B-Gendarmerie
"Foto: Bundesheer"

Das Bundesheer wird 60

Zu tode gespart aber nicht umzubringen

Parade
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Die Entwickling des Heerwesen der 1. und 2. Republik

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Lesen Sie in den folgenden Artikeln:

Die Geburt des Bundesheeres
Von den Anfängen des Heeresamtes, bis zum Staatsvertrag
Die Militärakademie in Enns
Die Offiziersausbildung in der
B-Gendarmerie und in den Ersten Jahren des Bundesheeres
Alte Texte - immer noch aktuell
Der Anschluss 1938
Die Legende von der wehrlosen Republik

Die Geburt des Bundesheeres und ihre Komplikationen

  1. Die Fehlgeburt - das kurze Dasein des Heeresamtes
  2. Ein schlampiges Verhältnis - Die Remilitarisierung der 2. Republik
  3. Das Salzburger und das Wiener Komitee
  4. Das Gendarmerieprogramm
  5. Die heimliche Geburt - die B-gendarmerie
  6. Ein Seitensprung mit Folgen
  7. Zauberformel Neutralität

Nachdem die Entstehung unseres Bundesheeres vielfach als schwere Geburt, und die daran Beteiligten, zu denen auch ich mich zählen möchte, als Geburtshelfer bezeichnet wurden, möchte ich die folgenden Ausführungen dem medizinischen Fachjargon anpassen.
Denn in der Tat weisen eine Reihe von Ereignissen Symptome auf, die den Stadien und Komplikationen von Schwangerschaft und Geburt sehr ähneln. Dazu kommt noch, dass sich der wirkliche Geburtstag des Bundesheeres auf ein exaktes Datum nicht festlegen lässt. Diesen Feststellungen nachzugehen ist die folgende Arbeit gewidmet, wobei ich mich auch bemühe, den stellenweise komödienhaften Zügen der Vorgänge, einen Schuss Humor selbst beizusteuern. Das macht das Thema reizvoller und vor allem aus österreichischer Sicht verständlicher.

Die Fehlgeburt - das kurze Dasein des Heeresamtes

Im ersten Staatsgesetzblatt der provisorischen Bundesregierung, das neben der Proklamation der 2. Republik Österreich ihre erste Vorstellung und Regierungserklärung enthielt, wird auch die Errichtung einer bescheidenen Wehrmacht sowie eine ausreichende Sicherheitspolizei zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung wie zur Sicherung aller Wohn-, Betriebs- und Arbeitsstätten angekündigt.
Diese erste Absichtserklärung, ein gedankliches Produkt, jener Männer der ersten Stunde, in deren Vorstellung ein Staat ohne Militärmacht nicht denkbar war, hatten dabei zwei Komponenten übersehen, von denen zumindest eine die absolute Macht hatte, die Gestaltung der neuen Republik nach ihren eigenen Vorstellungen zu beeinflussen.
Das war die sowjetische Besatzungsmacht, über sich die Allgemeinheit noch nicht im Klaren war, ob sie als Sieger oder Befreier gesehen werden sollte. Die zweite Komponente war diese Allgemeinheit selbst, deren Interesse vorerst der Erhaltung der nackten Existenz galt, wobei noch hinzukam dass ein Gutteil so sehr auf das Tausendjährige Reich eingeschworen war , um sich als Österreicher zu fühlen.
Es darf daher bezweifelt werden, ob diese ersten Anzeichen militärischer Ambitionen, ein Herzensanliegen der Österreicher waren, dass man das als befruchtende Anregung für das neue Staatsbewusstsein bezeichnen könnte, geschweige denn die Absicht zur Einrichtung dieser bescheidenen Wehrmacht. Von einem Wunschkind kann daher kaum gesprochen werden, was da als Unterstaatssekretariat für Heerwesen, - geläufiger als Heeresamt bekannt, - im Mai 1945 das Licht der Welt erblickt hat.
Das genaue Geburtsdatum könnte mit dem 2. Mai angegeben werden, dem Tag , als eine Handvoll Wehrmachtsoffiziere österreichischer Herkunft, sich an die Arbeit machten, das alte Militärkasino auf dem Wiener Schwarzenbergplatz als Amtsgebäude einzurichten, gut eine Woche vor dem offiziellen Kriegsende. Mann könnte den Vorgang daher als Frühgeburt bezeichnen, deren Lebensfähigkeit äußerst fraglich war. Außerdem hatte die Gebärende Republik erst selbst das Licht der Welt erblickt hatte, - ein Anachronismus, der unseren blumigen Vergleich arg zum Hinken bringt.
Doch solche Widersprüche sind charakteristische Merkmahle der meisten Mythologien, über die man sich, wie etwa die alten Griechen hinwegsetzen muss. Da es sich hier um ein politisches Thema handelt und Politik großteils von Mythen lebt, darf auch ich mir die Freiheit nehmen, über derartige Details hinwegzusehen.
Trotz aller Eile hatten die Gründerväter der Republik nicht übersehen, dass die sowjetische Vormundschaft, - die der übrigen Besatzungsmächte konnte sich in Wien noch nicht auswirken, - ein besonderes Interesse hatte, den politischen Einfluss sich ihrer Schützlinge, der ebenso neugeborenen KPÖ, sicher zustellen. Dazu gab es ein Abkommen mit den sowjetischen Militärbehörden, dass jedem Staatsamt, - sprich Ministerium, - ein kommunistischer Unterstaatssekretär beizugeben sei.
Gerade das aber wollte Karl Renner im Falle der Aufstellung eines Heeres unter allen Umständen vermeiden. Anstatt eines Staatsamtes (Ministerium) für Heerwesen wurde daher ein Unterstaatssekretariat geschaffen, das man leicht zur Chefsache machen konnte. Als Leiter bestelle Renner einen absoluten Vertrauensmann in der Person des Luftwaffenoffiziers Oberstleutnant Franz Winterer, der nach heutigem Sprachgebrauch als Lupenreiner Sozialdemokrat gelten kann. Seine sozialdemokratische Gesinnung und frühere Tätigkeit im republikanischen Schutzbund schienen für Renner eine ausreichende Reputation zu sein, um bei den Sowjets nicht anzuecken. Anders sahen das die Kommunisten, die sich durch Renners Vorgangsweise um ihren Einfluss auf die Bildung einer bewaffneten Macht geprellt sahen. 11

Winterer

Oberstleutnant Franz Winterer

Leiter des Heeresamtes. Wurde nach dessen Auflösung als Generalmajor a.D. Abgeordneter im Nationalrat (SPÖ)
(Foto entnommen aus Österreich II, S 372)
Heeresamt

Das Heeresamt am Schwarzenbergplatz

Ehemalige Wehrmachtsangehörige bei Aufräumungsarbeiten
(Foto entnommen aus Österreich II, S 373)

Das war besonders schmerzlich, weil die Kommunisten mit dem Freiheitsbataillon, das im Gefolge der sowjetischen Truppen in Wien einmarschiert war, sozusagen bereits den Fuß in der Tür hatten. 12
Einer der prominenten Führer, Franz Honner war ja bereits zum Innenminister bestellt, und die Genossen Anton Koplenig, oder Friedl Fürnberg hätten möglicherweise der Remilitarisierung der zweiten Republik einen anderen Verlauf gegeben. So aber wurde sie zum Reizthema der KPÖ und ihrer Anhängerschaft, die darin jeden denkbaren Anlass finden wird, um alles damit im Zusammenhang stehente, als Werk reaktionärer Kräfte zu denunzieren. Diese Linie wird bis heute beibehalten, wobei es an der Unterstützung durch Nachbetern aus allen möglichen Organisationen nicht fehlen wird.
Franz Honner

Franz Honner
(Links kieend)
geb 4. September 1893 in Heinrichsöd, Böhmen, gest. 10. Februar 1964 in Wien
Seit 1927 Mitglied im Zentralkomitee (ZK) der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ). An den Februarkämpfen von 1934 beteiligt, 1936 gehörte er zu den Angeklagten im Sozialistenprozess. In der Folge wurde er im Anhaltelager Wöllersdorf interniert, flüchtete aber nach Moskau. In den Jahren 1937 und 1938 kämpfte er im spanischen Bürgerkrieg, bevor er wieder nach Moskau zurückkehrte. Während der letzten beiden Kriegsjahre des Zweiten Weltkriegs hielt sich Honner bei den jugoslawischen Partisanen auf, wo er an der Aufstellung der österreichischen Freiheitsbataillone entscheidend mitwirkte und mit denen er 1945 in Österreich einmarschierte. 1945 wurde Honner Staatssekretär für Innere Angelegenheiten (Innenminister) der provisorischen Regierung Karl Renner. Bis 1959 war er Abgeordneter zum österreichischen Nationalrat. Von 1946 bis 1964 war Honner erneut Mitglied im ZK sowie im Politbüro der KPÖ, wo er sich hauptsächlich mit Themen aus dem Bereich der Gewerkschaften befasste.

Friedl Fürnberg(neben Honner)

geb. 1902 in Eggenburg (NÖ)gest. April 1978.Seit 1919 in der Kommunistischen Partei. Sein Tatendrang führte ihn bald in die ersten Reihen der Bewegung: 1924 Mitglied des Zentralkomitees der KPÖ. 1928 Sekretär der Kommunistischen Jugendinternationale Nach den Februarkämpfen 1934 wurde er im Sozialistenprozess 1936 verurteilt und konnte Zusammen mit Franz Honner nach Moskau flüchten. Im Herbst 1944 ging er mit Franz Honner zu Titos Partisanen, wo er an der Aufstellung des ersten österreichischen Freiheitsbataillons und dessen ersten Kämpfen teilnahm. Nach seiner Rückkehr nach Österreich ist er parteipolitisch im Hintergrund geblieben.

Die Hauptaufgabe des Heeresamtes bestand in der personellen Erfassung ehemaliger Militärpersonen, der Liquidierung und Demobilisierung von Einrichtungen der ehemaligen Deutschen Wehrmacht, die Betreuung der Österreichischen Heimkehrer (die ausländischen betreute das Rote Kreuz), die Betreuung von Berufsmilitärpersonen und deren Hinterbliebenen, sowie der Entminungsdienst. 13
Zu diesen Aufgaben konnte auch der oberste Vertreter der Besatzungsmacht, Marschall Tolbuchin, keine Einwendungen erheben, weil sie einfach notwendig waren um eine Bestandsaufnahme über die Trümmer der besiegten Deutschen Wehrmacht zu erhalten.
In der Ausgabe vom 17. Mai der Tageszeitung Neues Österreich erschien der erste Aufruf des Heeresamtes an ehemalige Österreichische Offiziere, Ärzte, Unteroffiziere und Beamte der Heeresverwaltung, sich für den Dienst im Heeresamt zu melden, ein Aufruf der natürlich großen Zuspruch fand. Im Juni hatte das Heeresamt bereits vier Abteilungen und mit den Wachen eine Stärke von 1500 Personen erreicht. Unter ihnen finden wir Namen von ehemaligen Bundesheeroffizieren, die 1938 von der Muff-Kommission zum Dienst in der Wehrmacht für nicht tragbar befunden wurden, wie der vormalige Militärattache in Italien, Oberst Dr. Emil Liebitzky. 14
Es gab auch eine Reihe von Wehrmachtsoffizieren, deren politischer Hintergrund auf die erforderliche demokratische Gesinnung schließen ließ, wie beispielsweise die Oberste Ludwig Kachina und Oskar Schleglhofer, die Oberstleutnante Zdenko Paumgartten und Alfred Henke, oder Major Ernest Csörgeö, übernahmen leitende Funktionen.

Liebitzky
Foto Bundesheer
General d. A. Dr. Emil Liebitzky
geb. 5. 10. 1892 Dux (Duchcov, Tschechische Republik), gest. 12. 4. 1961 Wien,
  • Artillerieoffizier im 1. Weltkrieg
  • 1920 Übernahme in das Bundesheer
  • 1927 in den Generalstabsdienst
  • 1930 Adjutant des Heeresministers C. Vaugoin;
  • 1933 bis 1938 Militärattaché in Rom, wo er mit B. Mussolini besonders enge Kontakte pflegte.
  • Nach dem Anschluss 1938 als für die Wehrmacht nicht tragbar in den Ruhestand versetzt.
  • 1945 Abteilungsleiter im Heeresamt, danach Ernennung zum Hofrat und Leiter der Pensionsabteilung A im Finanzministerium
  • Ab 1952 Aufbau der B-Gendarmerie, 1955 Leiter des Amts für Landesverteidigung
  • 1956 Beförderung zum ersten General des Bundesheeres.
  • 1957 Ruhestand, Stirbt am 12. April 1961 nach langer Erkrankung.
Paumgartten
Foto Bundesheer
General d. I. Zdenko Paumgartten
  • Leutnant im Bundesheer der 1.Republik,
  • 1938 zur Deutschen Wehrmacht, Generalstabsausbildung, bei Kriegende Oberstleutnant i.G.
  • 1945 zum Heeresamt als Fachreferent der Amtsstelle Tirol
  • 1957 Militärattache in Paris, danach Befehlshaber der Gruppe III in Salzburg, Bförderung zum General
  • 1977 Ruhestand

Wie weit man sich da schon mit konkreten Aktivitäten zur Aufstellung einer bewaffneten Macht befasst hatte, kann nicht mehr nachvollzogen werden, es ist aber anzunehmen, dass die Aufarbeitung der ungeheuren Zahl von Daten und Dokumenten, - von den anstrengenden und zeitraubenden Aufräumungsarbeiten abgesehen, - kaum Zeit für andere Aktivitäten zuließen. Auch hatte man kaum eine Ahnung, was es außer den Freiheitsbataillonen, die 1944 in Jugoslawien als Teil der Partisanenarmee Titos aufgestellt, bis zum Kriegsende 1945 etwa die Stärke von insgesamt 1200 Mann erreicht hatten, noch an "österreichischen" Truppenverbänden in den anderen Landesteilen gab. Um eine erste Übersicht zu bekommen, mussten erst die Demarkationslinien zwischen den Alliierten durchlässiger und die Reichweite von Rundfunk und Presse wider ganz Österreich erfassen. 15
In Tirol hatte sich die österreichische Widerstandsbewegung zu einer beachtlichen Streitmacht entwickelt, nachdem es ihr gelungen war, ein von "Nazis befreites Innsbruck an die Amerikaner zu übergeben. Der Organisator des Tiroler Widerstandes und spätere Außenminister Karl Gruber erklärte in seinen Erinnerungen, "dass ein par tausend Mann bereit waren, es gab nur nicht so viele Armbinden, mit denen sie gekennzeichnet werden sollten."" An Waffen hat es sicher nicht gefehlt.

