![]() | ![]() | ZapfenstreichTirol unter bayrischer HerrschftEine Nachlese zum Gedenkjahr | ![]() | ||
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| I.Vom Großen Freiheitsbrief zum Pressburger Frieden | II.Tirol wird Bayrisch |
| III. Demontage der Stände und Kirchenkampf | IV. Der Verlust der Eigenständigkeit |
| V. Die Konskription | VI. Die Zeit der Vorbereitung |
Wer heute unter dem Eindruck der zwischennachbarlichen und wirtschaftlichen Beziehungen, wie sie Tirol und Bayern und pflegen, nach Gegensätzen sucht, wird schwerlich welche finden. Vielmehr kommen da Gemeinsamkeiten zutage, nicht nur was die Sprache und den älplerischen Volkscharakter anbelangt. Da ist zum Beispiel eine Mischung von Geringschätzung und Minderwertigkeitskomplex gegenüber dem norddeutschen Piefke als Verkörperung deutsch-preußischer Lebensart Überheblichkeit. Schließlich hatten 1866 die Bayern von den Preußen die gleichen Prügel bezogen, wie die Österreicher bei Königgrätz. Man stellt sich daher die Frage wie es möglich war, dass zwei so nah verwandt Völker sich so erbittert bekämpfen konnten. In den zurückliegenden 200 Jahren hatte man sich damit beholfen, indem Generationen von Schulkindern und Erwachsenen eingetrichtert wurde, dass es Napoleon und die Franzosen waren, die den Tirolern die Freiheit genommen hatten. Wenn schon dabei die Bayern ins Spiel kamen, dann als kirchenräuberische Reformatoren, die man aus dem Land geworfen hatte. Es wird auch nicht reichen, wenn man die Erbitterung der Tiroler über die kirchenfeindliche Politik und die versuchte Auslöschung der Tiroler Eigenständigkeit als die Gründe anführt, die zum Aufstand geführt hatten. Um dieses Verständnis aufzubringen, muss man die Tatsache zur Kenntnis nehmen, dass man das Kriegführen als eine Art Selbstverständlichkeit, und die Parteinahme nicht unbedingt als eine Frage der Nationalität angesehen hat. So wird man feststellen müssen, dass in den 470 Jahren Bayrisch Tiroler Geschichte, eine Reihe von Kriegen mehr Gegensätzliches als Verbindendes bewirkt haben. Seit Bayern sich der Gefürsteten Grafschaft bemächtigt und an die Habsburger wieder verloren hatte gaben Erbstreitigkeiten zwischen Wittelsbachern und Habsburgern immer wieder dazu Anlass blutiger Auseinandersetzungen. Das Besondere aber ist die Tatsache, dass in diesen 470 Jahren nur ein einziges Mal die Landeseinheit zerstört und die Verfassung Tirols außer Kraft gesetzt wurden. Die endgültige Zerreißung und Auslöschung des alten Tirols war dann jenen Kräften vorbehalten die sich dem Nationalismus, - die Deutsch-Nationalen waren entschieden die dümmste Ausformung, - verschrieben hatten.
Die meisten Abhandlungen über die Bayrische Herrschaft beschränken sich auf die Periode zwischen dem Frieden von Pressburg vom 26. Dezember 1805, mit dem die "Gefürstete Grafschaft Tirol mit Vorarlberg" an Bayern fiel, bis zu deren Rückgabe 1814 im Vertrag zu Ried. Dass diesem so dramatischen aber kurzen Zeitraum, - es sind ja nur 9 Jahre, - eine Reihe anderer, nicht weniger folgenschwerer Konflikte zwischen den beiden Ländern vorausgegangen sind, bleibt in der landläufigen Geschichtsschreibung weitgehend unerwähnt So genügt es auch dem Tiroler Paradehistoriker Josef Hirn als Einleitung zu seinem umfangreichen Geschichtswerk "Tirols Erhebung im Jahre 1809" folgende Feststellung zu treffen:
Die in Pressburg verfügte Vereinigung Tirols mit Bayern hat zwei Länder zusammen geworfen, deren Bewohner trotz Nachbarschaft und engster Stammesverwandtschaft bisher wenig gemütliche Beziehungen zu einander gepflegt hatten. Ein ganzes Jahrhundert war vorausgegangen, in welchem der Bayer und der Tiroler sich wiederholt als grimmige Feinde begegnet waren.(1)
Dieser Hinweis des Historiker Josef Hirn auf die von gegenseitigen Begehrlichkeiten und Herrschaftsansprüchen gezeichnete Vorgeschichte, macht es daher erforderlich, darauf näher einzugehen, und der Frage auf den Grund zu gehen, was zu dieser Erzfeindschaft zweier so nahe verwandter Völker geführt haben kann.
Das Erbe der Margarete Maultasch
Um dieser Sache auf den Grund zu gehen muss man sich zum Ausgangspunkt begeben, als "Die Gefürstete Grafschaft Tirol" mangels eines männlichen Nachfolgers, - Erbin Margarete Maultasch galt als Frau nicht regierungsfähig, - als Reichslehen an den Kaiser zurückfallen sollte. Das zu verhindern waren die drei mächtigsten Geschlechter im römisch-deutschen Reich - die bayrischen Wittelsbachern, die österreichischen Habsburger und die böhmischen Luxemburger, die noch in der Person des Kaisers die besten Karten hatten, - um die Hand der reichen Erbin bemüht. Das Rennen gewann vorerst der noch ziemlich unreife Luxemburger Spross Johann, den die etwas reifere Margarete, - sie zählte bei der Heirat 12 Jahre, - dank der Unterstützung des Tiroler Adels 1341 wieder los werden konnte. (2)
Nun war das Haus Wittelsbach an der Reihe und auch hier stand wieder ein Kaiser Pate: Kaiser Ludwig IV. der Bayer (3) der die zweite Ehe Margaretes mit seinen Sohn Ludwig von Brandenburg (4) arrangieren konnte.
Die Zustimmung des Tiroler Adels musste er sich durch den "Großen Freiheitsbrief" erkaufen, ein Dokument, das Historiker als "Magna Charta Tirols" bezeichnen. Wie es in Zeiten wie diesen üblich war, hat sich der Wittelsbacher wie vorher die Luxemburger über alle Garantien hinweggesetzt. Hatten sich die Luxemburger Regenten mit einer Schar von böhmischen Günstlingen umgeben waren es nun bayrische Adelige, denen die Schlüsselämter zugeschanzt wurden. Als Ludwig am 18. September 1361 kaum 50-jährig verstarb, wurde Meinhard als der einzige noch lebende Sohn aus dieser Ehe, - der ältere der beiden Brüder Hermann starb noch vor seinem Vater, - als Meinhard III. Graf von Tirol und Markgraf von Brandenburg eingesetzt.
Zwei Jahre später starb auch er und abermals blieb Margarete als erbenlose Witwe zurück. Nun verhandelten die Tiroler Landstände mit dem dritten Kandidaten der schon erwähnten Interessenten. Da eine Heirat diesmal aus Altergründen, - Margarete zählte bereits über 50 Jahre, - nicht mehr in Frage kam, trugen sich nun die Habsburger als nächste Verwandte als Erben an. Herzog Rudolf IV. genannt "der Stifter" wa an Einfällen, wie sein gewaltiges Fälschungswerk "Privilegium Majus" beweist, nie verlegen, Er verstand es, seinen Schwiegervater Kaiser Karl IV. zu bewegen, das Reichslehen Tirol wieder an sich zunehmen um es postwendend an Rudolf, - sozusagen ohne öffentlichen Ausschreibungsverfahrens, - zu übergeben. In den Augen der Bayern war das mehr als ein Schönheitsfehler, denn nach geltender Rechtsauffassung hätte Margarete die Grafschaft als erledigtes Reichslehen an den Kaiser direkt übergeben müssen.
Diesem konzertierten Akt unter Familienmitgliedern, bei dem auch viel Geld im Spiel gewesen sein dürfte, hatten die ohnehin untereinander verfeindeten Wittelsbacher vorläufig nichts entgegenzusetzen, abgefunden aber hatten sie sich damit auch nicht.
Bereits im November 1363 begann der so genannte Tiroler Erbfolgekrieg, der nach mehr als sechs Jahren am 29. September 1369 zum Friedensschluss von Schärding führte. Es war einer der härtesten Kriege, - gezeichnet von blutigen Schlachten, Plünderung und Brandschatzung auf beiden Seiten, - die zwischen Bayern und Tirol geführt wurden, ein Kampf der erstmals bei den Untertanen an den Grenzen, die eigentlich zunächst nur Gerichtsgrenzen waren, ein österreichisches, ein Tiroler und ein bayerisches Feindbild entstehen ließ. (5)
Das Gerangel um Tirol sollte aber erst 1506 mit der Übergabe der Herrschaften Rattenberg, Kitzbühel und Schloss und Stadt Kufstein ein vorläufiges Ende finden.
Fast 200 Jahre sollte es dauern bis es wieder zu bewaffneten Auseinendersetzungen zwischen Bayern und Tirol kam.
Es war Kurfürst Maximilian Emanuel II., (6) der sich der der fragwürdigen Übereignung Tirols an die Habbsburger besann. Für seine treuen Dienste in den Türkenkriegen hatte ihm Kaiser Leopold zwar zum Schwiegersohn gemacht, seinen Antrag um Königswürde aber grundweg abgelehnt. Nun erschien im der Spanische Erbfolgekrieg als eine günszige Gelegenheit, sich an der Seite Frankreichs schadlos zu halten und marschierte am 17. Juli 1703 an der Spitze eines Invasionskorp über Roseheim in das Tiroler Unterland ein.
Mit der Besetzung Nordtirols erfüllte er nicht nur die Wünsche des französischen Marschalls Vendome, dem die Vereinigung beider Armeen am Herzen lag. Vielmehr beflügelte ihn die Aussicht, Tirol und Bayern wieder unter seiner Herrschaft zusammen zu führen. Dazu mussten die alten Reminiszenzen aus dem Schärdinger Vertrag und den schmerzlichen Verlust der drei Herrschaften Kufstein, Rattenberg und Kitzbühel herhalten, um nach entsprechender Wiederaufbereitung als Erbansüprüche deklariert und als Vorwand für seinen Einfall in Tirol zu dienen.
Wie wir wissen, scheiterte das Unternehmen in Tirol am Widerstand der Landesmilizen die geschickt das vertraute Gelände nützend, überall im Lande die Eindringlinge unerwartet angriffen. Das Signal zu diesem geradezu flächendeckenden Widerstandes, kam aus dem Oberen Inntal, wo der Landrichter von Ried, Martin Sterzinger, (7) den Landsturm aufbot und eine bayrisch-französische Abteilung am 1. Juli 1703 zwischen der Pontlatzbrücke und Landeck vernichten konnte. Der nun überall ausbrechende Widerstand zwang Kurfürst Max-Emanuel am 26. Juli Hals über Kopf aus seinem Hauptquartier in Innsbruck fliehen und das Land zu verlassen
Für diesen glänzenden Erfolg erfand man die verniedlichende Bezeichnung "Bayrischer Rummel", wobei der Uneingeweihte eher an eine bessere Kirtagsrauferei denkt, als an einen mehrmonatigen, blutigen Krieg. Der Grund für diese Verharmlosung und Abschiebung auf ein historisches Nebengeleise mag wohl in der Überbewertung der 100 Jahre späteren Kämpfe von 1809 zu suchen sein, zumal die erfolgreichen Landesverteidiger von 1703 auf keine Märtyrer wie Andreas Hofer verweisen können.
Mit Max Emanuels Nachfolger Karl Albrecht, (8) bekamen die Begehrlichkeiten Bayerns eine neue Dimension. Trotz familiärer Bindung zum Hause Habsburg, - er war mit Maria Amalia, der zweiten Tochter Kaiser Josephs I. verheiratet, - machte er seiner Schwägerin Maria Theresia das Erbe ihrer Kronländer streitig, indem er die bereits zugesagte Anerkennung der Pragmatischen Sanktion widerrief.
Ihm ging es nicht mehr um Tirol, sondern um die Substanz des Hauses Habsburg, die böhmische Krone, die er auch nach der Eroberung von Prag im November 1741 auf sein Haupt bekam. Für Maria Theresia war dieser Verlust schmerzlicher als Karls Wahl zum römisch deutschen Kaiser, die wenige Wochen später folgte.
Nun war sie ihre Würde als Reichs- und Kurfürstin los, womit sie jedes Recht zur Führung kaiserlicher Embleme auf den Fahnen ihrer Armee verlor. Doch wie sein Vater Max Emanuel hatte auch Karl Albrecht sich verschätzt, denn im nun folgenden Österreichischen Erbfolgekrieg, bei dem es nun um das Eingemachte der habsburgischen Hausmacht ging, entschied sich Frau Fortuna für ihre weibliche Klientin Maria Theresia. Den Österreichischen Truppen, - nun ohne Reichsadler und kaisergelben Farben auf ihren Fahnen, - gelang es, die Bayern und Franzosen aus Böhmen zu vertreiben und Bayern vollständig zu besetzen. Als Kaiser ohne Land blieb ihm nur zu klagen:
"Meine Krönung ist gestern vor sich gegangen mit einer Pracht und einem Jubel ohne gleichen, aber ich sah mich zur gleichen Zeit von Stein- und Gichtschmerzen angefallen – krank, ohne Land, ohne Geld kann ich mich wahrlich mit Hiob, dem Mann der Schmerzen, vergleichen."
Die größten Schmerzen aber hatte sein Volk zu erleiden. Die Plünderungen und Exzesse der Panduren des Freiherrn von der Trenck (9) aber auch die Einfälle der Tiroler Milizen, die es an Raublust den Panduren gleich taten, sind in Erinnerung der Bayern bis in unsere Zeit wach geblieben. Seine Rückkehr nach Bayern und in die Hauptstadt München verdankt Karl dem Ausbruch des Zweiten Schlesischen Krieges im Oktober 1744, ein Jahr später starb er am 20. Januar 1745 an der Gicht.
Sein Sohn und Nachfolger, Kurfürst Maximilian III. Joseph von Bayern schloss am 22. April 1745 mit Maria Theresia den Frieden von Füssen. Abgesehen von der Tatsachen dass er Maria Theresia in all ihren früheren Rechten bestätigen musste, erklärte er sich auch bereit Maria Theresias Ehemann Franz Stefan von Lothringen, bei der Kaiserwahl seine Kurstimme zu geben.
Von nun an verläuft die Geschichte mit umgekehrten Vorzeichen, denn als Kurfürst Max III. Josef 1777 als letzter Original-Wittelsbacher kinderlos verstarb, sahen sich nun die Habsburger in der Rolle der Erbberechtigten.
Zwar hatte Max Josef noch zu Lebzeiten die alten Erbverträge mit der Pfälzer Linie der Wittelsbacher erneuert und Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz zum Universalerbe bestimmt, aber der Einspruch Kaiser Josef II. erfolgte ebenso prompt wie der Einmarsch einer österreichischen Armee. Josef wollte zumindest die Oberpfalz und Niederbayern seiner Hausmacht einverleiben und hatte dafür ein nicht zu verachtendes Tauschobjekt in Form der Österreichischen Vorlande zu bieten. Dieser zwischen Freiburg bis Konstanz liegende Streubesitz hätte für Karl Theodor eine willkommene Grundzusammenlegung bedeutet, wobei noch eine erhebliche Geldsumme als Draufgabe das Geschäft abgerundet hatte. An Bayern hatte der Nichtbayer Karl Theodor ohnehin kein besonderes Interesse.
In der Wiener Konvention vom 3. Januar 1778 wurde dieser Deal besiegelt, aber er kam nicht zustande, da man die Rechnung ohne den Wirt gemacht hatte.
Friedrich II. von Preußen im Verein mit dem Herzog Maximilian Joseph von Zweibrücken wussten diese einvernehmliche Grundzusammenlegung, zu verhindern und es kam zum Bayrischen Erbfolgekrieg.
Dass es zu keinen nennenswerten Kampfhandlungen kam, war letztlich auch der Unentschlossenheit Josefs selbst zu verdanken, der trotz bester Vorbereitung seiner Truppen diese neuerliche Kraftprobe mit Preußenheer scheute und seine Mitregentin und Mutter ihr Übriges dazu beitrug, die ganze Angelegenheit zu hintertreiben. Im Endeffekt wurde im Frieden von Teschen, Josef das bayrische Innviertel als Trostpreis zugesprochen, seine Glaubwürdigkeit als römisch deutscher Kaiser und Kriegsherr war allerdings dahin. Um die ganze Peinlichkeit noch zu unterstreichen nannte die Geschichte diesem Bayrischen Erbfolgekrieg "Zwetschgenrummel" oder "Kartoffelkrieg".
Der Nutznießer war schließlich der Herzog von Zweigbrücken Max Josef, der als lachender Erbe nach Karl Theodors Ableben die Herrschaft über das Kurfürstentum Bayern antrat. In dem Besitzergreifungspatent vom 16. Februar 1799 bestätigte Max Joseph dem Lande die althergebrachten Rechte, Freiheiten und Privilegien, um das Land in das 19.Jahrhundert zu führen. Wenig später begab er sich wie die meisten deutschen Fürstenin die Hände Napoleons, um als dessen Satellit und willfähriger Verbündeter an Napoleons Machtpolitik zu profitieren.
Napoleon und die deutschen Fürsten
In den französischen Revolutionskriegen von 1796 wurde Bayern zum Kriegsschauplatz . Als Karl Theodor am 16. Februar. 1799 starb und Herzog Maximilian IV. Joseph von Pfalz-Zweibrücken ihm als Kurfürst von Bayern nachfolgte, hatten die französischen Armeen Bayern regelrecht überschwemmt und den verbündeten Armeen der Österreicher und Bayern die verheerende Niederlage von Hohenlinden zugefügt.Den darauf folgenden Frieden von Luneville, diktierte bereits General Napoleon Bonaparte, der sich ein Jahr zuvor mittels Staatsstreich zum Ersten Konsul der Republik machen ließ. "Bürger! Die Revolution ist zu den Grundsätzen zurückgekehrt, von denen sie ausging; sie ist zu Ende.“ Das erklärt er den Franzosen aber als Exportartikel sind die Ideen der Revolution noch anzubringen, vor allem dort, wo sie mit nationalen Problemen kombiniert Napoleons Expansionspolitik förderlich sind. damit das Habsburgerreich zum Hauptziel Napoleons Expansionspolitik wurde. Diese muss sich daher zwangsläufig gegen Österreich richten, dessen Besitzstand in Oberitalien und die unter österreichischem Einfluss stehenden Fürstentümer in Mittel- und Süditalien ein prädestiniertes Ziel boten. Eine weitere Angriffsfläche boten die Habsburger in ihrer Rolle als Kaiser des Römisch Deutschen Reiches. Dass dieser Mitteleuropa umfassende Verband von souveränen Fürstentümern dienlich sein könnte, hatte Napoleon schon erkannt, bevor er sich selbst die zum Kaiser der Franzosen machte. Außerdem brauchte er Verbündete, um vor allem Russland in Schach zu halten. Mit England, Österreich und Preußen hatte Napoleon noch mit der labilen Politik Zar Alexanders I.(10) einen weiteren möglichen Gegner, der ihm seine Vormachtstellung in Europa streitig machen könnte.
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Die Hauptprofiteure waren Bayern, Baden und Württemberg, - ihr Territorialbesitz hatte sich um das sechs- bis neunfache vermehrt. Aber auch die übrigen kleineren Fürstentümer sollten nicht leer ausgehen. Sie konnten sich auf Kosten der geistlichen Fürstentümer, die nicht entschädigt, sondern kurzerhand überhaupt aufgelöst wurden, bereichern. Ebenso verloren die reichsunmittelbaren Städte ihre Sonderstellung und wurden dem jeweils zuständigen Fürstentum zugeschlagen.Damit reduzierte sich die Zahl der deutschen Territorien von einigen hundert auf etwa vierunddreißig souveränen Staaten. Das bedeutete nicht nur die völlige Umgestaltung, sondern auch das baldige Ende des Deutschen Reichsverbandes. Mit der Abschaffung der geistlichen Fürstentümer hatte das Deutsche Reich seinen Rückhalt und Vertretungsanspruch des christlichen Kulturkreises verloren. Der Kaiser aber verlor mit den geistlichen Fürsten und Reichsstädten seine Hauptstützen im Reich. 3 Jahre danach hatte Napoleon sein Ziel als alleiniger Machtfaktor in West und Mitteleuropa erreicht: Im Juli 1806 unterzeichneten 16 Abgesandte der deutsche Fürsten die Rheinbundakte, im August 1806 erfolgte dann ihre förmliche Austrittserklärung aus dem Reichsverband gleichzeitig entband sie der Kaiser von ihren Pflichten gegenüber dem Reich um dann auch selbst die Kaiserwürde abzulegen.
Die Erfahrungen zweier Koalitionskriege, die sie an der Seite Österreichs von 1796 bis 1801 verloren hatten, gaben den Bayern allmählich zu denken, dass ein Bündnis mit den Österreichern nur zu weiteren Schwierigkeiten führen muss. Für Einleitung dieses Denkprozesses zeichnet vor allem der neue Außenminister des Kurfürstentums, Graf von Montgelas verantwortlich. (siehe Bild r.u.) Ein erster Schritt in eine neue Richtung war der Abschluss eines Abtretungs- und Entschädigungsvertrags, mit Frankreich am 24. Aug. 1801, der bewirkte, dass Bayern im Reichsdeputationshauptschluss (11) vom 25. Februar 1803 für die bisher verlorenen Länder schadlos gehalten werden sollte.
Für Bayern bedeutete das günstige Abschneiden, - von den Gebietsgewinnen versprachen die ertragreichen und vermögenden Bistümer Würzburg, Bamberg, Augsburg, Freising, Passau und Eichstätt und weiteren 12 Abteien zusätzliche Einkünfte, - vorläufig das Bündnis mit Österreich aufrecht zu erhalten. Doch dank Montgelas spekulativer Politik hinsichtlich besserer Gewinnaussichten wird der 3. Koalitionskrieg, der sich allmählich abzuzeichnen beginnt, Bayern vollends an der Seite der Franzosen sehen.
Das allerdings erst, nachdem durch eine geschickte Verschleierungstaktik die Österreicher im Unklaren waren, ob sie die bereits mobilisierten Bayern als Verbündete oder Neutrale zu betrachten hatten. Die Bayern deckten erst ihre Karten auf, als auch Frankreichs Kriegserklärung an Österreich auf dem Tisch lag.
An diesem 23. September 1805 hatten sich Bayern und Franzosen bei Würzburg vereinigt während die Österreicher unter dem selbstbewussten General Karl Mack (12) sich im Raume Ulm versammelten, um da in die Falle zugehen. (15)
![]() Die Kapitulation von Ulm Ölgemälde von Charles Thevenin | ![]() Napoléon bei der Schlacht von Austerlitz Gemälde von François Gérard |
Mit dem Besitzergreifungspatent vom 22. Jänner 1806 war dann auch dieser Akt vollzogen und Tirol auf ewige Zeiten dem Königreich Bayern einverleibt.
In der politischen Realität nimmt sich das etwas nüchterner aus. Der Erwerb Tirols war unbestritten der Lohn Napoleons für die bayrische Bündnistreue, oder besser gesagt, für das rechtzeitige Einschwenken auf seine Seite. Die Formulierungen der Vertragsartikel trugen daher die eindeutige Handschrift Napoleons, den es kaum interessierte, was Bayern mit seinen Neuerwerbungen vorhatte.
Was die Abtretung Tirols anbelangt war es der Artikel VIII, der wie folgt lautet:
Seine Majestät der Kaiser von Deutschland und Österreich leistet sowohl für sich, seine Erben und Nachfolger... auf nachbenannte Fürstentümer, Herrschaften, Domänen und Gebiete Verzicht und überlässt und tritt ab an seine Majestät den König von Bayern....die Grafschaft Tirol mit Inbegriff der Fürstentümer Brixen und Trient; die sieben Herrschaften im Vorarlbergischen ...die Grafschaft Hohenems, die Grafschaft Königsegg-Rothenfels, die Herrschaften Tettnang und Argen und die Stadt Lindau mit ihrem Gebiet ...
...Von allen hier oben benannten Fürstentümern, Herrschaften, Domänen und Gebieten, sollten ihre Majestäten, die Könige von Bayern... ganz unabhängig mit der vollkommensten Souveränität, auf die gleiche Weise, mit den gleichen Titeln, Rechten und Prärogativen Besitz nehmen, wie sie vorhin seine Majestät der Kaiser von Deutschland und Österreich oder die Prinzen seines Hauses besessen haben, und nicht anders.
Vor allem der letzte Satz sollte bezwecken, dass die privilegierte Stellung Tirols auch unter der neuen Herrschaft bestehen bleibe. Daran war auch nichts Besonderes zu bemerken, war es doch allgemein so üblich bei Neuerwerbungen von Ländern, diese in ihrem ursprünglichen Verfassungszustand zu belassen.
Herrschaftswechsel dieser Art waren all die Jahrhunderte zuvor völlig normale politische Vorgänge, welchen sich die betroffene Bevölkerung mehr oder weniger ergeben fügte, zumindest solange, als die neuen Herren in die althergebrachten Rechte ihrer Untertanen nicht eingriffen und das Volk die neue Obrigkeit als von Gottes Gnaden gegeben anerkannte. Das geschah allgemein mit der Huldigung der Stände, mit der die Autorität der neuen Herrschaft anerkannt wurde.
Ein derartiger Huldigungsakt hat aber nie stattgefunden. Es mag unglaublich klingen, aber man hatte auf den Staatsakt der feierlichen Erbhuldigung aus finanziellen Gründen verzichtet,
weil dabei auch die Haltung eines offenen (vollen) Landtages gebräuchlich sei, (und) viel Geld und viele Schreibereien kosten würde, und tröstet darüber hinweg,
Tirol sei schon durch die ersten bayrischen Verfügungen, besonders jene finanzieller Natur, in seinen Interessen so fest mit Bayern verknüpft, dass eine besondere Huldigung unnotwendig erscheine. jedenfalls wäre sie zu verschieben, bis man besser bei Kasse sei.(15)
Für den gewieften Montgelas war das ein guter Grund, auf den verbindlichen Huldigungsakt zu verzichten, wenn auch aus anderen Gründen, als Geld zu sparen.
Ob der Verzicht auf diesen Formalakt mit beigetragen hat, dass es zu keiner tragfähigen Beziehung kam, mag dahingestellt sein. Tatsache war die schlechte Stimmung unter den einfachen Leuten in Stadt und Land. Anzeichen von Protest konnte man in Schwaz erkennen, wo das Besitzergreifungspatent wiederholt von den Plakatwänden abgerissen wurde, so wie in den immer wieder kehrenden Äußerungen dass Bayerns Herrschaft nicht von Dauer sein werde.(16)
War es nun das für die Tiroler typische Misstrauen gegen Neuerungen, vor allem dann, wenn sie im "gottlosen Frankreich" ihren Ursprung hatten. Da sah man auch keinen Unterschied, dass die Josefinischen Reformen mit ihren Eingriffen in das religiös-barocke Empfinden schon vor der Französischen Revolution die Gemüter erregt hatten. Man verdrängte sie einfach, indem man ihren trotz allem beliebten Urheber Josef mit Napoleon austauschte.
Sowohl der fromme katholische Josef II, oder sein großes Vorbild, der bekennende Agnostiker Friedrich II , oder der areligiöse Machtmensch Napoleon, der sie alle vertraten ein Herrschaftsmodell, das sich auf den von Beamten verwalteten Zentralstaat gründete. Eine Volksvertretung, ob in Form eines Parlamentes oder von den traditionellen Ständen ausgeübt, war darin nicht vorgesehen.
All diese Überlegungen gemischt mit Befürchtungen beschäftigten die Menschen, die am 22.Jänner 1806 per Besitzergreifungspatent zu Untertanen des Königs von Bayern wurden, der selbst erst wenige Wochen zuvor sein "Ernennungsdekret" als König erhalten hatte.
Um es wieder deutlich zu machen, entsprach das damalige Gebiet der "Gefürsteten Grafschaft Tirol" keineswegs dem heutigen Bundesland und auch nicht dem Territorium, dessen Zusammenschluss sich diverse politische Kreise diesseits und jenseits des Brenners derzeit wünschen.
Dazu zählte auch das Trentino in seinen heutigen Grenzen, sowie Teile der heutigen Provinz Belluno mit Ampezzo und Buchenstein.
Weiters zählten dazu die "Vorarlbergischen Herrschaften" die dem heutigen Bundesland entsprechen, zusätzlich die Stadt Lindau und Umgebung. Nicht dazu gehörten die rechte Hälfte der Zillertales mit dem Ziller als Grenze zu Salzburg sowie das ebenfalls dazugehörige linksseitige Defreggental einschließlich Matrei. Diese Gebiete, immer schon zum Erzbistum Salburg gehörig, kamen nun zur Gänze zu Österreich.(17)
Eine Zählung der bayrischen Behörden von 1807 kommt auf eine Gesamtzahl von 618 857 Einwohnern, wobei offensichtlich die 67 609 Vorarlberger nicht mitgezählt wurden Davon waren mehr als ein Drittel, 262 512 italienisch-sprachige "Welschtiroler".
Ob diese Zahlen stimmen, kann bezweifelt werden. Die bayrischen Erhebungen dürften zwar genau gewesen sein, sagen aber nicht aus, ob sich die Zahlen auf das gesamte Gebiet beziehen, oder die Vorarlberger gesondert aufscheinen. Die Differenz von etwa 16 000 Personen, wie sie in anderen Quellen aufscheint, dürfte dieser Annahme entsprechen.(18)
Obwohl die Sprachgruppe der Ladiner zu dieser Zeit weitaus zahlreicher vertreten war findet sie erst in späteren Quellen Erwähnung und wird im Brockhaus von 1888 mit 16 000 Personen, die das Fassa- , das Grödner-, Abtei- und Enneberger Tal bewohnen. Zuvor wurden sie einfach zur italienischen Bevölkerung gerechnet.
Über die soziale und wirtschaftliche Struktur der Tirols scheint es bis heute unklare Vorstellungen zu geben:
Die Tiroler Erhebung ist gewiss in erster Linie ein Werk des bäuerlichen Volkes. Schon deswegen, weil die Bauern damals noch etwa neun Zehntel der Gesamteinwohnerschaft des Landes stellten, also eine Massenbewegung nur auf dem Bauernvolke gründen konnte. (19)
Diese Aussage entspricht in keiner Weise den zeitgenössischen Quellen, die den Anteil jener, die ausschließlich von der Landwirtschaft lebten, mit etwa 40 % angeben. Der Großteil der bäuerlichen Bevölkerung musste einem Nebenerwerb nachgehen, sein Anteil zu den übrigen Erwerbstätigen ist schwer zu ermitteln, dürfte sich aber mit den Kleingewerbetreibenden, Handwerkern, Arbeitern aus Bergbau Metall und Textilindustrie die Waage halten.
Da waren die vielen Besitzlosen Frauen und Männer, die als Hofgesinde der Bauern beschäftigt waren. In den immer noch zahlreichen Bergwerken arbeiteten Tausende Bergleute während in den Textilfabriken vor allem Frauen angestellt waren, deren Männer als Taglöhner oder Saisonarbeiter ihr Brot verdienten. Sie alle lebten zwar im bäuerlichen Umfeld, keineswegs aber können sie dem Bauernstand zugerechnet werden. Aus diesen Kreisen bezogen die Streifkorps, die nach Bayern entsandt wurden, ihr zu Plünderung und Exzessen neigendes Personal.
Ein bedeutender Teil der Bevölkerung aber lebte vom Wandergewerbe, wie Hausierer, Maurer und Zimmerleute und die berühmten Vogelhändler oder fahrenden Volkssänger und Harfner.
In allen Gestalten, so malt es ein Bericht aus, durchzieht der Tiroler die Länder. Der Wunsch zu gewinnen, hat ihn gelehrt, überall die Rolle zu spielen, die ihm am meisten einträgt, und eine langjährige Erfahrung hat ihm die Maske einer gewissen plumpdrolligen Biederkeit als diejenige vorgezeichnet, in welcher er fast überall am liebsten aufgenommen wird. Der ,ehrliche Tiroler', wie er fast überall in Deutschland heißt, birgt .oft einen schlauen Betrüger, und selbst der rechtschaffenste gewinnt allmählich große Fertigkeit in der Kunst zu scheinen. Dabei wird er bekannt mit fremden Genüssen und fremden Untugenden und' so kommt er dann in die Heimat zurück. Dabei bringt er gewöhnlich etwas Geld mit, wovon eigentlich die Familie leben sollte. Aber er hat schon gelernt in der Fremde, wie man schnell erworbenes Geld wieder schnell verzehren kann, das meiste geht bei Spiel und Gelagen hinaus, und dann zieht er von neuem auf Erwerb aus und die meist kinderreiche Familie muss das Fehlende durch Dieberei und Bettel zu ersetzen suchen. Niederträchtigkeit, Trägheit, Heuchelei und Lüge sind die notwendigen Folgen." (20)
Diese wenig schmeichelhafte Charakterstudie, die der bayrische Gubernialrat ( Regierungsrat) Arnold von Mieg (21) über die im Wandergewerbe tätigen Tiroler entwirft, zeigt uns einerseits wie viele Personen in diesem Erwerbszweig tätig waren und dass sie ein soziales Problem darstellten.
Trotz dieser zynischen Charakteristik, trifft er den Nagel auf den Kopf, wenn er darin eine gewisse Schlitzohrigkeit erkennt, wie man sie noch heute bei typischen Vertretern im Tourismusgewerbe antreffen kann.
Was Mieg, von dem noch einiges zu berichten sein wird, allerdings entgangen ist, waren es die sozialen und wirtschaftlichen Umstände, die im Lande herrschende Not und der Mangelan anderen Erwerbsmöglichkeiten, welche die Leute in die Ferne trieben. Für die bayrische Verwaltung waren diese Menschen jedenfalls verdächtig, weil sie Nachrichten, nicht nur im Lande, sondern auch über die Grenzen hinaus, rasch verbreiten konnten.
Dafür sorgte auch ein durchaus gutes Verkehrnetz, das die Landesteile in allen Richtungen, auch abgelegene Täler verband. Neben den gut ausgebauten Straßen über die Alpenpässe wie Brenner, Arlberg, Fern- und Reschenpass, waren die Hauptflüsse Inn und Etsch auf weite Strecken schiffbar. Von Innsbruck konnte man in wenigen Tagesreisen Salzburg, München und Mailand erreichen. Eine ebenfalls effiziente Nachrichtenübermittlung erlaubte das hervorragend organisierte Postnetz.
Falsche Vorstellungen erwecken auch die zeitgenössischen Landesbeschreibungen, welche die Bevölkerungsdichte von 24 Einwohner auf den Quadratkilometer der Gesamtfläche ermittelt und dadurch den Eindruck eines dünn besiedelten Gebietes entstehen lassen. Berechnet man aber die Besiedelungsdichte auf der Grundlage der Bewohnbaren Flächen, - sie wird sich im Vergleich zu heutigen 11,6 % der Gesamtfläche nicht wesentlich unterschieden haben, - haben wir mit 214 Einwohnern je Quadratkilometer eine relativ hohe Besiedelungsdichte, die in Verbindung mit dem guten Straßennetz. den Nachrichtenfluss begünstigen muss.
Durch die weiträumigen Reisebewegungen der Menschen im Wandergewerbe kamen nicht nur Nachrichten zur Verbreitung, sie bewirkten auch, dass die Reisenden Ihre Eindrücke den Daheimgebliebenen weitergaben und so auch deren Bildungshorizont erweitern konnten.
In ihrer Gesamtheit und auf längere Sicht wirksam, müssen solche Einflüsse ein Volk aus der Isolation kultureller und religiöser Vorurteile herausführen.
Durch die klimatische Exponiertheit des Lebensraumes, den Naturgewalten schutzlos ausgeliefert, hat sich naturgemäß eine Art von Frömmigkeit entwickelt, mit deren Hilfe man bis auf den heutigen Tag noch glaubt, Elementarereignisse abwenden oder beeinflussen zu können. Die Vorurteile lagen eher bei den bayrischen Verwaltungsorganen, die sich stellenweise wie Kolonialbeamte aufführten.
