Beobachter
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Im Dienste des Friedens

Österreichs Teilnahme an Friedensoperationen
UNEF Pos 108
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Lesen Sie in den folgenden Artikeln:

Österreichs Weg in die
internationale Friedenspolitik
Österreich und der Orient United Nations
Truce Supervision Organization - UNTSO

Die älteste
Teilorganisation im Nahen Osten
Der Yom-Kippur-KriegUN-Einsatz 1974
Meine Tagebuch-
aufzeichnungen
vom Suezkanal und Golan

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Österreichs Weg in die internationale Friedenspolitk

Als Österreich unmittelbar nach der Erlangung seiner Souveränität, am 14. Dezember 1955 als Vollmitglied in die Vereinten Nationen aufgenommen wurde, konnte niemand ahnen, dass sich aus diesem formellen Beitritt ein politisches Engagement entwickeln würde, das heute als essentieller Bestandteil österreichischer Politik angesehen werden kann. Seit 1990 ist die "Hilfeleistung im Ausland auf Ersuchen internationaler Organisationen oder der Liga der Rotkreuz-Gesellschaften" als eine der Hauptaufgaben des Bundesheeres im §2 des Wehrgesetzes festgeschrieben.
Zum Zeitpunkt des Beitrittsansuchens gab es allerdings noch völkerrechtliche Bedenken, ob diese Mitgliedschaft mit den Bestimmungen der Neutralität vereinbar wäre, so wie es die ebenso neutrale Schweiz bis vor kurzem noch gesehen hatte. Auch war eine Teilnahme an militärischen Einsätzen für Österreichs Politik vorerst unter dem Eindruck des Koreakrieges, der unter dem Mandat der Vereinten Nationen geführt wurde, undenkbar. Das galt auch das auslaufende Jahr 1956 als zur Bewältigung der Suezkrise eine Internationale Friedenstruppe für den nahen Osten zusammengestellt wurde, abgesehen von der Tatsache, dass das Bundesheer zu diesem Zeitpunkt weder personell noch materiell in der Lage gewesen wäre, auch nur eine Kompanie an den Suezkanal oder in den Gazastreifen zu entsenden. Was damals an militärischen Kräften verfügbar war, brauchte man bekanntlich in eigener Sache um mit der Ungarnkrise fertig zu werden.
Auch danach war Österreich vorerst wegen des latenten Südtirolproblems die Rolle des Klienten zugedacht. Nachdem es dem damaligen Außenminister Bruno Kreisky gelungen war eine UN-Resolution zu erwirken, die beide Streitparteien zur gegenseitigen Einigung verpflichtete.
Man kann es sozusagen als positive Vorleistung betrachten, als die österreichische Bundesregierung am 15. September 1960 beschloss, das Ansuchen der Vereinten Nationen zur Entsendung eines Sanitätskontingents in die Krisenregion der ehemaligen Kolonie Belgisch Kongo zu erfüllen.
Diesem ersten praktischen Engagement friedenserhaltender und humanitärer Hilfeleistung sollten mit zunehmender Kapazität des Bundesheeres, in den nächsten Jahrzehnten, eine lange Reihe weiterer Auslandseinsätze, teils von Kontingenten in Verbandsstärke, teils von Gruppen einzelner Militärpersonen als UN-Beobachter folgen und Österreich zu einer der engagiertesten Nationen im Dienste der Völkergemeinschaft werden lassen.
Derzeit stehen in 14 verschiedenen Missionen, - auf dem Balkan, im Kaukasus, in Afghanistan, im nahen Osten und in Afrika, - insgesamt über 1200 österreichische Soldaten im Einsatz. Ein Drittel davon befindet sich auf den Golanhöhen, am Fuße des Bergs Hermon, um dort die Einhaltung eines Waffenstillstandes zu überwachen, der vor 30 Jahren zwischen Israel und Syrien geschlossen wurde.
Es ist dies der am längsten währende Einsatz und offensichtlich bis jetzt auch der erfolgreichste, wenn man davon ausgeht, dass sich in den vergangenen 32 Jahren keine Zwischenfälle ereignet hatten, die die Stabilität in der Region gefährden hätten können Seitdem haben fast 23.000 österreichische Soldaten auf den Golanhöhen ihren Dienst absolviert und es ist daher kein Wunder, dass dieses Hochplateau am Fuße des Berg Hermon im geografischen Wortschatz der Österreicher einen Platz gefunden hat, wie etwa der Großglockner oder der Wienerwald.
Der Einsatz auf den Golanhöhen wurde durch das Genfer Abkommen vom 31. Mai 1974 und der Resolution 350 des UN-Sicherheitsrates als United Nations Disengagement Observer Forces - UNDOF - also vor über 30 Jahren, beschlossen.
Neben den Österreichern befinden sich derzeit Soldaten aus Kanada, Indien, Japan, Nepal, Polen und der Slowakei insgesamt 1048 Mann Einsatz. Unterstützt werden sie durch 57 Militärbeobachter der Observer Group Golan Gegliedert ist die Force wie eh und jäh in 2 Infanteriebataillone und ein Versorgungsbataillon. Seit 1994 wurde das UNDOF- Hauptquartier von Damaskus in das Camp Faouar verlegt, wo bisher nur das österreichische Bataillonskommando und die Versorgungsteile stationiert waren.
An den Aufgaben hat sich aber bis heute nichts geändert: Die Überwachung des Truppentrennungsabkommen zwischen Israel und Syrien vom 13. Mai 1974 in der Pufferzone und Ausübung der Kontrolle über die "Area of Limitation" auf Einhaltung der zulässigen Truppenstärken der gegnerischen Parteien, die nur ein Waffenstillstand vor weiteren Kampfhandlungen trennt.
Dass dieses Kontrollsystem funktioniert, beweist das Fehlen spektakulärer Meldungen und Vorfälle in den Medien, wer aber interesse am Geschehen hat sich, kann sich über die zahlreichen Internetseiten, bzw. das Linkverzeichnis informieren.
Wozu also dieses Thema trotz aktueller Informationslage erneut aufgreifen, es sei denn man will eine nostalgische Rückschau auf die 70er-Jahre halten. Das waren immerhin noch Zeiten, als man auch als Tourist von Jerusalem nach Obergaliläa geradenwegs durch das Westjordanland gelangen konnte und dabei das höchste Gefahrenmoment im halsbrecherischen Fahrverhalten der Verkehrsteilnehmer bestand, welche, - Israelis oder Palästinenser, - man nur durch die Farbe der Kennzeichentafeln zu unterscheiden vermochte. Noch paradoxer wird diese Vorstellung, wenn man bedenkt, dass diese Verhältnisse unmittelbar nach dem Oktoberkrieg von 1973 und in unmittelbarer Nähe der Kriegsschauplätze zwischen Sinai und Golan zu beobachten waren. Wer anders, als die ersten UN- Truppen hatte eine bessere Gelegenheit, im ständig wechselndem und unmittelbaren Kontakt mit den gegnerischen Streitkräften, die Feststellung zu machen, dass man sich damals näher war, als je danach und die Hoffnung auf einen nachhaltigen Friedensprozess reelle Chancen hatte.
Es ist heute auch nicht mehr vorstellbar, dass die ersten UN-Einheiten, gleich welcher Nation sie angehörten, so gut wie nichts vorfanden, was sie für den Aufbau ihrer Infrastruktur im Operationsgebiet benötigten. Wo anders, als in den Ruinen von Ismailia und Suez, wo wir unsre Unterkünfte einrichteten, konnte sich daher das den Österreichern nachgesagte Improvisationstalent besser entwickeln, wer hat noch Vorstellungen von unserem "Auszug aus Ägypten", als wir den Israeliten gleich, mit all unsrer Habe auf die Golanhöhen zogen.
Heute besitz das österreichische Bundesheer zwei Lufttransportflugzeuge mit ausreichender Kapazität, um seine nicht allzu weit entfernten Missionen auf dem Balkan zu versorgen. Ein unvorstellbarer Luxus im Jahre 1973. Da waren wir ausnahmslos auf fremde Hilfe - Briten, Russen oder Amerikaner - angewiesen, was mehr oder weniger funktionierte. Ich darf in Erinnerung bringen, dass in diesen Jahren die Austrian Airlines keine Flugverbindung nach Kairo unterhielten, noch gewillt waren eine Linie einzurichten. Abgesehen davon hätte die Kapazität ihrer DC7 für einen Truppentransport dieser Größenordnung ohnehin nicht ausgereicht. Eine vergleichbare Aktion war die 1972 durchgeführte Verlegung des Österreichischen Bataillons nach Zypern, die aber im Eisenbahn- und Seetransport erfolgte.
Wer entsinnt sich noch der militärischen Situation am Suezkanal, als österreichische Blauhelme zwischen den Fronten liegend, einen Waffenstillstand zu überwachen hatten, der täglich durch stundenlange Artillerieduelle gebrochen wurde.
Wenn man heute in den offiziellen Webseiten des Bundesheeres danach zu stöbern beginnt, wird man nur mehr oberflächliche Daten erhalten, die keineswegs Auskunft über die damalige Lage geben können. Es gibt beispielsweise kein Bildmaterial, das zeigt, unter welchen Bedingungen der Winter 1973/74 verbracht wurde, wie das heutige Camp Faouar ausgesehen hat, als es bezogen wurde.
Um das und vieles mehr wieder in Erinnerung zu bringen und vor allem zu zeigen, was österreichischer Pioniergeist vermag, will ich meine Tagebuchaufzeichnungender Leserschaft zur Kenntnis bringen..

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Österreich und der Orient

Inhaltsverzeichnis
  1. Die Babenberger und andere Österreicher
  2. Vom Goldenen Apfel zum Apfelstrudel
  3. Bosnien
  4. El-Nemsa
  5. Der Suezkanal - ein österreichisches Projekt
  6. Die Gefangenen des Mahdi
  7. Der Prälat und die Beduinen
  8. Der Judenstaat des Theodor Herzl
  9. Kreisky und Arafat
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Die Babenberger und andere Österreicher

Österreichs Beziehungen zum Orient lassen sich bis in die Zeit der Kreuzzüge zurückverfolgen, wenn man der blutrünstigen Geschichte von der Entstehung unserer Nationalfarben glauben schenken will. Blutig ist die Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes, wonach der Babenberger Herzog Leopold V. bei der Erstürmung der Festung Akkon 1191 im Dritten Kreuzzug, derart wütend gekämpft haben soll, dass sein weißes Gewand völlig von Blut getränkt war. Als er nach dem Kampf den Waffengurt ablegte, blieb ein weißer Streifen an der Stelle, wo er den Gürtel trug. Davon tief beeindruckt, beschloss er fortan die Farben Rot-Weiß-Rot auf seinem Schild zu tragen. Obwohl wir wissen, dass diese Geschichte erfunden ist, hält sie sich hartnäckig als Bestandteil österreichischen Selbstbewusstseins.
Wenn es aber eine Leghende ist, - sie wird erstmals in Ludwig Stainreuters "Österreichische Chronik von den 95 Herrschaften" Ende des 14. Jahrhunderts erzählt, - dann ist sie3 jedenfalls gut erfunden.

Leopold V. Herzog Leopold V. (der Tugendhafte),
links kniend, erhält das rot-weiß-rote Banner von Kaiser Heinrich VI. (Ausschnitt aus dem Babenberger Stammbaum, Stift Klosterneuburg)
Babenberger StammbaumBabenberger Stammbaum,
entstanden 1489-1492, heute im Stift Klosterneuburg

Über die tatsächliche Herkunft unseres Staatswappens, das erstmalig auf einer Urkunde 40 Jahre nach der Eroberung von Akkon auftaucht tappen die Historiker nach wie vor im Dunkeln, wie auch über der Frage, was denn der gelernte Österreicher unter der Bezeichnung Orient versteht, beziehungsweise wo er glaubt, dass der Orient seinen Anfang hat.
Für die Einen beginnt er am Balkan, womit wir schon wieder im unklaren sind, ob damit die Halbinsel gemeint ist, oder, wie beispielsweise Johann Nestroy behauptete, der Balkan bereits im 3. Wiener Bezirk in der Ungargasse beginnt. Eine andere Version wieder deutet auf den Naschmarkt, der im 5. Bezirk liegt, swonst aber so ziemlich das typische Lokalkalorit widersoiegelt. Prinzipiell einig sind sich vorrangig die Provinzösterreicher, dass es der Großraum Wien als Inbegriff balkanischer Zustände ist.
So schwierig es ist, den Orient und auch den Balkan geografisch einzugrenzen, können wir uns darauf verlassen, in welcher Richtung wir zu suchen und wie weit wir dahin zu gehen haben. Es hängt also vom Standpunkt ab, - und das nicht nur im geografischen Sinne.
Ein enger Horizont und niedriger Standpunkt, bestimmt von beschränkter Bildung und eingetrichterten Vorurteilen, waren schon immer die Ursache von verhängnisvollen Missverständnissen gerade in dieser sensiblen Region, die wir den Nahen Osten nennen. "Lernen sie Geschichte, her Redakteur" In dieser Aufforderung aus dem Munde Bruno Kreiskys steckt mehr als nur die Absicht, einen schlecht informierten Journalisten zu schulmeistern. Sie gilt im Grunde für das Kurzzeitgedfächtnis einer ganzen Generation, die ihre Wurzeln aus den Augen veroren hat, dafür aber alle möglichen Parolen von der Bedrohung des Abendlandes durch kulturelle Überfremdung oder gar Islamisierung für bare Münze hält.
Es ist auch eine Frage des Standpunktes, bzw. der Definition, was wir unter Abendland verstehen. Wie schon bei der Bestimmung des Orients, müssen wir uns auf die Sichtweise einigen, ob wir darunter nur eine bloße Richtungsangabe für den Westen, oder einen Kulturkreis orientalischer Völkerschaften verstehen. Das hat ja seinerzeit der Verteidigungsminister der USA Donald Rumsfeld mit seinem Schlagwort von Old Europa zu verstehen gegeben um die Europäer für ihre Säumigkeit bei der Teilnahme am Irakabenteuer zu tadeln. Kreisky und Rumsfeld sind sich nie zwar nie begegnet, aber man kann sich gut vorstellen, was die beiden Herren von einander gehalten haben mögen. Wahrscheinlich hätte er ihm ein Privatissimum in Geschichte gehalten und erklärt, wie man mit dem Problem umgeht, wenn mit einem Federstrich eine halbe Million Muslime zu Staatsbürgern wird.
Das geschah nämlich, als Bosnien-Herzegowina 1909 der Donaumonarchie einverleibt wurde. Auch damals erregten sich die Gemüter und man prophezeite neben dem finanziellen Ruin der Monarchie den Untergang des Abendlandes überhaupt.
Das hat sich zwar mit dem Ersten Weltkrieg und dem Untergang des Habsburgerreichs bewahrheitet, nur herbeigeführt haben diese Katastrophe nicht die muslimischen Bosniaken, sondern die Borniertheit und Überheblichkeit einer politischen Kultur, die zum Konsens nicht fähig war.
Den besten Beweis, dass unser Old Europe weder durch den Beitritt der Türkei zur Europäischen Union, der ohnehin schon mehr als unwahrscheinlich gilt, noch die Zuwanderung ihrer Menschen religiösen noch kulturellen Schade nehmen wird, liefern wohl die Ungarn, die mehr als 200 Jahre unter Osmanischer Herrschaft lebend, weder ihrer christlichen Religion, noch ihrer abendländischen Kultur und Lebensweise entsagen mussten.
Es ist daher wichtig, den Horizont unseres Geschichtsverständnisses zu erweitern, was wir am besten dadurch erreichen, Österreichs Beziehungen zum Orient bis an seine Wurzeln zu verfolgen.
In folgenden Ausführungen begegnen wir auch einer Reihe von Perönölichkeiten, die allesamt als Österreicher, gleich welcher Nationalität oder in welcher Epoche sie gelebt hatten, ihre Spuren in der langen Geschichte der Beziehung unseres Landes zum Orient hinterlassen hatten.

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Vom Goldenen Apfel zum Apfelstrudel

Damit sind wir wieder bei unserer Geschichte von den Kreuzzügen mit österreichischer Beteiligung, in die Zeit der Herrschaft der Babenberger.
In dieser Auseinandersetzung zwischen dem christlichen Abendland und dem expandierenden Islam, hatten sie allerdings noch nicht die Führungsrolle, wie sie ihre habsburgischen Nachfolger einige Jahrhunderte lang übernehmen mussten.
Im Laufe dieser Zeit ist auch der religiöse Charakter der Auseinendersetzungen mehr und mehr von machtpolitischen und strategischen Beweggründen verdrängt worden. An die Stelle der international-abendländischen Kreuzfahrerbewegung war das Habsburgerreich getreten, das nach der Erwerbung Ungarns zum unmittelbaren Nachbarn des Reichs der türkischen Sultane geworden war. Nachdem sie das byzantinische Reich mit Ausnahme seiner Hauptstadt Konstantinopel erobert hatten, galt es nun den bescheidenen Rest, den Goldenen Apfel zu pflücken.
Mit der Eroberung dieser letzten christlichen Bastion 1453 begann nun eine Periode von 25 Kriegen, in denen die Türken zweimal bis an die Tore Wiens kommen sollten, das von nun an der Goldene Apfel und erklärtes Kriegsziel der Osmanischen Sultane werden sollte um den Goldenen Apfel, - gemeint war der vergoldete Reichsapfel an der Spitze des Stephansturms, - zu pflücken.

Wien 1683

Wien vor der Belagerung
Kupferstich von Folbert van Alten-Allen

"Wir sind im Begriffe, Dein Ländchen mit Krieg zu überziehen, und Wir führen mit Uns 13 Könige mit 1.300.000 Kriegern, Fußvolk und Reiterei, und werden Dein Ländchen mit diesem Heer, von dem weder Du noch Deine Anhänger eine Ahnung hatten, ohne Gnade und Barmherzigkeit mit Hufeisen zertreten und Feuer und Schwert übergeben. Vor allem befehlen Wir Dir, Uns in Deiner Residenzstadt in Wien zu erwarten, damit wir Dich köpfen können; auch Du kleines Königlein von Polen tu dasselbe."
So lautete die Kriegserklärung Sultan Mehmets IV. an Kaiser Leopold.

Bekanntlich war dieses Vorhaben missglückt und Wien wurde zum Wendepunkt der türkischen Expansionspolitik. Erst aus dem Habsburgerreich und in weiterer Folge aus dem Balkan, führte ihr Rückzug schließlich wieder dahin, von wo sie hergekommen waren. Als Trostpreis blieb ihnen der Goldene Apfel Konstantinopel, das heutige Istanbul. Abgesehen von der Kriegsbeute, die in Kara Mustafas fluchtartig verlassenem Heerlager zurückblieb und die uns angeblich den Kaffe einschließlich der dazugehörenden Mehlspeise Kipferl und Apfelstrudel eingebracht hatte, bestand die Hinterlassenschaft der Türken im Wesentlichen aus verwüsteten Landstrichen und dem Schrecken den sie zuvor verbreitet hatten.
Das änderte sich allerdings mit der Zeit und der Zunahme ihrer militärischen Niederlagen, die ihnen Prinz Eugen in weiterer Folge zufügen sollte. An die Stelle der Furcht trat wieder Selbstbewusstsein in der für Österreich typischen Weise Notzeiten zu verdrängen.
Eine Welle der Vorliebe für alles Orientalische, begünstigt durch die Verwandtschaft von orientalischem Prunk und barocker Sinnesfreude, war zum Modetrend geworden. Das galt der nicht nur für die bessere Gesellschaft des ausgehenden 18. Jahrhunderts, die neue Mode auch ihren Weg zum gewöhnlichen Volk, das die schon erwähnten kulinarische Hinterlassenschaft zu Wiener Spezialitäten machte.
Von besonderer kultureller Bedeutung aber war der Einfluss der "Türkischen Musik". Ihre Schlag- und Blasinstrumente fanden ihren Weg nicht nur in den Militärkapellen, sie bereicherten auch die Klangfarbe der klassischen Orchester, ohne die das symphonische Werk eines Haydn, Mozart und Beethoven nicht denkbar wäre.
Auf dem Gebiet der Literatur war es Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall, der dem abendländischen Schrifttum die orientalische Dichtkunst näher brachte. Mit seiner Übersetzung des "Diwan des Hafis", (1812) gab er keinem Geringeren als Johann Wolfgang von Goethe die Anregung, seinem "West-östlichen Diwan" zu schreiben.

Hammer-Purgstall Hammer-Purgstall, Joseph Freiherr von, * 9. 6. 1774 Graz (Steiermark), † 23. 11. 1856 Wien, Orientalist. Hofdolmetsch, als Diplomat im Orient, vor allem in Konstantinopel, tätig; ab 1807 in der Staatskanzlei in Wien. Hammer-Purgstall erwarb sich große Verdienste um die Kenntnis des islamischen Orients. Mit seiner Zeitschrift "Fundgruben des Orients" (6 Bände, 1809-18) und seinen nachgestalteten Dichtungen ("Diwan des Hafis", 1812 und andere) erschloss er die mittelalterliche morgenländische Literatur für das Abendland und regte damit auch J. W. von Goethes "Westöstlichen Diwan" an. Berühmt wurde seine "Geschichte des Osmanischen Reiches" (10 Bände, 1827-33) und die preisgekrönte Schrift "Über die innere Länderverwaltung unter dem Chalifate" (1835). Er setzte sich für die Gründung der Akademie der Wissenschaften in Wien ein und war 1847-49 deren erster Präsident. Nach ihm ist die "Österreichische Orientgesellschaft Hammer-Purgstall" benannt, die 1959 von A. Weikert zur Pflege der kulturellen Beziehungen mit dem Vorderen Orient und zur Betreuung der in Österreich wohnenden Studenten aus diesem Raum gegründet wurde.

Mit Hammer-Purgstall endet auch die blutige Periode der Türkenkriege, nachdem er im Auftrag seines Dienstherrn, des österreichischen Außenministers und Kanzlers Metternich 1802 als Legationssekretär in Konstantinopel die Türken als Bundesgenossen gegen Napoleon gewinnen sollte. Ein gutes Jahrhundert später war das Bündnis so innig geworden, dass man gemeinsam in den Ersten Weltkrieg gehen konnte, um nicht nur den Krieg sondern auch das ganze Imperium zu verlieren. Nun, wo beide Völker ihren ehemaligen Expansionsdrang auf kleinstem Raum beschränkt nicht mehr militärisch ausleben können, treibt sie die Reiselust, wenn auch mit unterschiedlichem Zweck wieder auf den Weg. Während die Österreicher die Strände an der Türkischen Riviera bevölkern, haben sich eine Viertelmillion Türken in Österreich niedergelassen, um hier Arbeit zu finden. Ob Kaffee, Kipferl und Apfelstrudel tatsächlich von den Türken zurückgelassen wurden, darf wie viele andere kulinarische Legenden, bezweifelt werden, gewiss aber hat der Jahrhunderte währende Kulturaustausch mit dem Orient die Wiener Küche nachhaltig beeinflusst und bereichert. Dass beweisen uns nicht nur die zahlreichen orientalischen Speisetempel, man sieht es auch deutlich an der Zunahme der Dönerbuden, die angeblich unsere klassischen Würstelstände zu verdrängen drohen.
Das ist nicht zuletzt auch der Grund, warum sich manche abendländischen Kirchturmpolitiker um unsere Kultur und Eigenständigkeit Sorgen zu machen und den Tellerrand ihres Bildungshorizontes von aufstrebenden Minaretten verbaut sehen.

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Bosnien

Ähnliche Bedenken hatten auch die nationalen Parlamentarier der Donaumonarchie, als der Berliner Kongress 1878 die türkischen Provinzen Bosnien, Herzegowina und den Sandschak unter österreichisch-ungarische Verwaltung stellte. Wie es dazu kam, ist eine ziemlich komplizierte Geschichte zu der nur soviel gesagt werden soll, dass es nicht nur die Parlamentarier des Nationalen Lagers im Österreichischen Reichsrat waren, welche diese Okkupation ablehnten. Vor allem waren es die Betroffenen selbst, die für die neuen Verwalter ebenso wenig Sympathie aufbringen konnten, wie für den Sultan, gegen den sie rebelliert hatten. Doch allen Besserwissern zum Trotz und nachdem die Bosnier nach Niederwerfung des Widerstandes überzeugt werden konnten, dass die neue Administration weniger korrupt und autoritär war, wie die des Sultans, folgte ein Entwicklungsprogramm, das man als Musterbeispiel den heutigen Entwicklungsprojekten in der Region nur empfehlen könnte.
Das Erfolgsrezept war denkbar einfach: Weil man sich nicht entscheiden konnte, welcher Reichshälfte die Neuerwerbungen zugeschlagen werden sollte, wurde die Verwaltung dem k.u.k. Finanzministerium übertragen und damit zur Chefsache.
Man zählte dabei auf die Unterstützung der traditionellen muslimischen Eliten, die nicht abgeneigt waren, der es umso leichter fiel, nachdem der Islam als gleichberechtigte Religion anerkannt wurde. Österreich-Ungarn war damit zu Beginn des 20. Jahrhunderts der einzige christlich-katholisch dominierte Staat der gesetzlich geregelte Beziehungen zu einer muslimischen Glaubensgemeinschaft unterhielt und unter anderem auch muslimischen Religionsunterricht an den Schulen erteilen ließ.
An der Kontinuität dieser Entwicklung konnte auch die formelle Annexion durch Österreich-Ungarn 1908 nichts ändern, obwohl das Säbelgerassel der Russen, Engländer und Franzosen, die sich bereits zur Entente formiert hatten, einen Vorgeschmack auf den Ersten Weltkrieg erahnen ließ.
Die wirtschaftliche und industrielle Entwicklung des Landes konnte dank der für Österreich untypischen Spendierfreudigkeit ihren Fortgang nehmen, bis das Verhängnis des Ersten Weltkrieg ausgerechnet in der Hauptstadt dieser hoffnungsvollen Provinz seinen Ausgangspunkt fand.

Bosniaken
Foto: www.kaiserjäger.com
Kaiser Karl I.
inspiziert Bosnisnisch-Hercegowinische Infanterie, Südtirol 1917
1882 wurde in jedem der vier Ergänzungsbezirke (Sarajevo, Banjaluka, Dolnja Tuzla und Mostar) je eine Bosnisch-Herzegowinische Infanteriekompanie aufgestellt, die man in den darauffolgenden Jahren um jeweils eine Kompanie erweiterte, sodass 1885 vier und 1889 bereits acht selbstständige Bataillone formiert werden konnten. 1892 konnten drei weitere Bataillone aufgestellt werden. 1894 entschied die Militärverwaltung, für die Bosnisch-Herzegowinische Infanterie den Regimentsverband analog zum übrigen Heer einzuführen
Die Festnahme des Attentäters Gavrilo Princip >>>
Die darauf folgende Untersuchung ergab, dass er und seine Gruppe im Auftrag der serbischen Geheimgesellschaft Ujedinjenje ili Smrt (Vereinigung oder Tod), besser bekannt als Schwarze Hand gehandelt hatten. Von dieser ausgebildet und mit Waffen ausgestattet,konnte Princip und seine Gruppe mit Hilfe Serbischer Zöllner nach samt ihren Waffen nach Bosnien einreisen.
Da Princip zum Zeitpunkt der Tat noch nicht volljährig war, konnte er nach österreichischem Recht nicht zum Tode verurteilt werden. Dass der Staatsanwalt trotzdem die Todesstrafe für Princip forderte, ging auf einen Schreibfehler in Princips Geburtsurkunde zurück. Hier war irrtümlich der Monat Juni eingetragen, während in den kirchlichen Büchern das richtige Datum Juli vermerkt war. Das Gericht aber folgte den Angaben in den kirchlichen Unterlagen und wies den Antrag des Staatsanwalts ab. Eine bemerkenswertes Zeugnis für die Rechtssprechung der Monarchie, der das rechtsstaatliche Prinzip mehr galt, als die Verhängung eines Urteils, das den Vorstellungen der Öffentlichkeit genehm gewesen wäre. Was hätte es schon der Politik ausgemacht, wenn dieser Discrepanz nicht so gewissenhaft entsprochen wäre, denn entsprechend der Geburtsurkunde wäre Princip zum Tatzeitpunkt genau 20 Jahre und 15 Tage alt gewesen.Princip wurde zu 20 Jahren Kerker in der Festung Theresienstadt verurteilt.
Die Haftbedingungen aber waren zum Vergleich der Prozessführung mittelalterlich: Die Zellen waren kalt und feucht, die Gefangenen durften weder lesen noch schreiben und mit niemandem reden. Princip erkrankte an Knochentuberkulose und starb am 28. April 1918 im Gefängnislazarett.
Die Festnahme des Attentäters 1914
Foto: Ö.N.B
Festnahme2
foto: Sarajewo 1914

Der serbische Attentäter, der die tödlichen Schüsse auf das Thronfolgerpaar abgegeben hatte, zählte zu jener Volksgruppe, die sich bis heute von den Muslimen übervorteilt wähnt und dies auch in Zukunft glauben machen will. In den dazwischen liegenden Jahrzehnten, seit der Gründung des SHS-Staates über die Zerschlagung der Königreiches Jugoslawien im Zweiten Weltkrieg, bis zur blutigen Auflösung von Titos Bundesrepublik, waren Unterdrückung und Verfolgung einem ständigen Rollentausch unterworfen. Erst waren es die Serben, die ihre Privilegien als Gewinner aus dem Ersten Weltkrieg ableiteten. Nach der Zerschlagung des Königreiches durch Hitlerdeutschland glaubten Kroaten und bosnische Muslime sich auf Kosten der Serben austoben zu können. Nicht einmal Titos Partisanenbewegung war imstande, die nationalen Kräfte im Kampf gegen die Deutschen Besatzer zu bündeln. Er ließ die königstreuen und vorwiegend serbischen Tschetniks an seinem Befreiungskampf weder teilhaben, sondern zwang sie regelrecht mit den Deutschen zu kollaborieren. Ihren Führer Mihailovic ließ er, nachdem der Krieg vorbei war, nach einem Schauprozess erschießen. Der Ort der Hinrichtung und die Begräbnisstätte, von den Behörden jahrzehnte lang geheim gehalten, wurden bald zu einem der zahlreichen Wallfahrtsorte des serbischen Nationalismus.
Nach Titos Tod war es dann dem Serben Milosevic und dem Kroaten Franjo Tudman vorbehalten, ihre spezielle Version des Nationalismus von Amselfeldelegie oder Ustascha- Faschismus unter das gläubige Volk zu bringen.
Auch diese Periode ist nicht frei von österreichischer Beteiligung, wenn sie auch unter verschiedenen Vorzeichen erfolgt ist.
Seit feststeht, dass Österreichs Opferrolle widerlegt und zahlreiche Österreicher als Komplizen der Nazis an deren Verbrechen maßgeblich beteiligt waren, muss festgestellt werden, dass dies auch auf dem Balkan bzw. in Jugoslawien der Fall war. Auch da spielen die traditionellen Beziehungen eine Rolle, und es dürfte kein Zufall gewesen sein, dass Hitler die beiden Österreicher Alexander Löhr und Edmund Glaise-Horstenau mit entsprechenden Missionen betraut hatte. Beides Offiziere alt-österreichischer Schule, waren sie unter dem Einfluss ihrer Deutsch-Nationaler Ideen zu willkommenen Mitläufern der Nazis geworden. Der vom Generalmajor zum General und Befehlshaber der 4. deutschen Luftwaffe Alexander Löhr befehligte im April 1941 den Luftangriff auf Belgrad, der etwa 1500 Menschen das Leben kostete. Als Oberbefehlshaber der auf dem Balkan stationierten 12. Armee und in der Folge der gesamten Heeresgruppe E hatte er ein gehöriges Bündel an Mitverantwortung an den Kriegsverbrechen auf dem Balkan übernommen. Seiner menschlichen Größe und Offiziersehre entspricht es allerdings, dass er sich aus freien Stücken der Verantwortung stellte und dafür entsprechend Titos bewährter kommunistischer Praxis, nach einem Schauprozess hingerichtet wurde.

Alexander Löhr
Foto: austro-hungarian landforces

 


Löhr als Oberst des Österreichischen Bundesheeres
Alexander LöhrAlexander Löhr (Geb 20. Mai 1885 in Turnu-Severin, Rumänien; hingerichtet am 16. Februar 1947 in Belgrad) Diente als Leutnant in der Herzegowina.1913 Generalstabslaufbahn, 1914/1915 Bataillonskommandeur. 1916 erfolgte Löhrs Versetzung in die Luftwaffenabteilung des k.u.k. Generalstabs. Nach 1918 mit dem Aufbau einer österreichischen Luftverteidigung betraut, war er auch Organisator des Zivilluftschutzes. Seine Erfolge brachten ihm schließlich den Rang eines Generalmajors und den Posten des Leiters im Luftverteidigungsministerium ein. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wurde Löhr in die Wehrmacht übernommen Im März 1939 erfolgte seine Beförderung zum General der Flieger und Oberbefehlshaber der neu aufgestellten Luftflotte 4. 1941 zum Generaloberst befördert, wurde er zum Befehlshaber Südost und Oberbefehlshaber der auf dem Balkan stationierten 12. Armee bestellt. Ab Januar 1943 Oberbefehlshaber Südost und der Heeresgruppe E. Die Behauptung Löhr wäre von den Briten an Jugislawien ausgeliefert worden, ist nich gesichert. Löhr, der neben Russisch sämtliche Balkansprachen bis auf Griechische sprach, galt als besonders gebildeter, "ritterlicher" Offizier der alten österreichischen Schule. Tito soll sich Jahre später von dem Belgrader Urteil distanziert haben. Edmund Glaise-Hostenau
Geb. am 27. 2. 1882 in Braunau (Oberösterreich), gest. 20. 7. 1946 im Lager Langwasser bei Nürnberg (Deutschland)
1903 als K.u.k. Offizier an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt ausgemustert, 1910 im Generalstab, leitete 1915-18 das Pressereferat des Armee-Oberkommandos (Verfasser der Kriegsberichte)Ab 1919 im Kriegsarchiv, dessen Direktor er 1925 bis 38 war. 1934 Mitglied des Staatsrats, 1936-38 Minister ohne Portefeuille im Kabinett Schuschnigg. März 1938 Vizekanzler im Kabinett Seyß-Inquart, 1941-44 Generalbevollmächtigter des Groß deutschen Reiches in Kroatien. Im September 1944 auf Intervention des kroatischen Diktators Ante Pavelic abberufen, weil er die Gräuel der Ustascha anprangerte. Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs von den Alliierten verhaftet, sollte er in den Nürnberger Prozessen als Zeuge aussagen. Da er befürchteten musste, an Jugoslawien ausgeliefert zu werden, beging er am 20. Juli 1946 Selbstmord.
Glaise-Horstenau
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Glaise-Horstenau ließ er erst gar nicht so weit kommen. Seiner bevorstehenden Auslieferung an die zweifelhafte Gerichtsbarkeit der Jugoslawien zuvorkommend, verübte er im Internierungslager Langwasser bei Nürnberg Selbstmord. Was ihm vorzuwerfen war, - von seiner deutsch-nationalen Gesinnung, die gar nicht seinem Charakterbild entsprach abgesehen, - war sein Wissen um die Kriegsverbrechen des Ustascharegimes von Ante Pavelic. Auch er besaß die nötige Zivilcourage, sich von Pavelic und den Verbrechen seiner Ustaschapartei zu distanzieren, was ihm aber wenig unter Titos Gewalt genützt haben dürfte.
Neben diesen prominenten Protagonisten waren es noch tausende weitere Österreicher, die in die Geschicke der Balkanregion verstrickt waren, wie etwa der kleine Oberleutnant der Wehrmacht Kurt Waldheim, der mittels einer großangelegten Intrige zum Kriegsverbrecher gestempelt werden sollte.
Heute wissen wir, dass die jahrzehntelang als Unschuldslamm dargestellte Deutsche Wehrmacht keineswegs mit sauberen Händen aus dem Partisanenkrieg am Balkan hervorgegangen ist, genau so wenig, wie Briten, Franzosen und Amerikaner, die jeder für sich einen derart schmutzige Krieg zu führen hatten. Wir wissen auch, dass von den Tausenden Österreichern, die überwiegende Mehrzahl im Glauben war, ihrer Pflichterfüllung nachgekommen zu sein. Nicht zu vergessen auch jene Österreicher, die wegen ihrer familiären Wurzeln in der Region in Gewissenskonflikt gerieten. Einer solchen Familie entstammend, habe ich als Kind die Stimmung miterlebt, als unser Ort von Partisanen umzingelt, durch Einheiten der Deutschen Wehrmacht wieder freigekämpft wurde. Ich musste auch aus nächster Nähe miterleben, wie gefangene Partisanen abgeführt und hinter der Friedhofsmauer erschossen wurden.
Ich glaube daher, einem Stammtischgenossen das Richtige gesagt zu haben, als er mit seinen Kriegserlebnissen in Jugoslawien renommierte: "Deine Heldentaten in Ehren, aber vergiss nicht, dass der Verein, zu dem Du kommandiert warst, in dieser Gegend nichts verloren hatte."
Ähnliches gilt auch für die österreichische und deutsche Außenpolitik der beginnenden 90er-Jahre, die den Zerfall Jugoslawiens durch ihre vorschnelle Anerkennung nicht nur beschleunigt, sondern auch die ethnischen Säuberungen begünstigt hat. Das mag ein Fehler gewesen sein, schäbig aber war es sich an der Friedensmission von UNPROFOR wegen historischer Rücksichten nicht zu beteiligen.
Spätestens nach dem Beitritt zur Europäischen Union 1995 war Österreich gezwungen, diesen Fehler zu revidieren und seine historische Verantwortung für Bosnien-Herzegowina und die gesamte Balkanregion wieder wahrzunehmen.

