertig gemacht, die 1. Kp selbst hatte 3 relativ gut erhaltene Reihenhäuser, die einst vom europäischen Personal der Erdölraffinerie bewohnt waren. Jedes Haus hatte auch einen Garten, der die Herzen der geborenen Schrebergärtner gleich höher schlagen ließ.

Camp Suez
Foto: Klinger
Als neues Basislager für das AUSBATT war eine ehemalige Werkssiedlung einer Ölraffinerie in Suez vorgesehen. Am 5. März erfolgte dann auch eine detaillierte Erkundung, deren Ergebnis eine erhebliche Verbesserung der Lebensbedingungen und Infrastruktur des Bataillons erwarten ließ.

Damals wurde den Gerüchten über die baldige Verlegung der Österreicher auf die Golanhöhen wenig Glauben geschenkt. Ein weiterer Grund, sich auf eine höhere Lebensqualität zu freuen, war der nahe Badestrand.
Auf paradiesische Badefreuden und Gartenidylle musste vorderhand noch verzichtet werden, da die Kompanie vorerst noch durch das Fegefeuer der Sinai-Wüste zu gehen hatte.

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Sinai

Donnerstag 21. 3. 1974
Es war ein merkwürdiger Eindruck, den ich bekam, als ich erstmals in meinem Leben den asiatischen Kontinent betrat. Kaum ist der Suezkanal über die Pontonbrücke überquert, befindet man sich tatsächlich in einer Sandwüste.

Wüste Sinai Schon nach einigen Kilometern ins Landesinnere vorgedrungen, merkt man, dass man sich in einer anderen Wüste befand, als es jene Gegend westlich des Kanals auf afrikanischem Boden war.
Wie ein unerwarteter Keulenschlag trifft ein betäubendes Hitzegefühl den Körper. Das mag vielleicht der vorgeschrittenen Jahreszeit, - es war ja bereits Anfangs März, - zuzuschreiben sein, aber hier war die Wüste genau so, wie es Karl May beschrieben hat: Sand, nichts als Sand, Düne auf Düne, bedrohlich und beruhigend zugleich.

Beide Fotos: Klinger

April in Sinai

Unter der Gewissheit, dass meine Kompanie hier die nächste Zeit verbringen wird, mussten daher zwangsläufig gemischte Gefühle aufkommen, die vom Anreiz neuer Aufgabenstellung und banger Sorge, mit den klimatischen Anforderungen zurechtzukommen, bestimmt waren. Heutzutage, im 21. Jahrhundert, wo es zum guten Ton zählt, Weihnachten in Scharm El Scheik zu verbringen oder eine Besichtigungstour zum Katharinenkloster über Ostern zu buchen, kann man sich das kaum mehr vorstellen. 1973/74 waren Reisen in diese Region entweder nur Abenteurern vorbehalten oder jenen zugänglich, die sich den "Reiseveranstaltungen" der Vereinten Nationen angeschlossen hatten.
Schon nach einigen Kilometern ins Landesinnere vorgedrungen, merkt man, dass man sich in einer anderen Wüste befand, als das bis her bekannte Wadi Ashara.
Unter der Gewissheit, hier die nächsten Wochen verbringen zu müssen, kommen daher zwangsläufig gemischte Gefühle auf, die vom Anreiz neuer Aufgabenstellung und banger Sorge, mit den klimatischen Anforderungen zurechtzukommen, bestimmt waren.

Erkundung Sinai Das Erkundungsteam in Sinai
links halb verdeckt mit Brille Olt Buchinger, Htm Wieser, Hptm Klinger, der Kdt der 2. Kompanie SENBATT, Lt Kofler, Hptm Erbstein, ein Offizier SENBATT, Hptm Weber

Der eigentliche Zweck dieser Fahrt ist aber die Verbindungaufnahme mit SENBATT zwecks Übernahme ihres Abschnittes Der traditionellen Vorreiterrolle getreu, sollte die 1. Kp am 22. März den Abschnitt von SENBATT (Senegalesisches Bataillon) in der neuen Pufferzone auf Sinai übernehmen.

Pufferzone Sinai

Pufferzone Sinai

Nach Abschluss der Operation Calendar vom 25. 1. bis 4.3. 1974, wurde in der Force Commander Conferenc vom 18. März 1974 die Pufferzone Sinai neu organisiert. Die Abschnitte der Bataillone von Nord nach Süd gereiht, weisen 5-7 Positions auf, so daß sie durch eine Kompanie bestzt werden können. Die Nummerierung der Positions erfolgr von Nord nach Süd aufsteigend, die geraden Nummern an der A-Linie zu ARE, die ungeraden an der B-Linie zu IDF.
Die Zone ist durch Benzinfässer entlang der A- und B-Linie markiert, wobei die Ägypter stetrs versuchen, ihre Stellungen durch verschieben der Fässer nach Osten zu verbessern. Ebenso versuchen unbewaffnete Gruppen von Offizieren in die Zone einzudringen, um Einsicht in das Gebiet von IDF zu gewinnen. Unter der bisherigen Verantwortlichkeit der Senegalesen wurde dagegen offensichtlich nicht eingeschritten. Nach übernahme durch das Ausbatt änderte sich die Situation radikal und gipfelte mit der Gefangennahme von ca 50 Offizieren bei Pos 120.
Dadurch wurden die anfangs schlechten Bezihungen zu IDF schlagartig besser.
Die 7 Positions waren im Wechsel durch die Kompanien besetzt. Das Kompaniekommando ist auf Position 118. Hier hält sich auch ein Stabsoffizier und ein Arzt des BKdos auf.
Die Verbindung zum Bataillon erfolgte mit Funkfernschreiber MFF1.
Die versorgung mit Trinkwasser, es wurde mit Tankwagen von POLLOG aus Kairo zugeführt, war zeitweise problematisch, da die Polen nur eine Brücke über den Kanal benutzten. War diese nicht passierbar, weil gerade Minen aus dem Kanal gesprengt wurden, kehrten die Fahrer einfach um.

 

Kartenskizze Klinger

Diese Zone verlief parallel zum Kanal als 10 km breiter Streifen, vom Mittelmeer bis zum Golf von Suez. Westlich dieser Zone hatten die Ägypter das von ihnen in den ersten Tagen des Jom-Kippur-Krieges eroberte Gebiet wieder besetzt, während die Israelis sich nach Osten, in das Landesinnere der Sinai zurückgezogen hatten. Die Grenzlinien, zu den Ägyptern "Alphaline", zu den Israelis "Bravoline" genannt, wurden mit leeren Benzinfässern markiert. Die Aufstellung dieser Grenzmarkierungen wurde unmittelbar nach der Unterzeichnung des Truppenentflechtungsabkommens begonnen und von einer gemischten Kommission überwacht. Obwohl der Grenzverlauf von den Parteien offiziell abgesegnet war, wurde vor allem von ägyptischen Truppenführern immer wieder der Versuch unternommen, durch Versetzen der Fässer, ihre Eroberungen um einige hundert Meter weiter in die Sinai auszudehnen.
Geplant ist die nahtlose Übergabe der 7 senegalesischen Positions 112, 113, 114 an der Bravoline zu IDF und 115, 116 und 117 an der Alphaline zu AREF. Lage der Positions einschließlich der Zeltausrüstung sollen von SENBATT unverändert übernommen werden.

Das Bataillon
Foto: Klinger
Der Bataillonskommandant Weingerl hält eine Ansprache vor dem gesamten Bataillon.
Im Bildhintergrund ist der Hausberg von Suez zu sehen, der 871 m hohe Gebel Atakah.

Freitag 22. 3. 1974
Die Kompanie verlegt in die Wüste.
Um 0600 tritt das gesamte Bataillon an. Bataillonskommandant Weingerl hält eine Ansprache, anschließend Briefing und endlich startet das erste Marschpaket (II.Zug) das zweite und dritte Marschpaket starten mit jeweis einer Stunde Verspätung. Trotz eines Verkehrsstau an der Pontonbrücke, - ich treffe dabei unseren früheren SARELO Col Achmed Helmi, der mir zur neuen Aufgabe viel Glück wünscht, - sind am späten Nachmittag alle 6 Positions übernommen. Die Übergabezeremonie wird auf den nächsten Tag vereinbart.
Samstag 23. 3. 1974
Um 0700 Uhr soll die Übergabe stattfinden. Kommandiert wird französisch und deutsch. Dann zieher die Afrikaner ab und ich bin Herr über 100 Quadratkilometer Wüste.
Die Positions müssen komlett umgebaut werden, da die Senegalesen die Zelte in Mulden gebaut hatten, die kein Bisschen Wind den Weg fand. Außerdem hatten sich dichte Fliegenschwärme niedergelassen.
Die Position 118 wird fast zur Gänze neu errichtet

Position Übergabe Minensuche

Hier werden Kompaniekommando, Versorgungsgruppe und Küche errichtet. Gleichzeitig iswt hie4r der vorgeschobene Baonsgefechtsstand, besezt mit einem Funkferschreibtrupp und zeitweise einem Stabsoffizier. Was fehlt ist ein Arzt mit entsprechender Ausrüstung und SanKW.
a Da an diesem Platz ein Gefecht stattgefunden hatte, lassae ich das Areal nach Minen absuchen. Da wir keine Elektronischen Suchgeräte haben, wird mit dem Minensuchstab sondiert. Eine mühsame, aber sichere Methode. Wärend wir mit dem Senegalesischen Abschnittskommendanten die Übergabe besprechen, werde ich Zeuge eines eigenartigen Vorfalls: Nach Entfernung eines der Fässer marschiert eine Gruppe ägyptischer Offiziere einige hundert Meter in die Pufferzone und nimmt auf einer Sanddüne Aufstellung. Es hat den Anschein als solle auf diesem Feldherrnhügel eine Geländeeinweisung stattfinden.
Auf die Afrikaner aber schien diese eklatante Übertretung keinerlei Eindruck zu machen, durchgehen lassen wollte ich das aber Auch nicht. Ein kurzer Wink genügt und Lt. Endisch macht sich mit einem Dutzend Leute auf den Weg um de4n Spuk zu beenden. Die Räumung des Feldherrnhügels vollzieht sich wie beim Fußball, wenn der Schiedsrichter die Partie abpfeift, um ein taktisches Foul zu ahnden.
Derartige Zwischenfälle sollten in der nächsten Zeit unserer Tätigkeit in der Pufferzone an der Tagesordnung sein, in der die Ägypter versuchten, Einblick in die Israelischen Stellungen zu erhalten. Ein Ding der Unmöglichkeit, weil das wellige Dünenmeer bewusst so ausgewählt war, dass keine der Parteien der anderen in die Karten schauen konnte.
Den Afrikanern waren diese an sich harmlosen Versuche der Ägypter, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen, offenbar egal. Unserer Auffassung nach durften diese Übergriffe schon deshalb nicht geduldet werden, weil sie das Vertrauen in die UN-Aktivitäten und damit auch die Autorität der Truppe untergraben mussten.
Ohne die Effizienz der nichteuropäischen UN-Kontingente im Allgemeinen, noch die der Afrikaner im konkreten Fall herabsetzen zu wollen, wurde durch derartige Auffassungsunterschiede von "peace keeping" die Glaubwürdigkeit von UN-Aktionen nicht selten in Frage gestellt.
Es darf daher angenommen werden, dass das auch der Grund war, warum UNEF/HQ die Überwachung des taktisch entscheidenden Schlüsselgeländes vor dem Gidi Pass, den Österreichern anvertrauen wollte.
Bereits in den Feldzügen von 1956 und 67 lagen der Gidi- und der Mitlapass im Zentrum der entscheidenden Operationen. Der Strasse vom kleinen Bitter-See auf den Gidi Pass war daher größtes Augenmerk zu widmen, da sie direkt in das Gebiet der israelischen Militärbasen führte. Quer dazu, von Nord nach Süden verlaufend, war die "Artilleriestrasse", unsere Versorgungsader in der Pufferzone, die 10 km östlich parallel im Gebiet der Israelis verlaufende "Lateral-Strasse", galt als deren wichtigste Rochadelinie. Einen Einblick auf diese Strasse zu erhalten. dürfte das Ziel aller Bemühen der Ägypter gewesen sein.
Die Übergabe erfolgte in feierlicher Form durch Einholen und Hissen der nationalen Flaggen, durch gegenseitige Ehrenbezeigung; kommandiert wurde auf Französisch, der offiziellen Kommandosprache der Republik Senegal. Sie hatten uns freundlicherweise ihre Positions samt Zelten und Beobachtungsständen überlassen, ein kompletter Umbau war aber nicht vermeidbar. Im Gegensatz zu den Afrikanern, die es vorzogen, ihre Zelte in windgeschützte Mulden zu bauen, war für uns die brütende Hitze, die dort herrschte, nicht zu ertragen. Auch die schon erwähnten Auffassungsunterschiede hinsichtlich Geländeüberwachung machten so manche Änderung an der Lage der Positions notwendig.

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Das Schlachtfeld

Der uns zugewiesene Abschnitt erstreckte sich etwa 10 km entlang des Dschebel Schaifa, ein flacher Höhenrücken, der dem Gidi Pass vorgelagert ist. Wie scho erwähnt verwehrte er eine direkte Einsich von der ägyptischen Seite ind den bereich der IDF. Insgesamt hatten wir 6 Positions zu übernehmen, die von den 3 Zügen der Kompanie besetzt wurden, als 7. Position wurde der Kompaniegefechtstand selbst, an zentraler Stelle, im Straßenkreuz der Gidi - Pass - und Artilleriestraße eingerichtet. Von hier hatten wir auch einen hervorragenden Einblick in das bunte Treiben, das die Ägypter beim Einrichten ihrer neuen Front an den Tag legten.
Ein Blick in die andere Richtung weist in ein Gelände, in dem vor wenigen Monaten eine der größten Panzerschlachten seit dem 2. Weltkrieg getobt hatte. Hier lagen etwa 800 Wracks ägyptischer Panzerfahrzeuge sowie die Leichen ihrer Besatzungen.
Hier versuchten die Ägyper am 14. Oktober 1973 in ihrer zweiten Offensive vergeblich auf den Gidipass vorzustoßen. "Die erste Welle durchquerte ein Wadi und kam dann südlich von uns auf ein Plateau. Hier stießen sie mit unseren Verbänden zusammen, und es kam zu einem schweren Gefecht. Nach einigen Stunden waren die meisten Feindpanzer vernichtet."77
Wie erbittert die Kämpfe auf beiden Seiten geführt wurden, zeigen die zahllosen Panzerwraks der Ägypter, die Verluste der Israelis, die ihre zerstörten Panzer inzwischen weggeschafft hatten, lassen sich an den Lendrähten abgeschossener Sagger-Raketen erkennen, die das Gelände kreuz und quer überspannen.
Die Israelis hatten, bevor sie abzogen, wohlweislich die Zeugen ihrer eigenen Verluste entfernt, die toten Ägypter blieben unbestattet liegen.
Die Panzerwracks der Ägypter, die technisch einen gewissen Wert hatten und ausgeschlachtet werden sollten, waren mit roter Farbe markiert. Bevor sie abgeschleppt wurden, konnten wir einen Restlichtverstärker, ein Nachtsichtgerät das damals als "letzter Schrei" auf dem Gebiet der optischen Zieleinrichtungen galt, sicherstellen. Heute gehören diese Nachtsichtgeräte bereits zur Standardausrüstung der Truppe.

Panzerwrak

Der T 62 ist eindeutig am Rauchabsorber der Kanone erkennbar

Ägyptischer Kampfpanzer T-62
Während die ägyptischen Panzerverbände überwiegend mit dem T-54/55, der als Standardpanzer der Warschauer-Pakt-Staaten seit den 60er-Jahren in verwendung stand, ausgerüstet waren, verfügten einige Eliteeinheiten, wie z.B. die 25. selbständige Panzerbrigade, bereits über den modernen Kampfpanzer T-62. Die 115 cm Panzerkanone mit glattem Rohr war ein Novum, das besonders gute Schießleistungen erwarten ließ.
Feuerleitausrüstung und automatischer Hülsenauswurf verlangten allerdings ein hohes Maß an Ausbildung, das die Ägypter nicht erbringen konnten. Vor allem konnte die geringere Einsatzschussweite gegenüber den israelischen Centurion und M60A1 trotz hervorragender Feuerleitsysteme nicht zur Geltung gebracht werden.
T 62 - Einschussloch
Turmtreffer
Kampfpanzer T 54/55
der Standardtyp der ägyptischen Panterdivisionen. Äußerlich unterswcheidet sich der T 54/55 vom T 62 durch die schlank verjüngte Kanone, die keinen Rauchabsorber hat.
Abb. rechts
Eine der Schwachstellen war der Turm, der bei einem Volltreffer wie eine Glocke meterweit weg geschleudert wurde
Abb. links
Granaten
Hohlladungsgranate BK-5
Diese HL-Granate wurde von T-54/55 verschossen. Durch einen Führungsring wurde der Drall, der dfier Wirkung der Hohlladung herabsetzt ausgeschaltet, Stabilisierungsflügel, die sich beim Verlassen der Rohrmündung aufklappen, sorgten für eine präzise Flugbahn. Im Gegensatz dazu hatte die HL-Munition des T-62, der eine Kanone mit glattem Lauf hatte, starre, pfeilartige Stabilisierungsflügel. Darunter eine 8 cm Werfergraqnate.
Foto Klinger
Abb. rechts
Sagger ist die NATO-Bezeichnung für die russische 9M14 "Maljutka" (dt. Kleines) Panzerabwehrlenkwaffe. Sie wurde ab 1961 in der UdSSR entwickelt und jährlich 25.000 Stück hergestellt. Als Infanterierakete kann sie von einer Person getragen und eingesetzt werden. Die tragbare Version dieser Rakete wurde bei der Sowjetarmee von den Panzergrenadieren eingesetzt, wobei jede Abteilung zwei "Malutja"-Gruppen mit je zwei Einheiten hatte, von denen jede wiederum zwei Abschusslafetten bediente. Jede Einheit hatte weiterhin einen RPG-7 Schützen, um den Entfernungsbereich bis 500 m abzudecken, der von der AT-3 nicht erreicht werden konnte. Diese Gliederung wurde auch von den Ägyptern übernommen.
AT3-Sagger
AT-3 Sagger
RPG-7
RPG-7
Die Standardwaffe der Infanterie zur Panzerabwehr auf nahe Entfernung.
Beide Fotos Wikipediaa

Unmittelbar im Nahbereich der Position 114 befand sich eine Stelle, an der eine ägyptische Panzereinheit, vermutlich aus der Luft, vernichtet wurde. Über diese Stelle führte der einzige Zugang zur Position, so dass man regelrecht über die Toten hinweg steigen musste. Wir nannten diese Position daher sinnigerweise "Totengrund"

Position 114 - Totengrund
Die Position 114 an der A-Linie

Alle Fotos: Klinger


Im Umkreis lagen mindestes 20 Gefallene, die offenbar einem Luftangriff zum Opfer gefallen waren.

Weitab davon fanden wir diesen einsamen Toten. Er dürfte auf der Flucht an Erschöpfung umgekommen sein. -->

der einsame Tote

Da die Bergung der Gefallenen einzig und allein den ägyptischen Militärbehörden vorbehalten war, durften auch wir an dieser makabren Stelle keine Veränderungen vornehmen. Ich muss zugeben dass ich mich an diese Anordnung nicht immer gehalten hatte, wie zum Beispiel bei jenem Toten, den ich bei einer Patrouillenfahrt, völlig alleine und von seiner Einheit entfernt, gefunden hatte. Hier war der allgegenwärtige Tod plötzlich zum Einzelschicksal geworden.
Erst anhand seiner Papiere war ersichtlich, dass es sich um einen Ägypter handelt und plötzlich hatte das Drama, das hier abgelaufen war, ein Gesicht. Ein etwa 30-jähriger Mensch, vermutlich Familienvater, dürfte sich verwundet bis zu der Stelle geschleppt haben, von wo er es nicht mehr weiter geschafft hat. Besonders berührend fand ich die Briefmarke, mit der er offenbar seinen nächsten Brief an seine Familie frankieren wollte. Nachdem wir den Toten mit einem "Vater Unser" beerdigt hatte, sagte mir der israelische Verbindungsoffizier, der meine Patrouille begleitet hatte, dass er von dieser Szene tief beeindruckt sei: " Euer Gebet könnte ich jederzeit mitsprechen, da ist nichts drin, was meinem Glauben widersprechen könnte." Das dürfte auch für den gefallenen Moslem gegolten haben.
Die Papiere und das Bargeld des Toten übergab ich dem Hauptquartier zur weiteren Veranlassung. Im Zusammenhang mit diesem Vorfall habe ich darüber nachgedacht, warum die Moslems sich soviel Zeit ließen, um ihre Gefallenen zu bergen, während die Juden sofort darum bemüht waren. Ersteres dürfte damit zu tun haben, dass der Verstorbene noch vor Sonnenuntergang seines Todestages zu beerdigen sei. Wenn das nicht möglich ist, kommt es offenbar auch nicht mehr darauf an, wie viel Zeit noch vergehen wird. Die Eile der Israelis beim Bergen ihrer Gefallenen hat seine Gründe im jüdischen Recht, wonach eine einwandfreie Identifizierung die Voraussetzung zur Todeserklärung ist. Nach vermissten Piloten wurde beispielsweise so lange gesucht, bis irgend ein Relikt, ein Körperteil des Gesuchten gefunden war, das als beweiskräftiges Indiz für ein Todeszeugnis Anerkennung finden konnte.