Als Tirol zu Bayern kam, war da selbst das Reformwerk, das König Max Josef und sein Geheimer Staats- und Konferenzminister Maximilian Graf von Montgelas (22) seit ihrem Regierungsantritt 1799 eingeleitet hatten, so gut wie vollzogen. Die Jahre zuvor, befand sich Bayern - damals noch Kurfürstentum und enger Verbündeter Österreichs, - im Zustand einer Revolution von Oben, die nach den Ideen Montgelas ein modernes, sozial gerechtes Staatswesen zum Ziel hatte, aber aus Furcht vor ähnlichen Zuständen, wie sie die französische Revolution begleitet hatten, jede Beteiligung des Volkes ausschloss. Das hatte, wie alle derartigen, von "Oben" verordneten Reformen den Vorteil, dass diese rasch und effizient durchsetzbar waren, aber die wahren Bedürfnisse der Menschen oft nicht berücksichtigt wurden. Montgelas, wie auch sein Vorbild Josef II. glaubten, dass das Volk nicht die nötige Reife besitze, um derartige Entscheidungen selbst treffen zu können und daher waren auch beide überzeugt, dass nur mit einem straff organisierten Zentralstaat, gestützt auf ein hochqualifiziertes Beamtenwesen, diese Ziele erreicht werden können.
So wurde bereits im April 1799 das Land nach dem Vorbild der französischen Departements, in Kreise eingeteilt, denen die Generalkreiskommissäre vorstanden. Diese waren reine Staatsbeamte und hatten keinerlei autonome Kompetenzen der Legislative. Diese lag ausschließlich in der Zentralbehörde, die sich Geheimes Staats- und Konferenzministerium nannte und aus 4 Ministerien (Departements) bestand. (23)
Das Land steckte aber auch in einer permanenten Finanzkrise, deren Ursachen noch in den Altlasten früherer Regierungsperioden und zweier verlorener Kriege an der Seite Österreichs zu suchen waren. Dazu kamen nun die Belastungen, die der neue Verbündete Frankreich mit sich brachte. So konnte man allerorts Klagen zu hören bekommen, sie seien als Feinde angenehmer und bescheidener aufgetreten, als sie sich nun als Freunde und Verbündete benähmen".(274
Von den Ideen der Aufklärung getragen und daher kaum von religiösen Skrupeln belastet, hatte Montgelas schon zum Beginn seines Wirkens beschlossen sich an das Vermögen der Katholischen Kirche zu halten. Das betraf vorerst die nicht ständischen Klöster, von denen die zahlreichen Bettelorden einer konsequenten Säkularisierungswelle zum Opfer fielen.
Das war allerdings nichts Neues, denn man folgte darin nur dem Beispiel der Kirchenreform Kaiser Josefs II., in der 800 Klöster nicht karitativ oder seelsorglich tätiger Orden zur Auflösung kamen.
Während aber die Josefinischen Reformen das Eigentum der nicht unter diese Kategorie fallenden Bistümer, Pfarreien und der großen Klöster und Abteien unangetastet ließ, ging man in Bayern einen Schritt weiter. Man wollte neben den Bettelorden und kleinen Klöstern, auch die besonders ertragreichen und vermögenden Bistümer (25) und weitere 12 Abteien, die der Reichsdeputationshauptschluss eingebracht hatte, in die Säkularisierung mit einbeziehen.
Um dies durchzusetzen, bedurfte es allerdings der schrittweisen Entmachtung der bayrischen Stände, bei der Montgelas seine besondere Fähigkeiten im taktieren, unter beweis stellen konnte. Bereits 1803, also 3 Jahre vor der Eingliederung Tirols, war die Säkularisierung der ständischen Klöster endgültig vollzogen.
Diese, an die Substanz der kirchlichen Autorität gehenden Reformen, dürften auch in Tirol bekannt geworden sein, doch scheint es, dass man sie wie die Josefinischen Reformen nicht
besonders ernst genommen hat. Wie damals erwartete man eine Sonderstellung und setzte das volle Vertrauen in die wohlwollenden Zusagen des Königs.
Es war kurz nach Weihnachten 1805, also bevor noch Gewissheit über das Schicksal Tirols bestand, als sich eine Delegation der Tiroler Stände, - der Polizeidirektor Carneri und Landesbuchhalter Tschiderer nach München begab, um den dort weilenden Kaiser Napoleon um Nachlass der dem Land auferlegten Kontribution von 9 Millionen Franken zu erbitten.(26)
Die Zeit drängte, denn der französische Kriegskommissär Villemanzy hatte bereits mit deren Eintreibung begonnen und Beschlag auf die öffentlichen Kassen und der Montanvorräte gelegt.
In München angekommen erfuhren sie vom Friedensschluss in Pressburg und durch Napoleon selbst, der sie gnädig empfing, dass sie nun Bayern seien und die Kontribution ihn daher nicht mehr anginge.
Am Neujahrstag 1806, nachdem die bayrische Besatzung Innsbrucks (27) das neue Jahr durch Kanonenschüsse begrüßt hatte, trafen die Berichte der Delegierten aus München ein und brachten die Gewissheit, dass Tirol an Bayern komme. Dass diese Nachricht über jeden Zweifel erhaben sei, bürgte die Tatsache, dass sie von Napoleon selbst kam.
Für den Tiroler Landeshauptmann Paris von Wolkenstein stand nun fest, dass Verhandlungen über die Kontributionen nur mehr zweitrangig zu führen waren und es nun darauf ankam, die Landeseinheit und den Rechtsstatus Tirols zu erhalten. Carneris Order lautete nun die Unverletzlichkeit des Landes, seiner Verfassung und Religion, seiner Stifter, Klöster und Stiftungen, so auch seiner Hochschule, Fortbezug der Gehälter und Pensionen, Erhaltung der Festung Kufstein vor dem König zu vertreten.
Mehr als die Anhänglichkeit zum Haus Habsburg uns seine 500-jährige Herrschaft zählten für das Volk von Tirol die angestammten Freiheitsrechte als eine der ältesten Demokratien Europas. Im Gegensatz zu anderen demokratisch organisierten Staatswesen, in denen nur eine privilegierte Oberschicht ihr Mitspracherecht ausüben konnte, sah sich jeder Tiroler, ob Adeliger oder Bauer, ob Gutsbesitzer oder Tagelöhner in ihren Ständen vertreten.
Diese Landstände in Tirol setzten sich zusammen aus den Städten und Märkten, dem Adel und den Prälaten, sowie den einzelnen Gerichten in denen alle übrigen Einwohner der Gemeinden vertreten sind.
Eine der wichtigsten Säulen dieses Systems waren die Bauern, denen Herzog Friedrich IV. (1406-1439), genannt der "Friedel mit der leeren Tasche", als Dank für ihre Unterstützung die volle Gleichstellung zum Adels und der Geistlichkeit gewährt hatte.
Ein weiteres wesentliches Merkmal war die Selbstverwaltung der Gemeinden, die ihre Vertreter für den Landtag wählten, wobei man auch auf die "beweglichen" Teile der jeweiligen Gemeinde, die Kleinhändler, Marktbürger, Gemeindeschreiber oder Advokaten zurückgriff .(28)
Fest entschlossen, diese Freiheiten unter Berufung auf den Artikel VIII. des Pressburger Vertrages, trat die Delegation vor den König. Wie weit dieser über die Tiroler Verfassung, wie etwa beispielsweise der komplizierten Zusammensetzung der Stände und ihrer Befugnisse, informiert war, bleibt dahingestellt. Sein Berater Montgelas setzte darauf, dass der König als unumschränkter Souverän, jederzeit alle bestehenden Ständevertretungen aufheben könne.
König Maximilian I. Josef, - diese Würde von Napoleons Gnaden hatte er erst wenige Tage inne, - nahm mit gewinnender Herablassung ... diese Bitten entgegen und versprach väterliche, die alten Landesgebräuche berücksichtigende Behandlung, und dass dem Lande jene schwere Kontribution erlassen sei. Die Delegation gab ihrerseits das Versprechen gehorsamer Unterwürfigkeit ihrer Landsleute und stellten in Aussicht, dass eine feierliche Ständedeputation diese Zusicherung vor dem König in München erneuern werde.
Dass diese Zusagen des Königs von den beiden Delegierten nicht etwa in der Euphorie über die Streichung der Kontributionen überbewertet wurden, beweist die Tatsache, dass Max Josef auch bei der Verabschiedung die Beiden versichert hatte, dass dem Lande seine Verfassung, dem Volk die tunlichste Beherzigung seiner Wünsche garantiert wurde.(29)
Nach diesem über zwei Wochen währenden Aufenthalt in München und mit den gewichtigen Zusagen des Königs im Gepäck, konnten Carneri und Tschiderer heimkehren und mit Recht von einer erfolgreichen Mission sprechen.
In den bayrischen Regierungskreisen hielt sich die Begeisterung über den Tiroler Gebietszuwachs in Grenzen. Vor allem hatte sich Montgelas eine fettere Beute als das karge, von widerspenstigen Hinterwäldlern bewohnte Gebirgsland vorgestellt. Wenn er sich auch mit seiner Meinung zurückhielt, dürfte die folgende Stellungnahme aus unbekannter Feder seiner Meinung nahe kommen:
"Die vorländischen Besitzungen, die Bayern bekommen hat, sind unbedeutend, Tirol zählt wenig Einwohner, trägt wenig, und nur als militärische Grenze, deren Verlust für Österreich wichtiger als für Bayern vorteilhaft ist. hat es seine Wichtigkeit. Österreich sollte noch Salzburg, das Innviertel und das Land ob der Enns abtreten." (30)
Fürs Erste jedenfalls sah es ganz danach aus, als würde sich Bayern an den Artikel VIII. des Pressburger Friedensvertrages halten und das Land in seinen bestehenden Rechtsverhältnissen belassen.
Dabei währe Misstrauen am Platz da im Besitzergreifungspatent vom 22. Jänner 1806 die Verfassung Tirols nicht mehr erwähnt, sondern im Gegenteil der Grundsatz der Gleichberechtigung mit den anderen Untertanen des Königs betont wurde. (31)
Dass man seitens der Tiroler Stände keinen Verdacht schöpfte, dürfte auch auf die Weisungen zurückzuführen sein, die der für Tirol bestimmte Hofkommissar Reichsgraf von Arco erhalten hatte.(32)
Es ist unser ah. Wille, dass vor der Hand im Inneren des Landes nichts abgeändert und alles vermieden werden solle, was Beschwerde oder Eingriffe in Privilegien und Verfassung und darauf gegründete Gesuche um ausdrückliche Bestätigung veranlassen könnte, in dem Wir in dieser Rücksicht allen bindenden Versicherungen ausweichen wollten, bis man alle Verhältnisse vollständig und gründlich übersehen kann.
Dass diese Weisung lediglich zur Beschwichtigung der Stände auffordern sollte, wurde leider übersehen und die Hinweise, in geistlichen Sachen keine Veränderungen vorzunehmen, ...selbst religiöse Vorurteile sollten bis zu künftiger besserer Volksbelehrung geduldet werden... auf allerlei Vorhaben hindeuten.(33)
Was unter dieser Volksbelehrung zu verstehen war, sollte sich bald herauszustellen. Der Klartext all dieser schönen Formulierungen, steht zwischen den Zeilen und weist den Grafen Arco an, keinerlei bindende Zusagen, auf Beibehaltung der bestehenden Verhältnisse zu machen. Es entspricht dies ganz jener für Montgelas typischen Vorgangsweise, mit der er schon die Säkularisierung der ständischen Klöster in Altbayern gegen alle Widerstände durchgebracht hatte. Man braucht kein Hellseher zu sein um vorauszusehen, dass die gleiche Salamitaktik zur Demontage der Tiroler ständischen Freiheiten führen wird.
Der vom König als oberster Verwaltungschef berufene Hofkommissar Carl Graf Arco war mit seinen 37 Jahren im besten Alter für diese verantwortungsvolle Aufgabe. Frühzeitig in den Staatsdienst getreten, war er schon 1789 Hofrat in München, 1795 Oberlandesregierungsrat, 1799 Hofratsvizepräsident, 1805 Vizepräsident der obersten Justizstelle. Seine eigene Beurteilung, er halte sich zum Justizrat geeigneter als zum politischen Dienst, scheint eher eine taktische Untertreibung seiner Fähigkeiten zu sein.(34)
Dem König und Montgelas, der auch sei Schwager war, zeigte er sich bedingungslos ergeben und führte ihre Anordnungen getreulich aus, ein Verhalten, das ihn in den Augen der Tiroler zum reinen Erfüllungsgehilfen machte. Trotzdem stand er dem bayrischen Regime nicht kritiklos gegenüber, wie beispielsweise seine Ablehnung diverser Personalentscheidungen zeigt.
Als feststand, dass Tirol an Bayern abgetreten würde, rechnete man in Wien mit der Abwanderung einer größeren Zahl von Beamten, die es vorzogen in kaiserlichem Sold zu bleiben. Doch dazu entschloss sich nur eine relativ kleine Zahl, obwohl der scheidende Landesgouverneur Graf Brandis heftig darum warb. Mancher von ihnen, der sich dem forschen Stil der Bayern nicht anpassen konnte, wird es sicher bereut haben. (35)
Arco waren allerdings die eingesessenen Tiroler Beamten lieber, auch wenn sie ihren "Austriazismus" nicht ganz verhehlen konnten, lieber, als die Flut der von Bayern gesandten Karrieristen.
Bezeichnend ist die widersprüchliche Beurteilung Arcos aus österreichischer Sicht:
"Den Statthalter von Tirol habe ich als einen verständigen und rechtlichen Mann kennen gelernt, der durch sein Betragen in Tirol sich die Zuneigung der Einwohner erwarb und die verdiente Achtung seiner Regierung genießt." So die Meinung des österreichischen Gesandten am Münchner Hof Friedrich Graf Stadion, dagegen bezeichnet eine bürgerliche Stimme den Grafen als: "Grobian und für das Land Tirol schlecht denkend".(36)
Widersprüchlichen Charakterzügen werden wir bei Arco in weiterer Folge tatsächlich begegnen, vor allem dann wenn es um die kirchlichen Angelegenheiten geht und Arco den Widerstand gegen seine kirchenpolizeilichen Maßnahmen persönlich nimmt.
Zunächst aber sehen wir einen Statthalter, der mit besten Absichten ans Werk geht und voller Optimismus und meint, die neue bayrische Verwaltung werde dem König die Herzen der Untertanen gewinnen.(37)
Seine Mitarbeiter zu beurteilen ist bereits etwas komplizierter. Während die von der österreichischen Verwaltung übernommenen Beamten ihre Arbeit in gewohnter, gemächlicher Form fortsetzen, fühlen sich die Bayern bemüßigt, - und das sind vor allem die leitenden Funktionen, - durch besonderes forsches Auftreten und vorauseilendem Gehorsam aufzutreten, wofür das Attribut Sturheit noch schmeichelhaft zu sein scheint.
Finanzdirektor und Leiter der Etats-Kuratel war Gabriel v. Widder, 1798 Landrichter in Schwaben, 1804 Landesdirektionsrat in München und kurz vor seiner Berufung nach Tirol Gubernialdirektor in Bamberg, würde man im heutigen Sprachgebrauch als Workaholic bezeichnen. Ein scharfer Denker, war er gewissermaßen der Theoretiker des Amtes aber völlig humor- und gefühllos. Bestehende Rechte und Billigkeitsrücksichten gab es für ihn nicht. Was sich seinem System nicht fügte, musste gebrochen werden. Für Arco war er der ideale Scharfmacher in heiklen Dingen, vor allem dann, wenn es galt sich nicht die Hände schmutzig zu machen.
Im Vergleich zu Widder, glänzte Arnold von Mieg, der Referent im Gubernium für Personalien, Kultus und Unterricht, weniger durch Schärfe und Konsequenz seiner Handlungen, sondern durch seine übertriebene Feindschaft zu allem, was "österreichisch" anmutete und landläufig als "Austriazismus" bezeichnet wurde. Voller Misstrauen ist er daher gegenüber dem bodenständigen Appellationsrat Dipauli obwohl sie im gleichen Hause wohnen.
Widder und Mieg waren ausgesprochen anti klerikal eingestellt und daher voller Vorurteile gegen althergebrachte religiöse Gebräuche und wo sich eine anders geartete Überzeugung hervor wagte, trat er ihr entgegen ... Nur eine höfliche Begegnung mit einem Mönche konnte in den Augen des Gubernialrates schon kompromittierend sein.Der Tiroler Josef Hirn mag bei aller Objektivität seiner wissenschaftlichen Studien, mit den Beiden vielleicht zu hart ins Gericht gegangen sein, muss aber fairer weise zugeben,im bürgerlichen Leben untadelige Charaktere gewesen zu sein. (38)
Verständlicherweise halten sich die bayrischen Quellen mit bewertenden Aussagen zurück und ziehen es vor, sich auf Gemeinplätze, wie Verwaltungsmängel und Behördenwillkür zu begeben, über die folgenden Personen können aber auch die bayrischen Historiker nicht hinwegsehen: Die Kreishauptleute Johann Theodor von Hofstetten und Graf Nyss .
Was Hofstetten betrifft, werden wir uns hinsichtlich seines Wirkens als Spezialkommissär im Kirchenkonflikt ein anschauliches Bild machen können, vom Schwazer Kreishauptmann Graf Max Nyss wissen wir aus sicherer Quelle, dass er neben seiner grotesken Vorschläge, wie etwa der Umbenennung der "Kaiserbirne" und seiner Anordnung, einen Kachelofen abtragen zu lassen, weil das österreichische Kaiserwappen auf den Ofenkacheln prangte, auch kriminell war. Nyss hatte sich an den Spendengeldern, die anlässlich einer Murenkatastrophe für Schwaz gesammelt wurden, - auch König Max Josef hatte gespendet, - vergriffen.
Er wurde der Unterschlagung überführt und zu fünfzehn Jahren Kerker verurteilt. Die Strafe muss für ihn besonders schlimm ausgefallen sein, als 1809 die aufständischen Bauern seine Kerkermeister wurden.
Was die übrige Beamtenschaft betrifft kommt man bei Josef Hirn zu dem Schluss, dass die Mehrheit der Bediensteten, ob Bayern oder Einheimische, vorwiegend damit beschäftigt war, sich gegen Intrigen zur Wehr zu setzen oder welche zu inszenieren. (39)
Es wäre allerdings ungerecht, die gesamte bayrische Administration in Bausch und Bogen abzuqualifizieren. Besonders auf der Justizebene finden wir zahlreiche Richter und Beamte, - Bayern wie Einheimische, die um Gerechtigkeit und Vernunft in ihren Amtshandlungen bemüht waren.
"Ein großer Unterschied ist zwischen dem bayrischen und österreichischen Beamten. Bei den Bayern dependiert alles vom Beamten, in Österreich dependiert der Beamte von allen. Uniformen, eine strenge Rangordnung, gradweise vorgeschriebene Ehrenbezeugungen, alles den Franzosen nachgeäfft, geben den gut bezahlten bayrischen Beamten großes Übergewicht und Übermut. Der bayrische Beamte beträgt sich als eifriger Scherge, weil sich Dienst, Interesse und Parteigeist in ihm vereinigt."
Diese Beschreibung aus der Feder Josef Hormayrs in einem Bericht an Graf Zichy (40) vom November 1809 dürfte das wahre Problem der bayrischen Administration zu beleuchten: Die Mehrzahl der aus Bayern stammenden Beamten war relativ jung: Heinrich v. Widder kam mit 34, Robert v. Benz mit 26 Jahren nach Innsbruck. Hofstetten zählte 32. Viele Absolventen juridischer Studien sahen in einer Berufung in die neu gewonnenen Gebiete, - Tirol war ja nicht das einzige davon, - ein Sprungbrett für eine Karriere. Dass der Umgang mit Menschen gleichermaßen Praxis und Erfahrung wie Sach- und Vorschriftenkenntnisse benötigt, wurde übersehen, weil Vorurteile und Arroganz den Blick für das Wesentliche oft verstellt haben. Dazu dürften auch die verschiedenen Reibereien zwischen Bayern und eingesessenen Tirolern beigetragen haben.
Als Tag der feierlichen Übergabe der Zivilverwaltung Tirols an die die neuen Landesherren war der 11. Februar 1806 vorgesehen.
Zu diesem Zweck hatte sich auch am Tag zuvor der bisherige österreichische Landesgouverneur Graf Brandis mit dem Hofrat Eiberg eingefunden, aber mit den Hinweis, dass ihre Mitwirkung an dem feierliche Staatsakt nicht vorgesehen war, wieder ausgeladen.
Als Übergeber fungierte nämlich der französische Generalkommissär Jacques Pierre Villemanzy (41) der im Namen der französischen Militärverwaltung alle Befugnisse der zivilen Verwaltung an Graf Arco übergab. Das Ganze hatte allerdings einen Schönheitsfehler:
Frankreich hatte zwar Tirol militärisch erobert, jedoch keine zivilen Verwaltungsrechte ausgeübt. Demnach konnte die Übergabe nur vom österreichischen Landesgouverneur Graf Brandis vorgenommen werden.(42)
Nach dieser Brüskierung der österreichischen Beamten braucht man sich nicht zu wundern, dass diese nun alles taten, um die weitere Übergabeprozedur zu verkomplizieren. Denn nachdem sich die Franzosen verdrückt hatten, - man kann sich vorstellen, dass ihr Abschied reichlich vergoldet wurde, - galt es nun die finanziellen Regelungen zu treffen. Verhandlungspartner waren Hofkommissar Carl Graf Arco für Bayern und der scheidende Landesgouverneur Graf Brandis.
Der Verlauf dieser Verhandlungen, von Josef Hirn bis ins letzte Detail beschrieben, sind ein aufschlussreicher Beweis für die Zähigkeit, mit der die Bayern ein Optimum in materieller und finanzieller Hinsicht herauszuschlagen trachteten. Auf Grund des regen Schriftverkehrs entsteht hat man den Eindruck als sei es der König selbst, der Arco seine Weisungen gab und eine harte Verhandlungslinie verfolgte. Diese scheint aber eher Montgelas vorgegeben zu haben, um seinem kunstsinnigen Herrn zu gefällig zu sein.
Von Wien hatte Brandis die Weisung, mit Ausnahme des Landeseigentum, das gesamte kaiserliche Ärar herauszufordern oder über dessen Ablösung eine Vereinbarung zu erzielen.
Davon machte das Mobiliar der Erzherzogin Elisabeth, die bis zur Besetzung durch die Franzosen das Adelige Damenstifte in Innsbruck geleitet hatte, der kleinsten Teil ausgemacht haben. Die Verhandlungen über die Ambraser Kunstgegenstände, die als Eigentum des kaiserlichen Hauses beansprucht wurden, zogen sich bereits über 6 Monate dahin, bis im September 1806 der Transport von 51 Kisten und 15 Koffern nach Wien abgehen konnte. (43)
Um die finanziellen Ersatzansprüche der österreichischen Staatskasse aber begann ein regelrechtes Feilschen, denn die Bayern hatten eine Reihe von Gegenforderungen. Während Österreich aus dem Titel von Staatsvorschüssen an Tiroler Korporationen, - darunter verstand man auch die Gehaltsvorschüsse an die Tiroler Beamten, die seit der Besetzung durch die Franzosen im November 1805 ausgezahlt wurden, - seine Forderungen erhob, verlangte Arco die Herausgabe der Akte, welche über die Buchführung und Verwaltung des Post-, Salz-, Berg- und Münzwesen Auskunft geben.
Ein weiterer Stolperstein war die Schwazer Kreditkasse wo Hypotheken in der Höhe von
4 Millionen Gulden zediert waren, eine Schuld die Bayern übernehmen müsste.
Und schließlich waren da noch die in Wien deponierten Fonds, - Religionsfond, Studienfond, Normalschulfond, Fond des Haller Damenstiftes, womit man vorrangig Auslagen für die Bezahlung der Geistlichen und das Schulwesens decken wollte.(44)
Die österreichischen Verhandler bestanden auf den 5. November 1805 als Stichtag: Bis dahin gingen alle Staatsauslagen wie auch Einnahmen aus Steuern und Abgaben etc. auf das Konto Österreichs, nach dem Stichtag wäre dann Bayern auch für alle fälligen Verpflichtungen der Schwazer Kasse verantwortlich. Nach Anerkennung dieser Verbindlichkeiten erhält Bayern dafür die Stiftungsfonds, speziell den Religions-, Normalschul-, Studien- und Wegbaufond aus kaiserlichen Kassen oder aus den Fonds anderer Provinzen geleistet wurden. Dieser vernünftige Vorschlag hatte für Arco einen Haken, denn er musste zugeben, dass der bayrische Fiskus Steuerrückstände die vor dem 1. Nov. 1805 fällig waren, kassiert hatte und andererseits Österreich allen Beamten und Pensionsempfängern die Gehälter bis 1. Juni 1806 vorausbezahlt hatte. Nach Arcos Berechnung waren das 1 300 000 Gulden, die Bayern den Österreichern schuldete, während. Gegenforderungen, kaum höher waren.
Für dieses Nullsummenspiel hatte der ständische Abgeordnete Josef Giovanelli (45) eine bezeichnende Stellungnahme: "Es wäre höchste Zeit, die Liquidation anzufangen, denn nur so können unsere Fonde gerettet werden. Schon jetzt ist große Unordnung, da in Schwaz keine Kapitalzinsen gezahlt, die Pensionen den Mitgliedern der aufgehobenen Klöster nicht entrichtet werden. Das heißt nach meiner Meinung, die neue Regierung hat den Grundsatz, dass sie vom Zahlen nichts wissen will, dagegen sich jede Erpressung erlaubt, um dem landesfürstlichen Ärar, Vorteile zu verschaffen. Wie lang dies angehen kann und welche Folgen entstehen mussten, ist nicht schwer zu berechnen, besonders in einem Lande, wo das Eigentum so sehr verteilt ist, wo der Bauer mit dem Herrn das gleiche Besitzrecht genießt, wo im allgemeinen zwar Wohlstand herrscht, aber wo man vom Reichtum gar nichts weis und wo sich das Ganze nur durch besondern Fleiß und Industrie erhält. Bis jetzt nährt sich jeder mit der Hoffnung, dass es noch anders gehen könne und dass wir wieder zu unserem alten Landesfürsten zurückkommen." (46)
Die Verhandlungen ziehen sich schließlich bis zum Anfang des Jahres 1808 bis Arco endlich einsieht, dass man so nicht weiterkommt und den König berichtet:
... Bei den jetzigen Maximen Stadions sei auf keinen der großen Fonde mehr Rechnung zu machen, wenigstens so lange nicht, bis andere-. vom Kriegsglück begünstigte Verhältnisse" Gelegenheit bieten werden, die Realisierung dieser und anderer bayrischer Ansprüche von Österreich zu erzwingen. (47)
Der für Bayern unbefriedigende Ausgang der Verhandlungen, vor allem was die finanzielle Seite betraf, sollte nicht zuletzt auch den Anstoß zur Enteignung der Klöster gegeben haben, wie wir an anderer Stelle noch erfahren werden.
Das Tirolische Landesgubernium – heute verstehen wir darunter die Tiroler Landesregierung, - wurde 1763 von Maria Theresia im Zuge ihrer großen Staatsreform geschaffen. Es bestand aus einem Fiskalamt, einem Rechnungsrevisorium und einer Provinzialhauptkasse und wurde nunmehr als "königlich -bayerisches" Gubernium beibehalten, auch die niedere einheimische Beamtenschaft behielt ihre Funktionen, bayrisches Personal kam höchstens zur Verstärkung hinzu Am 26. April 1806 wurden Vorarlberg und das Kreisamt Bregenz aus der Zuständigkeit des Tiroler Guberniums ausgegliedert und der Provinz Schwaben sowie dem dortigen Generallandeskommissariat überwiesen.(48)
Neben, oder besser gesagt über diesem Gubernium, das Graf Arco als Generalkommissär und Statthalter des Königs leitete, stand der Landtag, auch Landschaft genannt, als gesetz-gebendes und kontrollierende Organ.
Da die Versammlung aller Landtagsmitglieder, ein sogenannter "offener Landtag" bzw. Voll-Landtag, nur vom Landesherrn, und das noch äußerst selten, einberufen werden konnte. gab es die "permanenten Aktivitäten". Das waren Ausschüsse, bestehend aus vier Personen der im Landtag vertretenen Stände.
Dass der Landtag oft im Interessenskonflikt mit dem Landesherrn stand, zeigen ihre zahlreichen Versuche, über den Landtag hinweg zu regieren, wie beispielsweise Maria Theresia und Kaiser Joseph II., die grundsätzlich keine großen Landtage abgehalten hatten.(49)
Aus dem gleichen Grunde hatte Graf Arco auch dem König abgeraten, einen Offenen Landtag zum Zweck der Erbhuldigung einzuberufen. Nicht weil es zu teuer gekommen wäre, - so die fadenscheinige Ausrede auf die Kostenfrage, - sondern weil eine Einberufung der Landstände durch den König deren offizielle Bestätigung bedeutet hätte.
Dass deren Abschaffung nur mehr eine Frage der Zeit war, - die neue Verfassung lag ja bereits in Montgelas' Schreibtischschublade, - scheinen offenbar nur noch die Tiroler Standesvertreter nicht zur Kenntnis genommen haben.
Doch noch war es nicht so weit und als es wieder einmal ums Geld ging, - diesmal war es die neue Kopfsteuer, - sollte die Aktivität zu ihrem Auftritt kommen.
Denn nur kurz währte die Freude über den königlichen Verzicht auf Zahlung der Kontribution von 9 Millionen Francs, denn bald ging es doch zur Kasse, da die Tiroler für den Unterhalt der bayrischen Garnisonen aufzukommen hatten.
Nach heftigen Einwänden der Tiroler Stände, einigte man sich auf eine Kopfsteuer, die auch den Vorstellungen des Hofkommissars Graf Arco entsprach. Zu dieser Zeit, - man schrieb den 26. September 1806, - schien die Welt noch in Ordnung und man glaubte sich mit der Regierung solidarisch, die ihrerseits unter den Besatzungskosten der Franzosen zu leiden hatte
Doch Montgelas Salamitaktik geht weiter. Sein nächstes Ziel ist die Finanzhoheit der Stände, bzw. die der Aktivität. Anlass war die permanente Finanznot Bayerns, die den Finanzminister Wilhelm von Hompesch zu einer umfassenden Steuerreform, welche die Abschaffung allerSteuerprivilegien, die Neubewertung der Grundstücke und die Aufhebung aller landschaftlichen Kassen zum Ziel hatte. Die Einhebung aller Staatseinnahmen sollte nur mehr durch die Beamten erfolgen, und alle Kassen unter die Oberaufsicht des Finanzministeriums kommen.
Was für unsere gegenwärtigen modernen Verhältnisse eine Selbstverständlichkeit ist, war sogar für Montgelas ein Plan, der zwar ganz seinem Geschmack entsprach, aber gegen den er ziemliche Bedenken hatte: Denn es sei zu erwarten, dass solch großes Aufsehen manche von dem Egoismus geleiteten Widersprüche herbeiführen würde. Man könne das zwar aussitzen, da aber die Landschaft durch diese Maßregeln für ihre Existenz besorgt werde, so glaube er, dass gegenwärtig schon der Zeitpunkt gekommen wo Seine königliche Majestät die Frage zu entscheiden geruhen möchten, ob künftig noch eine Landesrepräsentation bestehen solle oder nicht? Montgelas meint damit auch die noch vorhandenen bayrischen Landstände, die damit vor der Auflösung stünden.
Im Juni 1807 scheint es für Montgelas noch zu früh zu sein, zur endgültigen Auflösung der den Stände zu schreiten, aber die Auflösung der Ständischen Kassen wurde mit der königliche Verordnung für die Steueradministration vom 8. Juni 1807 für alle bayrischen Provinzen erlassenen. Damit wurde die Einhebung und Verrechnung aller Steuern den staatlichen Organen, d.h. den bei den Landgerichten eingesetzten Rentämtern zugewiesen.
Für Tirol selbst war diese Maßnahme eher eine Wohltat, denn die Ständische Kasse war bei Ihrer Auflösung gut wie pleite.
Ein Jahr später war mit dem Aufhebungsedikt, erlassen mit der neuen Konstitution (Verfassung) vom 1. Mai 1808 und aber auch das Aus für die Stände gekommen. Doch darauf wird noch näher an anderer Stelle einzugehen sein einzugehen sein.
In der offiziellen Lesart moderner Tiroler Geschichtsschreibung wird die Aufhebung der Klöster gerne heruntergespielt. Man hält sie für rechtlich gedeckt und bezieht sich auf die Säkularisierung der geistlichen Fürstentümer Brixen und Trient im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803. Auch wird behauptet, dass die Tiroler nicht sonderlich darüber bestürzt schienen.
Für die direkt Betroffenen aber, die Ordensleute aber ganz besonders die Menschen, die ihren Arbeit- und Auftraggeber verloren hatten, war es eine finanzielle und wirtschaftliche Katastrophe. Zudem war auch die Vorgangsweise der Liquidatoren nicht ganz nobel, wie wir sehen werden.
Hand in Hand mit der Aufhebung der Ständischen Kassen, schien es auch Zeit für weitere Schritte zur Sanierung der Staatsfinanzen. Es war daher kein Zufall, dass in diesen Tagen die Aufhebung des landständischen Augustinerklosters St. Michael erfolgte. Das Kloster war nämlich pleite. (50)
In Tirol gab es neben zahlreichen größeren und kleineren Ordensklöster 7 Stifte: St. Michael Wilten, Neustift, Stams, Grieß, Marienberg und Fiecht. Dazu zählte noch das von Maria Theresia 1765 gegründete Innsbrucker Adelige Damenstift, (51) das von Erzherzogin Elisabeth geleitet wurde. Diese 7 Prälaten, sowie die Erzherzogin, hatten einen Sitz im Landtag, weshalb diese Stifte als "ständisch" bezeichnet wurden.
Bald erkannte die bayrische Administration in der geistlichen Ständevertretung die Schwachstelle nachdem der greise Abt von Wilten gestorben und die Äbtissin Erzherzogin Elisabeth außer Landes gegangen und zurückgetreten war.
Einer Nachbesetzung durch Wiederwahl konnte sich Arco erfolgreich widersetzen, wie auch der König überzeugt werden konnte, dass die Geistlichen Stände in den Ausschüssen der Aktivität nichts mehr verloren hatten. (52)
Wie schon erwähnt machte man mit dem Chorherrenstift St. Michael an der Etsch ( heute San Michele) den Anfang nachdem seine zerrütteten Wirtschaftsverhältnisse einen willkommenen Grund geboten hatten.
Offiziell lief die Klosteraufhebung unter dem Titel Sequestration, deren Notwendigkeit man mit einer mehr als fadenscheinigen Ausrede begründete, dass diese Gotteshäuser nach ihrer ursprünglichen Stiftung und nach der Landesverfassung namentlich verpflichtet seien, ihre Überschüsse dem öffentlichen Kultus und dem Unterricht zu widmen, solche Überschüsse unter klösterlicher Verwaltung aber nicht zu erwarten wären.(53)
Mag das auf das abgewirtschaftete Chorherrenstift St. Michael wohl zutreffen, bei den anderen sechs Klöstern hatte man es einzig und allein auf ihre Kunstschätze abgesehen. Um zu verhindern, dass diese ins Ausland verschoben werden könnten, wurde den tirolischen Klöstern jeglicher Verkehr mit ausländischen Orden oder Abteien untersagt.