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El-Nemsa

Wie schon erwähnt, kam es im 18. Jahrhundert zu einem nachhaltigen Kulturaustausch zwischen mit dem Orient, trotz der ständigen kriegerischen Auseinandersetzungen. Dass ein solcher überhaupt stattfinden kann bedarf ein einer Breitenwirkung die alle Bevölkerungsschichten erfasst. Sprachliche Einflüsse wie Namen und Redewendungen sind da nicht ausgenommen.
In einer Zeit wie dem 18. Jahrhundert, als das einzige Kommunikationsmittel, die mündliche oder briefliche Botschaft, oft Monate oder gar Jahre brauchte, um ihren Adressaten zu erreichen, man denke da an die Reiseberichte eines Marco Polo, muss es wundern wie schnell sich Neuigkeiten verbreiten konnten. Sicherlich haben die rasanten Feldzüge der Türken, wie auch das zügige Nachstoßen bei ihrer Vertreibung, die Nachrichtenübermittlung beschleunigt und es waren die zahllosen unbekannten Mittler, die Soldaten, Kaufleute und Reisenden, die im Tross der Feldzüge für die erforderliche Breitenwirkung sorgten, um sprachliche Einflüsse auch volkstümlich zu machen.
Auf diese Weise kamen Ausdrücke arabischer oder türkischer Herkunft vor allem in die Umgangssprache, wie beispielsweise "hatschen" oder "Hatscher", eine Verballhornung des arabischen Wortes "Hadschi", das den Mekkapilger bezeichnet. Eine weitere Reihe von Gegenständen wie Schabracke, Kiosk oder Tschibuck, haben sich so in die Schriftsprache eingenistet, dass ihr türkischer Ursprung kaum erkennbar ist.
Auf diese Weise entstand auch der im Orient gebräuchliche Name für Österreich: El-Nemsa Genau genommen nahm das Wort den Umweg über die dem Osmanischen Reich unterworfenen Südslawischen Balkanvölker und leitet sich aus dem slawischen Ausdruck für stumm oder sprachlos ab, - russisch nemój, polnisch niemy, serbokroatisch nijem. Es galt im übertragenen Sinn für Menschen, die der Sprache nicht mächtig waren, also für alle Ausländer schlechthin. In den Augen der auf dem Balkan lebenden Südslawen waren diese "Ausländer" vorwiegend die deutschsprachigen Österreicher, wobei aber auch die Ungarn und Dalmatiner mitzurechnen sind.
Es waren schließlich die Türken, die den Ausdruck von den Südslawen auf dem Balkan übernommen und in ihrem Herrschaftsbereich, der dem heutigen Mittleren Osten entspricht, zur Verbreitung brachten.
Warum der Deutsche Karl May seinem Romanhelden Kara Ben Nemsi, also "Karl aus Österreich" nannte, ist unter den Literaturwissenschaftern dieses Genres nach wie vor, Tatsache aber ist es, dass zum Zeitpunkt als Kara Ben Nemsis Reiseabenteuer zum absoluten Lesehit wurde und von Jung und Alt zwischen Nordsee und Transsylvanien verschlungen wurden, war ein Großteil des Balkans mit der Erwerbung von Bosnien-Herzegowina zum Bestandteil der Donaumonarchie geworden. Auch wenn das Reich der Habsburger und des Sultans nicht mehr existieren, El-Nemsa ist nach wie vor die geläufige Bezeichnung für Österreich. Wer sich im Orient mit "I am from Austria" zu identifizieren sucht, muss damit rechnen, für einen Australier gehalten zu werden.

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Der Suezkanal - ein österreichisches Projekt

Wenn man schon von den kulturellen Bereicherungen spricht, die uns der Orient beschert hat, stellt sich die Frage, was denn das dem Abendland dafür zu bieten hatte.
Neben den absolut positiven Erkenntnissen der Aufklärung und dem daraus resultierenden technischen Fortschritt waren es auch deren ungute Begleiterscheinungen, wie das Gefühl einer gottgefälligen Überlegenheit, wie sie im puritanisch calvinistischen Kapitalismus der Briten zum Ausdruck kommt. Seine globale Umsetzung war der Kolonialismus, dem sich schließlich Franzosen, Italiener, Russen auch das Deutsche Reich anschlossen, um einen Platz an der Sonne zu ergattern. Im Bezug auf die islamische Welt waren die Kolonialmächte zwar bedacht, ihre Einflussnahme mit einer Art monetärer Entwicklungshilfe zu tarnen, die sie aber nicht weniger in die Abhängigkeit der Großmächte brachte.
Das imperiale Österreich der Habsburger war gottlob an dieser globalen Bevormundung weder beteiligt, noch zeigte es Ambitionen territorialer Expansion in irgendeinem anderen Teil der Welt.
Dafür aber gab es eine Reihe von Persönlichkeiten die ihre Zukunft im Orient sahen. Ihr Ehrgeiz lag primär am Bestreben, ihre Interessen und Fähigkeiten dem Orient zugute kommen zu lassen, als die Ausbeutung seiner Ressourcen. Das Beispiel dieser Pioniere und Vertreter einer Entwicklungshilfe, wie wir sie heute schätzen, erzeugte nach und nach jenes Vertrauen, aus dem die Wertschätzung österreichischer Wesensart hervorgegangen ist. Hier kommen wir wieder auf den bereits erwähnten Literaten und Legationssekretär Hammer-Purgstall und den eigentlichen politischen Grund seiner Entsendung in den Orient.
Sein Dienstherr, der österreichische Außenminister und Kanzler Metternich, der ihn bekanntlich 1802 als Legationssekretär nach Konstantinopel gesandt hatte, dürfte von ihm erfahren haben, dass Napoleon ernsthaft damit beschäftigt sei, ein uraltes Projekt, die Herstellung einer Wasserstraße zwischen dem Roten- und dem Mittelmeer, in Angriff zu nehmen. Dazu hatte eine 1799 mit Untersuchungen betraute Kommission festgestellt, dass die Verbindung ausführbar sei, obgleich der Arabische Golf bei Sues 9,908 m höher stehe als der Pelusische Tatsächlich hatten die alten Ägypter bereits im 14. Jahrhundert v. Chr. die natürliche Senke von Ballah-, Timsah- und Bittersee zu nutzen gewusst und einen Kanal vom Nil zum Roten Meer angelegt, der im Laufe der Jahrhunderte immer wieder versandet und wiederhergestellt wurde. Im 8. Jahrhundert n. Chr. lies man den Kanal endgültig verfallen, da die arabischen Eroberer Nordafrikas offensichtlich kein besonderes Interesse hatten.
Auch Metternich musste am Beginn des 19. Jahrhunderts sein Interesse voll und ganz Napoleon widmen, und das sozusagen vor seiner Hautüre in Mitteleuropa.
Es brauchte fast ein halbes Jahrhundert, bis er sich wieder dem Projekt am Mittelmeer zuwenden konnte. 1847 berief er eine internationale Kommission, der unter anderem der Engländer Stephenson, der Franzose Talabot und der Österreicher Negrelli angehörten. Ihr Auftrag, ein neues Nivellement der beiden Meeresteile vorzunehmen, kam diesmal zu dem Resultat, dass nur einen ganz gerngfügiger Niveaunterschied vorlag.
Nun galt es den eigentlichen Landesherren zu überzeugen und das war der Khedive von Ägypten Metternichs Ansuchen an den Khediven Muhammad Ali kam allerdings nicht weiter zur Behandlung, da beide 1848 von der politischen Bühne abtreten mussten: Metternich wurde von der Revolution der Wiener entmachtet und ins Exil geschickt, der Khedive wurde von Allah abberufen.

Mehmet Ali Pascha
Muhammad Ali Pascha, Gemälde von Auguste Couder
Muhammad Ali Pascha. (geb 1769 in Kavala; gest 2. August 1849 in Alexandria) war 1805 bis 1848 Vizekönig von Ägypten sowie osmanischer Pascha. Er begründete die bis 1953 regierende ägyptische Herrscherdynastie und erreichte eine relative Unabhängigkeit Ägyptens vom Osmanischen Reich.1799 kämpfte er als Leutnant gegen die Ägyptische Expedition Napoléon Bonapartes. Muhammad Ali zeichnete sich in den Kämpfen aus und ihm wurde das Kommando über das albanische Korps übergeben. In der Auseinandersetzung zwischen den Mamluken und den Türken um die Macht in Ägypten hielt er sich in der Mitte. 1805 nahm er als Pascha anstelle des vertriebenen türkischen Gouverneurs von der Zitadelle in Kairo Besitz. Bis 1812 war es ihm gelungen, unter Anwendung grausamster Mittel, die Herrschaft der Mameluken vollkommen zu brechen.
Mithilfe einer neuen, europäisch ausgebildeten Führungsschicht begann Muhammad Ali Pascha mit dem Aufbau einer modernen Verwaltung und der Förderung der Wirtschaft durch die Gründung von exportorientierten Industrien.[9] Auf dem Land schaffte er die Privilegien der Feudalherren ab. 1820 ließ er einen Kanal anlegen, der Alexandria mit dem Nildelta verband.Nach der Fertigstellung des nach osmanischen Sultan benannten Mahmudiya-Kanal war er daher an weiteren Projekten, wie denen Metternichs, interessiert.

Nicht gestorben aber sind die Ideen, die ein anderer Österreicher, der bereits erwähnte Welsch-Tiroler Ingenieur Alois Negrelli in reale Pläne umsetzte und nach denen der Suezkanal schließlich auch gebaut wurde.
Doch auch Negrelli war es nicht vergönnt, die Vollendung seines Werkes zu erleben, denn er verstarb noch bevor die Arbeiten begonnen hatten. Den Ruhm und schließlich auch den Profit geerntet hat der Erbauer und Finanzier Ferdinand de Lesseps.
Profitiert hat allerdings auch die österreichische Wirtschaft, denn er Hauptlieferant für Bauholz war der Holzindustrielle Leopold Popper. Das gesamte benötigte Bauholz wurde in den umliegenden Wäldern des Komitats Trentschen, - heute in der Slowakei gelegen, - geschlägert. Es wurde per Floß über die Donau abwärts transportiert und auf Seeschiffen durch die Dardanellen nach Port Said gebracht.
Während der Bau des Kanals für den böhmischen Holzhändler, - er wurde 1872 vom österreichischen Kaiser zum Freiherren von Podhragy geadelt, - das Geschäft seines Lebens war, schien sich der Suezkanal selbst für seine Betreiber als finanzieller Flop zu erweisen. Die ursprünglichen Baukosten von 19 Millionen Pfund Sterling, von denen 12,8 Millionen durch Aktieneinlagen finanziert wurden, während den Rest von 6,5 Millionen der Khedive aus dem ägyptischen Staatssäckel einbrachte, konnten in den ersten Jahren kaum hereingebracht werden, der Teilhaber Ägypten aber stand vor dem Bankrott. 1875 wurde daher der Anteil Ägyptens von der Britischen Regierung aufgekauft, womit der Kanal praktisch unter ihre Kontrolle kam.
Österreich hatte sich aus dem internationalen Ränkespiel um Ägypten und den Suezkanal trotz realer Beteiligung an seinem Entstehen herausgehalten. Der Lohn für diese Haltung war der wirtschaftliche Profit, der sich vor allem für die größte österreichische Seehandelsgesellschaft, den Österreichischen Lloyd als Gesellschafter an der Compagnie Universelle du Canal de Suez, ergab dessen Vizepräsident der Lloyd-Mitgründer Pasquale Revoltella war.
Er war maßgeblich an der Finanzierung des Sueskanals beteiligt, konnte aber wie Negrelli die Eröffnung des Kanals nicht mehr erleben. Wahrscheinlich blieben ihm auch die finanziellen Verluste erspart, der von ihm mitfinanzierte Österreichische Lloyd durfte sie mit ziemlicher Sicherheit wieder hereingebracht haben. Dank der Eröffnung neuer Seehandelsverbindungen durch den Suezkanal entwickelte sich die Gesellschaft innerhalb weniger Jahre zur größten Reederei im Mittelmeer, ja zu einer der bedeutendsten in der Welt.

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Die Gefangenen des Mahdi

Was den jungen Wiener Rudolf Slatin bewog, 1873 nach Ägypten zu gehen, war wohl mehr die Abenteuerlust als der Buchhandel, mit dem er seinen Lebensunterhalt daselbst bestreiten wollte. In Ägypten hielt es ihn auch nicht lange und er reiste in den Sudan, von wo er 1876 nach Wien zurückkehrte um seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger in der k.u.k. Armee zu absolvieren. 1877 zum Leutnant der Reserve ernannt, nahm er an der Okkupation von Bosnien-Herzegowina teil. Nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst folgte er im Dezember 1878 einem Stellenangebot des Generalgouverneurs des Anglo-Ägyptischen Sudan Charles Gordon.

Der Anglo-Ägyptische Sudan
(Abb. links)
Im Sudan, der ab 1821 unter die Herrschaft der osmanischen Vizekönige (Khediven) von Ägypten gekommen war, begann 1881 der Mahdi-Aufstand und fand 1885 mit der Eroberung Khartums seinen Höhepunkt. 1898 konnten anglo-ägyptische Truppen unter dem Sirdar der ägyptischen Armee, Horatio Herbert Kitchener, die sudanesische Nilregion von den aufständischen Mahdisten zurückerobern. Das Land wurde nicht an Ägypten zurückgegeben, sondern 1899 als anglo-ägyptisches Kondominium konstituiert mit Lord Kitchener als erstem Generalgouverneur. De facto war Sudan eine britische Kolonie. Ägypten beanspruchte Sudan zwar weiterhin für sich, war aber in dem Kondominium lediglich Juniorpartner. Britische Beamte kontrollierten die Verwaltung Sudans, und ägyptische Beamte waren höchstens in der mittleren Führungsebene zu finden.

Wie es möglich war, dass ein Ausländer, noch dazu so ein junger Spund wie Slatin, ein derartiges Stellenangebot erhalten konnte, lag an den damaligen politischen Verhältnissen Ägyptens, wo die Briten infolge des Staatsbankrott von 1876 immer mehr Einfluss über Ägypten erlangten, bis sie das Land unter ihre völlige Kontrolle gebracht hatten. Die britischen Verwaltungsorgane standen zwar nominell im Dienste des Khediven, führten deshalb auch landesüblichen Titel, handelten aber primäre im Interesse des britischen Empire.
Der Generalgouverneur des Sudan Charles Gordon machte da keineswegs eine Ausnahme, hatte sich aber in seiner langjährigen Tätigkeit zur Aufgabe gemacht, für Recht und Ordnung im Lande zu sorgen. So gesehen war er im Gegensatz zu den korrupten ägyptischen Beamten außerhalb jedes Zweifels an seiner Redlichkeit und dürfte auch den jungen Slatin so eingeschätzt haben.
Gordon brauchte auch solche Männer, um in den unermesslich weiten und wüstenhaften Gebieten die Verwaltung zu organisieren, vor allem aber dem Sklavenhandel ein Ende zu setzen.
Im Februar 1879 ernannte er Slatin zum Finanzinspektor, um ihn schließlich 1881 zum Gouverneur der Provinz Darfur berufen.

Gordon Pascha Charles George Gordon
(* 28. Januar 1833 in Woolwich bei London;† 26. Januar 1885 in Khartum), Generalgouverneur von Sudan.
1859/60 Teilnahme an der englisch-französischen Expedition im 2. Opiumkrieg teil und wurde 1862 zum Major befördert. Gordon trug 1863 bis 1864 maßgeblich zum Sieg über die Taiping-Rebellen, überwarf er sich mit seinem Vorgesetzten Li Hongzhang, der die Taipingführer obwohl ihnen freies Geleit zugesichert wurde, ermorden ließ. Charles Gordon verließ China, nachdem er die von Li Hongzhang angebotene Belohnung und Ehrenzeichen abgelehnt hatte.
Gordon übernahm 1873 in Sudan, der ab 1821 unter die Herrschaft der osmanischen Vizekönige von Ägypten, den Khediven, gekommen war, das Amt des Gouverneurs von Äquatoria.
1877 wurde er Gouverneur des Türkisch-Ägyptischen Sudan und zum Pascha ernannt. Gordon reiste in dieser Zeit häufig, zumeist ohne große Begleitung, durch das Land und wurde bald der legendäre Kamelreiter, der immer und überall zur Stelle war. Gordon bekämpfte er gegen den Sklavenhandel, unter dem die Schwarzafrikaner zu leiden hatten.
In dieser Zeit lernte er auch den jungen Slatin kennen, den er 1879 in seine Dienste nahm. Gegen Ende 1879 trat er teils aus gesundheitlichen Gründen, teils aber auch Protest über die von den europäischen Mächten betriebene Absetzung des Khediven Ismail, zurück.
Als in der Zeit von 1881 bis 1883 mit der Kapitulation von Darfur der Aufstand des Mahdi immer bedrohlichere Ausmasse angenommen hatte, wurde Gordon abermals zum Generalgouverneur des Sudans mit exekutiven Vollmachten ernannt. Versuche, einflussreiche Sklavenhändler auf seine Seite zu ziehen, waren nur von geringem Erfolg.
Gordon erreichte Khartum am 18. Februar 1884 und konnte an die 2500 Frauen, Kinder, Kranke und Verwundete nach Ägypten in Sicherheit bringen, bevor die Mahdisten die Stadt am 18. März einschlossen und die zehnmonatige Belagerung von Khartum begann. Mit den Worten "I am in honour bound to the people"lehnte er jeden Versuch, ihn zur Rüchreise nach Kairo zu bewegen, ab. Der Mahdi selbst hatte, von El Obeid kommend, die Führung der Belagerung übernommen. Am 26. Januar 1885, im Morgengrauen, traten 50.000 Mahdisten zum Angriff an und stürmten die Stadt.Gordon, der sich im Gouverneurspalast den Eindringlingen entgegestellte, wurde getäötet, sein Kopf als Trophäe in ihrem Feldlager ausgestellt. Was folgte, war ein grauenhaftes Gemetzel, dem die Vorhut der 2 Tage später einlangenden britischen Truppen unter Oberst Wilson ein Ende bereitete.

Seit jeher ein Unruheherd und Zentrum des Sklavenhandels macht die Region auch im 21. Jahrhundert von sich reden. War es damals im 19. Jahrhundert der Sklavenhandel, dessen Bekämpfung kriegsähnliche Ausmaße erreichte, lastet heute ein Bürgerkrieg zwischen der schwarz-afrikanischen Bevölkerung und sudanesischen Regierungstruppen und Milizen, denen schwerste Menschenrechtverletzungen und versuchter Genozid angelastet werden. Über alledem waren es die Stammesorganisationen, - damals wie auch heute, - die sich die agierenden Parteien zunutze machen die Machtverhältnisse in der Region zu bestimmten.
Slatin Pascha, - diesen Titel hatte er mit seiner neuen Aufgabe erhalten, - glaubte seine Akzeptanz unter den Soldaten und Beamten, vor allem aber bei den Stammesführern verbessern zu können, indem er 1883 zum Islam konvertierte. Unter dem Namen Abd al-Quadir genoss er tatsächlich in diesen Kreisen eine Vertrauensstellung, die ihm später sehr nützen aber auch schwerste Demütigungen zur Folge haben wird.

Slatin als Gefangener Abb. links
Slatin als Gefangener in der Tracht der Mahdisten

 

Abb. rechts
Slatin als Generalmajor und britischer generalinspekteur des Sudan 1900 - 1914
Slatin akls general

Trotz dieser Bemühungen konnte er nicht verhindern, dass der Aufstand des Scheich Muhammad Ahmad, der von seinen Anhängern für den Mahdi gehalten wurde, immer weitere Fortschritte machte und er schließlich zur Übergabe der Provinz an den Mahdi gezwungen war.

Das Kalifat von Omdurman
(Abb. rechts)

Nach einem blutigen Machtkampf war esAbdallahi ibn Muhammad gelungen, das gesamte Gebiet zwischen den Provinzen Darfur im Westen, Sawakin im Osten , Dungula im Norden und Bahr al-Ghazal im Süden zu unterwerfen.
Das Kalifat bildete die erste nationale sudanesische Regierung. Die Schari'a regelte alle Bereiche des menschlichen Daseins. Der Sklavenhandel wurde unter dem Kalifen wieder erlaubt, lediglich der Export von Sklaven war verboten worden. Doch nicht etwa aus menschlichen gründen, sondern weil es eine Schwächung der Armee, in der viele Sklaven dienten, beteutet hätte.
Unter Kalif Abdullahi verweltlichte der Gottesstaat zusehends und die religiösaen Inhalte der Reformen des Mahdi wurden mehr und mehr zum Vorwand eines Terrorregimes, das vorwiegend der Bereicherung seiner Führer diente. Schließlich begnügte man sich, die Schahada, das Glaubensbekenntnis des Islam, um eine Formel zu erweitern, die den Mahdi in das Gebet einschloss und die Haddsch, die islamische Pilgerfahrt nach Mekka, konnte durch eine Reise zum Grab des Mahdi ersetztwerden.
Die Armee bestand aus 800 bis 1.200 Mann starken Einheiten, die sich in drei Kampfeinheiten, den Speerträgern, Gewehrschützen und den Reitern gliederte. Zusätzlich gab es einen Tross, der für die Versorgung der Truppe diente und dem auch die Familien der Soldaten angehörten.
1896 gliederte sich die Armee in folgende Verbände:
  1. Omdurman: 15.000 Gewehrschützen, 45.000 Speerträger, 3.500 Kavalleristen, 46 Kanonen
  2. ägyptische Grenze: 4.600 Gewehrschützen, 8.000 Speerträger, 1.200 Kavalleristen, 18 Kanonen
  3. Ostsudan: 6.900 Gewehrschützen, 1.100 Speerträger, 2.150 Kavalleristen, 4 Kanonen
  4. Westsudan: 6.000 Gewehrschützen, 2.500 Speerträger, 350 Kavalleristen, 4 Kanonen
  5. Südsudan: 1.800 Gewehrschützen, 4.500 Speerträger, 3 Kanonen
Es gab auch eine Fluss-Flottille aus erbeuteten Dampfschiffen, eine primitive Form der Waffenproduktion sowie ein Telegrafensystem in Sudan. Da für eine moderne Verwaltung die fachkräfte fehlten, erlitt das Land einen wirtschaftlichen Niedergang, der durch Missernten beschleunigt wurde.
Das Herrschaftsgebiet des Mahdi

Zwar gelang es ihm in geschickten Verhandlungen mit den Führern der Mahdisten, dass seinen Gefolgsleuten, Soldaten und Beamten, wie deren Familien das Leben garantiert, aber eine Gefangenschaft unter menschenunwürdigen Bedingungen nicht erspart werden konnte.
Er selbst war als Sklave von Abdallahi ibn Muhammad, des unmittelbaren Vertrauten und Stellvertreters des Mahdi, einer demütigen Unterwerfung, je nach Laune des Potentaten zwischen Todesdrohung und Vertrauensstellung schwankend, ausgesetzt.
Dem Khalifa, wie er sich nennen ließ, gefiel es, den ehemaligen Gouverneur barfuss neben seinem Pferd herlaufen zu lassen. Besonderen Spaß bereitete es ihm, den konvertierten Christen als Vorbeter beim Morgengebet zu beschäftigen, wobei er sich über dessen Arabisch mit Wiener Akzent amüsierte.
Unter dessen Fuchtel verbrachte Slatin mehrere Jahre in Omdurman, in unmittelbarer Nachbarschaft von Khartum, der Hauptstadt des Sudan. Hier wurde er Zeuge der Belagerung dieses letzten Bollwerks der anglo-ägyptischen Regierung, das Gordon Pascha mehrere Monate lang verteidigen konnte.
Er musste auch mit ansehen, wie nach der Erstürmung Khartums das abgeschlagene Haupt Gordons dem Mahdi als Trophäe zu Füßen gelegt wurde.
Doch ein halbes Jahr nach dem Fall von Khartum starb auch der Mahdi, angeblich von einer seiner Frauen vergiftet. Slatins spätere Erklärung lautete auf Typhus, - wahrscheinlich stimmen beide Versionen, wobei die Giftmischerin nachgeholfen und der Khalifa Regie geführt haben mag.
Unter den Gefangenen in Omdurman befand sich ein weiterer Österreicher, der Tiroler Missionar Pater Josef Ohrwalder.

Pater Josef Ohrwalder Geboren 1856 in Lana bei Meran, trat Ohrwalder mit 19 Jahren in das Institut Combonis in Verona ein. Mit 23 Jahren kam er nach Kairo und ein Jahr später, 1880, wurde er von Comboni zum Priester geweiht, zusammen mit einem anderen Österreicher, Johann Dichtl aus der Steiermark. Comboni war von den beiden begeistert. Dichtl scheint der etwas Begabtere und Gewandtere gewesen zu sein, Ohrwalder, wie Comboni schreibt, „etwas trockener“ und Während Dichtl in Khartum blieb, wurde Ohrwalder nach Delen geschickt, in den äußersten Vorposten der Mission unter den Nuba, der erst wenige Jahre vorher gegründet worden war. Es war die Mission, von der Comboni sich am meisten erhoffte. Nach der Flucht
Pater Josef Ohrwalder, vorne rechts, nach seiner Flucht im Dezember 1891 mit einigen Schwestern, einem weiteren Missionar und dem ersten Nachfolger Combonis, Bischof Francesco Sogaro.

Er war 1881 als Leiter der Mission Delen in den Nubabergen mit 16 Missionaren und Schwestern in die Gefangenschaft der Mahdisten geraten. Vor die Wahl gestellt, entweder zum Islam überzutreten oder zu sterben, rettete sie ein islamischer Rechtsgelehrter vor dem sicheren Tod, indem er den fanatischen Anführern klar machte, dass es nicht im Sinn des Propheten sei, religiöse Vertreter anderer Religionen zu töten. Der Weg in die Gefangenschaft nach Omdurman wurde zum Todesmarsch an dem einer der Missionare und drei Schwestern starben. Am Ende waren es 8 halbverhungerte Menschen die ans Ziel gelangten, das außer einer entwürdigenden Gefangenschaft nichts zu bieten hatte.

Schwester Grigolini

 

Zeitgenössische Zeichnung der Mission von Delen mit den ersten dort tätigen Comboni-Schwestern. In der Mitte Teresia Grigolini.
Teresia Grigolini, die der Not gehorchend und mit dem Segen von Pater Ohrwalder den griechischen Kaufmann Kokorempas geheiratet hatte,war die einzige Mitwisserin der Flucht Ohrwalders und wurde dafür zusammen mit ihrem Mann mehrere Tage in Ketten gelegt. In den letzten Jahren der Mahdi-Herrschaft war sie die Bezugsperson, gewissermaßen die Seele der kleinen Gruppe von versteckten Christen in Omdurman. Sie hatte vier Kinder, von denen zwei noch während der Gefangenschaft starben. Als Ohrwalder mit anderen Missionaren nach dem Ende der Mahdiherrschaft 1898 wieder zurückkam, stellte sie ihnen ihr bescheidenes Haus als erste Bleibe zur Verfügung. Später kehrte sie nach Italien zurück. Voll rehabilitiert wurde sie von der bigotten Gesellschaft allerdings erst nach ihrem Tod.

Besonders problematisch war die Lage der Schwestern, die unter dem ständigen religiösen Druck der Islamisierung nur Schutz finden konnten, wenn sie in einen Haushalt eingesessener Syrischer oder Griechischer Kaufleute, meist orthodoxe Christen, Aufnahme finden konnten. Einige schlossen Scheinehen, zu denen Pater Ohrwalder geraten hatte. Einer der Griechen wollte sich aber nicht mehr damit zufrieden geben und wollte die ihm anvertraute Schwester zur Frau weil er selbst unter Druck der Islamisten stand. Pater Ohrwalder riet ihr daher auf das Angebot einzugehen und führet heimlich die kirchliche Trauung durch.
Später von den eigenen klerikalen Kreisen angegriffen, konnte er dank seiner Persönlichkeit die Richtigkeit seines Handelns unter Beweis stellen.
Die Angelegenheit hatte auch deshalb soviel Aufsehen erregt, weil es sich dabei die Oberin Schwester Teresia Grigolini handelte, die er sich selbst als künftige Generaloberin der Sudanmission gewünscht hatte.
Slatin und Ohrwalder hatten während ihrer Gefangenschaft wohl Kontakt zueinander, den sie allerdings nur unter größter Gefahr pflegen konnten. Es ist wahrscheinlich, dass Slatin Ohrwalders Flucht mit zwei italienischen Missionsschwestern 1891 ermöglichte.
Slatin selbst gelang dies erst 1895 und mit Unterstützung des britischen Geheimdiendienst- Offiziers Francis Reginald Wingate.
Als man am Mittag des 16. März 1895 den in der Offiziersmesse von Assuan speisenden britischen Offizieren meldete, dass ein barfüßiger, völlig zerlumpter, dreckiger und bärtiger Araber, der sie zu sprechen wünsche, hieß man die Ordonnanzen "den Kerl zu verjagen"
Wie sich dann herausstellte, war der Kerl Rudolf Slatin Pascha, der sich bald darauf General und Sir Rudolf und Freiherr von Slatin nennen durfte.
Pater Ohrwalder musste noch Jahre warten, bis er wieder in den Sudan zurückkehren konnte. Das war erst möglich, nachdem der Gottesstaat der Mahdisten, der sich im Endeffekt zu einer Terrorherrschaft ohne Gleichen entwickelt hatte beseitigt werden konnte. Auch daran hatte Slatin als Führer eines Verbandes in der anglo-ägyptischen Armee Lord Kitcheners erheblichen Anteil.
Trotz ehrenvoller Angebote kehrt Ohrwalder an jene Stelle zurück, wo er seine 10-jährige Gefangenschaft verbracht hatte: Omdurman. Während sich das am gegenüberliegenden Nilufer liegende Khartum von den Auswirkungen der Mahdiherrschaft erholen konnte, war Omdurman zu einem riesigen Elendsquartier, - den Townships aus Südafrikas Apartheidvergangenheit vergleichbar, - verkommen. Hier, unter den Verlierern des religiösen Wahnsinns, nahm er seine Arbeit wieder auf. Hier starb er auch am 6. August 1913 an einem Herzinfarkt.
Der fast gleichaltrige Slatin hingegen hatte noch Einiges vor sich. Auch er konnte als Generalinspekteur des anglo-ägyptischen Sudan sein Werk fortsetzen bis er abermals aus der Bahn geworfen wurde.
Während Pater Ohrwalder der Erste Weltkrieg erspart blieb, musste sich Slatin entscheiden, welcher Seite er dienen wolle. "... Als Österreicher ist es mir jetzt unmöglich, einem England zu dienen, das sich mit meinem Vaterland im Krieg befindet". Der Leutnant der Reserve der k.u.k. Armee Rudolf Slatin entschied sich für Österreich und damit für die Aufgabe aller militärischer Ehrungen und Titel.. Er weigerte sich aber, jener Armee, in der er gedient hatte, wie überhaupt gegen deren Verbündeten, mit der Waffe entgegen zu treten. Slatin entschied sich, für jene Menschen einzutreten, deren Los er selbst 12 Jahre getragen hatte, für die Betreuung der Kriegsgefangenen als Vizepräsident des Ausschusses für Kriegsgefangene im Österreichischen Roten Kreuz.
Später, in den letzten Kriegsjahren führet er geheime Friedensverhandlungen mit England und war 1919 Mitglied der österreichischen Friedensdelegation in Saint Germaine.
Danach wollte man mit ihm nichts mehr zutun haben. Als er nach dem Krieg bei der britischen Regierung um ein Visum zum Besuch persönlicher Freunde in England ersuchte wurde jedoch dem Mister Slatin , so die Anrede im Antwortschreiben, eine Absage erteilt.
Lediglich Ägypten, das seit 1922 theoretisch selbständig, allerdings unter britischer Oberhoheit stand, gewährte Slatin unaufgefordert eine einmalige finanzielle Abfertigung und eine angemessene Pension und lud ihn 1926 zu einem offiziellen Besuch ein. Er besuchte auch Khartum und in Omdurman, wo er das Haus seiner Gefangenschaft noch vorfand.
Schließlich besann sich auch das Britische Empire, dessen Glanz erheblich verblasst war und gestattete ihm das Tragen seiner hohen britischen Orden, sowie die Einreise nach England.
Rudolf Slatin starb am 4. Oktober 1932 in Wien, ein halbes Jahr nach seinem 75. Geburtstag.
Diese beiden so verschiedenen Persönlichkeiten haben eines gemeinsam: Als deutschsprachige Österreicher, - der eine ein Wiener, der andere ein Tiroler, stehen sie über jeglicher Deutschtümelei, wie sie damals Mode war. Außerdem vertreten sie einen Menschenschlag, der sowohl Entbehrungen und unmenschlicher Demütigungen ertragen, als auch den Ruhm in Bescheidenheit zu genießen kann. Den öffentlichen Rummel um ihre abenteuerlichen Gefangenschaft und Flucht haben sie mehr oder weniger über sich ergehen lassen, ihre Publikationen, Slatins Erinnerungen Feuer und Schwert im Sudan und Ohrwalders Titel Zehn Jahre Gefangener des Mahdi sind bei aller Deutlichkeit der Schilderungen der Ereignisse, frei von propagandistischen Spekulationen oder Hassgefühlen. Sie vermitteln vielmehr ein Bild des Sudan und seiner Bewohner, das nicht zuletzt auch einen aktuellen Bezug zur gegenwärtigen Problematik in der Region hat.

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Der Präat und die Beduinen

Alois Musil wurde am 30. Juni 1868 in einem kleinen Dorf in Mähren, als Sohn eines Bauern geboren. Naturverbunden auf dem Land aufgewachsen, erhielt er die Grundlagen, die seinen späteren Forschungsreisen in der arabischen Wüste zugute kommen sollten. Mit neunzehn Jahren begann er das Studium der Theologie an der Universität von Olmütz, wo er sieben Jahre später promovierte. Anfangs mit der tschechischen Religionsgeschichte des 17. und 18. Jahrhundert beschäftigt, wandte er sich jedoch bald den grundsätzlichen Fragen des Monotheismus in der christlichen, jüdischen und islamischen Religion zu.