Freiheitsbataillon

Parade des Freiheitsbataillon

am 17. Juni 1945 auf der Wiener Ringstraße
(DÖW Foto 205c)
Widerstand in Tirol

Widerstandskämpfer in Tirol


Die Waffen stammen aus Beständen der Deutschen Wehrmacht, hier ein Trupp mit MG 42
(Foto entnommen aus Österreich II, S 233)
Freiheitsbataillon1

Soldaten eines Freiheitsbataillons bei einer Marschrast

Im britischen Sektor hatte sich die "Aldrian-Brigade" unter Generalleutnant Eduard Aldrian, die aus den Österreichern des ehemaligen deutschen LXVIII Armeekorps stammten, etabliert. 16
Die Briten hatten diese Truppe unter dem Titel "surrendered enemy Personal" gesammelt und ihr neben Aufräumungsarbeiten und Ernteeinsätzen, auch militärische Aufgaben, wie Wachdienste zugewiesen. Fest steht, dass diese verschiedenen bewaffneten Formationen keinerlei Verbindung zueinander hatten und jeweils von den örtlichen Alliierten Streitkräften geduldet und kontrolliert wurden. 17
Wie schon erwähnt, kann man davon ausgehen, dass die provisorische Regierung vom Vorhandensein dieser Verbände kaum informiert war, geschweige denn die Möglichkeit einer Einflussnahme hatte. Das sollte sich ändern, als sich die Alliierten über die Lage und Ausdehnung der Besatzungszonen einig waren und das 1. Kontrollabkommen vom 4. Juli 1945 schlossen.
Auf Grund diese Kontrollabkommens, in dem grundsätzlich keine Einwendungen gegen eine Wiederbewaffnung aufschienen, konnte die provisorische Regierung das "Behörden-Überleitungs-Gesetz vom 28. Juli 1945", beschließen, mit dem alle Verwaltungs- und Justizeinrichtungen des Deutschen Reiches in die Rechtsordnung der Republik Österreich übertragen wurden. Da das Gesetz von den Alliierten nicht beeinsprucht wurde, glaubte man damit auch die Rechtsgrundlage für die Aufstellung eines Heeres geschaffen zu haben, wie im § 3 Absatz 2 ausgeführt wird:
1. Die Staatskanzlei übernimmt bis zur Errichtung eines selbständigen Staatsamtes für Heerwesen auch die Aufgaben des Bundesministeriums für Landesverteidigung,( der 1. Republik) insbesondere die Aufstellung und Organisation von Militär-, Wach- und -bauformationen, die Angelegenheiten der Personal- und Sachdemobilisierung der deutschen Wehrmacht, die Heimführung der Kriegsgefangenen, die Ausforschung der Kriegsvermißten und die Kriegsgräberfürsorge,
Während die bereits bestehenden 4 Abteilungen des Heeresamtes mit den Aufgaben der Demobilisierung beschäftigt waren, sollte sich nun die in Aufstellung begriffene 5. Abteilung der Aufstellung eines Österreichischen Heeres befassen.
Getreu den Vorgaben des Überleitungsgesetzes wollte man an das Vorbild des Bundesheeres anschließen, aber auch die Erfahrungen aus dem Krieg berücksichtigen. demnach sollten sechs Infanteriedivisionen zu je 8750 Mann, eine Panzerdivision und zwei schnelle Brigaden aufgestellt werden. Als Bewaffnung und Ausrüstung wollte man auf die reichlich vorhandenen Bestände der Deutschen Wehrmacht zurückgreifen. Um den defensiven Charakter des neuen Heeres hervorzuheben, wollte man besonderen Wert auf die Panzerabwehr legen.
Als Ende September in Wien mit der Konferenz aller Bundesländer die provisorische Regierung von den Landesregierungen, den politischen Parteien, vor allem aber von den Besatzungsmächten anerkannt wurde, konnte die Gründung der 2. Republik auch als territorial vollzogen gelten. Somit schienen alle Voraussetzungen gegeben, an die Bildung militärischer Strukturen nicht nur auf dem Papier sondern auch in der Praxis herangehen. Das war nun wirklich der Zeitpunkt, ab dem man von einer Remilitarisierung sprechen konnte.
Der erste Schritt war die Bildung der Militärkommanden, die nun im gesamten Bundesgebiet eingerichtet werden sollten, - in Wien und Niederösterreich bestanden sie bereits seit Juli 45. Das war aber auch schon alles, was an konkreten Ergebnissen herauskam. Der übrige Teil der Remilitarisierung blieb vorläufig in den Schubladen fleißiger Mitarbeiter der Abteilung 5 oder wurde zum Propagandamaterial der Kommunisten aufgebauscht. In diesem hoffnungsfrohen Stadium kurz vor der Geburt des Heeres, begannen sich die ersten Komplikationen abzuzeichnen.
Die ersten waren die Sowjets, die plötzlich ihre Kontrolle über das Heeresamt zu intensivierten, begannen, als hätten sie das bisher verabsäumt.
Bald wollten auch die anderen Alliierten bemerkt haben, dass die Wiederaufrüstung Österreichs nicht in ihrem Sinne sei und verlangten die Aufgabe aller militärischen Bezeichnungen der Mitarbeiter des Amtes und schließlich auch die Auflösung aller Wachformationen. Das endgültige Aus für das Heeresamt und damit auch für alle Pläne und Spekulationen über ein Österreichisches Heer kam am 30. November 1945.
Die Weisung des Alliierten Rates zur Einstellung aller Aktivitäten einer Remilitarisierung wurde damit begründet, dass Österreich gemäß den Bestimmungen des Potsdamer Abkommens erst vollkommen abzurüsten habe, ehe es die Erlaubnis zum Aufstellen einer eigenen Armee erhalte.
Ob man diese Vorgänge nun als Schwangerschaftsabbruch oder Fehlgeburt sehen will, ist Geschmackssache. Die nun einmal geborene Idee eines österreichischen Heeres lebte als gut konservierte Stammzelle verborgen in der Pensionsabteilung A des Finanzministeriums weiter um dort auf eine neuerliche Befruchtung oder Wiederbelebung zu hoffen.
Die Protagonisten und verhinderten Geburtshelfern wurden auf traditionell österreichische Weise versorgt. Franz Winterer, inzwischen zum Generalmajor ernannt ging als Nationalratsabgeordneter der SPÖ in die Politik, Dr. Emil Liebitzky, der im Staatsdienst verblieb, wurde zum Hofrat ernannt und mit der Leitung der Pensionsabteilung A des Finanzministeriums betraut, wo auch die Keimzelle des österreichischen Heeres einer neuerlichen Befruchtung harrte.
Das übrige Personal der aufgelösten Dienststellen, in Wien wie auch in den Bundesländern wurde auf ähnliche weise bedacht. Während das Fußvolk teils in der Exekutive oder in den paramilitärischen Werksschutzverbänden der von den Sowjets verwalteten Großbetriebe Aufnahme fand, kamen die leitenden Beamten in den Ämtern der Landesregierungen unter.
Mit Ausnahme der Kommunisten und ihrer Sympathisanten, die über die Auflösung des Heeresamtes in Jubel ausbrachen, nahm sie das übrige Österreich gelassen oder gar nicht zur Kenntnis. Denn damals in den Dezembertagen des Jahres 1945, als der erste Nachkriegswinter in die ungeheizten Wohnungen und Arbeitsräume drang, hatte die verpatzte Wiederaufrüstung die österreichische Öffentlichkeit im wahrsten Sinne der Wortes kalt gelassen.

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Ein schlampiges Verhältnis - Die Remilitarisierung der 2. Republik

Eine deutliche Abkühlung der Beziehungen machte sich auch bei der alliierten Vormundschaft bemerkbar die nach und nach in den Kalten Krieg münden sollte. Anstelle der gemeinsamen Verantwortung, die sie über die Sicherheit Österreichs übernommen hatten, stand nun der gegenseitige Vorwurf, den so mühsam erkämpften Frieden in Europa zu gefährden.
Das auslösendes Moment der Differenzen war der Marshallplan , in dessen Folge die Grenzen abgesteckt wurden, nach denen sich in Zukunft Ost und West definieren werden. Warum dieser Marshallplan den Sowjets so zuwider war, ist heute nicht mehr nachvollziehbar. 18
Damals aber galt die Bereitschaft der Teilnahme an diesem größten Wiederaufbauprogramm des 20. Jahrhunderts als Glaubensbekenntnis zum Kapitalismus und war daher für alle Länder innerhalb ihrer Einflusssphäre untragbar. Vor allem schon deshalb, weil einige Satellitenstaaten an einer Beteiligung nicht abgeneigt waren.
Für Österreich war die Teilnahme am Marshallplan schon deshalb zwingend, weil sie die einzige Möglichkeit zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage bot, dass sich die Republik damit eindeutig auf die Seite des Westens gestellt hatte, war eher zweitrangig aber durchaus im Sinne der Bevölkerung, welche die Segnungen des Sozialismus in den Nachbarländern bereits durchschaut hatte. Denn nach der fatalen Heimholung in das Tausendjährige Reich war Skepsis gegen jede Art von Volksbeglückung angebracht. Die putschartige Machtübernahme der Kommunisten in den Nachbarländern Tschechoslowakei und Ungarn, sowie die Trennung Deutschlands mit allen Begleiterscheinungen, waren daher ausreichende Gründe die Demarkationslinie an Enns und Donau ernst zu nehmen.
Dieser eindeutigen Sympathieerklärung für den Westen, mussten die Sowjets wohl oder übel zustimmen, weil auch sie dem Kontrollabkommen entsprechend als Vormundschaft die wirtschaftlichen Interessen des Mündels zu respektieren hatten. Für die Westalliierten war es ein guter Grund, ihr Liebeswerben nicht nur auf wirtschaftlicher Partnerschaft zu betreiben, sondern auf ernsthafte Basis einer gemeinsamen Sicherheitspolitik zu stellen.
Damit beginnt ein Abschnitt typisch österreichischer Politik, die neben Momenten dramatischer Spannung, streckenweise den Charakter eines Possenspieles aufweist, wie Goldoni oder Nestroy es nicht besser geschrieben haben könnten. Hier haben wir all die charakteristischen Elemente einer Commedia del Arte, wie die Vortäuschung und Verheimlichung von Tatsachen, die listige Umgehung von Verboten, an die sich ohnehin keiner hält, einschließlich der gespielten Entrüstung der Hauptdarsteller und schließlich das schmalzige Happyend einer Balkonszene, wie wir sie in der Tat im Barockschlosses Belvedere erleben konnten. Kabarettisten und Satiriker aller Leistungs- und Güteklassen haben sich auch gebührend darüber ausgelassen und den agierenden Politikern den Stempel einer Schlitzohrigkeit verpasst, der für die österreichische Seele charakteristisch sein soll. So behaupten es zumindest die Nachbeter der Theorien von Sigmund Freud bis Erwin Ringel.
Hinter dieser humoristischen Retrospektive einer Staatskomödie stehen aber die todernsten Rahmenbedingungen unter denen sich die 2. Republik in den Anfängen der 50er-Jahre entwickeln und behaupten musste. Neben der Bewältigung der Altlasten aus der Zeit des Ständestaates und der kompromittierenden Verhältnisse zum Nationalsozialismus, musste die größte Aufmerksamkeit der Erhaltung der staatlichen Einheit gewidmet sein für die Westmächte hingegen ging es um die Frage, wie weit sie sich im Falle eines sowjetischen Angriffes aus Mitteleuropa zurückziehen müssten.
Diese Auffassungsunterschiede waren nicht angetan, eine ehrliche Liebesbeziehung aufkommen zu lassen. Ging es der einen Seite nur um den Zweck Österreich in das Bett einer militärischen Partnerschaft zu bekommen, musste sich die österreichische Politik wie eine Jungfrau zieren und auf spätere Zeiten zu vertrösten, wollte sie die Sowjets nicht provozieren. Wenn auch als Werber abgewiesen, mussten sie kraft ihrer Vormundschaft die Einhaltung der bestehenden Klauseln des Kontrollabkommens einmahnen.
Damit blieb nur die Möglichkeit einer heimlichen Liaison, - oder wie man hierzulande sagt, - ein schlampiges Verhältnis zu unterhalten. Dieses Kontrollabkommen war übrigens das einzige Mittel, das die nun in offener Feindschaft zerstrittenen Partner hatten, um überhaupt noch miteinander zu reden. Damit wurde Österreich mit dem Alliierte Rat und seinen regelmäßigen Sitzungen, die einzige Schnittstelle in Europa auf die weder die Sowjets noch der Westen verzichten wollten.
Daher wurde das Thema Remilitarisierung zu einem Tabu über das zwar nicht offen geredet wurde, aber stets Gegenstand der Verhandlungen war. Im Grunde genommen war es ja im Interesse beider Seiten gelegen, Österreich im Falle eines Staatsvertrages, nicht als militärisches Vakuum zu hinterlassen.