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Das Leben in der Pufferzone

24. 3. - 1. 4. 1974 Unsere Hauptbeschäftigung dient der Aufrechterhaltung des Status Quo, das bedeutet, dass wir laufend die Ägypter daran hindern müssen, die A-Linie durch versetzen der Fässer zu verändern, bzw. deren Position zu ignorieren.
Als erstes markieren sie den vorderen Rand ihrer Stellungen durch einen Drahtverhau, den sie einfach in die Zwischenräume der Fässer hinein ziehen.
Es hat den anschein, als würden sie nicht begreifen, wie man eine längere Linie im Gelände einfluchtet. Es kommt dabei zu regelrechten Belehrungen in Geometrie, die die einfachen Soldaten sofort kapieren, während sich ihre kommandanten dumm stellen.
Ein anderes Problem sind die laufenden Versuche der Ägypter, in das IDF-Gebiet Einblick zu bekommen, den ihnen der Dschebei Schaifa verwehrt.
Am 27. März wird eine Gruppe von Offizieren,die auf einem Lkw tief in die Zone eingedrungen sind, von einer Patruille gestellt. LKW und Personen werden auf ihr Gebiet mit einer Eskorte zurück gebracht.
Der übliche "Complaint" macht die Sache aktenkundig, weiters aber geschieht nichts, als dass sich das ganze am nächsten Tag widerholt. Dabai habe ich fast täglich persönlichen Kontakt mit dem örtlichen Befehlshaber, der sich stets höflich für die Unzukömmlichkeiten entschuldigt.
Die Antwort der Israelis bleibt nicht aus und ihre Patrouillen überschreiten des Öfteren die B-Linie.
Endlich entsenden die Israelis eine LO, der sich die meiste Zeit bei uns aufhält und so Zeugnis über unsere Bemühungen, die Pufferzone "sauber" zu halten, ablegen kann. Dr. Haim Kretsch ist eine wertvolle Bereicherung; er spricht hervorragend Deutsch und erzählt viel über sein Land. Er organisiert das erste von mehereren Fußballspielen.
Alsw eines Tages eine Patrouille im nördlichen Bereich Spure3n von Antilopen entdeckt, bricht Jagdfieber aus. Es sind zwar nur zwei Waidmänner in der Kompaqnie, - Lt Endisch und der SanUO OStV Blunder, - doch die Patrouille4ntätigkeit im Nordabschnitt zu GHANBATT nimmt erheblich zu und gelegentlich wird der eintönige Speisezettel durch Wildragout aufgebesserrt. Ich verlasse mich auf die waidgerechte Einstellung der Beiden und habe nebenbei andere Sorgen.
Eine davon ist die Erkenntnis, dass unsere Positions in der Lagekarte falsch eingetragen sind, - es handelt sich um einige hundert Meter. Den Senegalesen mag das gleichgültig gewesen sein, für mich steht fest, dass dieser Irrtum behoben werden muss. Wenn wir schon mit den Ägyptern um jeden Meter streiten, dann muss wenigstens unsere Position stimmen.

Vermessung
Foto Klinger
Wenn an Vermessungsgerät lediglich eine einfache Bussole und ein Fernglas zur Verfügung stehen, bedarf es schon einer ruhigen Hand, um eine genaue Standortbestimmung zu erhalten. Wenn es aber kaum Bezugspunkte im Gelände gibt, - Sanddühnen pflegen sich bekanntlich zu bewegen, - wird die Angelegenheit kompliziert. Die einzigen brauchbaren Orientierungspunkte waren der etwa 400 m hohe Dschebel Schahabi, und der Fabriksschlot am Ortsrand von Suez. Mit Hilfe dieser beiden Fixpunkte und der Stricheinteilung am Fernglas, schaffe ich es mit meinem Kommandogruppenkommandanten OStV Sommer, nach einigen Tagen die Lage unserer Positions auf der Lagekarte zu korrigieren.

Ein weiteres Problem war die Wasserversorgung. Unser Trinkwasser bringen die Polen in 20 000 Liter-Takwägen aus Kairo. Solange die routinemäßig benützte Nachschubstraße nicht unterbrochen ist. funktioniert das auch klaglos. Wenn aber wegen der laufenden Minenräumaktinen die Kriegsbrücke über den Suezkanal gesperrt ist, kehren die polnischen Fahrer einfach um und fahren nach Kairo zurück, obwohl wenige Kilometer weiter eine andere Brücke völlig intakt ist. Da nützt auch ein Hinweisschild zur nächsten Brücke nichts, denn der polnische Kraftfahrer kann weder Englisch, noch ist er zum selbständigen Denken erzogen. Man fragt sich nur, ab welchem Dienstgrad man bei den Polen mit ausreichenden Sprachkennnissen und logischem Denkvermögen rechnen kann.
Montag 1. April 1974
Lt. Endisch hatte gestern einen Gazellenbock erlegt, eine hervorragende Gelegenheit für einen Aprilscherz: Lasse ihm per Funk ausrichten, dass er sich unverzüglich im Kompaniegefechtsstand zu melden habe. Weingerl habe von seinem Abschussgehört und will ihn nun wegen Wilderei zur Verantwortung ziehen. Endisch fährt voll auf dem Schmäh ab und wird mit schallendem Gelächter empfangen. Zuvor hatte er noch die Trophäe vergraben.
Wenige Minuten später ist Weingerl tatsächlich da, bekommt aber von dem ganzen Theater nichts mit. Dafür teilt er mir mit, dass mein Urlaub zwar genehmigt, das Flugticket jedoch noch nicht gebucht werden konnte.
Dienstag 2. April 1974
Wir werden von der 2. Kompanie abgelöst. Am 4. April beginnt mein Heimaturlaub, am 16. bin ich wieder in Kairo.
Die Nepalesen geben eine Partymit einem Traumhaften Buffet

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Lagerleben in Suez - der Pressebesuch

Freitag 19. April 1974
Briefing für den bevorstehenden Besuch von General Scharf und der österreichischen Presse.
20. - 23. April
Chamsinwetter! Ein Aufenthalt im Freien ist unmöglich. Bei ca. 50° Celsius glaubt man in ein Heißluftgebläse geraten zu sein, die Luft ist ein Gemisch von Sand und Dreck, dass man kaum atmen kann. Wir sitzen in der Oficers Mess bei geschlossenen Fenstern, ein Ventilator versucht Atemluft zu produzieren. Weingerls Gattin ist auch da und leidet mit uns. Eigentlich hätte es ein Badeausflug nach Aju Musa werden sollen.
Mittwoch 24. April 1974
Die Presse ist da. Nacfh einem planlosen Durcheinander kommt so etwas wie eine Pressekonferenz zustande. Ich habe die Ehre daran teilzunehmen und mitzureden. Mein Thema: eine ungeschminkte Darstellung der Verhältnisse gemischt mit saftiger Kritik an der Berichterstattung, - siehe Minenunfall u.s.w. Donnerstag 25. April 1974
Auf den Positions findet eine Unterweisung israelischer Ärzte statt: Es geht um das richtige Verhalten beim Leben in der Wüste, Schutz vor Ungezifer, Schlangen und Skorpionen. Haim Kretsch ist auch dabei.

Einweisung der Aerzte
Foto Klinger
Die Ärzteeinweisung
Die Einweisung findet auf Pos 117 statt. Israelische Ärzte geben ihren reichen Erfahrungsschatz über das Leben in der Wüste an uns weiter. Dabei wird so mancher Irrtum aus der Überlieferung der Afrikakorpsteilnehmer ausgeräumt, wie beispielsweise, dass Wasser trinken den Dur5st fördere. Wir erfahren, dass der tägliche Bedarf an Flüssigkeit bei 5 - 6 Liter liegt. Wie man Schlangenbisse und Skorpionstiche vermeidet, wird ebenfalls gelehrt.
Das Foto zeigt der israelischen LO Capt Haim Kretsch, der dieses Meeting organisiewrt hatte im Kreis österreichischer und israeliswcher Ärzte. Dr. Klaus Bobak (links)und Olt Scherer (rechts).

26. - 29.4. 1974
Wochenende in Kairo.
Ausritt nach Sakkara. Die Pferde und das Sattelzeug sind besser als erwartet. Jedenfalls schaffen sie die Gesamtstrecke von 40 km ohne Probleme, während unser Sitzfleisch schon etwas mitgenommen ist.

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Zurück in die Wüste

Dienstag 30. April 1974
Wieder in der Wüste, es ist fast schon wie zu Hause; der Unterschied zur Prämiere sind allerdings einige Grade Celsius mehr auf dem Thermometer.
Die größeren Schwierigkeite haben allerdings unsere Nachbarn. Ihr Fahrzeugpark, - Landrover, Jeep aller Varianten einschließlich ihrer LKW, - ist den Geländeanforderungen nicht mehr gewachsen. Ihre schmalspurigen Reifenprofile graben sich im jetzt metertief staubtrockenen Sand bis zu den Achsen ein, das Fahren abseits fester Straßen ist für Räder-KFZ fast unmöglich geworden. Wenn ich fast sage, dann heißt das, dass unsere Pinzgauer und StD 680M dieses Problem nicht kennen. Die mit Spezial-Sandreifen ausgerüsteten Pinzgauer gleiten über die Sanddühnen wie Klapperschlangen hinweg, die 3-achsigen LKW haben wir mit Schneeketten versehen.
Mit unserer Fahrzeugausstattung, über die wir seit dem Schiffstransport aus Österreich verfügen, sind wir plötzlich Weltmeister im Wüstenbetrieb und versorgen nun unsere Nachbarn mit Trinkwasser und Lebensmitteln.
Mittwoch 1. Mai 1974
Chamsinwetter - der Himmel ist von Sandwolken verhangen - es ist drückend schwühl. Wassermangel macht sich auch bei uns breit, da die Polen wieder einmal den Weg hierher nicht gefunden haben.
Weingerl erscheint und hat auch den evangelischen Militärpfarrer Dr. Hannak mitgebracht. 2 Tage wird er unser Gast sein und filmen. Donnerstag 2. Mai 1974
Das Wetter bessert sich - der Chamsin hat aufgehört. Freitag 3. Mai 1974
Besuch des neuen Kommandanten der Südbrigade Col Rana aus Nepal.
Ich zeige ihm unseren Abschnitt, indem ich die von uns erkundeten Patrouillenwege und nicht die Straße benütze. Der Colonel ist sehr beeindruckt wie auch Weingerl, der zum ersten male diese Routen befahren hat.
Als Gastgeschenk erhalte ich von Col Rana eine Flasche Whisky, - Canadian Club, den ich ab sofort zu meiner Hausmarke erkläre, - und ist des Lobes voll über unsere Pinzgauer. Wie sein Name Rana sagt, ist er ein Mitglied der Königsfamilie.
Abens sind wir zur Sabbathfeier bei den Israelis eingeladen. Wir fahren auf den Mitlapass. Hier stehen noch ein paar Panzerwraks aus dem 6-Tagekrieg herum.
Col Dabusch, der örtliche Kommandeur empfängt ObstLt Weingerl, der unsere Delegation anführt, mit ausgesuchter Höflichkeit. Wir, das sind Hptm Erbstein, Olt Buchinger, Olt Arzt Dr. Haberzeth, olt Rießland und meine Wenigkeit, befinden und auf einen Brigadegefechtsstand, der Anlass ist das traditionelle Sabbath-Vorabend-Mahl, an der die ganze Belegschaft, etwa 100 Personen, darunter zahlreiche Soldatinnen, teilnehmen.
Die religiöse Feier wird von einem Rabbiner mit einem Gebet eingeleitet. Nach einer kurzen Ansprache beginnt das Essen.
Als Vorspeie gibt es Dorschleber, danach eine scharf gewürzte Gemüsesuppe. Als Hauptspeise gibt es Rindsbraten mit Röstkartoffeln und gemischten Salat. Man denkt dabei unwillkürlich an Mutters heimische Küche.
Dazu wird Sabbathwein, ein starker, schwerer Rotwein getrunken. Zum Abschluss gibt es einen herrlichen Kaffee und Kuchen.
Schon vor der Zeremonie werden wir von unsrem LO Capt Tiefenthal ersucht, während der Zeremonie keinesfalls zu rauchen, da das Feuermachen beim Anzünden der Zigaretten einen Verstoß gegen die Sabbathregeln darstellen würde.
Nach Tiefenthals Aussage fühlt sich die große Mehrheit der Israelis dieser Regel nicht mehr verpflichtet, es gilt aber die Minderheit der religiösen Juden zu respektieren.
Dieses Rauchverbot holen wir dann im Anschluss bei einem zwanglosen und anregenden Gespräch mit unseren Gastgebern nach.
Besonders beeindruckend die Führerpersönlichkeit unseres Gastgebers Col Dabusch.
Nach diesem beeindruckenden Erlebnis kehren wir auf Pos 118 zurück. wo auch Weingerl und die Stabsoffiziere die restliche Nacht verbringen.

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Auf Moses Spuren zum Katharinenkloster

Einer Initiative unserer Militärgeistlichen und des Wellfareofficers ist es zu verdanken, dass die israelischen Militärbehörden eine Besichtigungsfahrt zum Katharinenkloster und auf den Berg Sinai ermöglicht hatten.
Am 4. Mai 1974 trat dann eine "Expedition" von etwa 15 Pinzgauern an, eskortiert von einem Trupp israelischer Soldaten, um auf Moses Spuren in das Zentrum der Sinai Halbinsel vorzudringen. Was heute im Pflichtprogramm jeder besseren Ägyptenreise angeboten wird, gestaltete sich zum damaligen Zeitpunkt als Unternehmen, dass für drei volle Tage anberaumt, die Bandscheiben an die Grenze ihrer Belastbarkeit bringen sollte.
Samstag 4. Mai 1974

Nach relativ ruhiger Fahrt entlang der Küstenstrasse über Abu Rudeis, ging es dann durch das "Wadi Feiran", etwa 90 km über eine Geröllpiste. Trotz der ausgezeichneten Fahreigenschaften, die der Pinzgauer im Gelände zu bieten hatte, waren alle Knochen durchgeschüttelt. Dafür aber entschädigte uns die einmalige Landschaft, durch die uns diese Fahrt führte, bis sie, wie im Finale eines dramatischen Schauspieles mit einem grandiosen Bühnenbild beendet wurde: Vor uns lag das Katharinenkloster, als wären die 1400 Jahre seines Bestehens nicht vergangen.

Aju Musa
An unserem "Badeort" Ayun Musa vorbei, geht die Fahrt an der Küstenstrasße an Abu Rudeis mit seinen Ölquellen vorbei,
Wilder Kaiser in Sinai
bis wir in das Wadi Feiran einfahren. Vor uns türmt sich ein Gebirgszug, der unserem Wilden Kaiser gleicht.
Oase Feiran
nach fast 60 km öffnet sich das Tal zur blühenden Oase von Feiran
Ankunft am Kloster
Nach weiteren 40 km steinger Piste fällt der Blick auf das Kloster, das bereits im Schatten des Berg Sinai liegt.
Die Anfänge klösterlicher Gemeinschaften in dieser Region gehen bis ins 2. nachchristliche Jahrhundert zurück. Damals siedelten sich die ersten Eremiten, getrieben von der Suche nach Frieden, Stille und Einsamkeit, in den Felshöhlen am Fuße des Moses-Berg an. Um die Einsiedler vor Überfällen zu schützen und ihnen ein eigenes Gotteshaus zu geben, errichtete Kaiserin Helena, die Mutter Konstantin des Großen, um 330 eine kleine Kirche und einen Turm genau an jener Stelle, wo sich Gott dem Moses im Wunder des brennenden Dornbusches gezeigt hat. Seine heutige Gestalt bekam das Kloster im 6. Jahrhundert, als Kaiser Justinian den Bau der großen Klosterfestung und der prächtigen Kirche anordnete. Die Festungsmauer misst 88 mal 75 Meter und ist bis zu 25 Meter hoch. In der Folge stellten die islamischen Machthaber das Katharinenkloster unter ihren Schutz und bewahrten es so vor Plünderung und Zerstörung. Die Abschriften der entsprechenden Dokumente, darunter ein Schutzbrief Mohammeds sowie ein Edikt von Napoleon werden im Klostermuseum gezeigt. Seinen Namen erhielt das Kloster im 11. Jahrhundert, als in seiner Nähe die Gebeine der heiligen Katharina von Alexandrien, einer frühchristlichen Märtyrerin, gefunden wurden. Seine Blütezeit hatte das Kloster im 14. Jahrhundert, als die Gemeinschaft mehr als 300 Mönche zählte. Heute leben an dem geschichtsträchtigen Ort 24 griechisch-orthodoxe Mönche, vorwiegend aus Griechenland stammend. Seit dem 15. Jahrhundert ist das Katharinenkloster ein eigenständiger Erzbischofssitz der Diözese Sinai, der Erzbischof wird vom griechisch-orthodoxen Patriarchen von Jerusalem geweiht.

Nach dem Eintreffen beim Kloster verabschiedet sich die Eskorte und überlässt uns nun der Betreuung dur5ch die Klostergemeinde.
Für die Unterbringung steht ein Gästehaus zur Verfügung. Die Einrichtung entspricht zwar den bescheidenen Ansprüchen von Pilgern, es ist aber alles sauber und zweckmäßig. Es gibt auch für wenige Pfund israelischer Währung ein einfaches Abendessen und Frühstück und die ganze Atmosphäre strahlt eine gewisse Geborgenheit aus.

Sinai Hotel Das Sinai Hotel
Für die Unterbringung der Touristen steht immer noch das bescheidene Pilgerquartier zur Verfügung, wo für Logis und Verköstigung ein bescheidener Unkostenbeitrag verlangt wird.
Für die gehobeneren Ansprüche steht jetzt auch ein Hotel zur Verfügung, das den "Pilgern" zu günstigen Preisen ein Bett und drei Mal eine warme Mahlzeit bietet. Nach Auffassung der Mönche darf nicht gewinnorientiert gearbeitet werden:
"Das Katharinenkloster ist ein religiöser Ort, der trotz aller finanzieller Schwierigkeiten für alle Besucher weiterhin frei zugänglich sein muss," so ihre Devise

Foto Wikipedia

Sonntag 5. Mai 1974
Der Gottesdienst beginnt schon um 0800 Uhr. Der Erzbischof selbst zelebrier das Hochamt nach griechisch-orthodoxem Ritus, die liturgischen Gesänge der Mönche machen die Messfeier zu einem tief beeindruckenden Erlebnis.
Als Katholik man hat plötzlich das Gefühl, über den Konfessionen und Religionen zustehen und wenn man in den Klosterhof tritt und gleich neben der Kirche eine Moschee vorfindet, dann kommt so etwas wie Hoffnung nach Frieden in der Welt auf.

Der Bischofssitz
Der Tronsitz des Erzbischofs in der Kathedrale, Symbol seiner religiösen und richterlichen Autorität
Klosterpforte

Die winzige Klosterpforte zeugt von unruhigen Zeiten, als die Mönche trotz der anerkannten Autorität des Erzbischofs auf der Hut sein mussten, nicht Opfer eines räuberischen Überfalls zu werden. In solchen Bedrohungsfällen verkehrte man mit der Außenwelt über die "Liftanlage" rechts neben neben der Pforte, wo mittels eines Seiles Waren und auch Besucher emporgehievt wurden.

Kathedrale und Moschee

Ein Zeichen religiöser Koexistenz ist die Moschee im Klosterrareal. Sie dient den Muslimen, die im Kloster angestellt sind.

 

Alle Fotos Klinger

Nach der Messe besichtigen wir die Kirche und anschließend die Bibliothek und Ikonensammlung, die zu den besonderen Kostbarkeiten des Klosters zählen. Letztere enthält vor allem Ikonen, die den Bildersturm des 8. Jahrhunderts überstanden hatten.
Wir hatten noch das Glück, diese Schätze besichtigen zu dürfen, heute sind sie den Besucheraugen - bis zu 2000 pro Tag - aus Sicherheitsgründen entzogen und wie auch die Klosterbibliothek nicht zur Besichtigung freigegeben.


Die Ikonostase, die in orthodoxen Kirchen den Altarraum von den Gläubigen trennt
Foto Klinger
Die Bibliothek, an Umfang und Wert der Manuskripte nur von der des Vatikan übertroffen, umfasst mehr als 3.400 Handschriften und 5.000 Bücher. Das wertvollste Stück ist der Codex Syriacus aus dem 5. Jahrhundert. Vom berühmten Codex Sinaiticus, einer fast vollständigen griechischen Bibelhandschrift aus dem 4. Jahrhundert, ist nur mehr eine Faksimileausgabe erhalten. Das Original, das der aus Sachsen stammende protestantische Theologe und Bibelforscher Konstantin von Tischendorf (1815-1874) auf einer seiner Forschungsreisen im Kloster entdeckt hatte, befindet sich heute im britischen Nationalmuseum.
Wie es dorthin gelangt war, zählt zu den vielen fragwürdigen Praktiken, wie europäische Kunst- und Antikensammler ihre Museen gefüllt hatten.
Tischendorf gelingt es, die Mönche davon zu überzeugen, dass das wertvolle Stück in den Händen des damals mächtigsten Beschützers der Orthodoxen Christenheit, des russischen Zaren, am besten aufgehoben wäre, und so machten die frommen Mönche den "Codex Sinaiticus" dem Zaren zum Geschenk. Doch in Russland sollte er nicht bleiben, denn nachdem die Sowjets den Zaren und sein Reich liquidiert hatten, sollte auch der Codex einer nützlicheren Verwendung zugedführt werden. Im Jahr 1933 verkaufte ihn die Sowjetregierung Regierung für 100 000 englische Pfund (heute ca. 1 100 000 Euro) an England, wo er bis heute im Britischen Museum in London aufbewahrt wird.
Warum sich die Mönche den Codex nicht ebenso teuer abkaufen ließen - heute würden sie diesen Betrag dringend für eine umfassende Renovierung benötigen, - liegt an ihren Ordensregeln, die jegliches gewinnbringende Geschäft verbieten.