MusilAlois Musil 1891
In Jerusalem forschte Musil in den 1890er Jahren in der Bibliothek der französischen Dominikaner, in Beirut an der St. Josef-Universität, einer jesuitischen Institution. Während dieser Zeit unternahm er eine Reihe von Forschungsreisen zu biblischen Orten im Nahen Osten, die von der tschechischen Akademie der Wissenschaften finanziert wurden.
In Beduinentracht 1914
Für diese Mission eine Waffe zu tragen, schien es Musil zweckmäßig, allerdings weniger wegen seiner Sicherheit, sondern weil er wusste, dass ein bewaffneter Mann bei den Beduinen mehr Respekt genießt.
Musil 1914

Mit einem großzügigen Stipendium durch die Unterstützung des Erzbischofs von Olmütz, Theodor Kohn ausgestattet, konnte Musil in den 1890er Jahren umfangreiche Bibelstudien in Jerusalem in Beirut an der St. Josef-Universität, einer jesuitischen Institution, betreiben. Während dieser Zeit unternahm er auch einige Forschungsreisen zu biblischen Orten im Nahen Osten, die von der tschechischen Akademie der Wissenschaften finanziert wurden.
Dabei kam ihm nun seine bäuerliche Erziehung zur Naturverbundenheit zugute, wenn er feststellt: "Bei dem Bauern habe ich mein Arabisch vervollkommnet. Ich lernte seine Lebensweise kennen, drang in seine Geisteswelt ein und wurde sein Bruder. Später erst bin ich von ihm zu den Nomaden übergegangen und niemals wurde ich für einen Herrn oder Fremden gehalten, weil wir uns gut verstehen konnten."
Anders war das Verhalten der osmanischen Regierungsorgane, die jegliche Verantwortung für seine Expeditionen ab lehnten. Und das nicht zu unrecht, denn oft wurde er auf seinen Reisen als Spion verdächtigt, manchmal sogar festgenommen.
1904 wurde Musil zum Professor für Theologie an der Universität von Olmütz ernannt, von wo er 1909 an die Universität Wien wechselte. Der Schwerpunkt seiner Forschungen verlagerte sich nun von der Theologie zu geographischen und ethnographischen Studien über den Nahen Osten.
Der Niedergang der osmanischen Herrschaft hatte längst begonnen und die imperialistischen Mächte Großbritannien, Frankreich und Russland gingen daran, sich die Hinterlassenschaft des Kranken Mannes am Bosporus aufzuteilen, sobald er das Zeitliche gesegnet hatte, während Deutschland und Österreich-Ungarn wegen ihrer die wirtschaftlichen Interessen mehr an seiner Genesung interessiert waren. Alois Musil beurteilte diese Bestrebungen eindeutig antibritisch:
"Seit mehr als hundert Jahren war England bemüht, die Halbinsel Arabien in seine Macht zu bekommen, und nun trachtet es mit allen Mitteln, diese Absicht zu verwirklichen. Der Besitz von Arabien würde ja England sowohl den Besitz der beiden wichtigsten Kolonien - Indien und Ägypten sichern, als auch die geistige Beherrschung von 220 Millionen Muslimen."
Ob Musil mit dieser Feststellung seinen Patriotismus gegenüber der Habsburgermonarchie bekunden wollte, kann bezweifelt werden, dass er in ihrem Auftrag eine heikle Mission übernehmen sollte, war eine Gelegenheit, die einfach ergriffen werden musste.
Musil sollte im Auftrag der Wiener Regierung die Beduinenstämme in der Syrischen und Arabischen Wüste dazu gewinnen, mit dem Osmanischen Reich in der Dschihad des Ersten Weltkrieges zu ziehen.
In diesen Krieg mehr oder weniger von den verbündeten Mittelmächten hineingezogen, - Österreich-Ungarn war daran weniger interessiert, als Deutschland, das seit Jahren eine Militärmission in Konstantinopel unterhielt, - sollte die Türkei einerseits eine Entlastung an der russischen Front herbeiführen, andererseits den Engländern den Suezkanal abnehmen.
Letzteres erhoffte man mit einer allgemeinen Erhebung der Arabischen Stämme und islamischen Bevölkerung in der Kanalzone erreichen zuu können.
Musil sah daher in diesem Auftrag die Möglichkeit einer weitere Forschungsreise, die er schon von langer Hand geplant hatte, gegeben, da auch die Kontaktnahme mit den Beduinen seinem Forschungsgrundsatz entsprach. Dass das Vorhaben auch und noch dazu seiner politischen Überzeugung entgegenkam, kann der Vorwurf des wissenschaftlichen Opportunismus entkräftet werden.
Derartiges wurde ihm jedoch vom Militärbevollmächtigten in der Türkei, Generalmajor Josef Pomiankowski unterstellt, der sich offenbar mit der Person Musils nicht anfreunden konnte und ihm später in seinen Erinnerungen geradezu gehässige Worte widmete. Pomiankowski verabsäumte es auch, Musil in Konstantinopel mit Enver Pascha ins Gespräch zu bringen, was Musil auf eigene Faust nachholte, bei Enver wegen der erwähnten Haltung der Jungtürken jedoch nicht den erwünschten Zuspruch erhielt. Einzig die deutsche Militärmission betrachtete Musils Vorhaben als unterstützungswürdig und verwendete sich für seine Reise.
Am 3. Dezember 1914, begleitet von drei Dienern und seinem Gefährten Karl Waldmann vom k. u. k. militärgeographischen Institut, brach Musil zu seiner Wüstenmission auf, um zwischen den ihm wohl gesonnenen Stämmen Arabiens einen dauerhaften Frieden auszuhandeln. Dabei sollten ihm seine Kontakte früherer Forschungsreisen wertvolle Dienste leisten.
Zu seinen Bekannten zählten unter anderen Fürst an-Nuri von den Ruala, deren Stammesgebiet den syrischen Grenzraum bis zum Hedschas umfasste, und Awda Abu Tajeh von den Howeytat, welche die Umgebung der strategisch wichtigen Garnisons- und Hafenstadt Akaba bevölkerten.
Besondere Probleme machte das Zerwürfnis zwischen dem Fürsten an-Nuri und dem Fürsten Eben Raschid wegen des Oasengebietes von al-Dschof, das im Aufmarschgebiet der 4. osmanischen Armee lag, deren Generalstabschef, Oberst Baron Kreß von Kressenstein, eine Offensive gegen den Suezkanal geplant hatte und die im Jänner 1915 beginnen sollte. Dabei sollten die zur Kooperatin gewonnenen Beduinenstämme die Flankensicherung übernehmen.
Fürst an-Nuri und dessen Sohn Nawwaf waren bald für Musils Pläne gewonnen. Beide waren sogar bereit, dem Prälaten ein schriftliches Friedensangebot an Eben Raschid mitzugeben, während Awda Abu Tajeh von den Howeytat sich als Reisebegleiter anbot. Nach einem Marsch von Hunderten Kilometern durch die Wüste erreichte Musil das Lager Eben Raschids.
Hier gelang es Musil den anfangs zurückhaltenden Eben Raschid mit Hilfe von Geschenken - einem Mannlicher-Zielfernrohrgewehr und zwei Pistolen samt Munition - umzustimmen und zum Einlenken zu bewegen. Erleichtert wurde ihm das Ganze durch den Umstand, dass sein Erzfeind Eben Sa'ud, zu den Briten übergelaufen war. Ganz im Stile der großen Politik wurde ein Friedensvertrag aufgesetzt und an die Regierung in Konstantinopel sowie an den Fürsten an-Nuri übermittelt. Musils Versuch auch die beiden Feinde Eben Raschid und Eben Sa'ud zu versöhnen und Letzteren wieder in das Lager des Sultans zu ziehen, schlug leider fehl.
Am 27.Februar 1915 traf Musil schließlich mit seinen Begleitern in al-Öla an der Hedschasbahn ein, von wo aus er einen umfassenden Bericht an den k. u. k. Minister des Äußeren, Baron Burian, absandte, in dem es hieß: "Von al-Dschof durchquerte ich die Wüste Nefud in südöstlicher Richtung, ließ Ha'il fast 250 km westlich und fand den Emir Eben Raschid tief in el Kasim ... Der Frieden zwischen dem Eben Raschid und dem Fürsten Nuri und seinem Sohn, dem Emir Nawwaf, ist bedingungslos geschlossen... Nun stehen der Regierung mehr als 30.000 Krieger zur Verfügung. Die Stämme Schararat, Howeytat, Beni Schar, die Ahali el Djof, die Ruala, Wuld Ali, Faware, Kmusa, Ha Ebede können nun die Regierung unterstützen. Nur muss die Regierung den Fürsten an-Nuri und den Emir Nawwaf entsprechend behandeln. Es ist interessant, dass weder die Mission aus Bagdad noch diejenige aus Mekka im Stande waren, den Eben Raschid zum Frieden mit an-Nuri zu bewegen... " Sein Hinweis an den Minister, dass man die Beduinen Führer "entsprechend behandeln müsse", und womit eine reichliche finanzielle Abfindung zu verstehen war, ist offensichtlich nicht an den Sultan weitergegeben worden.
Es entspricht ganz Musils Verständnis von Redlichkeit, dass über finanzielle Summen zwar nicht gesprochen, dafür aber für selbstverständlich angenommen wird, dass ein Vertrag von derartiger Bedeutung seinen Preis hat. Es kann auch nicht mehr nachvollzogen werden, ob ein solcher in den schriftlichen Verträgen beziffert wurde.
Jedenfalls hatte sich die anfängliche Begeisterung der Beduinen, mit dem Sultan in den Heiligen Krieg zu ziehen, bald gelegt. Schließlich waren da noch weit konkretere Angebote der britischen Konkurrenz zu prüfen, die ein wissenschaftlicher Kollege Musils, der britische Archäologe Thomas Edward Lawrence anzubieten hatte. Denn neben dem reichlich angebotenen Mammon staqnd da noch das Versprechen eines arabischen Großreiches als Draufgabe im Raum.
Das Ergebnis ist uns bekannt: der Aufstand der Beduinen gegen die Türken war mitentscheidend für deren Niederlage in Palästina, was das Arabische Großreich betriff, ist es allerdings beim Versprechen geblieben.
Nach dem Zusammenbruch der Donau-Monarchie setzte sich Musil für die Gründung eines Orientalischen Institutes an der Prager Universität ein. Er vertrat die Meinung, dass "im Orient die Wiege der abendländischen Kultur gestanden habe, die Orientalistik im übrigen keine exotische Wissenschaft sei und von politischem sowie wirtschaftlichem Nutzen sein müsse." Musil wurde trotz seiner politischen Nähe zur österreichischen Monarchie (er verkehrte als "Graue Eminenz" in Wiener Hofkreisen) 1920 als Professor für Orientalistik und arabische Studien an die Karls-Universität von Prag berufen.
Musil schöpft auch aus der Abenteuerliteratur, - wie viele seiner Altersgenossen, hatte er in seiner in seiner Jugend die Romane Karl Mays gelesen, - und beschreibt das Alltagsleben der Beduinen in erzählerischer Form. Seine profunden Kenntnis der nordarabischen Dialekte ermöglichten es ihm, die beduinischen Gedichte und Lieder aufzuzeichnen, aber auch soziologische Erkenntnisse, wie die Stellung der Frau in der beduinischen Stammesgesellschaft und die Bedeutung der Blutrache zu vermitteln.
Alois Musil verstarb am 12. April 1944 in dem kleinen Ort Otryby, südlich von Prag. Sein umfangreicher wissenschaftlicher Nachlass umfasst 39 Bücher und mehr als 1240 Aufsätze.

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Der Judenstaat des Theodor Herzl

Wie viele prominente Wiener wurde Theodor Herzl in Budapest geboren und wie viele seiner jüdischen Zeitgenossen, bekannte er sich zur deutschen Nationalität. In seinem jugendlichen Enthusiasmus glaubte er sogar, dies als Mitglied der deutschnationalen Burschenschaft Albia unter Beweis stellen zu müssen. Wie die meisten Juden der gehobenen Gesellschaft glaubte er auch, dass sich das Judentum assimilieren müsse, um so den wirren Vorwürfen aus den Reihen der "Alldeutschen" entgegenzuhalten. Offensichtlich nahm man auch deren lautstärksten Redner und Verkünder pseudowissenschaftlicher Theorien über Abstammung und Rasse, den Reichsratsabgeordneten Georg von Schönerer nicht so ernst und hielt seine für parteipolitische Polemik. Schließlich sah man sich im Habsburgischen Rechtsstaat ausreichend geschützt, der Schönerers politisches Rabaukentum, wie beispielsweise den Überfall auf die Redaktion der Wiener Zeitung, mit einer Gefängnisstrafe und den Entzug von Adelstitel und Abgeordnetenmandat beantwortete.
Offenbar ein anderes Gesicht zeigte der Antisemitismus im Frankreich der 90er-Jahre, wo Herzl als Auslandkorrespondent der "Neuen Freien Presse" den Justizskandal um den Generalstabsoffizier Alfred Dreyfus mitverfolgte. Hier wurde er Zeuge einer Hetzkampagne, in der Nationalismus und Antisemitismus gebündelt zum Ausbruch kamen und die Justiz zu einem eklatanten Fehlurteil genötigt wurde. Der Öffentlichkeit schien es offenbar ausreichend, dass Dreyfus Jude und deutschstämmiger Elsässer war, um ihn nicht nur verdächtig, sondern zum Inbegriff staatsfeindlicher Agitation werden zu lassen.
Herzl dürfte erkannt haben, dass der seit Jahrhunderten in den ungebildeten Volksschichten verwurzelte und religiös motivierte Judenhass, wie er kürzlich im zaristischen Russland zum Ausbruch kam, auch auf andere modernere Gesellschaftsschichten übergreifen könne, wenn der nötige politische Zündstoff gegeben ist.
Wie einer seiner Vordenker, Moses Montefiore, sah Herzl die Lösung in der Bildung eines eigenen Staatswesens. In seinem 1896 erschienenen Buch "Der Judenstaat - Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage" zeigt er bereits klare Vorstellungen über seine Staatsform, Sprache und - Flagge. Das von der Öffentlichkeit mit großer Aufmerksamkeit bedachte Buch gab schließlich den Ausschlag, dass ein Jahr später der 1. Zionistenkongress stattfinden konnte und dessen Ergebnis im Baseler Programm manifestiert wurde. Dieses sah vor, "für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina" politisch anzustreben, - eine Absichtserklärung, deren Umsetzung künftig als Zionismus die Weltpolitik beschäftigen wird.
Wenn auch bei den folgenden Kongressen, die verschiedensten Varianten, wie beispielsweise die von den Briten angebotene Landnahme in Uganda zur Diskussion standen, am Ende gab es keine Alternative zu "Erez Israel, - das Heilige Land" , das damals als ein Teil des Osmanischen Reiches den Namen Palästina trug Zuvor lebten in dieser Region, die etwa dem heutigen Israel einschließlich der besetzten Gebiete entspricht, an die 10 000 Juden. Sie waren der Rest, der nach der endgültigen Zerschlagung des jüdischen Staatswesens 135 n. Ch. und Vertreibung seiner Bevölkerung, im Lande verblieben ist.
1882 kam es infolge neuerlicher Antisemitischer Verfolgungen und Pogromen ungeheuren Ausmaßes im zaristischen Russland zu einer Massenauswanderung von Juden, wobei die meisten von ihnen in den USA Zuflucht fanden. Etwa 30 000 aber kamen nach Palästina, wo sie nach anfänglichen Schwierigkeiten auf Initiative des britischen Bankiers Moses Montefiore finanzielle Unterstützung und Land erhielten. Die erste bedeutende Siedlung war Rosh Pinna in Galiläa, heutwe eine Kleinstadt mit etwa 2500 Einwohnern. Aus einem Dokument jener Zeit, Meyers Konversationslexikon von 1888, ist zu entnehmen, dass "die Anzahl der Juden in P. nach amtlichen Ermittelungen auf 36 000, davon ca. 30 000 Aschkenasim , angegeben wird."
Im Ganzen lebten um diese Zeit etwa 457.000 Menschen in Palästina, wovon 400.000 Muslime und 42.000 meist griechisch-orthodoxe Christen waren.
Als Kaiser Wilhelm II. 1898 auf seiner Reise nach Jerusalem, dort auf Theodor Herzl traf, fand er an dessen Vorstellungen von einem Judenstaat, den er sich gut als Deutsche Kolonie vorstellen konnte, durchaus gefallen. Weniger begeistert dürften die Türken gewesen sein, für die eine nichtmuslimische Enklave mit Misstrauen zu begegnen war.
Dafür aber hatten die Briten ein handfestes Interesse, die in Palästina lebenden 80 000 Juden als Verbündete gegen die Türken zu gewinnen nachdem diese an der Seite der Mittelmächte in den Ersten Weltkriegein getreten waren und auf Drängen ihrer deutschen Bundesgenossen sich anschickten, die Suezkanalzone, möglicherweise ganz Ägypten in Besitz zu nehmen.
Am 2. November 1917, am gleichen Tag, als die Türkische Front in der dritten Schlacht um Gaza zusammengebrochen war, wandte sich der britische Außenminister mit einem Brief an Baron Lionel Rothschild , der ein Angebot der britischen Regierung enthielt, das als Balfourdeklaration in die Geschichte eingehen sollte:
"Die Regierung seiner Majestät betrachtet mit Wohlwollen die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina und wird ihr Bestes tun, die Erreichung dieses Zieles zu erleichtern, wobei wohlverstanden nichts geschehen soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte der bestehenden nichtjüdischen Gemeinschaften in Palästina oder die Rechte und den politischen Status der Juden in anderen Ländern in Frage stellen könnte."
Obwohl dieses Dokuments völlig offen lässt, ob mit dem Ausdruck "Heimstätte" ein Staat nach völkerrechtlichen Grundsätzen oder nur die Breitstellung eines bestimmten Territoriums als Siedlungsraum zu verstehen ist, wird die Balfourdeklaration allgemein als Legitimation des Staates Israel angesehen.
Militärische Auswirkungen hatte die Balfourdeklaration im Sinne eines jüdischen Engage-ments keine, dafür aber war das Eingreifen der vom britischen Offizier Lawrence angeführten aufständischen Beduinen von entscheidender Bedeutung. Denen hatte man ein Jahr zuvor die Bildung eines Groß-Arabischen Reiches versprochen, wenn sie sich gegen die Türken erheben.
Dass diese beiden Versprechen im Grunde genommen das Papier nicht Wert waren, auf dem sie gedruckt waren, beweist das Sykes-Picot- Geheimabkommen vom 16. Mai 1916, in dem sich England, Frankreich und das zaristische Russland die Siegesbeute aufteilten, obwohl beileibe noch nicht fest stand, wer den Krieg gewinnen würde. Vor allem Russland hatte bekanntlich die Endverlosung auf der Pariser Friedenskonferenz die 1919 verpasst, was die Aufteilung des Jackpot umso einfacher machte: Palästina und der Irak sollten die Briten, Syrien und der Libanon die Franzosen übernehmen, Juden und Araber hatten Nieten gezogen.
Das vorläufige Endergebnis dieses infamen Doppelspiels ist das längst infolge seiner Eigendynamik aus der Kontrolle geratene Nahostproblem.
Es würde den Rahmen dieses Kapitels sprengen, die weiteren Stationen der Entwicklung nach den beiden Weltkriegen bis zur Staatsgründung Israels 1948 zu behandeln, denn das wird ohnehin in weiterer Folge geschehen.

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Kreisky und Arafat

Ihre erste Begegnung war keinesfalls eine Liebe auf den ersten Blick. " Nach der Begegnung befragt, antwortete ich wahrheitsgemäß, das ich in Arafat nicht den starken, unumstrittenen Führer der Palästinenser erkennen könne;" schreibt Bruno Kreisky in seinen Memoiren über das Treffen mit Arafat und seinen wichtigsten Mitarbeitern, das am 11. März1974 in Kairo stattfand. Die Gelegenheit zu diesem Treffen fand Kreisky als Leiter einer Fact Finding Mission im Auftrag der sozialistischen Internationale. Der Beschluss dazu wurde in einer Sitzung am 11. November 1973 gefasst, zu einer Zeit als der Jom Kippuhr Krieg gerade beendet und die durch ihn ausgelöste Ölkrise ihrem Höhepunkt zustrebte.
Ausgerechnet Golda Meir, Israels Regierungschefin, die wegen der Schließung des Durchgangslagers Schönau heftige Kritik an Österreichs Politik geübt hatte, machte den Vorschlag, Kreisky als Leiter dieser Mission zu bestellen. Obwohl diese Reise den Zweck hatte, die Vorbedingungen für eine friedliche Beilegung des arabisch israelischen Konflikts zu untersuchen, fand sie in der Öffentlichkeit nur wenig Beachtung. Dass diese ersten Kontakte den Friedensprozess erst richtig in Gang gebracht haben, beweist die Tatsache, dass Syrien wenige Wochen später das Waffenstillstandsabkommen für die Golanfront unterschrieb.
Mit dem militärischen Rückzug der israelischen Truppen aus der Sinaihalbinsel und von den Golanhöhen begann ein hoffnungsvoller Friedensprozess, der seinem ersten Höhepunkt in der denkwürdigen Reise des ägyptischen Präsidenten Sadat in das noch feindliche Israel fand.
Bis zum Friedensabkommen von Camp David 1978 gab es auch Rückschläge, wie den Terroranschlag auf die OPEC-Konferenz in Wien 1975 und keine 2 Jahre später die Entführung einer deutschen Lufthansamaschine nach Mogadischu, die das Vertrauen in den guten Willen der Arabischen Seite erschütterten, vor allem aber klar machten, dass dem Friedensprozess eine Ablehnungsfront gegenüberstand.
Wieder war es die Sozialistische Internationale, die Kreisky als bestes Kommunikationsmittel zu Verhandlungen mit der arabischen Welt diente. Eine weitere Fact Finding Mission führte schließlich zur Erkenntnis, dass der Weg zu einer nachhaltigen Lösung des Nahostproblems nur über die Palästinenser führen kann. Der Algerier Bhoumedienne brachte es auf den Punkt:
"es gibt nur eine Lösung unter Einbeziehung der arabischen Palästinenser. Israel muss erkennen, dass seine Existenz nicht mehr bedroht ist, sobald es sich in die Grenzen vor 1967 zurückzieht." Genau so gut könnte man von der Maus verlangen, die Katze nicht mehr zu fürchten, die Frage war nur, wer leistet den ersten Vertrautenbeweis.
Im Oktober 1974 wurde die PLO von der Arabischen Liga als die einzige Vertretung des Palästinensischen Volkes anerkannt. Damit erhält sie einen Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen, was einen Monat später Arafat zu seinem ersten spektakulären Auftritt bei der Vollversammlung nützt. Sei diesem Erstauftritt auf der Bühne der Weltpolitik musste man ihn auch als Gesprächspartner akzeptieren, - für die meisten Politiker der westlichen Hemisphäre eine Zumutung.
Als Zumutung empfand man Kreiskys Rede anlässlich des Parteitages der israelischen Arbeitspartei im Februar 1977 in der er das Ergebnis seiner bisherigen Kontakte mit den Palästinensern auf den Punkt brachte: "So wie ihr euer Gemeinwesen anerkannt wissen wollt, so will es das palästinensische Volk auch....und ich glaube, ihr könnt es euch auch nicht aussuchen, wer dieses Volk vertritt."
Die anwesende Delegation der sozialistischen Internationale, an der Spitze ihr Präsident Willy Brandt, der schwedische Parteichef Olof Palme und deren mehr, dürften die von lauten Zwischenrufen begleitete Rede mit gemischten Gefühlen aufgenommen haben, denn einen dezidierten Unterschied zwischen dem Volk der Palästinenser und der PLO pflegte man damals nicht zu machen.
Sei ihrer Gründung 1964 war die PLO ( Palestine Liberation Organisation ) vorrangig eine Organisation, die den bewaffneten Kampf zur Befreiung Palästinas zum Ziel hatte. was in ihrer ursprünglichen Form die Zerstörung des Staates Israel bedeuten musste. In dieser Form war sie für die Arabischen Staaten ein willkommenes Instrument der Bekämpfung Israels ohne sich selbst die Hände schmutzig zu machen. Mit dem Alleinvertretungsanspruch für das Volk der Palästinenser hatte die PLO allerdings auch eine Hypothek mit schwerwiegenden Folgen übernommen. Während andere Befreiungsbewegungen wie die IRA Nordirlands oder die ETA der Basken, sich eines von der Kampforganisation abgekoppelten politischen Armes bedienen, waren Al-Fatah und all die verschiedenen Kampforganisationen eines Abu-Nidal oder George Habasch etc. integrierte Bestandteile der Organisation.
Wer also Gespräche mit Mitgliedern der PLO führen wollte, musste erst einmal über seinen eigenen Schatten springen.
Die Emanzipation der PLO von der Arabischen Liga könnte man durchaus auch als Akt der Kindesweglegung betrachten, weil der Sprössling sich zu einem schwer erziehbaren Bankert entwickelt hatte.
Als Instrument der subversiven Kampfführung, - nur diese kam nach den Niederlagen von 1956 und 1967 in frage, - war die PLO höchst willkommen, weil man sich die Hände nicht schmutzig zu machen brauchte.
Die arabische Politik konnte es sich aussuchen, welche Aktivitäten ihren Interessen entsprachen und welche Anschläge, wie beispielweise der Terroranschlag auf das Olympische Dorf, München 1972, der Überfall auf die OPEC-Konferenz 1775 und auf den Flughafen Schwechat 1979 und deren mehr, als abscheuliche Verbrechen verurteilt wurden.
Das funktionierte, solange die PLO den Regierungen der Gastländern Loyalität zollte. Das betraf vorwiegend Jordanien, das als Ausgangspunkt aller Operationen auch zur politischen Basis der PLO werden sollte. Um die Bildung eines Staates im Staat zu verhindern, kam es im September 1970 zu einem regelrechten Bürgerkrieg in dem die im Lande agierenden PLO- Gruppierungen zerschlagen wurden.. Das Gleiche sollte sich 12 Jahre später ereignen, als die im Südlibanon operierenden Verbände der Al-Fatah, - eine schwer bewaffnete Armee von 20.000 Mann, - in einer konzertierten Aktion von Israelischer Armee und Syrischer Unterstützung zerschlagen wurden. Arafat selbst gibt zu, dass dise internen Kämpfe fast 50 000 Palästinensern das Leben gekostet haben, weit mehr, als in den 14 Jahren Kampf gegen Israel umgekommen waren.
Einer der ersten Staatsmänner des Westens war der deutsche Bundeskanzler Willi Brandt, der den Sprung über den eigenen Schatten wagte. Er tat sich darin nicht besonders schwer, nachdem sein spektakulärer Kniefall von Warschau die Eiszeit in den Beziehungen zu Polen beendet hatte.
Auf Vermittlung Kreiskys kam es 1979 zu einem Gespräch mit Arafat, das in der darauffolgenden Pressekonferenz zwar zur politischen Sensation hochgespielt wurde, aber außer heftiger Kritiken keine konkreten Ergebnisse brachte. Aber es wurde wenigstens geredet und zugehört, der Knackpunkt war, den Dialog mit Arafat und der PLO auf einem politischen Niveau zu führen, das echte Entscheidungen treffen Bislang war das israelische Kontaktsperrgesetz in Kraft, dass jedem israelischen Staatsbürger unter Strafe stellte, der Kontakte zu PLO-Vertretern pflegte.
Wie weit Kreiskys Idee, weltweit Leute in jüdischen Kreisen für einen Dialog mit der PLO zu suchen dazu geführt hat, dass sich im Dezember 1992 der Israelische Wissenschafter Yair Hirschfeld und der PLO-Finanzchef Ahmad Qurei in London trafen, um über die Möglichkeit von Geheimgesprächen zu verhandeln, kann nicht mehr nachvollzogen werden. Es muss einen überhaupt wundern, dass Kreiskys Aktivitäten in der einschlägigen Literatur nur marginal Erwähnung finden.
Das vom Palmyraverlag herausgegebene Nahost Lexikon, ein umfassendes Nachschlagwerk mit höchster Fachkompetenz erwähnt den Namen Kreisky nur ein einziges Mal als Arrangeur des Treffens von Willy Brandt und Arafat in Wien.
Warum die Weltöffentlichkeit Kreiskys Nahost Aktivitäten mehr oder weniger ignorierte, wird wohl auch daran gelegen haben, dass sie im Grunde genommen als Fleißaufgabe gewertet wurden. Kreisky selbst betonte, dass er nie gefragt worden sei, ob er den Vermittler abgeben wollte. In einer Zeit, da das Interesse der westlichen Welt an Österreich "auf das Niveau jener distanzierten und im Wesentlichen politisch substanzlosen Freundlichkeit und Höflichkeit" bestand, braucht es nicht zu wundern, wenn das offizielle Israel sein Übriges tat, um diese Kontakte herunterzuspielen, wenn nicht zu verurteilen.
Shimon Peres bezeichnete die Gespräche als schädigend für den Frieden, da mit Terroristen überhaupt nicht verhandelt werden sollte, der israelische Premierminister Menachem Begin bezeichnete Kreisky als "jüdischen Verräter". Selbst die sozialistische Zeitung " Al Hamichmar" schreibt : "Kreisky will angeblich als Vermittler zwischen Israel und der PLO fungieren. Ein solches Ansinnen ist doppelt absurd. Kreisky hat nicht die Autorität dazu und Israel wird weder direkt noch indirekt mit einer terroristischen Organisation verhandeln".
Vierzehn Jahre später, im Jänner 1993 begann man miteinander zu reden, nachdem auch das Kontaktsperrgesetz aufgehoben wurde.
Erst unter größter Geheimhaltung, dann offiziell, nachdem die israelische Tageszeit Haaretz offen davon berichtet hatte, - werden im norwegischen Sarpsborg nahe Oslo Gespräche aufgenommen, die mit der Unterzeichnung einer Prinzipienerklärung am 20. August 1993 ihren vorläufigen Abschluss finden.
Genau vier Jahre zuvor starb Bruno Kreisky am 7. August 1990, im dritten Jahr der Intifada und 5 Jahre vor der Ermordung von Yitzhak Rabin, mit dem ihn zu Lebzeiten nur wenig verband.
Kreiskys Meinung über den Terrorismus scheint allerdings nicht so präzise, wie man es von seinen Stellungnahmen gewohnt ist: "Terror diene dem Ziel, sich Gehör zu verschaffen, wenn man anderswo ungehört bleibt....Die unmittelbare Absicht des Terrors ist es, in Verbindung mit der Öffentlichkeit Angst zu verbreiten."
Jedoch über die Wahl der Mittel, vor allem aber der Inkaufnahme von Opfern völlig unbeteiligter Menschen, spricht er sich nicht deutlich aus. Seine Hinweise auf die terroristische Vergangenheit von Shamir und Begin und die zahlreichen Anschläge israelischer Untergrundorganisationen, hatten vorwiegend den Zweck, das Tabu zu entkräften , mit Terroristen nicht verhandeln zu können.

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United Nations Truce Supervision Organization - UNTSO

Im Sommer 2006 flammte der Konflikt zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz - sechs Jahre nach dem Rückzug der israelischen Armee aus dem Südlibanon - wieder auf. Im Zuge der Kampfhandlungen kamen vier Militärbeobachter der UNTSO, darunter der österreichische Major Hans-Peter Lang, ums Leben. Dieser tragische Vorfall rückte die in Österreich praktisch nur militärischen Kreisen bekannte UN-Organisation in die Schlagzeilen.
Die folgenden Ausführungen sollen daher Einblick in die Geschichte und in die Organisation und dieser ältesten, noch aktiven Peace-Keeping-Mission vermitteln.
OP
UN Photo/Yutaka Nagata

Inhaltsverzeichnis

  1. Einleitung
  2. Der Beginn mit der Resolution 50 vom 29. Mai 1948
  3. 1949 - Die Ausweitung des Auftrages
  4. Die gegenwärtige Situation der UNTSO
  5. Die Aufgaben der UNTSO
  6. Das Hauptquartier
  7. Observer Group Golan (OGG)
  8. Observer Group Golan Tiberias (OGG-T)
  9. Observer Group Golan Damascus (OGG-D)
  10. Observer Group Lebanon (OGL)
  11. Observer Group Egypt (OGE)
  12. Die Arbeitsweise von UNTSO am Beispiel OGG
  13. Observation Post - OP
  14. Die Inspektionen
  15. Resümee und Ausblick

Einleitung

UNTSO ist die älteste und ohne Unterbrechung seit 1948 im Nahen Osten aktive Peace-Keeping-Mission der Vereinten Nationen. Ihre Aufgabe ist wie folgt definiert: "To observe and maintain a truce or cease-fire demanded by the Security Council and to assist the parties on both sides in the supervision of the observance of a cease-fire, truce or other arrangement accepted by the parties." In der Charta der Vereinten Nationen sucht man vergeblich nach der Definition des Begriffes "Peace-Keeping", bewegt sich der Auftrag einer Peace-Keeping-Mission doch zwischen Kapitel VI und Kapitel VII der UN-Charta.
Ausgeführt werden die Aufgaben von der UNTSO durch unbewaffnete Offiziere, unterstützt durch nationales und internationales Zivilpersonal, das für die Instandhaltung und die Versorgung zuständig ist. Staaten aus der arabischen Welt oder jene, die den Islam zur Staatsreligion erklärt haben sowie Israel dürfen an der UNTSO nicht teilnehmen. Österreich beteiligt sich an dieser Mission seit 1967. Die Zahl der von Österreich entsandten Offiziere schwankt; derzeit versehen sieben Österreicher ihren Dienst bei UNTSO.

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Der Beginn mit der Resolution 50 vom 29. Mai 1948

Der Punkt 6 der Resolution 50 (1948) vom 29. Mai 1948 besagt: "The Security Council, … 6. Instructs the United Nations Mediator in Palestine, in concert with the Truce Commission, to supervise the observance of the above provisions, and decides that they shall be provided with a sufficient number of military observers; …" Dieser Resolution war die Staatsgründung Israels am 14. Mai 1948 vorangegangen, die einen Aufstand der palästinensischen Araber und einen sofortigen Angriff der angrenzenden Staaten Libanon, Syrien, Transjordanien, Ägypten sowie von Saudi-Arabien, aus Jemen und dem Irak auslöste. Die zitierte Resolution 50 vom 29. Mai 1948 rief zu einer Einstellung der Kampfhandlungen und zur Einhaltung eines vierwöchigen Waffenstillstandes auf.
Bereits im April 1948 wurde vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eine Waffenstillstandskommission gegründet, welche den Sicherheitsrat am 21. Mai formell um Unterstützung durch die Entsendung von Militärbeobachtern ersuchte. Welche Nationalitäten dieser Kommission angehören sollten, wurde vom schwedischen UN-Vermittler Graf Folke Bernadotte (dieser war im Mai 1948 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen als Vermittler zwischen Israelis und Arabern eingesetzt worden; noch im September desselben Jahres fiel er in Jerusalem einem Attentat zum Opfer) entschieden: Offiziere aus den Mitgliedsländern der Waffenstillstandskommission - Frankreich, USA und Belgien. Aus Bernadottes Heimat kamen zusätzlich fünf hochrangige Stabsoffiziere, einer von ihnen, Thord Bonde, wurde zum ersten Chief of Staff ernannt. Aus dieser Konstellation ergibt sich, dass der Kommandant der UNTSO bis heute nicht als solcher tituliert, sondern als Chief of Staff bezeichnet wird.
Die Vereinigten Staaten schickten zusätzliches technisches Hilfspersonal und der Generalsekretär der Vereinten Nationen stellte 51 Mann aus seinem eigenen Personal zur Unterstützung der Beobachter ab.
Die erste Gruppe von 36 Unbewaffneten, so genannten UNMOs (United Nations Military Observers), traf zwischen dem 11. und dem 14. Juni 1948 in Kairo ein. Rasch war absehbar, dass man für den Auftrag, den Waffenstillstand zu überwachen, eine größere Anzahl an Beobachtern benötigen würde. Deshalb wurde das Kontingent sukzessive auf 93 Mann erhöht, die in den arabischen Ländern und in Israel zum Einsatz kamen. Um dem Unternehmen einen organisatorischen und logistischen Rahmen zu geben, wurde die United Nations Truce Supervision Organization (UNTSO) gegründet. In Haifa war das erste Hauptquartier der UNTSO.
Mit 9. Juli 1948 endete der vierwöchige Waffenstillstand. Israel stimmte einer Verlängerung zu, die arabischen Staaten jedoch lehnten ab. Es brachen erneut Kämpfe aus, woraufhin die Beobachter den Einsatzraum verließen. Neun Tage später, am 18. Juli 1948, konnte ein neuerlicher und diesmal unbefristeter Waffenstillstand vereinbart werden. Folke Bernadotte begann unverzüglich mit dem Wiederaufbau der Beobachter-Organisation. Wiederum ersuchte er Belgien, Frankreich und die USA um jeweils 100 Offiziere, die in Gruppen eingeteilt und den Armeen der am Konflikt beteiligten arabischen Staaten sowie der israelischen Armee zugeteilt wurden. Einige Beobachter wurden zudem nach Jerusalem geschickt, zur Küstenüberwachung eingesetzt und zur Kontrolle der Konvois zwischen Tel Aviv und Jerusalem benötigt. Später kam auch noch die Überwachung der Flughäfen dazu. Insgesamt versahen zu dieser Zeit mehr als 570 Militärbeobachter ihren Dienst im Nahen Osten.
Das Hauptquartier blieb bis Mai 1949 in Haifa und wurde anschließend in das Government House nach Jerusalem verlegt; neuer Chief of Staff wurde der Schwede Aage Lundström. Das Government House war während der Zeit des britischen Mandates 1920 bis 1948 in Palästina der Sitz der Mandatsverwaltung, kam dann unter Obhut des Roten Kreuzes und wurde schließlich - um das historische Gebäude zu erhalten - unter den Schutz der Vereinten Nationen gestellt.

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1949 - Die Ausweitung des Auftrages

Mit den Waffenstillstandsabkommen des Jahres 1949 zwischen Israel und Ägypten, Jordanien, Syrien und dem Libanon erfuhr die UNTSO eine Ausweitung ihres Auftrages: Zur Überwachung der allgemeinen Waffenruhe, wie sie in der Resolution 54 (1948) festgeschrieben worden war, kam jetzt die Überwachung und Unterstützung der beteiligten Länder bei der Aufrechterhaltung der jeweiligen Waffenstillstandsabkommen hinzu. Wörtlich heißt es in der Resolution 73 aus 1949:
"The Security Council, … 6. Requests the Secretary-General to arrange for the continued service of such of the personnel of the present Truce Supervision Organization as may be required in observing and maintaining the cease-fire, and as may be necessary in assisting the parties to the Armistice Agreement in the supervision of the application and observance of the terms of those Agreements, with particular regard to the desires of the parties as expressed in the relevant articles of the Agreements;"
Die Waffenstillstandsabkommen sahen die Einrichtung von so genannten Mixed Armistice Commissions (MACs) vor, die aus jeweils drei Vertretern jeder Seite und dem UNTSO-Chief of Staff (oder einer von ihm ernannten Vertretung) als Vorsitzendem bestanden bzw. bestehen:

  1. Egypt-Israel Mixed Armistice Commission(EIMAC)
  2. Israel-Syria Mixed Armistice Commission (ISMAC)
  3. Hashemit Kingdom of Jordan-Israel Mixed Armistice Commission (HKJ-I-MAC)
  4. Israel-Lebanon Mixed Armistice Commission (ILMAC)

In diesen Kommissionen können die beteiligten Länder Ansprüche und Beschwerden hinsichtlich der Einhaltung des Waffenstillstandes geltend machen (z. B. Überschreitung oder Überflug der Waffenstillstandslinie, Präsenz von Waffen oder Soldaten in entmilitarisierten Zonen usw.). Vor allem zu Beginn wurden auch humanitäre Belange geklärt, wie zum Beispiel der Austausch von Gefangenen.
Zwei der Kommissionen, ILMAC und ISMAC, sind nach wie vor aktiv, HKJ-I-MAC und EIMAC wurden aufgelöst, da sowohl Jordanien als auch Ägypten mit Israel Friedensverträge abgeschlossen haben.

Schwierige Jahre vom 6-Tagekrieg bis in die Gegenwart

In den folgenden Jahren war die Arbeit der UNTSO sehr stark mit der Geschichte des Nahost-Konfliktes verbunden, dem Funktionieren der Mixed Armistice Commissions und der Kooperationsbereitschaft der beteiligten Länder. Entscheidend war, dass sich die UNTSO immer mit den jeweiligen Waffenstillstandslinien "mitbewegte" und dass es der UNTSO immer gelungen ist, in der Mission-Area zu bleiben, auch wenn den Streitparteien ein Abzug der Militärbeobachter gelegentlich wohl willkommen gewesen wäre.

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Die gegenwärtige Sit5uation der UNTSO

Im Frühjahr 2007 versahen 150 Militärbeobachter aus 23 Nationen - unterstützt von 104 internationalen und 121 nationalen Zivilbediensteten - ihren Dienst bei der UNTSO: aus Argentinien, Australien, Belgien, Chile, aus der Volksrepublik China, aus Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Kanada, Nepal, Neuseeland, aus den Niederlanden, aus Norwegen, Österreich, Russland, Schweden, aus der Schweiz, der Slowakei, aus Slowenien sowie den Vereinigten Staaten von Amerika. Das Budget für 2007 beträgt rund 30 Millionen US-Dollar.

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Aufgaben der United Nations Military Observer (UNMO)

Offiziere, die für UNTSO arbeiten wollen, bewerben sich in ihren jeweiligen Heimatländern um einen Einsatz im Nahen Osten, dessen Dauer mit einem Jahr festgelegt ist. Die Männer (und seit einem Jahrzehnt natürlich auch Frauen) müssen - mindestens im Range eines Hauptmanns oder Majors sein, - über entsprechende Englischkenntnisse verfügen sowie - körperliche Fitness und - einen Führerschein Klasse C (zum Lenken der gepanzerten Toyota "Landcruiser") nachweisen können.
Im Unterschied zu UNDOF (United Nations Disengagement Observer Force, eingesetzt seit Juni 1974 auf den Golan-Höhen zwischen Israel und Syrien) oder zur UNIFIL (United Nations Interim Force in Lebanon, eingesetzt seit März 1978 im Südlibanon zwischen Israel und dem Libanon) gibt es bei der UNTSO keinen halbjährlichen Rotationstermin, sondern die neuen UNMOs treffen jeweils an einem Termin pro Monat im Einsatzraum ein. Gleichgültig zu welcher Outstation die weitere Diensteinteilung erfolgt, die erste Station ist stets das Hauptquartier in Jerusalem. Hier wird eine Einweisung vorgenommen und ein erstes einsatzbezogenes Training absolviert. Nach vier Tagen wird der UNMO zu seiner ersten Outstation gebracht, wo er normalerweise ein halbes Jahr lang bleibt. Dann wechselt er die Outstation und arbeitet die zweite Hälfte seines Einsatzjahres in einem anderen Staat.
Nach drei bis vier Monaten besteht die Möglichkeit, sich für Stabspositionen im Rahmen einer Outstation oder im Hauptquartier zu bewerben. Dabei wird auf die Fähigkeiten und die Beurteilung des Bewerbers sowie auf die National Balance Rücksicht genommen. (Alle Nationen sollen im Verhältnis der Anzahl ihrer teilnehmenden Offiziere auch dementsprechend in Stabsfunktionen vertreten sein.) Mit dem Erreichen einer Stabsposition ist auch eine Verlängerung der Einsatzdauer auf bis zu zwei Jahre möglich, wobei aber maximal die Hälfte der Zeit in der Stabsfunktion verbracht werden kann. Ausnahmen gibt es nur für ganz bestimmte Funktionen im Hauptquartier und für die Station-Chiefs, die von den einzelnen Nationen im Rotationsprinzip beschickt werden.