Mit dem Einziehungsmandat vom 16. September 1807 waren dann die nächsten in der Reihe: die Prämonstratenser von Wilten (Wiltau), die Augustinerchorherren von Neustift, die Zisterzienser von Stams und Gries, sowie die Benediktiner von Marienberg und Georgenberg-Fiecht. Wie schon bei der Säkularisierung der ständischen Klöster in Altbayern, wurden die Kunstschätze, Archive und Bibliotheken zerstreut.(54)
Wie eingangs schon erwähnt, traten die schlimmen Folgeerscheinungen auf: Die Besitzlosen Klosteruntertanen und die Armen hatten ihre Erhalter und Almosengeber verloren, Handwerker und Lieferanten ihre Arbeitgeber. Was nicht in die Kunstsammlungen kam wurde verramscht oder gestohlen,(55) der finanzielle Erfolg war wie schon zuvor in Altbayern minimal.(56)
Möglicherweise hatte Arco das vorausgesehen und hatte von der der Klostereinziehung abgeraten, weil sie "zu Beginn der neuen Regierung bei dem Volk, das seine Anhänglichkeit an den Regularklerus mit der Anhänglichkeit an den alten Landesfürsten bei jedem Anlass zu verbinden pflegt, die unangenehmste Sensation hervorrufen würde". (57)
Mit dieser Einschätzung sollte er recht behalten.
Einer der jedoch unerschütterlich an einen finanziellen Erfolg der Säkularisierung glaubte, war der zuständige Referent im Gubernium für Personalien, Kultus und Unterricht Arnold von Mieg. Zum Stiftungskommissär der Klostereinziehung bestellt, war eifrig bemüht, dafür zu sorgen dass kein Gegenstand der Verwertung entging, selbst die Taschenuhren der Konventualen entgingen nicht dem Spürauge der Kommissarien. (58)
Mieg wollte unter allen Umständen seine Tätigkeit als Erfolg buchen Als man bei der Inventarisierung der Kunstsammlungen von Neustift entdeckte, dass Gegenstände, die für die Kunstsammlung des Königs bestimmt waren, verschwunden waren, glaubte der übereifrige Mieg, den Dieb unter den Ordensbrüdern suchen zu müssen. Um sie unter Druck zu setzen, suspendierte er ihre Pensionen, ein Übergriff, - es fand sich weder Dieb noch Diebesgut, - der sogar dem gewiss nicht als Freund der Kirche geltenden Kreiskommissär Aretin zu viel war und den Vorfall nach München weiter meldete. Mieg musste sich rechtfertigen und tat dies, wie es seiner arroganten Art entsprach: "Wer die Stimmung des Volkes kennt und wer da weis, dass solche Diebstähle begehen hier zu lande retten heißt, weil man geistliches Gut aus den Händen der Regierung zu reißen glaubt, der wird mein Benehmen um so minder mit den strengen Augen des Zivilrichters beurteilen." (59)
Diese Episode ist auch insofern interessant, weil man daraus genau den Zeitraum, der zwischen dem Vorfall und der Erledigung lag, feststellen kann: Der Vorfall dürfte sich Ende September Anfangs Oktober1807 ereignet haben, Aretin brauchte fast 3 Monate, um ihn mit Schreiben vom 31. Jänner dem Innenministerium in München zu melden. Hier bedurfte es weiterer 6 Wochen, Mieg zur Stellungnahme zu veranlassen, die er mit 16. März datiert, an das Innenministerium abgab. Der zwischen Anlass und Erledigung liegende Zeitraum von 6 Monaten, scheint auch für damalige Verhältnisse ungewöhnlich lang, so dass die Frage zu stellen ist, ob Hirns Quellen- und Zeitangaben korrekt sind. Zu diesem Thema ist überhaupt zu sagen, dass Hirn und manche seiner Kollegen auf die exakte Chronologie keinen besonderen Wert gelegt haben dürften.
Nach den ständischen Stiften waren dann die kleineren Klöster an der Reihe, so die Kollegialstifte zu Innichen, Arco und Brixen, die. Propstei in Bozen, die Augustiner zu San Marco in Trient und in Rattenberg, Hieronymiten und Minoriten in Riva und Brancolino, die Karmeliter in Allelaste bei Trient, die Serviten in Innsbruck und Volders. Verschont blieben auch nicht die Frauenorden der Klarissen in Brixen und Trient, sowie die Benediktinerinnen auf Säben. Und es wäre auch in munterer Folge so weiter gegangen, wäre nicht der Aufstand ausgebrochen.
Bei alledem stellt sich die Frage nach dem weiteren Schicksal der nun obdachlos gewordenen Ordensleute. Bei Josef Hirn finden wir, dass den Mitgliedern der eingezogenen Gotteshäuser Jahrespensionen ausgeworfen wurden, deren Höhe manchmal nach dem Maßstab der bei ihnen vorausgesetzten Gesinnung zum Regime bemessen wurde. Im Klartext heißt das, dass mit Erlass vom 22. September 1808 für den Widder und Mieg zeichnen, solchen Personen, die zu jener Klasse ungehorsamer Mönche zählen, - gemeint waren vornehmlich Freunde des Churer Bischofs Buol-Schauenstein, - nur eine Alimentation von jährlich 182 Gulden gebührt". (60)
Die Auszahlung der Pensionen erfolgte laut Hirn sehr unregelmäßig, so dass die Ausgetriebenen, wie ein Chronist meldet, "monatelang auf Pump" leben mussten.
Jedenfalls vergrößerten sie die Schar jener kirchlichen Pensionäre, die noch aus der Josefinischen Ära als "Geistliches Proletariat" ihr Leben fristen mussten.
Unter den vielen Schicksalen der Ordensleute, wären noch der Abt der Benediktiner von Marienberg zu erwähnen, der die entwürdigende Prozedur nicht verkraftet hat und irrsinnig wurde, sowie ein junger Kapuzinermönch, der sich lautstark gegen seine Internierung ausließ, so dass er zur Internierung in einer Zelle zu Klausen bestimmt wurde. Dieser aufmüpfige Ordensbruder war der Rotbart Joachim Haspinger. (61)
Wie eingangs schon erwähnt, war der finanzielle Erfolg mehr als bescheiden. Was wirklich von Wert war, landete in den Königlichen Kunstsammlungen, die durch unsachsachgemäße Behandlung entstandenen Scäden waren enorm und vielfach irreparabel.
Dafür fielen die Rechnungen der Administratoren entsprechend hoch. Der Administrator für Wilten forderte eine Entlohnung von 1082 Gulden, der für Stams zuständige Landrichter Hecher aus Telfs stellte 1637 Gulden in Rechnung. Tatsächlich aber bewilligte Regierung jedem 700 Gulden. Somit belief sich die Einziehung der 7 ständischen Klöster 4900 Gulden an Ausgaben für die amtlich bestellten Kommissäre, über weitere Gebühren und Zahlungen gibt es keine Aufzeichnungen.
Tirol war nicht immer ein so katholisches Land, wie es sich im 18. und 19. Jahrhundert darstellt. Im Gegensatz zu Bayern konnte die Reformation in Tirol, bedingt durch das Bergknappentum und die verschiedensten Einflüsse auf Grund der geografischen Lage als Durchzugsland, in weiten Kreisen der Bevölkerung Fuß fassen.
Umso konsequenter wurde daher die Gegenreformation unter dem Landesherrn Erzherzog Ferdinand (62)
Nachdem die Jesuiten (63) als Hauptträger der Gegenreformation 1773 verboten wurden setzten Franziskaner und Kapuziner ihre Aufgabe fort. Besonderen Anklang fanden ihre Volksmissionen in der einfachen Bevölkerung. Ihr Wirken beschränkte sich aber nicht nur auf die Volksseelsorge, sie traten auch als umfassend gebildete Lehrer an Universitäten. und Schulen auf.
Als Kaiser Josef II. Ende des 18.Jahrhunderts seine Kirchenreform auch in Tirol durchsetzen wollte, stieß er auf heftigen Widerstand. So wird es zumindest verschiedentlich behauptet. Bei genaueren Hinsehen aber waren diese Widerstände nicht heftiger als in den übrigen Erblanden. Wenn also behauptet wird dass die meisten Maßnahmen der Josefinischen Kirchenpolitik in Tirol über ihre Anfänge nicht hinaus kamen, dürfte es sich vor allem über seine pedantischen, ins Lächerliche gehenden Anordnungen handeln. So wurde beispielsweise heftiger Protest eingelegt als Wallfahrten und Prozessionen reduziert und zahlreiche Feiertage abgeschafft wurden. Gegen die Auflösung verschiedener Tiroler Klöster hatten nicht einmal die Bischöfe besondere Einwendungen, weil die nicht betroffenen Orden nun der Jurisdiktion der Bischöfe unterstellt wurden.(64)
Die bayrische Kirchenpolitik von 1806 bis zum Ausbruch des Aufstandes vollzieht sich auf zwei Ebenen, die sich in einem gemeinsamen Ziel einer vom Staat gelenkten und durch ihn finanzierte Kirche vereinigen sollten, wobei die Religionsausübung auf einem gemeinsamen Nenner mit den Ideen der Aufklärung basieren sollte.
Auf einer dieser Ebenen wurde der Machtkampf mit der Kirchenleitung, den Bischöfen der drei Bistümer Brixen, Trient und Chur ausgetragen. Diese Auseinandersetzung, bei der es vorwiegend um das Recht der Verleihung der Pfründen und die Besetzung der Pfarrstellen ging, wurde von der Öffentlichkeit erst wahrgenommen, als 2 der Bischöfe von der Regierung abgesetzt und ausgewiesen wurden.
Die kirchlichen Reformen und ihre kirchenpolizeilichen Folgen aber wurden unmittelbar auf dem Rücken der Bevölkerung und ihrer Seelsorger ausgetragen. Es ist keine Übertreibung, wenn die rigorosen Strafmaßnahmen gegen alles was sich den Bestimmungen zu widersetzen wagte, als religiöse Verfolgung bezeichnet wird. Daran ändern auch beschönigende Rechtfertigungen nichts, diese Maßnahmen wären zur Beseitigung von Aberglaube und kultureller Rückständigkeit notwendig gewesen. Man stelle sich vor, man würde heutzutage gegen Esoterik, Geistheilerei und was sonst noch an parapsychologischen Unsinn unsere Spaßgesellschaft für schick empfindet, mit Strafsanktionen vorgehen und Bischöfe und Geistliche des Landes verweisen, weil sie die zivilrechtliche Ehescheidung und die Fristenlösung nicht anerkennen.
Aber auch vom Standpunkt der Aufklärung und ihrer Forderung nach der Freiheit und Freizügigkeit der Religionsausübung, kann die Vorgangsweise der bayrischen Behörden nicht gebilligt werden.
Wenn schon die weltlichen Landstände bei der Besitzergreifung Tirols keinen Verdacht schöpften, die Bischöfe Tirols hätten allen Grund dazu gehabt. Auch wenn man ihnen mit huldvollen Worten ausrichten ließ, die Oberhirten in ihrem wohltätigen Amte zu unterstützen.
So meint Josef Hirn in seinen einleitenden Worten zum Thema Kirchenkonflikt.
Es dürfte ihnen nicht entgangen sein, dass mit Montgelas Staatsreformen, die weit über die bereits stattgefundene Säkularisierung hinausgingen, der Konflikt mit der sich bildenden Staatskirche vorprogrammiert war.
Dazu kam die etwas komplizierte Lage der Tiroler Diözesen, die sich nicht mit dem Territorium der Grafschaft Tirol deckten. So gehörte das Zillertal rechtsseitig des Ziller einschließlich der Gebiete um Kitzbühel und Kufstein zur Erzdiözese Salzburg, kleinere Gebiete zu Chiemsee und Augsburg. Der Südtiroler Vintschgau, das Burggrafenamt sowie der Vorarlberger Walgau wiederum unterstanden dem Bischof von Chur. (65)
Alle drei Bistümer, bzw. ihre Bischöfe hatten ihre weltlichen Herrschaftsrechte durch die Säkularisierung, die der Reichsdeputationshauptschluss von 1803 bewirkt hatte, verloren. Nach dem Verlust ihrer bisherigen Einkünfte aus staatlicher Souveränität, waren sie nun so etwas wie Staatsbeamte, deren Gehälter aus einem staatlichen Religionsfonds finanziert wurden. Der Bischof von Chur, - er musste sich zwangsläufig in Meran aufhalten, da seine Tätigkeit in der Schweizer Residenz Chur und dem von Protestanten dominierten Graubünden so gut wie unmöglich war, - hatte allerdings nur einen bescheidenen Anteil aus seinen in Tirol liegenden Ansprüchen, eine Jahrespension von 5000 Gulden vom Österreichischen Kaiser erhalten.
Vorrangig aber ging es nicht um die finanzielle Existenz der Bischöfe, sondern um deren Rechte, soweit sie ihnen nach der Säkularisierung geblieben waren. Diese bestanden im Recht der Verleihung der Pfründen, bzw. zur Besetzung der Pfarrstellen. Ihre geistliche Aufgabe war es, die Einhaltung der katholischen Glaubensgrundsätze und Riten, die seit rund 250 Jahren im Konzil von Trient(66) verbindlich festgelegt waren, zu gewährleisten. Dafür aber fühlten sie sich ausschließlich dem Papst verantwortlich.
Auf der anderen Seite stand der sich am Josefinismus (67) orientierende bayrische Staat, dem sich die Kirche zu unterwerfen hatte.
"Die Hoheit des Staates über die Kirche erstreckt sich auf die gesamte kirchliche Gesetzgebung und Praxis, die vom Menschen aufgestellt und geübt wird, und was die Kirche sonst an Zustimmung und Sanktion der weltlichen Macht verdankt. Infolgedessen muss der Staat immer die Macht haben, zu begrenzen, zu ändern oder früher gemachte Zugeständnisse rückgängig zu machen, wann immer es die Staatsräson, Missbräuche oder veränderte Umstände erforderlich machen."
Diese von Kaiser Josefs II. Staatskanzler Kaunitz stammende Definition hatte sich Montgelas wie viele Grundsätze dieses Staatsmannes zum Vorbild genommen, um seine Vorstellungen einer Staatskirche zu verwirklichen.
Ob Montgelas ebenso religiös wie sein Vorbild Josef war, darf bezweifelt werden. Als ehemaliger Illuminat (68) und konsequenter Anhänger der Aufklärung stand er dem skeptischen Freigeist Voltaire näher als dem puritanischen Katholiken Josef. So dürften ihn kaum religiöse Skrupel geplagt haben, wenn durch seine Säkularisierungsmaßnahmen das religiöse Empfinden der Betroffenen verletzt wurde.
Wie schon gesagt hatte es anfangs den Anschein als blieb man in diesen Fragen beim theoretischen Austausch von Meinungen, wie der Schriftwechsel mit den Bischöfen schließen lässt.(69)
Ein königlicher Erlass, datiert mit 10. Oktober 1806 machte endlich deutlich, dass die bayrischen Absichten keinen theoretischen Charakter hatten: Den Bischöfen wurde mitgeteilt, dass der von ihnen bestellte Klerus als provisorisch angesehen würde und deren Bestätigung einer künftigen Einrichtung der Bistümer vorbehalten bleibe. Weiters solle nach einer bevorstehenden Regulierung der Diözesan-Studienanstalt .... eine Staatsprüfung von den zu weihenden Theologen abzulegen sein.(70)
Der Bischof von Chur Karl Rudolf von Buol-Schauenstein musste noch zusätzlich zur Kenntnis nehmen dass man die auf Vorarlberger Gebiet befindlichen Klöster aufheben werde.
Noch blieb die Kontroverse auf den schriftlichen Wechsel von Absichtserklärungen und Gegenvorstellungen beschränkt, wobei die Bischöfe auf Zeit und die gegenwärtigen Verhandlungen des päpstlichen Nuntius Genga über den Abschluss eines Konkordats setzten.
Dass diese Verhandlungen scheiterten, weil sie unter anderem von österreichischer Seite hintertrieben wurden, wie die bayrische Quellen behaupten, ist zu bezweifeln. (71)
Da mag schon eher die zunehmende Verhärtung der Standpunkte geführt haben, deren erste Sanktion aus der Androhung der Temporaliensperre bestand.
Unabhängig von den Konkordatsverhandlungen versuchten die Bischöfe sich aus Rom Rückendeckung zu verschaffen, wie sie sich zu der angekündigten Staatsprüfung, der Bestellung der Geistlichen und der Gehorsamspflicht gegenüber dem Staat verhalten sollten. Kardinal Antonelli antwortete mit Schreiben vom 25. April 1807 in dem erzunächst auf die Konkordatsverhandlungen, bezüglich deren der Papst noch nicht alle Hoffnung aufgegeben habe.
Die Prüfung der Kleriker an der Universität könne man zugeben, aber das Recht über die Weihe zu entscheiden, müsse sich der Bischof wahren: Was die Verkündigung weltlicher Gesetze durch den Klerus betrifft, so sei darauf zu verweisen, dass die Kirche stets den Gehorsam gegen die weltliche Obrigkeit predigt; leider lehre die Erfahrung, dass diese manchmal Gesetze erlässt, denen die Kirche nicht zustimmen kann. Die Übertragung geistlicher Stellen, die sich der König auf Grund der Säkularisierung der Stifter zuspricht, sollen die Bischöfe für sich reklamieren. Sollte der König darauf verharren, so müsste man alle Hoffnung auf Gott setzen, der seine Kirche nicht verlassen wird. (72)
Am 14. April 1806 wurde folgende königliche Verordnung erlassen:
Der pompös anmutende Titel des Königs zeigt, dass die Verordnung noch vor der Liquidierung des Römisch Deutschen Reiches erlassen wurde. Dem Text ist auch zu entnehmen, dass eine derartige Einrichtung schon bestanden hat, weil sie wegen der seit 1802 eingeleiteten Kirchenreformen möglicherweise erforderlich war. Darauf lassen auch die verschiedentlich Bedenken ob der Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme, schließen, wie folgende Feststellung eines Beamten:
"Ob man darin das Beispiel Österreichs nachahmen soll, ist doch zu überlegen. Denn der gemeine Mann will auch im Jahr einmal seines Lebens froh werden, und wenn es auch nur ein paar Tage auf Probe sein soll. Kirchweihen sind Tage des Vergnügens, und der Bauer hält dieses Fest für einen Lohn seines schweren Lebens, worauf er sich das ganze Jahr freut. Man kommt bei mäßigem Gastmahl zusammen in munterer Gesellschaft und eilt dann wieder vergnügt an sein Tagwerk. Wenn Bürger und Bauern bei solcher Gelegenheit zusammenkommen, so treten sie sich näher, mancher Unwille wird durch Frohsinn verwischt, Freundschaften werden gestiftet. Und endlich lässt sich Gottesdienst und Vergnügen auch an einem Tag so vereinigen, dass keines von ihnen leidet." (74)
Seit der Übernahme Tirols schien es den Behörden besonders wichtig zu sein, die Kontrolle über die Einhaltung der kirchlichen Verordnungen zu forcieren.
Die Zentralstelle der Kirchenpolizei dürfte im Ministerium für Geistliche Gegenstände dürfte beherbergt gewesen sein, wo eine Schar reformwütiger Beamter, - man kenn das ja auch aus unserer Gegenwart, - sich an Kirchlicher Liturgie und Feiertagsordnung zu schaffen machte, um sie nach dem Vorbild der Josefinischen Reformen zurechtzumachen.
Ein Typischer Vertreter dieser vom Josefinismus durchdrungenen Beamtenschaft ist Johann Theodor von Hofstetten, für den die Geistlichkeit, die wahre, jedoch mit Arglist versteckte Triebfeder aller Reaktionen ist- und deren Schuld es wahrlich nicht sei, wenn der nach seiner Schnapshansnatur furchtsame Gebirgsbewohner sich doch willig in die Befehle fügt". (75)
Auf ähnliche Weise ergeht sich Arnold von Mieg, über den .finstern' Klerus und dessen Missbräuche mit Erteilung der Priester würde und mit Verleihung der Pfründen.(76)
Eine der ersten Maßnahmen der Amateur-Theologen war die Herausgabe einer Gottesdienstordnung für die Kongregationen Der war ein langer Schriftenwechsel vorausgegangen in dem so welterschütternde Fragen, ob die gebräuchliche Predigt vor dem Hochamte oder zwischen ihm zu halten sei, oder die sorgenvolle Anfrage des Amtmann von Ingolstadt ob bei der Messe die Aufstellung eines zweiten Opfertellers statthaft wäre.
Einer ähnlichen Besorgnis entsprang auch die Verordnung über die Christmette.
Diese am 11. Dezember 1806 erlassene Verordnung verfügte, dass der Gottesdienst nicht zur mitternächtlichen Stunde gehalten werden dürfe, sondern auf den Morgen des Christtages zu verlegen sei. Begründet wurde das Verbot zur Aufrechterhaltung einer guten öffentlichen Ruhe und Ordnung und um der ohnehin in diesem Lande Tirol so zahlreichen Nachtschwärmerei besonders in der Christnacht Einhalt zu gebieten, wo das Volk von allen Seiten in der Winternacht herbeischwärmt.
Abgesehen davon, dass das Verbot zu einem Zeitpunkt erlassen wurde, der es den Pfarrern kaum ermöglichte, das Kirchenvolk zu verständigen, waren die meisten Seelsorger nicht bereit, diese als Schikane aufgefasste Maßnahme zu akzeptieren.
Anstatt es dabei bewenden zu lassen, - manche Gemeinden hatten ja das Verbot befolgt, - beschlossen die Behörden ihrer Autorität als Kirchenpolizei den entsprechenden Nachdruck zu verleihen.. Eine Untersuchung, die sich über den ganzen Jänner 1807 hinziehen sollte, war die Folge.
Zuerst wurde eifrigste ermittelt und die aufmüpfigen Gemeinden ausgeforscht, dann zitierte man die Pfarrer jener Gemeinden, welche die Christnacht auf die herkömmliche Weise gefeiert hatten vor den Hofkommissar, der sich gerade in Meran aufhielt. (77)
Welche Version auch immer die zutreffende ist, feststeht dass dem Vorfall eine unverhältnismäßig hohe Aufmerksamkeit geschenkt wurde, wobei dessen Untersuchung mindestens den ganzen Jänner 1807 in Anspruch genommen hat.
Dabei zeigte Arco erstmalig, dass er eine Doppelstrategie verfolgte. Mit freundlichen Ermahnungen zum Gehorsam entlassen, - Wortführer Pfarrer Goldrainer durfte noch mit Arco tafeln, - fanden die Pfarrer nach ihrer Rückkehr ein grobes Schreiben, das ihnen im Wiederholungsfalle die Absetzung ankündigte.
Mit einer Weisung an alle Ordinariate, - sie war mit 18. Februar 1807 datiert, - wurden die Bischöfe ermahnt dem untergeordneten Klerus unverzüglich und ernstlich klar zu machen, dass den königlichen Befehlen in Kirchenpolizeisachen auch in jenen Fällen, die offenbar in das jus circa sacra gehören, pflichtschuldigste Folge zu leisten sei, wo sie wegen Kürze der Zeit nicht erst an die Bischöfe geleitet werden könnten. (78)
Damit waren nun die Bischöfe an der Reihe, sich direkt zu äußern und Stellung zu nehmen, wie sie und der Klerus sich in Zukunft zu verhalten gedenken. Damit war auch die bisher auf theoretischer Basis geführte Auseinandersetzung, auf die untere Ebene des Kirchenvolkes und seiner Seelsorger verlegt.
Hier fehlte es allerdings nicht an Loyalitätsbezeigungen von Gemeinden, die das Verbot beherzigt hatte, wie beispielsweise im Pustertal. (79)
Die Intensität, mit der die Behörden das Verbot der Christmette verfolgt und sanktioniert hatten, lässt darauf schließen, dass es für sie ein Testfall war, wie das geplante Reformwerk weiter zu betreiben sei.
Das Verbot der Christmette war das erste Glied eine nun folgenden Reihe weiterer Verordnungen, von denen das befohlene Kirchengebet für das Königspaar mit der Anrufung Gottes um Beglückung der geliebten Königin mit edlen sanften Menschenfreuden, vorzüglich mit süßen häuslichen Freuden noch die harmloseste war.
Nun war der Kirchenschmuck an der Reihe: die Pfarrer wurden angewiesen, alle Kirchenzierden und alles, was Auslagen verursacht, der Regierung genau bekannt zu geben, da man gefunden, dass manche Kirchenpröpste weit über das Maß des Zulässigen Ausgaben für Zierrat erlaubten. Das sog. ewige Licht dürfe nur vor dem Sakramentsaltar der Pfarrkirche brennen und im Jahre nicht mehr als ein bestimmtes Quantum Baumöl verzehren. (80)
Hofstetten legte dann noch eines drauf, indem er verfügte, dass anstatt des Rosenkranzgebetes nur noch die Allerheiligenlitanei gebetet werden dürfe.
Als nächstes machten sich die Reformer an den österlichen Ritus der Grablegung Christi. Der bis zum heutigen Tag beliebte Tiroler Brauch der Ausschmückung des heiligen Grabes mit bunten Kugeln und der Grabwache, wurde unter folgendes Verbot gestellt:
Alle Verzierungen und Statuen, alle Wasserkünste und Glaskugeln sind bei strengster Strafe verboten; erlaubt ist nur, das Sanktissimum, mit weißem Flor bedeckt, auf einem schwarz behängten, hinreichend beleuchteten Seitenaltar zur Anbetung auszustellen." (81)
Selbst in die Fastengebote glaubte man sich von höchster Stelle einmischen zu müssen, weil man glaubte, dass die Tiroler Diözesen strengere Regeln aufwiesen als die bayerischen. (82)
Besonders hatten es den Reformern die zahlreichen Feiertage angetan. Obwohl der Hofkommissar Graf Arco selbst zugab, dass der Landmann bei seiner äußerst schweren Arbeit in einem solchen Gebirgslande wie Tirol mehrerer Ruhetage bedarf als anderswo", sahen besonders eifrige Beamte ihre Chance gekommen, sich hervorzutun. Sie hatten es vor allem auf die verschiedenen Kirchtage und die damit verbundenen Prozessionen abgesehen.
Die Szene war in der Tat kaum überschaubar, hatte doch jedes Kirchdorf seinen speziellen Heiligen und für alle möglichen Anlässe die entsprechende Bittprozession.
Ein Teil des Klerus war entschlossen, sich nicht an die Verbote zu halten. Die Pfarrer Nikolaus Patschender, Jakob Zingerle, Josef Plangger und Josef Wicka wurden angezeigt, weil sie die Verkündigung verweigert hatten, Kaplan Pelderer in der lnnsbrucker Vorstadt Dreiheiligen wurde gestraft weil er die Sebastian Prozession abhalten ließ. (83)
Der Widerstand der Bauern war auch regional verschieden, wie in Welschtirol, wo nur zwei Gemeinden auffielen die sich die Feiertage nicht nehmen lassen wollten. In den deutschsprachigen Landesteilen hingegen war das Verhältnis umgekehrt. Im Oberen Gericht, so lauten die Meldungen der Kirchenpolizei, hielte man sich an die Verordnung, wie auch im vielfach im Meraner Bezirk.
Bezeichnend sind die Äußerungen von Geistlichen wie die des Kaplan Josef Daney von Schlanders:
"Da wir sahen, dass die bayrische Gottesdienstordnung nichts wesentliches an der Kirche änderte, ja manches zweckmäßiger machte, so befolgten wir sie genau. Aber wir machten uns beim Volk, welches so zäh an seinen Gebräuchen festhält, damit verdächtig, ja fast verächtlich. Wir bekamen Schimpf und Spott, als wir die heiligen Gräber nicht errichteten und die Auferstehungsfeier auf den Ostersonntag verlegten. Man werfe uns nicht vor, wir hätten das Volk belehren sollen. Das wäre beim Gebirgsvolk ganz vergebens gewesen.... jeder Priester weiß, dass man für die Feldfrüchte ebenso gut in der Kirche beten kann.... Selbst Gott Vater schien mit uns Priestern seinen Spaß zu treiben. Es gab selten schwerere Hochgewitter und richteten die Wildbäche solche Verwüstungen an, wie gerade zu dieser Zeit, wo das Wetterläuten verboten war. (84)
Mit der Überwachung der Einhaltung der Gebote und Verbote waren die Gerichte der 6 Landkreise, Unterinntal, Oberinntal, Pustertal, An der Etsch, Trient und Rovereto betraut. Zu Beginn 1806 waren es noch an die 200 Gerichtssprengel von unterschiedlicher Größe und unterschiedlicher Kompetenz. (85)
Die Gerichte mussten monatlich Berichte über das Feiertagsverhalten in den Gemeinden vorlegen. Wer an solch einem verpönten Feste in sonntäglichem Kleide sich zeigte, die Kirche oder das Gasthaus besuchte und sich ostentativ der Arbeit enthielt, galt für straffällig. Selbst das Erscheinen vor Gericht an einem solchen Tage in besseren Kleidern trug schon eine Geldbusse ein. (86)
Verboten war so ziemlich alles, was irgendwie den Anschein von Aberglaube erwecken konnte, wie das Läuten der Wetterglocken das man für ein gefährliches Signal zur Sammlung zum Aufruhr vermutete. Gerade dieses Verbot sollte sich als Bumerang erwiesen, denn als dann tatsächlich der Aufstand eingeläutet wurde, konnte daran kein Zweifel bestehen, dass man zu den Waffen rief.
Einer dieser verpönten Feiertage war der Jakobitag, der am 25. Juli in der Umgebung von Brixen durch eine Prozession zur Wallfahrtskirche Maria am Sand von Milland gefeiert wird. Diesmal hatten sich über 1600 Wallfahrer versammelt, die Hofstetten ursprünglich durch Militär auseinander treiben wollte. Am Ende aber begnügte er sich, jedem der neunzehn Dörfer, nach der Größe der Teilnehmerzahl bemessen 25-100 Gulden aufzubrummen.
Besonders halsstarrig erwies sich die Gemeinde Gossensass, die sich nicht davon abbringen ließ ihren traditionellen Kreuzgang nach Brixen abzuhalten.
Da allzu häufiges Verhängen von Geldstrafen die Steuerleistung der Gemeinden beeinträchtigte, erwog man die strafweise Aushebung von Rekruten und Einquartierung von Militär. Wo man aber konkret Personen haftbar machen konnte, nahmen die Strafmaßnahmen ein Ausmaß brutaler Willkür an: Einen Kreuzgang nach Ehrenburg am Pfingstdienstag büßte die Gemeinde Kiens mit einer Strafsumme, Vorbeter und Kreuzträger mit acht Tagen Arrest. Über zwei Mädchen in Oberhofen, welche das Geläute am Feierabend besorgten, verhängte der Adjunkt von Hörtenberg die Strafe öffentlicher Prügelung, wobei noch das Anstandsgefühl gröblich verletzt wurde.(87)
So kam die Bevölkerung Tirols zur Jahresmitte von 1807 in Stadt und Land zur Erkenntnis, dass sie einem Polizeistaat ausgeliefert war, die in die privatesten Bereiche eingriff und vor Erniedrigungen nicht Halt machte.
So hauste die Zuchtrute in den verschiedenen Landesteilen. Alle die Strafexekutionen und Verbote spürte das Volk wie Nadelstiche am eigenen Leibe. Allmählich traute es der Regierung noch andere Dinge zu. Es ging das Gerede, Bayern wolle auch den Zölibat, die Unauflöslichkeit der Ehe, die Ohrenbeichte abschaffen.(88)
Das war natürlich dummes Gerede, das kaum jemand ernst nahm. Aber als bekannt wurde, dass man die Bischöfe von Trient und Chur arretiert und mit Polizeieskorte außer Landes gebracht habe, war allgemeine die Empörung angesagt. Besonderes Aufsehen hatte die Ausweisung des überaus beliebten Churer Bischofs Buol-Schauenstein unter der Bevölkerung der Burggrafenamtes und im Vintschgau erregt.
Der königliche Befehl, der die Bevölkerung an das Ordinariat Augsburg gewiesen hatte, wurde einfach ignoriert und die von Buol eingesetzten Vikare Nikolaus Patscheider und Pfarrer Johann Schuster, - ersterer für das untere, der zweite für das obere Vintschgau zuständig, - wurden als die alleinigen kirchlichen Vertreter angesehen. Sie waren es auch die Ihre Verbindung zum Bischof auch zu dieser Zeit aufrecht erhalten konnten.(89)
Arco hatte offenbar erkannt, dass, hiervon die Ruhe oder der wahrscheinliche Ausbruch bedenklicher Gehrungen abhängen dürfte. So sein Bericht an den König vom 19. November 1807.
Bei der Bevölkerung glaubte er Eindruck mit einer Proklamation zu erwecken:
Nach den Worten des Erlösers dürfe die Kirche, so wurde da gepredigt, keine Güter haben, höchstens Nutznießerin sein, und dass nur Würdige die Stiftungen genießen, dafür müsse der König sorgen. Das hätten auch schon Österreichs weise Regenten getan. Die Bischöfe aber haben darüber an den Papst falsch berichtet und hätten daher als Ruhestörer gestraft werden müssen. So werde es auch den andern ergehen, wenn sie sich nicht bessern. Der Verkauf der Kirchengüter verstoße gegen kein Kirchengesetz, nur von Bösgesinnten werde er missdeutet. Ohne Gelegenheit, sich belehren zu lassen, möge das Volk von der Regierung, die keine Aufwiegelung dulde, Unterweisung annehmen.
Ob das der richtige Ton war, mag dahingesellt sein. Die Pfarreien waren angewiesen, die Proklamation bei jedem Gottesdienst von der Kanzel zu verkünden, widrigenfalls eine hohe Geldstrafe drohe. Die Antwort darauf war denkbar einfach, indem die Leute einfach die Kirche verließen.(90)
Anfangs Dezember 1807 glaubte Arco, von lnnsbruck aus nicht mehr alles selbst mit der wünschenswerten Schärfe überwachen zu können. Er beschloss daher, den Scharfmacher Hofstetten als Spezialkommissär in jenen Teil des Landes zu entsenden, der ihm am aufmüpfigsten erschien.
Das waren die Landgerichte Fürstenburg, Meran, Bozen, Klausen und Brixen. Hofstettens Seine Instruktion lautete seinen Sitz in Bozen oder, wenn nötig, in Meran zu nehmen, um dem Ungehorsam von Klerus und Volk Einhalt zu gebieten. (91)
Wenn man Josef Hirns Ausführungen folgt, war Hofkommissar Graf Arco von Hofstettens Person, den er für einen Scharfmacher hielt, wenig eingenommen. Schon nach dessen Dienstantritt in seine Behörde versuchte er ihn mit allerlei Sonderausgaben ruhig zu stellen. (92)
Letztlich schien ihm der freigewordene Posten des Kreiskommissars von Bruneck am besten dazu geeignet, da das Pustertal als relativ loyal galt.
Hofstetten tat seinerseits alles, um von da wieder loszukommen. Besonders das Pustertal passe nicht für ihn, dessen Lokale mir nur aus der speziellen Geographie Tirols bekannt und dessen Bureau bis auf ein paar Schreiber ganz aufgelöst ist, seine schwache Gesundheit werde das raue Klima jenes Landesteils nicht vertragen. So seine Einwendungen, die Arco nach München weiterleitete.(93)
Um von diesem Posten wegzukommen bot er seine ganze Beredsamkeit auf und scheute dabei nicht davor, einen Kollegen zu denunzieren:
"Bruneck ist unbedeutend, aber Bozen ist wichtig, denn diese Stadt ist das politische Zentrum der Provinz und der Brennpunkt aller deutschen und italienischen Reaktionäre. Der Posten in Bozen ist wohl der wichtigste in seiner Kategorie und fordert einen Mann von geprüfter Treue und Gewandtheit. Ich weis nicht, ob der jetzige Kreishauptmann diesen Bedingungen entspricht. Wenn ich diesen Platz annehmen zu wollen erkläre, so geschieht es nur in der Überzeugung seiner Wichtigkeit und vom Streben geleitet, dem König ausgezeichnete Dienste zu leisten." (94)
Jetzt allerdings schien es keinen geeigneteren Mann zu geben, der hier Ordnung schaffen konnte.
Gleich seine erste Aktion, - sie sollte eine Huldigungszeremonie der Pfarrgeistlichkeit sein, - brachte ihm eine Blamage ein: von den 23 vorgeladenen Pfarrern war nur einer bereit, die von Hofstetten gewünschte Unterwürfigkeitserklärung an den bayerischen König zu unterzeichnen. (95)
Hofstettens Antwort war bezeichnend.