 

Bild rechts zeigt einen Ausschnitt aus dem Codex Sinaiticus im British Museum, London.
Bild Wikipedia
Codex_Sinaticus

Montag 6. Mai 1974 Zum obligatorischen Besichtigungsprogramm zählt natürlich die Besteigung des Berg Sinai, oder Djebel Musa, wie ihn die Muslime nennen- die wir am frühen Morgen des nächsten Tages begannen. Als Kavallerist ließ ich es mir nicht nehmen, den ersten Teil des Anstieges auf dem Kamelrücken zu absolvieren, ein völlig neues Reitgefühl im Vergleich zu den gewohnten Haflingern, die einen Reiter so lange hinaufbalancieren, bis er vor Angst von selbst absteigt. Das Kamel, bzw. dessen Führer ließ es gar nicht erst soweit kommen. Am tariflich vorbestimmten Umkehrplatz angekommen, wollte ich mich nach Reitersitte mit einem Stück Zucker bei meinem Reittier bedanken, was dieses offenbar missverstanden haben muss. Nachdem ich gerade noch meine Hand in Sicherheit bringen konnte, bevor es mir die Finger abbeißen konnte, war meine kurze Beziehung zum Schiff der Wüste wieder auf die unverbindliche Tierliebe auf sicherer Distanz zurückgesetzt.
Zu Fuß geht es dann fast in der Falllinie über 800 Stufen aufwärts bis zum Gipfel. Insgesamt sind es über 3600 Stufen, die ein Mönch vor Zeiten vom Fuß der Berges beginnend als Aufstieg angelegt hatte. Dabei dürfte ihm weniger an der Bequemlichkeit der Pilger, sondern vielmehr an deren Ermahnung zur Bußfertigkeit, gelegen haben. Dafür sorgen vor allem die Höhe der Stufen und deren Unregelmäßigkeit, dass diese biblische Fitnessübung einen Tage anhaltenden Muskelkater erzeugt. Das ist auch der Grund, warum die meisten Touristen lieber den Kamelweg vorziehen und sich wenigstens die Hälfte des Treppensteigens zu ersparen.

Kamelritt

Auf dem Kamelrücken geht es vorerst bequem nach oben

 

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Himmelstor

Danach über 3600 Stufen wie durch die Himmelstür führt der Weg zum Gifel

Gipfel Berg Sinai

vorbei an der christlichen Kapelle, neben der wieder eine kleines muslimisches Bethaus steht.

Ein beliebter Rastplatz ist jenes Felsplateau, von dem die Moslems glauben dass das Pferd des Propheten Mohammed einen Hufabdruck hinterlassen haben soll, als es in von hier aus in den Himmel getragen hat. Mit einiger Fantasie könnte man die markante Vertiefung im Gestein, für einen Hufabdruck halten.

Kapelle am Gipfel

Am Gipfelplateau in 2285 Meter Höhe befindet sich eine christliche Kapelle und eine kleine Moschee zum Zeugnis der universellen religiösen Bedeutung dieses Berges, der die Gegenwart eine weiteres Gebäude als Symbol des Materialismus hinzugefügt hat: Der wahrscheinlich höchstgelegene Kiosk Ägyptens.

Dafür genießt man einen überwätigenden Rundblick über die Berge der Halbinsel Sinai und auf den Mt. Katharina

Fotos Klinger

Mt. Katharina

Wenige hundert Meter unterhalb des Gipfels liegt der "Garten des Propheten Elias", eine grüne Oase inmitten der Steinwüste, dominiert von einer tausendjährigen Zypresse und ein Brunnen. Die Stelle wird auch nach dem Mönch, der diese Himmelsleiter der 3600 Stufen geschaffen und hier gehaust haben soll, "Kartause des Stephanos" genannt. Hier soll er den Pilgern die Beichte abgenommen, die auferlegte Busse dürfte sich von selbst ergeben haben.

Brunnen des Stefanos Abstieg
Der Garten des Propheten Elias
, eine grüne Oase inmitten vom Geröll des Berghanges, die Zypressen sollen ein Alter von tausend Jahren. ein Brunnen spendet kühles Wasser. Hier soll der Mönch Stephanos, der die Himmelsleiter der 3600 Stufen geschaffen hat, den Pilgern die Beichte abgenommen haben.

Fotos Klinger

Kloster
Beim weiteren Abstieg wird das Kloster zwischen den Felsen wieder sichtbar. Man sieht, dass es von allen Seiten für damalige Angriffe so gut wie uneinnehmbar war.

Montag 6. Mai 1974
Dieser Tag ist wieder der langen Rückfahrt, die wie die Rückkehr in eine andere Welt anmuten musste, gewidmet. Zuvor noch in einem von Jahrtausenden geprägten Ambiente, aus dem drei Weltreligionen ihre Wurzeln ableiten, einer Stätte, die Juden, Moslems und Christen auf ihren gemeinsamen Gott hinweist und zur Versöhnung mahnt, finden wir uns wieder in der vom Krieg gezeichneten Realität. Gerade aber unter dem Eindruck dieser Tatsache, wird es mir wieder bewusst, dass das kein Ausflug, sondern eine Pilgerfahrt gewesen ist, aus der man neue Kraft und Zuversicht für die weitere Erfüllung unserer Aufgaben schöpfen konnte. Dienstag 7.Mai 1974
Ein neuer LO von IDF stellt sich vor: Olt Nachum Kfir. Obwohl Sabre, d.h. in Israel geboren, hat er Wurzeln in Österreich: Großvater war Soldat in der k.u.k. Armee, Vater lebte in Cernovitz. In Israel änderte er seinen Familiennamen Löwl in Kfir. Die Erklärung dafür ist einfach, denn Kfir heißt der kleine Löwe, zu dem man auf gut Jiddisch "Löwl" sagt.
Nachum Kfir ist liberaler Jude und ein angenehmer Diskussionspartner. Er wundert sich über die zahlreichen Jiddischen Ausdrücke, die wir in unsrerer Umgangssprache verwenden.

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Die große Rotation

9. bis 11. Mai 1974
Diemal ist die AUA in der Lage mit ihren neuen DC-9 die Rotation effizient in 5 Einsätzen abzuwickeln. Abge4sehen von der Verringerung des Österreichischen Kontingents auf 500 Mann, werden diesmal nahezu 2/3 des Personals abgelöst.
Abgesehen vom Wechsel im Bataillonskommando, werden außer mir alle Kompaniekommandanten abgelöst. Auch der bisherige stellvertretende BKdt Mjr Ehrl macht einem neuen DCO Mjr Gigacher platz. Am meisten aber darf man auf den neuen Bataillonskommandanten, ObstLt Burgstaller gespannt sein.
Der Abgang beim Kaderpersonal der 1. Kompanie ist ebenfalls beträchtlich: Olt Scherer und Lt Endisch von den Offizieren und die OStv Pilz und Pedernigg werden der Kompanie sehr fehlen, wie mein Fahrer Pehersdorfer und viele andere. Die neuen Zugskommandanten sind Olt Deutsch und Lt Wildberger, Lt Kofler führt nach wie vor den 3. Zug.
Von der Rotation merkt die Komapanie allerdings kaum etwas, denn sie hält nach wie vor die Stellung in der Pufferzone.
Sonntag 12. Mai 1974
Große Besuchstour der Newcomers. Weingerl führt seinen Nachfolger ObstLt Burgstaller im AUSBATT-Abschnitt ein, in ihrem Gefolge eine riersige Menge Offiziere.
Abends Jagdausfglug mit Lt Endisch. Er hat mich dazu überredet, denn bisher war mein Interesse am edlen Waidwerk kaum gegeben, eine Einstellung, unter der schon mein jagdbegeisterter Schwiegervater le4iden musste. Obwohl ich nicht selbst schießen wollte, drückt mir Endisch ein StG und Patronen in die Hand.
Wir fahren an die Nordgrenze unseres Abschnittes, lassen dann den Pinzgauer stehen und pirschen in Richtung einer Düne. Am Kamm angelangt, habenb wir wie bestellt den "Anblick": Ein kapitaler Bock, - Endisch hat ihn bereits vor Tagen ausgemacht, steht wie ein Denkmal auf ca. 250 m Entfernung am halben Hang einer weiteren Düne. Eine Riesendistanz für ein ungewohntes Gewehr, außerdem herrschnoch leichter Seitenwind.
Das merkwürdigste aber ist der plötzlich einsetzende Jagdtrieb, der alle meine bisherigen Hemmungen beseitigt. Endisch meint, wir sollten ihn näher kommen lassen, doch der Bock tut uns nicht den Gefallen und legt sich ins "Bett". Dann erhebt er sich und beginnt seinen Rückzug um bei 300 m wieder Halt zu machen, die letzte Möglichkeit zum Schuss zu kommen. Ich stelle den Aufsatz auf 300 m und drücke ab. Der Schuss geht etwa einen halben Meter vor dem Bock in den Sand. Als ob er sich selber darüber lustig machen wollte, zieht der Bock gemächlich ab und verschwindet hinter der Düne.
Mit der Feststellung, dass ein Fehlschuss auf diese Distanz ist keine Schande ist, war auch die Jagdleidenschaft, die mich so plötzlich befallen hatte, wieder verflogen und ich bin froh, dass das schöne Tier am Leben gebieben ist. Mein Schwiegervater wird sich daher weiterhin um andere Jagdgefährten bemühen müssen.
13. und 14. Mai 1974
Die letzten zwewi Tage bis zur Ablösung durch die 2. Kompanie verlaufen ohne besondere Ereignisse.
Mittwoch 15. Mai 1974
Die Beiden Bataillonskommandanten besichtigen die Unterkünfte. Obwohl alles in Ordnung ist, sind die meinugsverschiedenheiten der Beiden nicht zu übersehen. Die Übergabephase entpuppt sich als ungute Zeit: Der Eine kommandiert noch immer und der Neue will schon mitmischen. Geduld scheint nicht seine Stärke zu sein. Man hat den Eindruck, dass er alles was bisher geschehen ist, als großen Pfusch betrachtet undf einige der neuen Offiziere pflichten ihm da offenbar bei. Wollen sehen, was sie Besseres zu bieten haben.
Jedenfalls kommt es darauf an, den Klugscheißern zu zeigen, wo ihre Grenzen sind. Das geschieht auch in einer Aussprache mit dem stellvertretenden Kommandanten Gigacher. Da wir uns seit der Militärakademie kennen, war es kein Problem ihm klar zu machen, dass man besserb dran ist, sich die Erfahrungen der "Alten Hasen" zunutze zu machen, als alles umklrempeln zu wollen. Für Neuerungen und Verbesserungen bin ich stets zu haben, wenn sie sich als notwendig erweisen und realisierbar sind.
Dass unsere Tage in Suez offenbar gezählt sind, beweist der Auftrag an die Kompanie, einen Zug in 6-stündiger Abmarschbereit zu halten, um als Erkundungskommando nach Syrien zu fliegen. Lt Kofler und der III. Zug sind als erster an der Reihe. Donnerstag 16. Mai 1974
Sauna bei den Finnen. Man kann sich zwar nicht vorstellen, wie man bei einer Außentemperatur von 40°noch mehr ins Schwitzen kommen soll. Danach aber fühlt man sich erfrischt und wie neu geboren.
17. - 22. Mai 1974
Wochenende in Kairo. Ausritt mit Lt. Wildberger nach Sakkara, Besichtigung des Serapeums und des Grabmals von Thi.
In Suez das übliche Lagerleben mit Baden am Strand und Lokalbesuch am Abend. Zwischen den Trümmern eines Hotels hat sich eine gemütliche Bar etablier, wo ein herrlicher Canadien Club zu haben ist. Allerdings sollte man das Eis meiden, denn beim Schmelzen des Eiswürfels kommen allerlei Dinge wie Staubpartikelchen zum Vorschein.
Donnerstag 23. Mai 1974
Am Vormittag feierliche Übergabe des Bataillons. Weingerl und Burgstaller scheinen wieder im, besten Einvernehmen, da es ja nichts mehr zum Nörgeln gibt. Jetzt kann er zeigen was er drauf hat. Weingerl werde ich vermissen, denn er war ein guter Kommandant, auch wenn er von seiner Umgebung nicht mehr verstanden wurde.

Batallonsübergabe

Die Kommandoübergabe

Burgstaller
Oberstleutnant Franz Burgstaller
Bataillonskommandant vom 9. Mai 1974 bis 30. August 1975

Burgstaller hat auch gute Ideen, die zu verwirklichen jedoch einige Zeit und vor allem Geldmittel in Anspruch nehmen werden. Er besitzt jedenfalls reichlich Auslandserfahrung, die er als UNMO sammeln konnte.
Abends ist Abschiedsfeier von den Heimkehrern in der 1. Kompanie. Es ist eine nette Feier ohne die üblichen Abstürze. Wir sind in den vergangenen Monaten zu echten Kameraden geworden und ich werde sie daher sehr vermissen. 24. - 29. Mai 1974
Bin beauftragt die Newcomer in die neuen Aufgaben einzuführen. Daneben laufen schon konkrete Maßnahmen für eine Verlegung auf die Golanhöhen. Man hört, dass in Genf Verhandlungen über ein Truppenentflechtungsabkommen laufen und dass unser Bataillon in den Golan verlegt wird. Burgstaller teilt mir auch mit, dass die 1. Kompanie das Vorauskommando bilden werde.

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Der Auszug aus Ägypten

30. Mai 1974
Das Abkommen über die Truppenentflechtung der syrischen und Israelischen verbände auf dem Golan ist perfekt und tritt mit der morgigen Unterzeichnung in Kraft. Die Recceparty stellt derzeit die 3. Kompanie mit einem Zug, den Olt Deisenberger führt. Ab sofort ist die 1. Kompanie mit der Herstellung der Abmarschbereitschaft voll beschäftigt, nachdem auch endgültig feststeht, dass wir nach der Recce-Party die Ersten sein sollen, die nach Syrien im Motmarsch verlegen sollen. Nun gilt es, genau zu planen, was mitzunehmen ist. Praktisch muss das gesamte Unterkunftsgerät einschließlich der Spinde, Betten und Kanleiausrüstung mitgenommen werden, denn in der neuen Mission werden wir wieder bei Null anfangen müssen. Die Kompanie nimmt diese Aufgaben freudig zur Kenntnis, nicht zuletzt auch deshalb, weil bei den Leuten so etwas wie Reisefieber ausgebrochen ist. Auch ist es ihnen lieber, Neuland zu betreten, als in aufgelassenen Liegenschaften als Rücklasskommando aufzuräumen.
Für mich persönlich gilt es aber auch von von den Kairoer Freunden Abschied zu nehmen, auch der Anzug, den ich mir von einem Schneider in Kairo anmessen ließ, sollte abgeholt werden. Ein konkreter Zeitplan existiert allerdings im ganzen Bataillon nicht.
Sonntag 31. Mai 1974
Es herrscht Abmarschbereitschaft. Die Beladepläne sind erstellt, alles ist in Erwartensstimmung, teilweise schleicht sich auch ein beklemmendes Gefühl der Ungewissheit über das Bevorstehende ein. Wie wird die Familie auf den Wechsel reagieren?
Am Abend große Abschiedsparty; jemand hat mir einen besonderen Cocktail gemixt, der mich regelrecht von den Socken haut.
Samstag 1. Juni
Bekoome Erlaubnis für einen Wochendurlaub in Kairo. Abschied von Dr. Moussa und den Übrigen Bekannten. Der Anzug ist natürlich nicht fertig und muss irgendwie in den Golan nachgeholt werden.
Nach einer kurzen Bilanz über meine Zeit in Ägypten stelle ich fest, dass eine Reihe von Pflichtbesuchen nicht absolviert werden konnten: Luxor, Abu Simbel, Assuan und Alexandria. Als Tourist wären das unverzeihliche Versäumnisse, aber der Zweck meines Hierseins war anderen Programmpunkten gewidmet.
Am Abend sitzen wir, das sind meine 2 Unteroffiziere Ödendorfer und Sommer, die ihre Frauen erwarten. Ihre Urlaubspläne werden allerdings durch die bevorstehende Verlegung etwas durcheinender geraten. Weiters sind da noch Dr. Moussa und dessen Bruder, der ebenfalls aus Österreich gekommen war. Es herrscht eine gedrückte Stimmung.
Sonntag 2. Juni 1974 Ich besuche das UNEF HQ, um konkrete Auskünfte über unsere nächsten Aufgaben zu erhalten.
Hier herrscht sonntägliche Ruhe, als wäre da überhaupt nichts besonderes los. Entweder wissen die hier auch nicht mehr, oder man treibt wieder das alte Spielchen vom Blöd-Sterben-Lassen: Der Duty-Officer überreicht mir lediglich eine Ablichtung eines Artikels der Jerusalem Post mit dem Text des Truppenentflechtungsabkommens. Sonst kein Kommentar.

Agreement 74
Das Truppenentflechtungsabkommen vom 31. Mai 1974

Hier ist das Original der Ablichtung von der Jerusalem Post
Bei genauerem Studium des Textes hätte uns der Punkt D. (klicken sie auf das Bild) über den Ablauf der nächsten Tage Auskunft geben können:
D. This agreement and the attached map will be signed by the military representatives of Israel and Syria in Geneva not later than May 31, 1974, in the Egyptian-Israeli military working group of the Geneva Peace Conference under the aegis of the United Nations, .... The military working group described above will state their work for this purpose in Geneva under the aegis of the United Nations within 24 hours after the signing of this agreement. They will complete this task within five days. Disengagement will begin within 24 hours after the completion of the task of the military working group. The process of disengagement will be completed not later than twenty days after it begins.

Das bedeutet, dass das Disengagement spätestens am 7. Juni beginnen und innerhalb der folgenden 20 Tage enden musste. Damit war auch klar, dass die ersten 2 Phasen des Disengagements von der 1. Kompanie allein zu bewältigen waren, bis die 2. und 3. Kompanie nachgezogen waren.
Ob die military working group diese Tatsache in Kauf genommen, oder einfach übersehen hat, kann nicht mehr nachvollzogen werden.
Die im HQ herrschende Agonie und meine späteren Erharungen über dier Führungsqualitäten mancher UM-Militärs lassen schließen, daß UNDOF sich in keiner Weise der Problematik bewusst war, die sich am Golan ergeben werden.
Nach meiner Rückkehr nach suez gibt es vorerst keine Neuigkeiten.
Um 2150 Uhr, - wir sitzen alle im Offizierskasono, - ist es aber so weit: Der Dutyofficer bringt den Marschbefehl für die Recce-Party: Abmarschtermin 3. Juni 1200 Uhr Mittags.
Kommandant der Recceparty ist S3 (OpsO) Mjr Bauer, Stellvertreter S2 (OpsInfo) Htm Erbstein. Weiters 1 UO, 1 Schreiber, 3 Funktrupps PRC 77 (2 Mann) 1 Jägerzug unter Olt Deisenberger mit 4 UO und 13 Mann - Gesamtstärke 29 Mann.
Der Lufttransport nach Syrien, Damaskus erfolgt mit UN-Buffalo.
Nun wird es endlich auch ernst für die Advanceparty und rechnet mit deren Abmarsch am Dienstag am frühen Morgen.

Montag 3. Juni 1974
Die Recceparty ist abmarschiert, zuvor war noch das ganze Bataillon zu einer Feldmesse versammelt, bei deren Abschluss der Militärkurat einen vollkommenen Ablass erteilte. Da war plötzlich das Gefühl, als zögen wir in einen Krieg.
Sonst gibt es nichts Neues außer einer Reihe von Latrinengerüchten und vagen Vermutungen. Das Bataillonskommando schweigt sich jedenfalls aus. Dann endlich der Befehl aus Kairo: Herstellen der Abmarschbereitschaft ab 4. Juni 0800 Uhr. Dann heißt es plötzlich, dass wir schon um 0600 Uhr abmarschieren sollen.
Dieses Befehlswirrwarr bringt uns schließlich so weit, dass wir trotz aller Vorbereitungen doch noch ins Gedränge kommen. Weiß der Kuckuck, wer dafür verantwortlich ist. Auf alle Fälle haben die ersten Prognosen gestimmt.

Die Recce-Party Abb. links

Die Recceparty
bei eine der Alarmübungen, als die Mannschaft noch von der 1. Kompanie gestellt wurde; im Bild Kdt Mjr Eckewin Bauer und Lt Kofler

 

Abb. rechts

Das Beladen der Fahrzeuge
erfolgt nach einem genauen Beladeplan. Es durfte faktisch nichts vergessen werden

Beladen der KFZ

Dienstag 4. Juni 1974
Um 0600 steht die 1. Kompanie zum Abmarsch bereit:
4 Offiziere, 9 Unteroffiziere und 85 Chargen und Wehrmänner
Die Kolonne besteht aus 18 KFZ: 3 Pinzgauer AP710, 1 Landrover, 1 VW181, 1VWSankw, 12 Steyr-Diesel M3
Das Bataillonskommando und die Stabskompanie verfügt über 35 Fahrzeuge, davon sämtliche Funkfernschreiber- und Funkfahrzeuge und alle restlichen LKW, das ist praktisch der gesamte Fahrzeugpark des Bataillons.

Abmarsch Das Marschpaket der 1. Kompanie
Es sind 18 KFZ, davon 3 Pinzgauer AP710, 12 LKW StD 680M3 und 3 weitere Kleinfahrzeuge
Das weit größere Marschpaket des BKdo/Teile StbKp besteht aus 35 KFZ, davon 15 Funk- und FM-Fahrzeuge und etwa 18 LKW mit dem gesamten Unterkunfts- und Kanzleigerät des BKdos.

Der schon am Vortag vom BKdo erstellte Marschbefehl wir in den wesentlichen Punkten an die Fahrzeugkommandanten ausgegeben: Geschlossene Kolonne in 2 Marschpaketen bis Ismailia.