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Das Salzburger und das Wiener Komitee

Unter der Patronanz des Oberkommandierenden der US Besatzungstruppen, General William Arnold kam es zur Bildung einer Kommission, bestehend aus Vertretern der westlichen Besatzungsmächte, die das Remilitarisierungsprogramm für Österreich einleiten sollte und entsprechend ihres Sitzes am Hauptquartiers der Amerikaner Salzburger Tripartie Committee genannt wurde. Über dieses Salzburger Komitee, wie es die Österreicher bezeichneten, wurde die Bundesregierung durch sanften Druck bewogen ihrerseits eine korrespondierende Stelle zu schaffen, die im Herbst 1951 das Wiener Komitee unter dem Vorsitz des Generaldirektors für Öffentliche Sicherheit, Sektionschef Dr. Wilhelm Krechler ins Leben rief. Den strengen Proporzregeln der 2. Republik entsprechend, wurden die uns aus dem Heeresamt bereits bekannten Personen, Hofrat und Generalmajor a.D. Dr. Emil Liebitzky51 und Oberst d.G. a.D. Theodor Iglseder für die ÖVP, die ehemaligen Oberstleutnante der Wehrmacht Johann Linsbauer und Ferdinand Linhart für die SPÖ als militärische Experten berufen. Als Verbindungsmann zum Salzburger Komitee fungierte der Oberstleutnant der Wehrmacht Zdenko Paumgartten, den wir ebenfalls bereits kennen. 19
Die politische Verantwortung teilten sich Proporzgetreu der Innenminister Oskar Helmer (SPÖ) und Staatssekretär Ferdinand Graf (ÖVP) beides erfahrene Politiker mit der erforderlichen dicken Haut.

Oskar Helmer Bundesminister für Inneres Oskar Helmer
geb. 16. 11. 1887 Gattendorf (Burgenland), gest 13. 2. 1963 in Wien.

Einer der führenden Persönlichkeiten der SPÖ nach 1945. 1910 Redakteur der "Gleichheit" und der "Wiener Volkstribüne". 1920-21 um die Integration des Burgenlands bemüht (Mitglied der Verwaltungskommission), 1921-34 und 1945 Mitglied der Niederösterreichischen Landesregierung. War 1930-34 mit K. Renner um einen Ausgleich der innenpolitischen Gegensätze bemüht ; 1934 in Haft; Helmer erneuerte 1945 mit L. Figl die niederösterreichische Landesverwaltung und wurde Unterstaatssekretär der Regierung Renner. Als Innenminister 1945-59 baute er die Polizei auf und kämpfte gegen Übergriffe der Besatzung. Trat für eine große Koalition ein. 1945-59 Abgeordneter zum Nationalrat und stellvertretender Vorsitzender der SPÖ, 1959 Präsident der Österreichischen Länderbank.

Ferdinand GrafStaatssekretär Ferdinand Graf geb. 15. 6. 1907 in Klagenfurt, gest. 8. 9. 1969 in Wien.

Ausgebildeter Elektrotechniker. Im Ständestaat 1934 bis 38 engagierter Politiker der Christlich Sozialen Parte im Bauernbund und in der Vaterländischen Front. 1938-40 in KZ-Haft; 1945-49 Mitglied des Bundesrats, 1945-56 Staatssekretär im Bundesministerium für Inneres, 1949-62 Abgeordneter zum Nationalrat, 1956-61 erster Bundesminister für Landesverteidigung der 2. Republik


 

Beide Fotos: Österr. Inst. für Zeitgeschichte, Archiv.

Bei näherer Betrachtung finden wir das aufgelöste Heeresamt hinsichtlich seiner führenden Köpfe wieder, währen uns die Suche nach dem früheren Fußvolk zu den Einheiten der Bundesgendarmerie führt, soweit sie nicht in der sowjetischen Besatzungszone lagen.

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Das Gendarmerieprogramm

Offensichtlich unter dem Eindruck der Oktoberunruhen von 1950 wurden auf Weisung der Sicherheitsdirektion Gendarmerie-Alarmeinheiten gebildet. 20
Nr. 1 für Oberösterreich (ohne Mühlviertel) und Salzburg Nr. 2 für Steiermark und Kärnten Nr. 3 für Tirol und Vorarlberg.
Jede dieser Alarmabteilungen bestand aus zwei bis drei Kompanien zu Fuß und einer Maschinengewehrkompanie auf Panzerspähwagen - offiziell als Gendarmerie-Fahreinheit bezeichnet. Alle Abteilungen standen als Regiment unter einem einheitlichen Kommando.
Der Grund für die geringe Effizienz, die diesen ersten militärisch organisierten Formationen nachgesagt wird, 21
lag vorwiegend an den einschränkenden Weisungen, unter denen die praktische Ausbildung zu leiden hatte. Abgesehen davon, dass ein Einsatz an die Zustimmung der alliierten Befehlshaber gebunden war, durften die Einheiten ihre Kasernen nicht verlassen. Die Schieß und Gefechtsausbildung konnte nur auf den Übungsplätzen der Besatzungsmächte durchgeführt werden. Das waren Die Truppenübungsplätze Ramsau in OÖ, Lizum- Walchen in Tirol und Seetaler Alpe in der Steiermark, die allerdings nur in zeitraubenden Anmärschen erreicht werden konnten.
Da der amerikanische Befehlshaber mit dieser Art der Ausbildung nicht zufrieden war, sah man sich zu der Erklärung genötigt, dass die den Alarmabteilungen zugedachten ordnungsdienstlichen Aufgaben nur erfüllt werden könnten, wenn Verbandsübungen im Gelände durchgeführt werden dürfenschreibt Otto Rauscher, Gendarmeriegeneral i.R. in seinen Erinnerungen. 22
Am 2. Oktober 1951 wurde diesem Vorschlag mit der Durchführung einer Verbandsübung im Raume Sattlet in der Nähe von Wels in Oberösterreich entsprochen. Die unterschiedliche Bewertung, - eine Übung die völlig daneben ging und - dass der Übungsverlauf allseits Lob und Anerkennung, fand, wenngleich die Erwartungen der Führung angesichts der bisherigen Unmöglichkeit. 23 Verbandsübungen durchzuführen nicht voll erfüllt wurden, unterstreichen die nur Problematik der politischen Rahmenbedingungen dieser Zeit.

Fahreinheit
Pazerspähwagen M 8
Mit dem Vorbeimarsch der Alarmeinheiten nach der Verbandsübung am 2.Oktober 1951 erfolgt der erste Schritt in die Öffentlichkeit. Der Erfolg der Übung wird jedoch unterschiedlich bewertet.
Foto:Bundesheer
Fahreinheit1
Fahreinheit der Alarmabteilung Kärnten
Die 4.5 cm Kanone musste abgenommen werden, anstelle dieser war ein MG A4 im Turm eingebaut. Nach Abschluss des Staatsvertrages durften sowohl die Kanonen, wie auch die 12,5 mm FlaMG wieder eingebaut werden.
Foto:Bundesheer

Trotzdem war diese Übung ein Meilenstein in der Entwicklung des Heeres, da sie erstmalig unter den Augen der Öffentlichkeit abgehalten wurde. Die Folge war, dass nun die Amerikaner auf noch mehr Tempo drängten, die Herren in der Pensionsabteilung in Wien um Diskretion und Zurückhaltung bemüht waren, wie es einer tugendhaften Jungfrau ansteht, die nicht ins Gerede kommen will.
Das stürmische Werben der Amerikaner bestand vor Allem in der Forcierung eines Programms, das unter der Bezeichnung Aufgebot noch jahrzehnte später für Aufregung sorgen sollte. In der Befürchtung einer sowjetischen Aggression, - man bedenke dass der Krieg in Korea in vollem Hange war, - sollten Maßnahmen getroffen werden, um wehrfähige junge Österreicher dem Zugriff der Sowjets zu entziehen. Das sollte nach den abstrusen Vorstellungen zu einer Evakuierung von rund einer Viertelmillion Männer führen, die man in Italien oder gar in Nordafrika in militärische Formationen sammeln und ausbilden wollte. Dies sollte dem neuen strategischen Konzept entsprechen, demnach sich die Westmächte in den österreichischen Zentralraum zurückziehen sollten. 24
Wie weit diese Pläne den Österreichern zur Kenntnis kamen, ist nicht geklärt, realisiert wurde primär die listenmäßige Erfassung der damals 20- bis 35-Jährigen, die als Wehrpflichtige in Frage kamen. Diese Arbeit war relativ einfach über die Melderegister der Gemeinden zu bewerkstelligen und es anzunehmen, dass den damit befassten Beamten der Zweck ihrer Arbeit keineswegs bewusst war. Bis 1954 sollen an die 90 000 Personen erfasst worden sein, - ein Segen für die 1955 offiziell eingerichteten Ergänzungskommanden.
Was in den 90-Jahren für Aufregung sorgen sollte, war jener Teil des Programms, der eine Widerstandsbewegung in den von den Sowjets besetzten Gebieten Österreichs unterstützen sollte. Was den amerikanischen Militärs vorschwebte, sollte eine österreichische Imitation des nationalsozialistischen Werwolf sein, der in den letzten Kriegstagen vereinzelte Anschläge auf alliierte Truppen verübt hatte, deren Folgen lediglich Repressalien gegen die Unbeteiligte Bevölkerung, aber keinerlei taktische Erfolge brachte. 25
Jedenfalls glaubte man diese Idee, - in Anspielung auf das Letzte Aufgebot Andreas Hofers könnte man auch Schnapsidee sagen, - durch die Anlage geheimer Waffenlager realisieren zu können.
Als 1996 ans Tagelicht kam , was da in den 50er-Jahren so alles versteckt wurde, und dies im "The Boston Globe", einer in den USA erscheinenden Zeitschrift zur Veröffentlichung, wurde ein medialer Aufreger erster Ordnung. Natürlich war das auch ein willkommenes Fressen für die Epigonen der alten KPÖ und ihrer neuen Fan-Gemeinde, diesen perfiden Anschlag mit neuerlichen Verschwörungstheorien gegen Österreichs Neutralität, in Verbindung zu bringen. 26
Bei etwas differenzierter Betrachtung aber ist es der komödienhafte Charakter, der die Beziehungen und Verhandlungen zwischen Amerikanischen Cowboys und Österreichischen Hofräten kennzeichnet, die mit ihrer Hinhaltetaktik das erreichten auf was sie hinaus wollen: Eine kleine, aber schlagkräftige Kadertruppe.

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Die heimliche Geburt - die B-gendarmerie

Als erstes Szenenbild des nächsten Aktes unseres Stückes stelle man sich eine kleine Geburtstagsgesellschaft vor, die in kleinstem Kreise ein gleichermaßen freudiges wie auch strengster Diskretion unterworfenes Ereignis feiert: die Geburt der B-Gendarmerie. Es waren die uns schon bekannten Personen des Wiener Komitees, die am 1. August 1952 beschlossen, ab sofort die Bezeichnung Gendarmerieschule anstelle der früheren Gendarmerie-Alarmeinheiten einzuführen und damit eine Klare Trennung zwischen dem zivilen Wachkörper der Exekutive und der neuen Bereitschaftstruppe zu schaffen. Angeblich soll das Präfix "B" auf eine Anregung des damaligen Landesgendarmeriekommandanten von Oberösterreich Ernst Mayr zurückgehen. Ob er mit dem "B" eine qualitative Wertung oder das Kürzel "Bereitschaft" meinte, hat er mit ins Grab genommen. 27
Es entstanden die Gendarmerie-Schulen Oberösterreich I und II in Linz Ebelsberg, die Gendarmerieschulen Steiermark in Graz, Kärnten in Villach und Tirol I. und II in Innsbruck eingerichtet. Dazu gab es noch die drei bekannten Fahreinheiten der früheren Alarmeinheiten die den Gendarmerieschulen Oberösterreich I, Kärnten (später Steiermark) und Tirol I unterstanden, sowie die Gendarmerieabteilung D in Stadl-Paura, die als gemeinsames Versorgungs- und Instandsetzungszentrum arbeiten sollte. Gleichzeitig wurden einige Dutzend kriegsgediente Offiziere der ehemaligen Deutschen Wehrmacht eingestellt, womit auch der Wandel vom Wachkörper der Exekutive zur militärischen Formation vollzogen war. Ein gutes Jahr später wurde eine weitere Schule eingerichtet, die für den Offiziersnachwuchs sorgen sollte: Die Gendarmerieabteilung K. Am 22. Oktober 1953 begann der erste Offizierslehrgang für 29 Frequentanten, die am 3. Februar 1956 als erste Leutnante des Bundesheeres ausgemustert werden sollten.
Die Gendarmerieschulen waren als Infanteriebataillone gegliedert, wobei die militärischen Bezeichnungen in der Öffentlichkeit tunlichst vermieden wurden. Das Bataillon wurde Abteilung, die Kompanie Unterabteilung genannt, im internen Sprachgebrauch bediente man sich jedoch der üblichen Bezeichnungen. Der Ausbildung lag das traditionell österreichische Exerzierreglement des Bundesheers der ersten Republik zu Grunde, für den Gefechtsdienst galten Erfahrungsgrundlagen der Deutschen Wehrmacht aus dem 2. Weltkrieg.
Es wäre keine Komödie, wenn die Personen der Handlung im zweiten Akt bereits nicht für weitere Verwirrungen sorgen würden. So gab es gleich einmal unterschiedliche Auffassungen hinsichtlich der Ausbildungsschwerpunkte.
Während für die Österreicher die Hauptaufgabe der neuen Truppe in der Aufrechterhaltung der Inneren Sicherheit bestand und daher ihre Schlagkraft durch diszipliniertes Auftreten zum Ausdruck kommen sollte, verlangten die Amerikaner von ihrem potentiellen Bündnispartner, dass dem praktischen Gefechtsdienst im Gelände der Vorzug gegeben werden müsse.
Nicht zuletzt war es die für die ehemaligen Wehrmachtsoffiziere typische Geringschätzung gegenüber der amerikanischen Kampfführung, welche die Differenzen noch anheizte. In Erkenntnis dieser Geringschätzung, dürften sich die Amerikaner voll und ganz den preußisch-deutschen Ausbildungsmethoden zugewandt haben, sofern man Anbrüllen und Kuschen als disziplinförderndes Verhalten versteht. Das von den Wiener Stellen ausgearbeitete Ausbildungsprogramm fand daher nicht immer die Zustimmung der Amerikaner, die keinen Gefallen daran fanden, dass sich der Gefechtsdienst praktisch nur im Zugsrahmen abspielte. Das lag aber in erster Linie an den unterschiedlichen Ausbildungsbedingungen, die mancherorts einen größeren Rahmen nicht zuließen.