"Glauben Sie nicht, dass Sie vielleicht der Pöbel retten kann, wir haben Truppen und diese werden die Sache ausmachen, ich habe auch den Starrsinn des Bischofs von Brixen gebrochen. Ich bin kein Theologe und kein Kanonist, aber ich habe Kanonen, um Gehorsam zu erzwingen." (96)
Sein Bericht an Arco sparte nicht mit drastischen Vorschlägen: . "Jetzt heißt es schnell mit Deportationen vor gehen." . "Jetzt heißt es schnell mit Deportationen vor gehen."
gefolgt von einer Flut von Beschimpfungen gegen einzelne Geistliche "Subregens Ignaz Purtscher ist ein Schaf, um das höchstens ein paar Dutzend Betschwestern weinen werden, Professor Michael Tapfer ein sehr böser Mensch, sein Bruder Anton ein Fanatiker. Man muss froh sein, diese Schurken einmal loszuwerden."
Hofstetten machte ernst. Ignaz Purtscher und die Brüder Tapfer wurden mit Militärwache an die Schweizer Grenze gebracht, der Pfarrer und bischöfliche Vikar Patscheider im Franziskanerkloster zu Bozen, der Professor am Priesterseminar Josef Lutz im Hause der Serviten zu Innsbruck interniert. (97)
Was das Verhalten der Bevölkerung anbelangt, hatte sie den Maßnahmen gegen die Bischöfe, ja selbst der Säkularisierung der Klöster, nur wenig Beachtung geschenkt. Nun aber, als man die Seelsorger verhaftet und deportiert, macht sich offener Unmut breit. Vor allem im nun verwaisten Churer Ordinariat, das nach königlicher Weisung von Augsburg übernommen werden sollte, doch der Augsburger Oberhirte keinerlei Anstalten machte, seine Schäflein im Burggrafenamt und im Vintschgau zu übernehmen.(98)
Die von Buol-Schauenstein eingesetzten Vikare mussten, ob die Behörden es wollten oder nicht, bis zur offiziellen Übernahme durch Augsburg, als rechtmäßig angesehen werden. Dessen ist sich sogar Hofstetten bewusst, wen er in einem vertraulichen Bericht an Arco klagt, wenn nur endlich Augsburg sich einmal erklären möchte. (99)
Trotz des rigorosen Vorgehens gegen den Klerus, scheint das Jahr 1807 relativ ruhig ausklingen zu wollen. Zumindest hat der König so viel Vertrauen, das Land zu bereisen. Diese Gelegenheit wollte man sich nicht entgehen lassen, dem König eine Bittschrift zu überreichen. Am 25. November fand sich in der Mahr bei Brixen eine größere Schar von Persönlichkeiten wie die Gerichtsvorsteher Gram von Sarntal und Gruber aus Innerschalders der Anwalt Prenn von Durnholz, Gerichtskassier Kinigadner, die Bauern Aster von Ulten und Plattner von Verdings und schließlich auch der Passeier Sandwirt Andreas Hofer. Der Versammlungsort dürfte das Wirtshaus von Peter Mayr gewesen sein. Als Verfasser der Bittschrift fand sich der Theologieprofessor Malsiner aus Brixen bereit.
Das Papier der Schrift war noch nicht trocken, als die "Rädelsführer" auch schon zum Verhör bei Hofstetten vorgeführt wurden. Man wollte wissen, ob es sich nur um eine Bittschrift oder auch andere sträfliche Absichten gehandelt habe. Herausgekommen ist freilich nichts, wenn man davon absieht, dass Plattner und der Sandwirt, mit ernstlicher Verwarnung verabschiedet wurden und dass sie von jetzt an unter besondere Surveillance ihrer Obrigkeiten gesetzt waren. Malsiner aber, der Verfasser der Bittschrift, wurde mit einigen Monaten Hausarrest bedacht.
(100)
Es ist anzunehmen, dass die Bittschrift nie in die Hände des Königs gekommen ist, genau so wenig wie jene, die am Sylvestertag 1807 von 29 Bauern unterschrieben an den König gerichtet war: "Wir bitten, dass die Gemeinden von der Sorge um ihre Priester, zu denen sie das vollste Vertrauen haben, durch eine königliche Entscheidung befreit werden; wir bitten, das Verhalten der Priester nicht einer Widersetzlichkeit, sondern der strengen Gewissenhaftigkeit in Bezug auf ihre Pflichten zuzuschreiben und sie nachsichtig zu behandeln; die Gewährung dieser Bitte wäre uns der Beweis für die Versicherung, dass unsere angestammte Religion ungestört auch auf unsere Kinder übergehen kann."
Es unterzeichnen Wallnöfer für das Gericht Glurns, 6 Bauern für Schlanders , 20 Bauern, darunter Matthias Ladurner, Blasius Trogmann und Johann Mösl, für Meran, 2 Bauern für Schenna (101)
Mit diesem Schriftstück haben diese couragierten Leute auch den Beweis erbracht, dass von Rebellion und Aufruhr, wie es Hofstetten und Konsorten beharrlich unterstellen, keine Rede sein kann.
Warum der sonst so besonnene Graf Arco Gespenster zu sehen glaubte, kann nur auf die an Hysterie grenzenden Berichte Hofstettens und des nicht minder durchgeknallten Kreishauptmann von Bozen Gummer zurückgeführt werden. Während Hofstetten sich sorgte,
wie sehr sich der Pfaffengeist auf allen Seiten regt, löcherte in Gummer, der offenbar seinen Intimfeind Hofstetten ausstechen wollte, eine Kumulativkommission zu bilden, welche jeden einzelnen vornehmen soll, zuerst belehrend, dann strafend. Hofstetten konterte mit theologischem Material. Es handelte sich um einen Flugzettel auf dem Gebet abgedruckt war,
in welchem das Volk aufgefordert werde, zu bitten, dass seine Verfolger gedemütigt werden, und zu wachen, dass es nicht in Versuchung falle. Seiner Meinung nach eine Aufforderung zum Aufruhr.
Ließ Arco sich von dieser Hysterie anstecken, oder begann er den Widerstand gegen die seiner Meinung nach wohlgemeinten Reformen, persönlich zu nehmen? Wenn eine Antwort auf diese Fragen nur Spekulation sein kann, Tatsache war es, dass Arco einen bewaffneten Aufstand befürchtete.
Während man in der Mahr noch an der Formulierung der Bittschrift bastelt, ist der in Richtung Italien reisende König in Steinach eingetroffen. Arco, der ihn von Innsbruck bis hierher begleitet hatte, wendet sich nun mit der Bitte um militärische Assistenz an den König, um das Volk im Zaum zu halten", wie er behauptet.
Er bemerkt auch, dass das Generalkommando bisher seinem Ersuchen nicht nachgekommen sei, sondern hinter Ausreden verschanzt hatte.(102)
König Max Josef erließ augenblicklich die nötigen Weisungen nach München und ebenso rasch wurde ihnen auch entsprochen: Am 29. November wurde eine Sechspfünderbatterie mit Bedienung und Munition unter Bedeckung eines Zuges vom ersten Chevauxleger-Regiment in Marsch gesetzt und mit zwei Kompanien Infanterie am 3. Dezember in Bozen und Meran einrückten. Von den Soldaten erfuhren dann die erstaunten Einwohner, dass ein "Aufstand" ausgebrochen sei.
Die militärischen Kommandanten mussten allerdings bald erkennen, dass weit und breit nicht die geringsten Anzeichen einer Insurrektion erkennbar waren und meldeten das pflichtgemäß ihren militärischen Vorgesetzten.
Arco, der sich seine Insurrektion nicht ausreden ließ, forderte weitere 3 Infanteriebataillone, samt Kavallerie.(103) Doch diesmal, holte er sich kalte Füße:
Durch seine nicht genügend motivierten und mit keinen speziellen Angaben unterstützten Berichte finde sich der König zur Vermehrung der Truppen in Tirol um so weniger bewogen, als auch wegen Unterkunft und angemessener Dislozierung keinerlei Vorschläge unterbreitet wurden.(104)
Um die näheren Umstände zu erfahren, die zur Verbannung der Bischöfe Thun und Buol-Schauenstein geführt haben, müssen wir uns wieder auf jene Ebene zurück begeben, auf der vorrangig um die kirchenrechtliche Position der Bischöfe behandelt wurde.
Als es nach den Vorfällen um Christmette und Feiertagsgeboten zu ersten Maßregelungen gegen die Seelsorger kam, sahen sich die Bischöfe zur Stellungnahme gezwungen, und das schon deshalb, weil sie vom Staat aufgefordert waren, ihren Klerus zur Ordnung zu rufen. Das taten sie auch, allerdings nicht im Sinne der Regierung und je nach persönlichen Temperament auf unterschiedliche Weise.
Um es nochmals in Erinnerung zu bringen, ging es darum, dass der Staat auf seinem Patronats- und Präsentationsrecht hinsichtlich der Bestellung des Klerus bestand, sowie die Forderung nach einer entsprechenden Qualifikation, die durch die Ablegung einer Staatsprüfung zu erbringen war.
Derartige Forderungen waren in Tirol schon einmal erhoben worden, allerdings nicht von aufklärerischen Freidenkern, sondern vom Tiroler Adel selbst. Das war 1793 anlässlich einer Beschwerde über angebliche Beschränkung des Präsentationsrechtes. Die Antwort des Kaisers, - es war nicht der aufklärerische Josef, sondern sein erzkonservativer Nachfahre Kaiser Franz, - gab den Beschwerdeführern recht: "Der Patron ist nicht an die bischöfliche Terna gebunden, wie es wohl eine Weile in Übung war, sondern sein Wahlrecht erstreckt sich auf alle vom Bischof zur Seelsorge approbierten und geprüften Kompetenten, wie es schon im Hofdekret vom 30. Sept. 1790 für Tirol vorgeschrieben ist." - Auch in Bezug auf die Aneignung der Patronatsrechte lagen Beispiele aus österreichischer Zeit vor.(105)
Der Bischof von Brixen Karl Franz Graf Lodron hatte sich vorausschauend Rückendeckung aus Rom geholt, indem er um Klärung der staatlichen Befugnisse hinsichtlich Prüfung, Anstellung und Gehorsamspflicht des Klerus ersuchte. Die Antwort des Kardinals Antonelli kam mit Schreiben vom 25. April 1807:
Die Prüfung der Kleriker an der Universität könne man zugeben, aber das Recht über die Weihe zu entscheiden, müsse sich der Bischof wahren: Was die Verkündigung weltlicher Gesetze durch den Klerus betrifft, so sei darauf zu verweisen, dass die Kirche stets den Gehorsam gegen die weltliche Obrigkeit predigt.
Entsprechend dieser Auskunft, - man kann sie auslegen wie man will, - richtete er ein Rundschreiben an seinen Klerus, solchen königlichen Befehlen zu gehorchen, auch wenn sie nicht erst an den Bischof gerichtet sind: "Bei der reinsten katholischen Denkungsart Seiner Majestät steht nicht zu befürchten, dass etwas gegen Glauben und Kirchenzucht verlangt wird." (106)
Anders als diese unverbindliche Vorgangsweise des Brixener Bischofs, war die Reaktionen von Trient und Chur.
Sie stellten das jus circum sacra, vor allem aber Anordnungen der kirchenpolizeilichen Behörden, schlichtweg in Abrede. Dem setzte Buol-Schauenstein noch eins drauf, indem er sich ausdrücklich auf die ihm vom Papst erteilte Autorität als Oberhirte berief.
Da hier eine direkte Befugnis des Königs in Zweifel gestellt wurde, machte Arco den Vorschlag, der König selbst möge die Kirchenfürsten in die Schranken weisen. In seinem Schreiben vom 14. April 1807 an den König hatte er es besonders auf Buol-Schauenstein abgesehen, den er als einen ausländischen Bischof, der aus seiner Kirche eine Gegenmacht gegen den Staat bilden wolle, beschuldigte und die Landesverweisung empfahl. So machte er auch den Vorschlag, die tirolischen Anteile des Churer Bistums mit einer bayrischen Diözese zu verbinden. (107)
Mit Ausnahme der letztgenannten Sanktionen, billigte der König Arcos Auffassung: Er verwies dem Bischof seine Äußerungen als ungeziemend und beleidigend, forderte von ihm ein Zirkular an den Klerus ohne jede Einschränkung und drohte ihm mit der Temporaliensperre. (108)
Unter Temporalien sind alle mit der Verwaltung eines bestimmten kirchlichen Amtes verbundenen Einkünfte an Geld, Naturalien und sonstigen Gefällen, die materiellen Rechte im Kirchenamt verbundenen. Die Beschlagnahme dieser Einkünfte, die Temporaliensperre, war ein zulässiges Mittel, zumal der Staat für die finanzielle Abfindung der Kirchenämter zuständig war.
Unter Androhung dieser und noch schärferer Sanktionen, wurde mit Verfügung vom 25. April 1807 vom Churer und Tridentiner Klerus eine Unterwürfigkeitserklärung gefordert, die die innerhalb vier Wochen vorzulegen sei, eine Frist, die die Bischöfe ohne weitere Kommentare verstreichen ließen und somit die Sperre der Temporalien in Kauf nahmen.
Arco musste daher handeln. Für den Tridentiner Klerus, den er sich als erstes vorzunehmen gedachte, ließ er sich etwas besonderes einfallen: Dem Domkapitel wurden vier Fragen, die ohne Säumen präzis zu beantworten waren, vorgelegt. Die Fragestellung bezog sich auf die Pfründenverleihung, den Gehorsam der Priester gegen staatliche Verfügungen, die Rekurse an den Papst und das Placetum Regium. (109)
Von den zehn Mitgliedern des Kapitels antworteten sechs im Sinne der Regierung, drei Personen (110) dagegen, einer, Baron Eyrl, wich einer genauen Antwort durch Einsendung einer Abhandlung aus. Obwohl einer der sechs Domherren, Graf Bartolomeo Lodron seine Stellungnahme wieder zurückzog, blieb das Ergebnis unentschieden.
Nach herkömmlicher Tiroler Geschichtsauffassung gelten diese sechs Kapitelherren als bayernfreundliche Opportunisten, ohne zu bedenken, dass ihre Stellungnahmen in keinerlei Widerspruch zur Rechtsauffassung wie sie Kardinal Antonelli vertrat, standen.
Am Beispiel Trient wird ersichtlich, dass Arco seine Lektion gelernt hatte. Dem Erfolgsrezept seines Schwagers und Lehrmeisters Montgelas folgend, hatte er die schrittweise Abhalfterung der Bischöfe mit der Untergrabung ihrer einheitlichen Amtsauffassung eingeleitet. Bestärkt wurde sein Entschluss, alle drei Bischöfe loszuwerden, durch einen Beschwerdebrief, den diese im Juni 1807 an den Pabst gerichtet hatten.(111)
Als erster witterte Buol-Schauenstein diese Gefahr und da er auch die Androhung seiner Verhaftung ernst nahm, beschloss er. seine Residenz wieder nach Chur ins Schweizer Ausland zu verlegen.
Zuvor aber berief er zum 13. August 1807 seinen Klerus zu einer Konferenz nach Meran. Um keinen Verdacht bei der Kirchenpolizei zu erregen, war die Zusammenkunft war als "Abschiedsvisite" des Bischofs getarnt, den Vorsitz führte Vorsitz Buol-Schauensteins Vikar Nikolaus Patscheider.(112)
Kernpunkt der Konferenz war die einhellige Zustimmung zur Haltung des Bischofs, keines der kirchlichen Rechte preiszugeben. Sollte der König entgegen dem bischöflichen Kollationsrechte Seelsorger ernennen, wäre so eine Ernennung als ungültig anzusehen und dem Volke das Ausharren auf Seite der vom Bischof bestellten Priester zu empfehlen. Hinsichtlich der neuen Kirchenordnung sollten jene Milderungen erwirkt werden, die schon beim Erscheinen der Josefinischen Ordnung gewährt wurden.
Die Beschlüsse wurden von den Anwesenden einstimmig angenommen, von den drei abwesenden Priestern sandten zwei ihre Zustimmung ein nur Pfarrer Franz Painhofer von Naturns, bereits im Geruch bayrischer Gesinnung, machte seine Vorbehalte.(113)
Ob Pfarrer Painhofers Einwände gar so verwerflich waren, mag dahingestellt sein, denn seine Vorbehalte scheinen durchaus vernünftig, besonders was die Behandlung der von der Regierung ernannten Seelsorger anbelangt. Ein konstruktiver Dialog hätte bestimmt nicht zu diesen Zuständen geführt, wie sie der aus Salzburg berufene Priester Sebastian Sandbichler berichtet: "Die Leute enthalten sich von allem Gottesdienst, so dass zu befürchten ist, es komme zu einer Winkel Religion oder Götzendienst. Ich nehme gar nichts ein und muss zusehen, wie der baufällige Widum verfällt." (114)
Wie Sandbichler hatten viele andere Seelsorger, die wahrlich nicht alle als Vollstrecker der Kirchenpolizei angesehen werden können, das Amt ein Martyrium wie Josef Hirn es beschreibt:
Im Volke, das den bischofstreuen Priestern ergeben war, befestigte sich der Glaube, dass die von deren Verfolgern Eingesetzten Schismatiker und Ketzer seien. Mit ihnen wollte man nichts zu tun haben. Das Pfarrhaus eines solchen wurde gemieden, nicht einmal Lebensmittel wurden in das selbe geliefert. Die Messe solch eines "Bayrischen" besuchte man nicht, aus seiner Hand wollte man kein Sakrament empfangen.
Mit Genugtuung nahm der Bischof die Beschlüsse dieser Konferenz entgegen und appellierte sie in seiner Ansprache, an seiner Seite getreulich auszuharren und sich durch nichts abtrünnig machen zu lassen.
Ob er mit seiner sturen Haltung seiner Gemeinde einen Gefallen getan hatte, stand damals nicht zur Debatte. Für die meisten verlief die denkwürdige Konferenz vom 13. August 1807 unter dem Eindruck, dass bewegte Zeiten bevor stünden, man fühlte sich wie bei einem Kriegsrate. (115)
Darin hatte sie auch recht, denn eine Kriegerklärung war sie allemal und die Fronten standen so ziemlich fest: Von den drei Domkapitel kam bis jetzt von Brixen der geringste Widerstand der Tridentiner Klerus verhielt sich zwar indifferent, aber Bischof Thun selbst bestand auf seinem Rechtsstandpunkt. Der Churer Bischof segelte im Bewusstsein seiner exterritorialen Position auf vollem Konfrontationskurs.
Arco brauchte daher eine Standortbestimmung auf theologischer Basis, um seinen Kurs in die Richtung des angestrebten Zieles fortzusetzen: Zumindest zwei dieser Bischöfe musste er los werden. Diese erhoffte er sich von der Theologischen Fakultät in Innsbruck in Form einesGutachtens zu erhalten.
Damit dieses auch sicher zu seinen Gunsten ausfiel, ließ er nur die Frage über das Recht der Pfründenverleihung zur Disposition stellen. Dass Arco mit einem positiven Ergebnis rechnen konnte, stand vom Anfang an fest, zumal sich das Kollegium besonders geehrt fühlte, im Streit zwischen König und Bischof angerufen zu werden.(116)
Auch wenn das Kollegium es nicht für rechtmäßig hielt, dass der König sich über das bischöfliche Vorschlagsrecht (Terna) bei der Besetzung der Pfarrstellen hinwegsetzen könne, (117) am Ende kam dennoch heraus, dass bei dauernder Widersetzlichkeit die Absetzung des Bischofs durchaus am Platze wäre.
Mit diesem Ergebnis konnte Arco durchaus zufrieden sein und dem König berichten und empfehlen, über den mildernden Vorschlag der Innsbrucker Theologen über die bischöfliche Terna glaubte hinwegzusehen, da dies einer Kapitulation gleichsähe, es wäre denn, man wollte gegen die Vorurteile des Publikums in diesem Lande sich durchaus nachgiebiger zeigen.
Nun galt es, den Bischöfen die Widersetzlichkeit nachzuweisen, was bei Buol-Schauenstein sichtlich kein Problem war, bei Bischof Graf Tun von Trient aber kaum eine brauchbare Handhabe zu finden war, um ihm Widersetzlichkeit vorzuwerfen. Dass Thuns Rückhalt im Klerus schwach war, wusste auch der Kreiskommissar Graf Welsperg, der Arco vorschlug dass bei "ernstlichem Vorgehen gegen den Kirchenfürsten nichts zu befürchten stünde, wenn anders die Regierung fest bleibt und ohne Rückschritt vorwärts schreitet." (118)
Das bedeutete nichts anderes, als Thun verhaften und auszuweisen. Arco aber wollte eine "saubere" Lösung und zudem noch die volle Rückendeckung aus München.
Mit einem Schreiben vom 3. September 1807 sollten Thun und Buol-Schauenstein nach Innsbruck: "Zur freundlichen Beilegung der über die Differenzpunkte noch bestehenden Zweifel finde ich nichts geeigneter als eine mündliche Unterredung, wozu ich hoch dieselbe hiermit einzuladen die Ehre habe und binnen vierzehn Tagen hier in Innsbruck erwarte." (119)
In der Zwischenzeit musste Arco allerdings die Genehmigung aus München abwarten, die er für die weitere Vorgangsweise brauchte. Da sie ihm nicht schnell genug einlangten, erlaubte er sich zu urgieren: "Bleibt die Strafe aus, so würden die Ungehorsamen immer kühner, das Publikum ungewisser, und die Regierung, ungern sage ich es, immer weniger geachtet." Um den ursprünglich verlangten Sanktionen noch eins draufzusetzen, sollten auch zwei weitere aufmüpfige Domherren, Zambaiti und Eyrl gemaßregelt werden.
Das königliche Plazet vom 12. September entsprach vollinhaltlich Arcos Vorstellungen und eine ergänzende eigene Weisung: er möge "mit Fragen, welche die Verhältnisse des innern Menschen bei den zwischen Kirche und Staat herrschenden Irrungen berühren und deren Beantwortung von der Überzeugung und dem innern Gefühl abhängt, sich nicht befassen; er habe nur darüber zu wachen, dass die äußern Handlungen der Priester dem Gesetz entsprechen und dass diese das Volk nicht zum Ungehorsam reizen." (120)
Entgegen den Erwartungen von Welsperg und Hofstetten, die sich schon auf eine gewaltsame Vorführung Thuns vorbereitet hatten, - von Buol-Schauenstein glaubte man ja, dass er das Land verlassen habe, trat Bischof Emanuel Graf Thun am 25. September 1807 die Fahrt nach Innsbruck an. Auf der Fahrt dahin traf er sich im Probsteihof mit Buol-Schauenstein.
In Innsbruck zog Arco die mündlichen Verhandlungen vorerst in die Länge, um auch den Churer Bischof in die Hand zu bekommen, von dem man erfahren hatte dass er sich noch immer in Meran aufhalte. Thun, der in seinem Quartier im Gasthof zur Rose wie ein Gefangener gehalten wurde, - man ließ sogar die Stadttore bewachen, - stand unter Arcos massivem Druck, der ihn schließlich dazu brachte, Buol-Schauenstein nach Innsbruck zu locken. Josef Hirn meint Buol-Schauenstein konnte nichts anderes denken, als dass Bischof Emanuel seines Rates und Beistandes bedürfe. Ein Mann der Furcht und des Zagens war er nicht.(121)
Nachdem Arco nun beide Bischöfe in der Hand hatte, konnte das so sorgfältig inszenierte Spektakel am 24. Oktober 1807 seinen Abschluss finden: Auf königliche Weisung wurde Bischof Emanuel Graf Thun wurde unter Eskorte nach Bad Reichenhall gebracht, von wo er sich in sein Salzburger Exil begab.
Mit Buol-Schauenstein, der um kein Jota von seinem Standpunkt abzubringen war, brauchte Arco keinen langen Disput zu führen. Der Bischof wurde nach Martinsbruck an die Schweizer Grenze eskortiert.
Erste Anzeichen aufkeimenden Volkszornes wurden in Landeck, wo Buol-Schauenstein nächtigen musste, bemerkbar. Als bekannt wurde, - es war gerade ein Sonntag, - ein gefangener Bischof befände sich im Gewahrsam der Eskorte, kam es zu einem Tumult und man wollte den Kirchenfürsten mit Gewalt zu befreien. Vorausschauend hatte Polizeikommissär v. Schubert, der den Transport zu führen hatte, mit einem derartigen Zwischen fall gerechnet und rechtzeitig Landeck verlassen können. (122)
Nicht verhindern aber konnte man, dass sich der Vorfall herumsprach und bald im Lande bekannt war, dass zwei Bischöfe mit Gewalt außer Landes gebracht wurden. Jetzt sehe man, dass Bayern das" Wesentliche" der Religion angreife, hieß es und derartiges habe man unter Kaiser Josef nicht erlebt; wer jetzt noch zum König helfe, sei ein schlechter Kerl. (123)
Mit diesen Worten machte ein Bauer aus Hötting einem Unmut Luft und gleichzeitig auch polizeibekannt, denn derartige Äußerungen waren für die überall gegenwärtigen Spitzel der Obrigkeit willkommenes Material, sich beliebt und wichtig zu machen.
Das Jahr 1807 war zu Ende gegangen ohne dass die staatlich verordnete Volksmission imstande war, das Landvolk von ihren vertrauten Christmetten, Ostergräbern und Bittprozessionen abzubringen. Mit der Verbannung der Bischöfe und der Aufhebung der Ständischen Klöster wurde aber auch dem aufgeklärten Teil, der städtischen Bevölkerung bewusst, dass es langsam an die Substanz der jahrhunderte alten Tiroler Eigenständigkeit ging. Denn nach und nach wuchs der Verdacht, dass die vom König garantierten verbrieften Rechte nicht mehr als leere Versprechungen waren.
Diese königlichen Zusagen waren es, die Montgelas zu einer baldigen, und vor allem einheitlichen Regelung drängten, worunter besonders die Provinz Tyrol eine vorzügliche Aufmerksamkeit wegen der Schlussfolge, die vielleicht aus dem Pressburger Frieden auf die Garantie ihrer Verfassung gezogen werden könne und wegen der Einmischung, die das Haus Österreich noch immer in den Tyrollischen Angelegenheiten spüren lässt, verdient. (124)
In der Sitzung der Geheimen Staatskonferenz vom 20. Jänner 1808 genehmigte der König den Antrag Montgelas', für Bayern eine von der Frage eines Reinbundstatuts ganz unabhängige Konstitution zu schaffen,(125) am 1. Mai des gleichen Jahres lag die "Konstitution für das Königreich Bayern" wie sie nun offiziell genannt wurde, zur Überraschung aller Betroffenen aufdem Tisch. Mit der königlichen Anweisung zur Diskretion und die Abfassung des Textes ohne vorheriges Benehmen mit dem französischen Außenministerium, aber unter Berücksichtigung der von Napoleon geäußerten Wünsche vorzunehmen, war allerdings auch die Absicht verbunden, die Tiroler und ihre Ständevertreter im Dunkel zu lassen.
Dies entsprach genau der vorsichtig abwartenden Taktik Montgelas’, wie sie schon 1806 in der Instruktion an Graf Arco zum Ausdruck kommt: Alles zu vermeiden, was Beschwerden erzeugen, als Eingriff in des Landes Privilegien und Verfassung erscheinen könnte. …selbst religiöse Vorurteile sollten bis zu künftiger besserer Volksbelehrung zu dulden. (126)
Tatsächlich lag das Konvolut bereits im Entwurf fertig in der Schublade seines eigentlichen Urhebers Montgelas, und es bedurfte nur mehr einiger Modifizierungen und der Genehmigung des Königs, der seit seinem Regierungsantritt 1799, - damals noch Kurfürst, - unter dem Einfluss der Ideen seines Ersten Ministers Montgelas stand.
Nach Montgelas' Vorstellung sollte die Konstitution gewährleisten, dass das Königreich Bayern künftig mit seinen Provinzen nur einen Staatskörper ausmachen darf, in dem die Gleichheit aller Staatsbürger vor dem Gesetz, die gleiche Steuerpflicht, der gleiche Zutritt zu allen Staatsämtern, die Abschaffung der Leibeigenschaft, die Sicherheit der Person und des Eigentums und vor allem Gewissens- und Religionsfreiheit gewährleistet sein sollten. Nach damaliger Vorstellung konnte das nur ein zentralistisch ausgerichteter Beamten- und Verwaltungsstaat sein, der seinen Bürgern ein Höchstmaß an bürgerlicher Freiheit bieten konnte. Wenn man bedenkt, dass die meisten europäischen Staaten, - dazu zählte auch das Kaisertum Österreich, - noch immer absolutistisch regiert wurden und die Leibeigenschaft in vielen Formen noch anzutreffen war, kommt man nicht umhin, in dieser Konstitution einen Fortschritt in die Richtung einer modernen Zivilgesellschaft zu sehen.
Dazu dürften auch eine Reihe der vorausgegangenen Reformen gezählt werden, wie beispielsweise die Währungsreform vom 26. Juni 1806, die dem Land nach anfänglichen Problemen und Härtefällen (127) eine Verbesserung des Finanzwesens brachte, nachdem das minderwertige österreichische Papiergeld, die so genannten inflationären Bankozettel aus dem Verkehr gezogen und gegen bayerisches Silbergeld umgetauscht werden konnten. Auch kommt es erstmals zur Trennung von Justiz und Verwaltung die praktisch eine Folge der Einrichtung des Generallandeskommissariats war.(128)
Besonders erwähnenswert aber sind die Reformen im Gesundheitswesen. Hier galt es zwei Übel zu beseitigen, die gleichermaßen verheerende Auswirkungen auf die Volksgesundheit hatten: Die Pockenkrankheit und das Kurpfuscherwesen.
An der Pockenkrankheit starben um 1800 in Europa an die 400 000 Menschen, davon allein 7500 in Kurbayern. 90% der Opfer waren Kinder. Als der englische Arzt Edward Tenner 1798 ein sicheres und ungefährliches Impfverfahren erfunden hatte, übernahm Bayern mit einer freiwilligen und flächendeckenden Impfaktion die Vorreiterrolle.
Obwohl der Impfaktion auch in den bayrischen Landen Misstrauen entgegengebracht wurde, war der Widerstand in Tirol von einer verantwortungslosen Hetzkampagne geistlicher Eiferer getragen. Im Glauben, damit die rigorose Vorgangsweise der Kirchenpolizei bekämpfen zu müssen, verstiegen sich manche Geistliche zu der absurden Behauptung, die Bayern wollten den Tirolern unter dem Deckmantel der Pockenschutzimpfung das Luthertum einimpfen.
Dieser unvernünftige Widerstand hatte aber auch etwas Gutes, denn da eine Impfung auf freiwilliger Basis nicht durchsetzbar war, wurde per Verordnung vom 26. August 1807 in ganz Bayern als dem ersten Land der Welt, die Impfpflicht gesetzlich verankert. Dass trotz Krieg und Volkserhebung 1810 die Pocken in Bayern und Tirol weitgehend ausgerottet waren.
Was den Kampf gegen das Kurpfuscherwesen anbelangt, darf sich die sonst nicht zimperliche Ordnungsmacht Bayern rühmen, diesem Unwesen, - in Tirol waren genau 294 Personen als nachweisliche Kurpfuscher listenmäßig erfasst, - Fingerspitzengefühl und Augenmaß bewiesen zu haben.
Anstelle von Verboten, wurden unqualifizierte Bader und Wundärzte angewiesen, sich in eigens gegründeten Instituten für Landärzte Schulungen zu unterziehen. Damit sollten auch die landläufigen Unterschiede zwischen "echten" nur für die Innere Medizin zuständigen Ärzten, und dem "niedrigen" chirurgischen Personal, den Wundärzten und Badern, aufgehoben werden. Die Institute der Landärzte, - eines wurde 1807 in Innsbruck eingerichtet, - sollten mit möglichst geringem Aufwand von Zeit und Mitteln aller Art eine besondere Klasse von Ärzten bilden, die von der Medizin, Chirurgie und Geburtshilfe ausschließlich nur dasjenige erlernet, was sich zunächst auf deren Anwendung am Krankenbette bezieht und zwar nur bei gewöhnlich vorkommenden Krankheiten . (129)
Was hier geboten wurde, war ein modernes und vor allem kostenloses Ausbildungskonzept, zu dem noch ein Jährlicher Zuschuss von 100 Gulden gewährt wurde.
Nach Abschluss der Ausbildung übernahmen sie die Aufsicht über die Wundärzte und Bader, solange dergleichen noch vorhanden sind. Ab 1. Jänner 1811 sollten frei werdende Baderkonzessionen nur mehr an Landärzte verkauft werden dürfen. Da diese Landärzte der Oberaufsicht der Landgerichtsärzte bzw. Stadtphysici standen, kam ihnen quasi die Stellung eines Amtsarztes zu.
Im medizinischen Bereich kann sich Bayern rühmen, das erste Land Europas zu sein, wo es zu derart fortschrittlichen Reformen kam und auch so viel Geld für die medizinische Versorgung ausgegeben wurde. In Tirol, wo sie leider von der ländlichen Bevölkerung nicht angenommen und durch die Kriegsereignisse von 1809 unterbrochen wurde, kam die Fortsetzung nur zögerlich weiter. (130)
Der Liste positiver Aspekte der bayrischen Verwaltung ließen sich noch einige Posten hinzufügen wie der zeitgenossische Historiker und Innsbrucker Universitätsprofessor Dr. Fridolin Dörrer ausführt:
"Unglaublich viel haben die bayerischen Behörden in der kurzen Zeit ihrer Herrschaft in Tirol geleistet. Die innere Struktur und die äußere Sprengeleinteilung der Justiz-, politischen und Finanz-Verwaltung wurden von Grund auf geändert. Manches davon war zu abrupt. hart und folgenschwer, ungewohnt für das land und seine Bewohner, öfter allerdings durch die Person der betreffenden Beamten ..." (131)
Wäre das Reformwerk unter friedlichen Umständen verlaufen, hätte man sich im Laufe der Zeit mit der Realität abgefunden. Dass die traditionelle Tiroler Geschichtsschreibung diesem Teil des bayrischen Reformwerkes, nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt hat, muss man ihr als Versäumnis anrechnen, das man bestenfalls mit der negativen Seite des bayrischen Reformwerkes, wie Kirchenreform und Demontage Tiroler Eigenständigkeit, entschuldigen kann.(132)
Um Montgelas, der bis in unsere Gegenwart in erzkonservativen Kreisen gleichermaßen in Bayern wie in Tirol als Unperson angesehen wird, Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, muss ihm die Absicht, einen modernen Staat zum Wohle seiner Bürger schaffen zu wollen, zugute gehalten werden. So stellt auch der Innsbrucker Universitätsprofessor Dr. Fridolin Dörrer, einer der besten Kenner der Tiroler Landesgeschichte, fest:
Die neue Verfassung hatte Gültigkeit für ganz Bayern und die Abschaffung der Tiroler Privilegien, - ob Vertragsbruch des Pressburger Friedens oder nicht, - erfolgte nicht um das Volk zu unterdrücken, wie die traditionelle Tiroler Geschichtsschreibung behauptet.
Nach Montgelas' humanistischer Vorstellung von Gleichheit aller Staatsbürger, sah er in der Abschaffung der Leibeigenschaft einen zentralen Punkt, während für ihn eine Volksvertretung durch frei gewählte Repräsentanten nicht in Frage kam, denn ein weiser Regent könne auch besser ohne Repräsentation auskommen.(134)
Montgelas hat aber außer Acht gelassen, dass die Tiroler von seiner Art der Volksbeglückung nicht überzeugt waren, zumal ihnen ein wesentliches Element, nämlich die auf demokratischen Grundsätzen beruhende ständische Vertretung fehlte und auch die Abschaffung der Leibeigenschaft auf ein seit Jahrhunderten freies Bauernvolk wenig Eindruck machte.
Die bayrische Konstitution von 1808 konnte für die althergebrachte tirolische Verfassung in den Augen der Bewohner in keiner Weise Ersatz sondern nur Rückschritt bedeuten. Abgesehen davon, dass die von Montgelas geschaffene Reichsversammlung als Volksvertretung keinerlei Kompetenzen hatte, waren es nun die Reichsten im Lande, die die Auswahl der Deputierten zu treffen hatten.