Marschbefehl S.1 Marschbefehl S.2 Der Marschbefehl für die Advanceparty
(Original, anklicken und lesen)
So gewissenhaft die Vorbereitung erfolgt war, so mangelhaft waren die von der UNEF bereitgestellten Führungsgrundlagen, wie etwa eine Straßenkarte.
Der Marschbefehl des Bataillons war zwar umfangreich, aber wenig aussagekräftig hinsichtlich des Marschweges. Das lag an der schon erwähnten Tatsache, dass wir weder über Straßenkarten Israels, noch über Syriens, verfügten. Den Verantwortlichen im UNEF HQ war offenbar der Begriff "Basismaterial", über das der Befehlsempfänger verfügen sollte, unbekannt. Außer einer Auflistung der Ortschaften, die wir zu passieren hatten und der Angabe von 2 Tankhalten, gab es keine weiteren Informationen weder über Marschstrecke, noch den Zustand der Strassen. Man wird auch vergeblich nach einem Marschziel bzw. einem Etappenziel suchen und auch keine Maßnahmen der Verkehrsregelung finden. Daß es sich dabei um grobe Eigenfehler handelt, beweist eine gewisse Führungsschwäche auf allen Ebenen.

Dienstag 4. Juni
Schon am Nördlichen Ortsrand von Suez wird die Kolonne angehalten: Präsident Sadat soll die Stadt heute besuchen und deswegen sind alle Zufahrtswege gesperrt. Warum auch die, welche aus der Stadt hinausführen, weiß allerdings niemand. Am allerwenigsten der ägyptische Militärpolizist an der Sperre. Nach einer Stunde vergeblichen Wartens reißt der Geduldsfaden. Irgendjemand gibt dem Benzifass, das die Strasse blockiert einen Tritt, der Ägypter sieht dabei gelassen zu und die Kolonne rollt wieder an.
Nachdem wir den Suezkanal überquert hatten erreichen wir mittags Raba, den nördlichsten UN-Stützpunkt der Pufferzone Sinai. Hier war erster technischer Halt zum Auftanken.

Raba
Raba
Erster, geplanter technischer Halt und Mittagsrast.
Was aber die meisten von uns nicht wussten, war die Tatsache, dass bei Antritt des Marsches am 4. Juni 1974 um 6 Uhr früh, noch keine Genehmigung der Österreichischen Bundesregierung für die Verlegung des AUSBATT nach Syrien vorlag. ObstLt Burgstaller befand sich im Dilemma:
Entweder den von der UNEF erhaltenen Marschbefehl nicht zu befolgen, oder ohne Einwilligung der österreichischen Regierung in ein fremdes Staatsgebiet einzumarschieren.
Burgstaller tat das einzig Richtige, was ein verantwortungsvoller Kommandant in einer vergleichbaren Lage tun würde: Er ließ die Zeit für sich arbeiten.
Bis zum Verlassen der UNEF-Mission lag noch eine Fahrstrecke von 200 km, womit etwa 3 Stunden des Abwartens blieben. Eine Verlängerung dieser Galgenfrist brachte die von den Ägyptern erzwungene Marschunterbrechung von einer weiteren Stunde. Mit Erreichen der Grenzposition Raba und der geplanten Mittagsrast war sein Zeitkalkül aufgegangen:Um 1400 Uhr kam der erlösende Funkspruch aus Österreich und damit grünes Licht zum Weitermarsch.
Der eigentliche Grund für diese Verzögerung lag in der Zeitverschiebung von 5 Stunden zwischen Wien und New York. Denn das am 1. Juni 1974 gestellte offizielle Ansuchen des UN-Generalsekretärs erreichte das österreichische Außenamt nach Dienstschluss. Somit war die Einberufung des Ministerrates und über das Wochenende nicht möglich. Am Montag, dem 4. Juni dürfte der Ministerrat dann den Beschluss zur Zustimmung gefasst haben, als das Bataillon, bzw. das Vorauskommando bereits auf dem Marsch war.

Um 1400 kann die 1. KP als selbständige Kolonne weiter marschieren. Kurz vor dem Abmarsch treffe ich wieder einen alten Bekannten: Haim Kretsch, meinen LO von Sinai, die Aufgabe hat den polnischen Konvoi durch Israel zu eskortieren.
Er gibt mir den Rat, am Ufer des See Genezareth die Nascht zu verbringen. "Da gibt es genügend Platz für deine Fahrzeuge und ein Abstecher nach Tberias wird wahrscheinlich die letzte Gelegenheit sein, in kultivierter Umgebung einen Kaffee zu genießen." Eine Traumreise beginnt: El Arisch, Gaza, Aschkalon, durch blühende Gärten undf Felder. Mir fälltr das Lied ein:"Hoch auf dem gelben Wagen .... ich würde so gerne noch bleiben, aber der Wagen der rollt."Nur der Grenzzaun im Gazastreifen erinnert an unsere eigentliche Aufgabe. In Tel Aviv, dass wir in den Außenbezirken passieren, dämmert es bereits. Auf diesem kurzen Stück Autobahn fahren wir wie die Feuerwehr. Burgstaller, der uns irgendwo trifft, - er ist an die Kolonne nicht gebunden, - gibt mir freie Weiterfahrt bis Tiberias.

El Arisch
Rast bei El Arisch
Hier war im Ersten Weltkrieg k.u.k. Artillerie während der türkischen Offensive gegen den Suezkanal in Stellung.8

 

Fotos Klinger
Gazastreifen
Der Gazastreifen
1974 konnte man den knapp 50 km langen Gazazastreifen auf einer gut befahrbaren Straße in einer knappen Stunde ungehinder durchfahren. Der längs der Straße führende 2 1/2 Meter hohe Maschendrahtzaun war eher eine symbolische Abgrenzung des israelischen Kernlandes vom okkupierten Gebiet.
Gaza
Gaza Stadt
Die Straße führt durch die Randbezirke, die Stadt selbst war damals noch so klein, dass man sie kaum wahr nehmen konnte.

Wir passieren Nethania und schwenken dann bei Hadera in das Landesinnere ein. Hier fahren wir abermals in besetztes Gebiet im Westjordanland. Nirgendwo ein Checkpoint oder sonst eine Art von Kontrolle. Die Route ist einfach der kürzeste Weg nach Galiläa, die Straßen sind völlig neu. Es ist bereits Nacht als wir Nazareth passieren und nach etwa 15 Kilometern kann man den See Genezaret erahnen, in dessen Wasser sich die Lichter von Tiberias spiegeln. Haim Kretsch hat Recht behalten: Es ist jetzt 2000 Uhr, in spätestens einer halben Stunde sind wir am Lagerplatz, das heißt, dass sich ein kleiner Lokalbummel noch vor Mitternacht ausgeht.
Und dann passiert es: Mitten in Tiberias an einer Kreuzung biegen wir in die falsche Richtung ab und landen in einer Sackgasse vor einem Hotel. Glücklicherweise können wir auf dem großen Parkplatz in gut 20 Minuten die Kolonne wenden, als plötzlich ein UNMO auftaucht und mich anherrscht, was wir in Tiberias zu suchen hätten. Ich stelle die Gegenfrage und der Holländer ist plotzlich ganz höflich und gibt zu, dass er die Kolonne bereits in Afula, 10 Kilometer vor Tiberias hätte abfangen sollen. Vermutlich saß er im Kaffeehaus wei er mit unserem flotten Marschtempo nicht gerechnet hatte. Er teilt mir auch mit, dass sich UN-Eiheiten dieser Größenordnung in Tiberias nicht aufhalten dürften.
Ausgenommen war allerdings das Auftanken, wozu laut Marschbefehl auch eine zivile Tankstelle vorgesehen war. Nach einer weiteren Ehrenrunde zur Tankstelle und zurück, verlassen wir Tiberias um die Nacht in Afula zu verbringen. Da treffen wir bereits auf das zweite Marschpaket und Burgstaller, die der Aufmerksamkeit des Holländers nicht entgangen waren.
Anstatt des aufregenden Nachtlebens von Tiberias genießen wir die komfortable Breite eines Straßengrabens, um den müden Knochen nach über 500 zurückgelegten Kilometern ruhe zu gönnen.
Mittwoch 5. Juni 1974
Es ist 0500 Uhr Morgens und die Kolonne steht zum Abmarsch bereit. Im Grunde genommen sind wir alle froh, dass die Nacht so ruhig verlaufen ist und wir daher alle gut ausgeschlafen sind

Bei Afula
Bei Afula
Die Kolonne ist abmarschbereit. Das Bild zeigt die volle Länge der beiden Marschpakete, man kann die 53 Fahrzeuge abzählen

 

Fotos Klinger
See Genezareth
Der See Genezareth
Zum Teil noch im Morgennebel glänzt seine Wasser wie Silber. Die Kolonne des AUSBATT führt nun zum 3. Male durch Tiberias und die Leute müssen den Eindruck haben, dass eine gewaltige Streitmacht im Begriffe ist, in den Golan einzumarschieren.
Über den Jordan
Über den Jordan
Der Fluss selbst, dessen Bett tief eingeschnitten bei zwischen den Uferbäumen liegt, ist nicht zu sehen, ebenso nicht die Brücke Der Sieben Töchter Jakobs die wir hier überqueren. Gut zu sehen aber ist der Verlauf der Straße, die in mehreren Kehren die Golanhöhen hinauf führt.

Nun nhern wir uns wieder dem Krieg: stellenweise syrische Panzerwracks und Ruinen. Dann kommt Qunaitra: Wir passieren ein Trümmerfeld, das einmal Lebensraum für 30 000 Seelen, - Muslime und Christen, - gewesen sein soll.
Man erinnert sich noch der Bilder aus dem Fernsehen und sieht, dass sich bisher kaum was geändert hat. Jetz passieren wir wieder einen Checkpoint nach dem Anderen und die Kolonne kommt kaum weiter. Für die letzten 20 Kilometer bauchen wir 3 Stunden.

Qunaitra
Foto Klinger
Qunaitra

 

Vor 1967 die Hauptstadt des gleichnamigen syrischen Distrikts, der die gesamten Golanhöhen umfasste. Damals lebten hier etwa 30 000 Menschen, - Muslime und Christen, - im friedlichen Nebeneinender, wie die Ruinen der alten orthodoxen Kathedrale und der Moscheen beweisen. Danach ist zweimal der Krieg hinweggerollt und was davon blieb, kann man beim Durchfahren der Trümmerstätte sehen.
Aber dabei sollte es nicht bleiben. Als ob man ein Exempel statuieren würde, machten die Israelis vor ihrem Abzug noch alles, was stand, dem Erdoden gleich. Lediglich die Skelette der religiösen Stätten ließ man stehen, als ob man sich davor gescheut hätte, die letzten Zeugen von Toleranz und Zivilisation auch noch zu beseitigen.
Wenn ich das Zerstörungswerk nicht mit eigenen Augen erlebt hätte, würde ich diesen, an die Vernichtung des biblischen Jericho erinnernden Vasndalenakt nicht für möglich halten.
Der Entschluss der syrischen Regierung, die Stadt nicht mehr aufzubauen, sondern als Mahnmal einer unversöhnlichen Geisteshaltung stehen zu lassen, ist verständlich, wenn er auch einer Lösung des Nahostproblems nicht nahe kommt.

Endlich sind wir in Sa'sa, nachdem kurz zuvor der letzte israelische Posten uns weiterfahren ließ. Am Ortsrand des Dorfes empfängt uns eine beeindruckende Delegation des syrischen Militärs.

An deren Spitze General Tayara, der Chefdelegierte der Waffenstillstandskommission (ISMAC). Ihm zur Seite der perfekt Deutsch sprechende Caspt Nizar. Die Begrüßung ist äußerst herzlich, als Unterkunft wird uns ein Teil des Militärlagers Quanaquer angeboten und jeder bekommt ein weiß überzogenes Bett.
Nachdem wir unser Naschtquartier bezogen hatten, gab General Tayara einen Empfang, zu dem das gesamte Personal der Advanceparty geladen war.
Der Golan empfängt uns mit dem ganzen Charme seiner bezaubernden Landschaft, die sich jetzt Anfang Juni noch im frischen Grün präsentiert. Hier werde ich also die nächsten Monate verbringen, bis anfangs August meine Verpflichtungszeit abgelaufen ist.

General Tayara General Tayara
Ein Empfangskomitee, das nicht nur seiner Zahl nach sondern auch seiner hochrangigen Besetzung wegen beeindruckte, hieß ObstLt Burgstaller an der Spitze seiner Heeresmacht, willkommen. Der Armeekommandant und sein Stab hatten es sich nicht nehmen lassen, uns im Namen der Syrischen Regierung zu begrüßen. Im Gefolge der Herren befand sich auch zwei Offiziere, die in Zukunft unsere wichtigsten Gesprächspartner sein werden: Oberst Tajara, der oberste Verbindungsoffizier und sein Adjutant und Dolmetscher Hauptmann Nizar.
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Auf den Golanhöhen

Als die UNDOF ihre Aufgabe am 6. Juni antrat, entsprach die militärische Lage der Kriegsparteien auf dem Golan im Wesentlichen der Situation nach Inkrafttreten des Waffenstillstandes vom 24. Oktober 1973. Die Einhaltung dieses Waffenstillstandes wurde durch ein gutes Dutzend OPs der UNTSO beiderseits der Frontlinien überwacht.
Wie in der Suezkanalzone, kam es zu zahlreichen Verletzungen des Waffenstillstandes auf beiden Seiten. Der letzte derartige Zwischenfall ereignete sich am 30. Mai, am Vortag der Unterzeichnung des Disengagement-Abkommens, als durch Israelisches Artilleriefeuer auf das Dorf Kfar Haour mehrere Zivilpersonen verletzt wurden.
Insgesamt waren es 16 von israelischer Artillerie verursachte Waffenstillstandsverletzungen , die vorwiegend Opfer unter der Zivilbevölkerung gefunden hatten und von den UN-Organen untersucht und dokumentiert wurden.
Im Gegensatz zum Kriegsschauplatz am Suezkanal, kam es hier zu keinerlei Annäherungen zwischen den Kriegsparteien, da Syrien sich beharrlich weigerte, das von den Ägyptern erzielte Verhandlungsergebnis zu akzeptieren.

In der Einschätzung ihrer Chancen, ein ebenso günstiges Verhandlungsergebnis wie ihre ägyptischen Bundesgenossen zu erzielen, machten sich die Syrer keine Illusionen, die 1967 verlorenen Golanhöhen, wieder zurück zu erhalten. Im Vergleich zur Sanihalbinsel war deren strategische Bedeutung für Israel zu groß. Wer jemals seinen Blick von der Hochfläche talwärts zum Flusslauf des Jordans und nach Obergaliläa gerichtet hat, muss keineswegs ein Feldherrengenie sein, um das zu erkennen.
Das Genfer Abkommen vom 31. Mai 1974 und die UN-Resolution 350 brachte daher nur die grundsätzlichen Voraussetzungen für einen israelischen Rückzug auf die Waffenstillstandslinien vom Sechs-Tage-Krieg von 1967. Lediglich die Stadt Kuneitra sollte an Syrien wieder zurückgegeben werden, das im Gegenzug einer entmilitarisierten Pufferzone unter Kontrolle der UN auf seinem Staatsgebiet zustimmen musste.
Die UNDOF verfügte zu diesem Zeitpunkt neben einigen Duzend UNMOs der Observergroup Golan, über nicht mehr und nicht weniger als den Vorauskommandos des österreichischen und des peruanischen Bataillons und den 20 Mann der Recceparty.
Zusammen waren das etwa 250 Mann, wovon die Hauptlast des Disengagements auf das 170 Mann starke AUSBATT fiel.
Das bestand aus dem Bataillonsstab einschließlich der Versorgungsteile und der 1. Kompanie, die mit 18 Mann der Receparty gleich nach dem Eintreffen in Quanaquer,verstätkt wurde . Die Receparty wurde, wie schon erwähnt, vom 3.Zug der 3. Kompanie gebildet und bereits 1 Tag vor unserer Verlegung, in das neue Einsatzgebiet eingeflogen. Ihr Kommandant Olt Deisenberger brachte zu unserer Freude nicht nur wertvolle Informationen, sondern auch 2 Jeep als willkommene Leihgabe der UNTSO mit, da unsere Fahrzeuge fast zur Gänze wieder nach Suez zur Abholung der 2. Kompanie in Marsch gesetzt wurden.

Waldheim Am 4. Juni besucht Generalsekretär Dr. Kurt Waldheim im Anschluss seines Empfangs im UNDOF HQ Damaskusdas, das bereits am Vortag in Syrien eingetroffene Erkundungskommando - Recceparty - in Camp Quanaquer.
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Meldung der Truppe durch OpsInfo

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Gruppenfoto der Recceparty mit dem Generalsekretär (zum Wiedererkennen aus die Bilder klicken)

Beide Fotos UN-Photo/Nagata

Recceparty

Von den Peruanern, die mit uns am 4. Mai ebenso nach Syrien verleget haben sollen, war keine Spur zu sehen. Im Gegensatz zu dem was uns bevorstand, hatten sie lediglich den Südabschnitt, in dem keine Kampfhandlungen stattgefunden hatten, zu übernehmen.
Was die UNDOF mit uns vorhatte, wäre eigentlich Aufgabe des gesamten Bataillons gewesen, aber wie schon in Ägypten, waren die Zeitlichen Vorgaben mit der tatsächlichen Lage der vorgesehenen Kräfte nicht in Einklang gebracht worden.

Disengagement Phase-1.jpg

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Das Disengagement

(modifiziert nach der Originalkarte der Working Groop)

  • Phase 1
    6. - 14. Juni IDF rämt Zone 1A unde übergibt sie bis 14. Juni 1800 Uhr an UNDOF.
  • Phase 2
    , 15. - 18. Juni IDF rät Zone 2A bis 18. Juni 1800 Uhr, UNDOF besetzt 2A als Pufferzone.
  • Phase 3
    19. - 23. Juni IDF rämt Zone 3A bis 23. Juni 1800 Uhr, UNDF übernimmt 3A aqls Pufferzone und bezieht Positions. Gleichzeitig
  • Inspektion der Truppenverminderung in den Zonen 2, 4c (IDF) und 1A >(Syr)
  • Phase 4
    24. - 26. Juni Syr. Verwaltung übernimmgt Zone 3A am 24. Juni. IDF räumt Zonen 4A,4B u.4C bis 25. Juni 1600 und übergibt
  • gesamten Beredich an UNDOF. Syr. Verwaltung übernimmt Zone 4A (Kuneitra) am 25. Juni.
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Das vorgeschobene UNDOF-Hauptquartier, genannt FOX

Hier finden die Detailverhandlungen der Parteien unter Vorsitz von UNDOF statt. Jeder Delegation steht ein Großzelt zur Verfügung, ein drittes ist für die gemeinsamen Verhandlungen vorbereitet. FOX wurde ausschließlich vom Stabspersonal des Bataillons errichtet und betrieben. Auch das erforderliche Wachpersonal Gerät, sowie FM-Gerät und die Zelte, wurden durch AUSBATT bereitgestellt.
FOX musste im Zuge des Diaengagements dreimal verlegt.

fHQ-UNDOFFoto © W. Klinger

Der vorgesehene Einsatzbereich des AUSBATT entsprach genau dem Frontverlaud zwischen IDF und Syrern in einer Gesamtlänge von über 60 km, den die 1. Kp, verstärkt durch 1 FuFSTrp und 20 Mann der Recceparty- Gesamtstärke 120 Mann - zu überwachen hatte. Da die Kompanie auf beiden Seiten der Frontlinien Stellungen beziehen musste, ging der Zusammenhalt der Einheit, was den Nachschub und die Verbindung anbelangt, völlig verloren .
Den Peruanern wurde jener Abschnitt zugewiesen , der von den Kampfhandlungen unberührt war. Warum man auf jegliche Unterstützung verzichtet hat, zählt zu den vielen Ungereimtheiten der UNDOF-Führung

Maoz

UN-Photo/Nagata

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Einweisung der UNDOF durch Offiziere der IDF

Chief LO IDF Col. Simcha Maoz (Bildmitte)und Lt. Col. Garry Gal, IDF-Nord, Col. Tauno Kuosa Chief Operations UNDOF(Finland), Mjr Ekkewin Bauer Operatins Officer AUSBATT

 

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Lt. Col. Garry Gal, IDF-Nord, an der Lagekarte

Gall

UN-Photo/Nagata

Donnerstag 6.Juni

Schon am Morgen beginnen wir mit der Erkundung des Bataillonsabschnitts:
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Die Phase 1

Vormittag im Bergland im Norden, dabei kommen wir nach Hine. Wie in Italien liegt die Ortschaft überragt von einer 2-türmigen Kirche auf einem Berg. Die Bewohner sind sauber und wir werfen eingeladen. Es gibt Kaffee und Wein. Der Hausherr ist 85 Jahre alt, hat 20 Jahre in Amerika gelebt und freut sich dass er wieder Englisch sprechen kann. Es sind alles Christen. Beim Abschied werde ich von einer alten Frau gesegnet.
Hine Foto © W. Klinger Hine1 Foto © W. Klinger

Hine ist eine Christengemeinde inmitten der von Drusen und Moslems bewohnten Dörfer an den Südhängen des Mt. Hermon. Eine mächtige Kirche mit 2 Türmen deutet vom Selbstbewusstsein dieser Leute in einer nicht gerade sicheren Umgebung. Unterstützt werden die Bewohner durch ihre Verwandten, die in den 20er-Jahren in die USA ausgewandert waren. Dank ihrer Spenden wurde auch die Kirche gebaut.