Lager Walchen
Das Lager Walchen 1953
Der Truppenübungsplatz Wattener Lizum wurde 1936 vom Bundesheer der ersten Republik mit dem Bau von Unterkünftsgebäuden als Lager Lizum (Seehöhe 1980 m)eingerichtet und von der deutschen Wehrmacht mit dem Lager Walchen (Seehöhe 1410 m) erweitert. Nach der Übergabe durch die Franzosen 1952 war hier die Gendarmerieschule Tirol I. untergebracht
(Foto:Bundesheer)
 GendSchTirol1
Vorbeimarsch der Gendarmerieschule Tirol 1
am 14. Juli 1954 anlässlich des Französischen Nationalfeiertags auf dem Rennweg in Innsbruck; Bildmitte hinter dem Fahnentrupp Gendarmerie Rittmeister Seyerl. Diese Parade verfolgte auch der damals 17-jährige Verfasser
(Foto:Bundesheer)

Auf der anderen Seite wird die zimperliche Vorgangsweise der Amerikaner ins Treffen geführt, die sie bei der Bereitstellung von schweren Waffen an den Tag legten. Ob es an den bürokratischen Vorschriften lag oder Misstrauen die Ursache war, ist allerdings schwer zu sagen.
Dazu hatten zumindest die Herren im Salzburger Komitee ihre Gründe, zumal der illegitime Sprössling sich vorerst gar nicht so recht entwickeln wollte. Auch dürften sie erkannt haben, dass es den Wienern um das Aufgebot nicht richtig ernst war und das Reizwort Neutralität im Sprachgebrauch der Österreicher immer öfter vorkam.
Der Zulauf zur B-Gendarmerie war in der Tat nicht gerade zufrieden stellend, obwohl die schlechte Wirtschafslage und die Arbeitslosigkeit sich auf die Anwerbung von Personal eigentlich günstig auswirken hätte müssen und schrieb das dem latenten Desinteresse der österreichischen Bevölkerung an der Wiederbewaffnung zu.
So scheint der anfängliche Flirt trotz der Geburt der B-Gendarmerie zu einem Techtelmechtel geraten zu sein, in dem jeder nur seine eigenen Interessen verfolgt.
Hautverantwortlich für den schleppenden Verlauf der Anwerbung war die Tatsache, dass sich die bevölkerungsreichsten Gebiete Österreichs unter sowjetischer Kontrolle befanden und gezielte Werbemaßnahmen so gut wie unmöglich waren. Trotzdem aber fanden sich gerade im Bereich der sowjetischen Zone relativ zahlreiche junge Leute, die sich wegen der attraktiven Arbeitsbedingungen zum Dienst in der B-Gendarmerie meldeten. Die Werbung erfolgte "von Mund zu Mund" oder auf unauffällige Weise durch Informationsgespräche bei den Exekutivdienststellen. Ich selbst erinnere mich an die Berufsberatungswoche an meiner Mittelschule, wo ein Gendarmerieoffizier ein Referat hielt, das ein Jahr später den Ausschlag zu meiner Berufswahl geben sollte.
Die Rekrutierung erfolgte in der Rennwegkaserne in Wien, die in der britischen Besatzungszone gelegenen war. Von da ging es dann gleich nach der Musterung 28 in unauffälligen Einzeltransporten zu den Gendarmerieschulen in die westlichen Bundesländer. Diese Art der Werbung musste naturgemäß auch zu Missverständnissen führen, wie es beispielsweise einem meiner Schulkameraden ging, dessen von sportlichen Ambitionen geleiteten Vorstellungen nicht ganz der Realität des Ausbildungsbetriebes entsprachen. Andere wieder, die ein geruhsames Dasein als Dorfgendarm anstrebten, mussten ebenso enttäuscht zur Kenntnis nehmen, dass sie in einem knallharten Ausbildungsbetrieb gelandet waren.
Der Ausstieg war allerdings einfach und kostete 5 Schillinge, das war die Stempelgebühr, die für das Entlassungsgesuch zu bezahlen war. Ich kannte einen Kompaniechef, der stets eine 5-Schillingmünze parat hatte, um sie jederzeit einem Hinauswerfkandidaten zu überreichen.
"Warum bist Du zur B-Gendarmerie gegangen?" Mit dieser Frage beginnt auch General i.R. Siegbert Kreuter seine Erinnerungen über die B-Gendarmerie, in die er 1952 eingetreten ist und nennt uns auch gleich die Gründe: 29
"Bis Ende 1951 war ich Postbediensteter. Da erhielt ich von einer Privatfirma das Angebot, einen Aufstiegsposten anzutreten. Aus Gründen, die nicht in meiner Person lagen, wurde daraus nichts. Das war bitter. Damals zählte man 300 000 Arbeitslose. Die Zahl war viel dramatischer als man sie heute sehen würde, waren doch zu jener Zeit nicht so viele Frauen berufstätig wie heute." Aus eigener Erfahrung kann ich hinzufügen, dass viele meiner Mitarbeiter, die zur B- Gendarmerie eingerückt waren, aus der sowjetischen Besatzungszone, aus Niederösterreich und dem Burgenland kamen, wo die wirtschaftlichen Verhältnisse noch schlechter waren, als im Westen.
Anfangs betrug die monatliche Entlohnung 650 Schillinge, ab 1954 gab es bereits über 900 und 1955, bei meinem Eintritt, waren es dann 1034.- Schillinge. Diese Beträge wurden netto am 15. jedes Monates ausbezahlt, ein Verpflegsgeld wurde zeitweise eingehoben und betrug etwa 60 Schillinge im Monat. Dagegen verdiente ein Holzarbeiter im Akkord im Monat etwa 3 000 Schillinge, das allerdings bei saisonbedingter Arbeitslosigkeit. 30
AufklZg
Aufklärungszug der GendSch Oberösterreich I
Die MG A4 waren auf einer Sockellaffette auf Jeep montiert. Die gleiche Ausstattung wurde von den Aufklärungskompanieen des Bundesheeres übernommen.
Foto:Bundesheer
Alpinausbildung
Alpinausbildung auf den Rosennock, Stmk.
In der Bildmitte General i. R. Siegbert Kreuter als B-Gendarm.
Foto:Bundesheer
MG-Schießen
Scharfschießenmit dem MG A4
Standard MG der US-Army im 2. Weltkrieg. Dieses MG konnte sowohl auf Zweibein wie auch auf einer Laffette als sMG eingesetzt
werden

Foto:Bundesheer

Wer die herrschenden Arbeitsbedingungen, wie Kasernierung und härteste körperliche Anforderung mit teilweise schikanösen Ausbildungsmethoden in Kauf nahm, hatte auf Grund der geringen Lebenshaltungskosten ein relativ gutes Einkommen.
Der Großteil der Offiziere musste wie auch die einfachen Rekruten, aus der Privatindustrie abgeworben werden, ohne dafür aber besondere Aufstiegschancen in Aussicht gestellt zu bekommen, denn 1952/53 waren die Aussichten auf einen baldigen Staatsvertrag eher gering. Im Gegensatz zu den Rekruten, hatten die ehemaligen Wehrmachtsoffiziere meist gut bezahlte Stellungen in der Privatwirtschaft, die aufzugeben sich mancher reiflich überlegt haben wird. Ein weiteres Problem ergab sich bei Bewerbern mit nationalsozialistischer Vergangenheit. Auch wenn sie als Minderbelastete bereits rehabilitiert waren und ihre Brücken zum Nationalsozialismus in ehrlicher Überzeugung abgebrochen hatten, waren sie eine dankbare Zielscheibe für Angriffe und Polemiken aus allen Richtungen. 31
Die Auswahl und Einstellung der Bewerber erfolgte daher nicht nur nach einem strengen Proporzschlüssel, sondern war auch einem inquisitorischen Verfahren unterworfen, das feststellen sollte, ob der Bewerber keine braunen Flecken auf seiner Weste hatte. Auf diese Weise glaubte man die parteipolitische Ausgewogenheit und die demokratische Gesinnung in der Organisation sicherstellen zu können.

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Ein Seitensprung mit Folgen

Im November hatte die B-Gendarmerie den Stand von etwa 6000 Mann erreicht und hatte trotz aller Unkenrufe die ärgsten Kinderkrankheiten überstanden. Daher bedurfte es eines retardierenden Momentes, das sich vorerst als ziemlicher Krach in der ohnehin oberflächlich gewordenen Beziehung zwischen Österreich und den Westmächten erweisen sollte.
Auslöser waren eine anhaltende Verbesserung der Beziehungen zu den Sowjets, die plötzlich für ihre Besatzungskosten, - es waren immerhin 3 Divisionen in der Gesamtstärke von 30 000 Mann im Lande, - selbst aufkommen wollten. Dazu kamen eine Reihe Erleichterungen der Kontrollen an den Demarkationslinien und die Auflassung von Kommandanturen. Russische Wochen nennt ein namhafter Historiker diese plötzliche Charmeoffensive in Anspielung an die regelmäßige Radiosendung, Die Russische Stunde.
Kein Wunder, dass der Westen einen Seitensprung in das andere Lager vermutete, was einer seiner Vertreter so kommentierte: "Wenn die Österreicher es besser wissen, wie man mit den Russen verhandeln soll, wenn sie glauben, über ihre Absichten besser zu informiert zu sein, wenn sie ihre eigenen Wege gehen wollten und meinen, mit der Sowjetunion allein fertig werden zu können - gut; dann werden wir unseren Freunden Glück wünschen, aber nicht mehr mit ihnen zusammenarbeiten können." Das klingt ganz nach der Reaktion eines betrogenen Liebhabers, was sich da der österreichische Botschaften Löwenthal in Washington anhören musste.32
Doch diesem Flirt folgte die Ernüchterung der Berliner Konferenz vom Februar 1954, bei der Österreichs Versuch, den ersehnten Staatsvertrag zu bekommen, eine weitere Abfuhr erlitt.
Die Erkenntnis, den Russen auf den Leim gegangen zu sein, konnte nicht die Tatsache aus der Welt schaffen, dass die österreichische Politik zwischen zwei Sesseln gelandet war. Soweit man damals die Weltpolitik zu verfolgen imstande war, sofern man sich überhaupt dafür interessierte, machte sich in der Bevölkerung eine ungewöhnliche Niedergeschlagenheit breit, die ich als damals 18-Jähriger selbst mitempfunden hatte, ja selbst den Vertretern der heiteren Muse blieb das Lachen im Halse stecken. 33
Um es den Österreichern so richtig zu zeigen, hatten die Sowjets wieder die Rolle des grantigen Vormunds übernommen, und das unter dem medialen Beifall der Kommunisten und ihrer als Volksopposition getarnten Sympathisanten womit auch der 2. Akt unseres Stückes schließt.

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Zauberformel Neutralität

Während dieser Entwicklung war der eigentliche Gegenstand der Verwirrungen, die B-Gendarmerie, war nun in das dritte Jahr seines Bestehens gekommen. Mit einem Erweiterungserlass des Innenministeriums vom April 1954 konnte das Pionier- und Fernmeldewesen ausgebaut und Neuaufstellungen in Vorarlberg und Tirol vorgenommen werden. Damit war ein Gesamtstand von über 8 000 Mann erreicht worden was beweist, dass der Zulauf hatte sich wesentlich verbessert hatte. Offenbar hatte es sich herumgesprochen, dass der Dienst in dieser Organisation durchaus attraktiv war.
Herumgesprochen hat sich das Ganze überhaupt, denn es gehörte zum Tagesprogramm der Tschechoslowakischen Nachrichten, diese Neuzugänge namentlich in den Äther zu schicken, um der österreichischen Bevölkerung vor Augen zu führen, welche Fortschritte die Remilitarisierung bereits gemacht hat.34 Was die Geheimhaltung anbelangt, hatte man sich offenbar der Illusion hingegeben, dass der Gebrauch von Decknamen und Codewörtern ausreichend sei und es dabei außer Acht ließen dass es jede Menge Putzfrauen dazu angeheuert waren, die Inhalte der Papierkörbe der Büros in Salzburg und Wien bei ihren Auftraggebern abzuliefern, - im Vergleich zu den Meisterleistungen der sowjetischen Geheimdienste NKWD und KGB eine reine Routinearbeit auf unterster Ebene. Um den komödienhaften Charakter der Handlung nicht vergessen zu lassen, sorgte der Auftritt des sowjetischen Hochkommissars, Botschafter Ivan Il´icev. In der 231. Sitzung des Alliierten Rates fordert er "entrüstet" von den Versammelten, den formellen Beschluss zu fassen, dass "das Österreich auferlegte Verbot der militärischen Tätigkeit als verletzt erklärt und die Auflösung der B-Gendarmerie und der Abteilung 5/Sch daher angeordnet wird" Der Antrag fand keine Beachtung, weil die Beschuldigungen keine Fakten enthielten, die den Anwesenden nicht schon bekannt waren. Für die nötige Aufregung war allerdings gesorgt, um allen Beteiligten noch einmal bewusst zu machen, dass in einer Staatskomödie wie dieser, mit allen Möglichkeiten zu rechnen ist. Dieser letzte Theaterdonner aber verhallte bereits im Vorfeld der bilateralen Gespräche zur Pariser Konferenz, die den Staatsvertrag in greifbare Nähe bringen sollte. Die Darsteller unsrer Komödie ordnen sich allmählich zum Finale, indem sie nach und nach ihre wahren Absichten bekannt geben und damit die eigentlichen Hauptakteure aus dem Hintergrund hervortreten und das lokale Szenenbild zur Weltbühne wechselt. Den Ausschlag gab offenbar der bevorstehende Beitritt Westdeutschlande zur NATO, der in den Pariser Verträgen vom 23. Oktober 1954 eine beschlossene Sache, die zwar noch nicht rechtskräftig aber auch nicht mehr zu verhindern war. Zumindest aber konnte man das Beste daraus machen, wie folgende Botschaft an die Österreicher: "Jeder Vorschlag, der eine wirksame Sicherstellung dafür beinhaltet, dass Österreich sich nicht einem Militärbündnis anschließt oder militärische Stützpunkte einer fremden Macht überlässt, ist für die Sowjetunion diskutabel." Wenn dieses Signal nur auf unterer Diplomatenebene ausgesandt wurde, - im konkreten Fall war es eine Wiener Bar, - kann man als Urheber den sowjetischen Außenminister Molotow annehmen. Damit war nun Österreich am Zuge, eine Entscheidung zu treffen, aber da beginnt sich die Umworbene ganz im Stile der Komödie zu zieren, indem ihr "Alter Ego", - diesmal die rote Reichshälfte, - von einem Bekenntnis zur Neutralität nichts wissen will. Nicht einmal dann, als April 1955 die österreichische Regierungsdelegation nach Moskau gereist war, um die Weichen für den Staatsvertrag zu stellen.. Obwohl dort schon der Empfang auf einen günstigen Verhandlungsverlauf schließen lassen musste, drohte Schärf mit seiner Anhängerschaft nach Wien wieder abzureisen, wenn sich die andere Reichshälfte für die Neutralität aussprechen sollte. Das Gezänk um die Formulierung oder Auslegung der Neutralität dürfte sogar dem damaligen Staatssekretär Kreisky peinlich gewesen sein, denn im Gegensatz zu seinen sonst sehr ausführlichen Aufzeichnungen, finden diese "internen Auseinandersetzungen" kaum eine Erwähnung. Das unerwartet positive Verhandlungsergebnis von Moskau wurde daher auch nur im engeren Familienkreis gefeiert, während die Öffentlichkeit nach der Vielzahl der Enttäuschungen früherer Staatsvertragsverhandlungen sich reserviert abwartend verhielt, denn bis zum Happy End auf dem Balkon des Belvedere sollten noch einige Monate vergehen. Wenn sich die Historiker auch bis heute nicht im Klaren sind, welches Datum rechtverbindlich in die Geburtsurkunde des Bundesheeres eingesetzt werden soll, würde ich den 7. September 1955 zum Vorschlag bringen. Es ist der Tag, an dem das in aller Heimlichkeit gezeugte und z ur Welt gebrachte Produkt einer unerlaubten Beziehung, im Wehrgesetz von 1955, seinen legitimen Namen - Österreichisches Bundesheer -offiziell erhalten hat.

