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Österreich und der Orient
Österreichs politische und kulturelle Beziehungen in Südosteuropa und Nahost

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Die Türkenkriege 1526 - 1717

Österreichs Friedensmission auf Kreta 1897 - 98

Österreicher im orient

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Inhaltsverzeichnis

Wir Österreicher und der Orient - eine Frage des Standpunkts

Auf die Frage, was denn der gelernte Österreicher unter der Bezeichnung Orient versteht, beziehungsweise wo er glaubt, dass der Orient seinen Anfang hat, findet sich nicht leicht eine korrekte Antwort. Für die Einen beginnt er am Balkan, womit wir schon wieder im unklaren sind, ob damit die diesen Namen führende Halbinsel gemeint ist, oder gleich hinter dem Wiener Naschmarkt mit seinem typischen Lokalkolorit beginnt, wie unser Nationaldichter Johann Nestroy behauptete. Prinzipiell einig sind sich in dieser Frage die Provinzösterreicher, die den Großraum Wien einschließlich des Burgenlandes für den Inbegriff balkanischer Zustände halten. Wir sehen, dass es schwierig es ist, den Orient und auch den Balkan geografisch einzugren-zen. Sicher geht man, wenn man sich gedanklich in östliche Richtung bewegt und einen Standpunkt einnimmt, der über den Tellerrand unseres selbstbewussten Kulturverständnisses hinaus, den Einblick in die Kulturvölker der Antike ermöglicht, von denen wir heute wissen, dass sie entscheidend zur Entwicklung unseres sogenannten Abendlandes beigetragen haben. Das gilt vor allem für die Arabische Welt, deren vielleicht wichtigstes Importgut das arabische Zahlensystem als Grundlage der Mathematik war. Im Zuge dieses frühen Kulturaustausches, wie zum Beispiel die Übernahme der von den Arabern weiter entwickelten griechischen Geometrie, wäre der Bau der gotischen Kathedralen nicht möglich gewesen.
Die Ausbreitung des Islam
Zunächst aber waren die Beziehungen von den gleichermaßen gewaltigen wie gewalttätigen Eroberungszügen der Araber überschattet.
Obwohl aus dem alttestamentarischen Judentum und den christlichen Glaubensquellen schöpfend, entwickelte sich der Islam - der Name bedeutet sich ergeben, Frieden schließen zu einer eigenen Religion, die sich ihrer einfachen Regeln wegen, unter den orientalischen Völkern rasch verbreiten konnte.
Wenn auch mit militärischer Gewalt verbreitet, war der Widerstand relativ gering. Im Gegensatz zu den heutigen Islamischen Staaten, wie dem Iran und Saudiarabiens, kennt der pure Islam weder eine geistliche Hierarchie, noch eine Priesterschaft, wie sie in der katholischen Kirche als politische und moralische Macht auftrat.
womit sind wir uns wieder bei unserer Geschichte von den Kreuzzügen mit österreichischer Beteiligung,angelangt.
Wenn es unter der Rergierung Kaiser Friedrich II. (01) zu einer langjärigen Periode friedlichen und beidseitig fruchtbaren Kulturaustausches kam, blieb der Islam doch ein Konkurrent der Chritenheit.

Als diese repräsentierte sie nicht das mittelalterliche Abendland, sonder stellte auch einen globalen religiösen und politischen Anspruch, der zwangsläufig zum Konflikt führen musste,

Die Ausbreitung des Islam

Zeiger linksDie Ausbreitung des Islam

Die Epansion ging zwar auf Kosten byzantinischen Territoriums, das Reich und Kaisertum konnten sich jedoch bis in das 15. Jahrhundert behaupten

Zeiger rechtsDas osmanische Reich

Nach dem Gründungsjahr 1299 konnte Osman I. Gebiete des Byzatinischen Reichs und schließlich 1453 auch Konstantinopel erobern. Unter Sultan Soliman I., "dem Prächtigen" erfuhr das Osmanische Reich seine größte Ausdehnung