Kirchen in Hine Foto © W. Klinger

Nachmittag Erkundung des Südabschnitts: Wir fahren etwa 100 km auf elenden Straßen, bis wir wieder den ersten OP auf Syrischer Seite erreichen. Nach der Rückkehr schmerzt der gan-ze Rahmenbau.

Freitag 7. Juni

Endlich ein Auftrag für das AUSBATT bzw. das was derzeit davon in Syrien ist - und gleich darauf ein neuer. Jetzt sollen wir plötzlich ein irrsinnig breites Areal übernehmen. Die Trup-penentflechtung beginnt morgen um 1900 Uhr und der Hermon Berg soll besetzt werden. Alles auf einmal und überall und nirgends - offenbar merkt man, dass wir einfach zu wenig sind. Die Befehlsausgabe dauert bis Mitternacht.

Samstag 8.Juni

Der große Tag beginnt: um 1900 Uhr sollen Isis und Syrer mit der Truppenentflechtung beginnen, wir dazwischen sollen das ganze Unternehmen überwachen. Natürlich haben wir keine Ahnung über den zeitlichen Ablauf und den Bewegungslinien. Es wird schon schief gehen.

Disengagement Phase 1

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Phase 1

1. Kp bezieht Stellungen zwischen den Frontlinien:

1.Zug - Steinbock - im Bereich Hermon auf syrischer Seite
2. Zug im Mittelabschnitt bei OP 41 und OP 42 auf israelischer Seite
3. Zug Südabschnitt OP 43 und OP 44 IDF Seite
Halbzug Recceparty OP 38 und OP 31 auf syrischer Seite
Die Kompanie ist somit durch die Frontlinien getrennt.
Die VersGrp liegt im Camp Quanaquer

 

 

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Einweisung auf OP 38

Von linka: Hptm Klinger, OstV Nussmüller, ObstLt Burgstaller, OStV Fleischmann

EinweisungFoto © W. Klinger

Um Punkt 1030 rollt die 1. Kp aus dem Lager Quanaquer - Die Kp soll in Anlehnung an die OPs der UNTSO ihre Positions beziehen.
Die Einweisung durch die UNMOs - ehemalige UNTSO-Beobachter - geschieht blitzschnell - fast zu schnell, denn in kurzer Zeit bin ich die drei Züge los und stelle fest, dass ich auf meiner Position 42, nahe vom vorgeschobenen Bataillonsgefechtsstand, festgenagelt bin. Die Isis lassen nämlich niemanden ohne LO in ihrem Bereich herumfahren - eine eklatante Verletzung des Freedom of Movement, interessiert aber offenbar niemand.
Die Kp ist auf einen Bereich von 35 km Breite und 10 km Tiefe eingesetzt, zu den OP 43 und 44 keine Funkverbindung.

Sonntg 9.Juni

Endlich gibt es einen Zeitplan und die Truppenentflechtung beginnt Form anzunehmen. Jedenfalls verbleiben wir bis zum 14. 6. in den gegenwärtigen Stellungen. Bekomme endlich einen LO und beginne nun, mir einen Überblick zu verschaffen.

Der LOFoto © W. Klinger Zeiger links

Auf dem Tel Shams

Der Verbindungsoffizier (LO) von IDF und sein Fahrer
Er wohnt in Tiberias und braucht etwa eine Stunde, bis er hier ist.
Der Gesichtsschleier bedeutet nicht meinen Übertritt zum Islam, sondern ist ein leidlicher Schutz vor den Mücken. Den Israelis scheinen sie nichts auszumachen

 

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Ausblick von Pos 42 vom Tel Shams ins Niemandsland

Tel ShamsFoto © W. Klinger

Die Arbeit, alle Positions zu besuchen ist aufreibend und man benötigt einen halben Tag. Dazu kommen noch sinnlose Aufträge und Hinweise auf Presse und Fernsehreportagen. Gebe auf OP 41 dem Stützpunkt des 2. Zuges, ein Interview für das israelische Fernsehen und NBC. Auf OP 41 ist überhaupt ständig was los: Laufend kommen Autos und Busse vorbei, mit den aufregendsten Sachen, die die israelische Armee zu bieten hat: Mädchen in Uniform - zum Kampfeisatz dürften sie in ihren Stöckelschuhen allerdings nicht hierher gekommen sein.


OP 43 bei Kafr NasihOP 43 bei Kafr Nasih
Foto © W. Klinger

Die OP wurden mit Inkrafttreten des Waffenstillstands vom 24. Oktoberbesetzt von der Observergroop Golan eingerichtet. Sie sind von 2 UNMOs besetzt, die im wöchentlichen Turnus abgelöst werden. Die Ausstattung der OPs ist den Umständen entsprechend komfortabel: 1 Wohnwagenanhänger mit Kücheneinrichtung und Kühlschrank, 2 Schlafstellen. Auf dem mit Drahverhau umzäunten und stellungsmäßid ausgebauten Gelände befindet sich der Beobachtungstand, Wasch und Toilettanlagen, sowie ein Bunker. Als Verbindung dient ein leistugsstarkes Funknetz, das über einen mehr als 10 Meterhohen Sendemasten Reichweiten bis Jerusalem und Damaskus ermöglicht. Zur Unterstützung der unbewaffneten UNMOs wurden mit Beginn des Disengagements sämtliche OPs durch Einheiten des AUSBATT, wie hier durch den 3. Zug verstärkt.

OP 44 bei MasquaraOP 44 bei Masquara
Foto © W. Klinger
OP 41 bei Mazrat Beit Jin
Besetz durch 2. Zug

Derzeit fungiert hier als UNMO Hptm Achorner mit seiner Gitarre vor iraelischem Publikum.Achorner OP 41
Foto © W. Klinger
OP 33 südl Maschara
auf syrischer Seite
von 1. Kp nicht besetztOP 33UN-Foto/Nagata
OP 37 südlich Hine
auf syrischer Seite
von 1. Kp nicht besetztOP 37 südlich HineUN-Foto/Nagata
Beispiel für den Innenausbau eines OP

 

OP  InnenanlagenUN-Foto/Nagata

Am Abend gibt es einige Aufregung, weil IDF den 2. Zug hindern, weitere Positions zu beziehen. Ich frage mich überhaupt, wozu im fHQ von UNDOF (FOX) mindestens 10 Oberste aller Verhandlungsparteien herumsitzen - von Führungsmaßnahmen des Bataillons ist ebenfalls nichts zu merken.
Bis jetzt konnte die primitivste Entscheidung nur nach endlosen Diskussionen herbeigeführt werden. Mir kommen berechtigte Zweifel über das was hier geboten wird. Dafür ist man sich im Klaren, dass wir noch bis 25. Juni in primitivsten Verhältnissen leben werden: ohne Körperpflege, wenig Schlaf und den dicken Schwärmen von Mücken, gegen die auch unsere Moskitonetze nichts nützen. Sie kommen, sobald am Abend der Wind nachgelasssen hat.
Habe am Abend eine lange Diskussion mit dem LO. Er ist Ingenieur und ein netter Kerl. Trotzdem lässt sich hier nicht das gleiche herzliche Verhältnis aufbauen, wie auf Sinai. Wahrscheinlich sitzt hier der Krieg allen noch zu sehr in den Knochen und der Grund für ein merkliches Misstrauen. Der Schmäh, wie wir ihn früher laufen hatten, zieht noch nicht. Dafür müs-sen wir uns erst in einer professionellen Performance bewehren.

Die Positions vom 1. Zug (Steinbock) am Hermon, syrische Seite

Position 36 bei Arne

1. Zug Pos 36 bei ArneFoto © W. Klinger

Basislager

Zugsgefechtstand und Versorgungsbasis liegen an einem ausgetrockneten See. umgeben von Weingärten

1.Zug BasislagerFoto © W. Klinger

Position am Gipfel

1. Zug Hermon-GipfelFoto © W. Klinger

Montag 10. 6.

Will heute meinen Zug auf dem Hermon besuchen - werde aber leider abgehalten. Eine Geländeerkundung im Vorfeld des KpGStd am OP 42, wo ich eine Gruppe in Stellung bringen wollte, nahm die ganze Zeit in Anspruch. Es handelt sich um eine kleine Ortschaft - Deir Maker - ein Trümmerhaufen im Niemandsland, in der noch einige Tauben und eine Katze lebten, des Nachts sich aber scheinbar Menschen aufhielten. Jetzt fanden wir nur einen Trümmerhaufen und Rückstände eines Gefechts - Rüstungsgegenstände und Blingänger.
Mein LO hat Angst, im Niemandsland von einem Kommandotrupp gefangen zu werden, kann ihn aber beruhigen. Hier kommt kaum jemand durch, da das ganze Vorgelände vermint ist. In dem von hohen Gras und wildem Hafer bedeckten Gelände sind sie auch nicht wahrzunehmen, so dass eine Minenräumung nur unter höchster Gefahr möglich ist.

Hier in dieser Ortschaft will ich einen stehenden Spähtrupp in Stellung bringen. Wie notwendig diese Maßnahme war, soll sich bald herausstellen.
Diese Absicht zu realisieren, löst vorerst einen Wirbel im fHQ UNDOF aus. Man beschwert sich, ich hätte angeblich ohne Erlaubnis direkt mit den IDF verhandelt. Die Sache klärt sich auf, nachsem der finnische ChiefOps Col Kuosa zugegeben hatte, mir freie Hand für weitere Verhandlungen gegeben zu haben, um die IDF von der Notwendigkeit meiner Absicht zu überzeugen. Deir Maker wird bezogen - ob Prestigegewinn oder Notwendigkeit, beides sollte sich als notwendig erweisen, denn bei den Herren vom HQ weis sowieso keiner, was der andere tut. Mit dieser Erkenntnis festigt sich wieder mein Glaube an unsere bewährte österreichische Führungspraxis klarer Befehlsstrukturen und Kompetenzen.
Dafür geht das Tauziehen um die Lage der Positions bei Mazrat Beit Jinn weiter: Einmal Ja, einmal Nein - es ist zum aus der Haut fahren.
Abends unendlich müde, kann ich mich der neu installierten Tretbrause erfreuen - eine wahre Wohltat unter diesen Verhältnissen - man wird eben bescheiden.

Tretbrause

Tretbrause

Die sogenannte Tretbrause wurde zum unverzichtbaren Gerät der Körperpflege und Erfrischung.
Durch Treten auf ein Doppelpedal wurde das Wasser aus dem Kannister in die Brause und auf die darunterstehende Person gepumpt.
Das funktionierte allerdings nur bei kompletter Windstille, bzw. wenn um die Anlage ein Windfang gebaut ist.
Die hier abgebildete Brause war bis vor Kurzem noch von einer Wellblechverkleidung umgeben, bis der UN-Fieldservice kam und im Zuge der Demontage der nicht mehr benötigten OPs auch alle Waschplätze ihrer Verkeidungen beraubte.

Von nun an war ein zweiter Mann erforderlich, der die Pedale bediente, während der andere den vom Wind verwehten Wasserstrahl nachlaufen musste.

Nachmittags wieder Besuch beim OP 41, danach fahren wir auf Wunsch des LO nach Beyt Jinn, ein kleines Dorf, das trotz der Kriegsschäden einen äußerst friedlichen Eindruck macht:
In einer Talsenke zwischen schattigen Gärten sprudelt eine Quelle und lädt zur Rast, doch wir müssen wieder umkehren.
Jetzt kann ich mich auch schon gut in der Gegend zurechtfinden. Man sieht auch, welch taktische Bedeutung diese Gegend für beide Seiten hatte. Hier hatten die Syrer vor dem Krieg die Infrastruktur für eine gewaltige Militärbasis geschaffen, deren dichtes Straßennetz Truppenbewegungen in alle Richtungen.

An einem dieser Lager - es steht völlig leer - fahre ich fast täglich vorbei und ich denke, das könnte unser nächstes Camp sein und mache daher Burgstaller darauf aufmerksam.
Der greift die Idee sofort auf und beginnt mit den Syrern zu verhandeln.

Faouar im Juni 74
UN-Foto/Nagata
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Camp Faouar

Bereits am 16. Juni beantragen AUSBATT und POLLOG in einem gemeinsamen Memorandum um Zuweisung des fast leerstehenden Militärlagers neben den Dorf Faouar als neues Basislager.
Nach Installierung von Strom und Wasser kann mit der Einrtichtung in wenigen Wochen begonnen werden

 

Bereits im August ist das Lager bezugsfertigZeiger rechts
Camp Faouar September 74
UN-Foto/Nagata

Das Land ist relativ dicht besiedelt, doch nur zum Teil landwirtschaftlich genützt. Den überwiegend brachliegenden Teil bedecken Gras und wilder Hafer. die um die Jahresmitte bereits zu verdorren beginnen.

Blick auf den Mt. Hermon von Pos 17

Hermon
Foto © W. Klinger

Blick auf Masrat Beit Jinn von Pos 17

Position 17Foto © W. Klinger

Vor Beit Jinn - der Ort wird bereits im 12.Jht erwähnt

Beit JinnFoto © W. Klinger

Die überwiegend bäuerliche Bevölkerung geht bereits wieder ihrer Arbeit nach, soweit es die Kriegsnachwirkungen erlauben. Überall auf den Straßen herrenlos herumlaufende Esel und Pferde, deren Freiheit allerdings durch Blindgänger und Minen ein Ende gesetzt ist, wie die immer wieder tönenden Detonationen künden - manchmal trifft es auch Menschen. Das Land wird noch lange brauchen, bis wieder normale Lebensbedingungen herrschen.

Dienstag 11. Juni

Auch diesmal ist der Besuch des Mont Hermon gestrichen. Die Besetzung von Deir Maker stößt auf Schwierigkeiten im HQ, wo man sich wundert, warum ich dieses Nest unbedingt in unsere Positionkette einbeziehen will.
Aber ich habe den Verdacht, dass Zivilisten oder auch Militär hier eindringen könnten und will jede Überraschung vermeiden.

Die neue Crew ist ausgezeichnet - ich habe hier wirklich gute Gruppenkommandanten und auch die Mannschaft ist trotz der Belastungen in bester Stimmung.
Was am meisten zu schaffen macht, sind die Mückenschwärme, die einen zum Wahnsinntreiben könnten. Vor den Moskitos schützen einigermaßen die Netze, gegen die Hitze hilft nichts. Würde man sich ausziehen, fressen einen die Mücken.
Dazu kommt das Problem der eingeschränkten Beweglichkeit. Für jede Fahrt ins Gelände braucht man einen LO. Sie (die Isis) sind ja alle recht freundlich und hilfsbereit, in ihrer Dienstauffassung aber stur.

Mittwoch 12. Juni

Heute geht es rund: Der für 0800 Uhr bestellte LO - wir haben zur Vermeidung jeglicher Missverständnisse auf IDF-Sommerzeit umgestellt - ist nach einer Stunde noch immer nicht da. Was nützt das frühe Aufstehen, wenn man sowieso nichts unternehmen kann und weis, dass alles weitere in der heißen Tageszeit erfolgen muss. Auch aus den Dreharbeiten eines ORF-Teams kann daher nichts werden.
Endlich sieht man auch bei IDF ein, dass man einen Kommandanten nicht annageln kann und man gewährt mir einen zweiten LO. Auch die geplanten Positions bei Mazrat Beit Jinn können endlich bezogen werden. Das allerdings nach einem endlosen Palaver mit dem örtlichen Kommandanten, der sich offensichtlich als Star fühlt. Die Syrer versuchen auch gleich nachzudrängen, obwohl wir noch immer in der Phase 1 sind. Sie ziehen sich aber bei Einbruch der Dunkelheit wieder zurück - ob nur in die nächsten Häuser oder überhaupt, ist nicht festzustellen. Jedenfalls sind nun alle Positions dort wo ich sie haben will - Mazrat Beit Jinn und Deir Ma-ker sind unter Kontrolle. Burgstaller kommt noch am Abend auf 42 und 42a (Deir Maker) und ist hoch zufrieden. Morgen soll es endgültig auf den Hermon gehen.

Donnerstag 13. Juni - Fronleichnam

Stehe um 0500 Uhr auf und bin um 0600 Uhr im Camp Quanaquer, von da wir über Hine, Arne, Rhine zum Basislager, das an einem ausgetrockneten See liegt. Gleich daneben Wein-gärten auf 1550 m, die aber genügend Wärme und so gut wie keinen Schatten haben. Dann geht es weiter auf steilstem Weg zur Gipfelstellung, 2682 m Seehöhe. Es ist ein Nebengipfel des Hermon, etwa 500 m so des 2814 m hohen Hauptgipfels. Von dort können uns die Isis mit einem guten Glas in den Suppentopf schauen. Ich stelle mir vor, wie diese Position, bzw. der Berg überhaupt im Winter gehalten werden kann. Habe auch an Tragtiere zur Versorgung gedacht.
Anschließend ist Feldmesse. Es ist einfach ein überwältigendes Gefühl, hier oben zu stehen, mitten im Kriegsgebiet, nicht weit davon Panzerwraks und Stellungen der Syrer und vom Gipfel herab beobachten uns die Israelis, wie wir die hl. Messe feiern - das am Fronleich-namstag! Vielleicht ist das ein historischer Augenblick auf dem Weg zu Weltfrieden und Völkerverständigung. Alle sind wir tief ergriffen und ich nehme wieder nach langer Zeit die hl. Kommunion.

Fronleichnam Gipfel

Fronleichnam am Hermon

Militärkurat Mark feiert die Bergmesse - Zuschauer beobachten respektvoll unseren Gottesdienst. Auch die Israelis beobachten uns vom nahen Hauptgipfel des Hermon
Syrer

Danach Mittagessen im Basislager und großes Pläneschmieden für die Zukunft des AUSBATT auf dem Golan. Ich mache kein Hehl daraus, dass ich mir wünsche, dass meine Kompanie im Bergbereich bleiben solle. Den Decknamen Bergsteiger führen wir ja bereits. Offensichtlich finden meine Pläne Gehör beim "Alten".
Auf gleichem Weg geht es wieder zurück - in Hine werden wir zum Tee geladen.

Gegen Abend Aufregung in Deir Maker: Zivilisten haben sich etwa 300 m vor dem Ort gesammelt und wollen hier einziehen. Wir bekommen Befehl, sie beim Betreten des Ortes fest-zunehmen.

Freitag 14. Juni

Heute bin ich genau 6 Monate im nahen Osten - dieser Tag sollte der verrückteste und aufrei-bendste Tag werden.
Grenzgänger
Foto © W. Klinger

Zeiger obenBewohner des kleinen Dorfs Deir Maker versuchen in ihre Häuser zurückzukehren

Op Masquara
UN-Foto/Nagata
Abtransport
UN-Foto/Nagata

Zeiger linksAnfangs waren es nur 3 Personen, die nach Masquara zurückkehren wollen, doch bald ist ein vollbesetzter LKW, den Mjr Bauer im HQ empfängt.

Es beginnt mit der Festnahme von 11 Personen in Deir Maker, die nach Saasa gebracht werden sollen. Dann ein gutes Dutzend Personen, die in Mashara in die Zone eindringen wollen und festgenommen werden. Ihren Transport nach Saasa wollen die Israelis nicht durchlassen, bis ich sie überzeugen konnte, dass es sich um harmlose, unbewaffnete Bauern handelt.
Als nächstes fällt das Fahrzeug mit dem Trinkwassertank und schließlich mein eigenes aus.

Checkpoint Deir Maker
Foto © W. Klinger

Zeiger links Checkpoint Deir Maker
Im Hintergrund ist der Tel Shams zu erkennen


 

Zeiger rechtsDer Ausfall des einzigen Wassertanks auf längere Zeit, würde eine ernsthafte Krisenloage herbeiführen.
Im Bild Tankwagebfahrer Kpl (Bärli) Holousch.

Wassertank
Foto © W. Klinger

In Deir Maker und Mashara drängen weitere Gruppen in die Zone und schließlich eine Demonstration mit Presseaufgebot vor Fox. Die Demonstration ist weder angekündigt noch ge-nehmigt. Schließlich treiben wir mit dem Wachzug die Leute auseinander. Dabei liegen die Nerven blank und werde ich auch gegenüber hübschen Reporterinnen saugrob.
Das ganze Theater ist offenbar wegen der Beendigung der Phase 1 des Disengagements von der syrischen Regierungspresse inszeniert, indem der Bevölkerung eingeredet wurde, sie können nun in ihre Wohngebiete zurückkehren.
Inzwischen versammeln sich abermals an die 50 Personen in Deir Maker und wollen in ihre Häuser. Die Israelis, zu jeder Übertreibung neigend befürchten ein unkontrolliertes Eindrin-gen von Kombattanten und verlangen die Abweisung der Leute. Sollen wir sie wider in das verminte Niemandsland zurückschicken? Wir taten es nicht.
Es ist fast Mitternacht, als ich zur Ruhe komme. Nur eine einsame Katze schleicht noch herum, bin aber zu müde, sie zu füttern.

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Die Phase 2

Samstag 15. Juni

Phase 2

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Die Phase 2

Zeiger links

Nach der Übergabe der Zone 1A an die Syrer verschiebt sich die Front um ca. 10 km nach Osten, die Positions sind nach wie vor an beiden Frontlinie positioniert. Sie tragen weiter die Nummern der OPs, die während der Phase 2 abgebaut werden.
Der mit dem Abbau beauftragte UN-Fieldservice nimmt seine Aufgabe so genau, dass auch die zugehörigen Wasch- und Toilettanlagen abgerämt werden. Eine Verbindung zwischen den Fronten ist noch immer nicht möglich, da die Straßen vermint sind. 3

 

Die Straße zwischen Mazrat Beit Jinn und Hine ist vermint.
Der Minenriegel mit den Panzerminen ist gut erkennbar.