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Das Hauptquartier

Das Hauptquartier der UNTSO befindet sich seit 1949 im Government House in Jerusalem; es ist der Sitz des Chief of Staff, des Leiters der Mission, der in der Regel ein Offizier im Range eines Generalmajors ist. Der Chief of Staff untersteht direkt dem Generalsekretär der Vereinten Nationen. Wie bei allen Führungspositionen innerhalb der UNTSO wird auch bei der Bestellung des Chief of Staff auf die nationale Ausgewogenheit großer Wert gelegt. Vom Hauptquartier in Jerusalem aus erfolgt die operative Führung sowie die Administration der einzelnen UNTSO-Outstations sowie jene der Verbindungsbüros. UNTSO HQ Jerusalem
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Observer Group Golan (OGG)

Die Geschichte der Observer Group Golan geht auf den Oktoberkrieg 1973 zurück, in dessen Folge im Mai 1974 die - bewaffnete - United Nations Disengagement Observer Force (UNDOF) eingesetzt wurde, um die Truppenentflechtungszone auf den Golan-Höhen zu überwachen. Die zwischen Israel und Syrien bereits seit 1949 positionierten Militärbeobachter wurden dazu abkommandiert, der UNDOF wie folgt zu assistieren: - In der Area of Separation (AOS - Entmilitarisierte Zone, welche syrisch administriert ist, in der sich jedoch kein Militär befinden darf bzw. keine militärischen Aktivitäten stattfinden dürfen) wurden Beobachtungspunkte bezogen und - in der Area of Limitation (AOL - Spiegelgleiche Zonen zu beiden Seiten der entmilitarisierten Zone, in denen sich jeweils nur eine gewisse Anzahl an Soldaten bzw. bestimmte Arten und eine limitierte Anzahl von Waffen befinden dürfen) werden an beiden Seiten im 14-Tage-Rhythmus Inspektionen durchgeführt, die die Einhaltung der Waffenstillstandsvereinbarung von 1974 sicherstellen sollen. Im Jahr 1979 wurde die Observer Group Golan gebildet, die bis heute unter der operativen Kontrolle der UNDOF arbeitet, die reibungslose Zusammenarbeit zwischen der UNDOF und der UNTSO sicherstellt und die daher - wie die UNDOF - im Camp Faouar auf den Golan-Höhen beheimatet ist. Die Outstations von OGG sind - OGG-T in Tiberias (Israel) und - OGG-D in Damaskus (Syrien). Gemäß dem Truppenentflechtungsabkommen zwischen Israel und Syrien stammen die bei der OGG eingesetzten UNMOs aus Staaten, die keine permanenten Mitglieder des UN-Sicherheitsrates sind. zurück zum Inhaltsverzeichnis

Observer Group Golan Tiberias (OGG-T)

Der Auftrag dieser Outstation lautet, Israel bei der Überwachung der Waffenstillstandsvereinbarung durch observing, reporting, patroling and inspecting zu unterstützen. Vom Hauptquartier in Tiberias aus werden die Patrouillen und Inspektionen durchgeführt sowie die folgenden OPs (Observation Posts) beschickt: OP 51, OP 52, OP 53, OP 54, OP 55 und OP 73.

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Observer Group Golan Damascus (OGG-D)

Der Auftrag dieser Outstation lautet, Syrien in der Überwachung der Waffenstillstandsvereinbarung durch observing, reporting, patroling and inspecting zu unterstützen. Vom Hauptquartier in Damaskus aus werden die Patrouillen und Inspektionen durchgeführt sowie die folgenden OPs beschickt: OP 56, OP 57, OP 58, OP 71 und OP 72. Observer Detachment Damascus (ODD) Der politische Teil des Auftrages der UNTSO in Syrien wird vom Observer Detachment Damascus (ODD) mit dem Ziel betreut, das gute Verhältnis zwischen den in und um Damaskus stationierten Organisationen der Vereinten Nationen und den syrischen Behörden aufrechtzuerhalten. Der Leiter des ODD - immer ein Offizier aus einem der permanenten Mitgliedsländer des UN-Sicherheitsrates - fungiert quasi als Vertretung des Chief of Staff in Damaskus und bei der ISMAC.

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Observer Group Lebanon (OGL)

Seit dem Ausbruch des Bürgerkrieges im Libanon im Jahr 1975 ist die Arbeit der UNTSO im Südlibanon äußerst schwierig. Die Verantwortung für die Sicherheit der unbewaffneten Militärbeobachter liegt grundsätzlich bei der Regierung des jeweiligen Gastlandes. Im Südlibanon wurden die Observation Posts der UNTSO zur Überwachung der Waffenstillstandslinie - der Erfüllung des Auftrages - seit dem Jahr 1972 durch Kontrollpunkte der libanesischen Armee gesichert. Während des Bürgerkrieges waren die OPs auf sich alleine gestellt. Damals wurde im Sicherheitsrat diskutiert, die Männer zu ihrer eigenen Sicherheit zu bewaffnen, ein Gedanke der jedoch wieder verworfen wurde. 1978, mit der Installierung von UNIFIL, wurden - ähnlich wie bei UNDOF - die Militärbeobachter der Force zur Unterstützung dieser zugeteilt und die Observer Group Lebanon (OGL) als organisatorische Heimat gegründet. Das Hauptquartier befindet sich in Naqoura. Gegenwärtig werden noch drei der vier OPs von OGL beschickt: OP Mar, OP Hin und OP Ras, die manchmal auch Patrol Bases genannt werden.5) Der OP Khiam wurde am 25. Juli 2006 nach heftigem Beschuss durch einen Luftangriff der israelischen Streitkräfte getroffen und vollständig zerstört. Dabei kamen alle vier Militärbeobachter, die auf dem OP Khiam ihren Dienst versahen, ums Leben: Hans-Peter Lang (Österreich), Paeta Hess-Von Kruedener (Kanada), Du Zhaoyu (China) und Jarno Makinen (Finnland). Die Wiedererrichtung des OP Khiam ist vorerst nicht vorgesehen. Stattdessen werden mit Mitte/Ende des Jahres 2007 die Militärbeobachter von den OPs abgezogen und auf die beiden Regionalheadquarters von UNIFIL aufgeteilt. Von dort sollen - im abgeänderten Auftrag für OGL - nur mehr Liaison- und Monitoring-Aufträge für UNIFIL durchgeführt werden. United Nations Liaison Office Beirut (UNLOB) Ähnlich dem ODD in Damaskus hat auch das UNLOB die Aufgabe, das gute Verhältnis zwischen den im Libanon stationierten Organisationen der Vereinten Nationen und den libanesischen Behörden aufrechtzuerhalten. Der Leiter des UNLOB fungiert in seiner Funktion quasi als Vertretung des Chief of Staff in Beirut und bei der ILMAC.

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Observer Group Egypt (OGE)

Der Einsatzbereich der OGE, die Halbinsel Sinai, gehört zu jenen Regionen des Nahen Ostens, deren Geschichte sich in den letzten Jahren zum Positiven hin entwickelt hat. Seit dem Erlöschen des Mandates der United Nations Emergency Force II (UNEF II) im Juli 1979 konnte die Zahl der Militärbeobachter sukzessive reduziert werden. Das Büro in Kairo wurde geschlossen und nach Ismailia verlegt. 1996 erfolgte auch die Schließung des letzten OPs in El Arish sowie des Verbindungsbüros in Gaza. Auf ausdrückliche Bitte der ägyptischen Behörden, in der Region präsent zu bleiben, werden von Ismailia aus Patrouillen im Sinai durchgeführt. Momentan versehen vier Militärbeobachter ihren Dienst bei der OGE.

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Die Arbeitsweise von UNTSO am Beispiel OGG

Das Hauptquartier von OGG befindet sich gemeinsam mit dem Hauptquartier UNDOF im Camp Faouar auf syrischer Seite. Der Stab von OGG besteht aus fünf Stabsoffizieren - Chief, Deputy Chief, Operations Officer, Planning Officer, Military Information Officer und einem Duty Officer, welcher abwechselnd durch eine der beiden Outstations gestellt wird und im Operationscenter UNDOF seinen Dienst versieht. Die Hauptaufgabe von OGG sind Verbindungs- und Koordinationsaufgaben zwischen UNTSO und UNDOF bzw. UNDOF und den beiden Outstations. Die beiden Outstations (OGG-D und OGG-T) sind derzeit folgendermaßen organisiert: Es gibt je sechs Stabsoffiziere - Station Chief, Deputy Station Chief, Operations Officer, Operations Assistant, Training Officer and Military Personnel Officer. Die weiteren den beiden Outstations zugeteilten Offiziere (33 bei OGG-D und 37 bei OGG-T) sind in jeweils drei Teams organisiert: - Team Citadel; - Team Sultan; - Team Oasis; mit fünf OPs bei OGG-D und Team Hermon, Team Eagle und Team Wadi mit sechs OPs bei OGG-T. Die Hauptaufgaben der beiden Outstations sind die Besetzung der Observation Posts (OPs) und damit die Verdichtung der Beobachtung der Truppenentflechtungszone gemeinsam mit den Positions von UNDOF. Darüber hinaus erfolgen nur durch die Beobachteroffiziere - UNDOF ist daran nicht beteiligt - alle 14 Tage die Inspektionsfahrten, die so genannten Inspections.

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Observation Posts

OGG-D/OGG-T sind verantwortlich für die Besetzung von insgesamt fünf/sechs Observation Posts, die sich für OGG-D entlang der "B-Linie" auf der syrischen Seite und für OGG-T entlang der "A-Linie" auf der israelischen Seite in der Area of Separation befinden. Es handelt sich dabei in der Regel um ein abgesperrtes, Tag und Nacht beleuchtetes Gelände in der Größe von ca. 400 m2. Infrastrukturell sind ein Unterkunftsgebäude (zwei Schlafzimmer, Aufenthaltsraum und Küche), ein Gebäude mit Generator, WC und Dusche, eine Aussichtsplattform, von der aus die ständige Beobachtung der Zone erfolgt, und ein Bunker vorhanden. Das gesamte Areal ist von einer massiven Mauer, welche Flachfeuer und Artilleriesplitter abhalten soll, umgeben.
Auf jedem OP arbeiten jeweils zwei UNMOs verschiedener Nationalität für jeweils sieben Tage, wobei sie auf sich selbst gestellt sind. Das heißt, es gibt keine externe Versorgung mit Lebensmitteln und dergleichen, die Offiziere sind selbstverantwortlich für die Organisation ihres Dienstes bzw. ihres Alltages. Nach einem genauen Plan wird im Voraus festgelegt, wer wann wofür zuständig ist. Dabei stellen die militärischen Anforderungen, wie das Beobachten, Identifizieren und Melden sowie der englische Funksprechverkehr oft das geringere Problem dar, verglichen mit den logistischen Herausforderungen.
Neue UNMOs werden im Rahmen ihres Dienstes am OP als Junior bezeichnet, nach Absolvierung von drei OPs und einer Einschulung durch ihren dienstälteren OP-Partner (Senior), legen sie eine Prüfung (Chief Challenge) ab, die sicherstellen soll, dass sie über die Gegebenheiten des Geländes und die Aufgaben am OP Bescheid wissen. Bei der Chief Challenge überprüfen der Station Chief und der Training Officer den theoretischen und praktischen Wissensstand (Erkennungsdienst, Geländekenntnis, Meldeverfahren und Szenarien). Danach werden die Juniors zu Seniors befördert und als solche eingesetzt.
Der OP-Besatzung steht ein Allradfahrzeug zu Verfügung. Damit werden einerseits die Ablösen durchgeführt und andererseits Patrouillen- und Inspektionsfahrten erledigt. Gleichzeitig muss aber die durchgehende Besetzung der OPs sichergestellt sein.
Wird eine Übertretung des Waffenstillstandsabkommens (Violation) festgestellt, so meldet der UNMO an das Operations Center von UNDOF.
Von dort aus erfolgen die weiteren Maßnahmen bzw. Meldungen. Das Einsatzspektrum reicht vom Einsatz einer Eingreifgruppe (RRP - Rapid Reaction Patrol; zwei bis vier Soldaten in ungepanzerten Kfz bzw. RRG - Rapid Reaction Group; sechs bis acht Soldaten in gepanzerten Kfz) bis hin zum formellen Protest im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in New York.
Die Bandbreite der Violations wiederum reicht von harmlosen Schäfern, die ihre verirrten Tiere zurückholen wollen, bis zu Luftfahrzeugen, die der Waffenstillstandslinie zu nahe kommen oder diese überfliegen.

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Inspections

Alle vierzehn Tage, derzeit bei OGG-D immer mittwochs und bei OGG-T immer montags, werden innerhalb der Area of Limitation Inspections durchgeführt. Die Area of Limitation gliedert sich zu beiden Seiten der Truppenentflechtungszone in drei Abschnitte, die 10, 20 und 25 Kilometer tief sind und für die im Waffenstillstandsabkommen definiert wurde, wie viele Soldaten und Waffen jeweils stationiert sein dürfen. Auch welcher Art die Waffen sein dürfen, ist festgeschrieben. In der AOL befinden sich mehrere hundert Positions, die in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden. Zur Erleichterung der Kommunikation zwischen dem Inspection Team, welches aus zwei UNMOs verschiedener Nationalität besteht, und den Soldaten der Gastländer, ist immer ein Verbindungsoffizier Teil des Inspection Teams. Wird UNTSO der Zutritt zu einer Position verwehrt, ist dies eine Violation und es wird dem Force Commander UNDOF gemeldet, welcher in weiterer Folge entscheidet und Maßnahmen trifft.

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Resümee und Ausblick

Die 1948/49 definierten Aufgaben der UNTSO sind durch alle Kriege und Krisen des Nahen Ostens hindurch im Wesentlichen dieselben geblieben. Insgesamt waren bisher 6 000 Militärbeobachter aus 23 verschiedenen Nationen für UNTSO im Einsatz. Die immer wieder aufflammenden Kriege (1956 die Suez-Krise, 1967 der Sechstage-Krieg, 1973 der Yom-Kippur-Krieg, zuletzt im Juli/August 2006 der Libanon-Krieg) verlangten ein hohes Maß an Flexibilität und forderten bisher 44 Todesopfer. Die UNTSO war in den Gastländern zwar nicht immer willkommen, trotzdem steht fest, dass diese Organisation als solche respektiert und ihre Mitglieder in der Ausübung ihres Auftrages geachtet wurden und werden. Der Angriff auf den OP Khiam wird von israelischer Seite als Versehen dargestellt, allerdings haben die Umstände der Katastrophe zu großer Verunsicherung geführt und müssen restlos aufgeklärt werden! Der große Vorteil von UNTSO, neben dem bereits erwähnten hohen Maß an Flexibilität, ist wohl ihr zeitlich und räumlich (auf den Nahen Osten bezogen) uneingeschränktes Mandat. Alle anderen im Nahen Osten tätigen UN-Missionen haben räumliche Einschränkungen und müssen ihr Mandat alle sechs Monate durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verlängern lassen.
Dort, wo eine klare Aufgabenteilung, wie bei der UNDOF, zwischen den Beobachteroffizieren und der bewaffneten Force gefunden wurde, können die UNMOs eine perfekte und kostengünstige Ergänzung zur Force darstellen und ihre Stärken voll ausspielen.
Eine wesentliche Rolle spielen dabei vor allem auch die Gastländer, welche für die Sicherheit der Beobachteroffiziere garantieren. Im Südlibanon ist die Rolle zwischen der OGL und der UNIFIL durch das neue Mandat und den massiven Einsatz sowohl von UN-Truppen wie auch der libanesischen Armee erst im Frühjahr 2007 genau definiert und bestimmt worden. So steht nun nicht mehr die Beobachtung der Blue-Line - der Grenze zwischen Israel und dem Libanon - im Vordergrund, sondern vielmehr die Liaison und das Monitoring im gesamten Verantwortungsbereich von UNIFIL. Der Aufgabenbereich der Beobachteroffiziere der UNTSO ähnelt mittlerweile denen der Liaison Observation Teams und Liaison Monitoring Teams am Balkan.
Durch das große Know-how und die Flexibilität, aber auch vor allem aufgrund der günstigen Kostenrelation im Vergleich zu UN-Forces, wird die UNTSO auch weiterhin eine wichtige Rolle im Nahen Osten spielen.

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Quellemverweise

Autor: Oberst Gerd Schrimpf, MSD, Jahrgang 1959. 1978 bis 1981 Offiziersausbildung an der Theresianischen Militärakademie zum Technischen Offizier. 1981 bis 1999 Dienst im Versorgungsregiment 1 (2) als Zugskommandant, Kompaniekommandant sowie als S3. Auslandseinsätze: UNDOF (1983, 1985 und 2004 als Kommandant AUSBATT), UNTSO (1989 bis 1991; 2006/07 Chief Observer Group Golan-Damascus), IFOR (1996). 1999 bis 2002 Dienst im Korpskommando I in der G3-Abteilung als Referent Ausbildung; 2002 bis 2006 im Kommando Internationale Einsätze als Referatsleiter Psychological Operations und Leiter der Stabsabteilung 5. Seit 2007 stellvertretender Leiter Informationsoperationen im

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Der Yom-Kippur-Krieg

Dieser Artikel ist noch in Bearbeitung und wird etwa in einem Monat fertiggestellt sein. Bis dahin bitte ich um etwas Geduld.

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UNEF II

In the Service of peace

UN-Einsatz 1973-1974 - Tagebuchaufzeichnungen

UNDOF Golan

Vorgeschichte

In der ersten Jahreshälfte 1973 meldete ich mich im Einverständnis mit der Familie zum Auslandseinsatz beim UN-Kontingent auf Zypern (AUSCON/UNFICYP.) Nach Ausbruch des Oktoberkrieges im Nahen Osten und des darauf folgenden Waffenstillstandes, kam es zur Aufstellung einer UN-Friedenstruppe (UNEF), an der das Österreichische Bundesheer sich mit 600 Mann beteiligen sollte. Am 26.10. kam es zur Verlegung von Teilen von AUSCON /UNFICYP nach Ägypten, zwischen 9. und 14.11. wurde 184 Mann und 60 t Gerät durch russische Transportflugzeuge des Typs Antonow von Wien nach Kairo geflogen. Der Einberufungsbefehl erreichte mich in der Woche zum 18.11.73

(Die folgenden Aufzeichnungen enthalten nur die zum Thema relavanten Texte)

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorbereitende Maßnahmen 19.11.- 13. 12. 1973
  2. Eintreffen in Kairo
  3. Die allgemeine Lage
  4. Das UN-Camp Ismailia
  5. Close the Hole - die UNEF verdichtet ihre Linien
  6. Der Unglückstag
  7. Übernahme der 1.Kompanie
  8. Operation Calendar
  9. Die Ruhephase
  10. Alkoholisches
  11. Bundeskanzler Dr. Bruno Kreisky in Ismailia
  12. Flottenbesuch
  13. Die Verlegung nach Suez
  14. Sinai
  15. Das Schlachtfeld
  16. Das Leben in der Pufferzone
  17. Lagerleben in Suez - der Pressebesuch
  18. Zurück in die Wüste
  19. Auf Moses Spuren zum Katharinenkloster
  20. Die große Rotation
  21. Der Auszug aus Ägypten

Vorbereitende Maßnahmen 19.11.- 13. 12. 1973

Montag 19.11.1973
Treffe um ca. 0300 Uhr in der Maria-Theresien-Kaserne ein. Der KvT, der mir meine Unterkunft zeigt, erzählt mir, dass er schon seit 3 Wochen auf den Abflug warte. Um 1400 Uhr Antreten aller einberufenen Soldaten, Bekanntgabe der Einteilung und des Zeitplanes der Vorbereitungs-maßzahmen.
Meine Einteilung lautet: UNEF/Ägypten, Abflug des Kontingentes am 23.11. Bin im Dilemma, da ich meiner Frau versprochen hatte, da nicht hinzugehen. Andererseits will ich nicht den Anschein erwecken, mich vor einer Herausforderung zu drücken. Außerdem war meine vorgesehene Einteilung als Kommandant der 4. Kompanie ein entsprechender Anreiz, nach Ägypten zu gehen.
In diesem Dilemma kam mir eine nachhaltig andauernden Telefonstörung entgegen, die eine Rücksprache mit meiner Frau zunächst unmöglich machte. Der nahe Abflugtermin am 23.11. war eine weitere Erleichterung meiner Entscheidung für den Nahen Osten.
20. -22.11.1973
Untersuchungen und Impfungen aller Art im Heeresspital unde im Institut für Tropenmedizin
Verabschiedungen und Verwandtenbesuche in Wien und Klosterneuburg.
Der geplante Abflug am 23.11. um 1400 Uhr wir auf nächsten Tag verschoben und in weiterer Folge für 3 weiter Wochen hinausgezögert. Der Grund war der plötzliche Abbruch der Transportflüge durch die Russen infolge politischer Verstimmungen mit der UNO.
23.11. bis 13.12. 1973
Eine nervenaufreibende Wartezeit für das inzwischen auf mehr als 200 Mann angewachsene Marschkontingent unterbrochen durch kurze Beurlaubungen über die Wochenenden
Es wird versucht diese Zeit mit Auswbildung zu überbrücken und erkläre mich bereit diese Aufgabe zu übernehmen Es fehlt aber an Gerät und KFZ, um ins Gelände zu kommen und schließlich auch am guten Willen so mancher Dienststelle. Donnerstag 13.12.73
Endgültige Festlegung des Abfluges auf 14.12.
Auf Grund meiner bisherigen Aufgaben wurde ich als Transportkommandant des 1.Marschpaketes eingeteilt. Der Abflug des 2. und 3. Marschpaketes (KFZ und schweres Gerät) war für den 15.11. vorgesehen. Die Transportflüge werden durch die US-Airforce mit sechs C-141Starlifter durchgeführt.

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Eintreffen in Kairo

Freitag 14.12.1973
Um 0400 Uhr ist Tagwache und Abmarsch auf den Flughafen Schwechat um 0930 Uhr Start und planmäßiger Abflug, um 1345 Uhr Landung in Kairo. Empfang durch ägyptische Militärpolizei, die uns vorerst 1 ½ Stunden am Flugfeld vermutlich wegen Henry Kissinger, der sich auf seiner Friedensmission befindet, warten lässt. Einstellen der Uhren auf Lokalzeit (= Ost-Europäische Zeit)
Endlich Fahrt in das Shams-Camp, das Basislager der UNEF im Kairoer Stadtteil Heliopolis. Transportmittel sind ägyptische MTW, russischer Herkunft, die Fahrer sind österreichische UN-Soldaten. Zu diesem Zeitpunkt verfügen weder UNEF noch AUSBATT über eigenen Transportraum, so dass man auf Leihfahrzeuge der Ägypter angewiesen ist. Ursprünglich stellten sie auch die Fahrer, ein Service auf das bald verzichtet werden musste, nachdem ganze Wagenladungen an Versorgungsgütern verschwunden waren.
Das Camp ist noch primitiv eingerichtet, es gibt zwar Zelte aber keine Schlafgelegenheiten, unsere Luftmatratzen, wie vieles andere Mobilar und Gepäck sind noch auf dem Lufttransport.
Um 1800 Uhr erscheint der Bataillonskommandant

Weingerl
Foto: Klinger
ObstLt Dr. Erich Weingerl.
Bataillonskommandant AUSBATT
Er war bereits Kommandant des AUSCON in Zypern und ging mit Teilen der Stabskompanie und der 1. Jägerkompanie am 26. 10. 1973 nach Ägypten.
Ursprünglich als Polizeijurist im Staatsdienst, ging er zur B-Gendarmerie, von wo ihn die meisten "Alten Hasen" als Kommandant der legendären Mondscheinkompanie kennen. Danach war er in der Intendanzabteilung des Ministeriums tätig und hatte erheblichen Anteil an der Gestaltung der Bekleidung und Ausrüstung. Er ist der Schöpfer der nach ihm benannten Schaftschuhe, die heute fast jede Armee der Welt als "Weingerlschuh" trägt.
Von 1958 bis Ende 1962 war er als Kommandant der Brigade-Aufklärungskompanie 6 (AufklKp 6) mein Kompaniechef. Als außerordentlicher Praktiker vetrat er einen modernen Führungsstil, der Kompetenz über Autorität stellte. Er war auch ein "I-Tüpferlreiter", dem kein Detail entging und verlangte auch von seinen Leuten ein Höchstmaß an Genauigkeit.
Als Kommandant des Jägerbataillons 21 in Kufstein wurden diese Anforderungen von seinen Mitarbeitern noch geschätzt, als Kommandant des UN-Bataillons fand er nur mehr wenig Verständnis, sei es weil man sich von einem Bataillonskommadanten mehr eindruckerweckendes Auftreten erwartete. Sich dieser Tatsache bewusst und verunsichert, vergrub er sich noch mehr in Kleinigkeiten.
Für mich war er ein überaus korrekter und gerechter Vorgesetzter, an dem ich mich stets orientiert hatte.

Wir kennen uns bereits seit einigen Jahren, als er mein KpKdt in der Brigade Aufklärungs-Kompanie 6 war. Wir kennen und also gegenseitig gut und jeder über die Eigenheiten, Vorzüge und Fehler des Anderen ziemlich gut Bescheid . Er teilte mir mit, dass das AUSBATT nicht aus 4, sondern aus 3 Jägerkompanien bestünde, deren Kommandanten er bereits bestellt habe. Ich müsse mich daher gedulden, bis Hptm Dallinger seinen UN-Einsatz im Februar 74 beendet habe, um seine Stelle als Kommandant der 1.Kp zu übernehmen.
Nach diesem etwas ernüchternden Empfang lädt Olt Scherer, Zugskommandant und seines Zeichens Lateinprofessor zu einem ersten Besuch von Kairo ein. Um diese ersten Eindrücke richtig nahe zu bringen, halte ich es für notwendig, die politische und militärische Lage der ganzen Region näher zu erläutern:

Kanalzone
Satellitenbild
Der Suezkanal
Das Satellitenbild zeigt uns den Suezkanal in seiner ganzen Länge. Bei Vergrößern des Bildes durch anklicken auf volle, sind auch die Landschaftsformen Straßen und Ansiedlungen wie deren Beschreibung genau zu erkennen.
Schon seit dem 14. Jahrhundert vor Chr. hatten die alten Ägypter eine Kanalverbindung zwischen dem Mittelmeer bzw. dem Nil und dem Roten Meer geschaffen. Ein Teilstück davon ist bis heute mit dem Ismailia-Kanal erhalten geblieben und verbindet Ismailia durch einen für kleine Kähne schiffbaren Wasserweg mit dem Niltal.
Es ist überliefert, dass der Altägyptische Kanal unter einem schlechten Stern gestanden habe, denn ein Orakelspruch aus der Zeit des Pharao Necho (616-600), besagt, dass der Kanal nur den Fremden nützen würde.
Dieses Orakel scheint sich voll bewahrheitet zu haben, als nach Fertigstellung des modernen Kanals die damaligen Kolonialmächte England und Frankreich die Kontrolle über das Gebiet übernahmen Erst 1956 wagte es der damalige Staatschef Ägyptens, Gamal Abdel Nasser, die nationalen Eigentumsrechte einzufordern und den Kanal samt seiner Betriebseinrichtungen zu verstaatlichen. Aus den beträchtlichen Einnahmen der Schiffspassagen sollte der Assuanstaudamm finanziert werden.
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Die allgemeine Lage

Der Jom Kipur-Krieg war zwar seit Ende Oktober durch einen äußerst labilen Waffenstillstand beendet. Die Kampfhandlungen konnten jederzeit wieder zum Ausbruch kommen, was durch die täglichen, von beiden Seiten geführten Feuerüberfälle mit Artillerie und schweren Waffen zum Ausdruck kam. Die 3. Ägyptische Armee war zwar auf der Sinai Halbinsel so Suez von allen Versorgungsmöglichkeiten abgeschnitten, das gleiche Schicksal drohte aber auch den israelischen Truppen, die unter der Führung des General Sharon am Westufer des Suezkanals einen Brückenkopf bildeten, falls es zu einer Fortsetzung des Krieges kommt.Dank der materiellen Unterstützung der Sowjets, konnten die Ägypter ihrerseits einen Belagerungsring um diesen Brückenkopf aufbauen, der Tag für Tag massiver wurde.
Der UN Sicherheitsrat war daher bestrebt ein Kippen dieser militärischen Pattstellung zugunsten der Ägypter unter allen Umständen durch die Zwischenschaltung einer Pufferzone zu verhindern. UNEF 2 1 unter der Führung des finnischen Generalleutnant Ensio Siilasvuo (Chief Coordinator for UN-Opersatins in the Middle East) war beauftragt vorerst den Waffenstillstand gem. den UN-Resolutionen 399, 340 und 341zu überwachen und eine Truppenentflechtung durchzuführen. Die Verhandlungen zwischen den Kriegsparteien fanden am legendären Kilometerstein 101 unter der Leitung der UNEF statt und waren bei meinem Eintreffen in vollem Gange.

Suezfront Die Front am Suezkanal 1973
Die Aufforderung zur Einstellung der Kampfhandlungen durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen kam den Streitparteien gleichermaßen gelegen, auch wenn der Zeitpunkt nicht ganz dem Israelischen Operationsplan entsprach und vor allem der Querkopf Sharon sich um einen glänzenden Sieg betrogen sah. Offenbar hatte er übersehen, dass mit dem Vorstoß auf Suez die israelischen Verbände eine offene Flanke von 200 km hatten, welche die 1. ägyptische Armee, die dank der materiellen Nachrüstung durch die Sowjets ihre Verluste ausgleichen konnten, aufzureißen drohte.
Aus diesem Grunde war die Aufgabe des AUSBATT besonders heikel, weil bei einem Überraschungsangriff, - und nur ein solcher hätte Aussicht auf Erfolg, - die österreichischen Positions als erste getroffen würden. Was das bedeutet, können jene UN-Beobachter nachfühlen, die vom Angriff der Ägyper im Pktober überrollt wurden und 2 von Ihnen getötet wurden.
Die anfangs 5 errichteten Positions sollten daher verdoppelt werden, um vor allem die klaffende Lücke zwischen 103 und 104 zu schließen.

Eine der wichtigsten Verhandlungspunkte war auch die Versorgung der auf Sinai eingeschlossenen Verbände der 3.Ägyptischen Armee.
Zum Zeitpunkt meines Eintreffens war UNEF noch in Aufstellung begriffen und bestand vorwiegend aus Kontingenten von Finnen, Schweden Kanadiern und Österreichern, die von Cypern abgezogen wurden.
Sie waren sozusagen die Feuerehr zwischen den Fronten und der Kern der Führungsstäbe der Bataillone. Das UNEF HQ wurde vorwiegend aus dem Personal von UNTSO 2gebildet Die Hauptstadt Kairo etwa 100 Km vom Kampfgebiet entfernt, zeigte alle Merkmale einer vom Krieg bedrohten Stadt, von denen die Verdunklungsmaßnahmen am augenfälligsten waren. Die sprichwörtliche ägyptische Finsternis wurde lediglich von wenigen Straßenlampen durchbrochen, der Straßenverkehr erinnerte an die unseligen Zeiten des 2. Weltkrieges. Es wäre aber nicht der Orient, würde der Verkehrsfluss durch die Sichtverhältnisse beeinträchtigt, oder eine Massenkarambolage unvermeidlich sein. Die Verkehrsteilnehmer geben zwar ihr Bestes an Fahrgeschicklichkeit und überlassen das Übrige einfach Allahs Fernsteuerung, uns Europäern als "Kismet" bekannt. Mit dieser Art orientalischer Problemlösung werden wir uns in Hinkunft abzufinden haben.

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Das UN-Camp Ismailia

16. und 17.12. 1973
Einweisung in den Einsatzraum UNEF/AUSBATT 3
Sonntag 16.12. 0700 Uhr Abfahrt zu den Positions der 1. Kompanie, Pos 101, 102,und 103 Nach Überschreiten der ägyptischen Front bei Abu Soweir, treffen wir auf einen israelischen Vorposten.
Erster Kontakt mit den Israelis, vergebliches Warten auf die israelische Eskorte, nehmen daher einen weiteren Umweg in Kauf und erreichen schließlich unser Ziel.
In diesem Frontbereich ist es absolut ruhig und die Einweisung ist sehr interessant, die Mannschaft macht einen sehr guten, disziplinierten Eindruck. Das Leben auf den Pos scheint zwar eintönig zu sein, trotzdem sind die Leute lieber draußen, als in Ismailia. (Später werde ich diese Erfahrung selber machen)

Pos101 Pos102 Pos103

Montag 17.12. 0830 Abfahrt zu den Positions der 2. Kp Pos 104 und 105. Ähnliche Eindrücke wie am Vortag und Ruhe an der Front. Nach Rückkehr wird es allerdings lebendig! Ein kleiner Vorgeschmack auf das, was wir noch erleben werden
Pos105
Foto: UNEF/Nagata Dienstag 18. 12. 73
Nach einer Aussprache mit dem Kp Kdten Hptm Dallinger, haben wir uns darauf geeinigt, dass ich mich als sein Stellvertreter mit der Dienstaufsicht der in Ismailia befindlichen Teile der Kp befasse und die Ausbildung der Newcomer übernehme. Das Betriebsklima zwischen uns scheint in Ordnung zu sein. Er selbst besucht täglich seine Positions, zwischen denen die Errichtung von 2 Weiteren geplant ist. Nachts wird fast ununterbrochen geschossen. Der ägyptische "Volkssturm", offenbar als Wachen und Sicherungsposten eingesetzt, feuert auf alles, was sich bewegt und wenn sich nichts bewegt, wird einfach in die Luft geballert. Ab Einbruch der Dunkelheit herrscht daher striktes Ausgangsverbot für das gesamte UN-Personal.
Samstag 19.12.1973
Da sich der 1.Zug der Kp auf Recreation in Kairo befindet, fahre ich heute zur Dienstaufsicht dorthin. Die Leute sind im bereits erwähnten "Shams Camp", das als Basislager der UNEF dient, untergebracht. Natürlich nütze ich auch die Gelegenheit, um mir ein erstes Bild von Kairo zu machen. Im Basar mache ich einige Weihnachtseinkäufe. Das Angebot an Wahren reicht vom Ramsch bis zu echten, wertvollen Stücken des orientalischen Kunsthandwerks.
Am Abend erhalte ich endlich den Fotoapparat, den mir ein Jahrgangskamerad, der sich als Beobachter bei UNTSO, ICC4 befindet. Aufgabe der UNTSO ist vorwiegen die bewegliche Überwachung des Frontgebietes, während die Bataillone der Force diese Tätigkeit aus den Positions wahrnehmen. Im Gegensatz zur Force sind die Beobachter, oder kurz UNMO 5 genannt, unbewaffnet.
20. - 22.12.1973
Ich lasse den Unterkunftsblock, ein dreistöckiges Gebaude, das die vergangenen Kämpfe relativ wenig beschädigt überstanden hatte, gründlich reinigen und die WC und Waschräume reparieren. - Langsam gewöhnt man sich ein.
Außer neuen Bekanntschaften im ICC, einem russischen UNMO und dem Chef des ICC, ein UNMO aus Frankreich, ist meine Premiere als Duty-Officer eine Erfahrungen der besonderen Art:
Ein Reporterteam der Bunten Illustrierten begehrt forsch um ein Photoshooting, ist aber weder angemeldet noch kann der Wortführer eine schriftliche Genehmigung vorweisen. Um sicher zu gehen, wage ich es, trotz besseren Wissens Weingerl aus seinem Schlaf zu stören. Der schmeißt dann das ganze Team persönlich raus, nicht ohne mir vorher sein Missfallen über die Ruhestörung zu bekunden. Immerhin schien die Sache so wichtig, als der Vorfall auch im Monatsbericht nach Wien gemeldet wurde.
Erstmaliges Auftreten des Kommandanten der Nord- Brigade, General Soutanto aus Indonesien und Bekanntschaft mit dem CO von ICC, einem französischen Major.
Die häufigen Besuche im ICC gelten vorwiegend meinem Jahrgangskameraden von der MilAk, Hptm Buzek, der mir bei der Eingewöhnung in die Sitten und Gebräuche der neuen Umgebung behilflich ist. Hier herrscht vorrangig das Motte den Newcomer "blöd sterben lassen".

Sonntag 23. 12. 73 Fahre um 0900 Uhr zu den Positions. Heute werde ich meine ersten Fotos machen können. Grundsätzlich gilt allgemeines Fotografierverbot und man darf sich keinesfalls von den Ägyptern erwischen lassen . Beim Passieren der Frontlinie von AREF geraten wir in Artilleriefeuer. Die Einschläge sind etwa 100m neben der Strasse. Kurz entschlossen fahren wir weiter. Später sollte sich herausstellen, dass alle Aufnahmen wegen eines Bedienungsfehlers unbrauchbar waren. Deppensichere Kameras gab es damals noch kaum.
Bei den Israelis werden wir freundlich empfangen und tauschen Zigaretten und verschiedene Konserven und Getränke. Am begehrtesten sind Spirituosen. Auf dem Rückweg nach Ismailia lerne ich Achmed kennen. Er ist Militärpolizist an einem Checkpoint vor Ismailia und Sportlehrer von Beruf. Bei einer Tasse Tee erklärt er dass er vom Krieg die Nase voll habe. Das haben die Beteiligten übrigens auf beiden Seiten der Front, nur wissen sie nichts von einander. Abends lerne ich im ICC einen Russen kennen. Wir diskutieren bis 0300 Uhr früh unter anderem auch über das Engagement der Sowjets im Yom Kippuhr Krieg. Er ist als Panzeroffizier schockiert über die Verluste modernster Panzern sowjetischer Herkunft und beklagte, dass seine Einheit in der Heimat noch immer mit den alten Panzern ausgestattet sei.

Montag 24.12.1973 Heiliger Abend. Bei strahlendem Sonnenschein und 20° C ist es kaum möglich, sich in Weihnachtsstimmung zu versetzen. Das einzige Gefühl ist Heimweh. Auch der Wunsch auf einer Position zu sein kommt auf, denn dort ist auch so auch so etwas, wie eine Familie.
Hier in Ismailia lassen die Anzeichen, wie Gegröle von Weihnachtsmelodien aus Richtung der kanadischen und schwedischen Unterkünfte, eher ein lärmendes Massenbesäufnis erwarten.
Die Christmette soll auf dem Dach gefeiert werden. Meine Befürchtungen, wie störendes Hintergrundgegröhle und eine süssliche Weihnachtspredigt vom Pfarrer bleiben aus und es wird ein wunderschöner Weihnachtsabend. für ein besonders festliches Feurwerk sorgte der einheimische Volkssturm, was mich irgendwie an die Festtagsbräuche unserer Tiroler Schützen erinnert.
Dafür fiel an der Front fast kein einziger Schuss.

25. - 26. 12. 73
Verbringe die Weihnachtsfeiertage in Kairo im vornehmen Hotel Hilton. Der Zimmerpreis kann mit dem des Wiener Hilton nicht verglichen werden.