Das Osmanische Reich

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Zum Kalifat unterhielt das Frankenreich schon seit den Merowingern lose Kontakte, die Karl der Große mit dem in Bagdad residierenden Kalifen H?r?n ar-Rasch?d aus dem Geschlecht der Abbasiden, intensivierte, wobei nicht zuletzt der Wunsch, den Zugang christlicher Pilger zu den heiligen Stätten zu sichern, maßgebend war. Wenn manche Pilger Opfer krimineller Banden wurden, standen die Reisenden unter dem Schutz des geltenden islamischen Rechts, eine Tatsache, die vielfach von den heimkehrenden Pilgern Bestätigung fand. Was allerdings nie zum Erliegen kam, war der Wille zur Verbreitung des Islam, der bei weitem nicht mehr von den Arabern, sondern von diversen Turkvökern, wie den Seldschuken ausgingen, die dem Byzantinischen nach und nach eine Provinz nach der anderen abnahmen. Ein Hilferuf von Kaiser Alexios I. Komnenos aus Byzanz und der darauf erfolgte Aufruf von Papst Urban zum 1. Kreuzzug. Diesem folgten unter der Zusage eines vollkommenen Ablass von allen Sünden und nie verwelkender Ruhm im Himmelreich tausende, von ins land ge-sandten Wanderpredigern aufgestachelte Glaubenskrieger in den Orient. darunter Abenteurer, Mit diesen von der Kirche als gerechte und heilige Kriege gerechtfertigten Kreuzzügen trat auch das unter der Herrschaft der Babenberger stehende Österreich in Beziehung zum Orient. und sofern man der blutrünstigen Legende von der Eroberung der Festung Akko glauben schenken will, geht die Entstehung der rot-weiß-roten Nationalfarben auf den Dritten Kreuzzug zurück, als Herzog Leopold, derart wütend gekämpft haben soll, sein weißes, von Blut rot gefärbtes Gewand einen weißen Streifen aufwies, als er nach dem Kampf den Waffengurt ablegte. Davon tief beeindruckt, soll er fortan die Farben Rot-Weiß-Rot auf seinem Schildge führt haben. Dass unsere Landesfarben auf eine andere, weniger spektakuläre Entstehungsgeschichte zu-rückzuführen sind, ändert wenig an der Tatsache, dass wir Österreicher immer noch Gefallen an der orientalischen Fassung finden.

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Die Babenberger - Kreuzfahrer und Friedensstifter

Wenn auch die Herrschaft der Babenberger dem kollektiven Gedächtnis der Durchschnittsösterreicher entschschwunden ist, verdanken wir ihrer Ära nicht nur unser rot-weiß-rotes Staatswappen,sondern auch den Namen, den unser Staat seit tausend Jahren führt. Und daher gehen etwa auch die Wurzeln unserer Beziehungen zum Orient oden dem was wir durunter verstehen - den Balkan mit eingeschlossen - zurück.
Wenn man bedenkt dass die Babenberger nur an einem Kreuzug 1191 teilgenommen hatten,blieben den Babenbergern bis zum Ende ihrer Herrschaft 1246 noch 50 Jahre Zeit, um eine friedliche Beziehungen zu unterhalten. Das über 800 Jahre herrschende Geschlecht der nachfolgenden Habsburger befand sich dafür zweihunder Jahre im Kriegszustand mit dem Osmanischen Reich, bis dieses im Ersten Weltkrieg zum Verbündeten wurde.
Auch dazwischen liegt eine lange Periode teils friedlicher, teils gespannter Beziehungen, über die noch ausführlich zu berichten sein wird.