Zeiger rechts
MinenriegelFoto © W. Klinger

Der Tag beginnt wieder mit Festnahmen. In Deir Maker sind es 4 Soldaten, zwei davon sind bewaffnet, In Mashara auf Pos 44 werden 14 Zivilisten aufgegriffen und warten auf den Abtransport.

An die 80 km tägliche Fahrleistung machen sich nun bemerkbar, doch an Ruhe ist noch nicht zu denken. Ich fahre zur Pos 36, des 1. Zugs (Steinbock) Die Position liegt in der Nähe von Arne an einer Straße, die auf den von den Israelis besetzten Berg Hermon führt. Arne ist ein lieblicher, vom Krieg verschont gebliebener Ort mit freundlichen Bewohnern - meistens Christen. Von hier beziehen unsere Leute auch Obst und Gemüse.

Arne
Photos by fareedzdn

Arne am Fuß des Mt. Hermon

Mit Olt Deutsch zu Gast beim SchulleiterZeiger rechts

Position 36
Foto © W. Klinger

Foto © W. Klinger

Auf Position 36

Sonntag 16. Juni

Suche eine direkte Verbindung von Pos 41 B auf 41 A. Die von B nach A führende Straße - etwa 1 km - ist vermint, was bedeutet, dass um zu Pos 41 A zu gelangen eine Stunde Fahrzeit erforderlich ist - ein untragbarer Umstand.
Ersuche Oberst Maoz erfolgreich umRäumung der Minen bei Mazrat Beit Jinn Nun hat der Doktor das Wort, denn ich bin bewegungsunfähig und nur noch mit Spritzen wieder flott zu kriegen. Das gelingt auch und nach einem tiefen Schlaf über Sonntag bin ich wieder auf den Beinen.

Montag 17. Juni

Heute soll die Minensperre bei Mazrat Beit Jinn beseitigt werden. Um 1400 Uhr soll es so weit sein. Die Isis sprengen einfach, weil sie ihren eigenen Minen auch nicht mehr trauen. Eine Mine geht natürlich nicht hoch und das ganze Theater geht wieder von vorne los.

Minenrräumung
Foto © W. Klinger

Minenräumung bei Mazrat Beit Jinn

Zeiger links

Da man sich nicht sicher ist, ob die Minen gegen Wiederaufnahme gesichert sind, werden sie gesprengt

Zeiger rechts

Mit der Entfernung des Minenriegerls war eine direkte Verbindung zu den Positions auf der syrischen Seite hergestellt, womit die Führung und Versorgung im Nordabschnitt wesentlich erleichtert wurde.

Mazrat Beit Jinn

Fahre anschließend nach Hadar um den neuen Kp-Abschnitt zu erkunden. Benütze einen neu-en Weg und mir ist dabei nicht ganz wohl. Die etwa 1 Woche alte, durchgehende Fahrspur von Kettenfahrzeugen aber zeigt, dass der Weg minenfrei ist. Eine Wasserstelle erweist sich als Rohrbruch einer Wasserleitung - vermutlich die Wasserleitung für Khan Arnabe - die durch die Panzer beschädigt wurde. Ringsum sind Weingärten - die Rebstöcke sind nicht, wie bei uns hochgezogen auf Stangen oder Spalier, sondern liegen flach am rötlich gefärbten Boden. Bald sind wir in Hadar. Der Ort ist vom Krieg verschont geblieben und dicht bevölkert. Auffällig die vielen jungen Burschen, denen der syrische Militärdienst durch den Vormarsch der IDF erspart geblieben war. Mein LO und ständiger Begleiter aber warnt, Hadar sei ein Unruheherd.

Die Lage der Positions ist bald festgelegt, wie ich deren Besatzung herschaffen werde, ist jedoch ein Problem - die KP verfügt nur über einen einzigen MTW und 2 Pinzgauer.

Dienstag 18. Juni

Der Tag steht ganz im Zeichen des Abzugs der Israelis aus der Zone 2A

Übergabe vom Tel Shams an UNDOF
UN-Foto/Nagata
Übergabezeremonie am Tel Shams der
Einholen der Flagge Israels
UN-Foto/Nagata
Einholen der Flagge Israels
Abzug der Israelis aus Mazrat Beit Jinn
Foto © W. Klinger
Abzug der Israelis aus Mazrat Beit Jinn

Ab 1800 Uhr Verlegung der KP in die neuen Positions 13, 14, 15 und 17. Morgen soll dann noch 16 bezogen werden. Der Transport ist trotz Zuteilung von 2 LKW der Kanadier immer noch nicht gesichert. Es ist nicht möglich, den ganzen Verein mit Gepäck und Ausrüstung zu verladen, eine Gruppe muss zurückleiben.
Nehme an der Abschiedsparade der Israelis von Mazrat Beit Jinn teil. Anschließend versuche ich vergeblich Funkverbindung zur Kolonne, die sich noch im Anmarsch befindet, aufzunehmen. Die Kolonne trifft zwar pünktlich ein, bin aber trotzdem wütend, da die Funkgeräte abgeschaltet waren.
Wieder einmal tritt die alte Krankheit unserer Infanterie zutage: so lange es nicht befohlen ist, wird nicht an die Verbindung gedacht - es klappt ja ohnehin - wir sind ja ohnehin pünktlich - nur der Kpkdt sitzt auf Nadeln, weil er keine Ahnung hat, dass eh alles klappt. Hier ist noch ziemlich viel nachzuholen - als ehemaliger Aufklärer bin ich es gewohnt, ständig über die Lage informiert zu sein.

Der Einzug in Hadar war ein kleiner Triumphzug - die Leute im Festtagsstaat standen Spalier und warfen Reiskörner. Muss mich allerdings angesichts der Ovationen etwas reserviert ge-ben, da der vorausfahrende LO nicht glauben soll, wir wären nicht neutral. Auf jeden Fall war er erleichtert als er von seinen Kameraden, die am Ortsrand über seine Sicherheit wachten, empfangen wurde. Erst nachdem um 1800 Uhr die die letzten Sicherungen der IDF abgezogen waren, konnte mit dem Beziehen der Positions begonnen werden.

1. Kp

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Lage der 1. Kompanievom 17. -19. Juni

Die Verlegung der Kompanie in den neuen Einsatzraum Hadar bzw. das Beziehen der Positions erfolgte wegen des Fahrzeugmangels unter großem Zeitdruck, da die Syrer bereits am 19. Juni um 0800 Uhr vorrücken durften.

Hadar

Zeiger rechts

Das überwiegend von Drtusen bewohnte Dorf hatte damals etwa 2000 Einwohner - heute hat sich die Zahl verdreifacht. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen halten die Israelis Hadar für ein Widerstandsnest.
So soll angeblich am 19. Juni 74 ein Israelischer Kommandotrupp in das Dorf Hadar eingedrungen sein und 3 Personen entführt haben.

Einzug in Hadar

Trotz des freundlichen Empfangs der Bewohner dieses Gebirgsdorfs war mir klar, dass es ein harter, wenn nicht gefährlicher Job werden kann. Anschließend Berichterstattung im HQ: Ich weise darauf hin, dass Hadar für die nächsten Tage unter die Verantwortlichkeit der UNDOF fällt und die sich daraus ergebenden Konsequenzen.
Ein weiteres Problem stellt sich mit Pos 17. Die Mannschaft hat noch keine Feldbetten, muss daher auf dem Boden liegen und fürchtet sich mit Recht vor Schlangen und Skorpionen. Eine Menge Arbeit erwartet mich daher am nächsten Tag. - um 0200 Uhr Nachts komme ich ins Bett. Dieses ist diesmal die Rückbank von unserem VW-Bus in dem ich mit der Kommandogruppe am nördlichen Ortsrand von Hadar am geplanten Ort meiner Kommandoposition - wie sich später herausstellte, unmittelbar neben dem Friedhof von Hadar - die Nacht verbracht hatte.

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Die Phase 3

Phase 3

Disengagement Phase 3

UNDOF hat das fHQ (FOX) um 10 km in die Zone 2A verlegt - eine Verbesserung hinsichtlich Information und Führugsmaßnahmen.
Inzwischen ist auch die 2. Kompanie in das Disengagement eingebunden und hat den Südabschnitt übernommen. Für die 1. Kompanie bedeutet das neben der erheblichen Entlastung, dass sie ihren Einsatzraum wunschgemäß in der Bergregion bekommen hat.
Teile der 3. Kompanie sind inzwischen ebenfalls in Quanaker eingetroffen.
Mit der Besetzung des Raumes um Hadar kommt auf die 1. Kompanie eine neue Aufgabe hinzu, da der UNDOF in den nächsten 5 Tagen auch die Versorgung der Ortschaft zufällt. Die Aufgabe ist insofern problematisch, da die Zufahrtsstrraße über IDF-Gebiet führt.

Zeiger rechts

Die Positions am Mt. Hermon

Der 1. Zug hält nach wie vor die Positions im Bereich Mt. Hermon. Trotz der exponierten Lage ist die Versorgung sowie die Verbindung dank des Funkfernschreibers problemlos.

Steinbock

Während die Positions bezogen werden, habe ich am späten Abend den Kompaniegefechtsstand am westlichen Ortsrand von Hadar eingerichtet. Da es bereits Nacht ist, können die Zelte nicht mehr aufgestellt werden. Wir verbringen die Nacht daher in den Fahrzeugen, wobei jeder von uns - wir sind nur 5 Personen - für 2 Stunden die Wache übernimmt.

Mittwoch 19. Juni

Es ist 0400 Uhr früh: Als letzter habe ich die Wache übernommen und habe endlich Zeit, mit dem ersten Tageslicht meine Tagebucheintragungen nachzuholen.
In aller Morgenfrühe konnte man bereits die Bauern beobachten, wie zur Feldarbeit gingen. Irgendwie erinnern sie mich an unsere Pitztaler Bauern: klein und gedrungen, harte Gesichtszüge, ernst und würdevoll. Um 0800 Uhr kam einer und brachte heißen Tee.
Es scheint, dass die 1. Kompanie fast die endgültige Lage erreicht hat, denn zur Einnahme der letzten Phase sind keine besonderen Bewegungen erfoderlich.
Weiterer Ausbau der Positions und Nachführen der restlichen Mannschaft, die die Nacht noch im Niemandsland gesichert hatten. Um 0800 Uhr ist dieses Gebiet wieder in der Hand der Syrer. Diese stoßen auch sofort nach und um 1000 Uhr steht die erste Panzerkolonne bereits an der Grenze zur neuen Pufferzone. Die Syrer aber verhalten sich korrekt und ziehen die Panzer wieder zurück.
Die Pos 17 erlaubt übrigens einen hervorragenden Überblick in das neue Aufmarschgebiet der Syrer.
Die Bewohner von Hadar sind ausnahmslos Drusen. Sie bekennen sich zwar äußerlich zum Islam, gehen aber einer auf mündliche Überlieferung basierenden Geheimreligion nach, die sie in unauffälligen Gebetshäusern - sie haben weder ein Minarett, noch gibt es Gebetsaufrufe - ausüben .

Donnerstag 20. Juni

Die Positions 13, 14, 15 und 17. sind nun endlich eingerichtet.
Die am Südrand von Hadar gelegene Pos 14 in unmittelbarer Nachbarschaft eines kleinen Bauernhofs erfreut sich besonderer Beliebtheit und ich genieße die Gastfreundschaft der Bewohner bei Unmengen von Tee und die Hausfrau wäscht unsere schon speckig gewordenen Kappen.
Inzwischen hat auch die 2. Kompanie ihren Einsatzbereich im Raum Khan Arnabe bezogen.

Freitag 21. Juni

Bereits am Morgen ist es gewiss, dass es Versorgungsprobleme gibt. Ich erfahre, dass der Ort fast kein Wasser mehr hat, da die Zisterne fast leer ist und kein Wasser mehr nachkommt. Den Grund glaube ich in der zerstörten Wasserleitung, die ich Tage zuvor gesehen hatte, zu kennen.
Es kommt zu einer Krisensitzung mit den Dorfältesten, wobei Schulkinder als Dolmetsch helfen, da die alten Herren kaum Englisch verstehen. Es stellt sich auch heraus, dass es auch an Grundnahrungsmitteln fehlt.
Auf Grund meiner Meldung entsendet das HQ eine Kommission, die die prekäre Versorgungslage bestätigt, aber keine Lösung findet. Der Grund liegt bei den Israelis, die sich weigern, Versorgungstransporte nach Hadar durchzulassen, weil sie die einzige geeignete Zufahrtstraße kontrollieren. Schließlich dürfte aber die Vernunft gesiegt haben und zwei Tankwagen mit Trinkwasser treffen am Nachmittag ein. Da aber eine Zufahrt zur Zisterne nicht möglich ist, muss das Wasser direkt an die Bevölkerung abgegeben werden. Anfangs ein Fiasko, da die Leute sich regelrecht prügeln, um an den Zapfhahn zu gelangen; endlich gelingt es die Leute zu überzeugen, dass sie eine Schlange bilden müssen. Schließlich kamen alle zu ihrem Wasser.

Danach trifft auch ein LKW mit Grundnahrungsmitteln wie Mehl, Zucker und Mais ein. Bevor der LKW die Position 14 passieren kann, wird dir Ladung von den Israelis kontrolliert.

Lebensmittel für Hadar
UN-Foto/Nagata

Eintreffen des Lebensmitteltransports vor Position 14.
Bevor die Kolonne weiterfahren kann, werden die Lebensmittel nach versteckten Waffen und Munition untersucht - eine sinnlose Schikane, da das Dorf in wenigen Tagen ohnehin von den Syrern übernommen wird.

LKW-Kontrolle
UN-Foto/Nagata

Das UN-Bergleitpersonal muss zusehen, wie wie die Mehlsäcke rücksichtslos aufschlitzt werden.

Zeiger rechts

Nach anfänglichem Chaos bekommt nun jeder sein Trinkwasser.

Wasserverteilung
UN-Foto/Nagata

Um etwa 2100 Uhr meldet Pos 15 dass auf eine Gruppe Israelis, in die Zone eingedrungen waren, das Feuer eröffnet wurde und die Israelis offensichtlich vertrieben wurden.

Samstag 22. Juni

In Hadar gibt es eine neue Attraktion - unser Arzt er hatte am Tag zuvor ein verletztes Kind behandelt. Das hat sich im Dorf bald herumgesprochen, mit der Folge, dass mein Kommandozelt zur Ordination wurde. Der Zulauf ist beachtlich und es kommen wirklich Kranke, wie etwa 2 Frauen, die wir in das Hospital nach Damaskus bringen mussten.

Kompaniekommando und Ordination
Foto © W. Klinger

Kompaniekommando und Ordination

Zu den Problemen der Wasser unf Lebensmittelversorgung gesellte sich bald das Bedürfnis der Einwohner nach ärztlicher Betreuung.
Obwohl die medizinische Versorgung der Bevölkerung nicht zum Aufgabenbereich der UNDOF zählt, ergab sich deren Notwendigkeit aus der spezifischen Lage dieser Phase des Disengagements.
Mangels eines geeigneten Behandlungsraumes, musste das Kommandozelt zum Ordinations- und Behandlungsraum umfunktioniert werden, wodurch es dem eigentlichen Zweck als Kopaniegefechtsstand für den größten Teil des Tages entzhogen war.
Dieses medizinische Provisorium sollte mit der Zeit zum Fixpunkt der ärztlichen Versorgung der ganzen Region werden.

Ein eindrucksvolles Erlebnis war der Rundgang durchs Dorf. Ich werde in ein Haus gerufen, wo eine kranke Frau nach dem Arzt verlangt. Während er die Frau behandelt, füllt sich das Haus mit Neugierigen die mit Kaffee und Tee bewirtet wurden - es ist ein kleines Volksfest.
Nachmittags Einladung bei einem Bauern in unmittelbarer Nachbarschaft des Kompanie-kommandos. Das Haus ist ausgesprochen schön gebaut und bietet eine wunderbare Aussicht in die Ebene. Alles ist blitzsauber und ich geniere mich, mit meinen groben Schuhen, die Teppiche zu betreten. Es ist auch Brauch, dass man im Haus die Schuhe auszieht, aber von uns Soldaten wird das nicht verlangt. Bei gutem Wein ergibt sich eine nette Unterhaltung trotz Sprachbarrieren.
Nachts ist noch ein Krankentransport zu organisieren.

Sonntag 23. Juni

Besuch bei der Pos 36 in Arne. Die Leute kommen gerade aus der Kirche und der ganze Ort ist auf den Beinen. In einem Laden erstehe ich einen Dolch, die Scheide scheint versilbert zu sein. Olt Deutsch, Kommandant vom 1. Zug macht mich mit dem griechisch-orthodoxen Dorfpfarrer und dem Schulleiter bekannt. Bespreche mit Olt Deutsch die für 25. 06. geplante Verlegung auf den Hermon.

Feststimmung in Hadar
Foto © W. Klinger
Zeiger links

Feststimmung in Hadar

Die bevorstehende Wiedereingliederung in syrisches Hoheitsgebiet löst euphorische Stimmung aus, auch wenn entsprechend den Bestimmungen des Agreements nur zivile Verwaltungs- und Poluizeiorgane Einzug halten werden.

Zeiger rechts

Einweisung auf dem Hermon

Stabsoffiziere der UNDOF besichtigen die IDF-Stellungen Pitulim Peak am Mt.Hermon. Major Ekkewin Bauer (links) Chief Operations Officer von AUSBATT und Major Hans Rademaker (Niederlande) besprechen die bevorstehende Übernahme durch das AUSBATT. Im Hintergrund (links) Major Amnon Even-Nur , Liaison Officer IDF, und Col. Tauno Kuosa (Finland), 2. von links, Chief Operations Officer UNDOF.

Einweisung am Hermon
UN-Foto/Nagata

Nachmittags in Hadar ist Feststimmung: Man erwartet die Rückkehr der syrischen Verwaltung, die am 24. 06. mit Beginn der Phase 4 erfolgen soll. Das bedeutet vorrangig die Verle-gung des Kompaniegefechtsstandes, sowie die Vorbereitung der Verlegung des 1. Zuges auf die 3 geplanten Positions auf dem Hermon: Hotel - Hermon Gipfel, Hotel Base - bisher heb-räische Bezeichnung Pitulim, Hotel Süd - die israelische Beobachtungsstation. Die Übergabe dieser Stellungen ist für den 25. 06. vorgesehen.

Hierzu folgender Befehl an den 1. Zug (Steinbock):
  • Steinbock bezieht am 25. 06. bis 1000 Uhr Z (= 1400 Uhr Ortszeit Syrien, 1500 Sommerzeit Israel)
    neuen Einsatzraum Hermon:
    - 1 Gruppe am Gipfel (Hotel)
    - 1 Gruppe im Pitulim Camp (Hotel Base)
  • Pos 11 wird am 25. 06. aufgelöst, neue Pos 12 (ca. 400 m nördlich) ist nach Einweisung durch
    S3 Tiger zu beziehen.
  • Durchführung:
    - Steinbock verlegt am 24. 06 bis 1600 Uhr Z auf Pos 11
    - belässt stehenden Spähtrupp mit Kleinfahrzeug bis 25. 06. 0600 Z auf bisheriger Pos. Hotel
    - Steinbock verlegt am 25. 06 ab 1000 Uhr Z von Pos 11 in neue Pos Hotel und Hotel Base
  • Hierzu werden 3 LKW bis 24. 06. 1400 Z in bisherigen Stützpunkt Steinbock bereitgestellt.
    Die Verlegung auf den Hermon erfolgt unter meiner Führung.
  • Hadar 23. 06. 74 über FuFS an Steinbock
Siehe auch KartenausschnittZeiger rechtsBefehl zur Besetzung Mt. Hermon

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Gleichzeitig beantrage ich die Bereitstellung von 3 LKW.

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Die Phase 4

Disengagement Phase 4

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Zeiger linksDisengagement Phase 4

Das wesentliche Element der Phase ist die Wiedereingliederung der von den IDF im Oktoberkrieg eroberten Gebiete in das syrische Staatsgebiet und die endgültige Einrichtung der entmilitarisierten UN-Pufferzone. Als letzter Schritt war die Übergabe der Zone 4C vorgesehen, jenes Bereichs, den IDF in blutigen Kämpfen kurz vor Eintreten des Waffenstillstands von den Syrern zurück erobert hatten.
Um diesen Ereignissen Rechnung zu tragen, sollte die Übergabezeremonie eine besonders feierliche Note erhalten.

Phase 4 im englischen Wortlaut

Zeiger unten

Phase 4
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Montag 24. Juni

Befehlsausgabe im Bataillonskommando für die Durchführung der Phase 4:
Die Verlegung des 1. Zuges aus dem Raum Arne über die syrische Straße auf Pitulim erfolgt auf Grund der Mineclearence, die Tage zuvor im HQ UNDOF beantragt und mit folgenden Wortlaut an das Bataillon gegeben wird :

"Die syrische Strasse von Arne bis zur B-Linie ist von Minen geräumt. Der von der israeli-schen Armee besetze Teil der Strasse auf den Berg ist ebenfalls frei von Minen."

BKdt Burgstaller und ich sehen daher keinen Grund, diese schriftliche Meldung unseres vorgesetzten Kommandos anzuzweifeln.
Die Übergabe der israelischen Stellungen soll in feierlicher Form mit einer Hissung der UN-Flagge auf dem Hermongipfel erfolgen.