Die Abgeordneten sollten nach der Konstitution von 1808 nicht als Ständevertreter, aber auch nicht als frei gewählte Volksvertreter, sondern unter den Reichen bestimmt werden.
Das bedeutete für Tiroler, denen die Erhaltung der Ständeverfassung, des ungeteilten Fortbestand des Gebietes, sowie ihrer verbrieften Rechte, wichtiger war, als die Zugehörigkeit zum früheren Kaiserhaus, eine Zumutung, die man einfach nicht hinnehmen konnte.(135)
Der schlaue Montgelas hatte ganz bewusst nach der Besitzergreifung auf eine Huldigungszeremonie, zu der die Einberufung eines Offenen Landtags erforderlich gewesen wäre, verzichtet, denn die Einberufung der Stände wäre nämlich einer offiziellen Anerkennung der Herrschaft, aber auch ihrer Verbindlichkeiten gegenüber den Tirolern gleich gekommen, ein Umstand, der ihre Auflösung wesentlich erschwert hätte.
Die entscheidenden Passagen der Konstitution lauteten: Alle besonderen Verfassungen, Privilegien, Erbämter und landschaftlichen Korporationen der einzelnen Provinzen sind aufgehoben. Das ganze Königreich wird durch eine Nationalrepräsentation vertreten...
Die Tiroler glaubte man damit zu beruhigen, indem der Generallandeskommissar am 16. Mai 1808 die Ständevertreter im Innsbrucker Landhaus versammelt hatte, und ihnen die Verordnung über die Auflösung der landschaftlichen Korporationen mitteilte.
Als Trostpflaster wurde ihnen mitgeteilt, dass sie in der Eigenschaft als begüterte Eigentümer in Unserm Reiche auch an der neuen Repräsentation einen eben so ehrenvollen Anteil zu nehmen befugt sind. Damit waren sie in den illustren Kreis der Oligarchen des Landes eingeladen, die künftig die Deputierten zur Reichsversammlung zu bestimmen.
Das war das Ende einer vierhundert jährigen Tradition und es ist keine patriotische Übertreibung, wenn Josef Giovanelli (d. J.) in seiner Denkschrift sagt: "Der Tiroler liebt sein Vaterland, wie die Scholle die er als freier Mann sein Eigen nennet, so auch seine Verfassung über alles, es ist ja seine Existenz daran geknüpft." (136)
Auf die Frage nach den Ursachen, die zur Erhebung von 1809 geführt haben, wird die Aushebung von Rekruten, - allgemein unter dem Schlüsselwort Konskription gebracht, - als eine der Hauptgründe genannt. Inwiefern die Rekrutenaushebung, die mit Jahresbeginn tatsächlich das auslösende Moment für den Aufstand war, muss allerdings bezweifelt und der bereits bekannten historischen Klischee zugeordnet werden.
Die Einleitung der Konskription, - Josef Hirn verwendet die weit verständlichere Bezeichnung Militärstellung, - zum Jahresbeginn von 1809 wurde in der Tat und von allen Kreisen der Bevölkerung als eklatanter Bruch der traditionellen Tiroler Wehrverfassung gesehen.
Denn das im Tiroler Landlibell von 1511 festgeschriebene Wehrrecht verbietet es dem Landesfürsten, wehrpflichtige Tiroler für andere Zwecke als zur Landesverteidigung einzuberufen, oder gar zum Kriegsdienst außer Landes einzusetzen, es sei denn er melde sich dazu freiwillig.
Selbst in diesem Falle war ihm das nur im Dienste des Kaisers gestattet. (142)
Jeder Versuch, diese seit 300 Jahren gültige Bestimmung, zu umgehen oder gar aufzuheben, stieß nicht nur auf Ablehnung der Ständevertreter, sondern wurde von des ganzen Bevölkerung mit an Rebellion grenzenden Widerstand beantwortet. Diese Erfahrung mussten selbst so beliebte Landesherren wie Maria Theresia machen, die 1745 und 1770 das Tiroler Wehrrecht an das der gesamten Monarchie anzugleichen. 1786 kam es dann zu gewalttätigen Ausschreitungen als Kaiser Josef das damals neue Konskriptionssystem ohne Wissen des Landtages einzuführen versuchte.(143)
Die bayrischen Militärbehörden hatten daher einen guten Grund zur Vorsicht, wenn der Forderung nach Aufstellung und Ergänzung ihrer Truppen auch in Tirol nachkommen wollten.
Im Königreich Bayern war die allgemeine Wehrpflicht seit Einführung des Kantonsreglement 1 vom 7. Januar 1805 geltendes Recht. (144)
Das Rekrutierungssystem verpflichtete jeden Bayern zum Dienst mit der Waffe, die Einberufung erfolgte im Wege der Konskription. Stellvertretung und Loskauf waren zwar grundsätzlich nicht erlaubt, doch gab es so zahlreiche Befreiungsmöglichkeiten, von denen Adel, Patriziat, Geistlichkeit, Bürgertum, Intelligenz, Verwaltung, Handel und Gewerbe so ausgiebig Gebrauch machten, dass von einer allgemeinen Wehrpflicht de facto nicht die Rede sein konnte. (145)
1806 hatte die bayrische Armee mit 38 000 Mann und 6 249 Pferden an Napoleons Krieg gegen Preußen und Russland teilgenommen und sie hatte sich auch bewährt. Doch Napoleon, der an seine Alliierten immer mehr Forderungen stellte, verlangte auch von Bayern, seine Truppenstärke um ein gutes Drittel zu erhöhen. (146)
Bayerns Kriegsminister Triva,(147) - er hatte mit seiner Heeresreform aus der bayrische Armee ein modernes Heer geschaffen, das als erstes in Deutschland die Prügelstrafe abgeschafft hatte, - versuchte dieser Forderung tunlichst nachzukommen, ohne aber Tirol, das sich mit der Erhaltung der Garnisonen finanziell überfordert fühlte, noch mehr zu provozieren. Damit aber der Wehrgerechtigkeit im Lande einigermaßen genüge getan war, versuchte man die Truppenergänzungen auf freiwilliger Basis vorzunehmen. Ein Armeebefehl vom 7. Mai 1807 sollte dazu die erforderliche Stimmung unter den jungen Tirolern erzeugen:
Es wird im Lande Tirol eine freie Werbung für ein Bataillon eröffnet, welches sich, ohne dem Beisatze des Namens des Kommandeurs, Tiroler Jäger-Bataillon nennt. Dieses neue zu errichtende Bataillon besteht aus vier Kompagnien; zwei derselben, mit dem Stabe, bilden sich in Innsbruck, eine in Brixen und eine in Trient, von welchen Haupt-Stationen sodann auf den zweckdienlichsten Punkten Werb-Kommando aufgestellt werden. Das Tiroler Jäger-Bataillon entstehet aus National-Tirolern, durch freiwilliges Engagement auf sechs fahre, gegen zwanzig Gulden Hand- und Anbring-Geld; genießt Gage und Brod, nebst den sonstigen Naturalien und Vortheilen, wie die übrige königliche Infanterie... Die zugehende Mannschaft muss ledig, nicht Unter 18 und nicht über 36 Jahre alt sein. (148)
Dieses Angebot konnte sich durchaus sehen lassen und es fanden sich auch etwa 800 junge Burschen bereit, es anzunehmen.
Von entscheidender Bedeutung aber waren die Verlegung der Truppe nach Augsburg und die Kürzung ihrer Löhnung denn die Tiroler Jäger habe man in Augsburg in ihrer Löhnung von 9 auf 5 kr. Reduziert. Darüber, als über einen offenbaren Betrug, hört man die lautesten Schmähungen." (153)
Die Folge dieses Etikettenschwindels waren massenweise Desertionen während des Marsches nach Augsburg. Der Kommandant hatte auf dem Marsch von Tirol bis Weilheim den Abgang von 300 Fahnenflüchtigen zu beklagen und fürchtete, von den ursprünglichen 800 schwerlich viel mehr als ein Viertel bis Augsburg zu bringen. Was aus dem kläglichen Rest der Truppe geworden ist, verschweigt uns die Geschichte. (154)
1807 wurden die alten Bürgerwehren neu organisiert und als Bürgermilitär in allen Städten und Marktgemeinden in ganz Bayern, somit auch in Tirol eingeführt und mit der Aufstellung wurde Anfang 1808 begonnen. Dem modernen Trend zur Volksbewaffnung folgend war man auch von allerhöchster Stelle bemüht, der Schaffung der Bürgermilizen größte Aufmerksamkeit zu schenken. So glaubte man, den in der Tiroler Bürgerschaft noch nicht so recht ausgeprägten bayrisch-patriotischen Geist durch Einbindung in eine paramilitärische Organisation wecken zu können. Auf die Einbindung der Landbevölkerung, die weiterhin ihr Schützenwesen pflegen und betreiben konnte, schien man allerdings keinen Wert zu legen.
An ihm 12. Oktober 1808, dem "Maximilianstag" wurde unter der Aufsicht der Generalkreiskommissäre in allen Landesteilen den aufgestellten Kompanien der Königsschwur abgenommen. In Innsbruck waren das 5 Kompanien in der Gesamtstärke von 360 unter Major Josef Atzwanger, (155) in Hall gab es 2 Kompanien, deren eine der Kronewirt und spätere Freiheitskämpfer Josef Ignaz Straub anführte.(156)
Der Dienst in der Bürgermiliz war für alle Bürger einer Stadt oder eines Marktfleckens verpflichtend, die Wahl der Offiziere und Chargen wurde durch den Magistrat nach nicht näher bezeichneten Kriterien geleitet. Der Aufgabenbereich der Miliz war vorwiegend auf Sicherheitsdienst beschränkt, der nur in der Stadt oder im Bezirk des zuständigen Landgerichts zur Ausübung kommen konnte. Nachdem das selten der Fall war, waren diese Bürgermilizen vorrangig mit Repräsentationsaufgaben beschäftigt um vor allem bei Festlichkeiten für militärisches Gepränge zu sorgen. Die Aufstellung der Milizen wurde in den verschiedenen Städten und Marktflecken mit unterschiedlichem Interesse vorgenommen, fast immer aber gab es im Zuge der Besetzung der Offizierschargen erbitterte Positionskämpfe und Eifersüchteleien, wie beispielsweise in Bozen. Da war Herr v. Ingram zum Major gewählt worden, während Bankier Baron Graff, obwohl Adeliger und Ritter des Theresienordens nur als Gemeiner "einrolliert" wurde.
Baron Graff sah sich daher veranlasste, an höchster Stelle Beschwerde einzulegen, die der König dank seiner bedeutenden Stellung als Bankier, zu seinen Gunsten entschied, nachdem Ingram zum Verzicht auf seine Charge als Major bewegt werden konnte. Baron Graff revanchierte sich auf seine Weise, indem er ein Jahr später ein Doppelspiel als Konfident für Österreich wie für Bayern trieb.(157)
Eine ähnliche Beschwerde der Bozener Magistratsräte, die nur zu Unteroffizieren erkoren wurden entschied der König zu ihren Gunsten und zum Missfallen des gerade zum Generalkreiskommissär ernannten Johann Georg Aretin, der für die Stadt Bozen und die seiner Meinung nach die notorische Aufmüpfigkeit ihrer Behörden wenig übrig hatte, wie aus seiner Stellungnahme an den König zu entnehmen ist.(158)
Das Verhältnis des regulären Militärs zur Bürgermiliz war naturgemäß problematisch und vor allem eine Frage der Zuständigkeit. Obwohl von den Militärs nicht ernst genommen, glaubten diese, Befehlsbefugnisse zu besitzen, während die Zivilbehörden ihre Zuständigkeit von der Tatsache ableiteten, dass sie die Vereidigung vorgenommen hatten.
Damit war der Skandal, der sich anlässlich der Fahnenweihe im Oktober 1809 in Innsbruck ereignete, vorprogrammiert.
Die vom König persönlich gestiftete Fahne, - sie wurde vom München an den Militärbefehlshaber General Kinkel gesandt, - sollte offenbar in einer vom Militär organisierten Parade feierlich an das Milizbataillon übergeben werden. Generalkreiskommissär Graf Lodron, den General Kinkel zwar eingeladen aber keinerlei Funktion an der Zeremonie eingeräumt hatte, - für die Abnahme des Eides war ein Militärauditor vorgesehen, - war auf das höchste brüskiert und das nicht nur er. Auch die meisten der Bürgeroffiziere fühlten sich verunsichert und glaubten, man wolle die Bürgermiliz in das Militär eingliedern.
Da sich Lodron aber auf eine königliche Verordnung berufen konnte, musste Kinkel klein beigeben und Lodron den Part der Vereidigung überlassen. Der so gekränkte Kinkel konnte es jedoch nicht lassen, den Zivilisten die Feier ordentlich zu versalzen: Als nach dem Gottesdienst sich die Mannschaft auf dem Rennplatz zur Eidesleistung aufstellte, entfernte sich fast das ganze Offizierkorps demonstrativ, und gerade während der Verlesung der Formel und der gewechselten Ansprachen Lodrons und des Milizmajors ließ Kinkel seine ausgerückte Mannschaft mit klingendem Spiele vorbeimarschieren, so dass niemand ein Wort verstand.
Der Schuss, den Kinkel gegen Lodrons Zivilbeamte abzufeuern dachte, ging allerdings nach hinten los, denn der etwas einfältige General hatte übersehen, dass er selbst für den Gesamtablauf zuständig war. So konnte der Generalkommissär dem König berichten, die Feier habe fast alles an ihrer Würde eingebüßt, alles Volk habe die Dinge gesehen und besprochen. (159)
Selbst in Wien, wo man alles was sich in Tirol ereignete, größte Aufmerksamkeit schenkte, bemerkte ein Polizeibericht, bei der Beeidigung der Milizen in Tirol wurde nur ein unverständliches Gemurre gehört; man glaube, dass kein einziger einen ordentlichen Eid geleistet habe.(160)
All das konnte dem Ansehen der Bürgermiliz kaum nützlich gewesen sein wobei der Staat selbst noch sein Übriges beitrug, indem er bei der Bewaffnung und Ausrüstung auf vollen Sparkurs ging. Für Waffen und Ausrüstung mussten die Milizen entweder selbst aufkommen, die das Münchener Zeughaus zu 4 1/2 Gulden je Gewehr anbot oder sich mit Musketen, Bajonetten und Säbel begnügen, die sich noch in den alten Magazinen der Landschaft befanden.
So musste Lodron dem König melden, die Bürgerwehr in Hall und Imst sei mit ganz unbrauchbaren Rohren versehen, sie seien eine Gefahr für die Mannschaft und dem Publikum ein Gegenstand des Spottes, man möge sie doch gegen bessere umtauschen.
Dem Wunsch wurde zwar entsprochen, jedoch unter der Bedingung dass der Rücktransport der unbrauchbaren Ausrüstung von den Milizen zu bezahlen sei, weil sie bei der Übernahme keinen Einwand erhoben hätten. (161)
Die Milizen aber waren der Meinung, für solche Ware sei es um jeden Kreuzer schade, lehnten jede weitere Ausgabe ab. Somit blieb man also bei den alten Waffen, denn zum Soldatenspielen reichten sie allemal.(162)
Damit war auch der zweite Versuch der Aufstellung einer bewaffneten Macht nicht gerade das, was die Forderung nach einer Verstärkung der Bayrischen Armee aus der Wehrkraft der Tiroler erfüllt hätte. Dagegen aber werden die Mahnungen Napoleons an den Verbündeten immer dringender, zumal das Jahr 1809 angebrochen, und ein neuerlichen Krieg mit Österreich nur noch eine Frage der Zeit war.
Bereits Ende 1808 musste Kriegsminister Triva (163) den Abgang von 891 Mann bei dem in Tirol stehenden Regiment Kinkel und beim Bataillon Günther feststellen und Montgelas um schnelle Komplettierung drängen. Zwar gab die neue Konstitution, die für das gesamte Königreich auch die einheitliche und ausnahmslose Durchführung der Konskription vorsah, eine rechtliche Handhabe, doch war man eingedenk des Josefinischen Debakels der Ansicht dass schon das Wort Konskription genüge, um in Tirol eine Panik hervorzurufen. Diese Erfahrung hatte man bereits im Januar 1807 beobachten können, als die Kunde vom Weiberaufstand von Krumbach, auch in Tirol bekannt wurde. In Vorarlberg, das sofort nach der Besitzergreifung 1806 aus der Grafschaft Tirol ausgegliedert wurde, glaubte man mit der Einführung der Konskription leichtes Spiel zu haben, obwohl auch hier die Stände heftig protestierten.
Damals stürmten an die hundert aufgebrachte Mütter das Konskriptionsbüro von Bezau und verbrannten sämtliche Musterungsrollen. Anlass gab die zu Jahresbeginn 1807 angeordnete Konskription in Vorarlberg, das schon seit 1806 aus dem Verband der Grafschaft Tirol herausgelöst war. Hier glaubte man, sich eine Truppenaushebung leisten zu können, obwohl auch hier die Stände Widerstand angekündigt hatten. (164)
Dank dieser kleinen aber eindrucksvollen Rebellion, die gottlob ein versöhnliches Ende genommen hatte sich die Kunde von der in Vorarlberg eingeleiteten Konskription in Tirol wie ein Lauffeuer verbreitet.
Die Folge war, dass eine größere Zahl junger Leute bei den Polizeidienststellen um Pässe zur Auswanderung in das Ausland ansuchten und, nachdem man ihr Anliegen verweigert hatte, in den Bergen verschwanden oder über die Grenze in das österreichische Salzburg flüchteten. Eingedenk dieser Erfahrungen, aber unter dem Zwang der Verhältnisse, - das politische Barometer deutete auf einen neuerlichen Krieg, - war man daher bestrebt mit Behutsamkeit dieses heiße Eisen der Konskription aufzunehmen.
Nachdem die Beratungen über das Konskriptionsgesetz Anfang Jänner 1809 endlich abgeschlossen waren, lag das Provisorische Militärergänzungsstatut für Tirol am 29. Januar 1809 auf dem Tisch:
Damit das Land für den Anfang nicht zu sehr beschwert wird, soll dort die Stellung so vorgenommen werden, wie sie der alten Zuzugsordnung der früheren Landmilizregimenter entspricht, unter möglichster Anwendung des bestehenden Kantonreglements. Demzufolge sollten 1000 Mann zur Komplettierung des Regiments Kinkel, des 2. und 7. leichten Infanteriebataillons, alles Einheiten, die in Tirol stationiert waren, ausgehoben werden. (165)
Dieser Verordnung ist zu entnehmen, dass die auszuhebenden Rekruten zur Auffüllung der im Lande befindlichen Garnisonen bestimmt waren und nicht wie stellenweise behauptet wird, mit der Verbringung der Tiroler in Quartiere außerhalb Tirols das Aufstandsrisiko zu vermindern sollten.(166)
Aufgeteilt auf die Kreise waren 368 Rekruten im Innkreis, 304 im Eisackkreis und 359 im Etschkreis aufzubieten.
| Landgericht | Einwohner | Stellungspflichtige | Vorgeschriebene Zahl der Rekruten |
|---|---|---|---|
| Innsbruck | 35 549 | 158 | 66 |
| Telfs | 24 752 | *) | 40 |
| Schwaz | 22 041 | *) | 45 |
| Reutte | 16 345 | *) | 40 |
| Rattenberg | 19 945 | *) | 39 |
| Laudeck | 32 201 | *) | 50 |
| Kufstein | 28 267 | *) | 50 |
| Fürstenburg | 22 690 | *) | 38 |
| Summe | 201 790 | 1000-1200 | 66 |
Die hier angeführten Zahlen entsprachen der Tiroler Zuzugsordnung in der Fassung von 1802 und wurden anhand der Zählung der bayrischen Behörden von 1807 von der Münchner Zentralstelle errechnet. Was die Befreiung und Stellvertretung anbelangt, dürften auch hier die Bestimmungen von 1802 gegolten haben.
Am 8. Februar wurde diese Verordnung allen Gerichtsstellen der drei Landkreise mitgeteilt Man schärfte den Richtern, welche die Stellung abzuwickeln hatten ein, jede individuelle Begünstigung und Bedrückung zu vermeiden, und den Untertanen durch rücksichtsvolle Behandlung die Last zu erleichtern, das Generalkommando wurde angewiesen, die ankommenden Konskribierten mit Freundlichkeit zu behandeln. Weiters sollten die Generalkommissariate Vorkehrungen gegen Widersetzlichkeiten und Fluchtversuche der Stellungspflichtigen zu treffen und alles zu vermeiden, was Aufsehen erregen könnte. (167)
Nach landläufiger Ansicht waren es Widersprüchlichkeiten, die sich aus der Anweisung an die Richter ergaben, die Konskription nach der Zuzugsordnung unter möglichster Anwendung des Kantonsreglements durchzuführen.
Das trifft jedoch nur insoweit zu, als die Durchführungsbestimmungen für das Kantonsreglement von 1805 den Richtern völlig unbekannt waren, weil der bayrische Amtsschimmel die Tiroler Ämter nur mit den Gesetzblättern und Verordnungen ab dem Jahrgang der Übernahme, - das war Jänner 1806, - beteilt hatte. Das 1805 verordnete Kantonsreglement musste daher nachgereicht werden, und zwar zu einem Zeitpunkt als die Konskription bereits eingeleitet war.(168)
Das war aber nicht das Kernproblem.
Das lag vielmehr an der Tatsache, dass es die drei Generalkreiskommissäre Lodron, Aretin und Welsberg nicht der Mühe wert fanden, sich zu einem gemeinsamen Vorgehen abzusprechen. Das wäre alleine schon erforderlich gewesen, um sich darauf zu einigen, welche Jahrgänge in die Musterungslisten aufzunehmen wären.
Man kann davon ausgehen, dass den Generalkreiskommissären und ihren unmittelbar unterstellten Beamten das Kantonsreglement geläufig war, nach dessen Bestimmungen seit 1805 die Konskription regelmäßig jedes Jahr durchgeführt wurde. Im derselben wiederkehrenden Folge waren die in allen Landgerichten aufliegenden Konskriptionslisten auf den aktuellen Stand zu bringen und bis Ende Jänner den Kreiskommissariaten vorzulegen. In diesen Listen waren alle männlichen Untertanen des Gerichtsbezirks im Alter von 16 bis 40 Jahren aufzunehmen, weil 16 Jahre als das Mindestalter für einen freiwilligen Wehrdienst zu berücksichtigen war. Diese etwas verwirrende Bestimmung, - die Wehrpflicht bestand bekanntlich erst ab dem 19. Lebensjahr, - sorgte vor allem bei jenen Beamten für Missverständnisse, denen das Kantonsreglement nicht geläufig war. Hingegen wusste sie aus der
Dagegen stand die Zuzugsordnung, wie sie in der Fassung von 1802 zu handhaben war, in der das Mindestdienstalter von 18 Jahren festgelegt war. Es hätte daher einer eindeutigen Weisung bedurft, nach welcher Ordnung die Musterungslisten zu erstellen wären. Dazu kommt, dass in Tirol seit Ende 1805 keine Musterrollen mehr geführt wurden und daher vollkommen neu angelegt werden mussten. All das hatten die 3 Generalkreiskommissäre offensichtlich übersehen, bzw. zu regeln verabsäumt.
Während Aretin und Welsberg eine von München angeordnete Verschiebung der Konskription, - sie war mit königlichem Befehl von 17. Februar 1809 angeordnet worden, nutzten, um klärende Weisungen abzuwarten, - hatte Lodron schon zwei tage vor Kenntnisnahme der Verschiebung, den Landgerichten im Innkreis den Auftrag erteilt, die Konskriptionslisten, bzw. Musterungslisten, wie sie im Sprachgebrauch der Zuzugsordnung hießen, binnen acht Tagen vorzulegen. Dass er die Richter zuerst anwies nur die 18- bis 21-Jährigen aufzuzeichnen, lässt schließen, dass er nach der Zuzugsordnung vorgehen wollte, seine Tags darauf ergangene Weisung die Listen auf die 16- bis 40-jähtigen Wehrpflichtigen, - das entspräche dem Kantonsreglement, - auszudehnen, dürfte daher eher als Korrektur, denn als eine unmotivierte Aufbürdung von Mehrarbeit, wie Josef Hirn diese Maßnahme interpretiert, anzusehen sein.(168)
Lodrons spätere Behauptung, die bei den Landgerichten aufkommende Rechtsunsicherheit sei auf die Widersprüchlichkeit der Durchführungsbestimmungen zurückzuführen, kann daher nur als Ausrede für all die Probleme und Widersetzlichkeiten, die sich aus seinem vorauseilendem Gehorsam ergeben habe, angesehen werden.
Richter Christian Schguanin aus Glurns bringt es mit seinem Bericht vom 19. Februar auf den Punkt: "Jedermann fragt, was steht im Reglement, und da muss nun die Behörde selbst an die Brust klopfen und sagen, dass sie es nicht weis, und deshalb ist der Vorwurf nicht leer, die Obrigkeit sei voreilig an die Sache gegangen. Auch fühlen sich die Leute ganz unglücklich. Der Bauer würde gewiss nicht soviel Arbeit auf den unfruchtbaren Boden gewendet haben, hätte er gewusst, dass seine Söhne zum Militär müssen. Ich möchte doch bitten, an höchster Stelle die Nach. sicht der Aushebung für die hiesige Gegend zu erwirken." Nur glaubt der Richter, nicht Lodron, sondern die Münchner Behörden dafür verantwortlich machen zu müssen.
Waren sich schon die 3 Generalkreiskommissäre über ihr Vorgehen nicht einig, glaubte man seitens der militärischen Führung, der Konskription eine weitere Variante unsinniger Bestimmungen hinzufügen zu müssen. Obwohl er dazu keinerlei Befugnis hatte, erließ General Kinkel in allen drei Kreisen die Verordnung, dass alle konskriptionspflichtigen Burschen sich an einem Tage in der Hauptstadt des Kreises versammeln müssten.
Diesem Unsinn konnte gerade noch durch den Protest der Generalkreiskommissäre
Einhalt geboten werden. "Man denke nur, wie sich das ausnehmen soll, wenn der Gerichtsdiener von Kufstein oder von Fürstenburg eine Menge unwilliger und übermütiger Bursche nach Innsbruck geleiten soll: entweder entlaufen sie ihm auf dem Wege von 20-30 Stunden Länge, oder sie treiben in der Hauptstadt allerlei Unfug. schrieb Lodron an den König. (169)
Zu dieser Eigenmächtigkeit, die in jedem anderen Land die Entfernung vom Posten, zumindest aber einen scharfen Verweis zur Folge gehabt hätte, stellte das Kriegsministerium lediglich fest, Kinkel sei von falschen Auffassungen geleitet.
Mit dem Kriegsminister im Rücken konnte Kinkel daher weiter den starken Mann spielen und Lodrons höfliches Ersuchen, seine Aktivitäten fürderhin mit den Zivilbehörden abzusprechen, auf schroffe Weise antworten, das sei nie Brauch gewesen.(170)
Ganz nach Kinkels Geschmack war eine Weisung, die Mitte Februar aus München eintraf. Hier wurde angeordnet, die Gasthöfe aller Städte und größeren Ansiedlungen nach beschäftigungslosen Burschen zu durchsuchen, um sie sogleich zum Militär zu stecken.
Abgesehen von der Gesetzwidrigkeit dieser Anordnung war, erzeugte sie das Gegenteil dessen, was man sich erwartet hatte: So marschierten 20 Mann der Schwazer Garnison unter Trommelschlag in Hall ein, durchpolterten alle 23 Wirtshäuser und fanden nicht einen. Natürlich! beim Lärm der aufziehenden Truppe hatten sich alle aus dem Staub gemacht." So der Schwazer Richter Bohonowsky in seinem Bericht an seine vorgesetzte Dienststelle.(171)
Besser schien die Aktion in Innsbruck zu laufen, wo 36 Burschen aufgegriffen werden konnten. Allerdings waren sie bald wieder frei, nachdem sich herausgestellt hatte dass es sich um die ordentlichen und unentbehrlichen Gesellen aus Handwerksbetrieben handelte. Nur im Etschkreis wurden 23 Handwerksburschen, die auf der Walz und daher ohne Arbeitsstelle waren, aufgegriffen, sogleich in die Montur gesteckt und den Bezirken, wohin sie gehörten, gutgeschrieben.(172)
Lodrons Voreiligkeit und Kinkels Säbelgerassel zeigten bald Wirkung, aber nicht im Sinne der Veranstalter.
Am 21. Februar 1809 hatte Richter Matthäus Purtscher von Schlanders hatte die Gemeindevorsteher zu sich berufen, um mit ihnen die Stellungslisten abzuschließen. Anstatt aber das geplante Vorhaben zu beginnendem, gaben die Dorfschulzen folgende Erklärung zu Protokoll: "Im achten Artikel des (Pressburger)Friedensschlusses ist die Bedingung gestellt, dass Tirol seine alte Verfassung behalte, und 1806 hat dies der König noch feierlich versprochen. Wir sind zwar demselben zum Gehorsam verpflichtet, aber wir sind Vertreter unserer Gemeinden und müssen den Willen derselben ausführen. Man kann es uns daher nicht übel nehmen, wenn wir bei einer Sache nicht mit tun, welche unseren Gemeinden so verhasst ist." (173)
Richter Purtscher blieb nicht anderes übrig, als den Vorfall zu protokollieren und den Bauern ihr gesetzwidriges Verhalten vor Augen zu führen. Lodrons Dank für seine besonne Vorgangsweise war ein strenger Verweis, den aufmüpfigen Bauern wurde eine militärische Einquartierung verordnet.
Eine Woche danach ereignete sich Ähnliches in den Fernpassgemeinden Lermoos, Biberwier und Berwang. Hier war das aus München anrückende Militär rasch zur Stelle, so dass die Rädelsführer bald ermittelt und mit Stockstreichen bestraft und die aufmüpfigen Dörfer mit einer Einquartierung gemaßregelt werden konnten. (174)
Auch die Propaganda Österreichs zeigt Wirkung, denn der immer öfter von den Bauern vorgebrachte Hinweis auf den Artikel VIII. des Pressburger Friedens, war auf den überall auftauchenden Flugzetteln und Anschlägen deutlich zu lesen.
Die Generalkreiskommissäre im Eisack- und Etschkreis hatten es weniger eilig als Lodron und hielten sich fürs Erste an die vom König gebotene Verzögerung. Graf Welsperg hatte sich sogar die Mühe gemacht, eigene Durchführungsbestimmungen seine Beamten herauszugeben, dar rechtzeitig erkannt hatte, dass diesen das bayrische Kantonsreglement weitgehend unbekannt war. Auch war er für eine Zusammenarbeit mit der Geistlichkeit, mit der er einen großen Vorsprung zur glücklichen Durchführung dieses Geschäftes zu gewinnen hoffte (175)
Dasselbe versuchte auch Aretin, der den Bischof von Brixen ersuchte, er möge dem Klerus vorhalten, bei jeder Gelegenheit die Bevölkerung an ihre Pflicht zu mahnen. (176)
Nur Lodron blieb stur bei seiner Auffassung: Die Geistlichkeit, die überhaupt unzuverlässig ist, will ich gar nicht ansprechen, weil die Regierung keine Schüchternheit und Furcht verraten darf.(177) So seine Antwort an Aretin, der ihm eine gemeinsame Vorgangsweise vorschlagen wollte.
In München, wo man über diese Vorfälle wohl unterrichtet war, war man überzeugt die Konskription, die nun in die entscheidende Phase der Musterung treten sollte, nicht ohne verstärkte militärische Präsenz abwickeln zu können.
Nachdem die Musterungslisten endlich fertig gestellt waren, - größere Schwierigkeiten gab es bekanntlich nur im Innkreis, - erging am 8. März die Weisung, mit den Musterungen zu beginnen.
Nun galten endgültig die Bestimmungen des Kantonsreglements, die den Richtern eingehend eingeschärft wurden. Das galt vor allem für die unter verschiedensten Titeln eingebrachten Befreiungswünsche der verschiedensten Berufsgruppen wie Postillione, Stadtschreiber und viele andere Bedienstete die im öffentlichen Interesse wirkten, wie etwa die Holzknechte der Hirnschen Kompagnie nur militärfrei sind, wenn sie wirklich in der Salinenholzarbeit stehen und unentbehrlich sind. (178)
Obwohl erst am 8. März die Durchführungsbestimmungen für die Musterung, - von den Bauern Leuteabmessen genannt, - bei den Gerichten eingetroffen waren, wollte Lodron wieder der schnellste sein und ließ den 11. März als Musterungstermin für die Stadt und den Landbezirk Innsbruck verlautbaren.
So genau die Berichte um die Vorfälle der Konskription von den Historikern beschrieben wurden, so wenig wissen wir über die Details dieser Prozedur, die von den Bauern als treffend Leuteabmessen genannt wird.(179)
Die Musterungskommissionen tagten am Sitz des jeweiligen Landgerichtes, bzw. in einem dazu geeigneten Gastlokal. Den Vorsitz führte offensichtlich der Landrichter, während ein Konskriptions-Kommissär als Vertreter der Truppe fungierte. Die nähere Auswahl erfolgte anhand der vorliegenden Musterungslisten, in die alle Wehrpflichtigen des jeweiligen Gerichtsbezirks vom 16. bis 40. Lebensjahr, soweit sie nicht vom Wehrdienst befreit waren,
Die Feststellung der körperlichen Eignung wurde von einem Arzt, - meist war es ein Militärarzt, - getroffen. Danach wurde dem Wehrpflichtigen von der Kommission der Grad seiner Tauglichkeit mitgeteilt. in die nähere Auswahl kamen nur die volltauglichen, während beschränkt oder ganz untaugliche Personen zurückgestellt wurden.(180)
War die Zahl der gemusterten tauglichen Wehrpflichtigen höher als das zu stellende Kontingent, wurde mittels Würfel entscheiden, wer tatsächlich eingezogen wurde. Um jeglicher Manipulation vorzubeugen, ruft der Richter jeden einzeln zum Würfeln in sein Amtszimmer und notiert die geworfene Zahl. Diejenigen, die die höchsten Zahlen geworfen haben als ausgehobene Rekruten.(181) Die Art ihrer Überstellung zur Truppe erfolgt den Verhältnissen entsprechend entweder unmittelbar nach der Musterung in einer Eskorte oder sie werden erst später gesammelt und ihrer Bestimmung zugeführt.
Obwohl Generalkreiskommissär Graf Welsberg seiner Musterungen mit Zuversicht entgegensah, sollte sein Kreis der Erste sein, in dem es zu folgenschweren Gewalttätigkeiten kommt.
Das Fleimstal, - italienisch Val di Fiemme, - hatte seit dem Mittelalter, als es noch zum Bistum Brixen gehörte eine Sonderstellung, die es verloren hat, als Tirol zu Bayern kam. Das allein mag schon dazu beigetragen haben, dass die Bevölkerung der bayrischen Herrschaft nicht gewogen war. Diese an sich schon empfindliche Einstellung der Bevölkerung wusste der amtierende Landrichter Torresanelli, obwohl selbst alteingesessener Talbewohner, durch Präpotenz und Liebdienerei noch zusätzlich anzuheizen.
Es entsprach daher ganz seiner selbstgerechten Einstellung, gegen alle Regeln und gute Ratschläge die Musterung in den Dörfern und nicht an seinem Gerichtssitz abzuhalten. Schon in Predazzo dem ersten Ort seiner Amtshandlung, sah er sich einem aufmüpfigen Publikum gegenüber. Von der drohenden Menge auf das Äußerste erschreck, ließ er sich einen Revers abnötigen, in dem er erklärte, Predazzo von der Konskription auszunehmen. Der also eingeschüchterte Torresanelli, - er wagte es nicht einmal an seinen Amtssitz Cavalese zurückzukehren, - begab sich nun nach Trient, wo er seinem Protektor Welsperg einen reichlich übertriebenen Bericht lieferte.