Leopold V.
Herzog Leopold V. der Tugendhafte
links kniend, erhält das rot-weiß-rote Banner von Kaiser Heinrich VI. (Ausschnitt aus dem Babenberger Stammbaum, Stift Klosterneuburg)
Bindenschild
Ältestes Beweisstück für die Entstehung des Bindenschilds ist ein wächsernes Amtssiegel vom 30. November 1230 an einer Urkunde im Stift Lilienfeld seine Privilegien bestätigte. Das runde Siegel aus lederbraunem Wachs zeigt einen dreieckigen Reiterschild mit deutlich sichtbarem Querbalken.
Gertrud und Theodora Theodora Komnenos Tochter des Sebastokrators Andronikos und Nichte des byzantinischen Kaisers Manuel I. Komnenos, 2. Gattin (Heirat 1148) des österreichischen Babenberger Markgrafen bzw. Herzogs Heinrich II.
† 1183, Wien (Grab in der Schottenkirche)Ein Hochzeitsgedicht ist in einer Handschrift der Biblioteca Marciana Venedig
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Die Habsburger und das Osmanische Reich

Die wohl nachhaltigste und intensivste Beziehung zum Orient war die Jahrhunderte währende Auseinandersetzung zwischgen der Habsburgermonarchie und dem osmanischen Reich, die schließlich als Bündnispartner im Ersten Weltkrieg den gemeinsamen Untergang erleiden mussten.
Wie schon zur Zeit der Babenberger, kam es zwischen den von beiden Seiten mit höchster Brutalität geführten Kriegen zu einem Kulturaustausch, dessen Auswikungen sich ebenso nachhaltig erwiesen wie die angebliche Erzfeidschaft zwischen den Kontrahenden.
Kaiser Leopold I. Zeiger links Kaiser Leopold

Geboren am 9. Juni 16401658 mit 18 Jahren zum Römischen Kaiser gewählt und regierte fast fünf Jahrzehnte.
Obwohl zu Beginn seiner Regierungszeit voll mit der Verteidigung des Reiches gegen Franzosen und Türken beschäftigt, war er gezwungen, auch gegen die mit den Türken konspirierenden ungarischen Magnaten vorzugehen.Trotzdem war er ein Vertreter des Ausgleichs, eine Eigenschaft, die seiner musischen Begabung und Friedfertigkeit entsprach und seine Person praktisch zur Antithese jener Epoche, die man das Heldenzeitalter nennt, machte.

Mehmed IV. (1648 bis 1687)

Um drei Jahre jünger als Leopold, wird Mehmet zum Dauerrivalen Leopolds. Auch er gleicht Leopold in mancher Beziehung, insbesondere der Jagdleidenschaft. Im gegensatz zum Habsburger sind seine militärischen Unternehmungen seit der missglückten Belagerung Wiens von Niederlagen gezeichnet, für die man ihn verantwortlich machte. 1687 entmachtet und in Edirne in Haft gesetzt, starb er 1693, ohne die katastrophale Niederlage von Zenta erleben zu müssen.

Sultan Mehmet IV.
Diese auf nationalen Denkmustern des 19. Jahhuderts basierende Erzfeindschaft zwischen den Osmannen und den Habsburgern, sowie deren Verdienst als "Bollwerk der Christenheit" zu gelten, ist nach heutigen Geschichtsverständnis ebenso überholt, wie die Legende vom "Heiliugen Krieg" der den Islam Islam zur Verbreitung dienen sollte.
Wenn die Habsburger anfangs um die politische und staatliche Existenz ihrer Herrschaft ging, bestand seitens der Osmanen weder die Absicht, noch die militärische Fähigkeit, gegen das Römisch-Deutsche Reich vorzugehen.
So war auch die Feldzüge zur Rückeroberung Ungarns bis zur siegreichen Einnahme Belgrads, keineswegs von christlichem Sendungsbewuastsein, sondern von reinem Expansionsstreben getragen. Dafür hatte man die klangvolle Bezeichnung "Heldenzeitalter" erfunden, in dem Österreich zur imperialen Großmacht aufstieg und zu seiner gößten Ausdehnung kam. Die eroberten Gebiete auf dem Balkan gingen zwar bald wieder an die Osmanen verloren, blieben aber als beidseitiges kulturelles und gesellschaftspolitisches Einflussgebiet erhalten.
Kaiser Leopols Nachfolger - er selbst erlebte den Höhepunkt von Österreichs Heldenzeitalter nicht - hätten gut daran getan, es dabei bleiben zu lassen, denn die folgenden Kriege im Verein mit Russland brachten nichts ein als Verlustean Menschen und Prestige.