IDF Abzug aus Zone 3A
UN-Foto/Nagata

Abschiedsparade der Israelis bei Hadar

Zeiger linksMit dem Abzug des israelischen Panzergrenadierbataillons aus der Zone 3A, verbleibt nur mehr der Bereich des Mont Hermon, der als Zone 4C am 25. Juni an UNDOF übergeben werden soll.
Damit erhält UNDOF die volle Bewegungsfreiheit im Einsatzgebiet, womit auch die letzten Reibereien zwischen der 1. Kompanie und IDF ihr Ende haben

Noch weis das Übernahmekommando der UNDOF noch nicht, dass auf diesem schöne Paradeplatz die 1. Kompanie ihren Gefechsstand einrichten und als Position 10 auf Dauer behalten wird.Zeiger rechts

Übergabe der Zone 3A
UN-Foto/Nagata

In Hadar ist alles auf den Beinen, um die syrischen Behörden zu empfangen, einen Kilometer weiter geben die Israelis ihre Abschiedsvorstellung. Leider habe ich keine Zeit, weder die eine noch die andere Feierlichkeit zu besuchen, da ich einen neuen Platz für das Kompaniekommandos suche. Meiner Vorstellung nach muss auch Platz für die Versorgungsgruppe samt Feldküche vorhanden sein. Am späten Nachmittag ist der Platz gefunden: Es der Ort, wo die Israelis ihre Abschiedsparade abhielten. Diesmal ist es noch hell genug, um die Zelte aufzustellen
. Nachts kommt noch der Auftrag, einen ortskundigen Führer, der sich im Hermongebiet auskennt, abzustellen. Der sollte ein Suchkommando nach der Leiche eines israelischen Piloten begleiten. Dafür kommt nur ein Mann des 1. Zuges in Frage, der in der Gipfelposition war und nun erst mühsam gefunden werden musste. Danach reißt die Funkverbindung ab, ohne eine Bestätigung zu bekommen, ob meine Anordnungen auch verstanden wurden.

Dienstag 25. Juni

Habe die vergangene Nacht kaum geschlafen, weil mich die bevorstehenden Aufgaben der Kompanie beschäftigten.
Heute soll die feierliche Übergabe am Mt. Hermon stattfinden. Es fängt gleich mit Schwierig-keiten an: Mein Pinzgauer streikt - vermutlich falsch getankt. Bis ein Ersatzfahrzeug gefun-den war, verliere ich sehr viel Zeit, wie sich später feststellen werde, hat mir diese Panne vielleicht das Leben gerettet. Danach scheint wider alles glatt abzulaufen:

Minenunfall

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Die Mine-Clearence

Die Tage zuvor auf Antrag des Bataillons erfolgte Mineclearance war eindeutig:

"Die syrische Strasse von Arne bis zur B-Linie ist von Minen geräumt. Der von der israeli-schen Armee besetze Teil der Strasse auf den Berg ist ebenfalls frei von Minen."

Zeiger links Der Kartenausschnitt zeigt deutlich, dass sich die Panzermine innerhalb der IDF-Frontlinie befand. Spuren weisen darauf hin, dass an dieser Stelle eine Minensperre war, bei deren Räumung eine Mine vergessen wurde.

Zeiger rechts

Im Bild rechts die Todeskurve(Pfeil 1); das KFZ-Wrak ist noch sichtbar und die Pfeile 2-4 zeigen die weniteren Sperren, die erst nach dem Unglück geräumt wurden.

Hermonstraße
Foto © W. Klinger, aufgenommen am 25. Juni.

Für mehrfache Vergrößerung auf das Bils Klicken

Der Ablauf des Dramas

Der 1. Zug steht abmarschbereit bei Pos 11, Olt Deutsch erstattet die Meldung.
Hptm Erbstein, OpsInfo vom Bataillonskommando, der mit mir die Einweisung auf die neue Pos 12 vornehmen soll, ist gleichzeitig mit mir eingetroffen. Ebenso ein Trupp, der die Flaggenhissung am Hermongipfel vornehmen soll, sowie das Leichensuchkommando mit Zugführer Hofer und 2 Mann von der 2. Kompanie. Sie warten auf ihre Befehle, die sie von Erbstein bekommen sollen.
Ich beginne mit der Befehlsausgabe an den 1. Zug.

Da die ganze Aktion bereits unter Zeitverzug steht, drängt Hptm Erbstein, das Leichensuchkommando und die Flaggenhisser abfahren zu lassen.
Entgegen meines bisher geübten Grundsatzes, einen neuen Weg erst selbst vor allen anderen zu befahren - als gebranntes Kind habe ich einen gewissen Riecher für Minen - gebe ich Erbsteins Drängen nach. Die beiden Fahrzeuge fahren los - eine Explosionswolke und der folgende Knall, lassen ahnen, dass etwas passiert ist. Ich kann immer noch nicht glauben, dass die Straße vermint ist, war doch die Mineclearence zweifelsfrei.
Ich fahre sofort, begleitet von VzLt Ödendorfer an die Unfallstelle, und sehe am rechten Straßenrand die syrischen Panzerminen liegen, ein Hinweis, dass die Syter ihren Teil geräumt hatten. Mehrere hundet Meter danach sehe ich die typisch israelische Markierung für eine Minensperre. Der quer über die Straße gespannte Draht mit der Warntafel liegtg am Boden - man hatte die Absperrung einfach umgefahren.
Nun ging ich zu Fuß weiter gefolgt von VzLt Ödendorfer. Dann die gnadenlose Gewissheit - 2 leblose Körper neben dem Fahrzeug, 2 lagen etwa 100 m neben der Unglücksstelle in einen Steilhang, wohin sie durch die Wucht der Explosion geschleudert wurden. Der Fahrer - wie durch ein Wunder unverletzt, aber unter Schock, ist nicht ansprechbar. Der Fahrzeugkommandant schien noch am Leben, sein linker Arm aber war am Schultergelenk abgerissen.
Die Besatzung des zweiten Fahrzeugs hatte die Explosion aus nächster Nähe mitverfolgt und war ebenso geschockt.
Ich sehe, dass Hilfe nur von den Isis kommen kann. Sie haben Ärzte und Hubschrauber. Ich muss daher die Straße weiter den Berg hinauf und sehe von einer Minenräumung keine Spur, denn drei Minensperren verraqmmeln die Straße - sie sind zudem noch durch Drahthindernisse verstärkt verstärkt, dass man durchkriechen muss. Vor dem dritten Hindernis angelangt liegen die Nerven endgültig blank. Als am Bergkamm ein Israeli zu sehen ist, schieße ich ein ganzes Magazin leer, um ihn auf mich aufmerksam zu machen - das lockert auch meine Blockade, das dritte Hindernis zu überwinden. Auch kommen mir endlich die Isis, an der Spitze jener Pionieroffizier, den ich bei der Minenräumung bei Masra Bayt Jinn kennen gelernt hatte.
Er veranlasst sofort per Funk, dass ein Sanitätstrupp zur Unfallstelle eilt. Auf dem Bergsattel treffe ich den Chief Operations Officer von UNDOF Col. Kuosa, sowie den israelischen LO Col Maoz. Sie sitzen in ihrem Jeep und blicken talwärts, offenbar in Erwartung unseres Eintreffens. Nun verliere ich endgültig die Nerven und ich schreie die beiden an, ob sie nicht wüssten, was da wirklich läuft. Ein IDF-Offizier beruhigt mich wieder.

Das Wrak
Foto © W. Klinger

Der Unglückstag am Mt. Hermon

Zeiger linksDie Panzermine lag im Scheitelpunkt der Haarnadelkurve und wurde durch das linke Hinterrad ausgelöst. Das Bild zeigt, dass sich das Fahrzeug durch die Explosionswucht überschlagen hatte, bis es gegen die Fahrtrichtung auf drei Rädern zu liegen kam. Die 3 Soldaten auf der Ladefläche wurden etwa 100 Meter talwärts geschläudert und waren sofort tot. Zgf Hofer wäre vermutlich so wie der Fahrer glimpflich davongekommen, hätte er seine linke Hand nicht aus dem Seitenfenster gehalten. So wurde sie am Schultergürtel abgetrennt, so dass das Anlegen einer Kompresse nicht möglich war.

Der Unfallhergang in grafischer Darstellung.Zeiger rechts

Besonders fällt auf, dass Col. Kuosa und der IDF-Chefverbindungsoffizier Col. Maoz den Anmarsch der Österreicher aus Richtung Arne erwarten.

unfallhergang

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file:///C:/Users/Walter/Documents/zapfenstreich/un.tagebuch/unfall.jpg
Langsam beginne ich zu begreifen, dass das Unglück auf Schlamperei zurückzuführen ist, die auch der oberste israelische Verbindungsoffizier Maoz nicht durchschaut hat. Die Räumung der Straße wurde zwar zeitgerecht begonnen, wobei man eine Mine vermutlich übersehen hatte.
Das letzte Straßenstück sollte erst unmittelbar vor dem Anrücken der Österreicher geräumt werden, wobei es eine Verzögerung gab. Auf alle Fälle wäre es nicht zu dem Unfall gekommen, hätte der Fahrzeugkommandant des Landrovers, die durch eine Warntafel deutlich gekennzeichnete Absperrung beachtet.Zeiger rechts

Vorerst war es allen Anwesenden ein Rätsel, wie es zu diesem Unfall kommen konnte. Ich ließ es dabei bewenden und begab mich wieder auf den Rückweg an die Unfallstelle. Die Pioniere waren bereits dabei, die Straßensperren mit einem Bulldozer zu beseitigen die Sanitäter machten sich wieder auf den Rückweg, denn Zgf Hofer war inzwischen seinen Verletzungen erlegen. Ich kam gerade noch dazu, als er mit den anderen Toten abtransportiert wurde. Hier wurde mir erst bewusst, dass von der Explosion der Mine bis zu meiner Rückkehr, höchstens 2 Stunden vergangen waren, dass die Rettungstrupps der Israelis innerhalb von 30 Minuten vor Ort waren, dass die eigenen San-Trupps aus Quanaquer ebenfalls in Rekordzeit an der Unfallstelle eintrafen, und dass das Menschenmögliche getan wurde, auch wenn es vergeblich war.
Trotzdem stellt sich mir noch heute die Frage, ob wir alle richtig gehandelt haben. Vor allem mein Nachgeben auf das Drängen, die beiden Fahrzeuge endlich abfahren zu lsssen. Da war auch mein spontaner Entschluss, von den Israelis Hilfe zu holen und dabei selbst in den Minenesperren umzukommen. Hätten die israelischen Ärzte Hofer noch helfen können, gäbe es keinen Zweifel an der Richtigkeit meines Handelns. So aber bleibt mir nur die Selbsterkenntnis, dass ich eigentlich vor meiner Hilflosigkeit davongelaufen bin und am Ziel angelangt einem Tobsuchtsanfall näher war, als die Situation in aller Ruhe zu beurteilen.

Übergabe Zone 4C
UN-Foto/Nagata

Flaggenparade auf dem Mt. Hermon

Zeiger linksDie Abschiedszeremonie der Israelis erfolgt in gewohnter Feierlichkeit und unbeeindruckt von der Tragödie, die sich nur wenige Kilometer entfernt ereignet hatte.
Angesichts der vielen Opfer, die die Kämpfe um den Berg gekostet hatten, sieht man wegen 4 Österreichern keinen Anlass, von der gewohnten Feierlichkeit Abstand zu nehmen - schließlich verlässt man das Land als Sieger.

Getrübte Stimmung herrscht bei den wenigen UN-Soldaten. Col. Tauno Kuosa, der hier die UN-Flagge grüßt, mag sich immer noch die Frage stellen, wieso es zu dem Unglück kommen konnte. Wo sind die Kommandeure - Forcecommander Bricenio, die Bataillonskommandanten und Stabsoffiziere?
Es scheint dass man den Finnen, der bis jetzt das Disengagement hauptverantwortlich geleitet hatte, auch die Verantwortung zu überlassen scheint.

Die drei Israelis im Bild links scheint das zu amüsieren! (Auf das Bild klicken für 10-fache Vergrößerung) Zeiger rechts

UN-Foto/Nagata

Am Nachmittag kommt dann der Befehl, die Besetzung des Hermon über die israelische Seite zu vollziehen.
Die Fahrt dahin ist bemerkenswert: Erst Kuneitra, das die Israelis vor ihrem Abzug endgültig dem Boden gleich gemacht hatten, dann in Majdal Shams, wo wir von einer aufgebrachten Menschenmenge angehalten wurden. Die Leute protestierten gegen die Trennung von ihrem Nachbardorf Hadar und bitten uns gegen dieses Unrecht einzuschreiten.
Erst nach eingehenden Erklärungen unserer Machtlosigkeit in dieser Angelegenheit, können wir die Fahrt fortsetzen. Am späten Nachmittag erreichen wir Pitulim Camp, ein Abstecher auf den Hermongipfel geht sich auch noch bis zum Einbruch der Dunkelheit aus - ein wun-derschönes Erlebnis, wenn nur dieser schreckliche Vormittag nicht all die Eindrücke über-schatten würde.

Hotel BaseFoto © W. Klinger

Links neben den Eingang zum Bunker wurde einige Tage die Leiche eines Syrers gefunden.

Die Bergpositions

Zeiger linksHotel Base war Zuvor ein Zugsstützpunkt der IDF, bestehend aus einem Eisenbahnwaggon als Küche und Aufenthaltsraum, sowie ein Bunker für etwa 20 Personen liegt Position Hotel Base auf einer Seehöhe von 2250 Meter.
Der Name Hotel sollte jedoch kein ironischer Hinweis auf die primitiven Unterkunftsverhältnisse sein, er gilt vielmehr als Anfangsbuchstabe fürb den Mt.Hermon "H", der im englischen als "Hotel" buchstabiert wird. Hotel Base wird, wie der Name sagt, das Basislager für der ganzen Bergbereich sein, und soll das ganze Jahr durchgehend besetzt sein.
Möglich wird das aber erst nach Errichtung einer winterfesten Unterkunft.

Zeiger rechtsDie auf 2814 m ligende Gipfelposition des Hermon wird im Winter aufgegeben werden müssen. Schneestürme bis zu 150 km/h Windgeschwindigkeit und Temperaturen bis zu minus 15°C würden den Aufenthalt in dieser Höhe unmöglich machen. Die Position wird von Wm Hager übernommen, ein Gruppernzelt als Unterkunft aufgedstellt. (das Gipfelkreuz wurde erst einige Tage später errichtet)

Foto © W. Klinger

Um 2100 Uhr L erstatte Lagemeldung an Bkdo:

Die Nacht verbringen wir im Shelter bei gedrückter Stimmung. Man merkt bei jedem Einzel-nen Verunsicherung und Ratlosigkeit.

Mittwoch 26. Juni

Erkundung der israelischen Stellung, nun Hotel Süd genannt. Hier herrscht das blanke Chaos - Müll- und Leichengeruch liegen in der Luft. Die Isis haben einen unbeschreiblichen Saustall hinterlassen. Eine Besetzung von Süd halte ich derzeit für nicht möglich und melde das dem Bataillon.

Hotel Süd
Foto Israel Sun
Authentische Fotos existieren nicht

Hotel Süd - einst und jetzt

Zeiger linksUrsprünglich eine Beobachtungsstation, die von den Israelis nach dem 6-Tage-Krieg errfichtet und im Oktoberkrieg 1973 von den Syrern erobert wurde. Die Kämpfe um die Rückeroberung durch die Israelische Golanibrigade daeurten vom 21. bis 24.Oktober. IDF verzeichnete 55 Gefallene und 80 Verwundete, über die syrischen Verluste gibt es keine angaben

Hertmon Süd im Ausbauzustand von 2011.
Zu dieser Zeit wurden die Hermon-Positions mit elektronischen Beobachtungs einrichtungen ausgestattet.

Alle drei Hermonpositions werden von Beginn an von der 1. Kompanie, die somit den Decknamen Bergsteiger führt, betrieben.Zeiger rechts

Hotel Süd heute
Foto: Bundesheer/UN /Wolfgang GREBIEN

Hotel Base, wie es nun heißt und der Gipfel werden als Positions ausgebaut und bleiben besetzt. Die Verpflegung ist für die nächsten Tage mittels Comporation gewährleistet, die Wasserversorgung hoffe ich bei den Kanadiern in Kuneitra zu organisieren. Nachmittag Rückfahrt über Kuneitra. Hier herrscht ein Riesenwirbel, denn heute hat die syri-sche Regierung die Stadt - oder das was davon noch übrig ist - übernommen. In zahllosen Autobussen waren Menschenmassen hierher gepilgert um den Trümmerhaufen zu bestaunen, der einmal eine blühende Stadt gewesen sein soll.
Bleibe unter den hunderten Autos und Bussen hoffnungslos stecken und brauche eine volle Stunde, um an die Ortsausfahrt zu gelangen. Zuvor gelingt es mir noch, die Kanadier zu kon-taktieren, um die Wasserversorgung zu veranlassen.

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Das Leben geht weiter

Donnerstag 27. Juni

Begleite ein Reporterteam des ORF zur Unglücksstelle. Versuche bei dieser Gelegenheit den Hergang zu rekonstruieren und den Grund für die verhängnisvolle Mineclearence zu finden: Alles deutet darauf hin, dass eine Minenräumung stattgefunden hat. Die Spuren gesprengter Minenriegel und beiseite geschaffter Minen sind (auf syrischer Seite) unverkennbar. Ich vermute, dass der israelische Kommandant von Pitulim Camp aus übertriebener Vorsicht die Sperren an der Straße erst im letzten Moment räumen lassen wollte, was die Anwesenheit der israelischen Pioniere erklärt. Nur dürften diese zu spät eingetroffen sein.
Zu Mittag findet im Syrischen Offiziersklub in Damaskus ein Festessen statt, zu dem General Tayara, anlässlich der Beendigung des Dieengagements geladen hatte. Hierzu geladen waren insgersamt 10 Offiziere,Unteroffiziere und Wehrmänner; auf meine Wenigkeit hat man offenbar vergessen.
Der weitere Nachmittag im Kommando vergeht mit endlosen Diskussionen und Absprachen über die Versorgung der Bergpositions. Komme um 2200 Uhr müde und abgekämpft zur Kompanie zurück, im Bewusstsein um 0300 wieser aufstehen zu müssen, da die Trauerfeier zur Verabschiedung der gefallenen Kameraden um 0800 Uhr in Damaskus stattfinden soll.

Freitag 28. Juni

Die Trauerfeier - für mich übrigens die erste Gelegenheit, nach Damaskus zu kommen - beginnt beim Armeespital, wo die Särge übernommen und auf einem LKW zum Flugplatz ge-bracht werden. Hier erfolgt die Verabschiedung. Zahlreiche Kränze (30 Stück) zeugen von der Anteilnahme seitens der syrischen Armee bis zu Präsident Assad.

Trauerfeier-2
Foto © W. Klinger
Trauerfeier-1
Foto © W. Klinger
Trauerfeier-3
Foto © W. Klinger

Auch eine Ehrenformation der Syrer und der Polen neben dem Ehrenzug der Österreicher angetreten. Wir alle sind tief erschüttert und können es immer noch nicht fassen, dass diese Soldaten nun in Särgen in ihre Heimat zurückkehren werden. Aber das Leben geht weiter, denn gleichzeitig ist auch eine Gruppe von Soldaten in Damaskus eingetroffen, um ihre erste Recreation anzutreten.

Nach Beendigung der Trauerfeier beschließe auch ich die Gelegenheit zu nutzen, um mir Damaskus anzusehen.
Es ist ganz anders wie Kairo, von dessen elegantem Flair nur wenig zu sehen ist. Dafür ist das Leben hier teurer und das Straßenbild sauberer. Selbst in den engen Gässchen der Altstadt findet man kaum einen Fetzen Papier oder Unrat. Es wirkt alles eher verträumt und die Vorstellung von der Zeit, als Apostel Paulus hier gewirkt hatte, wird lebendig.

Damaskus4
Foto © W. Klinger

Hektischer Verkehr und beschauliche Ruhe in der Altstadt

Damaskus Straßenbild
Foto © W. Klinger
Damaskus1
Foto © W. Klinger
Souk
Foto © W. Klinger

Relikte der Römerzeit im Souk

Der Bazar - hier nennt man ihn Soukh - ist vorwiegend das Einkaufszentrum für die Einhei-mischen, nicht wie in Kairo, wo alles Geschäft - oder besser gesagt der Nepp - auf die Touris-ten abgestimmt ist. Die Preise sind angeschrieben, aber trotzdem wird nach orientalischem Brauch gehandelt. Mitten im Bazar stößt man auf Relikte der Römerzeit.
Da ich nur wenig Geld bei mir habe, beschränke ich mich auf einen reinen Informationsbum-mel. Ich besuche das Armeemuseum, das vorwiegend dem Aufstand gegen die französische Kolonialverwaltung aus den 40er-Jahren gewidmet ist.Die kriegerische Gegenwart zeigt eine Ausstellung, in der Beutestücke und Relikte von Israels Armee ausgestellt sind. um der staunenden Bevölkerung einen vermeintlichen Sieg vorzugaukeln.

Ausstellung1
Foto © W. Klinger

Zeiger obenDiese Ausstellung war schon in Ägypten zu sehen. Die hier gezeigten Geschütze dürften von den Ägyptern in Sinai erbeutet wurden sein. Zu sehen ist auch ein Verbandskästchen - ein vertrautes Stück österreichischen Heereseigentums - das auf einen der UN-Stützpunkte "erbeutet" wurde.

Ausstellung2
Foto © W. Klinger
Ausstellung3
Foto © W. Klinger

Zeiger obenEin angenehmerer und friedlicher Gegesatz sind die Gärten des Azempalasts

Danach besuche ich den Azem Palast mit seinen wunderschönen Gärten. Die wohltuende Ruhe, die von hier ausgeht, steht im krassen Gegensatz zu dem hektischen Treiben im Souk und auf dem Ausstellungsgelände.

Azem Palast

Der Azem Palast

Der Palast wurde 1750 vom osmanischen Gouverneur As'ad Pascha al-Azm,dem Steuereintreiber des Sultans in Istanbul errichtet. An der Stelle hatten höchstwahrscheinlich früher schon die Omayyadenkalifen und Mamluken-Emire residiert.