Dieser hasenfüßige Rückzug der Obrigkeit und Torresanellis schriftliche aber rechtlich wertlose Verzichtserklärung ließ denen von Predazzo den Kamm schwellen. Verstärkt durch Zuzüge aus den Nachbargemeinden, besonders von Ziano, besetzten sie jetzt auch den Hauptort des Tales und konfiszierten dort Gemeindegelder und ärarische Pulvervorräte.
Nun war das Militär am Zug und ein Bataillon unter dem Kommando von Oberst Ditfurth zog in das Fleimstal, um Ruhe und Ordnung wiederherzustellen. In Cavalese war noch alles friedlich aber als die Vorhut vor Predazzo erschien, wurde sie mit heftigem Feuer empfangen.
Als aber das Bataillon geschlossen zum Angriff vorrückte, war die Schneid dahin und Ernüchterung war angesagt, - und das im wahrsten Sinn des Wortes, denn allenthalben war auch der Alkohol im Spiel.
Oberstleutnant Ditfurth tat, was er tun musste. In Predazzo, das er für den Unruheherd hielt ließ er 15 Männer, - zwei davon waren Geistliche, - als Anstifter festnehmen. Mit Ausnahme der Geistlichen ließ er sie verprügeln und nach Trient verbringen. Die Fleimstaler Rebellen waren somit auch die ersten Opfer des Aufstandes von 1809. Von Welsperg in der Festung Mantua einkerkert, verbüßten sie zusammen mit den später gefangen gesetzten Aufständischen auf der Insel Elba eine Tat bei der außer zwei bayrische Soldaten leicht verwundet, niemand getötet wurde. (182)
Welspergs Zuversicht war nun auch dahin, als er dem König berichtete: Von den Pflichtigen wird sich keiner gutwillig stellen, denn der Abscheu vor dem Militär ist beim Volk zu groß und zu allgemein. Wenn bloß Gerichtsdiener die jungen Leute begleiten müssten, so ist das so viel, als wenn einer oder zwei 14 bis 20 nach Flucht dürstende Individuen hüten sollten. Ich bitte daher um Militär zur Begleitung. (183)
Besonders aber ärgerte ihn, dass sich die Fleimstaler mit ihrer Rebellion in einem Punkt durchgesetzt hatten: Ob er wollte oder nicht, seinen Schützling Torresanelli musste er von seinem Posten entfernen.
Die Musterung für die Stadt und den Landbezirk Innsbruck sollte am 11. März erfolgen.
In Innsbruck stellten sich von 39 Pflichtigen 12 Burschen. Von den 27 Abwesenden war allerdings die Hälfte entschuldigt. Von den 12 Erschienen durfte einer wieder nach Hause gehen, nachdem er die geringste Augenzahl beim Würfeln geworfen hatte, die übrigen 11, - so viel betrug die Zahl der von der Stadt zu stellenden Rekruten, - wurden in das Servitenkloster gesperrt, damit sie nicht entweichen konnten.(184)
Schon bei Betrachtung der Zahl der in Innsbruck zu stellenden Wehrpflichtigen, - es sind nur 11 Personen von etwa 10 500 Einwohnern,(185) fällt auf, dass die städtische Bevölkerung von den zahlreichen Befreiungsmöglichkeiten am meisten Gebrauch machen konnte:
Wenn im bayrischen Kantonreglement nicht so viele Ausnahmen und Befreiungen vorgeschrieben wären, wäre es leicht, die nötige Anzahl zu stellen, und Bürger und Bauern würden sich mit Freude in die Reihen gestellt haben, hätten sie gesehen, dass Leute von höherem Stande nicht befreit sind. (186)
Zur Blamage aber wurde die Musterung der Wehrpflichtigen der umliegenden Dörfern: Von 119 Einberufenen waren drei Personen im Gerichtsgebäude in Innsbruck erschienen. Für die Abwesenden, kamen die Väter oder Vormünder, die angaben dass ihre Söhne entweder in die Gebirge oder nach Österreich entlaufen seien.
Graf Lodron berief seine Beamten zur Beratung. Kreisrat Heffels der als Zivilkommissär die Vorgänge bei der Stellung genau verfolgt hatte, war aufgefallen, dass die Bauern immer wieder die gleichen Argumente vorbrachten. Das klang verdächtig nach Verabredung und eingelernter Propagandaparolen, die darauf abzielten, die Konskription zu vereiteln, - fünf Wochen vor Kriegsausbruch begannen Österreichs Ausrufe eben Wirkung zu zeigen.
Wohl oder übel mussten aber auch Maßnahmen gesetzt werden, die Konskription mit militärischen Mitteln durchzusetzen. Kinkel entsandte eine Kompanie nach Steinach in das Wipptal, eine weitere wurde auf die Gemeinden im südlichen Mittelgebirge von Innsbruck aufgeteilt: Der Kompaniekommandant Hauptmann Zoller besetzte mit 70 Mann Axams, ein Zug unter einem Leutnant ging mit 32 Mann in das Nachbardorf Birgitz und 15 Mann kamen nach Götzens.
Der Rest der Truppe wurde regelrecht in der weiteren Umgebung Innsbrucks verzettelt: 12 Mann in Hötting, ein Leutnant mit 21 Mann in Patsch, ein anderer Offizier besetzte mit 35 Mann das südöstlich gelegene Mittelgebirge, wo sie auf die Dörfer Lans, Aldrans und Sistrans verteilt wurden.
Am 12. März 1809 sollte die Besetzung der Dörfer vollzogen sein und man glaubte, auf diese Weise mehrere Hundertschaften rebellischer Burschen einfangen und die Dörfler einschüchtern zu können. Doch außer dem Strafeffekt der drückenden Einquartierungslasten, erreichte man so gut wie gar nichts. Im Gegenteil, nun verschwanden auch Leute, die altersmäßig von der Stellung gar nicht betroffen waren.
Trotz strengster Anweisung an die Truppen, sich jeder Provokation zu enthalten, kam es in Axams gleich nach dem Eintreffen von Hauptmann Zollers Einheit einen Vorfall, der sofort böses Blut machte. Es war Sonntag, 14 Tage vor Ostern und die Dörfler kamen gerade vom Nachmittagsgottesdienst aus der Kirche, als ein Sergeant die Heraustretenden mit den Worten begrüßte: "Das sind rüstige Bursche zum Militär." Als Antwort auf diese unpassende Feststellung liefen über Nacht alle, was sich irgendwie stellungspflichtig fühlten, davon, sodass am nächsten Tag auch nicht ein Bursche im Dorf zu erblicken war. (187)
Da Hauptmann Zoller glaubte, nach den Flüchtigen suchen zu müssen, war die Kompanie bald in alle Windrichtungen zerstreut. Ein Trupp geriet dabei nach Kematen, wo man im Wirtshaus Flüchtlinge vermutete aber keine fand. Dafür ließ sich der Feldwebel auf eine Diskussion mit den Bauern ein, um ihnen die Militärstellung plausibel zu machen. "Du magst reden, was du willst, noch lebt der Kaiser Franz " war alles, was die Bauern darauf zu sagen hatten.
Hauptmann Zoller traf auf einem seiner Erkundungsritte, die er unvorsichtiger weise allein unternahm, auf zwei bewaffnete junge Männer. Anstatt seiner Aufforderung, ihm die Waffen zu übergeben, brachten sie ihre Gewehre in Anschlag. Das reichte um Zoller in Panik zu versetzen und Hals über Kopf ins Dorf zu galoppieren, wo er Alarm schlagen ließ.
Die Auswirkung von Zollers Überreaktion waren gleichermaßen verwirrend für die Soldaten wie auch für die Dorfbewohner, die meinten, das Militär würde zum Angriff übergehen.
Um das Dorf herum zeigten sich Leute, welche das nächstbeste als Wehre ergriffen hatten, und bald hörte man vom gegenüberliegenden Oberperfuss Sturmgeläut. Bald tönten auch die Glocken von Inzing und Flaurling. doch in diesen Orten wussten die Leute schon nicht mehr, um was es sich handle. Es hieß, in Axams sei Feuer ausgebrochen, daneben wurde wohl auch gemunkelt, es sei etwa wegen der Stellung. In Oberhofen und Pfaffenhofen bei Telfs blieb es ruhig, weil die Pfarrer die Leute davon abhielten. (188)
Im Grunde genommen war es nur viel Lärm um Nichts, da kaum jemand wusste, was überhaupt los war, ausgenommen die Burschen, die bals danach ihre Verstecke wieder verlassen hatten um ihrer österlichen Pflichten nachzukommen; rechtzeitig gewarnt konnten sie ja schleunigst wieder verschwinden.
Auf die Bayern, oder besser gesagt, auf Hauptmann Zoller, hatte der Krawall jedoch Eindruck gemacht, denn er ging er den Bauern voll auf den Leim, die ihm Schauermärchen vom Anrücken einiger tausend bewaffneter Männer erzählten und drängten seine Truppe abzuziehen.
Der nun vollkommen eingeschüchterte Offizier gab Befehl zum Abrücken, und zwar so schleunig, dass er eine Patrouille, die er in das Sellraintal geschickt hatte, einfach vergessen hatte.
Hätte er die Rückkehr der Patrouille und deren Bericht abgewartet, wäre ihm diese Blamage erspart geblieben: Im Sellrain hatte sich zwar eine größere Zahl von Bewaffneten gesammelt, aber keineswegs so viele, um nicht mit ihnen fertig zu werden. Dafür aber waren ein halbes Hundert Axamer mit den 12 zurückgelassenen Bayern bald fertig.
Entwaffnet und in einem Wirtshaus festgehalten, umringt von Männern mit Spießen und Dreschflegeln wurden sie genötigt, im Wirtshaus einen Imbiss einzunehmen, der ihnen kaum geschmeckt haben dürfte. Nach einigen Stunden zweifelhafter Gastfreundschaft durften sie den Marsch nach Innsbruck antreten, verabschiedet mit höhnischen Bemerkungen, man würde bald nachkommen und der König sei ein Spitzbub und Kirchenräuber, den sie nicht länger haben wollten.
Der Abzug von Zollers Kompanie hatte in Innsbruck panikartige Reaktionen ausgelöst und man sah schon im Geiste die Bauernmassen gegen die Stadt heranstürmen. Kinkel sandte ein ganzes Bataillon entgegen, den Aufstand zu ersticken, die Innsbrucker Bürgergarde machte mobil um die von Truppen entblößte Hauptstadt zu schützen und die Bürgerschaft machte die Läden dicht.
Als das Militär im Mittelgebirge eintraf, war alles ruhig. Die Burschen hatten sich wieder auf ihre Almen verzogen, wie auch die Aufrührer ihre Dreschflegel und Mistgabeln wieder an den Ort ihrer Bestimmung verräumt hatten. Der Kommission gegenüber, die unter Führung von Kreisrat Heftels mitgekommen war, gab man sich treuherzig bieder, schob die Schuld am Aufruhr "fremder Bagage" zu.
Von der versöhnlichen Stimmung der Bauern beeindruckt, hielt Heftels eine schmalzige Rede, pries des Königs Güte und stellte seine Verzeihung in Aussicht. "Taten wohl bitten", tönte es im Chor und wie es sich für einen richtigen Bauernschwank gehört, wollte man sich bemühen, die flüchtigen Burschen zur Heimkehr zu bewegen. Garantien wollte man allerdings keine abgeben. Heftel war's zufrieden und erstattete dem Generalkreiskommissär Bericht, den er mit den Worten schloss, überall scheine die Ruhe hergestellt; er wage jedoch nicht zu behaupten, dass es so bleiben werde. (189)
Das waren also die Vorfälle von Axams am 12. bis 14. März, von Kämpfen zwischen dem bayerischen Militär und der einheimischen Bevölkerung, wie vielfach behauptet wird, kann aber nicht die Rede sein. (190)
Dafür gab es allerdings ein Nachspiel das diese Vorfälle untersuchen sollte. Trotz der zahlreichen Hinweise, die uns Josef Hirn auf diese Untersuchung gibt, gibt er leider weder Datum noch den Verlauf dieser Untersuchung bekannt. Es gibt aber Zeugenaussagen, wie die von Rudolf Freiherr v. Zech, welcher am 14. März in Privatgeschäften in Axams weilte. Er bestätigte die von den Bauern ausgestreuten Gerüchte Burschen von Landeck und Imst seien im Anzuge Auf seine Frage über den Grund des Aufruhrs, man wolle die Exekutionstruppen vertreiben, weil dieselben nach ihrer Meinung mit Durchsuchung der Häuser ihre Ordre überschritten hätten. (191)
Ebenso weisen die Aussagen mehrerer Soldaten darauf hin, dass die Untersuchung auch in Richtung eventueller Übergriffe seitens des Militärs geführt wurde. Inwiefern die Beurteilung, die der Innsbrucker Arzt Dr. Käsbacher über den Hauptmann Zoller abgegeben hat im Zusammenhang dieser Untersuchung stand, ist nicht gewiss, dürfte aber zutreffen: Ein "leerer Kopf und unbescheidener Trunkenbold", welcher seine Leute in Axams Exzesse begehen ließ.(192)
Reichlich übertrieben erscheinen die Schilderungen über die angebliche Massenflucht der Stellungspflichtigen, die Hans Magenschab in seinem Buch "Andreas Hofer, Held und Rebell der Alpen" zum Besten gibt: ...an den Grenzen ließen die Mautbeamten und Zöllner die Tiroler Burschen ins Ausland fliehen; vor allem ins österreichische. In Kärnten wurden bald eigene Werbekommandos für die kaiserliche Armee eingerichtet, die fahnenflüchtige Tiroler in Dienst nahm. Damit war der Kern einer »Fünften Kolonne« der Tiroler gebildet. In Salzburg sammelte man Flüchtlinge für den Dienst in der Armee von Franz I. geradezu ein. Bald war ein eigenes Jägerbataillon zusammengestellt und wurde zur Tiroler Grenze verlegt. Die Bewegung nahm solche Ausmaße an, dass der französische Gesandte in München direkt an Napoleon darüber schrieb, wie zahlreiche junge Tiroler der bayrischen Konskription entflohen und in die österreichische Armee eingetreten wären, weil »sie sich auf die Rückkehr der Österreicher freuen«. (193)
Wenn wir uns an die zuverlässigeren Angaben von Josef Hirn halten, müssen wir feststellen, dass der Ausdruck Massenflucht mit Vorsicht zu genießen ist. Abgesehen davon, dass in den beiden anderen Kreisen die Musterungen relativ ruhig verlaufen sind, - der Krawall im Fleimstal hatte keine Breitenwirkung, - und nur wenige Burschen geflüchtet waren, blieben die größten Probleme auf den Innkreis und den Raum von Innsbrucks Umgebung beschränkt.
Von den 119 Stellungspflichtigen sind zwar fast alle in die Berge entflohen, es ist aber unwahrscheinlich, dass nur einer von ihnen den langen und äußerst gefährlichen Weg in das salzburgische Zillertal angetreten hat. Diese Gelegenheit dürfte eher der eine oder andere Unterinntaler wahrgenommen haben. Völlig unwahrscheinlich ist es, dass diese Leute, von wo immer sie gekommen sein mögen, eine Werbestellen für das Militär aufzusuchen, dem sie gerade entkommen waren. (194)
Wenn Salzburger Polozeiberichte von einer Menge Tiroler, die sich dort herumtrieben und in Pinzgau als Bauernknechte einen Dienst suchten sprechen dürfte das schon eher zutreffen.
Die von die Magenschab so salopp erwähnte Fünfte Kolonne, gab es tatsächlich, doch die stand im Land schon längst bereit, um loszuschlagen, wenn die Zeit gekommen war. - Doch davon später.
Noch am selben Abend, als die kopflose Flucht Hauptmann Zollers beim Generalkreiskommissariat bekannt wurde, berief Lodron eine Krisensitzung ein. Regierungsrat Arnold von Mieg eröffnet die Sitzung mit folgender Stellungnahme:
Man hat nicht unterlassen, auf die Gefahr der Vornahme der Stellung in diesem Augenblick hinzuweisen. Aber man hat uns dazu verhalten und wir mussten uns der großen Mühe unterziehen. Aufwiegler aus allen Ständen, Emissäre in allen Gestalten ließen nichts unversucht, um Unruhe und Missstimmung zu erzeugen. Wir hatten keine Macht, um diesem Übel zu steuern. Besonders wirkt die Hoffnung im Land, dass die österreichischen Truppen bald einmarschieren werden. Dem ist auch die Kälte und der Starrsinn zuzuschreiben, womit in diesem Augenblick die Eltern der Geflüchteten jede exekutorische Maßregel ertragen. Fast alle waffenfähigen Jünglinge sind geflohen. Nicht einmal die Saatbestellung hat sie zurückhalten können. Man hätte von vornherein wissen sollen, dass man eine solche Flucht nicht hindern kann. Es ist sicher, dass die Regierung jetzt nicht mehr zurück kann. Aber die Fruchtlosigkeit aller bisherigen Maßregeln wird dem Ansehen der Regierung nicht günstig sein. Die Erbitterung steigt auf einen Grad, welcher in militärischer Hinsicht sehr gefährlich ist. Die Sistierung der Konskription wird die Gemüter nicht gewinnen, aber sie wird wahrscheinlich einem Ausbruch zuvorkommen, dessen Bedenklichkeit wir nicht ermessen können, weil uns die Entfernung des äußeren Feindes nicht bekannt ist. In Innsbruck wurde mit der Aushebung begonnen, der Misserfolg ist gewiss schon im Lande bekannt. Ob vom Generalkommando im Augenblick, da es seine Truppen konzentriert und sein Hauptaugenmerk nach außen gerichtet ist, eine kräftige Unterstützung möglich sei, ist zu bezweifeln. Ich erwarte keine. Deshalb bleibt uns nichts anderes übrig, als sogleich weitere Befehle des Königs einzuholen. Man sollanfragen, ob die Aushebung zu sistieren sei und auf wie lange, oder ob man die Rekrutierung durchführen soll mit den Leuten, die im Lande bleiben. Dabei wäre zu beantragen, dass die ausgewählten Burschen durch militärische Eskorte zum Sammelplatz gebracht würden, weil man sonst keinen einzigen bekäme."
Diesen Feststellungen ist kaum noch etwas hinzuzufügen, als dass zu der misslungenen Stellung im Innsbrucker Bezirk sich eine Reihe weiterer Meldungen eintrafen, Aus Kufstein berichtet man, dass schon bei Anlegung der Musterrollen einige Hundert Bursche unsichtbar geworden oder aus Imst, wo es am 16. März zu einem Auflauf gekommen war. Der Richter von Landeck berichtete von vergeblichen Versuchen, die aufgebrachten Bauern zu beruhigen, nachdem sich die Kunde über die Vorgänge in Axams in entsprechend aufgebauschter Weise verbreite hatte. In Pfunds wolle man sich mit Gewalt widersetzen und die angrenzenden Täler zum Beistand aufrufen. (195)
Diese Informationen waren für Lodron ausreichend, dass er unmittelbar nach dieser Sitzung seinen Ersten Rat Mieg in das königliche Hoflager mit der Bitte um Aufschub der Konskription auf einen weniger gefährlichen Zeitpunkt, wenn eine beträchtliche Vermehrung der bewaffneten Macht in Tirol nicht möglich ist. (196)
Am 16. März kehrte Mieg mit den königlichen Weisungen aus München zurück:
Zum einen sollen in Axams die am Unfug Beteiligten standrechtlich behandelt werden und den Flüchtlingen sei, wenn sie nicht binnen gesetzter Frist zurückkehren, Vermögenskonfiskation und Anschlagung des Namens an den Schandpfahl anzudrohen. (197)
Der wichtigste Befehl aber lautete:
Um den schädlichen Schein einer durch Widersetzlichkeit ertrotzten Nachgiebigkeit zu vermeiden, möge man zwar mit der wirklichen Aushebung innehalten, die vorbereitenden Anstalten dazu, besonders die Aufzeichnung aller Waffenfähigen aber fortsetzen. Die bisher gestellten Rekruten wären "unter schicklichem Vorwand" zu entlassen.
Damit mussten die im Servitenkloster eingesperrten Rekruten, sowie auch die von den Wirtshausstreifen ergriffenen Handwerksburschen entlassen werden. Das heißt zusammenfassend, im Innkreis wurde kein einziger Rekrut eingezogen.
Und wiederum drückte sich Lodron um die Wahrheit: Anstatt die Richter über die Suspendierung der Konskription aufzuklären, wurden diese zur Neuanlage der Konskriptionslisten mit der Begründung angewiesen, es seien in den bisher angelegten Tabellen das Alter, Unentbehrlichkeit, Vermögensverhältnisse und derartige Personalien zu wenig genau angegeben. (198)
Ob hinter dieser Verschleierungstaktik Kanzleidirektor Mieg stand, - sie würde eher seinem Charakter entsprechen, - lässt sich zwar nicht feststellen, dürfte aber auf Grund seines Einflusses auf den Generalkommissär zutreffen.
Ende März kam auch für Aretin und Welsperg der erlösende Befehl des Königs, die Konskription einzustellen. Welsperg, dem noch der Aufruhr im Fleimsertal in Erinnerung war, und Aretin sahen sich plötzlich ihres militärischen Schutzes entledigt, da General Kinkel seine Truppen im Großraum Innsbruck zusammenzog. Denn der eigentliche Grund, warum man die Konskription abgeblasen hatte, war die Tatsache, dass mit jedem Tag der Krieg mit Österreich näher rückte und daher eine Rekrutenaushebung in einem Gebiet, das offen mit dem Feind sympathisiert, sinnlos ist.
Damit sind wir wieder bei der zu Beginn gestellten Frage, inwiefern die Konskription als Ursache der Volkserhebung verantwortlich gemacht werden kann.
Im Verein mit den übrigen Eingriffen in die traditionellen Werte hatte die Aushebung der Rekruten sicherlich einen erheblichen Anteil an dem sich aufbauenden Widerstand der Tiroler. Unter politisch weniger gespannten Begleitumständen hätte man die Konskription, wie schon in den übrigen bayrischen Landen, mit der Zeit als eine der vielen ungeliebten aber unabwendbaren Staatsbürgerpflichten angenommen. Man hat es nach dem unglückseligen Aufstand als eine der Folgen hingenommen, dass zahllose junge Tiroler dem katastrophalen Russlandfeldzug Napoleons zum Opfer fielen, man hat auch ohne Murren die endgültige Einführung der Konskription hingenommen, nachdem Tirol wieder in Österreichs Schoß zurückgekehrt war.
Nach dem Friedensdiktat von Pressburg, - als solches kann man die rücksichtslosen Bedingungen und Auflagen an Österreich durchaus bezeichnen, - war es nur eine Frage der Zeit, bis sich jene politischen Kräfte in Österreich durchsetzten, um eine Korrektur dieser Verhältnisse vorzunehmen.
Die anfänglich von den französischen Armeen in die deutschen Lande getragene Idee von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit war längst verblasst, die drückenden Belastungen der flächendeckenden Besetzung mit französischen Truppen, der Krieg gegen Preußen und Russland haben zur Überzeugung geführt, dass man sich weitgehend geirrt hatte. Anstatt Deutschland und Europa im Sinne dieser Ideen in eine moderne Zukunft zu führen, hat man bald erkannt, dass es Napoleon einzig und allein um die Vormachtstellung Frankreichs ging.
Um diese Tatsache noch zu unterstreichen sparte Napoleon selbst nicht mit Aussagen und Verhaltensweisen, dass er in seinen Verbündeten als nichts anderes als Satellitenstaaten sah.
Nach der verheerenden Niederlage Preußens 1807 bei Jena und Auerstedt erhob sich erster
Widerstand im deutschen bürgerlichen Lager, indem man sich mit den üblichen militärischen Kapitulationsbedingungen nicht mehr abfinden wollte. So widersetzten sich die Bürger der Pommerschen Festungs- und Hafenstadt Kolberg (heute poln.. Kolobrzeg) der von den Militärs bereits ausgehandelten Übergabe ihrer Stadt an die Franzosen und setzten mit ihrer erfolgreichen Verteidigung ein Signal, das in Deutschland rasche Verbreitung fand. Ein Jahr später erhoben sich die Bürger von Madrid. Hier ging es bereits nicht nur gegen die französischen Besatzer sondern auch gegen die eigene Obrigkeit, die sich ihnen unterworfen hatte. Mit der Erhebung der Spanier hatte der Widerstand gegen Napoleon eine neue Qualität bekommen, die auf die patriotisch gesinnten Kreise von Österreichs Bevölkerung und darüber hinaus auch auf eine Reihe von Persönlichkeiten am Wiener Hof ihren Einfluss nahm.
So begann sich die "Kriegspartei" zu bilden, in der Erzherzog Karl und sein Bruder Johann zu Zentralfiguren wurden.
Während Erzherzog Karl seit Beginn 1808 der österreichischen Armee in einer umfassenden Heeresreform ein neues Gesicht zu geben bemüht war, richteten sich Bruder Johanns Interessen ganz auf Tirol, dem er sich nicht nur politisch verbunden fühlte. So galt sein besonderes Interesse der Natur des Landes, seiner Bergbautechnik und Landwirtschaft. Er sammelte Mineralien, war Alpinist und Jäger. Als Generaldirektor für das Genie- und Fortifikationswesen galt sein militärisches Interesse der strategischen Lage und den Verteidigungsmöglichkeiten des Landes.
Der dritte im Bunde war Minister Johann Philipp Graf Stadion-Warthausen, der mit seiner Idee der Volksbewaffnung vor allem bei Erzherzog Johann ein offenes Ohr fand.
Ob die führenden Köpfe der Kriegpartei Kontakt zu dem nach Österreich geflohenen preußischen Staatsminister Freiherrn von Stein hatten, - er lebte in verschiedenen Orten in Böhmen, - gibt es zwar keine konkreten Hinweise, wären aber wegen der gleichen Vorstellungen hinsichtlich eines Befreiungskrieges gegen Napoleon durchaus möglich. Stadions Bemühungen, Preußen zum Verbündeten zu gewinnen, müssen zumindest zur Zeit, als der Freiherr noch in Amt und Würden war, über ihn gelaufen sein. Von ihm stammte die Idee der Volksbewaffnung die in Preußen konsequent und in kurzer Zeit zur Allgemeinen Wehrpflicht geführt hat.
Für Erzherzog Johann war das nichts neues, kannte er doch das Tiroler Wehrsystem bis ins letzte Detail, vor allem was die Schnelligkeit der Aufbietung des Landsturms anbelangt. Als zukünftiger Oberbefehlshaber der in Italien operierenden Armee war ihm auch die Bedeutung der strategische Lage Tirols bewusst. Gleichermaßen Verbindungslinie wie Barriere, kann die Region jedem militärischen Zweck dienen. wenn man sie unter Kontrolle hat.
Davon waren beide der Erzherzöge überzeugt, doch Karl war da etwas zurückhaltender.
Vor allem war führ ihn der Zeitpunkt des Kriegsbeginns, zu dem er von Graf Stadion und vermutlich auch von Erzherzog Johann gedrängt wurde zu früh gewählt, weil einerseits die von ihm eingeleitete Heeresreform noch nicht durchgezogen war und auch das Heer selbst die vorgesehene Kriegsstärke noch nicht erreicht hatte.
In einer am 08.Februar1809 abgehaltenen Konferenz unter dem Vorsitz des Kaisers wurde er überstimmt und darauf zum Oberbefehlshaber der Hauptarmee ernannt..
Dazu der Erzherzog wörtlich "Ich habe nicht für den Krieg gestimmt. Mögen jene, die den Entschluß gefasst haben, auch die Verantwortung tragen."
Neben dem zum Krieg drängenden Minister Stadion, dem skeptischen Generalissimus Karl und seinem optimistischen Bruder Johann, gab es eine weitere Person, die mehr und mehr in den Vordergrund trat, je weiter die Kriegsplanungen fortschritten. Das war der einer alt-adeligen Tiroler Familie entstammende Direktor des geheimen Staats- Hof- und Hausarchivs Josef von Hormayr.
Nicht aus familiären, sondern beruflichen Gründen unterhielt der ehemalige Innsbrucker Polizeidirektor Carneri in Salzburg eine Anlaufstelle für allerlei Informanten, die sich aus vielerlei Gründen als Kundschafter anheuern ließen, weiters gab es bereits seit 1806 ein "Korrespondenzbüro" unter der Leitung des Klagenfurter Polizeidirektors Pausinger.
Alles in Allem war es ein dichtes Netz privater oder polizeilich gelenkter Verbindungen, das man ausbauen musste, um letztlich die entscheidenden Voraussetzungen zur Organisation und Auslösung des Aufstandes zu schaffen.
Dazu brauchte man nur auf jenes bewährte und von den Polizeibehörden unterhaltene Agentennetz zurückgreifen, das seinerzeit die Verbreitung revolutionären jakobinischen Gedankengutes verhindern bzw. derartige Verschwörungen aufdecken sollte.(201)
Der für dieses Ressort zuständige Polizeidirektor Sumerau war daher so ziemlich über alles informiert, was in Bayern vorfiel, - wie übrigens seine bayrischen Kollegen auch.
Einen hervorragenden Grund hinter die Kulissen zu blicken, bot die Grenzregulierung im Zillertal und Osttirol von 1807 bis 1808. Dabei konnten die Salzburger Kommissäre Trauner und Fellner ein erstes Stimmungsbild der Einwohner und ihrer Dorfvorsteher erfahren.
So versuchten sich auch einige österreichische Offiziere als Agenten in geheimer Mission, wie Major Stephing, der bei seinen besonders vertrauten Freund Baron Graff von Ehrenfeld in Bozen, heimlich ein und ausging. Graff war Major der Bürgermiliz und trug diesen Titel, wie er behauptete zur Tarnung seiner konspirativen Tätigkeit.(202)
1796/97 hatte er sich in den Jahren als Hauptmann der Schützenkompanie von Rovereto überaus verdient gemacht, dass ihm als erstem Zivilisten der Maria-Theresien-Orden verliehen wurde. Später wird man Graff vorwerfen, auf beiden Achseln das Wasser getragen zu haben, wobei sich die Frage stellt, welcher Seite er dadurch mehr geschadet hat.
Das Ergebnis dieser konspirativen Treffen war der Beschluss, geheime Korrespondenz über fingierte Adressen zu führen und die eher nebulose Idee der Aufstellung eines Freikorps unter dem Namen habsburgische Legion. Immerhin fand Kaiser Franz diese Korrespondenz so wichtig, dass er sich die Briefe von Polizeipräsident Haager vorlegen ließ. (203)
Ein ständiges Korrespondenzbüro gab es bereits seit 1806 in Klagenfurt unter der Leitung des dortigen Polizeidirektors Pausinger. (204)
Er sammelte alles was bei ihm so einlief, darunter auch so manch krauses Zeug:
In Tirol soll neun Jahre lang kein Priester ausgeweiht werden (30. Sept. 1807), die Hofkirche in Innsbruck wird in einen lutherischen Tempel umgewandelt (26. Oktober 1807), der Brixener Bischof wird nach Rom deportiert (4. Nov.1807) u. dgl.(205)
Dazu Stadions Stellungnahme:
"Wenn auch die Nachrichten aus der neuen Kundschaftsanstalt in Klagenfurt nicht immer zutreffend sind, so muss ich doch bemerken, dass diese Anstalt gleich bei ihrer Entstehung das Glück hatte, mit einigen Männern von Bedeutung in den angrenzenden bayrischen und italienischen Provinzen in Verbindung zu kommen, deren guter Wille viel Ersprießliches für den allerhöchsten Dienst verspricht."
Hier meint er sicher den königliche Gubernialrat Trentinaglia, der seit 17. März 1807 auf Pausingers Gehaltsliste stand und den Decknamen Tinto führte. Von den Trägern anderer Decknamen wie Lena, Ondo, Cossu, Tomi, Ginod kennt man nur noch von zweien die wirklichen Namen: Ein gewissen Weiss, den Pausinger selbst als unverlässlich bezeichnet und ein Herr v. Pernwerth, der allen Vorstellungen im Sammeln des Kundschaftsmaterials entsprochen zu haben scheint.
Dazu ein Bericht Pausingers, über die Aktivitäten seiner Agenten:
"Lena berichtet folgendes: Nachdem er erfahren, dass aus Kufstein viel Geschütz fortgeführt wurde, begab er sich dahin. Den Zugang in die Festung verschaffte er sich, indem er einen Unteroffizier bestach, um dort unter den Soldaten Äpfel zu verkaufen.
In der Festung zählte er nur 15 Geschütze von leichtem Kaliber, bekam aber heraus, dass noch mehrere dort verborgen seien. Von schweren Geschossen sah er nur ein Stück. Weiters konnte er feststellen, dass die Besatzung der Festung heimlich ausgewechselt würde, um die Stärke zu verschleiern. Proviant ist dort nur für drei Monate und höchstens für 3000 Mann. Die Schreiben von Tornu und Cossu, welche Lena mitbrachte, bestätigten diese Angaben"
Diese Geschichte zeugt von Wagemut und Phantasie der Spione, desren bescheidene Erfolge aber in keinem Verhältnis zum Aufwand und dem eingegangenen Risiko standen.
Mit den zunehmenden Fortschritten der Kriegsvorbereitungen, - so überboten sich der Botschafter Metternich in Paris und Graf Stadion in Wien in der Unterschätzung von Napoleons Truppenstärke, während die Pessimisten vom österreichischen Generalstab auf die gigantische Zahl von 500 000 Soldaten kamen, - war man sich im Lager von Erzherzog Johann darüber im klaren, dass man auf die Mitwirkung der Tiroler angewiesen sein wird.
Vor allem ging es darum, die wichtigsten Führer der Schützen- und Landsturmkompanien für einen Aufstand zu gewinnen und auf das Haus Österreich einzuschwören.
Die Auswahl dieser Männer aber sollte den Tirolern vorbehalten sein. Ob der Erzherzog Andreas Hofer als Wunschkandidaten genannt hat, ist reine Spekulation, wie auch die Annahme die beiden wären sich früher schon begenet. (206)
Gekannt hat er allerdings den Bozener Kaffeehausbesitzer Franz Anton Nessing, allerdings auch nur als Briefschreiber. Unter den Landsturmführern von 1805 war es einzig Anton Steger,(207) den Erzherzog Johann persönlich kannte, den er nach Wien geholt und zum k.k. Büchsenspanner ernannt hatte. Nachdem Hormayr in Steger bald einen Vertrauten gefunden hatte, war er der logische Mittelsmann zu den Tirolern, über den alle Kontakte liefen. Das galt auch für die Geldmittel, die Steger teils als Unkostenbeitrag, teils Prämien für Informanten aufwenden musste. (208)
Der Briefwechsel zwischen Nessing und Steger wurde getarnt abgewickelt, allerdings auf eine naive Art, die zu jeder halbwegs ausgebildete Agent sofort zu entziffern im Stande gewesen wäre. Nessing nannte sich Caspar Larifari oder Maskenfreund, der Erzherzog war der Bräutigam, als Braut verstand man die konspirierenden Tiroler, bzw. ihre Vertreter.
Die Berichte, die der als redselig bekannte Nessing an den Erzherzog direkt richtete, waren
allerdings wenig brauchbar, wie etwa dieser: "Vom Bischofsstab bis zum mindesten Priester formiert die jetzige politische Macht ein Chaos von satanischen Gewalttätigkeiten, welche unter dem Kleid einer reinen Religion maskiert werden. Diese oberflächliche Schilderung ist das wahre Original der modernen Possenreißer, die mit Religion und Priestertum und mit allen kirchlichen Rechten wie mit einem Ball spielen. Die verfolgte Klerisei beugt sich, sie hält sich still und duldet, um sich aller Vorwürfe zu entlasten, die man ihr zentnerschwer hinschleudert."
Dafür erstellte er eine Schwarze Liste von Schurken, bedenklichen und gefährlichen Menschen um die Wiener von der Notwendigkeit einer Säuberung zu überzeugen. Graff und Khuen sind wahrhaft die gefährlichsten und niederträchtigsten, die es geben kann, sie sind die Ursache vieler Neuerungen, und dass die Geistlichkeit auf so infame Art behandelt wird; Jung und Alt wünscht, dass doch einmal der Zeitpunkt kommt, um diesen Kanaillen den verdienten Lohn zu geben". (209)
Nach all den mehr oder weniger ergiebigen Informationsmaterial, wollte der Erzherzog ein reales Bild von der Lage von der Stimmung der Bevölkerung aus erster Hand erfahren und außerdem war es an der Zeit, einen Aktionsplan zu entwerfen.