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Close the Hole - die UNEF verdichtet ihre Linien

So lautete angeblich der Befehl von General Siilasvuo an unseren BKdt ObstLt Weingerl, womit das AUSBATT die etwa 30 km breite Lücke zwischen Pos 103 und 104 schließen sollte.

Donnerstag 27.12.1973

Fahrt in das Gebiet der neu zu errichtenden Positions. Heute ist es wirklich spannend, denn wir wollen versuchen, auf Pos. 104 zur 2.Kp zwischen den Fronten durch zu stoßen
Das Erkundungskommando bestand aus dem S3, Hptm Wieser, FMO Hptm Weber, Kdt 1.Kp Hptm Dallinger, dem S2 Olt Buchinger und einigen weiteren Stabsangehörigen. Wir fuhren auf 3 Landrovern. Selbstverständlich war das Unternehmen von UN- und Bataillonskommando geplant und mit den Verbindungsoffizieren von AREF und IDF abgesprochen.
Etwa 1 km südlich der geplanten Position 110 wird das Gelände immer unübersichtlicher und ist kaum mehr befahrbar. Hier endeten auch alle Informationen der Ägypter und Israelis über Minenfelder, vom Frontverlauf ist nur mehr ein ägyptischer Stützpunkt in etwa 1000 m Entfernung zu sehen. Hptm Wieser entschließt sich, den Kdt dieser Stellung zu kontaktieren, Hptm D. und ich gehen mit und werden prompt unter Feuer, vermutlich üsMG, genommen obwohl wir gut sichtbar eine UN Flagge führen. Wir liegen allesamt flach im Sand, rundum die Einschläge, nur unsere Stahlhelme sind in Sicherheit auf den Fahrzeugen.
Als das Feuer eingestellt wird, da man uns offensichtlich erkannt hat, setzen wir den Weg in Richtung der Stellung fort, wo wir schließlich unter höflichen Entschuldigungen zum Tee geladen werden. Die Informationen, die wir bekommen, sind so vage dass das Unternehmen abgeblasen wird. Auf der Rückkehr zu Position 103 bekommen wir es nochmals knüppeldick gezeigt, dass wir uns in einem Krieg befinden: Ein Artillerieduell bei dem die Einschläge bedrohlich nahe kommen und unsere Unterstände einigermaßen ein beruhigendes Gefühl vermitteln.
Dieser Tag ist besonders reich an erfahrungen, besonders was den richtigen Gebrauch des Stahlhelms anbelangt.
Freitag 28.12.1973
Hptm Dallinger fährt auf Heimaturlaub, ich führe die Kompanie.
Erstes Heimatfunkgespräch mit Inge. Man kann allerdings kaum sagen was man wirklich fühlt, weil man nicht allein im Raum ist. Ich selbst bin derart heiser (akute Halsentzündung), dass ich kaum sprechen kann und jemanden bitten muss, das für mich zu tun.
Montag 31.12.1973, Sylvester
Keine besonderen Ereignisse bis zur Sylvesterfeier. Wenn man bedenkt welche Vorbereitungen man zu Hause trifft und welche Bedeutung man dem Jahreswechsel beimisst, kommt einem das hier fast lächerlich vor. Schon deshalb, weil die Araber einen anderen Kalender haben. Hier (im Orient) spielt die Zeit überhaupt keine Rolle.
Abends dann die verrückteste Sylvesterfeier die man sich vorstellen kann. Um Mitternacht versammelte sich alles was noch auf den Beinen stehen konnte, auf den Dächern unserer Wohnblöcke. Schlag 12 begann ein Feuerzauber, der bisher alles Dagewesene übertroffen haben muss. Auch die Kanadier feuerten aus allen Rohren. Selbst vom Dach der Schweden waren ein paar Feuerstöße zu hören.
Die schwedischen Schützen wurden, wie man später erfahren konnte, nach Hause geschickt, für uns hatte das keine Folgen, man hätte ja gut zwei Drittel des Bataillons repatriieren müssen. Daran war auch niemand interessiert, denn der Bataillonskommandant ObstLt Weingerl befand sich auf Heimaturlaub und sein Stellvertreter Mjr Ehrl, war vom Geschehen derart überrascht, dass er sprachlos dem Treiben zusah.
Die verschossene Munition bekamen wir von den Israelis, denn die hatten so reichlich davon, dass einige Dutzend Verschläge keine Rolle spielten. Dieser Munitionsersatz hatte allerdings zur Folge, dass noch Jahre danach Patronen mit Losnummern in Hebräischen Schriftzeichen in den heimatlichen Munitionsbeständen auftauchten.

Dienstag 01. 01. 74 - Neujahrstag
Besuch der Positions. Es fällt kein einziger Schuss. Nachmittag Übernahme Duty, auch nachts kein ShootRep.

Mittwoch 02. 01. 74
Wir beginnen mit dem Bau der Position 108, (die bereits am 27. 12. erkundet und festgelegt wurde)
Die Pioniere prüfen das Areal auf Minen und Blindgänger. Gegen Mittag beginnen die Ägypter (wieder) mit Artilleriefeuer, 15 Minuten spätern antworten die Israelis. Das Feuer hält bis 1400 Uhr an. Am frühen Abend (wieder im Camp Ismailia) geht eine Rak-Batterie (Katjuscha) hart ostwärts des Camps in Stellung. Um 1730 Uhr beginnt sie zu feuern. Es ist ein überwältigender Eindruck. Die Einschläge liegen auf der gegenüberliegenden Seite des Timsah See, wo das Kriegerdenkmal steht. Die israelischen Stellungen werden mit Flächenfeuer zugedeckt.
Erstmalig erleb ich selbst, was ich nur aus Schilderungen von der Wirkung der Stalinorgeln im 2. Weltkrieg gekannt habe.
Vom Dach des Unterkunftgebäudes wird das Ereignis staunend beobachtet. Ich habe größte Bedenken eine möglichen Gegenschlags der Israelis, lasse das Dach räumen um sofort die Shelter zu beziehen. Die Israelis bleiben diesmal die Antwort schuldig.
Dafür wird in der Nacht einer unserer Posten angeschossen. Es geschieht direkt unter dem Fenster meines Zimmers. Der konnte noch das Feuer erwidern, wurde aber im Unterschenkel getroffen. Er hatte Riesenglück: einige Zentimeter höher wäre in den Unterleib oder die Hüfte gegangen. Die heimische Presse - der Kurier - hat den Mann allerdings sterben lassen, bevor der Irrtum nach 2 Wochen berichtigt wurde.
Donnerstag 03. 01. 74
Heute ist Neujahrstag nach dem islamischen Kalender.
Ich übernehme den III. Zug und beginne mit dem Ausbau der Position 108. Zuerst werden Gruben ausgehoben in denen die Großzelte Schutz vor Splittern finden sollen. Zuvor allerdings wird die Centerbox, - der Beobachtungsstand errichtet, der auch während der Arbeiten besetzt ist.
Ich nehme (in Begleitung von 2 Unteroffizieren)Verbindung mit den Ägyptern auf, deren Stellungen ca. 300 Meter entfernt sind.
Zufällig ist auch ihr Bataillonskommandant vorne. Werde zum Essen eingeladen, ein einmaliges Erlebnis wie in Tausend und eine Nacht (Offenbar war man über alle Maßnahmen der UN informiert, so dass anzunehmen ist, dass dieser Empfang bereits arrangiert war.)
Das Essen ist ausgesprochen delikat und reichhaltig (Offensichtlich nicht die täglichen Kost)
Der Neujahrstag wird offensichtlich von allen Seiten respektiert, es fällt kein Schuss.
Freitag 04. 01. 74
Heute Verbindungsaufnahme mit den Israelis. Wir kommen gerade zur Kaffejause zurecht. Der Empfang ist freundlich, aber sachlich und offensichtlich nicht arrangiert.
(Diese Verbindungsaufnahmen zu den Kriegsparteien waren keineswegs von der UNEF angeordnete Aufgaben der Truppe, sondern den wenigen Verbindungsoffizieren vorbehalten. Denen aber fehlte der direkte Einblick in die Verhältnisse an der Front. Auch Seitens des Bataillonskommandos gab es diesbezüglich keine direkten Anweisungen, wurden aber wohlwollend zur Kenntnis genommen. Dieser Initiative der untersten Führungsebene war es zu verdanken, dass der Abschnitt des AUSBATT relativ ruhig blieb und die gegenseitigen Feuerüberfälle eher den Charakter von Drohgebärden hatten.)
Wochenende 05. - 06. 01. 74
Die Arbeiten auf Position 108 gehen nur langsam weiter. Wir brächten dringend Baumaschinen. Zur Unterstützung der Grabarbeiten wird der I. Zug eingesetzt. Hoffe, dass ich morgens die Zelte aufstellen kann. An der Front ist es immer noch ruhig.
Montag 07. 01. 74
Die Position ist fast fertig, die Baugruben für die Zelte ausgehoben, der Zeltaufbau kann beginnen. Position 103 wird heute von der 3. Gruppe des III. Zuges übernommen (vormals besetzt von der 3. Kompanie)
Dienstag 08. 01. 74
Einige Schweden erscheinen, angeführt vom FMO Hptm Nils Bovin: Sie sind auf der Suche nach ihren Antennen. Habe vorerst keine Ahnung wieso sie diese bei mir suchen.
Es sollte sich aber herausstellen, dass die Antennen (und manches andere Gerät)in Form einer spezifischen Variante der Geräteleihe in unseren Besitz kamen:
Bei der Einrichtung der Lager und Positions herrschten bei den Bataillonen die unterschiedlichsten Verhältnisse hinsichtlich ihrer Geräteausstattung. Während die Finnen, Schweden und Kanadier (Indonesier waren zum Beginn noch keine da) aus dem Vollen schöpfen konnten, herrschte bei den Österreichern traditionsgemäß Mangel an Allem. Das Benötigte Gerät war entweder beim Transport vergessen, oder nicht verfügbar weil aus Wien unterwegs oder am falschen Ort gelagert.
Als Weltmeister in Sachen Improvisation wurde eine etwas fragwürdige Methode der Bedarfsdeckung entwickelt, die im Wesentlichen aus einem Tauschhandel bestand:
Der ahnungslose Inhaber der erstrebten Wahre wurder vorerst mit österreichischem Charme und dann mit viel Alkohol von der Zweckmäßigkeit des Geschäftes überzeugt. Als alkoholisches Medium erwies sich der für Skandinavier und Kanadier ungewohnte Wein, besonders wirksam.
Nachdem sich diese Art der Beschaffung auch bei den Versorgungsorganen der Kanadier und Schweden herumgesprochen hatte, begaben sie sich auf die Suche. Sofern die Verluststücke mit der Serialnummer identifizierbar waren, konnten bei Aufbringung einiger Geduld und Findigkeit, die echten Besitzverhältnisse wieder hergestellt werden. Manche nicht so leicht identifizierbare Gegenstände, wie Luftmatratzen und Feldbetten, blieben jedoch dank des durch Alkoholbeeinträchtigung verlorenen Erinnerungsvermögens, für alle Zeiten unauffindbar.
In unserem konkreten Fall aber wurde die Wiederauffindung der Antennen gebührend gefeiert und waqr der Beginn einer Freundschaft, die noch Jahre über den UN-Einsatz hinaus bestehen sollte.
Mittwoch 9.1. 74
Position 108 wird heute bezogen, gleichzeitig wird mit dem Bau von 109 begonnen.
Donnerstag 10. 01. 74

Um 1100 Uhr beginnt wieder das tägliche Artilleriekonzert, der ägyptische Nachbar zeigt sich plötzlich zugeknöpft, der Start für Pos 109 scheint unter keinem guten Stern zu stehen

Freitag 11.1.74
Bekomme bei der " Mütterberatung" den Auftrag im HQ der UNEF in Kairo Den Chief Engeneer aufzusuchen und den Einsatz von Baumaschinen für den weiteren Ausbau der Positions zu organisieren.
( Die Bezeichnung Mütterberatung ist eine Erfindung der damaligen Kompaniekommasndanten und Stabsoffiziere, ich vermute dass der für humorvolle Sprüche bekannte Htm Joe Wieser, OpsA (S3)im BKdo diesen Terminus kreiert hatte.)
Auf der Fahrt nach Kairo kommt es zu einem ernsten Zwischenfall: 1 LKW, vollbesetzt mit Soldaten, die zur Recreation in Kairo bestimmt waren, gerät in massives Artilleriefeuer der Israelis. Es ist ein Wunder, dass es nur einen Leichtverletzten gab, und der hatte sich nur einen Fuß beim Abspringen vom Fahrzeug verstaucht.
Ich selbst komme unmittelbar nach dem Feuerüberfall an die Stelle und finde eine Schar zerzauster und staubiger Soldaten, die sich gerade um das Fahrzeug, das der Fahrer geistesgegenwärtig von der Straße gelenkt hatte, sammeln und erstaunlich gelassen wirken.
In Kairo steige ich im Hotel Victoria ab, ein Haus das mir Olt Scherer als preiswert empfohlen hatte. Der pompöse Empfang als Effendi zeigt, dass er mich auch mit all meinen Titeln angemeldet hatte. Nach Abnahme des Spaliers und Trinkgeldverteilung begebe ich mich in mein Zimmer, das zwar nicht den Standard des Nile Hilton aufweist, dafür aber beruhigend billig ist. Hauptsache ist warmes Badewasser und nachdem auch der fehlende Abflussstöpsel für die Badewanne vom Zimmerservice aufgetrieben werden konnte, genieße ich nach 2 Wochen wieder ein herrliches Bad.

Cembrinsky
Foto: Y.Nagata
Im Bild LCembrinkytCol aus Polen, Force Engeneer UNEF und Capt Stephan Park aus Kanada, Chief Signals Officer und meine Wenigkeit, bei der Besprechung im HQ UNEF.

Samstag 12.1. 74
Besprechung im UNEF/HQ mit ObstLt Cembrinsky, dem Chief Enginer Officer der UNEF. Fortsetzung am nächsten Tag.
Kaufe mir einen Zivilanzug, trotz billigem Preis von bester Qualität. (Das Sakko habe ich noch ein Dutzend Jahre getragen) Sonntag 13. 1. 74
Fortsetzung der Besprechung. Der "Hausfotograf" der UNEF, Mr. Nagata, ein freundlicher Japaner den ich noch oft treffen werde, fotografiert uns dabei. Das Ergebnis ist erfreulich, die Baumaschinen und ein Zug polnischer Pioniere werden zugesagt. Am folgenden Tag sollen sie bereits eintreffen.
Nachmittags ein fürchterlicher Wolkenbruch in Kairo; es regnet auch noch auf der Heimfahrt nach Ismailia. Montag 14.1.74
Besuch der Position 103 und 108. Es wieder alles ruhig, nachdem am Wochenende wieder heftig herum geschossen wurde. Abends treffen die polnischen Pioniere mit ObstLt Cembrinsky ein. Er ist ein angenehmer, zuvorkommender und freundlicher Mensch.
Dienstag 15. 1. 74
Besuch des Brigadekommandanten Generalmajor Soetanto aus Indonesien auf 109.
Soutanto
Die Polen suchen das Gelände ab. Abends Dallinger vom Heimaturlaub zurück. Morgen übersiedle ich wieder in die Wüste auf Pos 108 und das nicht ungern.

Mittwoch 16. 1. 74
Nach einem furchtbar langen Anmarsch, - die Baumaschinen haben ein Tempo von Maximal 20 kmh - beginnen die Polen zu graben. Auch die Leistungsfähigkeit der Bagger ist gering. Trotzdem bin ich froh, dass wir nicht wie zuvor auf 108 händisch graben müssen.

Baumaschine

Donnerstag 17. 1. 74
Die Nacht war kalt, der Morgen regnerisch trüb, ständiger Westwind. Nachmittags ein Wolkenbruch mit Hagelschauern bei etwa + 5° C.
Nachmittag kommt der Pfarrer nach 103. Wir nennen ihn "Seine Merkwürden, Thomas der Ölige" er weiß warum und nimmt es mit Humor. Nach Absolvierung der seelsorglichen Pflichten wird zum gemütlichen Teil gewechselt und der Abend nimmt seinen Lauf. Thomas muss auf der Position übernachten und ich fahre bei Dunkelheit auf 108 zurück. Der Weg, der die Positions verbindet ist nichts als eine Sandpiste, auf der man sicher vor Minen ist, solange man sich an die Fahrspur hält.
Um 2215 Uhr fallen einige Gewehrschüsse, - im Gegensatz zu den täglichen Artillerieduellen eine ungewöhnliche Sache, vor allem aber bei Nacht.
Freitag 18. 1. 74

Besuch bei den Israelis. Erfahre dass das Waffenstillstandsabkommen demnächst unterzeichnet wird. Man bietet mir an, meine Familie zu Hause anzurufen. Anders als wie Bei unserem Heimatfunk, kann man hier ganz normal über den Feldfernsprecher in alle Welt telefonieren, bis die Verbindung zustande kommt vergeht allerdings einige Zeit. Kann aber leider nicht darauf warten. Heute kommt Tomas auf 108 und beschloss von vornherein hier zu nächtigen. Die Polen müssen wieder zurück und brechen daher ihren Einsatz ab.

Samstag 19. 1. 74
Das Waffenstillstandsabkommen ist unterzeichnet. Hptm Wieser, OpsA oder nach unserem Sprachgebrauch der S3 des Bataillons kommt heraus. Wir fahren gemeinsam zu Pos 109, die langsam fertig wird. Das Wetter ist stürmisch und kalt.
Sonntag 20. 1.74
Dallinger kommt heraus. Von Pos 109 fahren Wir gemeinsam in Richtung zur nächsten Position 110. Wir benützen die Spur unsrer Erkundungsfahrt vom 27. 12 die gut im Gelände sichtbar ist. Trotzdem müssen wir wegen des immer stärker werden Sandsturmes umkehren.
Der Sand dringt überall ein und überzieht alles mit einer gelblichen Staubschicht. Die Zelte halten zwar eine zeitlang dicht, bis der Staub schließlich durch alle Ritzen dringt. Am Nachmittag legt sich der Sturm, und wir besuchen gemeinsam die Ägypter. Wir sind bereits gern gesehen Gäste und sollen auch ein Gastgeschenk bekommen. Den angebotenen Radioapparat kann ich aber nicht annehmen, da mir bewusst ist, das der sein ganzer Besitz ist. Um ihn nicht zu beleidigen nahm ich sein Handtuch an. Ich glaube dass auch er darüber froh war.

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Der Unglückstag

Montag 21. 1. 74

Das ist ein schwarzer Tag für uns alle.
Er beginnt aber mit einem prächtigen Morgen und völliger Windstille. Pos 109 soll noch heute bezogen werden und ich fahre mit OStV Friedl, der als Kommandant von 109 vorgesehen ist, dahin. Das Wetter ist hervorragend, unsere gestrige Fahrspur ist wie eingraviert weithin bis zum Horizont zu sehen. Eine erstklassige Gelegenheit, die gestern abgebrochene Fahrt zur Pos 110 anzutreten. Da mein Fahrer nicht dienstfähig ist, - er hat einen schlechten Zahn und soll nach Ismailia gebracht werden. Muss ich selbst den Landrover steuern und Friedl bietet sich als Beifahrer an. Wir passierten den Platz wo wir gestern umkehren mussten und 300 m weiter fuhr ich auf die Mine. Nachdem ich wieder zu mir gekommen war, sah ich dass der Platz bzw. der linke Teil neben mir nicht mehr vorhanden war.
Friedl lag neben dem Wrack. Er war bei vollem Bewusstsein und hatte furchtbare Schmerzen. Meine erste Beurteilung war offener Unterschenkelbruch, konnte aber nur geringe Blutung feststellen. Der Verbandskasten lag irgendwo im Sand und ich versuche das Bein mit meiner Mullbinde abzubinden, alle drei Binden rissen als ich zu zusammenzog. Das Abbinden schien endlich nicht nötig da die Blutung von der Schockeinwirkung völlig zum Stillstand kam. Jetzt erst nehme ich die ganze Bescherung wahr:
wir befanden uns in einem Minenfeld, bestehend aus russischen Holzminen, die teilweise vom Sand bedeckt und daher kaum sichtbar waren.

Mine Abb.links
Der total zerstörte Landrover
Die Mine wurde mit dem linken Vorderrad ausgelöst. Es war ein Minenfeld von etwa 100 m2 Ausmaß, eine Mine unmittelbar neben der Fahrertüre. Hätte sich diese öffenen lassen, wäre ich wahrscheinlich darauf getreten.Zum Zeitpunkt der Fotoaufnahme waren die Minen schon von den Ägyptern geräumt

 


Abb. rechts
Schützenmine der PMD-Serie
Der Sprengkärper sowjetischer Herkunft ist mit Ausnahme der Zündeinrichtung aus Holz.
Holzmine PMD

Endlich kommt Hilfe. Man hat die Detonation von 109 aus beobachtet, auch Ägypter tauchen jetzt auf und bald auch ein SanKW. Die Bergung aus dem Minenfeld ist äußerst gefährlich, weil die Minen nicht regelmäßig ausgelegt sind. Friedl ist entlich versorgt und wird mit dem SanKW weggebracht. Nun fange ich erst klar zu denken an, wieso das passieren konnte. Bin ich von der Spur abgewichen oder hat man die Minen erst seit Kurzem verlegt und warum. Eigentlich hätte es bei unserer Fahrt vom 27.12. krachen müssen, wenn das Minenfeld schon vorhanden gewesen wäre. Eine nachträgliche Verlegung der Minen passt einfach nicht in unser Erfahrungsschema. Ich gehe zur nächsten Stellung; es ist die selbe, wo wir schon einmal waren. Dort treffe ich einen Oberst, der mir auch keine Erklärung geben kann - oder nicht will? Er fährt mich jedenfalls bis zu dem Verbandsplatz, wo ich Friedl wieder sehe, Er wird gerade von unserem Arzt Htm Dr. Fitscha betreut und auf den Transport nach Kairo vorbereitet. Hubschrauber gibt es keinen. Irgendwie komme ich dann wieder in meine Pos 108 wo bereits Hptm Riedl von der UN-Militärpolizei auf mich wartet. Dem gebe ich alles zu Protokoll. Eine Rückkehr nach Ismailia lehne ich ab da ich jetzt von meinen Leuten gebraucht werde. Irgendjemand schickt mir eine Flasche Kognak heraus. Bei der sitzen wir alle noch bis spät in die Nacht.

Artikel
Kurier vom 22. Jänner 1974
Diese Meldung hört sich an, als ob es sich um einen Betreibsausflug handle.
Weiters enthält der Artikel eine grobe Falschmeldung, die hunderte Familien falsch interpretieren mussten, wei sie weder Namen noch Tathergang enthält.
Bein
Krone 22. Jänner 1974
Der reißerische Titel entspricht nicht den geschilderten Tatsachen. Ebenso war die Formulierung in einer leider verloren gegangenen Meldung, "der Fahrer sei 40 Meter von der Spur" abgewichen , eine Behauptung, die mich wegen grober Fahrlässigkeit vor Gericht hätte bringen können. Tatsächlich waren es 4-5 Zentimeter, wie im Unfallbericht angegeben.
Krone
Kurier vom 24. Jänner 1974
1 Woche später wird die Falschmeldung korrigiert. Gfr Huber, der am 2. Jänner 1974 als Wachposten angeschossen wurde, ist bereits wieder dienstfähig.

(Bilder anklicken, Um die Pressetexte zu lesen)
Aus obigen Pressemeldungen ist ersichtlich, wie der Minenunfall medial verarbeitet wurde.
Verzerrung von Sachverhalten, Übertreibungen und falsche Sachverhaltsdarstellungen wie diese waren an der Tagesordnung und trugen dazu bei, mein gestörtes Verhältnis zu gewissen Medien zu bekräftigen

Dienstag 22.1. 74
In Ismailia grassiert die Hepatitis.
Jetzt erst spüre ich, dass mein ganzer Rahmenbau gehörig durchgeschüttelt wurde und kann mich kaum bewegen. Ich erfahre, dass man Friedl noch am Abend das Bein bis zum Knieansatz amputieren musste. Meine Leute hatten das die ganze Zeit gewusst, als wir beim Kognak saßen. Auch meine Pistole ist verschwunden; den Grund scheine ich zu kennen und man macht sich um mich Sorgen. Ich tue daher so als würde ich das Ding gar nicht vermissen.
Schlimmer ist, dass wir auch bereits einen Fall von Hepatitis auf der Position haben. Ein Mann des Funktrupps. Am Abend dann ein zweiter Fall. Der Mann hat hohes Fieber und der SankW ist bereits mit dem einen Kranken abgefahren. Inzwischen ist es stockdunkel geworden. Ich muss den Mann daher bis zur Position 102, die an der asphaltierten Strasse liegt, bringen. Eine Fahrt zwischen den Fronten bei stockdunkler Nacht kann ich niemandem zumuten. Ich fahre daher selbst. Über Funk bekomme ich grünes Licht, die Isis geben mir eine Stunde Zeit, von den Ägyptern kommt keine Meldung, ein ungutes Gefüfühl. Irgendwann bin ich dann mit dem Kranken auf 102, wo der SanKW bereits wartete.
(Da das Bataillon damals noch keine geländegängigen SanKW hatte, musste jeder Krankentransport auf Sandpisten improvisiert werden; das Problem wurde im Mai 1974 nach der Lieferung der neuen Pinzgauer mit San-Aufbau gelöst. Auch die auf VWBus montierten Funkfernschreiber MFF1, unsere leistungsfähigsten Verbindungsmittel mussten in die Positions geschleppt werden.)
Mittwoch 23. 1. 74
Wir machen eine schwere Zeit durch, in Ismailia soll es aber wegen der Gelbsucht noch schlimmer sein. Ich glaube selbst schon angesteckt zu sein, was allerdings nur auf Einbildung beruhte. Das Wetter ist uns auch nicht gesonnen. Sandstürme und Wolkenbrüche wechseln sich ständig ab, zudem ist es bitter kalt. Sturm und Regen machen es zeitweise unmöglich das Zelt zu verlassen.
Dafür aber merkt man die Auswirkungen des Waffenstillstandes. Die Ägypter fahren jetzt mit ihren Fahrzeugen bis in die vordersten Stellungen und über den ganzen Aufregungen in eigener Sache ist uns gar nicht aufgefallen, dass seit dem 19. Jänner kein Schuss mehr gefallen ist.
Heute ist OstV Friedl mit 8 Hepatitispatienten nach Wien geflogen.

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Operation Calendar

Am 18. Jänner 1974 wurde jenes Abkommen von den Kriegsparteien unterzeichnet, das den Friedensprozess zwischen Ägypten und Israel einleiten sollte. Das unter der offiziellen Bezeichnung Sinai Separation of Forces Agreement geführte Truppentrennung sollte in einer schrittweisen Operation, beginnend am 25. Jänner 1974 die israelischen Truppen veranlassen, das eroberte Westufer des Suezkanals zu räumen, und sich auf. eine Linie, etwa 20 Kilometer westlich und annähernd parallel zum Suezkanal verlaufend, zurückziehen. Den Ägyptern wurde es gestattet, auf die Sinai nachzurücken, und einen Streifen von 10 Kilometer Breite parallel zum Suezkanal zu besetzen. Damit waren sie wieder auf dem Territorium, das sie zum Kriegsbeginn erobert hatten, was natürlich genügend Anlass bot, den Sieg aus dem vergangenen Krieg für sich zu beanspruchen. Die Israelis, mit der Nachlese ihrer eigenen politischen Probleme bereits vollauf beschäftigt, trugen es gelassen.
Ermöglicht wurde dieses Abkommens wurde durch die Friedenskonferenz vom 22. Dezember 1973 die zwar hinsichtlich ihres gesamten Zieles einer generellen Truppenentflechtung auch an der Golanfront, gescheitert war. Nicht zuletzt aber war es die hartnäckige Shuttle Diplomacy Kissingers und seines russischen Amtskollegen. Für uns selbst bedeutete es vor allem die endgültige Feuereinstellung und eine erhebliche Verbesserung unserer logistischen Situation. Bereits wenige Tage nach Beginn der Operationen verkürzte sich unser Nachschubweg in die Positions um gute 20 Kilometer. In Erster Linie war von dem Truppenrückzug der Abschnitt des AUSBATT betroffen und wir rechneten mit einerr heiklen Aufgabe
Der Abzug der Israelis begann am 25. Jänner 1974, allerdings ohne unserer geschätzten der Mitwirkung, denn kurz zuvor war die Hepatitis ausgebrochen. Nun standen wir unter Quarantäne und mussten erstmals zusehen, wenn etwas los war.

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Übernahme der 1.Kompanie

Freitag 15. 2. 74
Die Newcomer sind da: Leutnant Kofler aus Salzburg und 23 Mann. Kofler übernimmt den III. Zug. Von Operation Calendar läuft die Phase IV an, was bedeutet, dass wir jetzt doch mitspielen dürfen, weil die Quarantäne endlich aufgehoben wurde.

Die Zugskommandanten
Foto: Klinger
Lt Kofler (Mitte) wird von Olt Scherer eingewiesen. Er übernimmt den III.Zug, bestehend vorwiegend aus den Newcomers der Rotation.
Die übrigen Einteilungen:
  • KdoGrp OstV Sommer
  • DfUO Ostv Ödendorfer
  • I.Zug Olt Scherer
  • II. Zug Lt. Endisch
  • III. Zug Lt. Kofler

Der Auftrag an die Kp lautet: Verstärkung der Patrouillentätigkeit und Einrichtung stehender Spähtrupps zwischen Pos 102 und 109:
" Die 1. Kp hat die Absicht, beginnend ab 19.02. ihre Positionen durch stehende Spähtrupps zu verstärken, um ein vorzeitiges Vorgehen der Ägypter zu verhindern, sowie durch eine rasche Inbesitznahme der israelischen Stellungen eine reibungslose Übergabe an die Ägypter sicher zu stellen."
So lautete die Ziffer 2. - Absicht - meines Kompaniebefehles, schulmäßig dem Befehlsschema entsprechend verfasst und vom vorgesetzten Kommando bestätigt. 16.- 18.2. 74
Lt Kofler übernimmt den III. Zug und das Kommando über die stehenden Spähtrupps, die Besetzung der Positions bleibt unverändert. Der Informationsstand über IDF und AREF ist unbefriedigend. Werden die Isis die Raketenstellungen sprengen, oder werdenb sie sie den Ägyptern überlassen?
Werde beim Fotografieren auf der Agicultureroad von einem ägypzischen MP überrascht, kann aber im letzten Moment mit dem Landrover abhauen, - Kamera und Film sind gerettet.
Dienstag 19. 2. 1974
Um 1500 Uhr mit des Israelis, Col Gidra und Capt URI Shani auf Pos 102 über den Verlauf der Übernahme von IDF:
Am 21. Februar um 0700 Uhr früh erfolgt die feierliche Übergabe des gesamten Abschnittes auf Pos. 102.
Abends Party mit dem obersten Verbindungsoffizier des Südabschnittes (SARELO)Col Helmi und seinen Stab. Unterhalte mich mit LtCol Nagi blendend.
Mittwoch 20. 2. 1974
Die ganze Kompanie verlegt in die Wüste.
II.Zug bezieht Stellungen zwischen Pos 102 und 103
III.Zug überwacht das Zwischengelände von Pos 103, 108 und 109 Der I.Zug verbleibt nach wievor als Besatzung der Positions 103, 108 und 109
Damit ist der Abschnitt der 1. Kp nahezu lückenlos besetzt, ob es was nützt hängt von der Bereitschaft der Zusammenarbeit der Kriegsparteien ab. Überetwaige Konsequenzen bei einer Zuwiderhandlung ist allerdings nicht die Rede. Wir führen jedoch die gesamte Munition mit, die MG 74 sind auf Lafette montiert, die Stellungen wurden schon Tage zuvor ausgebaut.
Abends gibt es Abschiedsparties auf allen israelischen Stützpunkten. Schon Tage zuvor wurde vereinbar, dass die Österreicher die Getränke besorgen und die Isis für das Essen zuständig sind. Aus begreiflichen Gründen konnten an den Parties konnten natürlich nur wenige der Österreicher teilnehmen.
Im Kompaniegefechtsstand von Uri Shani geht es hoch her. Uri Shani teilt mir mit, dass seine Kompanie nun unter dem kompletten Schutz der Östrerreicher feiere. Das entsprach auch den Tatsachen, denn in kurzer Zeit hätte man die Krieger nur mehr einsammeln brauchen.
Als gleichrangige Häuptlinge tauschten wir auch unsere Dienstgradabzeichen. Das Ende der Feier ergab sich von selbst: Urider unverändert nüchtern blieb, riet mir den Hinterausgang des Raketenbunkers zu nehmen, den Vorderausgang blockieren einige Leichen der unbesiegbaren Israelischen Armee.
Donnerstag 21. 2. 1974
Um 0600 Uhr früh ist alles wieder nüchtern und steht zur Flaggenparade angetreten, die Schützenpanzer M113 stehen in Reih und Glied, vom gestrigen Sauhaufen ist keine Spur zu sehen. Der Davidstern wird eingeholt und Uri Shahni reicht mir zum Abschied die Hand, dann rollt die Eiheit ab in Richtung Suezkanal. Wie es sich gehört, begleite ich die Kolonne noch einige Kilometer. Das wars dann! Um 1500 Uhr ist Übergabe an die Ägypter. Der Bataillonskommandant Major Rafid wird von mir empfangen. Im letzten Augenblick merke ich, dass ich noch die israelichen Distinktionen auf meinen Schultern trage und kann sie noch unbemerkt entfernen.
Die Einweisung der Ägypter ist detailliert, jeder Stützpunkt wird einzeln übergeben. Die ägyptischen Offiziere nehmen auf unseren Fahrzeugen Platz, manche haben sichtlich Angst, wir könnten auf eine Mine fahren, wir können sie aber beruhigen.
Freitag 22. 2. 1974
Der Tag an dem unsere Aufgabe im Wadi Ashara zu Endegeht, ist angebrochen. Mit Wehmut sehe ich dem Abbau der Positions, der bereits begonnen hat zu. Um 0700 Uhr sind wir, meine Zugskommandanten und Unteroffiziere, von den Ägyptern zum Frühstück geladen.
Wieder haben sie alles gegeben um eine üppige Tafel herzurichten. Den Abschied wollen sie so lang wie möglich hinauszögern und man sieht ihnen die Freude an, wieder Herr im eigenen Land zu sein. Die Offiziere bekommen jeder ein Kompanieabzeichen überreicht, als Gegengeschenk überhäuft man uns mit Konserven aller Art.
Ein wichtiger Abschnitt unsres Einsatzes ist also beendet. Wir haben manches gelernt und haben Opfer gebracht. Erst jetzt wird bewusst, was hinter unds liegt. Man kann sagen, das ist schon Geschichte und es wird auch klar dass das alles bitterer Ernst und jeder Tag, den man erlebt hat, ein Geschenk war und auch ein Gewinn war.
Sicher haben auch unsere laufenden Kontakte und Verhandlungen mit den Kriegsparteien dazu beigetragen, dass man von einer Entwicklung zum Frieden sprechen kann.
Die Israelis waren faire Kämpfer und uns gegenüber gastfreundlich und korrekt. Mag sein, dass ad auch Berechnung dabei war
Die Ägypter uns mit offenen Armen empfangen und uns als Vertreter des modernen Europas gesehen. Als Soldaten haben sie uns mehr als nur respektiert; sie haben in uns Freunde gesehen. Ich hoffe, den einen oder anderen wieder zu sehen.