Der Palast bestand aus zwei Bereichen: dem Harem, dem geschützten Bereich für die Familie des Gouverneurs, sowie dem Selamlik, in dem der Gouverneur seine offiziellen Ämter ausübte. Dazu gab es noch einen eigenen Innenhof für Bedienstete. Insgesamt besitzt der Palast 16 Empfangshallen. 19 Räume befanden sich im Erdgeschoss und 9 Räume im zweiten Stock

Beide Foto © W. Klinger

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Garten

Während der Rückfahrt nach Quanaquer fallen mir die Augen zu, ein ermüdendes Briefing im Kommando gibt mir den Rest. Es sollte aber noch nicht alles sein: Beim 1. Zug wird ein Palästinenser aufgegriffen. Er ist bewaffnet und in Uniform der Fatahkämpfer. Er sagt aus, dass er den Abzug der Israelis beo-bachten sollte. Auf Anordnung des Bataillons wird er über die syrische Straße mit einer Es-korte zu Fuß ins Tal gebracht und den Organen der UNDOF übergeben.

Samstag 29. Juni

Der Tag vergeht ohne Zwischenfälle. Am Nachmittag melden sich wieder einige kranke Zivilisten und werden von SanUO VzLt Plunder behandelt. Am Nachmittag sind wir wieder bei der bekannten Familie in Hadar eingeladen.
Diesmal ist der Sohn des Hauses, Hauptmann der Syrischen Armee mit Frau und Kindern zugegen. Seine jüngste Tochter hat hohes Fieber und ich erinnere mich, dass meine Frau in so einem Fall mit Erfolg Essigumschläge angewendet hatte. Das Rezept bewährte sich auch hier hervorragend - eine Stund später war das Fieber gesunken und unser Ansehen als Mediziner gestiegen. Woher unsere Gastgeber in dieser kurzen Zeit all die Mittel für ein opulentes Gast-mahl gezaubert hatten, ist mir unerklärlich. Ein gebratener Hammel auf einer riesigen, mit allerlei orientalischen Delikatessen garnierten Reisplatte wurde aufgetragen, wie auch die plötzlich angewachsene Zahl der Festgäste verwunderlich war.
Nach orientalischer Sitte wird mir als Ehrengast der erste Leckerbissen, das Auge des Hammels angeboten. Es war eine bodenlose Gemeinheit, die mich veranlasste, diese Ehrung dem einzig wahren Mediziner - El Hakim Plunder, zuteil werden zu lassen.

Sonntag 30. Juni

Besuch von OpsO Mjr Bauer: es geht um die endgültige Festlegung der Positions, leider ohne Ergebnis. Dazu erscheint noch Burgstaller und verbreitet Wohlwollen. Danach wieder Aufre-gung im Dorf - ein Kind wurde durch einen Blindgänger schwer verletzt. SanUO Plunder leistet erste Hilfe und veranlasst den Transport nach Damaskus. Wie wir erfahren ist das Kind außer Lebensgefahr. Abends Briefing und Anweisungen für die vom Bataillon angeordnete Inventur.

Montag 01. Juli

Die Inventur verläuft Planmäßig, ohne wesentliche Beanstandungen. Dafür eine neue Hiobsbotschaft: die Positions am Hermon sind abgeschnitten, da die Israelis die über ihr Gebiet Straße gesperrt hatten.
Der Grund war leicht zu erraten: die Revanche für unsere Weigerung, den gefangenen Fatahkämpfer an die Isis auszuliefern.
Die Situation für die Hermonbesatzung ist insofern prekär, da das Fahrzeug mit dringend benötigten Versorgungsgütern von den Israelis zurückgeschickt wurde.

Die Versorgung über die syrische Straße war nicht möglich, weil sie für den Fahrzeugverkehr noch nicht freigegeben und nur zu Fuß begehbar war. Die von den polnischen Pionieren angesagte Räumung ist aus unerfindlichen Gründen noch nicht erfolgt, den Beteuerungen von IDF, die Straße wäre nun sicher, wurde verständlicher Weise nicht mehr Glauben geschenkt.

Versorgungsstraßen

Versorgun und ihre Probleme in der Zone

Solange die Straße von Arne auf die Positions am Hermon nicht einwandfrei von Minen frei ist, muss die versorgung über die israelische Seite erfolgen. Die Israelis nützen diese Zwangslage der UNDOF laufend für Schikanen als Druckmittel,um die Auslieferung von festgenommenen Personen zu erzwingen.
Die sind jedocha den syrischen Behörden zu übergeben, da die Zone unter der Jurisdiktion Syriens steht. Diese eindeutigen Verletztungen des Prinzips von Freedom of Movement bringen vor allem den Berpositions erhebliche Engpässe der versorgung.

Versorgungsbasis Camp ZiouaniZeiger rechts

Camp Zouani
Panaramio Photo.html

Neben dem Bataillonskommando von PERBATT fungiert hier eine kanadische Versorgungskompanie - CANLOG - in der Stärke von 141 Mann.
Ihre Hauptaugabe, Instandsetzung, Nachschub und Transport für erledigen sie in professioneller Form, insbesondere die Versorgung der Bergpositions mit Trinkwasser.

Da am Hermon bereits Mangel an Trinkwasser und Treibstoff für die Stromaggregate herrscht, muss raschest eine Lösung getroffen werden. Als erstes beordere ich alle Versorgungsgüter zur Position 12 bei Arne.
Von hier aus bieten sich mehrere Möglichkeiten, die Versorgungsgüter auf Hotel Base zu schaffen:

  1. Selbst und auf eigene Verantwortung die dringendst benötigten Versorgungsgüter mit dem Landrover nach oben bringen,
  2. Transport mit Trägern
  3. Tragtiere von den Einheimischen organisieren.
  4. Die Syrer zu ersuchen, die Straße zu räumen, bevor die Polen endlich bereit sind.

Mein erster Versuch scheitert kläglich. Von der Sonne wegen der völlig verdreckten Windschutzscheibe geblendet, endet meine Fahrt nach einigen Kilometern in einem Wasserloch. Den Transport mit Trägern kann man ebenso vergessen, bleibt nur mehr das Tragtier. An Mulis herrscht hier kein Mangel und mit Hilfe unserer Bekannten in Arne erklären sich fünf Bauern bereit, am nächsten Morgen mit ihren Mulis zur Stelle zu sein. Sie verlangen 30.- syrische £ pro Schwanz und Tag, die das Bkdo nach längerem Feilschen genehmigt. OstV Fleischmann kommt auch bald mit dem Geld und da es spät geworden ist, möchten wir in Arne nächtigen - in der Position ist keine Schlafstelle für uns frei.

Aus dem vom Schulleiter angebotenen Quartier - auf seine Gastfreundschaft habe ich mich bereits gefreut - wird leider nichts, da der hiesige Ortskommandant eine derartige Unterbrin-gung verbietet.
Dafür bietet uns der syrische Hauptmann seine Gastfreundschaft, wie auch jede weitere Hilfestellung an. Man gibt sich ehrlich Mühe, uns den Abend so unterhaltsam wie möglich zu gestalten. Dazu sind alle seine Offiziere sowie Musiker aufgeboten. Bei kaltem Buffet und viel Arrak bleiben uns nur wenige Stunden in den bequemen Betten.

Dienstag 02. Juli

Pünktlich um 0800 Uhr stehen die Bauern mit ihren 5 Mulis am Umschlagplatz. Nach anfäng-lichen Sprachschwierigkeiten versteht man sich gleich besser, denn die weltweite Zunft der Tragtierführer versteht sich auf ihre Weise.

Tragtiereinsatz1
Foto © W. Klinger

Zeiger obenDas Verladen

Begrüßung unter BekanntenZeiger rechts

Tragtiereinsatz Tragtiereinsatz2
Foto © W. Klinger

Zeiger oben
Die Zunft der Tragtierführer ist international.

Tragtiereinsatz3
Foto © W. Klinger
Zeiger oben
Im Vergleich zu meinen Haflingern tragen die Mulis jeweis über 100 Kilo. In fünf Transporten sind 2,5 Tonnen Wasser, Treibstoff und Verpflegung auf Hotel Base geschafft.

In fünf Transporten ist der gesamte Wochenvorrat- etwa 2,5 Tonnen Wasser, Treibstoff und Verpflegung - im Basislager, für die braven Bauern war es offenbar das Geschäft ihres Lebens. Nun treffen auch zu aller Überraschung die syrischen Pioniere ein und beginnen die Straße eingehend nach Minen abzusuchen. Um diesen erfolgreichen Tag würdig abzuschließen, kehre ich mit Fleischmann auf der Rück-fahrt bei meinen Bekannten in Hine ein und werden zum Abendessen eingeladen.

Nun bin ich bereits 4 Wochen ununterbrochen im Einsatz und lebe aus dem Rucksack. Die Strapazen scheinen nicht abzunehmen, denn es kommt immer wieder Neues hinzu. Mit einem Minimum an Körperpflege - wenn man die verdreckte Uniform auszieht, bleibt sie von allei-ne stehen - zum Waschen der Unterwäsche kommt man nur selten. Während die Truppe we-nigstens regelmäßig ihre Mahlzeiten einnehmen kann, sitzt man als Führungsorgan bei irgend einer Besprechung und muss froh sein, wenn einem der Koch noch irgendwas zum Essen macht. Vom Schlafmangel nicht zu reden.
Das man das alles aushält, braucht man hin und wieder ein Erfolgserlebnis, wie es dieser Tag-gebracht hat.

Mittwoch 3. Juli

Bin wieder in Arne, um zu sehen, wie die Arbeiten an der Straße verlaufen. Mittags sind die Syrer fertig und ich fahre erstmals zu Hotel Base und anschließend auf den Gipfel. Hier erreicht mich eine weitere Hiobsbotschaft - diesmal aus der Heimat: Meine Frau sei schwer erkrankt und liege im Krankenhaus. Ich soll sofort nach Hause kommen. Mehr ist aus dieser Nachricht nicht herauszubekommen.
Fahre sofort nach Quanaquer, wo ObstLt Burgstaller mir sofort Heimaturlaub gewährt. Auch er weis nicht mehr über Inges Krankheit. Ich buche den Heimflug für Samstag dem 6. Juli. Auf meine Frage, für wann ich den Rückflug buchen solle, sagt Burgstaller: Du bleibst so lange, wie es notwendig ist und da Deine Zeit sowieso in wenigen Wochen abläuft, bleibst Du am besten überhaupt zu Hause.

Donnerstag 04. Juli

Burgstaller besucht mit mir alle Hermon Positions. Bei allem Wohlwollen das er mir entgegenbringt, bin ich beunruhigt, da für eine geregelte Übergabe der Kompanie an Olt Deisenberger immer weniger Zeit bleibt. Da auch Deisenberger Anfangs August auschecken wird, stellt sich die Frage nach einem definitiven Nachfolger. Da ich weis, dass mein Freund Hptm Gerold Parth, demnächst zum AUSBATT einrücken wird, empfehle ich ihn wärmstens als meinen Nachfolger.
Neben der Ungewissheit über die tatsächliche Situation in Imst und die Erkrankung meiner Frau, fällt mir der Abschied vom Golan und meiner Kompanie schwer. Vor allem jetzt, wo sich die Lage zu normalisieren beginnt. Es folgen nun eine Abschiedsfeier nach der anderen.

Freitag 05. Juli

Heute soll ich meine Crew verlassen, den restlichen Tag in Damaskus verbringen und am Tag darauf den Heimflug antreten. Die Übergabe an Deisenberger verläuft wie vorauszusehen hektisch, es bleibt kaum Zeit, das Gepäck herzurichten. (Das große Gepäck bleibt vorerst hier und soll mit der nächsten Rotation nachkommen).
Danach Abmeldung bei Burgstaller in Quanaquer, wo mir eröffnet wird, dass ich noch zur Einvernahme wegen des Minenunfalls im UNDOF HQ beordert sei.

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Die Untersuchung

Die Art und Weise wie es zu dieser Untersuchung - Board of Inquiry - kam, ist etwas seltsam, denn vom Tag des Ereignisses bis zu meiner Einvernahme, die am Nachmittag des 5. Juli stattfinden sollte, waren 10 Tage vergangen.
Dem Monatsbericht Juni 1974 an das Bundesministerium für Landesverteidigung in Wien, datiert mit 3. Juli 1974 (Abschrift)ist zu entnehmen:

1.a Besonderes:

Die Einvernahme - Meine Angaben und Schlussfolgerungen

Aus Österreich war ObstdG Hannes Philipp angereist, um an der Untersuchung als Vertreter des BMLV teilzunehmen. Philipp ist mein Jahrgangskamerad und als nächster Stabschef von UNDOF vorgesehen. Der Abend vergeht im Gespräch mit Hannes, dem ich den ganzen Hergang bis ins letzte Detail schildere. Danach erfolgt meine Einvernahme durch den Chairman des Board of Inquiry.

Hier gebe ich nochmals meine Eindrücke bekannt, soweit sie zur Klärung beitragen können.

Schon am Weg zur Unfallstelle, fiel mir auf, dass die Syrer ihren Teil der Straße geräumt hatten, da ihre Minen gestapelt und entschärft am Straßenrand lagen. Doch dann, nach einigen hundert Metern traf ich auf die Minenabsperrung der Israelis.
Der quer über die Straße gespannte Stacheldraht mit der Minenwarntafel aber lag am Boden, ein eindeutiger Hinweis, dass Zgf Hofer, Fahrzeugkommandant des Unglücksfahrzeugs die Absperrung überfahren und die Warnuntafel ignoriert hatte.
Meine erste Schlussfolgerung ergab, dass die Mineclearence, zumindest was den israelischen Teil der Straße betraf, eine Falschmeldung war, für die es aus meiner Sicht verschiedene Ursachen geben konnte:

Die Meldungen und Hinweise über Minen der IDF waren zwar stets präzise und zuverlässig, doch können auch dieser Armee Fehler unterlaufen. Es ist zu vermuten, dass es bezüglich des Zeitplans der Übergabe des IDF Gebietes zu einem Missverständnis kam. Schließlich waren sämtliche Operationen unter 3 verschieden Zeitangaben, Zulu-, Lokal- und israelische Sommerzeit - ein Zeitunterschied von 3 Stunden - abgelaufen.
Meine Vermutung, der israelische Kommandant von Pitulim Camp hätte aus übertriebener Vorsicht die Sperren an der Straße erst im letzten Moment räumen lassen, ist durchaus erklärbar, denn die Pioniere waren offensichtlich im Begriff mit der Räumung zu beginnen, als der Landrover auf die Mine fuhr.
Ich glaube auch, dass an der Unfallstelle schon Tage zuvor eine Minenräumung stattgefunden haben muss, worauf mehrere Sprengtrichter hinwiesen. Dabei dürfte die Unglücksmine übersehen worden sein.

Wie sich später herausstellen sollte, war die Kommission zu dem Ergebnis gekommen, dass die vorliegende Mineclearence zwar falsch, von den agierenden UN-Organen und den Österreichern zwangsläufig für korrekt gehalten werden musste. Wie diese verhängnisvolle Falschmeldung aber zustande kam und ob die Israelis falsche Informationen weitergegeben haben, wird für immer im Dunkeln bleiben.
Ich habe das Verhandlungsprotokoll dieser Untersuchung, nie zu Gesicht bekommen. Ich weis nur soviel, dass die Israelis den Fall mit Bedauern zur Kenntnis nahmen, aber im Hinblick auf die kriegsmäßigen Bedingungen als bedauerlichen, aber ihrerseits entschuldbaren Betriebsunfall betrachten. Dieser Auffassung ist im Anbetracht der Israelischen Verluste im Oktoberkrieg nichts hinzuzufügen, als dass sie das latente gestörte Verhältnis zur UNO und ihren Organen widerspiegelt.

Um 1900 Uhr kann ich endlich mein Hotelzimmer beziehen, muss aber um aben nochmals zur Unterschrift ins HQ. Um 2030 ist mit dieser letzten Prozedur mein erster Auslandseinsatz beendet.

Zurück liegen acht Monate von Österreichs ersten Einsatz seines Bundesheeres im Nahen Osten, der folgene Tagesbericht hingegen dokumentiert den Anfang einer fast vierzigjährigen Präsenz der Österreicher auf dem Golan.

UNDOF 1974Hier klicken für 10-fache Vergrößerung

Einsatz und Gliederung der UNDOF August 1974 - Juni 1975

Der Monatsbericht des AUSBATT vom 3. August 1974 fasst zusammen

  • Die Durchführung des Disengagements wurde am 07.06 1974 früh begonnen.
    Das Disengagement, von dem praktisch nur das AUSBATT betroffen war, wurde planmäßig durchgeführt.
  • Das vorgeschobene HQ/UNDOF wurde vom Bataillon errichtet, betrieben und dreimal verlegt.
  • AUSBATT führte den Auftrag von Beginn an mit knapp 200 Mann, Vers-Teile inbegriffen, durch.
  • Erst mit Eintreffen des4. Lifts am 20. 06. 74 konnte das Bataillon ab 22. 06. voll eingesetzt werden.
  • Das Bataillon ist zur Zeit mit 3 Kompanien im Nordabschnitt der Pufferzone eingesetzt und betreibt 22 Positions.
  • Für den weiteren Einsatz gilt die HQ/UNDOF OPS-Order Nr. 3:
    Verhinderung des Eindringens von SYR- und IDF-Kräften in die Pufferzone.

Die personelle Stärke von UNDOF beträgt:

  • AUSBATT......537
  • CANLOG.......141
  • PERBATT...... 358
  • POLLOG......... 90
  • OGG UNTSO.. 88
  • HQ Staff............10
UNDOF-Gliederung
Entwurf © W. Klinger

Samstag 6. Juli

Stehe früh auf um am Vormittag noch den besagten Koffer und einige Andenken zu kaufen. Bis zum Abflug um 1500 Uhr bleibt noch einige Zeit, sich in Damaskus umzusehen. Als ich dann endlich meinen Lederkoffer bezahlen will, merke ich, dass meine Brieftasche fehlt. Ob-wohl derartiges in Damaskus nur selten vorkommen soll, muss ich mich damit abfinden, dass die 5 Pfund, die ich im Hosensack fand, gerade noch ausreichten, um mit dem Taxi ins HQ zu fahren und dort um Hilfe zu ersuchen. Man borgt mit großzügig das für den Heimflug nötige Geld. Das reicht, um am Flughafen noch einige hübsche Andenken zu kaufen, um nicht ganz mit leeren Händen heimzukehren.
Das Pech scheint mich weiter zu verfolgen, denn in Wien angekommen, stelle ich fest, dass mein Gepäck zur Weiterreise nach London unterwegs ist.
Ich muss also in Wien bleiben, wo ich von meinen Eltern herzlich begrüßt, immer noch keine konkreten Auskünfte über die Lage in Imst bekomme. Doch das ist eine andere Geschichte.

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Nachschlag

Einige Monate später, im Zuge einer Rotation entsann sich die heimische Presse - allen voran der kleinformatige Boulevard - des tragischen Minenunfalls vom Juni 1974. Anlass waren offenbar falsch interpretierte Aussagen von Heimkehrern, die zu den ohnehin spärlichen Informationen seitens der UNDOF und des BMLV neuerlichen Skandalstoff zu liefern schienen. So wurden auch die ersten, vorwiegend konfusen und widersprüchlichen Presseberichte wieder aufgewärmt, wie etwa die Behauptung der Isreaelis, die Österreicher hätten in dem von den Isrealis besetzten Teil des Hermon eine für jeglichen Verkehr noch gesperrten Weg benützt
Allein die Feststellung, dass der Isrealische Chef LO Col. Maoz selbst die Straße für befahrbar hielt, hätte gereicht, um die israelische Version als reine Schutzbehauptung zu entlarven.
In der nun einsetzenden Pressecampagne waren die Namen der "Schuldigen" gleich ausgemacht: Hptm Erbstein und ich hätten "die Soldaten in den Tod geschickt."Eine ganze Woche lang durften wir uns einer zweifelhaften Publicity als üble Schleifertypen erfreuen bis endlich der Untersuchungsbericht der UN-Kommission veröffentlicht und klargestellt war, dass von einem leichtsinnigen Verhalten der Österreicher keine Rede sein konnte. Nun war die Rede nur noch von der "Verkettung tragischer Umstände." Dass die Uraache auf eine Schlamperei des israelischen Militärs zurückzuführen war, blieb aus Staatsraison unerwähnt. Eine Entschuldigung hätte uns durchaus gereicht
Aber auch eine Rehabilitierung der beiden zu unrecht beschuldigten Offiziere hielt man für überflissig.
Ich brauche daher nicht eigens darauf hinzuweisen, dass diese und etliche früheren Erfahrungen, mein gestörtes Verhältnis zur Presse und ihrer Bericherstatter erklärt.

AZ vom 26.06.74

Hier klicken für mehrfache Vergrößerung

Berich der Arbeiterzeitung vom 26. Juni 1974t

Einen Tag nach dem Unfall geschrieben, weist der Bericht zahlreiche falsche Angaben, sdowie Widersprüche auf.
Besonders fällt auf, wie rasch die Israeli mit ihrer Schutzbehauptung reagieren, obwohl zu diesem Zeitpunkt keinerlei Klarheit herrschen konnte.
Auch im BMLV kannte man nur den Wortlaut der Mineclearence, dass die Straße auf israelischer Seite ebenfalls minenfrei sei.
Der etwas voreilige Hinweis, dass etwas mehr Vorsicht nötig gewesen wäre, wurde vom Boulevard natürlich dankbar aufgegriffen.

Lesen sie in den nächsten Wochen über meinen zweiten Auslandseinsatz von 1978 bie 1979 den ich ein volles Jahr im Hauptquartier von UNDOF absolviert hatte.

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