Erzherzog Johann beauftragt Steger ein Ladschreiben an Nessing zu richten: "Der Bräutigam ersucht mich also, dem Vater der Braut sogleich zu schreiben und ihn samt seinen lieben Brüdern im Etschland, auch denen vom Inntal auf des Bräutigams Kosten nebst dem Bartigen, so schleunigst als möglich hierher zu berufen." (210)
Brautvater Nessing, denn der ist wohl damit gemeint, stellt darauf die "Hochzeitsgesellschaft" zusammen, der Andreas Hofer, Peter Huber, Wirt in Bruneck, vulgo Kreiter-Peter wegen seines Alpenkräuterhandels und er selbst angehören. Alle drei glauben als Handelsleute, dass ihre Reisebewegungen keinen Verdacht erregen würden. Hofer ist Spirituosen- und Pferdehändler, Hubers Kräuterhandel reicht weit über Tirol hinaus und Nessing lässt sich eigens einen Pass ausstellen, indem er vorgab, einer Preissteigerung des Kaffees zuvorkommen zu wollen, wenn der Krieg ausbricht. Er glaubte sich besonders schlau, den Beamten um Diskretion gegnüber seinem alten Lieferanten, dem Bozener Kaufmann Holzhammer, zu ersuchen damit nicht ein Verdruss entstehe. Für den Bozener Gerichtsassessor Michael Stautner war diese aufwendige Passbestellung Grund genug, die Amtshandlung nach München zu melden.(211)
Unmittelbar vor der Abreise (16. Januar) erhielten sie noch 500 Gulden in Bankozetteln als Reisegeld. Man reiste natürlich nicht zusammen, sondern auf verschiedenen Wegen, traf sich dann in Klagenfurt, um gemeinsam in Wien gegen Ende Jänner, - es dürfte der 26. gewesen sein, - anzukommen. (212)
Hofer fand bei seinem Bekannten aus dem Passeiertal, Andreas Duschel in dessen Gasthaus "Zum goldenen Kreuz" in Mariahilf Unterkunft. Nessing und Huber, die schon früher einmal in Wien waren, dürften ihre gewohnten Adressen aufgesucht haben. Keinesfalls aber kam als Quartiergeberder der k.k. Büchsenspanner Steger, wie oft angegeben wird, in Betracht, dessen Wohnung wäre viel zu auffällig gewesen wäre.
Steger, der als Erster besucht wird, gibt die Verhaltenregeln bekannt: Das Herumgehen in den Straßen Wiens ist streng verboten, zu den Besprechungen in der Hofburg darf nur im geschlossenen Wagen gefahren werden, - das galt vor allem für Hofer, der aus der Mariahilfer Vorstadt den weitesten Weg hatte. Die Besprechungen bei Erzherzog Johann werden im Amalientrakt der Hofburg, stets am Abend abgehalten.
Die konspirativen Treffen fanden in der Hofburg statt. Erzherzog Johann empfing die Delegation in seinem Appartement in der Amalienburg.(siehe Bildbeschreibung) In diese gelangten sie über eine Hintertreppe, die vom Ballhausplatz in den Trakt führte. Zu den Besprechungen mit Hormayr mussten sie lediglich den Inneren Burgplatz zum Reichskanzleitrakt,(siehe Bildbeschreibung) wo sich das Geheime Hof- und Staatsarchiv befand, überqueren. Da es praktisch um diese Jahreszeit schon ab 6 Uhr Abend dunkel ist, dürften die insgesamt drei Besprechungen (213) bei Erzherzog Johann um diese Zeit abgehalten worden sein.
Die erste Besprechung bei Erzherzog Johann dürfte am 28. Jänner 1809 stattgefunden haben. Teilnehmer waren der Erzherzog, Hormayr und die 3 Delegierten Hofer, Nessing und Huber. Auch Steger dürfte dabei gewesen sein.
Das Hauptanliegen der Tiroler war der baldige Einmarsch der kaiserlichen Truppen. da zu befürchten war, die Bayern könnten ihre Truppen verstärken und so eine Besetzung Tirols nur schwer oder gar unmöglich machen.
Die nächst wichtige Frage galt der Versorgung der österreichischen Truppen. Hier ging es vorrangig um die Kosten, die zur Versorgung des österreichischen Militärs erforderlich wären. Das Land sei so produktenarm, erklärte man dem Erzherzog, dass es nicht einmal sich selbst, geschweige noch ein Heer erhalten kann. Diesen Einwand musste man schon deshalb gelten lassen, um die Tiroler bei Laune zu halten. Daher einigte mansich darauf, die Versorgung der Truppen aus Magazinen in den angrenzenden Ländern Salzburg und Kärnten zu bewerkstelligen. Dazu wollten die Tiroler natürlich auch ihren Beitrag leisten, indem vertrauenswürdige Wirte und Krämer veranlasst werden sollten, Vorräte an Branntwein, Reis und Heu anzulegen. Aber man müsse ihnen mit Vorschüssen zu Hilfe kommen und da man schon beim Geldgeschäft war, verbat man sich die Bezahlung mit den so unbeliebten Bankozetteln.(214)
Man könne auch, wenn es mit der Hauptarmee gut ging, aus Bayern reichliche Prisen gewinnen. Von wem immer dieser Vorschlag stammen sollte, Hormayr hat die tatsächlich durchgeführten Raubzüge gut geheißen.
Aus zeitgenössischen Berichten, wie etwa den Schilderungen des königlich, bayrischen Generalstabsoffiziers Carl Baur, - er war vorrangig mit der Abwehr dieser Einfälle befasst, - kann allerdings entnommen werden, dass diese Art der Einforderung von Kriegskontributionen, eine durchaus gängige Praxis war(215)
Der Kernpunkt der Besprechung aber galt der Stimmung im Lande und der Frage, wie weit ein Aufstand vom Volk unterstützt würde. Diese beim Landvolk und niederen Klerus am sichersten zu erwarten, aber die Stadtbevölkerung sei unzuverlässig. Die Beamten würde ein fester Ernst unschädlich machen und mancher würde, wenn einmal die Österreicher da wären, förderlich mitwirken. Mit diesem festen Ernst wird man wenige Wochen später eine Säuberungsaktion nach bester jakobinischer Tradition einleiten.
Ein ernstliches Anliegen der Delegierten war die Frage nach der Legitimität und die Wiederherstellung der alten Verfassung. Dazu sollte gleich beim Einrücken der Truppen ein Kongress nach Brixen oder Sterzing einberufen werden, auf welchem feierlich die alte Ordnung installiert werden solle.
Erzherzog Johann gab zu bedenken, dass hierfür ein Offener Landtag erforderlich wäre, dessen aufwendige Einberufung zur Kriegszeit kaum durchführbar ist. Man einigte sich daher auf einen 24-köpfigen Ausschuss, den der Kaiser bestellen möge, eine Liste der Wunschkandidaten, die neben Giovanelli eine Reihe prominenter Namen enthielt, hatte man schon vorbereitet. Die schon erwähnte Schwarze Liste jener, "nicht schnell genug ihre Ergebenheit gegen Bayern bezeugen konnten und, wie Graf Welsperg, die strengsten Ausführungsorgane für die neuen Verordnungen abgaben" hatte man auch bei der Hand, und man möge nach Besetzung des Landes ja nicht vergessen, dasselbe von "Übelgesinnten" zu reinigen. (216)
Damit der Denunziationen nicht genug, wurde auch Dipauli nicht vergessen: Der sonst würdige und kenntnisreiche Dipauli habe es sich mit ähnlicher Wohldienerei mit den Bauern verscherzt, und obgleich im Herzen gut österreichisch, wollte man ihn von irgendwelchen Funktionen ausgeschlossen wissen. Als Ersatz dafür wiesen sie auf Hormayr, der in aller Augen als Mann der Ordnung galt. Als Ersatz dafür wiesen sie auf Hormayr, der in aller Augen als Mann der Ordnung galt. Dass er auch einer der ersten sein wird, die ihr Heil in der Flucht suchten, als die Sache nicht zum Besten stand, konnte man noch nicht wissen.
Militärischen Angelegenheiten wurde nur marginal besprochen, so die Frage nach einem Militärkommandanten und der Feststellung, dass man wohl genügend Gewehre habe, aber knapp an Pulver und Blei wäre. Das scheint den praktisch veranlagten Erzherzog nicht besonders beeindruckt zu haben, indem er den Rat gab, mit allem Fleiß an sichern Orten Pulver und Blei zu sammeln und auf die Pulvermühlen ein wachsames Auge zu haben. Denn damals war jeder Schütze in der Lage, seine Munition selbst herzustellen und Pulvermühlen, auch wenn sie unter staatlicher Kontrolle standen, gab es reichlich.
Punkt für Punkt hatten die drei Delegierten ihre Argumente in ein Schriftstück gefasst und vorgetragen. Über den Verfasser dieses Memorandums rätselt man bis heute, denn weder Hofer noch seine beiden Begleiter hätten diese Niederschrift zustande gebracht.
Für den Erzherzog war das Vorgebrachte jedenfalls eindeutig: "Als den eigentlichen Hebel hatten die Abgeordneten das Versprechen der Wiederherstellung ihrer alten berühmten Verfassung begehrt, an dieser Verfassung hing das Herz des ganzen Volkes, und es hatte recht". Damit war auch für ihn persönlich die Entscheidung gefallen, dass sich das Volk selbst erheben müsse.(217)
Diesem ersten informativen Treffen folgten weitere Besprechungen, bei denen es dann um das Kernthema ging: Die Organisation der Erhebung und die zu verfolgende Taktik. Dazu waren vor allem die Detailbesprechungen in Hormayrs Kanzlei vorgesehen, wo man auch zur letzten, abschließenden Zusammenkunft, - man könnte sie auch Befehlsausgabe nennen, - folgendes Memorandum aufsetzte:
Losbruch am 12. März, (218) Verbot aller schriftlichen Avisos, nur geheim und mündlich tragen Vertraute die Botschaften von Ort zu Ort, in Kirchen und Wirtshäusern kann man sich treffen; wer unvorsichtig ist, und wär's auch nur im Rausch, soll dem Verkehr entzogen und auf Einöden entfernt werden; die Geistlichkeit einzuweihen ist gefährlich, höchstens die leidenschaftlichsten darunter und die von Bayern schwer beleidigten Bettelmönche sind heranzuziehen; da die Bayern die Magazine schlecht zu versorgen scheinen, müssen die Wirte sich bei Zeiten mit Vorräten jeglicher Art für die einrückenden Österreicher versehen; der Verkehr zwischen Stadt und Land ist von jetzt an auf das Notwendigste einzuschränken; von zwei Seiten her werden die Kaiserlichen kommen: über Pustertal und von Salzburg; feindliche Durchzüge durch Tirol müssen aufgehalten, verfolgt, beschossen und vereitelt werden; die bayrischen Kassen soll man nicht flüchten lassen; alles ist bereit zu halten, um Brücken und Wege abzutragen oder herzustellen; Steinlawinen sind vorzubereiten; die Ankunft der Österreicher künden nächtliche Kreidefeuer, bei Tag andere verabredete Zeichen; mit der Schweiz sind Einverständnisse schon angeknüpft; der allererste Gewaltakt soll der nächtliche Überfall auf die Festung Kufstein sein.
Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen darf angenommen werden, dass die Bayern über die Reise der drei Tiroler Bescheid wussten, und es dürfte ihnen dank Nessings Geschwätz vom Kaffeeeinkauf in Triest, auch nicht schwer gefallen sein, den Reisegrund herauszubekommen. Den Rest besorgten dann die Wiener Agenten der französischen Gesandtschaft:
"Einige Tiroler, welche sich Abgeordnete des Volkes nennen, sind hier, um Mitteilungen zu machen. Ich weis nicht, ob sie auch zu Hofe gekommen sind. Ich weis nur, dass einer darunter der Sohn oder Bruder eines Gärtners in Bozen oder Brixen ist, von schlechter Konduite, der einen Mann mit einem langen Bart begleitete, dessen Äußeres die Frauen sehr interessierte."
Der Agent hatte gut beobachtet, denn der Begleiter Hofers war ein Bekannter namens Tschoguel der seit 1808 in Schönbrunn als Gärtner arbeitete und tatsächlich von etwas schmächtiger Statur war.
Diese Meldung dürfte allerdings einen langen Dienstweg genommen haben, denn es brauchte fast sechs Wochen, bis der Endempfänger Kreiskommissär Aretin sie zur Kenntnis nehmen konnte. Doch auch Aretin konnte sich nicht zu Sofortmaßnahmen entschließen und ließ in München anfragen:
"Der durch einen langen Bart ausgezeichnete Wirt von Passeier, ein vorzügliches Mitglied der Tiroler Deputation, ist seit einiger Zeit wieder zu Hause. Was gegen ihn vorgekommen, zeigen die beiliegenden Akten. Ich frage, .ob ich denselben arretieren lassen und was dann weiter mit ihm vorgenommen werden soll. Eine Gefahr der Entweichung scheint bei ihm als einem sehr vermöglichen Mann nicht vorhanden zu sein. Wenn er aber der Untersuchung übergeben werden soll, so ist bei der Stimmung des Appellationsgerichtes in Innsbruck nicht zu raten, demselben die Akten mitzuteilen, weil es sonst die Namen derjenigen erfahren würde, die bei der Entdeckung dieser Dinge besonders tätig sind, wodurch üble Folgen entstehen könnten. Das Schreiben Aretins an den König trägt das Datum 22. März 1809, woraus man schließen kann, dass auch der sonst so rührige Aretin sich deshalb reichlich Zeit gelassen hat, weil er verunsichert war. Mit seinem Hinweis auf die Stimmung des Appellationsgerichts meint er dessen Vorstand Dipauli, er seinerseits für einen der "austrophilen" Verschwörer hält. Die königliche Antwort, - sie war gelinde gesagt ungehalten,- ließ dafür nicht auf sich warten:
"Wenn Hofer Abgeordneter in Wien war und sträfliche Absichten hatte, wie versichert wird, wenn er zu diesem Zweck heimlich und ohne Pass abgereist ist und durch seine Äußerungen sich schon voraus verdächtig gezeigt hat, so soll er sogleich verhaftet und hierher (nach München) gebracht werden. Ober seine Gefangensetzung hätte nicht erst angefragt zu werden brauchen." (219)
Bei Nessing ließen sich die bayrischen Polizeiorgane weniger Zeit. Schon bei seiner Rückkehr am späten Abend des 9. Februar, - er ging sicherheitshalber nicht in seine Wohnung sondern suchte seinen Freund den Hirschenwirt Schnitzer auf, - erfuhr er, dass er zur Verhaftung ausgeschrieben sei. Er flüchtete auf die Laneralm am Fuße der Hornspitze, wo er die sieben Wochen bis zum Ausbruch de Aufstandes verbrachte.
Nach all den aufschlussreichen Informationen, fragt man sich, warum daraus so wenig Nutzen gezogen wurde, und das noch bei der dilettantischen Verhaltensweise der Tiroler und österreichischen Agenten, deren plumpe Art der Tarnung eher einem Mummenschanz, denn mit ernstzunehmender Konspiration vergleichbar war.
So genügte es im Fasching1807, dass sich einige Burschen in Amras als österreichische Soldaten verkleidet herum zogen, um zwei Kompanien, versehen mit scharfen Patronen, nach Ambras zu entsenden, um schließlich festzustellen, dass man einem Fastnachtsscherz aufgesessen war.
Ein Jahr später sorgte der Hofkommissär Graf Arco selbst für die Chimäre eines Volksaufstandes, die er im Verein mit seinem Sonderbeauftragten Hofstetten als Reaktion auf die rigorosen Kirchenreformen zu sehen glaubte. Ihre hysterischen Berichte hatten bewirkt, dass ein Infanterieregiment aus Ulm in Eilmärschen in das als Zentrum der Revolte geltende Passeiertal, verlegt wurde.(220)
Wie ernst man das damals nahm, berichtet der Kaplan von Schlanders Josef Danei:
Ich muss heute noch lachen, wenn ich an diese kriegerischen Vorbereitungen denke; nirgends ein Feind oder ein Aufstand zu sehen, und doch die geheimnisvollen Mienen der Offiziere und der trotzige Blick der sieg- und rachbegierig einher ziehenden Soldaten, was bei den noch friedlichen Bauern allerlei Vermutungen erweckte.
Nach derartigen Fehleinschätzungen, welche der Glaubwürdigkeit der örtlichen Organe nicht gerade förderlich waren, sah sich Generalkommissär Arco veranlasst wieder abzuwiegeln, indem er die Lage in Tirol als besser und aussichtsvoller beschrieb. Noch 1808 glaubte er, dass von Welschtirol sei sicher nichts, aber auch von Deutschtirol, - das "durch Österreich so sehr verwöhnte" Bozen abgerechnet, - kaum etwas zu befürchten sei. (221)
Weniger optimistisch beurteilte Realpolitiker Montgelas die Lage, indem er schon im Juni 1808 feststellte: "Alles, was ich von den österreichischen Grenzen her hörte, deutet darauf, dass man sich dort für den Krieg vorbereitet." (222)
Damit hatte er auch recht, denn die im Mai 1808 von Erzherzog Karl eingeleitete Heeresreform sollte die Voraussetzungen bringen, das Friedensdiktat von 1805 einer Korrektur zu unterziehen. So konnte auch Hofstetten nicht umhin, sich mit Prophezeiungen anzuschließen:
"Sollte es zum Krieg kommen, von dem hier (in Brixen) allgemein gesprochen wird, so ist zwar Österreich strategisch durch die Stellung der französischen Armeekorps längst vor dem ersten Schuss geschlagen und daher für Tirol keine Gefahr einer Invasion, wo sich selbst ein fliegendes Korps kaum ein paar Wochen halten könnte. Aber um die friedlichen Bewohner vor fanatischen Menschen zu sichern und damit sie nicht durch falsche Gedichte zum Aufstand gereizt werden, sind kräftige Maßregeln nötig. Manches Individuum wäre unter spezielle Polizeisurveillance zu setzen, die nachgelassenen Bande der Subordination sollten wieder strenger angezogen und der anarchische Zustand in den Magistraten und Gemeinden sollte entfernt werden. Ich werde nichts von Außen überhören und nichts im Innern übersehen." (223)
Überhört und übersehen hat der so wachsame Kirchenpolizist allerdings so ziemlich alles. Zuträger und Spitzel gab es zwar reichlich, was aber die Vorgänge in Österreich anbelangt, war man ausschließlich auf die Nachrichten des bayrischen Gesandten in Wien, Graf Rechberg angewiesen. Seine präzisen Berichte ließen keinen Zweifel an den Kriegsvorbereitungen, für detaillierte Angaben über örtliche Truppenbewegungen fehlte es aber an einer entsprechenden Vorfeldorganisation im Grenzbereich.
Es war Generallandeskommissär Aretin, der die Notwendigkeit einer derartigen Aufklärung im mutmaßlichen Aufmarschgebiet erkannte und den Versuch unternahm, einem bis in den Raum Klagenfurt reichenden Agentenring aufzubauen. Abgesehen davon, dass dies viel zu spät eingeleitet wurde, war das Ergebnis, - es waren drei Personen, die sich als Informanten zur Verfügung stellten, eher bescheiden.(224) Doch auch ohne deren Nachrichten gab sich Aretin in seinen Lagebericht an den König keinen Illusionen hin:
Zur augenblicklichen Eroberung Tirols wäre bei der Stimmung des Volkes eine ganz kleine Truppenzahl genügend, und an eine ernstliche Verteidigung dieses Landes ist für uns, wenn die (eigenen) Truppen nicht viel zahlreicher sein werden, gar nicht zu denken." (225)
Erst jetzt wurde den Behörden bewusst, dass ein bewaffnetes Volk zum Aufstand bereit war.
Zwar wurden die Zeughäuser der früheren Tiroler Landmiliz, sowie alle Pulvermühlen unter die Kontrolle des Militärs gestellt, die Aktivitäten der Scharfschützen und das Schießstandwesen aber fanden auch unter der bayrischen Herrschaft keine Unterbrechung.
Wenn Aretin nun feststellen muss, dass der Hang des Tirolers zur Jagd und zum Schießen ein nationales Anliegen sei, und der Tiroler seine Büchse fast mehr liebt, wie seine Familie, musste ihm auch klar geworden sein, dass man es versäumt hatte, das Schützenwesen unter Kontrolle zu bekommen und eine Entwaffnung der Bauern zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr in Frage komme.(226)
Sein Amtskollege Lodron, der von einer Vorfeldaufklärung im benachbarten Salzburg weniger überzeugt war und mehr auf die Informationen aus dem Umfeld seines Kreises zählte, musste ebenfalls feststellen, dass die Lage in seinem Wirkungsbereich nicht besser war. Auch Lodron hatte guten Gründe, einen Aufstand zu befürchten und verlangte daher die Entwaffnung der Bürgermilizen, ein Ansinnen das an die falsche Adresse gerichtet war. Dass die Maßnahme nicht zur Ausführung kam, sollte sich schließlich als positiv herausstellen, als die Bürgermilizen nach dem Ausbruch des Aufstandes und den damit verbundenen chaotischen Zuständen vielerorts die einzige Ordnungstruppe waren.
Für Lodron war die Erkenntnis, seine Beamtenschaft, vor allem die Landrichter nicht mehr hinter sich zu wissen, besonders frustrierend. Die königliche Weisung, Richter, die gegen ihre Pflicht handeln, zur Anzeige zu bringen, war praktisch undurchführbar. "Wir können nur mehr untersuchen, aber mehr ist nicht zu machen. Es ist traurig, wenn eine Behörde bei der Schwäche der Exekutionsmittel nur zum Beobachter herabsinkt." So sein Schreiben an den König vom 24. März 1809.
Dass der Ausbruch der Erhebung nur mehr eine Frage der Zeit war, ist auch der Innsbrucker Chronist Stettner überzeugt, denn jeder rechtliche Mann sei in banger Erwartung, da er wisse, dass der Aufstand vorbereitet sei; nur das eine wünsche er, dass der Aufstand nicht vor dem Erscheinen der Österreicher ausbreche,eine Befürchtung, die sich in Innsbruck mit verheerenden Folgen bewahrheiten wird.(227)
So wenig Skrupel man aufbrachte, einen neuerlichen Krieges gegen Napoleons vom Zaun zu brechen, waren die Pläne zur Rückgewinnung Tirols, insbesondere was die Mitwirkung der Tiroler an ihrer Befreiung anbelangt, einiges Kopfzerbrechen. Vor allem die erzkonservative Umgebung des Kaisers, an der Spitze Kaiserin Maria Ludovica nahm Anstoß an den Aufrufen, mit denen die Tiroler zur Erhebung gegen ihre Obrigkeit aufgefordert werden sollen. Obwohl selbst eine engagierte Anhängerin der Kriegspartei und Befürworterin des Krieges, stellt sie die Frage, mit welchem Recht Österreich die Tiroler zur Empörung, zur Untreue gegen ihren rechtmäßigen Gebieter auffordern könne.(228)
Erzherzog Johann, der diese von Hormayr verfassten Aufrufe bei Kriegsausbruch überall in Tirol zu verbreiten beabsichtigte, bemerkt später darüber in seinen Aufzeichnungen:
"... Wenn ich das strenge Recht gelten lasse, so ist die Ansicht der Kaiserin richtig, und wollte Gott, es dächte alles so. Aber sie vergisst, dass Tirol Österreich entrissen wurde nicht allein gegen den Willen des Regenten, sondern des gesamten Volkes, dass die Bedingungen, wodurch die Verfassung aufrecht erhalten werden sollte, vielfach verletzt wurden. Das ganze Volk ergab sich in sein Schicksal in der Hoffnung einer Rückkehr zum alten Fürstenhaus mit dem festen Vorsatz, die erste Gelegenheit zu ergreifen, um dies auszuführen...Die Kaiserin war eine edle, hochherzige Frau, sie wollte das Gute; aber Erfahrung fehlte." (229)
Auch Kaiser Franz selbst musste von Graf Stadion überzeugt werden, das die Rückgewinnung Tirols nicht rechtswidrig sei. Stadion argumentiert mit dem 8. Artikel des Pressburger Friedens: Dieser besagt ausdrücklich, dass die von Österreich abgetretenen Fürstentümern, Herrschaften, Domainen, - darunter fallen nicht nur die Grafschaft Tirol mit den Vorarlbergischen Herrschaften, sondern auch Gebiete, die an das Königreich Württemberg und das Kurfürstentum Baden abgetreten werden mussten, - in den gleichen Titeln, Rechten und Prärogativen zu belassen, wie sie vorhin Seine Majestät dem Kaiser von Deutschland und Österreich, oder die Prinzen seines Hauses besessen haben.
Ein letzter Einwand des Kaisers, ob aus diesem Artikel gefolgert werden kann, dass Bayern die Verfassung Tirols zu ändern und eine neue Verfassung einzuführen berechtigt war,(230) fiel Stadion nicht schwer, mit dem Hinweis auf die Aufhebung der Tiroler Ständischen Verfassung und der Auslöschung von Tirols Namen, zu entkräften. Die Antwort hatte er bereits ein Jahr zuvor gegeben, als diese Verfassung von Bayern beschlossen ward. "Wird diese Konstitution in Bayern angenommen, so mag es mit dem dortigen König und seinem Reich bald ein Ende nehmen."
Wie schon erwähnt, wird das Argument des Vertragsbruchs betreffend Artikel VIII. des Pressburger Friedens von manchen Historikern nicht ausreichend stichhaltig. Rudolf Fallmann vertritt in seinem Aufsatz "Die Kampfhandlungen der Jahre 1797 bis 1810" – Vorgeschichte die Auffassung, die seit Meinhard II geltenden Rechte und Gewohnheiten hätten im Laufe der Zeit eine Überbewertung erfahren:
Diese Bewertung des Vertragswerks dürfte mehr ein Wunschdenken diverser Historiker sein, real hingegen war die Herrschaftspraxis der Wittelsbacher in Tirol: bereits Ludwig von Brandenburg setzte sie sich im 14. Jh. über verbriefte Rechte hinweg, von verfassungsähnlichen, einklagbaren Rechten der Tiroler Bevölkerung ist hier keine Spur zu erkennen. Zu Zeiten Napoleons war die realpolitische Situation kaum anders, der so genannte "Freiheitsbrief" aber längst zum Mythos und Grundstein spezifischer Landesidentität geworden. (231)
Bei allem Respekt kann diese jeder Logik widersprechende Formulierung nicht als Begründung dafür gelten, dass gebrochenes Recht nicht reklamiert und gegebenenfalls auch gewaltsam wieder hergestellt werden kann.
Nachdem die einzige Adresse, bei der die Tiroler eine Klage hätten einbringen können, - der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, - seit drei Jahren nicht mehr existierte, blieb nur mehr die Anrufung der Schutzmacht Österreich, dessen Herrscher der ehemalige Römisch Deutsche Kaiser war, aber nicht mehr die neutrale Funktion des obersten Schiedsgerichtes wahrnehmen konnte. Dass diese Schutzmachtfunktion den österreichischen Interessen sehr gelegen kam, braucht nicht eigens betont zu werden, ist aber, was die stichhaltigkeit der Forderung betrifft irrelevant.
Auch Reinhard Heydenreuter hält in seinem Buch Tirol unter dem Bayrischen Löwen das Bemühen um eine Rechtfertigung für fragwürdig und behauptet:
Die Landesverfassung und die Rolle der Landstände waren für die Tiroler Bauern, die eigentlichen Träger des Aufstands, weitgehend irrelevant. Ohnehin sahen sie sich trotz hoher Leistung bei der Landesverteidigung und bei der Steuer gegenüber dem Adel und den Prälaten benachteiligt. Schon einmal hatten sich die Bauern beschwert, die Abwehrkämpfe gegen die Franzosen 1796 weitgehend alleine bestritten und finanziert zu haben.
Die Modalitäten der Einberufung des Landtags waren schon seit Jahrzehnten strittig. Die Aufhebung der landständischen Klöster durch die bayerischen Behörden war durch die Beschlüsse des Reichsdeputationshauptschlusses "gedeckt".
Auch dieser Auffassung wäre das gleiche Argument wie oben entgegen zu halten. Was die Auflösung der Klöster betrifft, mag die Behauptung der Deckung durch den Reichsdeputationshauptschlusses zwar richtig sein, nur vergisst er zu erwähnen, dass es erst der Entmachtung der alt-bayrischen Landstände bedurfte, um den Weg zur Säkularisierung der Klöster frei zu machen. Diese Prozedur hatte man für auch bei der Auflösung der Tiroler Klöster zu volziehen, hatte man sich dank der brutalen Vorgangsweise von Mieg und Widder nicht mehr soviel Zeit genommen.(232)
Die Behauptung, die Aufhebung der Tiroler Verfassung hätte die breite Masse der Bevölkerung kaum berührt, entkräftet Heydenreuter selbst, indem er das ganze Sündenregister bayrischer Reformwut aufzählt:
Zu den zahlreichen Fehlgriffen der bayerischen Regierung ... gehörte etwa die 1808 erfolgte Anordnung, Schloss Tirol auf Abbruch zu versteigern. Dass es erhalten blieb, ist dem Zufall zu verdanken.Aber auch den Namen Tirol und alle Bezeichnungen, Symbole und Wappen, die auf das ehemalige österreichische Erbland und die historischen Beziehungen zum Kaiserhaus und zu Österreich hindeuteten, versuchte man zu tilgen. Selbstverständlich musste auch der rote Tiroler Adler durch die weiß-blaue Staatssymbolik mit den Rauten und dem Herzschild, mit Königskrone, Schwert und Zepter ersetzt werden.
Damit erbringt Heydenreuter als bayrischer Historiker von Rang die Bestätigung, dass alle die Maßnahmen und Rechtsbrüche in Summe gesehen ausreichen um der betroffenen Bevölkerung das Gefühl der Bedrohung ihrer ethnischen Identität zu geben. Nach unseren heutigen Erkenntnissen ist das Rechtfertigung genug wenn man den gegenwärtigen Wirbel, der um die Entfernung der Kreuze in den Schulen und Kindergärten gemacht wird, in Betracht zieht.
Obwohl die Nachrichten aus Tirol deutliche Anzeichen allgemeiner Unzufriedenheit und Empörung erkennen ließen, war man sich in Wien darüber im Klaren, dass die Stimmung für eine Volkserhebung wie in Spanien nicht reichen würde.
Dazu bedurfte es einer entsprechenden Nachhilfe an Propaganda, um die allgemeine Stimmung in Südbayern, wie Tirol seit Jahresende 1808 genannt werden musste, aufzuheizen. Obwohl der Ausdruck Propaganda noch nicht gebräuchlich war, entsprachen die Aufrufe voll und ganz dem bekannten Muster der politischen Agitation, in der das Volk durch zugkräftige Parolen beeindruckt, die Wahrheit aber auf der Strecke bleiben soll.
In der Formulierung der Texte dieser Aufrufe erwies sich Hormayr als wahrer Meister.
Hormayr hat in den Aufrufen alle Minen springen lassen, und wo immer er einen verwundeten Fleck am Leibe des Tiroler Volkes fand, da goss er Salz hinein, damit die Flamme leidenschaftlicher Feindschaft hervorbreche. Finanzielle Aussaugung, Verletzung der Landesrechte, Verfolgung der Kirche und ihrer Diener, alle diese Register wurden an passend erscheinender Stelle eingelegt. (233)
Seit sich die Kriegspartei durchgesetzt hatte, war Hormayr eifrig bemüht und mit besten Empfehlungen seines Freundes Erzherzog Johann ausgestattet, sich am Wiener Hof unentbehrlich zu machen. "Möge sich das Herz Eurer Hoheit wieder zuwenden der alten Treue Tirols, möge es mir so gut werden, in dieser Zeit, wo nur Fresser oder Wollüstlinge des Lebens froh werden können, bei Tirols Wiedereroberung vor den Augen Eurer Hoheit zu fallen wie einer der Ritter von Sempach, und dass ich, welcher als der erste die Geschichte des Landes im Zusammenhang geschrieben habe, mir auch einen Platz in derselben verdiene."(234)
Der Platz in der Geschichte war ihm gewiss, nur die Rolle, die er darin spielte, war alles andere als heldenhaft. Stets um seine Sicherheit besorgt hielt er sich immer einen Fluchtweg offen wie beispielsweise im Mai 1809, als die Sache der Aufständischen nicht gut stand, er sich vorsorglich einen Schweizer Pass besorgt und unter fadenscheinigen Argumenten sich im grenznahen Vintschgau aufgehalten hatte. Als es dann wirklich brenzlig wurde, verließ er im Juli, nicht ohne vorher den Versuch, einen Kredit über 40 000 Gulden zu erpressen, fluchtartig das Land. (235)
Die Texte von Hormayrs Aufrufen, - für die Bayern waren sie ein auffallendes Aushängen von Gefühlen der Frömmigkeit und durch den Hass gegen Bayern, fanden bei Erzherzog Johanns volle Zustimmung, aber auch Kritik, viel zu wenig bündig und energisch und von jener Halb- und Dreiviertelcourage beseelt zu sein, die dem Augenblick nicht genug tut. Für Hormayr ein guter Grund ihm zu versichern, von Woche zu Woche um eine Oktav höher zu gehen.
Dass die Flugzettel und Plakate nach Tirol kamen, sorgten die schon erwähnten salzburgischen Beamten, Kommissär Trauner und Rat Fellner, deren einziges Problem darin bestand, sie unbemerkt über den Zillerfluss, der damaligen Grenze zu Tirol zur schaffen. Für die weitere Verteilung sorgten die zahlreichen Hausierer und Gastwirte.
Inhaltlich waren diese Aufrufe, wie schon erwähnt, mit Erzherzog Johann abgestimmt, sie. So gab es dreierlei Fassungen: Das größere, inhaltlich umfangreicheren, anonyme Fassung, trug die Überschrift Proklam, und war für die gebildete Leserschaft bestimmt, die kürzer gefassten Aufrufe, sollten jedermann verständlich sein und sollten die breite Masse der Bevölkerung informieren, wie sie sich beim Vorrücken der österreichischen Truppen zu verhalten habe.
Beispielsweise wurden die Militärpflichtigen zur Flucht in die Berge aufgefordert, wo sie ihrer Befreier, die in wenig Tagen erscheinen werden, harren sollen.
Eine andere Version beschäftigt sich mit der Aufzählung der Sünden der bayrischen Regierung, beschuldigt sie des Verfassungsbruches und al1es dessen, was den vier Ständen angetan wurde. (236)
Warum Hormayr diese Aufrufe anonym herausgab hatte seinen guten Grund, hatte er doch erkannt, dass die Texte nicht geeignet schienen, von der Regierung autorisiert zu werden. Hormayr war überzeugt dass Übertreibung und Halbwahrheiten zu den unverzichtbaren Mitteln der psychologischen Kriegsführung zählen, denn die kalte Mäßigung wirkt nicht auf die gereizte Menge, sie würde nur nachdenkend und zweifelhaft machen.(237)
Ob diese Aufrufe tatsächlich die erhoffte Wirkung zeigten, mag bezweifelt werden, waren die Inhalte trotz Bemühens des Verfassers für die einfachen Bauern schwer verständlich.
Wenig Zuspruch fanden auch jene Aufrufe, mit welchen die wehrpflichtigen Burschen aufgefordert wurden, sich der Musterung durch Flucht zu entziehen und zum Eintritt in die kaiserliche Armee zu bewegen. Sie versteckten sich lieber in den Wäldern und auf Almen, anstatt die Rekrutierungsstellen in Salzburg aufzusuchen.
Anders bei dem von Erzherzog Johann persönlich gezeichneten Proklam, in der er nicht nur seine Ankunft ankündigte, sondern auch versprach, dass Österreich dem Land Tirol alle alten Rechte wieder zuerkennen werde, wenn die Bauern in Waffenbruderschaft kämpften und das Land nie wieder aufgeben werde. Diesem Versprechen sind sie treuherzig gefolgt, bis sie eines Besseren belehrt wurden.