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Anmerkungen

(11) Franz Winterer; 11. Jänner 1892 bis 8. November 1971 Als k.u.k. Berufsoffizier 1918 in die Volkswehr übernommen. Und in weiterer Folge Bundesheeroffizier, politisch Als "Reichausbildungsleiter im Republikanischen Schutzbund" tätig, wird er 1938 in die Deutsche Wehrmacht als Major übernommen., 1945 als Oberstleutnant zum Unterstaatsekretär und Leiter des Amts für Heerwesen bestellt, danach bis 1949 Abgeordneter zum Nationalrat (SPÖ) > > > zurück zum Text

(12)Insgesamt wurden vier "Freiheitsbataillone" in Titos Partisanenarmee aufgestellt, von denen nur eines zum Kampfeinsatz gekommen ist. Die Bataillone sind mit Handfeuerwaffen und Maschinengewehren ausgerüstet. Das 2. Bataillon ist seit Anfang Mai 1945 in Wien stationiert, die anderen 3 Bataillone in Niederösterreich, wo sie als Sicherungstruppe formell der Exekutive unterstellkt sind. > > > zurück zum Text

(13)Erwin Pitsch; "Das Wiener Heeresamt 1945" > > > zurück zum Text

(14)Der Name geht auf den Vorsitzenden der Kommission, Generalleutnant Muff zurück, der als deutscher Militärattache in Wien über das österreichische Offizierskorps bestens informiert war. Die Muff-Kommission wurde 1938 zur Überleitung bzw. Pensionierung österreichischer Offiziere eingerichtet. Auf deren Vorschlag kam es zu Entlassungen von 147 Personen der österreichischen Militärelite. Unter den entlassenen Offizieren fanden sich u. a. die Obersten d.G. Liebitzky, Oskar Regele, Wilhelm Neugebauer und der Oberstleutnant Theodor Iglseder. > > > zurück zum Text

(15)Erst im Juni 1945 begannen die "Salzburger Nachrichten", noch eine amerikanische Militärzeitung aber unter der Federführung österreichischer Journalisten über die Ereignisse in Wien zu berichten, und der amerikanische Sender "Rot-Weiss-Rot" einflächendeckendes Programm auszustrahlen. > > > zurück zum Text

(16)Generalleutnant Eduard Aldrian; (geb. 26 April 1888 in Pola gest. 01 Oktober 1955 in Graz) Seit 1909 k.u.k. Offizier, 1938 als Oberstleutnant in die Deutsche Wehrmacht übernommen, bildet 1945 in britischer Kriegsgefangenschaft den o. a. Verband. > > > zurück zum Text

(17)Ähnliche Formationen bildeten die Briten auch in Norddeutschland, was zu den abenteuerlichen Spekulationen der Fortsetzung des Krieges gegen die Sowjets geführt haben dürfte. > > > zurück zum Text

(18)Mit der Truman Doktrin wurde es zum außenpolitischen Grundsatz der USA, allen Völkern, deren Freiheit von militanten Minderheiten oder durch einen äußeren Druck bedroht ist Beistand zu gewähren. Der Marshallplan, offiziell European Recovery Program (kurz: ERP) war das wichtigste wirtschaftliche Wiederaufbauprogramm, das den europäischen Staaten zugute kommen sollte, aber nur von den westeuropäischen Staaten angenommen wurde. > > > zurück zum Text

(19) Oberstleutnant Theodor Iglseder war Artillerieoberleutnant in der k.u.k. Armee und Oberstleutnant im Ersten Bundesheer. Er wurde 1945 rehabilitiert und arbeitete anschließend in der Staatskanzlei für Heereswesen. Iglseder bildete ein besonderes Vertrauensverhältnis als Sekretär von Staatssekretär Graf. 1956 wurde Iglseder als Oberst zum Stadtkommandant von Wien eingeteilt.
Johann Linsbauer kämpfte als Freiwilliger im Ersten Weltkrieg. Später führendes Mitglied im sozialdemokratischen Militärverband. 1934 aus politischen Gründen in Haft. Reaktiviert in der Wehrmacht
Ferdinand Linhart war Korporal in der Volkswehr und führendes Mitglied des sozialdemokratischen Militärverbandes. Als Hauptmann in die Wehrmacht übernommen hatte er es bis zum Oberstleutnant gebracht. 1955 im Amt für Landesverteidigung. 1959 Generalmajor
General d. I. Zdenko Paumgartten Leutnant im Bundesheer der 1.Pepublik, 1938 zur Deutschen Wehrmacht, Generalstabsausbildung, bei Kriegende Oberstleutnant i.G., 1945 zum Heeresamt als Fachreferent der Amtsstelle Tirol, 1957 Militärattache in Paris, danach Befehlshaber der Gruppe III in Salzburg, Bförderung zum General,1977 Ruhestand
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(20)Otto Rauscher, Gendarmeriegeneral i.R.; Die Errichtung der Gendarmerie-Alarmeinheiten > > > zurück zum Text

(21)Rauchensteiner, "Der Sonderfall" S 307 > > > zurück zum Text

(22)Otto Rauscher, Gendarmeriegeneral i.R.; Die Errichtung der Gendarmerie-Alarm > > > zurück zum Text

(23)vergleiche Rauchensteiner, "Der Sonderfall" S 306 und Otto Rauscher, Gendarmeriegeneral i.R.; Die Errichtung der Gendarmerie-Alarm > > > zurück zum Text

(24)Rauchensteiner, "Der Sonderfall" S 306 > > > zurück zum Text

(55)Von Heinrich Himmler Ende 1944 gegründete Kampforganisation, die in verschieden großen Einheiten Kleinkrieg, wie Attentate und Anschläge gegen die alliierten Verbände führen sollte. > > > zurück zum Text

(26)Siehe ZOOM - Zeitschrift für Politik und Kultur > > > zurück zum Text

(27)Rauchensteiner; Die B-Gendarmerie - Mehr als eine Episode > > > zurück zum Tex)

(28) Feststellung der körperlichen und gesundheitlichen Tauglichkeit > > > zurück zum Text

(29) General i.R. Siegbert Kreuter; "Ein B-Gendarm erinnert sich" > > > zurück zum Text

(30)Siegbert Kreuter eben da > > > zurück zum Text

(31)Gemäß dem Verbots- und Kriegsverbrechergesetz von 1945, mussten sich alle Nationalsozialisten registrieren lassen und entweder als Kriegsverbrecher, Belastete oder Minderbelastete eingestuft. Letzteren wurde in einer Amnestie von 1948 die bürgerrechte wieder erteilt, die übrigen fielen 1957 unter eine Generalamnestie. > > > zurück zum Text

(32)Der amerikanische Vertreter des Statedepartements, General Douglas Mac Arthur > > > zurück zum Text

(33)Der Knackpunkt am Scheitern der Staatsvertragsverhandlungen war die Forderung der Sowjets, erst aus Österreich abzuziehen, wenn ein Friedensvertrag mit Deutschland geschlossen wäre. Eine Forderung, die Österreich nicht akzeptieren konnte. > > > zurück zum Text

(34)Bei den Nationalratswahlen 1953 hatten die KPÖ unter dem Namen Wahlgemeinschaft der Volksopposition 4 Mandate erringen können. > > > zurück zum Text

(35)Rauchensteiner; "Der Sonderfall" S 3238 > > > zurück zum Text

(36)Obwohl diese Tatsache von mehreren Betroffenen bestätigt wird, schweigen sich die offiziellen Quellen beharrlich aus-(zurück zum Text)

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Die Militärakademie in Enns

Die k.u.k Unterrealschule Enns

  1. Die Offiziersakademie Enns 1922 - 1934
  2. Die Schulabteilung K der B-Gendarmerie 1953 - 1955
  3. Die Militärakademie
  4. Der Exekutivjahrgang
  5. Das Jahr der Ausmusterungen
  6. Die Wirtschaftsklassen
  7. Garnisonsleben
  8. Die große Ausmusterung
  9. Das Ende des Exils
  10. 50 Jahre danach
Bildergalerie

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In der nun 50-jährigen Geschichte des Bundesheeres und der fünfmal längeren der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt, - sie feierte Juni 2002 ihr 250-jähriges Bestandsjubiläum als ältestes Offiziersakademie der Welt, - scheint es mir erforderlich, jene Zeit in Erinnerung zu bringen, die das Institut im Exil verbringen musste.
Abgesehen von jener Zeit zwischen 1938 und 1952, in der Österreich über keine eigene Militärmacht verfügen durfte, konnte die Offiziersausbildung des Bundesheeres zeitweise nicht an der traditionellen "Pflanzstätte" , der Burg von Wiener Neustadt, durchgeführt werden. Die Ursachen lagen im Ausgang der beiden Weltkriege, von denen der Erste die Donaumonarchie und ihre Traditionen hinwegfegte und der Zweite Weltkrieg Wiener Neustadt selbst samt der Burg in Schutt und Asche legte.

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Die Offiziersakademie Enns 1922 - 1934

Im Friedensvertrag von St. Germain wurden der neuen Republik Österreich neben den bekannten militärischen Auflagen, wie beispielsweise die Beschränkung auf ein Berufsheer von 30 000 Mann, die Heranbildung des Offiziersnachwuchses in einer einzigen Militärschule zugestanden, deren es bis zum Ende des Ersten Weltkrieges insgesamt fünf gab.

Ausmusterung 1927 

Ausmusterung 1927 (Foto Bundesheer)

Dass zu dieser Zeit die Militärakademie in Wiener Neustadt als Inbegriff des Ortes an dem k.u.k. Tradition der Habsburgerdynastie hochgehalten und weitergegeben wurde, nicht in Frage kam, entsprach der politischen Auffassung der damaligen Staatsführung, dass die Wahl auf die 1908 errichtete k.u.k. Militärunterrealschule in Enns fiel, hatte ausgesprochen praktische Gründe. Denn das nach den damals neuesten Erkenntnissen des Schulbauwesens errichte Haus, - es entsprach im Wesen einem Oberstufenrealgymnasium, schien für die Heranbildung von jungen Offiziersanwärtern wie geschaffen. Immerhin hatte die Anstalt bis 1918 pro Jahr 160 Zöglinge unterrichtet und auf den Eintritt in die Militärakademie vorbereitet. Im Übrigen hatte man mit der Nachwuchsarbeit kaum Eile, da nach der Demobilisierung der k.u.k. Armee ein Überangebot an Offizieren aller Altersgruppen gab. Das Haus diente daher noch einige Zeit als Außenstelle des bischöflichen Knabenseminars Petrinum aus Linz.
Die Offiziersausbildung begann 1922 an der Heeresschule Enns, die aus einer zweijährigen einheitlichen militärischen Schulung und einer einjährigen Sonderfachausbildung in den jeweiligen Waffengattungen bestand. Von 1922 - 1934 wurden 400 Offiziere in Enns ausgebildet.
Im August 1934 kehrte die Militärakademie an ihren alten Standort in die Burg in Wiener Neustadt zurück und in dem nun leer stehenden Haus nahm eine Kompanie des Alpenjäger-Regimentes Nr. 8 Quartier.