Inhaltsverzeichnis

Die Ruhephase

23. 2. - 4. 3. 1974 (Da keine chronologische Relevanz besteht, entfallen die Tagebucheintragungen)

Nun beginnt eine Periode eine Routinedienstes, der vorerst der Aufarbeitung der Hinterlassenschaft der Zeit in der Wüste, sprich feststellen der Verluste und Gerätereperaturen, gewidmet war. Weiters sollte an der Wiederherstellung eines militärischen Dinstbetriebes nach Weingerls Vorstellungen gearbeitet werden. Seine etwas eigenartige Auffassung, - es müsse immer Bewegung in der Truppe sein, - wurde allerdings von den Kompaniekommandante kaum geteilt, doch hatten auch die Häuptlinge keine besseren Ideen. Schließlich eingte man sich neben Exerzieren und etwas Gefechtsausbildung auf ein großes Sportprogramm, das mit einem Fußballtournier beginnen sollte .
Ein Fußballturnier und Schießwettbewerbe wurden durchgeführt, und für diejenigen, die sich weder für eine Fußballmannschaft noch im Schießbewerb qualifizieren konnten, gibt es eine Beschäftigungstherapie: Exerzieren. Kein Wunder, dass so Mancher sich nach der Beschaulichkeit des Lebens in der Wüste sehnte.
Eine besondere Schwachstelle der Freizeitgestaltung war das absolute Fehlen weiblicher Wesen, abgesehen von den Bauernfrauen und - Mädchen, die in der Umgebung anzutreffen waren und jegliche Kontaktnahme aber außer Diskussion stand. Und das war auch gut so, denn die muslimische Auffassung von Moral und Sex ist bekannterweise von der unseren etwas verschieden.
Die liberaler eingestellte urbane Gesellschaft gibt sich zwar offenherziger, was nicht nur an den Dekolletees der Damenmode ersehen läßt, sondern auch in offen zum Ausdruck gebrachter Koketterie äußert. Dieses erstaunliche Verhalten, vorwiegend von jungen Mädchen praktiziert, würde unseren Breiten als unmissverständliche Aufforderung zu näherer Kontaktnahme aufgefasst. So aber handelt es sich lediglich um den bescheidenen Versuch, die auferlegten sexuellen Barrieren wenigstens symbolisch zu überschreiten.
Es ist anzunehmen, dass nach der gegenwärtigen Renaissance islamistischer Lebensform, auch diese charmante Art weiblicher Selbstverwirklichung zum Verschwinden kommt.
Um dem Hormonstau, wie er bei ähnlich gearteten Rahmenbedingungen, - sozusagen in sexuellen Notstandsgebieten, - aufzutreten pflegt, zu begegnen, gibt es von alters her eine entsprechende Infrastruktur einschlägiger Dienstleistungen im Interesse der Erhaltung militärischer Zucht und Ordnung.
Im Orient sind diesbezüglich 2 Gesetze maßgeblich: Zum Einen verbietet das ägyptische Strafrecht entsprechend der islamischen Rechtsauffassung, generell jede Art der Prostitution. Auf der anderen Seite steht die landläufige Rechtsauffassung, die mir ein Ägypter auf folgende weise erklärt: "In ganz Ägypten ist die Prostitution verboten, aber ganz Ägypten ist ein Puff." Dieser Sache wollten kurz nach Weihnachten, 25 Schweden auf den Grund gehen. Das Ergebnis dieser Recreation in Alexandria waren 22 veritable Tripperfälle.
Im AUSBATT, wo ähnlich alarmierende Vorfälle zu erwarten waren, reagierte man vorbeugend durch die Ausgabe von Kondomen. Angeblich soll es auch Überlegungen gegeben haben, das Angebot örtlicher Reiseagenturen zu entsprechende Arrangements mit bereitwilligen Hostessen aufzugreifen. Der gut gemeinte Vorschlag wurde allerdings nicht weiter verfolgt.
An dieser Stelle möchte ich klarstellen, dass das offiziel mi dem AUSBATT zusammenarbeitende Reisebüro Egypt Tours, des Dr. Mussa nichts damit zu tun hatte.
In diesen Wochen der Erholungsphase von Ende Februar bis Mitte März, hatte die UNEF endlich die geplante Stärke von 7000 Mann erreicht und bestand nun aus 12 Nationen:

  1. 604 Österreicher
  2. 1097 Kanadier
  3. 637 Finnen
  4. 499 Ghanesen
  5. 550 Indonesier
  6. 271 Iren
  7. 571 Nepalesen
  1. 406 Mann aus Panama
  2. 497 Peruaner
  3. 822 Polen
  4. 399 Mann aus Senegal
  5. 620 Schweden

Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir noch keine Kontakte zu den Afrikanern und Südamerikanern, da deren Einsatzräume außerhalb unserer Reichweite gelegen waren. Die Afrikaner sollten jedoch in wenigen Tagen unsere unmittelbaren Nachbarn werden, als das AUSBATT seine neue Aufgabe auf Sinai zugewiesen bekam.
Interessant gestaltete sich das Verhältnis zu den Indonesiern, die mit Jahresanfang in Ismailia eingezogen sind. Da war zunächst Brigadekommandant General Soutanto, ein kultivierter, freundlicher Offizier, der offensichtlich vom Ausbildungsstand der Österreicher beeindruckt, unseren Chef ersucht hatte, seinen jungen Offizieren Nachhilfeunterricht zu erteilen. Dieses Ansinnen wurde dann tatsächlich in die Tat umgesetzt, indem die indonesischen Leutnants 1 bis 2 Wochen auf unsere Positions verteilt, von leidlich englisch sprechenden Unteroffizieren über alle möglichen Ausbildungszweige, vom Kartenlesen bis zum Stellungsbau, unterwiesen wurden. Die militärischen Bildungslücken der Leutnants sind eine Folge des Offiziersstellenkaufes, eine Unsitte, über die sich bereits Feldmarschall Radetzky beklagte.
General Soutanto und unser Vater Radetzky hatten also die gleichen Sorgen. Die jungen, meist aus gutem Hause kommenden Leutnants, fühlten sich jedenfalls bei uns recht wohl und fanden nichts dabei, von einem Gefreiten in der Handhabung von Karte und Bussole unterrichtet zu werden. Ähnliche Probleme der Kartenkunde waren auch bei Vertretern anderer Nationen zu beobachten, wie etwa der russische Major, der mir irgend eine Position auf der Karte erklären wollte, die auf der Motorhaube seines Jeep ausgebreitet lag. Sein Versuch die Karte mittels der Bussole in die Nordrichtung zu bringen, musste er verwundert abbrechen, da die Magnetnadel hartnäckig in Richtung Motorblock wies. Ein neuer kartografischer Begriff, "Jeep-Nord" machte darauf die Runde durch den Nahen Osten.

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Alkoholisches

Wie schon vorher erwähnt, spielt der Alkohol im Rahmen der Völkerverständigung eine wesentliche Rolle, was nicht zuletzt auf das nicht gerade reichhaltige Angebot anderer Möglichkeiten der Freizeitgestaltung zurückzuführen ist.. Die gewissermaßen gleiche Vorliebe zur Nahrungsaufnahme in flüssiger Form und die räumlich bedingte Nachbarschaft, musste daher zwangsläufig zur Vertiefung der Beziehungen zwischen Schweden und Österreichern führen. Die nationalen Trinkgewohnheiten unterschieden sich zwar im Wesentlichen dadurch, dass für die Nordländer sich mehr der prozentuale Alkoholgehalt zählte, während der sanguinische Österreicher mehr zum Genuss neigt. Dementsprechend waren auch die Folgen der verschiedenen Trinkgelage, im UN-Jargon auch "Absturz" genannt, vom Gastgeber und seinem Getränkeangebot abhängig. Ein derartiger "Absturz" eines meiner Zugskommandanten, der aus Verschulden der schwedischen Gastgeber mit einer Meldung an das UNEF/HQ endete, wurde auf Anordnung ObstLt Weingerls, mit dem offiziellen "Abbruch" der Beziehungen sanktioniert. Wie es so bei den meisten Sanktionen ist, war diese Strafmassnahme weder von Dauer, noch zeigte sie nachhaltige Auswirkungen. um der Freundschaft mit den schwedischen Kameraden, Abbruch zu tun.
Das Verhältnis zu den Polen war, wie schon erwähnt, geprägt von nostalgischen Gefühlen, die Österreicher gerne jenen Völkern entgegenbringen, die einst der Donaumonarchie angehört hatten. Durch ihre Zugehörigkeit zum Ostblock stigmatisiert, galten sie als die Underdogs in der UNEF, eine Rolle, die durch mangelnde Sprachkenntnisse unterstrichen wurde. Fließend Englisch konnten nur Offiziere, die im Hauptquartier der UNEF tätig waren, bei der Truppe waren nur Wenige die leidliche Sprachkenntnisse hatten. Der Grund lag in der für den Ostblock typischen Furcht vor verführerischen Kontakten mit dem Westen, die die Segnungen des Sozialismus madig machen könnten. Die Gefahr der Verführung durch westlichen Einfluss war in der Tat gegeben, jedoch nicht aus politisch, ideologischen Gründen. Das westliche Interesse galt vorwiegend den Sanitäterinnen und Krankenschwestern die im polnischen Feldlazarett in Kairo tätig waren. Als Meister der Abschirmung nach bewährtem Muster, verstanden es die Polen, ihr weibliches Sanitätspersonal vor jedem außerdienstlichen Einfluss, auch vor dem ihrer österreichischen Gönner, fernzuhalten. Diejenigen aber, die sie als Patienten zu Gesicht bekamen, verbreiteten wahre Legenden ihrer Anmut und Schönheit, wie der Bettelstudent in Millöckers gleichnamiger Operette.
Vom sachlichen Standpunkt gesehen, aber waren wir auf das Funktionieren der Nachschubtransporte, die Unterstützung bei Baumassnahmen, das Räumen von Minen und vieles mehr, was die polnische Logistik /POLLOG anzubieten hatte, angewiesen. Besonders von Nutzen waren daher die Kontakte zu "Chief Engineer" Colonel Cembrinsky, mit dem ich den Baumaschineneinsatz für die Anlage der neuen Positions organisieren konnte. Dienstag 5. 3. 1974
Erkundungsfahrt nach Suez. Das Bataillon soll dorthin verlegen, wann das geschenen soll, wissen aber nur die Götter. Von der UNEF jedenfalls ist kein Termin zu bekommen.
Das Erkundungsergebnis verspricht aber ein Gewinn für uns zu sein: Fast unversehrte Unterkunftsgebäude, viel Platz und Gärten rundherum, der Badestrand in unmittelbarer Nähe!

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Bundeskanzler Dr. Bruno Kreisky in Ismailia

Montag 11. 3. 1974
Großer Bahnhof für unseren Bundeskanzler Dr. Bruno Kreisky.
Die Eherenkompanie unter meinem Kommando steht eine volle Stunde angetreten und wartet vergeblich auf das Erscheinen des Sonnenkönigs, obwohl sein Eintreffen am Stadtrand von Ismailia wurde durch einen Posten gemeldet wurde. Was der Posten aber nicht mitgekriegt hat, war die Einladung des Bürgermeisters zur Kaffeepause, die bekanntlich im Orient mindestens eine Stunde dauert.

Kreiskys Empfang
Foto: StWm Scheucher
Links
Kreisky schreitet die Fromt ab, neben ihm Mjr Ehrl, der stv Kommandant AUSBATT

 

 

rechts
Kreiskys Ansprache vor den Soldaten des AUSBATT
Krieskys Rede
Foto: Klinger

Endlich ist es dann doch soweit dass ich dem hohen Gast die Eherenformation, - allerdings bereits schweißgebadet, - melden konnte. Offenbar ist es ihm nicht entgangen, dass mir der Schweiß in Strömen unter dem Stahlhelm herabrann. "Ist es Ihnen auch zu warm hier, Herr Hauptmann?" So sein treffender Kommentar.
Dann hatte er doch eingesehen, dass die ganze Formation bereits unter der Hitze litt und er verschob seine Ansprache auf eine bessere Gelegenheit, nachdem ich die Übliche Formel "Bitte um weitere Befehle" aufgesagt habe.
"Lassen's die Leute abtreten und versammeln Sie sie im Garten der Villa, dort will ich zu ihnen sprechen".
Die anschließende Mittagstafel erweist sich als regelrechte Plauderstunde mit Kreisky, der mir immer sympatischer wird.
Anwesend ist auch der neue Deputy Chief of Staff der UNEF, mein wohlbekannter Stabschef vom Militärkommando Tirol, ObstdG Erich Seyer.
(das anschließende mediale Echo in Österreich war wie gewohnt unsachlich: Die Krone berichtet: "die Soldaten standen in verlegener Habt-Acht-Stellung und hörten die Ansprache des Bundeskanzlers" Wie hätten sie doch stehen sollen, nachdem die Formation aufgelöst und die Leute formlos versammelt waren. Natürlich hatten alle ihre Waffe dabei. Die "Plauderstunde" beim Mittagessen wurde in eine kritische Befragung umfunktioniert, bei der Personen namentlich zitiert wurden, die gar nicht anwesend waren.)
Dienstag 12. 3. 1974
Offizieller Besuch des Deputy Chief of Staff der UNEF ObstdG Erich Seyer. Abends Party mit nepalesischen Offizieren. Mjr Rana spricht erstklassig Deutsch; wir ziehen Vergleiche und stellen viele Ähnlichkeiten unserer Länder, nicht nur was die Berge betrifft.

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Flottenbesuch

Mittwoch 13. 3. 1974 Ein bemerkenswertes Erlebnis, dass wir den polnischen Beziehungen zu verdanken hatten, war der Besuch auf einem polnischen Handelsschiff, das im kleinen Bittersee ankerte und seit dem 6-Tage-Krieg dort festleg.

Dieses Schicksal teilte die Bolesslav Bierut, sie war nach einem polnischen Staatspräsidenden (1947 - 1952) benannt, mit weiteren 14 Frachtschiffen, die von den Kriegsereignissen überrascht, im Großen Bittersee, der breitesten Stelle im Kanal, vor Anker gehen mussten. Nachdem der Kanal durch absichtliche Schiffsversenkungen blockiert war, wurde daraus eine fast achtjährige Gefangenschaft die erst 1975 mit der endgültigen Wiederherstellung des Suezkanals endete.
Im Oktober 1967 wurde dem englischen Schiff 'Melampus' in einer Versammlung aller 14 Kapitäne und Mannschaften, die 'Great Bitter Lake Association gegründet, deren Hauptziel die Förderung der Freundschaft und die gegenseitige Hilfe untereinander sei sollte.
Die eingeschlossenen Besatzungen führten auf ihren Schiffen hauptsächlich Wartungsarbeiten durch. Nebenbei entfalteten sie diverse Aktivitäten, wie zum Beispiel die Abhaltung einer eigenen Olympiade, oder die Gründung eines Yachtklubs. Sie stellten auch ihre eigenen Briefmarken her und wurden auf diese Weise zu einer philatelistischen Rarität.
Die Besuchstour begann bereits mit einer Panne:
Unsere gewohnt ungehinderte Bewegungsfreiheit zu Lande, schien auf den Wassern des Bittersees keine Geltung zu haben. Nach mehreren Stunden Wartezeit, in der auch ein Sandsturm über uns hinweggefegt war, konnten wir endlich an Bord gehen. Der uns empfangende 1. Offizier musste allerdings mit Bedauern feststellen, dass der vorbereitete Braten inzwischen total verschmort und ungenießbar sei und das geplante Mittagessen daher ausfallen müsse. Als Ersatz dafür gab es reichlich Wodka, der mit Salzgebäck und anderen Snacks nur unzureichend kompensiert werden konnte. Erste Folgen zeigten sich bereits bei der Führung durch das Innenleben der Boleslaw Bierut, die gleichermaßen beeindruckend wie auch gefährlich war. Bereits der herzhafte Begrüßungstrunk hatte zur Folge, dass der Gang durch den Schiffsrumpf, über die engen und öligen Treppen, wie bei hohem Seegang ablief. Die Fortsetzung des geselligen Beisammenseins in der Offiziersmesse, ein musikalischer Kulturaustausch polnischen und alpenländischen Liedgutes, tat ihr Übriges, dass Symptome von aufkommender Seekrankheit, einschließlich der typischen Folgen der Erleichterung auftraten, obwohl der Bittersee spiegelglatt im aufkommenden Mondlicht dalag.
Während der Rückkehr auf das Festland in der Barkasse mussten dan auch die standhaftesten Seebären dem Neptun ihr Opfer bingen.
Die bilateralen Beziehungen zwischen Polen und Österreich haben durch diese kombinierte "Land- Seeoperation" des Bataillonsstabes und der drei Kompaniehäuptlinge, eine weitere Vertiefung erhalten.

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Suez

Der Truppenabzug der Israelis vom Westufer des Suezkanals und deren Neupositionierung in der Sinaiwüste hatte logischerweise Auswirkungen auf die gesamte UNEF und deren Dislokationen. 2 entscheidende Aktionen wurden daher schon seit längerer Zeit geplant:
Die Einrichtung einer ca. 10 - 20 km breiten Pufferzone in der Sinai, sowie die Verlegung des Hauptquartiers der UNEF von Kairo nach Ismailia. Währed die Pufferzone von den neu eingetroffenen Kontingenten aus Senegal und Ghana bereits nahtlos nach dem Rückzug der Israelis eingerichtet wurde, musste das AUSBATT erst aus Ismailia abgezogen werden. Verkompliziert wurde dieser Umzug durch den schon lange erwarteten Nachschubtransport, der auf dem Seeweg nach Alexandria unterwegs war.
Samstag 16. 3. 1964
Erkundungsparty nach Suez: Vom BKdo nehmen teil: S3 Hptm Wieser, OPs Info Hpm Erbstein und Olt Buchinger u.a.sowie alle Kompaniekommandanten.
Als neues Basislager für das AUSBATT war eine ehemalige Werkssiedlung einer Ölraffinerie in Suez vorgesehen. Am 5. März erfolgte dann auch eine detaillierte Erkundung, deren Ergebnis eine erhebliche Verbesserung der Lebensbedingungen und Infrastruktur des Bataillons erwarten ließ.
Im Roten Meer kann man bereits baden. Habe plotzlich eine unerklärliche Angst vor Minen und gehe aus dem Wasser.
Die Stadt selbst ist ein einziger Trümmerhaufen, vom Krieg einigermaßen verschont geblieben sind die Außenbezirke, wo sich auch unser zukünftiges Lager befindet. Bereits an der Einfallsstraße aus Richtung Ismailia kommend merkt man, was sich da in den letzten Tagen des Jom Kipuhrkrieges abgespielt hat. Die Strasse entlang stehen mindestens 5 terstörte Centurionpanzer, die versucht hatten, in die Stadt einzudringen, Trotzdem beginnt sich zwischen den Trümmern wieder ein geschäftiges Leben zu etablieren.

Suez Einfahrt
Foto: Klinger

Am 16. März 74 komme ich erstmals nach Suez. Obwohl bereits 5 Monate vergangen sind, hat man den Eindruck, die Kämpfe hätten erst stattgefunden.
Am 24. Oktober 73 wurde durch diese Strasse der letzte Angriff der 162. iswraelischen Division in das Zentrum der Stadt geführt.

Centurion
Foto: Klinger

Der Angriff misslang und kostete die Division die schwersten Verluste des ganzen Krieges, - 300 Gefallene und etwa 15 Panzer, die noch immer die Straße als Zeuge eines Angriffs wider alle militärischen Regeln säumen

Moschee
Foto: Klinger

Auch diese Moschee am Stadtrand blieb nicht verschont

Sonntag 17. 3. 1974
Vorbereiten der neuen Unterkünfte in Suez. 18. Märztrat dann ein was alle befürchtet hatten:
Diese Arbeiten gleichen der Reinigung von Augias Stall, zudem mussten einige einheimische Familien, offenbar Obdachlose, mit viel Fingerspitzengefühl wieder ausquartiert und in anderen Gebäuden des großen Sieflungsareals untergebracht werden. Vermutlich gingen swie nicht mit leeren Händen, denn am Abend vermisste einer meiner Unteroffiziere seine Geldtasche.
Montag 18.3 1974
In Alexandria war der Seetransport eingetroffen und das unverzügliche Löschen der Ladung vom BMLV angeordnet. Um dieser Forderung zu entsprechen, mussten fast alle LKW des Bataillons nach Alexandria in Marsch gesetzt werden.
Gleichzeitig hatte das HQ die Verlegung nach Suez angeordnet, ohne sich um unsere eigenen Probleme zu kümmern. Der Befehl für die Verlegung kommt gerade zu dem Zeitpunkt, als die Kolonne Ismailia in Richtung Alexandria verlassen hatte. Dass die 1. Kp als erste an der Reihe war, nach Suez zu verlegen, steht ebenso fest, wie die tatsache, dass ich nur 2 LKW zur Verfügung habe. (Tatsächlich war diese Informationspanne, wie sich später herausgestellt hatte, hausgemacht. Denn dem Monatsbericht des Bataillons vom März 74 war zu entnehmen, dass der Termin für die Verlegung dem Bataillon freigestellt, der Vollzug bis 21 März 1700 Uhr zu melden war. Der Termin wurde übrigens trotz des Auslademanövers Alexandria eingehalten.
Montag 18. 3. 1974
Nach Suez zurückgekehrt, starten wir von hier um 0600 Uhr früh mit der Verlegung
Im Pendeltransport, über gute 80 km Fahrtstrecke, gelingt es schließlich, die gesamte Kompanieausstattung, einschließlich der Unterkunftsgeräte, Schreibtische u.s.w. von 0600 Uhr früh bis zum Abend nach Suez in den neuen Lagerbereich zu schaffen und uns in den neuen Unterkünften häuslich einzurichten.Danach beginnt die eigentliche Aufgabe:
Die Gebäude des Bataillonskommandos und der Stabskompanie für das Beziehen vorzubereiten.
Wie Herkules in Augias Stall, machten wir uns über die Gebäude, früher einmal schmucke Reihenhäuser, her und rodeten die Wildnis der Gärten. Nach einer Woche konnte man sagen, dass es sich hier ganz gut wohnen ließ.
Nach einer Woche hatten wir die für das Kommando vorgesehenen Objekte bezugsfertig gemacht, die 1. Kp selbst hatte 3 relativ gut erhaltene Reihenhäuser, die einst vom europäischen Personal der Erdölraffinerie bewohnt waren. Jedes Haus hatte auch einen Garten, der die Herzen der geborenen Schrebergärtner gleich höher schlagen ließ.

Camp Suez
Foto: Klinger
Als neues Basislager für das AUSBATT war eine ehemalige Werkssiedlung einer Ölraffinerie in Suez vorgesehen. Am 5. März erfolgte dann auch eine detaillierte Erkundung, deren Ergebnis eine erhebliche Verbesserung der Lebensbedingungen und Infrastruktur des Bataillons erwarten ließ.

Damals wurde den Gerüchten über die baldige Verlegung der Österreicher auf die Golanhöhen wenig Glauben geschenkt. Ein weiterer Grund, sich auf eine höhere Lebensqualität zu freuen, war der nahe Badestrand.
Auf paradiesische Badefreuden und Gartenidylle musste vorderhand noch verzichtet werden, da die Kompanie vorerst noch durch das Fegefeuer der Sinai-Wüste zu gehen hatte.

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Sinai

Donnerstag 21. 3. 1974
Es war ein merkwürdiger Eindruck, den ich bekam, als ich erstmals in meinem Leben den asiatischen Kontinent betrat. Kaum ist der Suezkanal über die Pontonbrücke überquert, befindet man sich tatsächlich in einer Sandwüste.

Wüste Sinai Schon nach einigen Kilometern ins Landesinnere vorgedrungen, merkt man, dass man sich in einer anderen Wüste befand, als es jene Gegend westlich des Kanals auf afrikanischem Boden war.
Wie ein unerwarteter Keulenschlag trifft ein betäubendes Hitzegefühl den Körper. Das mag vielleicht der vorgeschrittenen Jahreszeit, - es war ja bereits Anfangs März, - zuzuschreiben sein, aber hier war die Wüste genau so, wie es Karl May beschrieben hat: Sand, nichts als Sand, Düne auf Düne, bedrohlich und beruhigend zugleich.

Beide Fotos: Klinger

April in Sinai

Unter der Gewissheit, dass meine Kompanie hier die nächste Zeit verbringen wird, mussten daher zwangsläufig gemischte Gefühle aufkommen, die vom Anreiz neuer Aufgabenstellung und banger Sorge, mit den klimatischen Anforderungen zurechtzukommen, bestimmt waren. Heutzutage, im 21. Jahrhundert, wo es zum guten Ton zählt, Weihnachten in Scharm El Scheik zu verbringen oder eine Besichtigungstour zum Katharinenkloster über Ostern zu buchen, kann man sich das kaum mehr vorstellen. 1973/74 waren Reisen in diese Region entweder nur Abenteurern vorbehalten oder jenen zugänglich, die sich den "Reiseveranstaltungen" der Vereinten Nationen angeschlossen hatten.
Schon nach einigen Kilometern ins Landesinnere vorgedrungen, merkt man, dass man sich in einer anderen Wüste befand, als das bis her bekannte Wadi Ashara.
Unter der Gewissheit, hier die nächsten Wochen verbringen zu müssen, kommen daher zwangsläufig gemischte Gefühle auf, die vom Anreiz neuer Aufgabenstellung und banger Sorge, mit den klimatischen Anforderungen zurechtzukommen, bestimmt waren.

Erkundung Sinai Das Erkundungsteam in Sinai
links halb verdeckt mit Brille Olt Buchinger, Htm Wieser, Hptm Klinger, der Kdt der 2. Kompanie SENBATT, Lt Kofler, Hptm Erbstein, ein Offizier SENBATT, Hptm Weber

Der eigentliche Zweck dieser Fahrt ist aber die Verbindungaufnahme mit SENBATT zwecks Übernahme ihres Abschnittes Der traditionellen Vorreiterrolle getreu, sollte die 1. Kp am 22. März den Abschnitt von SENBATT (Senegalesisches Bataillon) in der neuen Pufferzone auf Sinai übernehmen.

Pufferzone Sinai

Pufferzone Sinai

Nach Abschluss der Operation Calendar vom 25. 1. bis 4.3. 1974, wurde in der Force Commander Conferenc vom 18. März 1974 die Pufferzone Sinai neu organisiert. Die Abschnitte der Bataillone von Nord nach Süd gereiht, weisen 5-7 Positions auf, so daß sie durch eine Kompanie bestzt werden können. Die Nummerierung der Positions erfolgr von Nord nach Süd aufsteigend, die geraden Nummern an der A-Linie zu ARE, die ungeraden an der B-Linie zu IDF.
Die Zone ist durch Benzinfässer entlang der A- und B-Linie markiert, wobei die Ägypter stetrs versuchen, ihre Stellungen durch verschieben der Fässer nach Osten zu verbessern. Ebenso versuchen unbewaffnete Gruppen von Offizieren in die Zone einzudringen, um Einsicht in das Gebiet von IDF zu gewinnen. Unter der bisherigen Verantwortlichkeit der Senegalesen wurde dagegen offensichtlich nicht eingeschritten. Nach übernahme durch das Ausbatt änderte sich die Situation radikal und gipfelte mit der Gefangennahme von ca 50 Offizieren bei Pos 120.
Dadurch wurden die anfangs schlechten Bezihungen zu IDF schlagartig besser.
Die 7 Positions waren im Wechsel durch die Kompanien besetzt. Das Kompaniekommando ist auf Position 118. Hier hält sich auch ein Stabsoffizier und ein Arzt des BKdos auf.
Die Verbindung zum Bataillon erfolgte mit Funkfernschreiber MFF1.
Die versorgung mit Trinkwasser, es wurde mit Tankwagen von POLLOG aus Kairo zugeführt, war zeitweise problematisch, da die Polen nur eine Brücke über den Kanal benutzten. War diese nicht passierbar, weil gerade Minen aus dem Kanal gesprengt wurden, kehrten die Fahrer einfach um.

 

Kartenskizze Klinger

Diese Zone verlief parallel zum Kanal als 10 km breiter Streifen, vom Mittelmeer bis zum Golf von Suez. Westlich dieser Zone hatten die Ägypter das von ihnen in den ersten Tagen des Jom-Kippur-Krieges eroberte Gebiet wieder besetzt, während die Israelis sich nach Osten, in das Landesinnere der Sinai zurückgezogen hatten. Die Grenzlinien, zu den Ägyptern "Alphaline", zu den Israelis "Bravoline" genannt, wurden mit leeren Benzinfässern markiert. Die Aufstellung dieser Grenzmarkierungen wurde unmittelbar nach der Unterzeichnung des Truppenentflechtungsabkommens begonnen und von einer gemischten Kommission überwacht. Obwohl der Grenzverlauf von den Parteien offiziell abgesegnet war, wurde vor allem von ägyptischen Truppenführern immer wieder der Versuch unternommen, durch Versetzen der Fässer, ihre Eroberungen um einige hundert Meter weiter in die Sinai auszudehnen.
Geplant ist die nahtlose Übergabe der 7 senegalesischen Positions 112, 113, 114 an der Bravoline zu IDF und 115, 116 und 117 an der Alphaline zu AREF. Lage der Positions einschließlich der Zeltausrüstung sollen von SENBATT unverändert übernommen werden.

Das Bataillon
Foto: Klinger
Der Bataillonskommandant Weingerl hält eine Ansprache vor dem gesamten Bataillon.
Im Bildhintergrund ist der Hausberg von Suez zu sehen, der 871 m hohe Gebel Atakah.

Freitag 22. 3. 1974
Die Kompanie verlegt in die Wüste.
Um 0600 tritt das gesamte Bataillon an. Bataillonskommandant Weingerl hält eine Ansprache, anschließend Briefing und endlich startet das erste Marschpaket (II.Zug) das zweite und dritte Marschpaket starten mit jeweis einer Stunde Verspätung. Trotz eines Verkehrsstau an der Pontonbrücke, - ich treffe dabei unseren früheren SARELO Col Achmed Helmi, der mir zur neuen Aufgabe viel Glück wünscht, - sind am späten Nachmittag alle 6 Positions übernommen. Die Übergabezeremonie wird auf den nächsten Tag vereinbart.
Samstag 23. 3. 1974
Um 0700 Uhr soll die Übergabe stattfinden. Kommandiert wird französisch und deutsch. Dann zieher die Afrikaner ab und ich bin Herr über 100 Quadratkilometer Wüste.
Die Positions müssen komlett umgebaut werden, da die Senegalesen die Zelte in Mulden gebaut hatten, die kein Bisschen Wind den Weg fand. Außerdem hatten sich dichte Fliegenschwärme niedergelassen.
Die Position 118 wird fast zur Gänze neu errichtet

Position Übergabe Minensuche

Hier werden Kompaniekommando, Versorgungsgruppe und Küche errichtet. Gleichzeitig iswt hie4r der vorgeschobene Baonsgefechtsstand, besezt mit einem Funkferschreibtrupp und zeitweise einem Stabsoffizier. Was fehlt ist ein Arzt mit entsprechender Ausrüstung und SanKW.
a Da an diesem Platz ein Gefecht stattgefunden hatte, lassae ich das Areal nach Minen absuchen. Da wir keine Elektronischen Suchgeräte haben, wird mit dem Minensuchstab sondiert. Eine mühsame, aber sichere Methode. Wärend wir mit dem Senegalesischen Abschnittskommendanten die Übergabe besprechen, werde ich Zeuge eines eigenartigen Vorfalls: Nach Entfernung eines der Fässer marschiert eine Gruppe ägyptischer Offiziere einige hundert Meter in die Pufferzone und nimmt auf einer Sanddüne Aufstellung. Es hat den Anschein als solle auf diesem Feldherrnhügel eine Geländeeinweisung stattfinden.
Auf die Afrikaner aber schien diese eklatante Übertretung keinerlei Eindruck zu machen, durchgehen lassen wollte ich das aber Auch nicht. Ein kurzer Wink genügt und Lt. Endisch macht sich mit einem Dutzend Leute auf den Weg um de4n Spuk zu beenden. Die Räumung des Feldherrnhügels vollzieht sich wie beim Fußball, wenn der Schiedsrichter die Partie abpfeift, um ein taktisches Foul zu ahnden.
Derartige Zwischenfälle sollten in der nächsten Zeit unserer Tätigkeit in der Pufferzone an der Tagesordnung sein, in der die Ägypter versuchten, Einblick in die Israelischen Stellungen zu erhalten. Ein Ding der Unmöglichkeit, weil das wellige Dünenmeer bewusst so ausgewählt war, dass keine der Parteien der anderen in die Karten schauen konnte.
Den Afrikanern waren diese an sich harmlosen Versuche der Ägypter, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen, offenbar egal. Unserer Auffassung nach durften diese Übergriffe schon deshalb nicht geduldet werden, weil sie das Vertrauen in die UN-Aktivitäten und damit auch die Autorität der Truppe untergraben mussten.
Ohne die Effizienz der nichteuropäischen UN-Kontingente im Allgemeinen, noch die der Afrikaner im konkreten Fall herabsetzen zu wollen, wurde durch derartige Auffassungsunterschiede von "peace keeping" die Glaubwürdigkeit von UN-Aktionen nicht selten in Frage gestellt.
Es darf daher angenommen werden, dass das auch der Grund war, warum UNEF/HQ die Überwachung des taktisch entscheidenden Schlüsselgeländes vor dem Gidi Pass, den Österreichern anvertrauen wollte.
Bereits in den Feldzügen von 1956 und 67 lagen der Gidi- und der Mitlapass im Zentrum der entscheidenden Operationen. Der Strasse vom kleinen Bitter-See auf den Gidi Pass war daher größtes Augenmerk zu widmen, da sie direkt in das Gebiet der israelischen Militärbasen führte. Quer dazu, von Nord nach Süden verlaufend, war die "Artilleriestrasse", unsere Versorgungsader in der Pufferzone, die 10 km östlich parallel im Gebiet der Israelis verlaufende "Lateral-Strasse", galt als deren wichtigste Rochadelinie. Einen Einblick auf diese Strasse zu erhalten. dürfte das Ziel aller Bemühen der Ägypter gewesen sein.
Die Übergabe erfolgte in feierlicher Form durch Einholen und Hissen der nationalen Flaggen, durch gegenseitige Ehrenbezeigung; kommandiert wurde auf Französisch, der offiziellen Kommandosprache der Republik Senegal. Sie hatten uns freundlicherweise ihre Positions samt Zelten und Beobachtungsständen überlassen, ein kompletter Umbau war aber nicht vermeidbar. Im Gegensatz zu den Afrikanern, die es vorzogen, ihre Zelte in windgeschützte Mulden zu bauen, war für uns die brütende Hitze, die dort herrschte, nicht zu ertragen. Auch die schon erwähnten Auffassungsunterschiede hinsichtlich Geländeüberwachung machten so manche Änderung an der Lage der Positions notwendig.

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Das Schlachtfeld

Der uns zugewiesene Abschnitt erstreckte sich etwa 10 km entlang des Dschebel Schaifa, ein flacher Höhenrücken, der dem Gidi Pass vorgelagert ist. Wie scho erwähnt verwehrte er eine direkte Einsich von der ägyptischen Seite ind den bereich der IDF. Insgesamt hatten wir 6 Positions zu übernehmen, die von den 3 Zügen der Kompanie besetzt wurden, als 7. Position wurde der Kompaniegefechtstand selbst, an zentraler Stelle, im Straßenkreuz der Gidi - Pass - und Artilleriestraße eingerichtet. Von hier hatten wir auch einen hervorragenden Einblick in das bunte Treiben, das die Ägypter beim Einrichten ihrer neuen Front an den Tag legten.
Ein Blick in die andere Richtung weist in ein Gelände, in dem vor wenigen Monaten eine der größten Panzerschlachten seit dem 2. Weltkrieg getobt hatte. Hier lagen etwa 800 Wracks ägyptischer Panzerfahrzeuge sowie die Leichen ihrer Besatzungen.
Hier versuchten die Ägyper am 14. Oktober 1973 in ihrer zweiten Offensive vergeblich auf den Gidipass vorzustoßen. "Die erste Welle durchquerte ein Wadi und kam dann südlich von uns auf ein Plateau. Hier stießen sie mit unseren Verbänden zusammen, und es kam zu einem schweren Gefecht. Nach einigen Stunden waren die meisten Feindpanzer vernichtet."77
Wie erbittert die Kämpfe auf beiden Seiten geführt wurden, zeigen die zahllosen Panzerwraks der Ägypter, die Verluste der Israelis, die ihre zerstörten Panzer inzwischen weggeschafft hatten, lassen sich an den Lendrähten abgeschossener Sagger-Raketen erkennen, die das Gelände kreuz und quer überspannen.
Die Israelis hatten, bevor sie abzogen, wohlweislich die Zeugen ihrer eigenen Verluste entfernt, die toten Ägypter blieben unbestattet liegen.
Die Panzerwracks der Ägypter, die technisch einen gewissen Wert hatten und ausgeschlachtet werden sollten, waren mit roter Farbe markiert. Bevor sie abgeschleppt wurden, konnten wir einen Restlichtverstärker, ein Nachtsichtgerät das damals als "letzter Schrei" auf dem Gebiet der optischen Zieleinrichtungen galt, sicherstellen. Heute gehören diese Nachtsichtgeräte bereits zur Standardausrüstung der Truppe.

Panzerwrak

Der T 62 ist eindeutig am Rauchabsorber der Kanone erkennbar

Ägyptischer Kampfpanzer T-62
Während die ägyptischen Panterverbände überwiegend mit dem T-54/55, der als Standardpanzer der Warschauer-Pakt-Staaten seit den 60er-Jahren in verwendung stand, ausgerüstet waren, verfügten einige Eliteeinheiten, wie z.B. die 25. selbständige Panzerbrigade, bereits über den modernen Kampfpanzer T-62. Die 115 cm Panzerkanone mit glattem Rohr war ein Novum, das besonders gute Schießleistungen erwarten ließ.
Feuerleitausrüstung und automatischer Hülsenauswurf verlangten allerdings ein hohes Maß an Ausbildung, das die Ägypter nicht erbringen konnten. Vor allem konnte die geringere Einsatzschussweite gegenüber den israelischen Centurion und M60A1 trotz hervorragender Feuerleitsysteme nicht zur Geltung gebracht werden.
T 62 - Einschussloch
Turmtreffer
Kampfpanzer T 54/55
der Standardtyp der ägyptischen Panterdivisionen. Äußerlich unterswcheidet sich der T 54/55 vom T 62 durch die schlank verjüngte Kanone, die keinen Rauchabsorber hat.
Abb. rechts
Eine der Schwachstellen war der Turm, der bei einem Volltreffer wie eine Glocke meterweit weg geschleudert wurde
Abb. links
Granaten
Hohlladungsgranate BK-5
Diese HL-Granate wurde von T-54/55 verschossen. Durch einen Führungsring wurde der Drall, der dfier Wirkung der Hohlladung herabsetzt ausgeschaltet, Stabilisierungsflügel, die sich beim Verlassen der Rohrmündung aufklappen, sorgten für eine präzise Flugbahn. Im Gegensatz dazu hatte die HL-Munition des T-62, der eine Kanone mit glattem Lauf hatte, starre, pfeilartige Stabilisierungsflügel. Darunter eine 8 cm Werfergraqnate.
Foto Klinger
Abb. rechts
Sagger ist die NATO-Bezeichnung für die russische 9M14 "Maljutka" (dt. Kleines) Panzerabwehrlenkwaffe. Sie wurde ab 1961 in der UdSSR entwickelt und jährlich 25.000 Stück hergestellt. Als Infanterierakete kann sie von einer Person getragen und eingesetzt werden. Die tragbare Version dieser Rakete wurde bei der Sowjetarmee von den Panzergrenadieren eingesetzt, wobei jede Abteilung zwei "Malutja"-Gruppen mit je zwei Einheiten hatte, von denen jede wiederum zwei Abschusslafetten bediente. Jede Einheit hatte weiterhin einen RPG-7 Schützen, um den Entfernungsbereich bis 500 m abzudecken, der von der AT-3 nicht erreicht werden konnte. Diese Gliederung wurde auch von den Ägyptern übernommen.
AT3-Sagger
AT-3 Sagger
RPG-7
RPG-7
Die Standardwaffe der Infanterie zur Panzerabwehr auf nahe Entfernung.
Beide Fotos Wikipediaa

Unmittelbar im Nahbereich der Position 114 befand sich eine Stelle, an der eine ägyptische Panzereinheit, vermutlich aus der Luft, vernichtet wurde. Über diese Stelle führte der einzige Zugang zur Position, so dass man regelrecht über die Toten hinweg steigen musste. Wir nannten diese Position daher sinnigerweise "Totengrund"

Position 114 - Totengrund
Die Position 114 an der A-Linie

Alle Fotos: Klinger


Im Umkreis lagen mindestes 20 Gefallene, die offenbar einem Luftangriff zum Opfer gefallen waren.