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Die Gendarmerieabteilung K 1953 - 1956

Als im Zuge der Aufstellung der B-Gendarmerie auch der Ruf nach Offiziersnachwuchs laut wurde, entsann man sich wieder der alten "Heeresschule" in Enns. Diesmal waren es aber nicht ideologische Animositäten, sondern die nüchterne Tatsache, dass die Wiener Neustädter Burg noch immer ein Trümmerhaufen war und jedwede militärischen Aktivitäten in der sowjetischen Besatzungszone von vornherein ausgeschlossen waren. So wurde den wieder am 22. Oktober 1953 als "Gendarmerieabteilung K" der Betrieb aufgenommen. Zum Schulkommandanten wurde Major Erwin Starkl bestellt, der selbst 1934 als Leutnant an dieser ausgemustert wurde. Die Namen der meisten Lehroffiziere wie die Rittmeister Foltin und Scharf, die Oberleutnante Hauffler und Segur-Cabanac sollten in späteren Jahren in den obersten Führungsgremien zu finden sein. Lehrkörper Stab und Hilfspersonal wurden erst nach und nach den Erfordernissen des Schulbetriebes angepasst, da am Anfang dem Schulkommandanten und seinem Lehrstab nur ein einziger Arbeitsraum zur Verfügung stand und das gesamte Gebäude erst einmal renoviert werden musste. Bemerkenswert ist, dass Mitte 1955 die Renovierung abgeschlossen war.

Jahrgang A Der Jahrgang A (Foto Bundesheer)

Der erste Offizierslehrgang - später als Ausmusterungsjahrgang A bekannt, - begann am 23. Oktober und endete nach 14-monatiger Ausbildung am 17. Dezember 1954. Die Frequentanten wurden als "Offiziersdienst tuende Zugskommandanten, - heute würde man sie als Fähnriche im 3. Jahrgang bezeichnen, - zu den verschiedenen Gendarmerieschulen. Ihre formelle Ausmusterung erfolgte allerdings erst am 3. Februar 1956 in der Sporthalle der Maria Theresienkaserne, die damals noch Fasangartenkaserne genannt wurde. Der Grund für diesen späten Zeitpunkt lag in der Tatsache, dass die formelle Aufstellung des Bundesheers erst mit Jahresbeginn 1956 und dem Ministerratsbeschluss für die Heeresgliederung 56 eingeleitet wurde. Ab diesen Zeitpunkt waren auch die militärischen Bezeichnungen der Truppenkörper sowie die Dienstgrade wieder zu führen. Mit der Bezeichnung "Jahrgang A" sollte auch die Tatsache zu unterstrichen werden, dass mit dieser Ausmusterung die ersten Offiziere der Nachkriegsgeneration ihren Dienst aufgenommen hatten. In der Zwischenzeit standen bereits zwei weitere Jahrgänge und ein Auswahlkurs in Ausbildung. Waren die Offiziersanwärter der Jahrgänge B und C noch als echte noch B-Gendarmen von den verschiedenen Gendarmerieschulen gekommen, waren die Teilnehmer des Auswahlkurses ausnahmslos von ihrem Sammelort, der Grenzschutzabteilung 2 in Linz Ebelsberg gekommen. Hierher hatten sie sich als Offiziersbewerber nach der Unterzeichnung des Staatsvertrages gemeldet.

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Die Militärakademie 1956 - 1958

Mit der Absegnung der Heeresgliederung am 11. Jänner 1956 waren die Voraussetzungen geschaffen, dass sich das Bundesheer auch als solches bezeichnen konnte. Damit konnte auch die Heeresschule in Enns aus ihrer Anonymität heraustreten und von da an die Bezeichnung Militärakademie führen. Auch wenn drei Jahre vergehen mussten, bis der traditionsreiche Name wieder geführt werden konnte, war die Offiziersausbildung vom Anbeginn vom Geist der Theresianischen Tradition geprägt. Dafür sorgte der Lehrkörper, der zum Großteil noch dem Bundesheer der Ersten Republik angehört hatte.
Schon die hierarchische Ordnung der Jahrgänge lässt darauf schließen, dass die Theresianische Tradition vom Anbeginn gepflegt wurde. Die Basis dieser Ordnung bildete der Auswahlkurs, - heute immer noch als Auswahlsemester für die "Qualitätssicherung" der Militärakademie eine stehende Einrichtung. Die Angehörigen dieses halbjährigen Kurses wurden offiziell Frequentanten genannt, vom Dienstgrad her war man Gefreiter. Die nächste höhere Stufe bildeten die Angehörigen des ersten Jahrgangs. Sie waren vorwiegend Korporäle und durch goldene Ärmelstreifen als Militärakademiker gekennzeichnet. Darüber aber standen die "Burgherren" des zweiten Jahrganges, die sich von allen Übrigen durch ihr gesteigertes Selbstbewusstsein abhoben, da sie bereits das Datum ihrer Ausmusterung erahnen konnten. Vor allem aber genossen sie das Privileg, an der Offizierstafel zu speisen. Natürlich nicht alle auf einmal, sondern 3 bis 4 im täglichen Wechsel. Trotz allem aber war das Verhältnis zwischen den Jahrgängen kameradschaftlich locker und der Umgangston zwischen Lehrkörper und Schüler angemessen Akademisch.

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Der Exekutivjahrgang

Diese Idylle schien eine Unterbrechung zu erfahren, als im Herbst 1956 der so genannte Exekutivjahrgang einberufen wurde. 1956 waren von rund 800 systemisierten Offiziersplanstellen erst 239 besetzt. Diese Lücke im konnte weder durch die Einstellung ehemaliger Offiziere der Deutschen Wehrmacht noch aus dem derzeitigen Stand der Militärakademie geschlossen werden. Man entschloss sich daher, einen weiteren Jahrgang aus Angehörigen der Exekutive aus den Bereichen der Bundessicherheitswache, der Bundesgendarmerie, des Kriminalbhatteneamtenkorps und der Zollwache zu bilden. Die Bewerber sollten aus den Geburtsjahrgängen 1925-1935 stammen und die Matura haben.Da sie an den Polizei- und Gendarmerieschulen eine vormilitärische Ausbildung erhalten hatten, glaubte man mit einer verkürzten Ausbildung an Militärakademie das Auslangen zu finden.
Aus Platzmangel mussten Die 200 Neuankömmlinge in der benachbarten Kaserne in Linz/Ebelsberg untergebracht werden, wo auch ihre Ausbildung stattfand. Das Personal hiefür stellten die Militärakademiker des 2. Jahrganges, die damit ihr Praktikum absolvierten.. Dieser Neuzuwachs an der Akademie kam nicht nur überraschend, er wurde auch seitens der Eingesessenen mit einem gewissen Misstrauen beobachtet. Der Grund hiefür mag nicht nur der Altersunterschied gewesen sein, sondern vielmehr die Tatsache dass diese "Alten Hasen" einen politischen Background als Mitgift aus ihrer früheren Tätigkeit bei Polizei, Gendarmerie oder Zollwache, mitgebracht hatten. Dies und die Tatsache, dass die meisten von ihnen dem Alter jugendlicher Narrenfreiheit entwachsen waren, bedeutete auch einen gewissen Startvorteil, der ihren späteren Karrieren, - fast ein Viertel haben Dienstgrade im Generalsrang, vom Brigadier bis zum General erreicht, - zugute kam.
Dieser aufkeimende Neidkomplex und die örtliche Lage bewirkten, dass der Kontakt zwischen dem Stammhaus in Enns und den Ebelsbergern, wie er nun genannt wurden, nicht gerade herzlich genannt werden konnte.
Die Dissonanzen zwischen Enns und Ebelsberg fanden allerdings ein unvermutetes wie dramatisches Ende, als mit dem Ausbruch der Ungarnkrise die gesamte Militärakademie in den Grenzraum im Burgenland verlegt wurde. Bei der Gliederung der Alarmkompanien wurde nämlich Bedacht genommen, kriegserfahrene Ebelsberger unter uns Greenhorns zu mischen, eine Maßnahme die unseren Kampfwert für den im Ernstfall erhöhen sollte, auf alle Fälle aber die bisherigen Animositäten gegenüber den kameradschaftlichen Beziehungen in den Hintergrund treten ließ.
Nach Beendigung dieses Einsatzes war das neue kameradschaftliche Verhältnis durch einen Vorfall belastet, der die Kluft zwischen Ennsern und Ebelsbergern noch mehr vertiefte als früher.
Auslöser war ein Handballspiel zwischen einer Auswahl aus Enns und Ebelsberg, das eigentlich zum Zeck der Vertiefung der Beziehungen angesetzt war. Aus diesem Grunde befand sich auch der Kommandant der Militärakademie mit zahlreichen Lehroffizieren unter den zahlreichen Zuschauern.
Major Erwin Starkl war, wie schon erwähnt ein Offizier alter österreichischer Schule. Obwohl angeblich der Roten Reichshälfte verbunden, hinderte das die linke Presse nicht, ihn zur Zielscheibe ihrer Polemiken gegen das noch kaum existierende Bundesheer zu machen. Dazu schien seine äußere Erscheinung, - er trug ein schwarzes Monokel, das sein fehlendes Auge verdecken sollte und mit Vorliebe stets Reithosen und Stiefel, Grund genug, ihn als Vorlage für eine Karikatur auszuersehen, die das Feindbild des "Arbeitermörsers" und reaktionären Kriegstreibers verkörpern sollte. Er trug das alles mit Fassung, wie auch weiterhin die Markenzeichen Monokel, Stiefel und Reithosen. Was ihn allerdings aus der Ruhe bringen konnte, war ungehobeltes Auftreten in seiner Umgebung. In unserem Fall waren es die lautstarken Unmutsäußerungen im Publikum über die Fehlentscheidungen des Schiedsrichters, die Starkls Auffassung von offiziersmäßigen Umgangsformen und noblen Sportsgeist zuwider liefen. "Das wollen Offiziere werden? - Pfui Teufel!" Mit diesen Worten verließ er den Sportplatz und einige Tage später auch die Militärakademie. Da hatte sich offenbar jemand beleidigt gefühlt, der die noch besseren Beziehungen hatte.
Ob das der wirkliche Grund für die Ablöse des allseits beliebten und geachteten Schulkommandanten war, oder ob es sich um eine bereits geplante Personalmaßnahme handelte, konnte damals nicht in Erfahrung gebracht werden, die Art ihrer Durchführung wurde allgemein als schäbig empfunden.
Diesem Missverhältnis ein Ende zu machen, hatte sich der neue Schulkommandant Oberst Heck vorgenommen und versuchte jede erdenkliche Gelegenheit zu nützen. Eine solche bot sich mit dem Auftritt eines Zauberkünstlers, der am frühen Nachmittag zuerst die Ennser, in einer zweiten Vorstellung dann die Ebelsberger beglücken sollte. Da in Ebelsberg kein geeigneter Saal zur Verfügung stand, mussten Letztere nach Enns transportiert werden. Als nach der zweiten Vorstellung die Ebelsberger wieder ihren Rückmarsch antraten, muss irgendjemand im Umfeld des Schulkommandanten bemerkt haben, dass gerade eine einmalige Gelegenheit zu einer Versöhnungsfeier vorbei gegangen sei. Kurz entschlossen veranlasse Heck die sofortige Rückkehr der Kolonne, die bereits die Einfahrt der Kaserne in Ebelsberg erreicht hatte. In Enns wieder angekommen sollte nun die schon so lange geplante Kameradschaftsfeier starten. Die Sache hatte nur einen Haken, weil ausgerechnet an diesem Abend die Hausherren wenig Lust am Feiern hatten. Während nämlich der Zauberkünstler das Ebelsberger Publikum unterhielt, hatten die anderen 2 Stunden ermüdenden Fechtunterricht zu absolvieren. Die meisten lagen daher schon im Bett, als die Feier starten sollte.
Nun zeigte Oberst Heck erneut Entschlusskraft und ließ mit dem Aufruf, "holt die Ennser aus den Betten" die Schlafsäle stürmen. Im Jubel wurde der Jahrgangssprecher Militärakademiker Hannes Philipp samt dem Bett und im Pyjama in den Festsaal gebracht, die übrigen ließen es sich auch nicht zweimal sagen, der Einladung zu folgen. In dem darauf folgenden Massenbesäufnis konnten schließlich alle Misstöne beseitigt werden, so dass die wenige Wochen später angesetzte gemeinsame Ausmusterung in voller Harmonie über die Bühne gehen konnte.

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Das Jahr der Ausmusterungen

Im Jänner 1957 wurden mit dem Jahrgang B 21 Leutnante ausgemustert, denen ein gutes halbes Jahr später mit dem Jahrgang C etwa an die 30 Absolventen folgten.

Jahrgang B Klasse13

Bild oben: Der Jahrgang B (Foto BMLV)  .  .Bild rechts: Die Klasse 13 (Foto privat)

Der 2. Jahrgang bestand nun aus den 12 Klassen, die sich in Ebelsberg befanden, während die Klasse 13 unter der Führung von Klassenoffizier Leutnant Schmied als "Burgherren" das Stammhaus in Enns beherrschte. Das kann man auch so sagen, nachdem im November etwa eine Hundertschaft neuer Untertanen als Auswahlkurs eingezogen war. Das Kommando über sie führte Oberleutnant Segur-Cabanak. Da es mit der Zimmerordnung beim Kurs nicht zum Besten stand, griff er zu der bewährten Maßnahme, der Kontrolle durch die Burgherren.
Bei der Errichtung der Militärunterrealschule hatte man zwar dem damaligen modernen Unterrichtswesen Rechnung getragen, was die Schlafgelegenheit betraf hielt man sich aber auf die alt bewährte Art der Massenunterbringung. Die Schlafsäle waren für etwa 30 Mann geplant, die Belegung im Bedarfsfalle durch Stockbetten verdoppeln verdoppelt werden konnte. Der Vorteil dieser Unterbringungsart lag offensichtlich in seiner Übersichtlichkeit, der Nachteil für jene, die damit auskommen mussten war offensichtlich aber für das System irrelevant. Es war aber gestattet, die Schlafsäle mittels der Spinde abzuteilen, um die nächtlichen Nebengeräusche und Ausdünstungen etwas zu lokalisieren.

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Die Wirtschaftsklassen

In diesem Zeitraum von 1953 - 1957 wurden auch 2 Lehrgänge für Offiziere des Wirtschaftsdienstes geführt, die allerdings von den Angehörigen und Frequentanten der Militärakademie kaum wahrgenommen wurden und das aus zweierlei Gründen. Der erste Kurs wurde parallel zum Jahrgang A abgehalten und endete am 8. März 1955 mit der Überstellung zur praktischen Erprobung in den Rechnungsstellen der Gendarmerieschulen und Wirtschaftsanstalten. Das Ende des Kurses wurde von den inzwischen neu angekommenen Frequentanten des nächsten Offizierslehrganges kaum wahrgenommen, da diese als Neuankömmlinge mehr mit sich selber beschäftigt waren. Der zweite Wirtschaftsoffizierskurs begann im Herbst 1956 als Auswahlkurs in der Wiener Breitenseerkaserne, dem späteren Sitz der Heeresversorgungsschule, und wurde ab Jänner 1957 als Offizierskurs fortgesetzt. Die Ausmusterung erfolgte gemeinsam mit den Jahrgängen D und E am 20. Dezember 1957. Der eigentliche Grund, warum von der Ausbildung der Offiziere des Wirtschaftsdienstes wenig Notiz genommen wurde lag aber in der traditionell bedingten Geringschätzung, die diesem so wichtigen Zweig der Logistik entgegengebracht wurde. Besonders die Angehörigen der ehemaligen Deutschen Wehrmacht, in der der "Zahlmeister" keinen Offiziersrang hatte, machten kein Hehl daraus, den "Wirtschaftler" als zweitrangig abzutun. Erst im Laufe der Jahre und nicht zuletzt mit dem "Aussterben" der Krieggedienten wurde der Logistik im Allgemeinen und dem Wirtschaftsdienst im Besonderen jene Bedeutung beigemessen, ohne die ein modernes Heer nicht funktionieren kann.

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Garnisonsleben

Diese Weise der Unterbringung galt ausnahmslos sowohl für Neulinge wie auch für die Burgherren, wobei mit Fortdauer der Ausbildungszeit die Platzverhältnisse infolge der natürlichen Auslese sich stetig verbesserten. Für die Freizeitgestaltung stand die Kantine zur Verfügung, lernen konnte man jahreszeitlich bedingt entweder im weitläufigen Akademiepark oder in den Lehrsälen. Im Übrigen trachtete man die Freizeit möglichst außer Haus zu verbringen, da man in den Ennser Lokalen als Gehaltsempfänger mit einer monatlichen Gage von mehr als 1000 Schilling ein willkommener Gast war. Mit der Zeit hatte sich seit der Wiedereröffnung der "Heeresschule", wie die Militärakademie im Volksmund bis zum heutigen Tag genannt wird, ein reges Garnisonsleben und ein herzliches Verhältnis zu den Einwohnern dieser Kleinstadt entwickelt, wobei so manche Beziehung, einige sogar fürs Leben geknüpft wurde. Dieser Entwicklung wurde auch seitens des Akademiekommandos nichts in den Weg gelegt. Man war im Gegenteil großzügig in der Bemessung der Ausgangserleichterungen und bemüht, die Bevölkerung stets bei Laune zu halten.Der Zutritt zum Akademiepark war beispielsweise nicht verboten, das Eingangstor war unbewacht, die Familien der Offiziere wohnten in einem eigenen Gebäudetrakt und es gab auch ein Schwimmbad, das im Sommer auch von der Jugend aus der Nachbarschaft frequentiert

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Die große Ausmusterung

Es war vermutlich die größte Ausmusterung des Bundesheeres, als am 20. Dezember 1957 mehr als 250 Leutnante und Fähnriche ihr "Offizierspatent" erhielten.
Da waren die 12 Klassen des Exekutivjahrganges mit 195, die Klasse 13 mit 29 und die Wirtschaftsklasse mit etwa 25 Offizieren die in einem kontinuierlichen Verfahren und an ein und derselben Anstalt ausgebildet wurden. Es war überhaupt der Abschluss einen Nachwuchsarbeit, die damaligen Rahmenbedingungen entsprechend im Bundesheer einmalig war denn seit ihrer Gründung als Schulabteilung K bis zu Übersiedelung nach Wiener Neustadt wurden in den 5 Jahren mehr als 300 Offiziere als Leutnante oder Fähnriche ausgemustert. Das bedeutet, dass in dieser Zeit der Jahresschnitt an Absolventen um 20 % höher lag als in den Jahren danach bis zur Gegenwart.
Man kann es auch anders ausdrücken: Am 20. Dezember 1957 wurden von den 561 noch offenen Offiziersplanstellen 250 besetzt und von den noch offenen sollte noch ein gutes Drittel mit jenen Militärakademikern besetzt werden, die nach dieser Ausmusterung als 1. Jahrgang noch ein ganzes Jahr in Enns verbleiben werden.

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Das Ende des Exils

Dass die Militärakademie Enns keine Dauereinrichtung sein wird, war zumindest von dem Tag an klar, als die Aufstellung des Bundesheeres gesetzlich und praktisch eingeleitet wurde. Der Wiederaufbau der Burg in Wiener Neustadt wurde daher von Anbeginn mit Nachdruck betrieben.
Mitte des Jahres 1958 wurde daher beschlossen, die Heeres Unteroffiziersschule als Nachfolgerin in dem bewährten Schulgebäude einzurichten, wo sie bis heute als Heeresunteroffiziersakademie ihre Aufgabe erfüllt.
Am 1. Dezember 1958 wurde dann die Rückverlegung abgeschlossen. Der Abschluss des Kapitels der Zeit im Exil aber erfolgte erst, als der Jahrgang, der noch ein ganzes Jahr in Enns verbracht hatte, mit der ersten Ausmusterung seit der Wiedereröffnung am 18. März 1959 zur Truppe entlassen wurde.
In den 5 Jahren und 2 Monaten Offiziersausbildung in denen zeitweise der Traditionsname nicht geführt werden konnte, war doch der Geist, in dem sie geführt wurde, stets vom Leibbild der Gründerin getragen. Es ist daher nicht nur legitim sondern liegt auch im Interesse zeitgeschichtlicher Dokumentation, diese Periode österreichischer Militärgeschichte entsprechend zu würdigen.

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Bildergalerie

50 Jahre danach

Die Ausmusterungsjahrgänge A, B und C dürften ihr 50-jähriges Ausmusterungsjubiläum in aller Stille gefeiert haben, zumindest blieben sie in den Bundesheermedien unerwähnt. Was den Jahrgang D, - besser bekannt als Klasse 13, - anbelangt sind die Vorbereitungen schon im Gange, vom Exekutivjahrgang dürfte ebenfalls einiges zu erwarten sein. Das Bundesministerium für Landesverteidigung hat diesem Jubiläum durch die Herausgabe eines Buches Rechnung getragen, das den Absolventen der Militärakademie von 1956 bis 1957 gewidmet ist. In der Tradition des Chronisten der Militärakademie, Major Johann Swoboda, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die Schicksale der Zöglinge aufzuzeichnen, hat der Autor Stefan Bader den Werdegang der Absolventen der Militärakademie Enns aufgezeichnet. Näheres über dieses Buch unter http://www.hgm.or.at/ger/ >Publikationen

45.Jahrgangstreffen Treffen der Klasse 13 zum 45.Jubiläum Dezember 2002

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Der Anschluss 1938

- oder die Legende von der wehrlosen Republik

  1. Provokation oder Versagen
  2. Der Bundespräsident hat einen Vorschlag
  3. Österreichs Landesverteidigung
  4. Der Fall "Otto" und seine Schwächen
  5. "Warum habt ihr nicht geschossen?"
  6. Versprecher oder versteckte Aufforderung zum Widerstand
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Provokation oder Versagen
War es nur ein verbaler Ausrutscher eines 90 jährigen Greises oder war es der Versuch eines halsstarrigen Legitimisten, was da die Gemüter anlässlich der Gedenkveranstaltungen über den Anschluss 1938 erregt hat?

Provokation oder Versagen Wenn man davon ausgeht, dass es überhaupt ein fragwürdiges Unterfangen ist, einen Staat als Opfer oder Täter zu klassifizieren, kann es einem rationalen Denker wie Otto von Habsburg nicht verübelt werden, wenn er Schwierigkeiten damit hat, die einzelnen Komponenten und Hintergründe der Ereignisse von 1938 so zu interpretieren, wie es die geltende Lesart der Geschichte verlangt. Man kann auch davon ausgehen, dass Otto von Habsburg keine Zweifel an der Tatsache hegt, dass der Anschluss zumindest von einem beträchtlichen Teil von Österreichern herbeigeführt und von einer noch größeren Anzahl begrüßt und bejubelt wurde.
Er kann es daher auch nicht akzeptieren, dass ein nicht existierendes Staatswesen beschuldigt werden kann, den Zweiten Weltkrieg mitverursacht zu haben, wie es in der Moskauer Deklaration formuliert wurde. Man kann das als Spitzfindigkeit abtun, ein Experte in Staatsrecht wie Otto von Habsburg kommt nicht drum herum, sich an derartigen Formulierungen zu stoßen. Was aber offensichtlich überhört wurde, ist der an Schuschnigg gerichtete Vorwurf, er habe den Einmarsch der Nazis mit der Ankündigung der Volksabstimmung provoziert.
Diesem Vorwurf könnte man noch Einiges hinzufügen, wie etwa das Versäumnis, die verfeindeten Lager rechtzeitig zur Einigung zu bewegen. Statt dessen übte man sich in der Nachäffung des nationalsozialistischen Gepräges und eines Wortschatzes, der mehr einer Parodie gleichend, als Ausdruck überzeugenden Patriotismus war.

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Der Bundespräsident hat einen Vorschlag
Ob die Ankündigung der Volksabstimmung oder Schuschniggs Parolen, bis hierher und nicht weiter und Rot-Weiss-Rot bis in den Tod , Hitler provoziert hatten, kann schon deshalb bezweifelt werden, weil sie von der gleichen Rhetorik getragen wurde, deren Gebrauch er selbst gewohnt und daher nicht ernst zu nehmen brauchte. Sein Entschluss ab jenem Zeitpunkt fest, als er merkte, dass den verbalen Ausbrüchen keine konkreten Maßnahmen folgten.1
Dass solche Maßnahmen, wie etwa die Mobilmachung des Bundesheeres und eine Informationskampagne an die Weltöffentlichkeit, - der Entwicklungsstand des Rundfunks bot bereits damals diese Möglichkeit, - zu treffen seien, war der amtierende Bundespräsident Miklas überzeugt, genau so wie der auf Weisung Hitlers zu entlassene Generalstabschef des Bundesheeres, FML Alfred Jansa.2

Alfred JansaAlfred Jansa Edler von Tannenau
(geb 16. Juli 1884 in Stanislau, Galizien, Österreich-Ungarn; gest. 20. Dezember 1963 in Wien)
Hier noch in der alten Uniform des Bundeheeres um 1933
Wilhelm ZehnerGeneral Wilhelm Zehner
geb 2. 9. 1883 Bistritz (Bistrita, Rumänien), gest 11. 4. 1938 Wien (ermordet))
Im 1. Weltkrieg Hauptmann, Teilnahme am Kärntner Abwehrkampf, Regiments- und Brigadekommandant (1933); ab 10. 7. 1934 Staatssekretär im Verteidigungsministerium, ab Oktober 1934 General. Unter seiner Amtsführung wurde das Bundesheer wesentlich verstärkt; mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten verabschiedet, vermutlich wegen seiner Stellung zum Juliputsch 1934 von Nationalsozialisten ermordet.

In seinen Memoiren berichtet er uns über ein Gespräch, das er mit Bundespräsident Millas anlässlich seines Abschiedsbesuches am 14. Februar geführt hatte, - also 2 Tage nach dem unseligen Besuch Schuschniggs bei Hitler: Auf die Frage, was nun nach dem Berchtesgadener Abkommen vom 12. Februar geschehen solle, sagte Miklas: "Schuschnigg ist von Hitler in Berchtesgaden unter Druck gesetzt und ihm die Zustimmung zur Nazifizierung abgepresst worden. Ich antwortete: "Und das lässt man sich gefallen? Das will man so ohne weiters annehmen?" Miklas: "Ich habe Schuschnigg gesagt, er möge sich vors Mikrophon stellen und die Weltöffentlichkeit von dem Geschehenen orientieren." Mir (Jansa) entschlüpfte ein herzliches "Bravo! Das wird doch hoffentlich auch geschehen; und denken Sie, Herr Oberbefehlshaber, an das Bundesheer! Es steht bereit!" Da stand Miklas resigniert auf mit den Worten: "Schuschnigg will nicht, und ich habe nach der Verfassung keine Handlungsfreiheit. Die Politik ist Sache." Jansa erklärt in seinen Memoiren ausdrücklich, dass es ihm fern liegt, "ein Werturteil über die Politik von Bundeskanzler Dr.Kurt Schuschnigg abzugeben. Wenn da und dort in der Darstellung mein Missmut über dies oder jenes Ausdruck findet, so kann das nicht als Werturteil über die persona des Kanzlers genommen werden." Sein Zeugnis ist daher glaubhaft und historisch unverdächtig, was von den zahlreichen Abhandlungen, die den Interessen ihrer Auftraggeber entsprechen, nicht behauptet werden kann.