Weitab davon fanden wir diesen einsamen Toten. Er dürfte auf der Flucht an Erschöpfung umgekommen sein. -->

der einsame Tote

Da die Bergung der Gefallenen einzig und allein den ägyptischen Militärbehörden vorbehalten war, durften auch wir an dieser makabren Stelle keine Veränderungen vornehmen. Ich muss zugeben dass ich mich an diese Anordnung nicht immer gehalten hatte, wie zum Beispiel bei jenem Toten, den ich bei einer Patrouillenfahrt, völlig alleine und von seiner Einheit entfernt, gefunden hatte. Hier war der allgegenwärtige Tod plötzlich zum Einzelschicksal geworden.
Erst anhand seiner Papiere war ersichtlich, dass es sich um einen Ägypter handelt und plötzlich hatte das Drama, das hier abgelaufen war, ein Gesicht. Ein etwa 30-jähriger Mensch, vermutlich Familienvater, dürfte sich verwundet bis zu der Stelle geschleppt haben, von wo er es nicht mehr weiter geschafft hat. Besonders berührend fand ich die Briefmarke, mit der er offenbar seinen nächsten Brief an seine Familie frankieren wollte. Nachdem wir den Toten mit einem "Vater Unser" beerdigt hatte, sagte mir der israelische Verbindungsoffizier, der meine Patrouille begleitet hatte, dass er von dieser Szene tief beeindruckt sei: " Euer Gebet könnte ich jederzeit mitsprechen, da ist nichts drin, was meinem Glauben widersprechen könnte." Das dürfte auch für den gefallenen Moslem gegolten haben.
Die Papiere und das Bargeld des Toten übergab ich dem Hauptquartier zur weiteren Veranlassung. Im Zusammenhang mit diesem Vorfall habe ich darüber nachgedacht, warum die Moslems sich soviel Zeit ließen, um ihre Gefallenen zu bergen, während die Juden sofort darum bemüht waren. Ersteres dürfte damit zu tun haben, dass der Verstorbene noch vor Sonnenuntergang seines Todestages zu beerdigen sei. Wenn das nicht möglich ist, kommt es offenbar auch nicht mehr darauf an, wie viel Zeit noch vergehen wird. Die Eile der Israelis beim Bergen ihrer Gefallenen hat seine Gründe im jüdischen Recht, wonach eine einwandfreie Identifizierung die Voraussetzung zur Todeserklärung ist. Nach vermissten Piloten wurde beispielsweise so lange gesucht, bis irgend ein Relikt, ein Körperteil des Gesuchten gefunden war, das als beweiskräftiges Indiz für ein Todeszeugnis Anerkennung finden konnte.

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Das Leben in der Pufferzone

24. 3. - 1. 4. 1974 Unsere Hauptbeschäftigung dient der Aufrechterhaltung des Status Quo, das bedeutet, dass wir laufend die Ägypter daran hindern müssen, die A-Linie durch versetzen der Fässer zu verändern, bzw. deren Position zu ignorieren.
Als erstes markieren sie den vorderen Rand ihrer Stellungen durch einen Drahtverhau, den sie einfach in die Zwischenräume der Fässer hinein ziehen.
Es hat den anschein, als würden sie nicht begreifen, wie man eine längere Linie im Gelände einfluchtet. Es kommt dabei zu regelrechten Belehrungen in Geometrie, die die einfachen Soldaten sofort kapieren, während sich ihre kommandanten dumm stellen.
Ein anderes Problem sind die laufenden Versuche der Ägypter, in das IDF-Gebiet Einblick zu bekommen, den ihnen der Dschebei Schaifa verwehrt.
Am 27. März wird eine Gruppe von Offizieren,die auf einem Lkw tief in die Zone eingedrungen sind, von einer Patruille gestellt. LKW und Personen werden auf ihr Gebiet mit einer Eskorte zurück gebracht.
Der übliche "Complaint" macht die Sache aktenkundig, weiters aber geschieht nichts, als dass sich das ganze am nächsten Tag widerholt. Dabai habe ich fast täglich persönlichen Kontakt mit dem örtlichen Befehlshaber, der sich stets höflich für die Unzukömmlichkeiten entschuldigt.
Die Antwort der Israelis bleibt nicht aus und ihre Patrouillen überschreiten des Öfteren die B-Linie.
Endlich entsenden die Israelis eine LO, der sich die meiste Zeit bei uns aufhält und so Zeugnis über unsere Bemühungen, die Pufferzone "sauber" zu halten, ablegen kann. Dr. Haim Kretsch ist eine wertvolle Bereicherung; er spricht hervorragend Deutsch und erzählt viel über sein Land. Er organisiert das erste von mehereren Fußballspielen.
Alsw eines Tages eine Patrouille im nördlichen Bereich Spure3n von Antilopen entdeckt, bricht Jagdfieber aus. Es sind zwar nur zwei Waidmänner in der Kompaqnie, - Lt Endisch und der SanUO OStV Blunder, - doch die Patrouille4ntätigkeit im Nordabschnitt zu GHANBATT nimmt erheblich zu und gelegentlich wird der eintönige Speisezettel durch Wildragout aufgebesserrt. Ich verlasse mich auf die waidgerechte Einstellung der Beiden und habe nebenbei andere Sorgen.
Eine davon ist die Erkenntnis, dass unsere Positions in der Lagekarte falsch eingetragen sind, - es handelt sich um einige hundert Meter. Den Senegalesen mag das gleichgültig gewesen sein, für mich steht fest, dass dieser Irrtum behoben werden muss. Wenn wir schon mit den Ägyptern um jeden Meter streiten, dann muss wenigstens unsere Position stimmen.

Vermessung
Foto Klinger
Wenn an Vermessungsgerät lediglich eine einfache Bussole und ein Fernglas zur Verfügung stehen, bedarf es schon einer ruhigen Hand, um eine genaue Standortbestimmung zu erhalten. Wenn es aber kaum Bezugspunkte im Gelände gibt, - Sanddühnen pflegen sich bekanntlich zu bewegen, - wird die Angelegenheit kompliziert. Die einzigen brauchbaren Orientierungspunkte waren der etwa 400 m hohe Dschebel Schahabi, und der Fabriksschlot am Ortsrand von Suez. Mit Hilfe dieser beiden Fixpunkte und der Stricheinteilung am Fernglas, schaffe ich es mit meinem Kommandogruppenkommandanten OStV Sommer, nach einigen Tagen die Lage unserer Positions auf der Lagekarte zu korrigieren.

Ein weiteres Problem war die Wasserversorgung. Unser Trinkwasser bringen die Polen in 20 000 Liter-Takwägen aus Kairo. Solange die routinemäßig benützte Nachschubstraße nicht unterbrochen ist. funktioniert das auch klaglos. Wenn aber wegen der laufenden Minenräumaktinen die Kriegsbrücke über den Suezkanal gesperrt ist, kehren die polnischen Fahrer einfach um und fahren nach Kairo zurück, obwohl wenige Kilometer weiter eine andere Brücke völlig intakt ist. Da nützt auch ein Hinweisschild zur nächsten Brücke nichts, denn der polnische Kraftfahrer kann weder Englisch, noch ist er zum selbständigen Denken erzogen. Man fragt sich nur, ab welchem Dienstgrad man bei den Polen mit ausreichenden Sprachkennnissen und logischem Denkvermögen rechnen kann.
Montag 1. April 1974
Lt. Endisch hatte gestern einen Gazellenbock erlegt, eine hervorragende Gelegenheit für einen Aprilscherz: Lasse ihm per Funk ausrichten, dass er sich unverzüglich im Kompaniegefechtsstand zu melden habe. Weingerl habe von seinem Abschussgehört und will ihn nun wegen Wilderei zur Verantwortung ziehen. Endisch fährt voll auf dem Schmäh ab und wird mit schallendem Gelächter empfangen. Zuvor hatte er noch die Trophäe vergraben.
Wenige Minuten später ist Weingerl tatsächlich da, bekommt aber von dem ganzen Theater nichts mit. Dafür teilt er mir mit, dass mein Urlaub zwar genehmigt, das Flugticket jedoch noch nicht gebucht werden konnte.
Dienstag 2. April 1974
Wir werden von der 2. Kompanie abgelöst. Am 4. April beginnt mein Heimaturlaub, am 16. bin ich wieder in Kairo.
Die Nepalesen geben eine Partymit einem Traumhaften Buffet

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Lagerleben in Suez - der Pressebesuch

Freitag 19. April 1974
Briefing für den bevorstehenden Besuch von General Scharf und der österreichischen Presse.
20. - 23. April
Chamsinwetter! Ein Aufenthalt im Freien ist unmöglich. Bei ca. 50° Celsius glaubt man in ein Heißluftgebläse geraten zu sein, die Luft ist ein Gemisch von Sand und Dreck, dass man kaum atmen kann. Wir sitzen in der Oficers Mess bei geschlossenen Fenstern, ein Ventilator versucht Atemluft zu produzieren. Weingerls Gattin ist auch da und leidet mit uns. Eigentlich hätte es ein Badeausflug nach Aju Musa werden sollen.
Mittwoch 24. April 1974
Die Presse ist da. Nacfh einem planlosen Durcheinander kommt so etwas wie eine Pressekonferenz zustande. Ich habe die Ehre daran teilzunehmen und mitzureden. Mein Thema: eine ungeschminkte Darstellung der Verhältnisse gemischt mit saftiger Kritik an der Berichterstattung, - siehe Minenunfall u.s.w. Donnerstag 25. April 1974
Auf den Positions findet eine Unterweisung israelischer Ärzte statt: Es geht um das richtige Verhalten beim Leben in der Wüste, Schutz vor Ungezifer, Schlangen und Skorpionen. Haim Kretsch ist auch dabei.

Einweisung der Aerzte
Foto Klinger
Die Ärzteeinweisung
Die Einweisung findet auf Pos 117 statt. Israelische Ärzte geben ihren reichen Erfahrungsschatz über das Leben in der Wüste an uns weiter. Dabei wird so mancher Irrtum aus der Überlieferung der Afrikakorpsteilnehmer ausgeräumt, wie beispielsweise, dass Wasser trinken den Dur5st fördere. Wir erfahren, dass der tägliche Bedarf an Flüssigkeit bei 5 - 6 Liter liegt. Wie man Schlangenbisse und Skorpionstiche vermeidet, wird ebenfalls gelehrt.
Das Foto zeigt der israelischen LO Capt Haim Kretsch, der dieses Meeting organisiewrt hatte im Kreis österreichischer und israeliswcher Ärzte. Dr. Klaus Bobak (links)und Olt Scherer (rechts).

26. - 29.4. 1974
Wochenende in Kairo.
Ausritt nach Sakkara. Die Pferde und das Sattelzeug sind besser als erwartet. Jedenfalls schaffen sie die Gesamtstrecke von 40 km ohne Probleme, während unser Sitzfleisch schon etwas mitgenommen ist.

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Zurück in die Wüste

Dienstag 30. April 1974
Wieder in der Wüste, es ist fast schon wie zu Hause; der Unterschied zur Prämiere sind allerdings einige Grade Celsius mehr auf dem Thermometer.
Die größeren Schwierigkeite haben allerdings unsere Nachbarn. Ihr Fahrzeugpark, - Landrover, Jeep aller Varianten einschließlich ihrer LKW, - ist den Geländeanforderungen nicht mehr gewachsen. Ihre schmalspurigen Reifenprofile graben sich im jetzt metertief staubtrockenen Sand bis zu den Achsen ein, das Fahren abseits fester Straßen ist für Räder-KFZ fast unmöglich geworden. Wenn ich fast sage, dann heißt das, dass unsere Pinzgauer und StD 680M dieses Problem nicht kennen. Die mit Spezial-Sandreifen ausgerüsteten Pinzgauer gleiten über die Sanddühnen wie Klapperschlangen hinweg, die 3-achsigen LKW haben wir mit Schneeketten versehen.
Mit unserer Fahrzeugausstattung, über die wir seit dem Schiffstransport aus Österreich verfügen, sind wir plötzlich Weltmeister im Wüstenbetrieb und versorgen nun unsere Nachbarn mit Trinkwasser und Lebensmitteln.
Mittwoch 1. Mai 1974
Chamsinwetter - der Himmel ist von Sandwolken verhangen - es ist drückend schwühl. Wassermangel macht sich auch bei uns breit, da die Polen wieder einmal den Weg hierher nicht gefunden haben.
Weingerl erscheint und hat auch den evangelischen Militärpfarrer Dr. Hannak mitgebracht. 2 Tage wird er unser Gast sein und filmen. Donnerstag 2. Mai 1974
Das Wetter bessert sich - der Chamsin hat aufgehört. Freitag 3. Mai 1974
Besuch des neuen Kommandanten der Südbrigade Col Rana aus Nepal.
Ich zeige ihm unseren Abschnitt, indem ich die von uns erkundeten Patrouillenwege und nicht die Straße benütze. Der Colonel ist sehr beeindruckt wie auch Weingerl, der zum ersten male diese Routen befahren hat.
Als Gastgeschenk erhalte ich von Col Rana eine Flasche Whisky, - Canadian Club, den ich ab sofort zu meiner Hausmarke erkläre, - und ist des Lobes voll über unsere Pinzgauer. Wie sein Name Rana sagt, ist er ein Mitglied der Königsfamilie.
Abens sind wir zur Sabbathfeier bei den Israelis eingeladen. Wir fahren auf den Mitlapass. Hier stehen noch ein paar Panzerwraks aus dem 6-Tagekrieg herum.
Col Dabusch, der örtliche Kommandeur empfängt ObstLt Weingerl, der unsere Delegation anführt, mit ausgesuchter Höflichkeit. Wir, das sind Hptm Erbstein, Olt Buchinger, Olt Arzt Dr. Haberzeth, olt Rießland und meine Wenigkeit, befinden und auf einen Brigadegefechtsstand, der Anlass ist das traditionelle Sabbath-Vorabend-Mahl, an der die ganze Belegschaft, etwa 100 Personen, darunter zahlreiche Soldatinnen, teilnehmen.
Die religiöse Feier wird von einem Rabbiner mit einem Gebet eingeleitet. Nach einer kurzen Ansprache beginnt das Essen.
Als Vorspeie gibt es Dorschleber, danach eine scharf gewürzte Gemüsesuppe. Als Hauptspeise gibt es Rindsbraten mit Röstkartoffeln und gemischten Salat. Man denkt dabei unwillkürlich an Mutters heimische Küche.
Dazu wird Sabbathwein, ein starker, schwerer Rotwein getrunken. Zum Abschluss gibt es einen herrlichen Kaffee und Kuchen.
Schon vor der Zeremonie werden wir von unsrem LO Capt Tiefenthal ersucht, während der Zeremonie keinesfalls zu rauchen, da das Feuermachen beim Anzünden der Zigaretten einen Verstoß gegen die Sabbathregeln darstellen würde.
Nach Tiefenthals Aussage fühlt sich die große Mehrheit der Israelis dieser Regel nicht mehr verpflichtet, es gilt aber die Minderheit der religiösen Juden zu respektieren.
Dieses Rauchverbot holen wir dann im Anschluss bei einem zwanglosen und anregenden Gespräch mit unseren Gastgebern nach.
Besonders beeindruckend die Führerpersönlichkeit unseres Gastgebers Col Dabusch.
Nach diesem beeindruckenden Erlebnis kehren wir auf Pos 118 zurück. wo auch Weingerl und die Stabsoffiziere die restliche Nacht verbringen.

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Auf Moses Spuren zum Katharinenkloster

Einer Initiative unserer Militärgeistlichen und des Wellfareofficers ist es zu verdanken, dass die israelischen Militärbehörden eine Besichtigungsfahrt zum Katharinenkloster und auf den Berg Sinai ermöglicht hatten.
Am 4. Mai 1974 trat dann eine "Expedition" von etwa 15 Pinzgauern an, eskortiert von einem Trupp israelischer Soldaten, um auf Moses Spuren in das Zentrum der Sinai Halbinsel vorzudringen. Was heute im Pflichtprogramm jeder besseren Ägyptenreise angeboten wird, gestaltete sich zum damaligen Zeitpunkt als Unternehmen, dass für drei volle Tage anberaumt, die Bandscheiben an die Grenze ihrer Belastbarkeit bringen sollte.
Samstag 4. Mai 1974

Nach relativ ruhiger Fahrt entlang der Küstenstrasse über Abu Rudeis, ging es dann durch das "Wadi Feiran", etwa 90 km über eine Geröllpiste. Trotz der ausgezeichneten Fahreigenschaften, die der Pinzgauer im Gelände zu bieten hatte, waren alle Knochen durchgeschüttelt. Dafür aber entschädigte uns die einmalige Landschaft, durch die uns diese Fahrt führte, bis sie, wie im Finale eines dramatischen Schauspieles mit einem grandiosen Bühnenbild beendet wurde: Vor uns lag das Katharinenkloster, als wären die 1400 Jahre seines Bestehens nicht vergangen.


An unserem "Badeort" Ayun Musa vorbei, geht die Fahrt an der Küstenstrasße an Abu Rudeis mit seinen Ölquellen vorbei,
Wilder Kaiser in Sinai
bis wir in das Wadi Feiran einfahren. Vor uns türmt sich ein Gebirgszug, der unserem Wilden Kaiser gleicht.
Oase Feiran
nach fast 60 km öffnet sich das Tal zur blühenden Oase von Feiran
Ankunft am Kloster
Nach weiteren 40 km steinger Piste fällt der Blick auf das Kloster, das bereits im Schatten des Berg Sinai liegt.
Die Anfänge klösterlicher Gemeinschaften in dieser Region gehen bis ins 2. nachchristliche Jahrhundert zurück. Damals siedelten sich die ersten Eremiten, getrieben von der Suche nach Frieden, Stille und Einsamkeit, in den Felshöhlen am Fuße des Moses-Berg an. Um die Einsiedler vor Überfällen zu schützen und ihnen ein eigenes Gotteshaus zu geben, errichtete Kaiserin Helena, die Mutter Konstantin des Großen, um 330 eine kleine Kirche und einen Turm genau an jener Stelle, wo sich Gott dem Moses im Wunder des brennenden Dornbusches gezeigt hat. Seine heutige Gestalt bekam das Kloster im 6. Jahrhundert, als Kaiser Justinian den Bau der großen Klosterfestung und der prächtigen Kirche anordnete. Die Festungsmauer misst 88 mal 75 Meter und ist bis zu 25 Meter hoch. In der Folge stellten die islamischen Machthaber das Katharinenkloster unter ihren Schutz und bewahrten es so vor Plünderung und Zerstörung. Die Abschriften der entsprechenden Dokumente, darunter ein Schutzbrief Mohammeds sowie ein Edikt von Napoleon werden im Klostermuseum gezeigt. Seinen Namen erhielt das Kloster im 11. Jahrhundert, als in seiner Nähe die Gebeine der heiligen Katharina von Alexandrien, einer frühchristlichen Märtyrerin, gefunden wurden. Seine Blütezeit hatte das Kloster im 14. Jahrhundert, als die Gemeinschaft mehr als 300 Mönche zählte. Heute leben an dem geschichtsträchtigen Ort 24 griechisch-orthodoxe Mönche, vorwiegend aus Griechenland stammend. Seit dem 15. Jahrhundert ist das Katharinenkloster ein eigenständiger Erzbischofssitz der Diözese Sinai, der Erzbischof wird vom griechisch-orthodoxen Patriarchen von Jerusalem geweiht.

Nach dem Eintreffen beim Kloster verabschiedet sich die Eskorte und überlässt uns nun der Betreuung dur5ch die Klostergemeinde.
Für die Unterbringung steht ein Gästehaus zur Verfügung. Die Einrichtung entspricht zwar den bescheidenen Ansprüchen von Pilgern, es ist aber alles sauber und zweckmäßig. Es gibt auch für wenige Pfund israelischer Währung ein einfaches Abendessen und Frühstück und die ganze Atmosphäre strahlt eine gewisse Geborgenheit aus.

Sinai Hotel Das Sinai Hotel
Für die Unterbringung der Touristen steht immer noch das bescheidene Pilgerquartier zur Verfügung, wo für Logis und Verköstigung ein bescheidener Unkostenbeitrag verlangt wird.
Für die gehobeneren Ansprüche steht jetzt auch ein Hotel zur Verfügung, das den "Pilgern" zu günstigen Preisen ein Bett und drei Mal eine warme Mahlzeit bietet. Nach Auffassung der Mönche darf nicht gewinnorientiert gearbeitet werden:
"Das Katharinenkloster ist ein religiöser Ort, der trotz aller finanzieller Schwierigkeiten für alle Besucher weiterhin frei zugänglich sein muss," so ihre Devise

Foto Wikipedia

Sonntag 5. Mai 1974
Der Gottesdienst beginnt schon um 0800 Uhr. Der Erzbischof selbst zelebrier das Hochamt nach griechisch-orthodoxem Ritus, die liturgischen Gesänge der Mönche machen die Messfeier zu einem tief beeindruckenden Erlebnis.
Als Katholik man hat plötzlich das Gefühl, über den Konfessionen und Religionen zustehen und wenn man in den Klosterhof tritt und gleich neben der Kirche eine Moschee vorfindet, dann kommt so etwas wie Hoffnung nach Frieden in der Welt auf.

Der Bischofssitz
Der Tronsitz des Erzbischofs in der Kathedrale, Symbol seiner religiösen und richterlichen Autorität
Klosterpforte

Die winzige Klosterpforte zeugt von unruhigen Zeiten, als die Mönche trotz der anerkannten Autorität des Erzbischofs auf der Hut sein mussten, nicht Opfer eines räuberischen Überfalls zu werden. In solchen Bedrohungsfällen verkehrte man mit der Außenwelt über die "Liftanlage" rechts neben neben der Pforte, wo mittels eines Seiles Waren und auch Besucher emporgehievt wurden.

Kathedrale und Moschee

Ein Zeichen religiöser Koexistenz ist die Moschee im Klosterrareal. Sie dient den Muslimen, die im Kloster angestellt sind.

 

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Nach der Messe besichtigen wir die Kirche und anschließend die Bibliothek und Ikonensammlung, die zu den besonderen Kostbarkeiten des Klosters zählen. Letztere enthält vor allem Ikonen, die den Bildersturm des 8. Jahrhunderts überstanden hatten.
Wir hatten noch das Glück, diese Schätze besichtigen zu dürfen, heute sind sie den Besucheraugen - bis zu 2000 pro Tag - aus Sicherheitsgründen entzogen und wie auch die Klosterbibliothek nicht zur Besichtigung freigegeben.


Die Ikonostase, die in orthodoxen Kirchen den Altarraum von den Gläubigen trennt
Foto Klinger
Die Bibliothek, an Umfang und Wert der Manuskripte nur von der des Vatikan übertroffen, umfasst mehr als 3.400 Handschriften und 5.000 Bücher. Das wertvollste Stück ist der Codex Syriacus aus dem 5. Jahrhundert. Vom berühmten Codex Sinaiticus, einer fast vollständigen griechischen Bibelhandschrift aus dem 4. Jahrhundert, ist nur mehr eine Faksimileausgabe erhalten. Das Original, das der aus Sachsen stammende protestantische Theologe und Bibelforscher Konstantin von Tischendorf (1815-1874) auf einer seiner Forschungsreisen im Kloster entdeckt hatte, befindet sich heute im britischen Nationalmuseum.
Wie es dorthin gelangt war, zählt zu den vielen fragwürdigen Praktiken, wie europäische Kunst- und Antikensammler ihre Museen gefüllt hatten.
Tischendorf gelingt es, die Mönche davon zu überzeugen, dass das wertvolle Stück in den Händen des damals mächtigsten Beschützers der Orthodoxen Christenheit, des russischen Zaren, am besten aufgehoben wäre, und so machten die frommen Mönche den "Codex Sinaiticus" dem Zaren zum Geschenk. Doch in Russland sollte er nicht bleiben, denn nachdem die Sowjets den Zaren und sein Reich liquidiert hatten, sollte auch der Codex einer nützlicheren Verwendung zugedführt werden. Im Jahr 1933 verkaufte ihn die Sowjetregierung Regierung für 100 000 englische Pfund (heute ca. 1 100 000 Euro) an England, wo er bis heute im Britischen Museum in London aufbewahrt wird.
Warum sich die Mönche den Codex nicht ebenso teuer abkaufen ließen - heute würden sie diesen Betrag dringend für eine umfassende Renovierung benötigen, - liegt an ihren Ordensregeln, die jegliches gewinnbringende Geschäft verbieten.

 

Bild rechts zeigt einen Ausschnitt aus dem Codex Sinaiticus im British Museum, London.
Bild Wikipedia
Codex_Sinaticus

Montag 6. Mai 1974 Zum obligatorischen Besichtigungsprogramm zählt natürlich die Besteigung des Berg Sinai, oder Djebel Musa, wie ihn die Muslime nennen- die wir am frühen Morgen des nächsten Tages begannen. Als Kavallerist ließ ich es mir nicht nehmen, den ersten Teil des Anstieges auf dem Kamelrücken zu absolvieren, ein völlig neues Reitgefühl im Vergleich zu den gewohnten Haflingern, die einen Reiter so lange hinaufbalancieren, bis er vor Angst von selbst absteigt. Das Kamel, bzw. dessen Führer ließ es gar nicht erst soweit kommen. Am tariflich vorbestimmten Umkehrplatz angekommen, wollte ich mich nach Reitersitte mit einem Stück Zucker bei meinem Reittier bedanken, was dieses offenbar missverstanden haben muss. Nachdem ich gerade noch meine Hand in Sicherheit bringen konnte, bevor es mir die Finger abbeißen konnte, war meine kurze Beziehung zum Schiff der Wüste wieder auf die unverbindliche Tierliebe auf sicherer Distanz zurückgesetzt.
Zu Fuß geht es dann fast in der Falllinie über 800 Stufen aufwärts bis zum Gipfel. Insgesamt sind es über 3600 Stufen, die ein Mönch vor Zeiten vom Fuß der Berges beginnend als Aufstieg angelegt hatte. Dabei dürfte ihm weniger an der Bequemlichkeit der Pilger, sondern vielmehr an deren Ermahnung zur Bußfertigkeit, gelegen haben. Dafür sorgen vor allem die Höhe der Stufen und deren Unregelmäßigkeit, dass diese biblische Fitnessübung einen Tage anhaltenden Muskelkater erzeugt. Das ist auch der Grund, warum die meisten Touristen lieber den Kamelweg vorziehen und sich wenigstens die Hälfte des Treppensteigens zu ersparen.

Kamelritt

Auf dem Kamelrücken geht es vorerst bequem nach oben

 

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Himmelstor

Danach über 3600 Stufen wie durch die Himmelstür führt der Weg zum Gifel

Gipfel Berg Sinai

vorbei an der christlichen Kapelle, neben der wieder eine kleines muslimisches Bethaus steht.

Ein beliebter Rastplatz ist jenes Felsplateau, von dem die Moslems glauben dass das Pferd des Propheten Mohammed einen Hufabdruck hinterlassen haben soll, als es in von hier aus in den Himmel getragen hat. Mit einiger Fantasie könnte man die markante Vertiefung im Gestein, für einen Hufabdruck halten.

Kapelle am Gipfel

Am Gipfelplateau in 2285 Meter Höhe befindet sich eine christliche Kapelle und eine kleine Moschee zum Zeugnis der universellen religiösen Bedeutung dieses Berges, der die Gegenwart eine weiteres Gebäude als Symbol des Materialismus hinzugefügt hat: Der wahrscheinlich höchstgelegene Kiosk Ägyptens.

Dafür genießt man einen überwätigenden Rundblick über die Berge der Halbinsel Sinai und auf den Mt. Katharina

Fotos Klinger

Mt. Katharina

Wenige hundert Meter unterhalb des Gipfels liegt der "Garten des Propheten Elias", eine grüne Oase inmitten der Steinwüste, dominiert von einer tausendjährigen Zypresse und ein Brunnen. Die Stelle wird auch nach dem Mönch, der diese Himmelsleiter der 3600 Stufen geschaffen und hier gehaust haben soll, "Kartause des Stephanos" genannt. Hier soll er den Pilgern die Beichte abgenommen, die auferlegte Busse dürfte sich von selbst ergeben haben.

Brunnen des Stefanos Abstieg
Der Garten des Propheten Elias
, eine grüne Oase inmitten vom Geröll des Berghanges, die Zypressen sollen ein Alter von tausend Jahren. ein Brunnen spendet kühles Wasser. Hier soll der Mönch Stephanos, der die Himmelsleiter der 3600 Stufen geschaffen hat, den Pilgern die Beichte abgenommen haben.

Fotos Klinger

Kloster
Beim weiteren Abstieg wird das Kloster zwischen den Felsen wieder sichtbar. Man sieht, dass es von allen Seiten für damalige Angriffe so gut wie uneinnehmbar war.

Montag 6. Mai 1974
Dieser Tag ist wieder der langen Rückfahrt, die wie die Rückkehr in eine andere Welt anmuten musste, gewidmet. Zuvor noch in einem von Jahrtausenden geprägten Ambiente, aus dem drei Weltreligionen ihre Wurzeln ableiten, einer Stätte, die Juden, Moslems und Christen auf ihren gemeinsamen Gott hinweist und zur Versöhnung mahnt, finden wir uns wieder in der vom Krieg gezeichneten Realität. Gerade aber unter dem Eindruck dieser Tatsache, wird es mir wieder bewusst, dass das kein Ausflug, sondern eine Pilgerfahrt gewesen ist, aus der man neue Kraft und Zuversicht für die weitere Erfüllung unserer Aufgaben schöpfen konnte. Dienstag 7.Mai 1974
Ein neuer LO von IDF stellt sich vor: Olt Nachum Kfir. Obwohl Sabre, d.h. in Israel geboren, hat er Wurzeln in Österreich: Großvater war Soldat in der k.u.k. Armee, Vater lebte in Cernovitz. In Israel änderte er seinen Familiennamen Löwl in Kfir. Die Erklärung dafür ist einfach, denn Kfir heißt der kleine Löwe, zu dem man auf gut Jiddisch "Löwl" sagt.
Nachum Kfir ist liberaler Jude und ein angenehmer Diskussionspartner. Er wundert sich über die zahlreichen Jiddischen Ausdrücke, die wir in unsrerer Umgangssprache verwenden.

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Die große Rotation

9. bis 11. Mai 1974
Diemal ist die AUA in der Lage mit ihren neuen DC-9 die Rotation effizient in 5 Einsätzen abzuwickeln. Abge4sehen von der Verringerung des Österreichischen Kontingents auf 500 Mann, werden diesmal nahezu 2/3 des Personals abgelöst.
Abgesehen vom Wechsel im Bataillonskommando, werden außer mir alle Kompaniekommandanten abgelöst. Auch der bisherige stellvertretende BKdt Mjr Ehrl macht einem neuen DCO Mjr Gigacher platz. Am meisten aber darf man auf den neuen Bataillonskommandanten, ObstLt Burgstaller gespannt sein.
Der Abgang beim Kaderpersonal der 1. Kompanie ist ebenfalls beträchtlich: Olt Scherer und Lt Endisch von den Offizieren und die OStv Pilz und Pedernigg werden der Kompanie sehr fehlen, wie mein Fahrer Pehersdorfer und viele andere. Die neuen Zugskommandanten sind Olt Deutsch und Lt Wildberger, Lt Kofler führt nach wie vor den 3. Zug.
Von der Rotation merkt die Komapanie allerdings kaum etwas, denn sie hält nach wie vor die Stellung in der Pufferzone.
Sonntag 12. Mai 1974
Große Besuchstour der Newcomers. Weingerl führt seinen Nachfolger ObstLt Burgstaller im AUSBATT-Abschnitt ein, in ihrem Gefolge eine riersige Menge Offiziere.
Abends Jagdausfglug mit Lt Endisch. Er hat mich dazu überredet, denn bisher war mein Interesse am edlen Waidwerk kaum gegeben, eine Einstellung, unter der schon mein jagdbegeisterter Schwiegervater le4iden musste. Obwohl ich nicht selbst schießen wollte, drückt mir Endisch ein StG und Patronen in die Hand.
Wir fahren an die Nordgrenze unseres Abschnittes, lassen dann den Pinzgauer stehen und pirschen in Richtung einer Düne. Am Kamm angelangt, habenb wir wie bestellt den "Anblick": Ein kapitaler Bock, - Endisch hat ihn bereits vor Tagen ausgemacht, steht wie ein Denkmal auf ca. 250 m Entfernung am halben Hang einer weiteren Düne. Eine Riesendistanz für ein ungewohntes Gewehr, außerdem herrschnoch leichter Seitenwind.
Das merkwürdigste aber ist der plötzlich einsetzende Jagdtrieb, der alle meine bisherigen Hemmungen beseitigt. Endisch meint, wir sollten ihn näher kommen lassen, doch der Bock tut uns nicht den Gefallen und legt sich ins "Bett". Dann erhebt er sich und beginnt seinen Rückzug um bei 300 m wieder Halt zu machen, die letzte Möglichkeit zum Schuss zu kommen. Ich stelle den Aufsatz auf 300 m und drücke ab. Der Schuss geht etwa einen halben Meter vor dem Bock in den Sand. Als ob er sich selber darüber lustig machen wollte, zieht der Bock gemächlich ab und verschwindet hinter der Düne.
Mit der Feststellung, dass ein Fehlschuss auf diese Distanz ist keine Schande ist, war auch die Jagdleidenschaft, die mich so plötzlich befallen hatte, wieder verflogen und ich bin froh, dass das schöne Tier am Leben gebieben ist. Mein Schwiegervater wird sich daher weiterhin um andere Jagdgefährten bemühen müssen.
13. und 14. Mai 1974
Die letzten zwewi Tage bis zur Ablösung durch die 2. Kompanie verlaufen ohne besondere Ereignisse.
Mittwoch 15. Mai 1974
Die Beiden Bataillonskommandanten besichtigen die Unterkünfte. Obwohl alles in Ordnung ist, sind die meinugsverschiedenheiten der Beiden nicht zu übersehen. Die Übergabephase entpuppt sich als ungute Zeit: Der Eine kommandiert noch immer und der Neue will schon mitmischen. Geduld scheint nicht seine Stärke zu sein. Man hat den Eindruck, dass er alles was bisher geschehen ist, als großen Pfusch betrachtet undf einige der neuen Offiziere pflichten ihm da offenbar bei. Wollen sehen, was sie Besseres zu bieten haben.
Jedenfalls kommt es darauf an, den Klugscheißern zu zeigen, wo ihre Grenzen sind. Das geschieht auch in einer Aussprache mit dem stellvertretenden Kommandanten Gigacher. Da wir uns seit der Militärakademie kennen, war es kein Problem ihm klar zu machen, dass man besserb dran ist, sich die Erfahrungen der "Alten Hasen" zunutze zu machen, als alles umklrempeln zu wollen. Für Neuerungen und Verbesserungen bin ich stets zu haben, wenn sie sich als notwendig erweisen und realisierbar sind.
Dass unsere Tage in Suez offenbar gezählt sind, beweist der Auftrag an die Kompanie, einen Zug in 6-stündiger Abmarschbereit zu halten, um als Erkundungskommando nach Syrien zu fliegen. Lt Kofler und der III. Zug sind als erster an der Reihe. Donnerstag 16. Mai 1974
Sauna bei den Finnen. Man kann sich zwar nicht vorstellen, wie man bei einer Außentemperatur von 40°noch mehr ins Schwitzen kommen soll. Danach aber fühlt man sich erfrischt und wie neu geboren.
17. - 22. Mai 1974
Wochenende in Kairo. Ausritt mit Lt. Wildberger nach Sakkara, Besichtigung des Serapeums und des Grabmals von Thi.
In Suez das übliche Lagerleben mit Baden am Strand und Lokalbesuch am Abend. Zwischen den Trümmern eines Hotels hat sich eine gemütliche Bar etablier, wo ein herrlicher Canadien Club zu haben ist. Allerdings sollte man das Eis meiden, denn beim Schmelzen des Eiswürfels kommen allerlei Dinge wie Staubpartikelchen zum Vorschein.
Donnerstag 23. Mai 1974
Am Vormittag feierliche Übergabe des Bataillons. Weingerl und Burgstaller scheinen wieder im, besten Einvernehmen, da es ja nichts mehr zum Nörgeln gibt. Jetzt kann er zeigen was er drauf hat. Weingerl werde ich vermissen, denn er war ein guter Kommandant, auch wenn er von seiner Umgebung nicht mehr verstanden wurde.

Batallonsübergabe

Die Kommandoübergabe

Burgstaller
Oberstleutnant Franz Burgstaller
Bataillonskommandant vom 9. Mai 1974 bis 30. August 1975

Burgstaller hat auch gute Ideen, die zu verwirklichen jedoch einige Zeit und vor allem Geldmittel in Anspruch nehmen werden. Er besitzt jedenfalls reichlich Auslandserfahrung, die er als UNMO sammeln konnte.
Abends ist Abschiedsfeier von den Heimkehrern in der 1. Kompanie. Es ist eine nette Feier ohne die üblichen Abstürze. Wir sind in den vergangenen Monaten zu echten Kameraden geworden und ich werde sie daher sehr vermissen. 24. - 29. Mai 1974
Bin beauftragt die Newcomer in die neuen Aufgaben einzuführen. Daneben laufen schon konkrete Maßnahmen für eine Verlegung auf die Golanhöhen. Man hört, dass in Genf Verhandlungen über ein Truppenentflechtungsabkommen laufen und dass unser Bataillon in den Golan verlegt wird. Burgstaller teilt mir auch mit, dass die 1. Kompanie das Vorauskommando bilden werde.

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Der Auszug aus Ägypten

30. Mai 1974
Das Abkommen über die Truppenentflechtung der syrischen und Israelischen verbände auf dem Golan ist perfekt und tritt mit der morgigen Unterzeichnung in Kraft. Die Recceparty stellt derzeit die 3. Kompanie mit einem Zug, den Olt Deisenberger führt. Ab sofort ist die 1. Kompanie mit der Herstellung der Abmarschbereitschaft voll beschäftigt, nachdem auch endgültig feststeht, dass wir nach der Recce-Party die Ersten sein sollen, die nach Syrien im Motmarsch verlegen sollen. Nun gilt es, genau zu planen, was mitzunehmen ist. Praktisch muss das gesamte Unterkunftsgerät einschließlich der Spinde, Betten und Kanleiausrüstung mitgenommen werden, denn in der neuen Mission werden wir wieder bei Null anfangen müssen. Die Kompanie nimmt diese Aufgaben freudig zur Kenntnis, nicht zuletzt auch deshalb, weil bei den Leuten so etwas wie Reisefieber ausgebrochen ist. Auch ist es ihnen lieber, Neuland zu betreten, als in aufgelassenen Liegenschaften als Rücklasskommando aufzuräumen.
Für mich persönlich gilt es aber auch von von den Kairoer Freunden Abschied zu nehmen, auch der Anzug, den ich mir von einem Schneider in Kairo anmessen ließ, sollte abgeholt werden. Ein konkreter Zeitplan existiert allerdings im ganzen Bataillon nicht.
Sonntag 31. Mai 1974
Es herrscht Abmarschbereitschaft. Die Beladepläne sind erstellt, alles ist in Erwartensstimmung, teilweise schleicht sich auch ein beklemmendes Gefühl der Ungewissheit über das Bevorstehende ein. Wie wird die Familie auf den Wechsel reagieren?
Am Abend große Abschiedsparty; jemand hat mir einen besonderen Cocktail gemixt, der mich regelrecht von den Socken haut.
Samstag 1. Juni
Bekoome Erlaubnis für einen Wochendurlaub in Kairo. Abschied von Dr. Moussa und den Übrigen Bekannten. Der Anzug ist natürlich nicht fertig und muss irgendwie in den Golan nachgeholt werden.
Nach einer kurzen Bilanz über meine Zeit in Ägypten stelle ich fest, dass eine Reihe von Pflichtbesuchen nicht absolviert werden konnten: Luxor, Abu Simbel, Assuan und Alexandria. Als Tourist wären das unverzeihliche Versäumnisse, aber der Zweck meines Hierseins war anderen Programmpunkten gewidmet.
Am Abend sitzen wir, das sind meine 2 Unteroffiziere Ödendorfer und Sommer, die ihre Frauen erwarten. Ihre Urlaubspläne werden allerdings durch die bevorstehende Verlegung etwas durcheinender geraten. Weiters sind da noch Dr. Moussa und dessen Bruder, der ebenfalls aus Österreich gekommen war. Es herrscht eine gedrückte Stimmung.
Sonntag 2. Juni 1974 Ich besuche das UNEF HQ, um konkrete Auskünfte über unsere nächsten Aufgaben zu erhalten.
Hier herrscht sonntägliche Ruhe, als wäre da überhaupt nichts besonderes los. Entweder wissen die hier auch nicht mehr, oder man treibt wieder das alte Spielchen vom Blöd-Sterben-Lassen: Der Duty-Officer überreicht mir lediglich eine Ablichtung eines Artikels der Jerusalem Post mit dem Text des Truppenentflechtungsabkommens. Sonst kein Kommentar.