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Österreichs Landesverteidigung
Als Chef des Generalstabes hatte er verschiedene Operationspläne ausgearbeitet, die gemeinsam hatten, dass zur Verteidigung der Integrität und Souveränität der Republik die Mobilmachung vorauszugehen habe.
Zu Beginn 1938 wäre das Bundesheer in der Lage gewesen, seinen Präsenzstand von 60 000 Mann zu verdoppeln und um weitere 100 000 Mann der Frontmiliz zu verstärken.
Ob in den Krisentagen von1938 die erforderliche Zeit ausgereicht hätte, beantwortet der General mit einem ausdrücklichen Ja. Der Grenzschutz benötigte 6 Stunden, das Bundesheer zum kompletten Aufmarsch mit seinem Alarmstand 4 Tage, die Ersätze auf vollen Kriegsstand weitere 6 Tage. Was den Zeitpunkt anbelangt, an dem die Politik die Mitteln wechseln sollte, - Jansa meinte damit die Einleitung militärischer Maßnahmen mit der Mobilmachung, - gab es ebenso keine Zweifel: Bundespräsident Miklas hatte den Moment erfasst, als er dem Bundeskanzler den Rat gab, die Welt über das Mikrophon von der Berchtesgadener Erpressung in Kenntnis zu setzen. Dafür stand der Zeitraum zur Verfügung, den Miklas durch die Hinauszögerung der Ernennung Seyss-Inquarts zum Innenminister erzwungen hatte.
Was die Erfolgsaussichten eines Widerstandes anbelangt, sieht sie Jansa durchaus optimistisch, die Munitionsprobleme, - immerhin reichte sie für zwei Großkampftage, gerechnet bei gleichzeitigem und gleichmäßigem Einsatz aller Kräfte; bei der angestrebten hinhaltenden Kampfführung hätte die Munition wesentlich länger gereicht. Jansas Beurteilung könnte man zweckoptimistische Beweggründe unterstellen, handelt es sich doch um die Bewertung seiner eigenen Arbeit.

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Der Fall "Otto" und seine Schwächen
Wie aber stand es mit dem Aufmarsch der Deutschen Wehrmacht? Im Gegensatz zu den von Jansa ausgearbeiteten Operationsplänen verfügte der deutsche Generalstab lediglich über ein Planungskonvolut, genannt Fall "Otto" das Hitler 1937 in Auftrag gegeben hatte: Bewaffnete Intervention gegen Österreich für den Fall, dass dieses die Monarchie wiederherstellen sollte. Ziel dieser Intervention wird sein, Österreich mit Waffengewalt zum Verzicht auf eine Restauration zu zwingen. Hierzu ist unter Ausnützung der innerpolitischen Spaltung des österr. Volkes in allgemeiner Richtung auf Wien einzumarschieren und jeder Widerstand zu brechen. Teile der Luftwaffe sind zur unmittelbaren Unterstützung des Heeres einzusetzen.3 Nach diesen Planungsgrundlagen sollten, nachdem am 10. März der Mobilmachungsbefehl ergangen war, der Einmarsch in Österreich organisiert werden. Als Hitler am 10. März den Befehl zur Mobilmachung gab, wollte sich General Keitel bei Generalstabschef Beck informieren, welche Maßnahmen für den Fall eines Einmarsches in Österreich für den Fall "Otto" vorbereitet seien. Beck erwiderte, es sei nichts, gar nichts vorbereitet. Beck standen nur 5 Stunden zur Verfügung, um den Aufmarsch und das weitere Vorgehen der 8. Armee in entsprechende Befehle umzusetzen und erklärte, er könne nur improvisieren. Weiters verlangte er Weisungen, was für den Fall des Eingreifens italienischer oder tschechischer Truppen zu tun sei. 4
Damit ist das militärische Fiasko erklärt, das der Kurier in seiner Ausgabe vom 10. März 2008 als Die pannenreiche Besetzung anschaulich beschrieben hat.

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"Warum habt ihr nicht geschossen?"
Am meisten waren offenbar die deutschen Kommandeure freudig überrascht, als sie anstatt auf Widerstand zu treffen, von österreichischen Offizieren herzlich empfangen wurden. Manche von ihnen hatten es genauer wissen wollen, wie Jansa im Schlusswort seiner Memoiren schreibt:
In Deutschland gab es (bereits damals) Männer die nur auf eine Gelegenheit warteten, um Hitler zu fassen. Nur daraus sind die erbitterten Fragen einzelner deutscher Generäle und Offiziere beim Einmarsch in Österreich zu verstehen: "Warum habt Ihr denn nicht geschossen?!" Möglicherweise hatte Jansa geahnt, dass Hitlers Generalität wenig Freude an seinen Vorhaben hatte. Was es aber nicht wissen konnte, war die Tatsache dass der Generalstabschef selbst, General Ludwig Beck ernsthaft an der Entmachtung Hitlers arbeitete und dabei eine größere Zahl von Sympathisanten hinter sich wusste. Diese fühlten sich wie er, von der skandalösen Intrige um den Oberbefehlshaber der Wehrmacht 5 Werner von Fritsch abgestoßen und verurteilten Hitlers aggressiver Politik.6
Wie sich Hitlers Generalität im Falle eines organisierten militärischen Widerstandes verhalten hätte, in den Bereich der Was-Wäre-Wenn-Spekulationen abschieben zu wollen, ließe die Sache zu einfach machen, wenn man bedenkt, dass ein rechtzeitiger Mobilmachungsbefehl völlig neue Voraussetzungen geschaffen hätte, als jene, die Hitler zur Formulierung seines Einmarschbefehles annehmen konnte: 5.) Das Verhalten der Truppe muss dem Gesichtspunkt Rechnung tragen, dass wir keinen Krieg gegen ein Brudervolk führen wollen. Es liegt in unserem Interesse, dass das ganze Unternehmen ohne Anwendung von Gewalt in Form eines von der Bevölkerung begrüßten friedlichen Einmarsches vor sich gehen. Daher ist jede Provokation zu vermeiden. Sollte es aber zu Widerstand kommen, so ist er mit größter Rücksichtslosigkeit durch Waffengewalt zu brechen. Wäre die Luftwaffe tatsächlich bereit gewesen, Wien oder andere Städte zu bombardieren, wie sie 1939 Warschau und 1941 Belgrad in Schutt und Asche gelegt hatte?7
Als Hitler seinen Befehl am 11. März gab, waren aber die Weichen für einen ungehinderten Einmarsch bereits gestellt und jede Form von Widerstand hätte den Anschein der Irregularität angenommen.

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Versprecher oder versteckte Aufforderung zum Widerstand
So gesehen bekommt Schuschniggs theatralische Rundfunkrede vom 11. März 1938 eine andere Qualität, wenn sie genau unter die Lupe nimmt: Wir haben, weil wir um keinen Preis, auch in dieser ernsten Stunde nicht, deutsches Blut zu vergießen gesonnen sind, unserer Wehrmacht den Auftrag gegeben, ohne wesentlichen Widerstand, ohne Widerstand, sich zurückzuziehen und die Entscheidungen der nächsten Stunde abzuwarten. Gott schütze Österreich! War das nun ein Versprecher oder die indirekte Aufforderung, vielleicht doch ein wenig zu schießen, damit das Gesicht gewahrt bleibt. Hätten ein paar Patrioten, gleich ob Militär oder Zivilpersonen tatsächlich bewaffneten Widerstand geleistet, wären sie als Märtyrer in die Geschichte eingegangen, geändert hätte sich aber nicht viel. Denn Hitlers Schergen waren bereits in Österreich bevor noch ein Wehrmachtstiefel das Land betreten hatte.8 Als im spektakulären Hochverratsprozess von 1946/47 gegen den letzten Außenminister des Ständestaates Guido Schmidt, quasi auch Schuschniggs Politik auf der Anklagebank saß, sorgten eine Reihe von Zeugenaussagen prominenter ÖVP-Politiker, - unter ihnen auch Leopold Figl, - dass mit dem Freispruch des Angeklagten, auch die Politik der Ersten Republik und damit auch Schuschniggs Unterlassungen Absolution erhielten. Dieser Freispruch kam der Politik des besetzten Österreichs natürlicherweise sehr gelegen, um auf den Zug der Opferrolle aufzuspringen. Wenn nun die Weichen der Bahn der Geschichte umgestellt sind, sollte man nicht vergessen, auch mit der Legende der Wehrlosigkeit aufzuräumen. Das Bundesheer der 2. Republik hat sich in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens redlich bemüht, seinen Aufgaben der Landesverteidigung und den Verpflichtungen der Neutralität in mindestens 3 Krisenfällen nachzukommen. Vollständig und überzeugend gelungen ist es nur 1956, als im Zuge der Ungarnkrise die Wahrung unserer Neutralität auf dem Prüfstand kam. Als 1968 die Tschechoslowakei von den Sowjets und ihren gehorsamen Satteliten überrannt wurde, veranlasste eine ähnliche Erpressung, wie seinerzeit auf dem Berghof, die österreichische Regierung von einer Mobilmachung des Grenzschutzes und der Besetzung des Grenzraumes Abstand zu nehmen. Dass dabei eine ganze Garnison von der Truppe geräumt werden musste, scheint unter heutigen Verhältnissen unglaublich.9 Unglaublich ist auch das Geschehen in den Wochen und Tagen, die dem Anschluss vorausgingen und die dann folgten, bis es selbst den Nazis in Berlin zu widerlich wurde. In chronologischer Folge und detailliert schildert Rainer Mayerhofer in der Wiener Zeitung die dramatischen Vorgänge in der Bundesregierung das beharrliche Weigern des immer noch amtierenden Bundespräsidenten Miklas Seyss-Inquart mit der Regierung zu beauftragen. Kaum aber kommen die militärischen Intentionen der Bundesheerführung zur Erwähnung, so als wäre der bereits in Pension geschickte Generalstabschef Alfred Jansa der einzige, der sich Gedanken macht. So kommen wir wieder an den Ausgangspunkt zu Otto von Habsburg zurück um ihm zu widersprechen. Und zwar nicht wegen seiner Interpretation der Opferrolle, über die es sowieso keine Zweifel gibt, sondern dass auch er nicht erkannt hat, was den Untergang der Ersten Republik wirklich herbeigeführt hat. Nicht die Ansage der Volksabstimmung und nicht die vielen patriotischen Appelle und Aufmärsche der Vaterländischen Front hatten Hitler zum Handeln provoziert, sondern der absolute Verzicht auf jede Form der Landesverteidigung, deren verantwortlicher Ressortchef der Bundeskanzler selber war. Zu dieser gravierenden und fatalen Unterlassung wäre noch zu bemerken, dass unter Hitlers zahlreichen ultimativen Forderungen keine Einzige war, mit der von Österreich konkret die Unterlassung einer Mobilmachung verlangt wurde.

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Anmerkungen

(1)Schlusswort Schuschniggs vor dem Bundestag am 24. Februar als Antwort auf das Berchtesgadener Abkommen.-(zurück zum Text)

(2)Alfred Jansa Edler von Tannenau (geb 16. Juli 1884 in Stanislau, Galizien, Österreich-Ungarn; gest. 20. Dezember 1963 in Wien) war einer der führenden Offiziere und Gestalter des österreichischen Bundesheeres in der ersten Republik. 1935 zum Feldmarschallleutnant war er bis zu seiner durch Hitler 1938 erzwungenen Pensionierung Chef des Generalstabes des österreichischen Bundesheeres.-(zurück zum Text)

(3) JEDLICKA, L.: Abschrift der Photokopie "Der Oberbefehlshaber der Wehrmacht, Nr.55/37 G.K. Chefsache L Ia, Berlin den 24.6.37. Weisung für die einheitliche Kriegsvorbereitung der Wehrmacht vom 1.7.37 bis 30.9.38" -(zurück zum Text)

(4) GÖRLITZ: "Der Deutsche Generalstab", Verlag der Frankfurter, Hefte 2.Aufl. (gekürzt); S.265:-(zurück zum Text)

(5)Das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) war am 4. Februar 1938 aus dem Wehrmachtsamt im Reichkriegsministerium hervorgegangen und bildete die oberste Kommando- und Verwaltungsbehörde der deutschen Streitkräfte. Nach der Entlassung von Kriegsminister v. Blomberg und dem Rücktritt des Oberbefehlshabers des Heeres, von Fritsch, übernahm Hitler den Oberbefehl über die Wehrmacht selbst.-(zurück zum Text)

(6)Werner Freiherr von Fritsch (geb. 4. August 1880 in Benrath; gefallen. 22. September 1939 vor Warschau) Offizier im preußischen Heer und in der Reichswehr. 1935 Oberbefehlshaber der Wehrmacht. Entschiedener Gegner von Hitlers Aggressionspolitik, wurde er in einer von Hermann Göring und Reinhard Heydrich inszenierten Intrige der Homosexualität beschuldigt und vom Dienst suspendiert. Am 4. Februar 1938 wurde er zusammen mit Blomberg aus seinem Amt als Oberbefehlshaber des Heers entlassen. Im März 1938 durch ein Militärgericht von allen Vorwürfen freigesprochen auf Betreiben seines Nachfolgers Walther von Brauchitsch als Regimentskommandeur wieder eingestellt. Im September 1939 fiel er im Zuge der Kämpfe um Warschau. Man sagt, er habe den Tod gesucht.-(zurück zum Text)

(7)Für die verheerende Bombardierung Belgrads im April 1941 war der vormals österreichische Luftwaffenoffizier und von Hitler zum General beförderte Alexander Löhr verantwortlich. 1945 an Tito-Jugoslawin ausgeliefert und als Kriegverbrecher hingerichtet. -(zurück zum Text)

(8)Reichsführer SS Heinrich Himmler, der Leiter des Sicherheitsdienstes der SS, Reinhard Heydrich, und andere NS-Funktionäre landeten am 12. März 1938 um 5 Uhr früh auf dem Flughafen Aspern. Begleitet wurden sie von einigen hundert Gestapo- und SA-Leuten der Österreichischen Legion, die eine Verhaftungswelle sondergleichen einleiteten.
Ihr Ziel: Sofort alle politischen Gegner zu verhaften, Bundesheer und Polizei zu säubern, die Judenverfolgung zu organisieren.-(zurück zum Text)

(9)Die Garnison Weitra, (Panzergrenadierbataillon) musste auf Weisung der Bundesregierung geräumt werden, weil sie innerhalb der von den Sowjets verlangten 30-Kilometerzone lag.-(zurück zum Text)


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