Agreement 74
Das Truppenentflechtungsabkommen vom 31. Mai 1974

Hier ist das Original der Ablichtung von der Jerusalem Post
Bei genauerem Studium des Textes hätte uns der Punkt D. (klicken sie auf das Bild) über den Ablauf der nächsten Tage Auskunft geben können:
D. This agreement and the attached map will be signed by the military representatives of Israel and Syria in Geneva not later than May 31, 1974, in the Egyptian-Israeli military working group of the Geneva Peace Conference under the aegis of the United Nations, .... The military working group described above will state their work for this purpose in Geneva under the aegis of the United Nations within 24 hours after the signing of this agreement. They will complete this task within five days. Disengagement will begin within 24 hours after the completion of the task of the military working group. The process of disengagement will be completed not later than twenty days after it begins.
Das bedeutet, dass das Disengagement spätestens am 7. Juni beginnen und innerhalb der folgenden 20 Tage enden musste. Vor allem wäre sich Burgstaller darüber klar geworden, dass die ersten 2 Phasen des Disengagements von der 1. Kompanie allein zu bewältigen waren.
Der gesamte Ablauf der Truppenentflechtung war bereits durch die politischen Entscheidungen der Verhandlungspartner vorgegeben. Der UNEF wäre allerdings vorzuwerfen, keine zusätzlichen Transportmittel für die Verlegung einer größeren Zahl von Truppen in das Einsatzgebiet bereitgestellt zu haben. Wie in weiterer Folge zu sehen ist, waren vor allem die Österreicher in der Anfangsphase überfordert.

Nach meiner Rückkehr nach suez gibt es vorerst keine Neuigkeiten.
Um 2150 Uhr, - wir sitzen alle im Offizierskasono, - ist es aber so weit: Der Dutyofficer bringt den Marschbefehl für die Recce-Party: Abmarschtermin 3. Juni 1200 Uhr Mittags.
Nun wird es endlich auch ernst für die Advanceparty und rechnet mit deren Abmarsch am Dienstag am frühen Morgen. Montag 3. Juni 1974
Die Recceparty ist abmarschiert, zuvor war noch das ganze Bataillon zu einer Feldmesse versammelt, bei deren Abschluss der Militärkurat einen vollkommenen Ablass erteilte. Da war plötzlich das Gefühl, als zögen wir in einen Krieg.
Sonst gibt es nichts Neues außer einer Reihe von Latrinengerüchten und vagen Vermutungen. Das Bataillonskommando schweigt sich jedenfalls aus. Dann endlich der Befehl aus Kairo: Herstellen der Abmarschbereitschaft ab 4. Juni 0800 Uhr. Dann heißt es plötzlich, dass wir schon um 0600 Uhr abmarschieren sollen.
Dieses Befehlswirrwarr bringt uns schließlich so weit, dass wir trotz aller Vorbereitungen doch noch ins Gedränge kommen. Weiß der Kuckuck, wer dafür verantwortlich ist. Auf alle Fälle haben die ersten Prognosen gestimmt.

Die Recce-Party Abb. links

Die Recceparty
bei eine der Alarmübungen, als die Mannschaft noch von der 1. Kompanie gestellt wurde; im Bild Kdt Mjr Eckewin Bauer und Lt Kofler

 

Abb. rechts

Das Beladen der Fahrzeuge
erfolgt nach einem genauen Beladeplan. Es durfte faktisch nichts vergessen werden

Beladen der KFZ

Dienstag 4. Juni 1974
Um 0600 steht die eine Kolonne von 53 Fahrzeugen, die meisten davon sind LKW StD 680M, praktisch der gesamte Fahrzeugpark des Bataillons bereit zum Abmarsch.

Abmarsch Das Marschpaket der 1. Kompanie
Es sind 18 KFZ, davon 3 Pinzgauer AP710, 12 LKW StD 680M3 und 3 weitere Kleinfahrzeuge
Das weit größere Marschpaket des BKdo/Teile StbKp besteht aus 35 KFZ, davon 15 Funk- und FM-Fahrzeuge und etwa 18 LKW mit dem gesamten Unterkunfts- und Kanzleigerät des BKdos.

Der swchon am Vortag vom BKdo erstellte Marschbefehl wir in den wesentlichen Punkten an die Fahrzeugkommandanten ausgegeben: Geschlossene Kolonne in 2 Marschpaketen bis Ismailia.

Marschbefehl S.1 Marschbefehl S.2 Der Marschbefehl für die Advanceparty
(Original, anklicken und lesen)
So gewissenhaft die Vorbereitung erfolgt war, so mangelhaft waren die von der UNEF bereitgestellten Führungsgrundlagen, wie etwa eine Straßenkarte.
Der Marschbefehl des Bataillons war zwar umfangreich, aber wenig aussagekräftig hinsichtlich des Marschweges. Das lag an der schon erwähnten Tatsache, dass wir weder über Straßenkarten Israels, noch über Syriens, verfügten. Den Verantwortlichen im UNEF HQ war offenbar der Begriff "Basismaterial", über das der Befehlsempfänger verfügen sollte, unbekannt. Außer einer Auflistung der Ortschaften, die wir zu passieren hatten und der Angabe von 2 Tankhalten, gab es keine weiteren Informationen weder über Marschstrecke, noch den Zustand der Strassen. Man wird auch vergeblich nach einem Marschziel bzw. einem Etappenziel suchen und auch keine Maßnahmen der Verkehrsregelung finden. Daß es sich dabei um grobe Eigenfehler handelt, beweist eine gewisse Führungsschwäche auf allen Ebenen.

Schon am Nördlichen Ortsrand von Suez wird die Kolonne angehalten: Präsident Sadat soll die Stadt heute besuchen und deswegen sind alle Zufahrtswege gesperrt. Warum auch die, welche aus der Stadt hinausführen, weiß allerdings niemand. Am allerwenigsten der ägyptische Militärpolizist an der Sperre. Nach einer Stunde vergeblichen Wartens reißt der Geduldsfaden. Irgendjemand gibt dem Benzifass, das die Strasse blockiert einen Tritt, der Ägypter sieht dabei gelassen zu und die Kolonne rollt wieder an.
Nachdem wir den Suezkanal überquert hatten erreichen wir mittags Raba, den nördlichsten UN-Stützpunkt der Pufferzone Sinai. Hier war erster technischer Halt zum Auftanken.

Raba
Raba
Erster, geplanter technischer Halt und Mittagsrast.
Was aber die meisten von uns nicht wussten, war die Tatsache, dass bei Antritt des Marsches am 4. Juni 1974 um 6 Uhr früh, noch keine Genehmigung der Österreichischen Bundesregierung für die Verlegung des AUSBATT nach Syrien vorlag. ObstLt Burgstaller befand sich im Dilemma:
Entweder den von der UNEF erhaltenen Marschbefehl nicht zu befolgen, oder ohne Einwilligung der österreichischen Regierung in ein fremdes Staatsgebiet einzumarschieren.
Burgstaller tat das einzig Richtige, was ein verantwortungsvoller Kommandant in einer vergleichbaren Lage tun würde: Er ließ die Zeit für sich arbeiten.
Bis zum Verlassen der UNEF-Mission lag noch eine Fahrstrecke von 200 km, womit etwa 3 Stunden des Abwartens blieben. Eine Verlängerung dieser Galgenfrist brachte die von den Ägyptern erzwungene Marschunterbrechung von einer weiteren Stunde. Mit Erreichen der Grenzposition Raba und der geplanten Mittagsrast war sein Zeitkalkül aufgegangen:Um 1400 Uhr kam der erlösende Funkspruch aus Österreich und damit grünes Licht zum Weitermarsch.
Der eigentliche Grund für diese Verzögerung lag in der Zeitverschiebung von 5 Stunden zwischen Wien und New York. Denn das am 1. Juni 1974 gestellte offizielle Ansuchen des UN-Generalsekretärs erreichte das österreichische Außenamt nach Dienstschluss. Somit war die Einberufung des Ministerrates und über das Wochenende nicht möglich. Am Montag, dem 4. Juni dürfte der Ministerrat dann den Beschluss zur Zustimmung gefasst haben, als das Bataillon, bzw. das Vorauskommando bereits auf dem Marsch war.

Um 1400 kann die 1. KP als selbständige Kolonne weiter marschieren. Kurz vor dem Abmarsch treffe ich wieder einen alten Bekannten: Haim Kretsch, meinen LO von Sinai, die Aufgabe hat den polnischen Konvoi durch Israel zu eskortieren.
Er gibt mir den Rat, am Ufer des See Genezareth die Nascht zu verbringen. "Da gibt es genügend Platz für deine Fahrzeuge und ein Abstecher nach Tberias wird wahrscheinlich die letzte Gelegenheit sein, in kultivierter Umgebung einen Kaffee zu genießen." Eine Traumreise beginnt: El Arisch, Gaza, Aschkalon, durch blühende Gärten undf Felder. Mir fälltr das Lied ein:"Hoch auf dem gelben Wagen .... ich würde so gerne noch bleiben, aber der Wagen der rollt."Nur der Grenzzaun im Gazastreifen erinnert an unsere eigentliche Aufgabe. In Tel Aviv, dass wir in den Außenbezirken passieren, dämmert es bereits. Auf diesem kurzen Stück Autobahn fahren wir wie die Feuerwehr. Burgstaller, der uns irgendwo trifft, - er ist an die Kolonne nicht gebunden, - gibt mir freie Weiterfahrt bis Tiberias.

El Arisch
Rast bei El Arisch
Hier war im Ersten Weltkrieg k.u.k. Artillerie während der türkischen Offensive gegen den Suezkanal in Stellung.8

 

Fotos Klinger
Gazastreifen
Der Gazastreifen
1974 konnte man den knapp 50 km langen Gazazastreifen auf einer gut befahrbaren Straße in einer knappen Stunde ungehinder durchfahren. Der längs der Straße führende 2 1/2 Meter hohe Maschendrahtzaun war eher eine symbolische Abgrenzung des israelischen Kernlandes vom okkupierten Gebiet.
Gaza
Gaza Stadt
Die Straße führt durch die Randbezirke, die Stadt selbst war damals noch so klein, dass man sie kaum wahr nehmen konnte.

Wir passieren Nethania und schwenken dann bei Hadera in das Landesinnere ein. Hier fahren wir abermals in besetztes Gebiet im Westjordanland. Nirgendwo ein Checkpoint oder sonst eine Art von Kontrolle. Die Route ist einfach der kürzeste Weg nach Galiläa, die Straßen sind völlig neu. Es ist bereits Nacht als wir Nazareth passieren und nach etwa 15 Kilometern kann man den See Genezaret erahnen, in dessen Wasser sich die Lichter von Tiberias spiegeln. Haim Kretsch hat Recht behalten: Es ist jetzt 2000 Uhr, in spätestens einer halben Stunde sind wir am Lagerplatz, das heißt, dass sich ein kleiner Lokalbummel noch vor Mitternacht ausgeht.
Und dann passiert es: Mitten in Tiberias an einer Kreuzung biegen wir in die falsche Richtung ab und landen in einer Sackgasse vor einem Hotel. Glücklicherweise können wir auf dem großen Parkplatz in gut 20 Minuten die Kolonne wenden, als plötzlich ein UNMO auftaucht und mich anherrscht, was wir in Tiberias zu suchen hätten. Ich stelle die Gegenfrage und der Holländer ist plotzlich ganz höflich und gibt zu, dass er die Kolonne bereits in Afula, 10 Kilometer vor Tiberias hätte abfangen sollen. Vermutlich saß er im Kaffeehaus wei er mit unserem flotten Marschtempo nicht gerechnet hatte. Er teilt mir auch mit, dass sich UN-Eiheiten dieser Größenordnung in Tiberias nicht aufhalten dürften.
Ausgenommen war allerdings das Auftanken, wozu laut Marschbefehl auch eine zivile Tankstelle vorgesehen war. Nach einer weiteren Ehrenrunde zur Tankstelle und zurück, verlassen wir Tiberias um die Nacht in Afula zu verbringen. Da treffen wir bereits auf das zweite Marschpaket und Burgstaller, die der Aufmerksamkeit des Holländers nicht entgangen waren.
Anstatt des aufregenden Nachtlebens von Tiberias genießen wir die komfortable Breite eines Straßengrabens, um den müden Knochen nach über 500 zurückgelegten Kilometern ruhe zu gönnen.
5. Mai 1974
Es ist 0500 Uhr Morgens und die Kolonne steht zum Abmarsch bereit. Im Grunde genommen sind wir alle froh, dass die Nacht so ruhig verlaufen ist und daher wir alle gut ausgeschlafen sind

Bei Afula
Bei Afula
Die Kolonne ist abmarschbereit. Das Bild zeigt die volle Länge der beiden Marschpakete, man kann die 53 Fahrzeuge abzählen

 

Fotos Klinger
See Genezareth
Der See Genezareth
Zum Teil noch im Morgennebel glänzt seine Wasser wie Silber. Die Kolonne des AUSBATT führt nun zum 3. Male durch Tiberias und die Leute müssen den Eindruck haben, dass eine gewaltige Streitmacht im Begriffe ist, in den Golan einzumarschieren.
Über den Jordan
Über den Jordan
Der Fluss selbst, dessen Bett tief eingeschnitten bei zwischen den Uferbäumen liegt, ist nicht zu sehen, ebenso nicht die Brücke Der Sieben Töchter Jakobs die wir hier überqueren. Gut zu sehen aber ist der Verlauf der Straße, die in mehreren Kehren die Golanhöhen hinauf führt.

Nun nhern wir uns wieder dem Krieg: stellenweise syrische Panzerwracks und Ruinen. Dann kommt Qunaitra: Wir passieren ein Trümmerfeld, das einmal Lebensraum für 30 000 Seelen, - Muslime und Christen, - gewesen sein soll.
Man erinnert sich noch der Bilder aus dem Fernsehen und sieht, dass sich bisher kaum was geändert hat. Jetz passieren wir wieder einen Checkpoint nach dem Anderen und die Kolonne kommt kaum weiter. Für die letzten 20 Kilometer bauchen wir 3 Stunden.

Qunaitra
Foto Klinger
Qunaitra

 

Vor 1967 die Hauptstadt des gleichnamigen syrischen Distrikts, der die gesamten Golanhöhen umfasste. Damals lebten hier etwa 30 000 Menschen, - Muslime und Christen, - im friedlichen Nebeneinender, wie die Ruinen der alten orthodoxen Kathedrale und der Moscheen beweisen. Danach ist zweimal der Krieg hinweggerollt und was davon blieb, kann man beim Durchfahren der Trümmerstätte sehen.
Aber dabei sollte es nicht bleiben. Als ob man ein Exempel statuieren würde, machten die Israelis vor ihrem Abzug noch alles, was stand, dem Erdoden gleich. Lediglich die Skelette der religiösen Stätten ließ man stehen, als ob man sich davor gescheut hätte, die letzten Zeugen von Toleranz und Zivilisation auch noch zu beseitigen.
Wenn ich das Zerstörungswerk nicht mit eigenen Augen erlebt hätte, würde ich diesen, an die Vernichtung des biblischen Jericho erinnernden Vasndalenakt nicht für möglich halten.
Der Entschluss der syrischen Regierung, die Stadt nicht mehr aufzubauen, sondern als Mahnmal einer unversöhnlichen Geisteshaltung stehen zu lassen, ist verständlich, wenn er auch einer Lösung des Nahostproblems nicht nahe kommt.

Endlich sind wir in Sa'sa, nachdem kurz zuvor der letzte israelische Posten uns weiterfahren ließ. Am Ortsrand des Dorfes empfängt uns eine beeindruckende Delegation des syrischen Militärs.

An deren Spitze General Tayara, der Chefdelegierte der Waffenstillstandskommission (ISMAC). Ihm zur Seite der perfekt Deutsch sprechende Caspt Nizar. Die Begrüßung ist äußerst herzlich, als Unterkunft wird uns ein Teil des Militärlagers Quanaquer angeboten und jeder bekommt ein weiß überzogenes Bett.
Nachdem wir unser Naschtquartier bezogen hatten, gab General Tayara einen Empfang, zu dem das gesamte Personal der Advanceparty geladen war.
Der Golan empfängt uns mit dem ganzen Charme seiner bezaubernden Landschaft, die sich jetzt Anfang Juni noch im frischen Grün präsentiert. Hier werde ich also die nächsten Monate verbringen, bis anfangs August meine Verpflichtungszeit abgelaufen ist.

General Tayara General Tayara
Ein Empfangskomitee, das nicht nur seiner Zahl nach sondern auch seiner hochrangigen Besetzung wegen beeindruckte, hieß ObstLt Burgstaller an der Spitze seiner Heeresmacht, willkommen. Der Armeekommandant und sein Stab hatten es sich nicht nehmen lassen, uns im Namen der Syrischen Regierung zu begrüßen. Im Gefolge der Herren befand sich auch zwei Offiziere, die in Zukunft unsere wichtigsten Gesprächspartner sein werden: Oberst Tajara, der oberste Verbindungsoffizier und sein Adjutant und Dolmetscher Hauptmann Nizar.

Auf den Golanhöhen

Diese Publikation ist noch in Bearbeitung
als kleine Vorschau hier die Schilderung des folgenschwersten Tages dieser Mission

A day of June

So lautete der Titel eines Videos, das ich 4 Jahre später 1979 an einem langweiligen Nachmittag im UN-Kontroll-Center von Tiberias, zufällig in die Hände bekam und eher gedankenlos ii den Videorekorder zum Abspielen tat. Richtig aufmerkdenn dassam wurde ich durch eine bekannte Gestalt, die sich in Großaufnahme als meine Person zu erkennen gab. Nun war mir auch klar, dass es die Pressekonferenz über den tragischen Minenunfall war, der am 25. Juni 1974 vier österreichischen Soldaten das Leben gekostet hat. Inhaltlich ist meinen damaligen Aussagen, außer einem falschen englischen Vokabel, das ich in der Aufregung gebrauchte, nichts hinzuzufügen, noch gibt es neue Erkenntnisse über die Ursache und den Hergang dieses tragischen Ereignisses.

Das Drama am Berg Hermon

Strasse zum Hermon
Foto Klinger
Die Straße in den Tod
Die Straße führt von Arne über Position 36a, - heute Pos 12, - auf den in Bilmitte liegenden Sattel, der von den Israelis Pitulim-Camp genannt wurde und heute die Position Hotel Base ist. Von dort führt eine von Panzern ausgefahrene Piste den Bergkamm nach oben bis zum Gipfel. Das Unglück geschah inm der ersten, gut sichtbaren Kehre der Straße

Es war eigentlich kein Tag wie jeder andere, sondern ein Tag zum feiern. Die erfolgreiche Beendigung des Disengagements sollte nämlich mit einer eindrucksvollen Übergabezeremonie gewürdigt, und auf Wunsch der Israelis mit einer feierlichen Flaggenparade auf dem Berggipfel begangen werden. Gleichzeitig aber wollten sie die Gelegenheit für eine intensive Suchaktion nach den sterblichen Überresten eines ihrer Kampfpiloten nutzen, wofür die UNDOF personelle Unterstützung gewährte. Im Vordergrund aber stand die endgültige Besetzung des Bergmassives des Hermon, wofür der erste Zug meiner Kompanie bestimmt war. Auf syrischer Seite hatte diese Einheit bereits eine Position Nordostwerts des Hauptgipfels besetzt gehalten. Bereits bei den Vorbereitungen, die dieser Maßnahme tagelang vorausgegangen waren, hatte das Bataillon erkannt, dass die direkte Straßenverbindung von Arne auf den Berg von entscheidender Wichtigkeit war. Eine "Mineclearence" wurde daher bereits eine Woche davor beantragt, um diese Strasse rechtzeitig befahrbar zu machen. Am Vorabend der Aktion wurde tatsächlich seitens UNDOF grünes Licht gegeben. Der Wortlaut dieser Mineclearence lautete sinngemäß ins Deutsche übersetzt: "Die syrische Strasse von Arne bis zur B-Linie ist von Minen geräumt. Der von der israelischen Armee besetze Teil der Strasse auf den Berg ist ebenfalls frei von Minen." Weder für den Bataillonskommandanten noch für mich, gab es einen Grund, diese schriftliche Meldung unseres vorgesetzten Kommandos anzuzweifeln. Das eigentliche Verhängnis hatte seinen Ursprung nicht in der Verlegung der Truppe, sondern lag bei jenen Aktionen, die nicht unter meiner Kontrolle standen. Das war ein Trupp von Soldaten, die für die Flaggenhissung vorgesehen waren, sowie das Suchunternehmen für den israelischen Piloten. Meine Zuständigkeit war nur soweit betrafen, als ein Mann meiner Kompanie als ortskundiger "Pfadfinder" an dieser Aktion teilnehmen sollte. Der dafür verantwortliche Stabsoffizier war der "Ops Info" des Bataillons Hptm Erbstein, der die Flaggenhissung sowie die Suchaktion in Abstimmung mit den Israelis und UNDOF organisiert hatte. Seit ich meine ersten Erfahrungen mit Minen und Bekanntschaft mit deren Sprengwirkung gemacht hatte, machte ich es mir zur Regel, vor Befahren oder Betreten eines unbekannten Geländes, mich selbst von der Sicherheit zu überzeugen und habe im Laufe der Zeit einen gewissen Riecher entwickelt. In meinem Verantwortungsbereich, gleichwohl ob in der Sinai als auch hier, durfte Niemand unbekanntes Gelände betreten, ohne dass zuvor ich selbst, oder eine andere ortskundige, erfahrene Person vorausging, oder -fuhr. Auch hier war nichts anderes vorgesehen, als das ich der kleinen Kolonne vorausfahren sollte. Wie es dazu kam, dass diese Regel diesmal nicht eingehalten wurde, sei folgende Szene geschildert, die unauslöschlich die in meiner Erinnerung abläuft, als wäre es ein Film. Ich war gerade bei meiner Befehlsausgabe, als ein Soldat versuchte, meinen Redefluss durch eine Meldung zu unterbrechen. Verärgert wies ich ihn zurecht, gefälligst zu warten, bis ich mit der Befehlsausgabe fertig sei. Dieser Soldat war der von meiner Kompanie als "Pfadfinder" abkommandierte Gfr Voloder, der sich vorschriftsmäßig zum Leichensuchkommando abmelden wollte. Seine Kameraden vom Suchkommando warteten bereits in einem Landrover, dahinter an der Strasse wartete auch der Trupp, der die Flaggen auf den Berg bringen sollte. Nun unterbrach der Ops Info meinen Redefluss: "Bitte lass' den Mann endlich abtreten, damit meine Leute endlich abfahren können, denn sie werden oben schon erwartet." Nachdem ich den Mann entlassen hatte, fuhren die beiden Fahrzeuge, denen ich bis dato keine besondere Aufmerksamkeit geschenkt hatte, bergwärts und eines in den Tod. Meine Befehlsausgabe war gerade beendet, als eine Detonation aus Richtung des Berges zu hören war, die nun sichtbare Rauchwolke nichts Gutes ahnen ließ. In Begleitung des Dienstführenden OStV Ödendorfer fuhr ich nun bergwärts um Nachschau zu halten während ein Arzt mit SanKW aus Quanaquer angefordert wurde. Schon nach wenigen hundert Metern war festzustellen, dass die Syrer ihre Minen aus der Fahrbahn geräumt hatten. Sie lagen, vermutlich bereits entschärft, am Straßenrand. Dann aber sah ich die verhängnisvolle Markierung, die auf die israelischen Minen hinweise sollte. Ob der Fahrzeugkommandant des Unglücksfahrzeuges, Zgf Hofer diese Markierung übersehen, oder nicht beachtet hatte und weitergefahren ist, wird für immer ein Rätsel bleiben. Ich tat jetzt das, was jeder Soldat eingetrichtert bekommt, bevor er seinen Dienst im Ausland antritt. Ich lasse das Kfz stehen und erreiche mit meinen Begleitern zu Fuß die Unfallstelle. Es war die erste Haarnadelkurve der nun in das steile Gelände führenden Straße. Da lag das zertrümmerte Fahrzeug, und daneben Zgf Hofer, noch am Leben, aber in einem hoffnungslosen Zustand; sein linker Arm war am Rumpf abgetrennt, die beiden Soldaten, die sich im hinteren Fahrzeugbereich befanden, wurden vom Explosionsdruck an die 30 - 40 Meter den Berghang hinabgeschleudert und durften sofort tot gewesen sein. Der wie durch ein Wunder nahezu unverletzt gebliebene Fahrer hatte einen Schock und war nicht ansprechbar. Das zweite Fahrzeug mit dem Flaggenkommando hatte gottlob rechtzeitig halten können, die verstörte Besatzung beteiligte sich recht und schlecht an den Hilfsmaßnahmen. Die konnte höchstens der noch lebende Hofer gebrauchen, die allerdings nur ein Arzt mit entsprechender Ausrüstung und professioneller Assistenz, leisten. Diese Hilfe war nur von israelischer Seite vielleicht noch rechtzeitig zu bekommen und mein Entschluss, selbst Hilfe von den Israelis zu holen, war damit gefasst. Den schnelleren direkten Weg in der Falllinie zu nehmen, wagte ich nicht, da in dem Geröll jede Menge an Personenminen und Blindgängern liegen konnten. Die Straße selbst war bereits nach einigen Metern durch ein Drahthindernis unpassierbar. Es gelang mir, nachdem ich keine Personenminen entdecken konnte durchzukriechen, nach etwa 50 Meter überwand ich noch das Nächste. Beim dritten Hindernis war ich schließlich mit den Nerven am Ende und zu keiner weiteren Bewegung mehr fähig. Da sah ich oben am Berggrat einen israelischen Posten und begann zu rufen, und da er mich offensichtlich nicht hörte, feuerte ich das ganze Magazin meiner Pistole in seine Richtung ab. Das hat endlich seine Aufmerksamkeit erweck und. Gott sei Dank hat nicht zurück geschossen; dafür brüllte ich nun aus Leibeskräften um Hilfe, mit dem Erfolg dass endlich ein Trupp Israelis vor mir auftaucht. An der Spitze erkannte ich jenen Pionieroffizier, der vor Wochen die Minenräumung bei Masra Bayt Jinn durchgeführt hatte. Da war meine Blockade plötzlich gelöst, und ich kroch durch das letzte Hindernis, meinem Bekannten entgegen. Während er mich fragt, ob ich verrückt sei und was ich da zu suchen hätte, erreichen wir die Anhöhe, wo die Strasse, auf der ich gekommen war, in die Versorgungsstrasse der Israelis einmündet. Es ist dies der Platz, in dessen unmittelbarer Nähe die heutige Position "Hotel Base" liegt - ein kleines Plateau, wo mehrere Fahrzeuge standen. In einem davon sah ich 2 bekannte Gesichter: den Chief Operations Officer von UNDOF, Mjr Kuosa, ein finnischer UNMO und den israelischen Chief LO Oberst Maoz. Beider Blicke waren in meine Richtung fixiert, was den Eindruck verstärkte, dass sie die ganze Truppe aus dieser Richtung erwarteten. Meine erste Reaktion war ein Wutanfall, wobei ich nur mit Mühe von anderen Israelis von Handgreiflichkeiten zurück gehalten werden konnte. Einer der Israelis, auch ihn kannte ich schon von früher, hielt mir seine Feldflasche unter die Nase, deren Inhalt mich nach einem kräftigen Zug mich wieder beruhigen konnte. Ob es französischer Kognak oder nur billiger Weinbrand war, kann ich heute nicht mehr beurteilen für mich war es wichtig, dass noch bevor dieser Wirbels begann, mehrere Sanitätstrupps talwärts zur Unfallstelle eilten. Mein guter Bekannter, der Pioniermajor hatte es dankenswerter Weise veranlasst.

Das Rätsel und der Versuch einer Lösung

Vorerst war es allen Anwesenden ein Rätsel, wie es zu diesem Unfall kommen konnte. Ich ließ es dabei bewenden und begab mich wieder auf den Rückweg an die Unfallstelle. Die Pioniere waren bereits dabei, die Straßensperren mit einem Bulldozer zu beseitigen die Sanitäter machten sich wieder auf den Rückweg, denn Zgf Hofer war inzwischen seinen Verletzungen erlegen. Ich kam gerade noch dazu, als er mit den anderen Toten abtransportiert wurde. Hier wurde mir erst bewusst, dass von der Explosion der Mine bis zu meiner Rückkehr, höchstens 2 Stunden vergangen waren, dass die Rettungstrupps der Israelis innerhalb von 30 Minuten vor Ort waren, dass die eigenen San-Trupps aus Quanaquer ebenfalls in Rekordzeit an der Unfallstelle eintrafen, und dass das Menschenmögliche getan wurde, auch wenn es nichts mehr genützt hat. Trotzdem stellt sich mir noch heute die Frage, ob wir alle richtig gehandelt haben. Da war beispielsweise mein spontaner Entschluss, zu den Israelis zu laufen, um Hilfe zu holen. Hätten die israelischen Ärzte Hofer noch helfen können, gäbe es keinen Zweifel an der Richtigkeit meines Handelns. So aber bleibt mir nur die Selbsterkenntnis, dass ich eigentlich vor meiner Hilflosigkeit davongelaufen bin und am Ziel angelangt einem Tobsuchtsanfall näher war, als die Situation in aller Ruhe zu beurteilen. Die Antwort auf all diese Fragen zu finden konnte das routinemäßig eingesetzte "Board of Iquiry" nur zum Teil erfüllen. Die Kommission kam zu dem Ergebnis, dass die vorliegende Mineclearence zwar falsch, aber deren Glaubwürdigkeit von den österreichischen UN-Organen nicht angezweifelt werden konnte. Damit war weder ihnen noch mir ein Verschulden anzulasten. Wie diese verhängnisvolle Falschmeldung aber zustande kam, ob die Israelis falsche Informationen weitergegeben haben, wird für immer im Dunkeln bleiben. Ich habe das vollständige Ergebnisprotokoll dieser Untersuchungskommission, an der auch mein Jahrgangskamerad, der damalige Oberst Philipp teilnahm, nie zu Gesicht bekommen. Von ihm weis ich nur so viel, dass die Israelis den Fall mit dem Hinweis auf die kriegsmäßigen Bedingungen als bedauerlichen, aber ihrerseits entschuldbaren Betriebsunfall gewertet hatten. Das ist eine Auffassung, für die man im Anbetracht der Israelischen Verluste im Oktoberkrieg Verständnis entgegenbringen kann, die aber wieder einmal ihr gestörtes Verhältnis zur UNO widerspiegelt. Die Widersprüche, auf die ich selbst an diesem Unglückstag gestoßen bin, gehen mir bis heute nicht aus dem Kopf: Da erwarten 2 kompetente Stabsoffiziere, die den Ablauf der gesamten Aktion, untereinander und mit den örtlichen Kommanden abgesprochen und organisiert hatten, das Eintreffen ihrer Truppe aus einer Richtung, aus der sie gar nicht kommen konnte. Der Beweis ihrer Ahnungslosigkeit war, dass beide über mein Auftauchen in keiner Weise überrascht waren. Dass die Strasse für Fahrzeuge unpassierbar war, konnten sie zwar von ihrem Standort nicht einsehen, der israelische Oberst hätte es aber spätestens erfahren müssen, als die Pioniere sich anschickten, die Strasse zu räumen. Denn es konnte nicht übersehen werden, als eine Planierraupe bereitgestellt wird. Hier handelt es sich offensichtlich auf einen vollkommenen Blackout in der Kommunikation zwischen Truppe, Verbindungsoffizier und UN- Organen, dessen Ursache die offensichtliche Verstimmung sein könnte, die sich zwischen der abziehenden Truppe und Denen, die für die Preisgabe dieser so blutig erkämpften Bergstellung verantwortlich waren, breit gemacht hatte. In der Tat wurde dieser Unmut in der kämpfenden Truppe durch entsprechende Kommentare ihrer höchsten Führer gestärkt Dass das Interesse der Israelis an einer lückenlosen Klärung sich unter diesen Umständen in Grenzen hielt, war verständlich, - wer gibt schon gerne Schlamperei im eigenen Laden zu. Dass die Minen, mit Ausnahme einer, die man übersehen hatte, geräumt waren, dürfte der Wahrheit am nächsten kommen. Dass die Strasse auch passierbar sein soll, wollte man offensichtlich noch nachholen. Die beiden Vollstrecker des Disengagements "blöd sterben zu lassen" gehört zu den üblichen bereits beschriebenen Praktiken, die beleidigte Organe anzuwenden pflegen um auf sich aufmerksam zu machen. Über diesen Vermutungen stehen meine eigenen Wahrnehmungen, wie ich sie auch zu Protokoll gegeben habe. Sie sollen an dieser Stelle nochmals eingehend dargelegt werden, da sie von entscheidender Bedeutung für den eigentlichen Unfallhergang und seiner Erklärung sind. Wie ich schon beschrieben hatte, muss Hofer das einzige, eindeutig auf Minen hinweisende Warnungszeichen übersehen haben. Derartige Markierungen für Minenfelder verwenden alle Armeen, wie auch die israelischen Truppen, um vor allem eigene, vor den Linien agierende Einheiten zu warnen. Es war ein quer über die Strasse gespanntes Stück Draht auf dem das Minenwarnschild befestigt war. Draht und Schild lagen auf dem Boden, was darauf schließen lässt, dass die Markierung vom Fahrzeug Hofers niedergefahren wurde, oder bereits so dalag. Ob so oder so, die Markierung war eindeutig erkennbar und hätte nicht ignoriert werden dürfen. Die Mine selbst dürfte vergraben, und daher beim Räumen übersehen worden sein. Sie wurde vom linken Hinterrad des Landrovers ausgelöst, wobei ihr Explosionsdruck hauptsächlich auf die auf der Ladefläche wirkte. Die 3 dort sitzenden Soldaten hatten keine Chance diesen Druck, der sie an die 30 Meter über den Abhang geschleudert hatte, zu überleben. Hofer hätte vielleicht eine Überlebenschance gehabt, hätte er seinen Arm nicht aus dem geöffneten Seitenfenster gehalten. Dass der Fahrer fast unverletzt geblieben war grenzt an ein Wunder. Wäre der Mot-Marsch so erfolgt, wie ich es vorgesehen hatte, wäre ich als erster an der Markierung angelangt und hätte die Strasse und das Gelände einer genauen Prüfung unterzogen. Dem Hptm Erbstein einen Vorwurf zu machen, weil er zur Eile gedrängt hatte, hieße ihm nicht nur Unrecht tun, sondern wäre nicht mehr, als eine billige Ausrede. Wir beide waren von der Glaubwürdigkeit dieser Mineclearence gleichermaßen überzeugt, wie wir uns in unzähligen anderen Fällen und die Richtigkeit der Informationen verlassen mussten. Das "Was-Wäre-Wenn-Spiel" bringt uns weder weiter, noch macht es die Toten wieder lebendig. Trotzdem halten sich bis in die Gegenwart noch immer die sonderbarsten Darstellungen dieses Ereignisses.

Mediales Nachspiel

Einige Monate danach wurden wir beide, Hptm Erbstein und ich noch einmal kräftig durch den Kakao gezogen, als uns österreichische Tageszeitungen, - darunter auch das so beliebte Kleinformat -, vorwarfen, "die Soldaten in den Tod geschickt zu haben". Mit dem Stigma finsterer Schleifertypen ausgestattet und unter voller Anführung unserer Namen, durfte wir uns eine Woche lang dieser zweifelhaften Publicity erfreuen, bis endlich der Untersuchungsbericht der Kommission veröffentlicht war. Nun berichtete man in ähnlicher Aufmachung über die "tragischen Umstände", veröffentlichte den entlastenden Wortlaut der "verhängnisvollen Mineclearence" und schloss das Thema mit dunklen Vermutungen über hinterhältige Absichten israelischer Militärs. Auf weitere Details, wie z.B. eine entsprechende Korrektur des Charakterbildes, das man von Erbstein und meiner Wenigkeit in ganz Österreich verbreitet hatte, wurde hingegen großzügig verzichtet.

Lesen sie in den nächsten 2 Wochen über den genauen Ablauf des Disengagements bis zur Beendigung meines Auslandseinsatzes im Juli 1974

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Anmerkungen

(1) UNEF 2:United Nations Emergency Forces 2; UNEF 1 wurde 1956 zur Überwachung des Gazastreifens eingesetzt und durch den 6.Tagekrieg suspendiert. - (zurück zum Text)

(2)UNTSO: United Nations Truce Supervision Organisation- (zurück zum Text)

(3)AUSBATT: Austrian Bataillion.- (zurück zum Text)

(4)UNTSO: United Nations Truce Supervision Organisation, ICC Ismailia Control Center.- (zurück zum Text)

(5)UNMO: United Nations Military Observer..- (zurück zumText)

(6)SARELO: South Arab Republik Egypt Forces Liaison Offgicer, kurz der oberste Verbindungsoffizier für den Südabschnitt.- (zurück zumText)

(7)The Sunday Times Insight Team; Der Wüstenkrieg; S 150-(zurück zum Text)

(8), im Jänner 1915 versuchte die 4. osmanische Armee unter ihrem Generalstabschef Baron Kress von Kressenstein den Suezkanal bei Ismailia zu erobern. Der Angriff wurde unterstützt durch die k.u.k. Gerbirgshaubitzdivision Marno. Nach dem Scheitern der Offensive, deckten die österreichischen Artillerieeinheiten den Rückzug. -(zurück zum Text)