Eine gewisse Wirkung zeigten auch verschiedene Flugschriften, über die Erfolge der aufständischen Spanier, darunter auch solche, die direkt aus Spanien kamen.(238)
Den wirklichen Zündstoff zum Aufstand lieferten aber die persönlichen Aufrufe der Talkommandanten und Schützenhauptleute, die besonders unter dem Eindruck der Rekrutenaushebung die Aufmerksamkeit im ganzen Land größtes Interesse fanden.
Der seit 1806 vom König bestellte für Militärkommandant von Tirol, Generalleutnant Georg August Freiherr von Kinkel, (239) stand nun vor der Aufgabe, neben der Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung, nun auch das Land gegen militärischen Angriff von Außen zu verteidigen.
Abgesehen davon dass der General im Alter von 68 Jahren nicht mehr über jugendlichen Elan und Tatkraft verfügte, lässt seine gemächlich verlaufende militärische Laufbahn eher auf Geduld denn auf Ehrgeiz schließen. Seinen Zeitgenossen erscheint er als sturer und arroganter Militarist, im Umgang mit den zivilen Behörden war er unkooperativ. (240)
Es scheint also, dass der so wenig befähigte General von der Münchner Regierung nach Tirol abkommandiert wurde, da man meinte, er könne dort kein Unheil anrichten. (241)
Für Montgelas, der sich an der Berufung Kinkels nicht ganz unschuldig gefühlt haben dürfte gab es keinen Zweifel, dass weder der Kommandierende General, noch seine Truppe deren Stärke von 5 Bataillonen Infanterie, 2 Eskadronen und 1 ½ Batterien, insgesamt 3850 Mann, - einem massiven Angriff aus Österreich, nicht standhalten könne, zumal mit dem Ausbruch eines Volksaufstand gerechnet werden musst.
Er glaubte daher mit einer Verstärkung um 2000 Mann nicht zu viel verlangt zu haben, indem er vorschlug, 1000 Mann im Inntal zwischen Kufstein und Schwaz, 500 zur Besetzung des Brenners und ebenso viel im Oberen Inntal zwischen Nauders und Finstermünz einzusetzen.(242)
Kriegsminister Triva, der sich vorrangig Napoleons Direktiven verpflichtet sah, erteilte Montgelas eine brüske Abfuhr:
Für Tirol ist nichts zur Verfügung, alle Truppen sind notwendig zur Erfüllung der Pflichten gegen den Protektor des Rheinbundes.(243)
Nach all diesen vergeblichen Bemühungen um Verstärkung, musste sich General Kinkel mit dem Status Quo und einer Weisung abfinden, deren Inhalt, von Generalstabsoffizier v. d. Stockh verfasst, unter dem Titel, "Verhalten in dermaligen Verhältnissen" weder ein taktisches Konzept noch ein differenziertes Bedrohungsbild erkennen lässt:
Auf Verstärkung ist nicht zu rechnen, es könne vielleicht sogar noch eine Verminderung eintreten. Es wurde daher als wahrscheinlich angenommen, dass Tirol von überlegenen, von auswärts kommenden Streitkräften angegriffen werde, denen er nicht mit Erfolg widerstehen könnte. Da galt es bloß die Waffenehre zu wahren. Außer der Verwendung seiner Truppen zur Durchführung der Konskription, die man sich in diesem Moment noch als möglich dachte, sollte sich Kinkel der Beobachtung der Grenze und der Aufrechthaltung der Ordnung im Lande widmen. Zusammenwirkend mit den Zivilbehörden hatte er seine Kräfte möglichst beisammen zu halten und sie auf die beiden Hauptorte des Inn- und Eisackkreises zu konzentrieren. Müsste von da aus gegen Volksbewegungen eingeschritten werden, so sollte es geschehen mit Energie und in einer den Erfolg verbürgenden Stärke". (244)
Auch den Ehrgeiz des Soldaten sollte diese Weisung an den General wecken: Eine schöne Verteidigung in diesen Gebirgsschluchten, in welchen nicht die Menge, sondern der Mut, Einsicht und Standhaftigkeit entscheidet, wird dem Kommandierenden viel Ehre einbringen.
Diese Weisung, - in heutiger Sicht eklatanter Unsinn, - war nichts anderes als die mit schönen Floskeln umschriebene Preisgabe Tirols, in der Kinkel die Rolle des unfähigen Sündenbocks zu übernehmen hatte. Die Behauptung zeitgenössischer Militärtheoretiker, dass „Dieser Verteidigungsentwurf von Tirol in seiner Klarheit und Einfachheit des Gedankens und in der natürlichen Würdigung der gegebenen Verhältnisse... unter der Führung einer befähigteren Person, etwa vom Generalstabsoffizier v. d. Stockh, welcher diesen Entwurf verfasste, anders verlaufen wäre,(245) ist das eine Spekulation, welche die Unfähigkeit Kinkels unterstreichen sollte, wie überhaut die Absicht nicht zu übersehen ist, Napoleon für alles verantwortlich zu machen. Dieser Auffassung hat sich schließlich auch die deutsch-national beeinflusste Geschichtsschreibung des ausgehenden 19. Jahrhunderts angeschlossen.
Selbst wenn der greis Kinkel, gleich einem Radetzky, der mit 80 Jahren seine größten militärischen Erfolge buchen konnte, ein militärisches Genie gewesen wäre, wäre die ihm gestellte Aufgabe so gut wie unlösbar gewesen. Für den militärisch einfach gestrickten Kinkel aber war jener Auftrag der Weisung klar, den er im Falle eines Aufstandes zu erfüllen hatte: seine Kräfte möglichst beisammen zu halten und sie auf die beiden Hauptorte des Inn- und Eisackkreises zu konzentrieren und in einer den Erfolg verbürgenden Stärke einzuschreiten.
Diesem Auftrag entspricht auch die örtliche Verteilung der Truppe, über die uns der Bayrische Generalstabsoffizier, Hauptmann C. Bauer (246) eine entsprechend authentische Auskunft gibt: Kinkels Division bestand aus 3 leichten Infanteriebataillonen zu je 800 Mann, sowie aus 2 Bataillonen des II. Linieninfanterieregiments von je 600 Mann. Dazu kamen 2 Eskadronen Dragoner zu je 125, alles zusammen eine Gesamtstärke von 3858 Mann. (247)
Auch was die Dislozierung betrifft hielt sich Kinkel strikt an die Weisung, seine Truppen um die beiden Hauptstädte Innsbruck und Brixen zu konzentrieren: In Innsbruck standen 2 Bataillone unter dem Kommando von Oberst Ditfurth, eine Eskadron Dragoner des Rittmeisters Erbach, sowie 1 Halbbatterie Artillerie.
In Hall standen 2 Kompanien des 3. leichten Infanteriebataillons, - insgesamt 400 Mann, - unter dem Kommando von Oberstleutnant Bernclau, im Raume Schwaz – Wörgl ein ebenso starkes Kontingent unter Major von Theobald.
Südlich des Brenners befehligte Oberstleutnant von Wreden, - er wird immer wieder fälschlich "Wrede" genannt, was zu Verwechslungen mit dem erst später in Aktion tretenden General Karl Philipp von Wrede führt.
Das Oberland, sowie der Vintschgau vom Reschen bis Meran blieben ohne militärische Bedeckung.
Bei aller Gründlichkeit, mit der die bayrische Regierung versuchte, Tirol in den zentralistischen bayrischen Beamtenstaat zu integrieren, hatte man offenbar übersehen, dass das Land bis an die Zähne bewaffnet war. Ob Versehen oder Unterschätzung, die Tiroler Wehrordnung, - das letzte Mal 1805 reformiert, - blieb de facto in ihrer Struktur intakt und jederzeit abrufbereit.
Dazu hatte offensichtlich Montgelas’ abschätzige Meinung über die Tiroler Miliz, die sich mitunter durch Tapferkeit, häufiger aber durch Insubordination und Verachtung der Gesetze und üblichen Formen hervortut, beigetragen. Offenbar war auch die relativ geringe Gegenwehr, die der Tiroler Landsturm den Truppen Marschall Neys 1805 entgegen brachte dafür ausschlaggebend. (248)
Wenn er aber weiter sagt, dass sie (die Miliz) ihren eigenen Anführern wie den Behörden des Landes fast gefährlicher war, als dem Feind, hätte ihm dämmern müssen, dass es nun die bayrischen Behörden waren, die in den Gefahrenkreis gerieten.
Hormayrs Einschätzung war da schon realistischer:
Der Tiroler ist gewöhnlich mit einem Stutzen bewaffnet und, was die beträchtliche Klasse der Jäger und der auf Freischießen herumziehenden Schützen betrifft, der geübteste Schütze in ganz Europa. Die Sorgfalt dieses Volkes für diese Feuerwaffe, das Raffinieren auf ihre Vervollkommnung geht ins Unglaubliche. Alles Schießen in diesem Lande geschieht auf 150 bis 300 Schritte aus freier Hand, mit aufgehobenen, nicht an den Leib angelehnten Armen und ohne irgendein Hilfsmittel auf dem Gewehr mit bloßem Auge. (249)
Laut einer zeitgenössischen Berechnung, - sie dürfte in einer der Besprechungen mit Hormayr angestellt worden sein, - konnten in Tirol 86.000 Schützen und 40.000 Mann Landstürmer aufgebracht werden. Das bedeutet, dass bei einer Einwohnerzahl von etwas mehr als 600,000 Menschen, jeder fünfte Mann unter Waffen war.
Die Schützen waren vorwiegend mit dem eigenen Stutzen bewaffnet, wer keinen hatte musste sich mit einem Armeegewehr begnügen. Für die Bewaffnung des Landsturmes musste bäuerliches Werkzeug, wie umgeschmiedete Sensen und zu Morgensternen adaptierte Dreschflegel, kurz alles zum Hauen und Stechen geeignete Werkzeug herhalten.
Da die Schützen für den Nahkampf meist kein eigenes Seitengewehr hatten, wurde entweder mit umgekehrten Kolben zugeschlagen oder, was sich besser bewährte, der mit Sensen- und Dreschflegel bewehrte Landsturm zum Sturm vorgeschickt.
Von besonderer Bedeutung aber war ein dichtes Netzwerk für die Übermittlung von Nachrichten und Befehlen. Es bestand aus den zahllosen Wirtshäusern, deren Wirte meist führende Funktionen inne hatten und einer Schar von Kurieren, meist unverdächtige Halbwüchsige oder berittene Boten. Die Nachrichten erreichten mit erstaunlicher Schnelligkeit ihre Adressaten, so dass die bayrischen Organe kaum reagieren konnten sofern sie überhaupt etwas mitbekommen hatten.
Es war vor allem Andreas Hofer, der seit seiner Rückkehr aus Wien alles in Fluss brachte. Nach einer Reihe geheimer Konferenzen im März beim Kreuzwirt in Brixen, im Gasthaus zum kalten Keller bei Barbian und in Schabs versammelt er seine Vertrauten Erlacher von Villanders, Peter Kemenater, Eisenstecken und Peter Mayr von der Mahr. (250)
Die gleichen Treffen gab es im Tiroler Unterland wo Hofer in St. Johann am 13. März 1809 mit Wintersteller und anderen dortigen Gleichgesinnten zusammen traf, während (251)im Oberinntal und im Vintschgau Martin Teimer als eifriger Werber für den Aufstand tätig war. (252)
Man traf sich im Haus des Richters Senn in Pfunds und bei Frischmann in Schlanders. In Landeck bringt er den Richter Linser und in Imst den bei den Bauern beliebten Juristen Mosaner auf seine Seite, wie auch in Reutte, Nassereit und auf dem Mieminger Plateau mehrere einflussreiche Persönlichkeiten, wie der Holzhändler Josef Hirn für die Sache der Aufständischen gewonnen werden konnten. (253)
Neben der Frage nach den Ursachen, die zum Aufstand geführt haben, bleibt auch offen, ob es sich um eine generell vom Volk getragene Bewegung, oder um eine Rebellion von Bauern, die sich gegen die Eingriffe in ihr traditionelles und religiöses Empfinden zur Wehr setzten, gehandelt haben mag. Eine eindeutige Antwort darauf ist schwer zu finden, schon wenn man die Tatsache für gegeben nimmt, dass der bewaffnete Kampf überwiegend von der bäuerlichen Bevölkerung geführt wurde. Was aber die Führerschaft anbelangt, hatten die Bauern einen wesentlich geringeren Anteil gegenüber den zahlreichen Gastwirten, Gewerbetreibenden, und neben manchen Intellektuellen finden sich Geistliche und Beamte. Wenn daher bei Hirn und anderen Historikern, - und natürlich in den vorliegenden Texten, - "die Bauern" als Sammelbegriff für die Kriegspartei zur Anwendung kommen, dann deshalb weil man den damals geläufigen und auch von der bayrischen Gegenseite verwendeten Begriff "Insurgenten" vermeiden wollte und das Wort "Aufständische" österreichische Empfindlichkeiten auslöste.
Derartige Probleme finden sich bis in unsere Zeit des politisch korrekten Sprechverhaltens. So spricht man heute noch von den "Südtirol Aktivisten" der 50er- und 60er-Jahre anstatt sie Freiheitskämpfer zu nennen, die nichts anderes taten als ihre Vorfahren von 1809.
Das gilt besonders für Innsbruck, das bis zur neuen Verfassung von 1808 Landeshauptstadt und Sitz der Landesregierung und des Militärkommandos für das gesamte Gebiet war. Hier hatte sich naturgemäß der Großteil der bayrischen Beamten und Militärs niedergelassen. Die enge Zusammenarbeit mit der eingesessenen Beamtenschaft sowie gesellschaftlichen Kontakte mit Großbürgertum und Adel mussten zwangsläufig den Eindruck der Bayernfreundlichkeit, wie am Beispiel des Appellationsrates Dipauli erwecken. Die Innsbrucker Gesellschaft aber als ein mit der Aufklärung kokettierendes Bürgertum zu bezeichnen, zeugt von wenig Kenntnis einer Gesellschaft, die die Ideen der Aufklärung längst übernommen und daher ein Kokettieren nicht mehr nötig hatte. (254)
Dafür hat das Misstrauen der Landbevölkerung gegenüber dem Städter besonders in Tirol traditionelle und tief gehende Wurzeln, auf die man heute noch stoßen kann.
Obzwar mit den gleichen demokratischen Rechten ausgestattet wie Bürgertum, Adel und Geistlichkeit, hatte der Bauer entschieden das härtere Los, was seine Lebensbedingungen anbelangt, gezogen. Stets auf die unsicheren Witterungseinflüsse angewiesen und den klimatischen Bedrohungen der alpinen Bergwelt ausgesetzt, fand sich der Bauer im wirtschaftlichen Nachteil, vor allem aber was seine steuerlichen Verpflichtungen anbelangt..(255)
Dass in Bozen die Bürgerschaft, obwohl gleich liberal gesinnt wie in Innsbruck, gegenüber dem bayrischen Regime oppositionell eingestellt war, hatte seinen Grund in der traditionellen Rivalität mit Innsbruck, nicht zuletzt aber war es der Einfluss der Familie Giovanelli, die durch ihr Vermögen höchstes Ansehen genoss und die Verbindung zu Österreich nie abreißen ließ.
Die Bürgerschaft von Meran, das kirchlich dem Churer Bistum angehörte, stand mehrheitlich hinter Bischof Buol, dessen Kampf gegen die bayrischen Kirchenreformer weitgehende Zustimmung fand.
In den wenigen Kleinstädten und Marktflecken stand die Bürgerschaft voll zur Sache, teils hatten Persönlichkeiten aus ihren Reihen Führungspositionen inne, wie die Industriellenfamilie Strele in Imst. (256)
Damit wäre auch die vielfach anzutreffende Meinung, das Innsbrucker Bürgertum hätte von der bayrischen Besatzung profitiert und mit dieser kollaboriert auf Einzelfälle korrigiert, wie sie in allen Gesellschaften vorzukommen pflegen.(257)
Das gilt auch für die Ansicht, es sei alleine die allgemeine Erbitterung über das bayrische Regime gewesen, die zur Volkerhebung geführt habe, wie auch deren Bezeichnung als Freiheitskampf der vom Heroismus beeinflussten Geschichtsschreibung zuzuschreiben ist.
Dass der Aufstand nicht durch ein einzelnes Ereignis ausgelöst wurde, es sei denn man betrachtet den Kriegsausbruch als solches, - sondern von langer Hand vorbereitet war, dürfte entgegen früherer Ansichten zweifelsfrei feststehen, ob man aber von einem Freiheitskampf sprechen kann, scheiden sich nach wie vor die Geister.
Zunächst wäre einmal festzustellen, dass es die österreichische Propaganda war, die die Tiroler aufrief, sich von der Fremdherrschaft zu befreien: Auf, Tyroler, auf! — Sie ist da, die Stunde eurer Erlösung! So künden Erzherzog Johanns Aufrufe im April 1809 von der bevorstehenden Heimholung nach Österreich. Als dann doch die Rückkehr in den Schoß des Reiches glückte, war es zunächst für einige Jahre still um die Volkserhebung, der die damalige Geschichtsschreibung lediglich zwei Zeilen widmet: Nun genießen die Tiroler wie die übrigen Völker des österreichischen Kaiserstaates die Früchte des Friedens, und segnen Kaiser Franz den Ersten.(258)
Trotzdem ist es schwer vorstellbar dass die österreichische Kriegspropaganda und die schwülstigen Texte von Hormayrs Aufrufen allein gereicht hatten, die Tiroler zum Aufstand gegen einen Staat zu bewegen, in dessen Verfassung die Gleichheit aller Staatsbürger, die Sicherheit der Person und des Eigentums und vor allem Gewissens- und Religionsfreiheit festgeschrieben sind.
Andererseits aber stand Bayern selbst unter Kuratel und musste nach der Pfeife Napoleons tanzen. Für viele Bayern, - unter ihnen kein Geringerer als der Kronprinz selbst, - wurde das als unerträglicher Zustand empfunden. Für das aufgeklärte Bürgertum in Deutschland und Österreich war es daher der Wunsch nach einer Freiheit vom politischen Zwang, Die einfachen Tiroler Bauern aber sahen in der bayrischen Herrschaft die Vollstrecker des gottlosen Jakobinertums, für dessen Verbreitung Napoleon verantwortlich war und daher bekämpft werden musste. Freiheit ist eben ein Begriff der nur differenziert definierbar ist und daher vom Standpunkt des Einzelnen oder seiner Interessengemeinschaft gesehen wird.
Am 9. April war es dann soweit. In den frühen Morgenstunden überschritten Teile des VIII. Armeekorps von Erzherzog Johann bei Oberdrauburg die Tiroler Landesgrenze. Es waren zwei Brigaden unter der Führung von Generalmajor Fenner von Fenneberg1 und Generalmajor Marchal, sowie vier Bataillone Landwehr unter Oberst Auracher. Die Stärke der Division betrug etwa 10000 Mann davon allerdings nur die Hälfte Linientruppen.2 An Kavallerie waren lediglich 3 Eskadronen Chevauxlegers zugeteilt. Geführt wurde das Gesamtunternehmen von Feldmarschallleutnant Johann Gabriel Marquis Chasteler de Concelles.3
Chasteler galt in der österreichischen Armee als äußerst tüchtig, wofür die zweifache Verleihung des Militär- Maria-Theresien-Ordens und die Tatsache, es schon mit 34 Jahren zum Generalmajor gebracht zu haben, ein überzeugender Beweis ist. Dass er auch persönlichen Mut bewiesen hat, bezeugen seine vierzehn Verwundungen, die er im Laufe der Zeit erlitten hatte.
Fortsetzung erfolgt demnächst
(1) Josef Hirn; Tirols Erhebung im Jahre 1809, Seite 7 - (zurück zum Text)
(2) Nach der Rückkehr von einem Jagdausflug von seinem Schloss ausgesperrt musste er auf Druck der Tiroler Stände das Land verlassen, die Ehe wurde wegen Impotenz annulliert. - (zurück zum Text)
(3) Ludwig IV. der Bayer (geb. Ende 1281oder Anfang 1282 in München; gest 11. Oktober 1347 in Puch bei Fürstenfeldbruck) aus dem Haus Wittelsbach. Er war seit 1294 Herzog von Oberbayern und Pfalzgraf bei Rhein. Im Jahr 1314 trat er als Kandidat der Luxemburger Partei zur Wahl des römisch-deutschen Königs an. Diese Wahl verlief aber nicht eindeutig, so dass es in der Folge zu einem Doppelkönigtum mit dem Habsburger Friedrich dem Schönen kam. Erst nach der Schlacht bei Mühldorf 1322, konnte er den Titel vollständig zu beanspruchen. Papst Johannes XXII. aber versagte Ludwig die Anerkennung und überzog ihn mit Ketzerprozessen. Daraufhin ließ sich Ludwig im Jahr 1328 vom römischen Stadtvolk zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches wählen und setzte seinerseits den Franziskanermönch Pietro Rainalducci als Gegenpapst Nikolaus V. ein. 1346 wurde der Luxemburger Karl IV. als Gegenkönig gewählt, Ludwig starb ein Jahr später im Zustand des Kirchenbanns, der erst 1625 gelöst wurde. - (zurück zum Text)
(4) Ludwig der Brandenburger (geb. Mai 1315; gest 18. September 1361 in Zorneding bei München auf einem Ritt von Tirol nach München) war als Ludwig V. Herzog von (Ober-)Bayern und als Ludwig I. zudem Markgraf von Brandenburg sowie Graf von Tirol. Nach dem Tode seiner ersten Frau Margaretha von Dänemark hatte Ludwig am 10. Februar 1342 in Meran in Anwesenheit des Kaisers Margarete von Tirol geheiratet, die von ihrem luxemburgischen Gatten noch nicht geschieden war, um Tirol für die Wittelsbacher zu erwerben. - (zurück zum Text)
(5) Reinhard Heydenreuter; Tirol unter dem Bayrischen Löwen. Seite 46 - (zurück zum Text)
(6) Maximilian II. Maria Emanuel Kajetan, kurz Max Emanuel (geb. 11. Juli 1662 in München; gest. 26. Februar 1726 ebenda) Kurfürst von Bayern von 1679 bis 1706 und von 1714 bis 1726 sowie Generalstatthalter der Spanischen Niederlande 1692 bis 1706. Im Gegensatz zu seinem Vater und Vorgänger griff Max Emanuel offensiv in die europäische Politik ein. Mit seiner Hilfe konnte 1683 das von den Türken belagerte befreit werden. Nach der Erstürmung Belgrads 1688 wurde der "Blaue Kurfürst" - wie er wegen seiner blauen Rüstung genannt wurde – vom Kaiser zum Generalissimus ernannt Weniger glücklich war seine Beteiligung am Spanischen Erbfolgekrieg an der Seite Frankreichs. Als direkte Folge der Niederlage in der Schlacht von Höchstädt am 13. August 1704 musste Max Emanuel ins Exil; 1706 wurde über ihn und seinen Bruder Joseph Clemens, den Kölner Kurfürsten, die Reichsacht verhängt. Erst 1714, nach Beendigung des Krieges konnte Max Emanuel als Kurfürst nach Bayern zurückkehren In seiner verbleibenden Zeit setzte er den wegen des Krieges eingestellten Bau des „neuen Schlosses Schleißheim“ wieder fort und ließ das Schloss Fürstenried erbauen. Auch als Kunstsammler kaufte er für 90.000 brabantische Gulden 101 Gemälde, davon alleine zwölf Werke von Peter Paul Rubens, die heute den Grundstock der Alten Pinakothek bilden. Sein Sohn Karl Albrecht, der spätere Kurfürst von Bayern, König von Böhmen und römisch deutsche Kaiser heiratete 1722 die Kaisertochter Maria Amalie. 1726 starb der „blaue Kurfürst“ und wurde in der Theatinerkirche München beigesetzt. - (zurück zum Text)(7) Sterzinger, Martin, geb 4. 3. 1664 Imst (Tirol), gest. 17. 5. 1721 Lana bei Meran (Südtirol), Landrichter, Tiroler Landsturmführer. Organisierte den Landsturm im "Oberen Gericht" Vernichtete am 1. 7. 1703 eine bayrisch-französische Abteilung bei der Pontlatzbrücke und bei Landeck.(zurück zum Text)
(8) Karl Albrecht von Bayern (* 6. August 1697 in Brüssel; † 20. Januar 1745 in München) aus dem Hause Wittelsbach war von 1726 bis 1745 Kurfürst und Herzog von Bayern und von 1741 bis 1743 (als Karl III.) Gegenkönig von Böhmen sowie von 1742 bis 1745 als Karl VII. Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Er war somit 400 Jahre nach seinem Stammvater Ludwig IV. der zweite Bayer und der dritte Wittelsbacher auf dem deutschen Thron.(zurück zum Text)
(9) Panduren, ursprünglich bewaffnete Leibdiener ungarischer Edelleute. 1741 erhielt der in Slawonien ansässige Franz Freiherr v. d. Trenck die Erlaubnis, 1000 bewaffnete P. ins Feld zu stellen. Ein Generalpardon ermöglichte es, auch eine große Zahl Krimineller, wie Räuber und Banditen in das Korps aufzunehmen. 1756 wurde das Panduren-Corps von der Trenck in das 53. Infanterie-Regiment umgewandelt. Eine umfassende Würdigung dieser Truppe ist in C:\Dokumente und Einstellungen\Administrator\Eigene Dateien\Arbeitsdateien\Dateien Geschichte\Militärgeschichte\Die Schlesischen Kriege(zurück zum Text)
(10) Alexander I. Pawlowitsch Romanow (geb. 23. Dezember 1777 in Sankt Petersburg; gest. 19. November 1825. in Taganrog) Zar von Russland (1801–1825), König von Polen (1815-1825) und erster russischer Großfürst von Finnland (1809–1825) stammt aus dem Haus Romanow-Holstein-Gottorp.(zurück zum Text)
(11) Der Reichsdeputationshauptschluss war ein Beschluss der letzten Sitzung des Reichstages am 25.02.1803 in Regensburg. Dieser Beschluss fußte auf einem 1802 zwischen Frankreich und Russland vereinbartem Entschädigungsplan gemäß des Friedensvertrages von Luneville. Aufgrund der französischen Eroberungen während der Revolutionskriege hatten zahlreiche deutsche Fürsten ihre linksrheinischen Besitzungen verloren. Im Reichsdeputationshauptschluss wurde nun festgesetzt, in welcher Weise sie abgefunden werden sollten. Dazu wurden die geistlichen Fürstentümer (mit Ausnahme von Mainz, dessen Territorium verbunden mit der Würde eines Kurerzkanzlers auf Regensburg übertragen wurde) und die freien Reichsstädte aufgelöst und den benachbarten großen Fürstentümern zugeschlagen. Zugleich erhielten die Fürsten von Salzburg, Württemberg, Baden und Hessen-Kassel die Kurwürde der erloschenen Kurfürstentümer Köln, Trier und Pfalz. Die Säkularisation und die anschließende Mediatisierung veränderten das Deutsche Reich nachhaltig. Der Kaiser verlor mit den geistlichen Fürsten und Reichsstädten seine Hauptstützen im Reich. Die Zahl der Territorien reduzierte sich von einigen hundert auf etwa vierunddreißig. Fürstentümer wie Baden, Bayern oder Württemberg konnten große Gebietsgewinne erzielen, waren im Gegenzug jedoch zur Loyalität gegenüber Napoleon verpflichtet.(zurück zum Text)
(12) Karl Mack Freiherr von Leiberich (* 24. August 1752 ,† 22. Oktober 1828 in Sankt Pölten) 1805 Generalquartiermeister und praktischer Befehlshaber der Österreichischen Hauptarmee. Für die blamable Kapitulation von Ulm wurde er vor ein Kriegsgericht gestellt und zur Todesstrafe verurteilt, welche Kaiser Franz jedoch auf Entlassung aus der Armee und 20-jährige Festungshaft milderte. Durch die Vermittlung des Erzherzogs Karl wurde er aber 1808 aus der Haft entlassen und 1819 völlig begnadigt und nach dem endgültigen Sieg über die napoleonische Besatzungsmacht vollständig rehabilitiert und als Ritter des Theresia Ordens wieder eingesetzt(zurück zum Text)
(13) Vgl. Reinhard Heydenreuter; Tirol unter dem Bayrischen Löwen. ( S 90 )(zurück zum Text)
(14) Michel Ney, Herzog von Elchingen, Fürst von der Moskwa (* 10. Januar 1769 in Saarlouis; † 7. Dezember 1815 in Paris) Marschall von Frankreich. Napoléon nannte ihn le brave des braves (der Tapferste der Tapferen).(zurück zum Text)
(15) Josef Hirn; Tirols Erhebung im Jahre 1809. Seite 24 Schreiben des Hofkommissar Arco an den König vom 30. Aug. 1806. M. K. (zurück zum Text)
(16) Josef Hirn; ebenda S. 25 Der Regierung wurden die wunderlichsten Gerüchte gemeldet: Der Krieg wird bald losgehen und dann Tirol wieder an Österreich fallen. Der Kaiser wird außer Tirol auch Bayern erwerben, Max Josef dafür König von Holland werden.. - Eine Reihe solcher Gerüchte meldet Kreisoffizier Peratoner in Schwaz, andere wieder Arco an den König. j. St(zurück zum Text)
(17) Diese Grenzziehung gilt übrigens noch bis heute bezüglich der kirchlichen Zuständigkeiten der Diözesen Innsbruck und Salzburg.(zurück zum Text)
(18) Vgl. "Die Gefürstete Grafschaft Tirol – historisch, statistisch und topografisch beschrieben." Hgg. Von der Wagnerschen Verlagsbuchhandlung in Innsbruck 1827. "Im Jahre 1803 befanden sich im ganzen Lande 686 466 Köpfe" so behauptet diese Quelle.(zurück zum Text)
(19)Vgl. Huter Franz - "Der Anteil der nichtbäuerlichen Stände an der Erhebung von 1809", 1965/66 -(zurück zum Text)
(20)Josef Hirn; ebenda; S. 74(zurück zum Text)
(21) Arnold von Mieg, Kultus und Unterricht. Sein Dienst war vor seiner Verwendung in Tirol vorherrschend ein diplomatischer gewesen. Mieg trat bereits in jungen Jahren in den Staatsdienst und galt als erfahrener Diplomat. Im Jahr 1800 wurde er Legationssekretär bei der bayerischen Gesandtschaft in Wien, anschließend Legationsrat. Nach der Besitznahme Tirols durch Bayern 1806 wurde Mieg Gubernialrat in Innsbruck. Bis 1808 Referent im Gubernium für Personalien bei Graf Arco, wurde er dem neuen Generalkommissär des Innkreises, Max Graf von Lodron, als Kreis- und Kanzleidirektor zugeteilt. Durch sein kompromissloses Vorgehen gegen den Klerus und gegen dessen Besitz zog er sich den Hass der Bevölkerung zu. So organisierte er u. a. die Versteigerung von Messgeräten und Klosterbibliotheken. Nach der Eroberung von Innsbruck Aufständischen wurde Mieg am 21. April mit seiner Familie kurzzeitig nach Klagenfurt deportiert. 1810 Regierungsdirektor des Salzachkreises, 1816 Regierungsdirektor in Würzburg. 1823 wurde er Ministerialrat im bayerischen Innenministerium, 1826-1832 war er Generalkommissär des Rezatkreises, 1832-1833 Ministerverweser des Staatsministeriums der Finanzen. Mieg erwarb sich große Verdienste um das Zustandekommen des Deutschen Zollvereins.(zurück zum Text)
(22) Maximilian Graf von Montgelas(1759-1838) Bayerischer Staatsmann und Minister von 1799 bis 1817 Entsprechend seinem Ansbacher Mémoire führte er in Bayern tief greifende Reformen durch, die in erster Linie die Zentralisierung des Staates, die Anbindung der neu erworbenen Territorien an Altbayern sowie die Schaffung eines einheitlichen Staatsbewusstseins in dem neuen Bayern zum Ziel hatten.(zurück zum Text)
(23) Außenministerium, Finanzministerium, Justizministerium und Ministerium für Geistliche Angelegenheiten.(zurück zum Text)
(24) Reinhard Heydenreuter; Tirol unter dem Bayrischen Löwen. ( S 101 )(zurück zum Text)
(25) Würzburg, Bamberg, Augsburg, Freising, einem Teil von Passau und Eichstätt und weitere 12 Abteien, die durch den Reichsdeputationshauptschluss an Bayern fielen. (zurück zum Text)
(26) Josef Hirn; ebenda; Seite 6(zurück zum Text)
(27) Die ursprünglich französischen Besatzungstruppen wurden bereits ende November 1805 durch bayrische Truppen abgelöst, die französische Militärverwaltung unter Kriegskommissär Viriville war nach wie vor im Amt.(zurück zum Text)
(28) Reinhard Heydenreuter; Tirol unter dem Bayrischen Löwen. Seite 131. Um vieles schlechter war die Situation der Grunduntertanen im Hochstift Trient. Sie waren dem Freistiftsrecht unterworfen, die Selbstverwaltung der Gemeinden war stark eingeschränkt. Daher waren Untertanen aus den Trienter aber auch den Brixener Gerichten im Landtag nicht vertreten. Der vierte Stand war also keineswegs aus dem "ganzen" Land Tirol vertreten.(zurück zum Text)
(29) Josef Hirn; ebenda, Seite 6, Über die Verabschiedung der Delegation vom 14. Januar 1806,(zurück zum Text)
(30) Josef Hirn; ebenda; Seite 7, Verweis auf eine 1806 verfasste Schrift: "Politische Gedanken über den jüngst beendeten Krieg" (zurück zum Text)
(31) Eberhard Weis: Montgelas: Der Architekt des modernen Bayerischen Staates 1799- 1838 (Seite 433), Das Besitzergreifungspatent vom 22. Jänner 1806 verfügt die Einverleibung Tirols mit all seinen Landesteilen in das Königreich Bayern(zurück zum Text)
(32) Carl Maria Reichsgraf von Arco (1769 – 1856) wurde der erste General-Landeskommissar von Tirol unter Bayrischer Herrschaft. Sein Versuch die Staatlichen Reformen in Tirol möglichst moderat anzugehen, wurde aber unter dem Einfluss radikaler Beamter zusehends unnachgiebiger. Mit der neuen Verfassung von 1808 und der direkten Unterstellung der 3 Kreise an München wurde seine Stellung überflüssig. Das Besitzergreifungspatent vom 22. Jänner 1806 verfügt die Einverleibung Tirols mit all seinen Landesteilen in das Königreich Bayern(zurück zum Text)
(33) Eberhard Weis: Montgelas: Der Architekt des modernen Bayerischen Staates 1799- 1838 (Seite 433)(zurück zum Text)
(34) Josef Hirn; ebenda, Seite 84.(zurück zum Text)
(35) Josef Hirn; ebenda; Seite 23 Dipauli berichtet, dass er ebenfalls zum Ortswechsel nach Wien bewegt werden sollte, aber wegen des Gesundheitszustandes seiner Frau sich zum Bleiben entschloss. Außer ein paar Beamten der Buchhaltung und des Montanwesens traten zunächst nur Polizeidirekter Carneri, Burghauptmann Primisser und Gubernialkonzipist Baron Schluga über. Später folgten noch einige diesem Beispiel, wie der Gubernialrat Karl Ployer, Martin Wikosch und Scheth, Professoren an der Innsbrucker Universität.
(zurück zum Text)
(36) Josef Hirn; ebenda, Seite 86 Hirn beruft sich auf eine nicht näher bezeichnete Person bei Kal. Stettner(zurück zum Text)
(37) Josef Hirn; ebenda, Seite 25(zurück zum Text)
(38) Josef Hirn; ebenda, Seite 87(zurück zum Text)
(39) Für Mautmagazineur Josef Hueber in Reutte gab es fast keine Person über die er nicht etwas abfälliges zu berichten wusste. Sein Meisterstück aber lieferte er gemeinsam mit dem von Montgelas als Geheimagenten nach Tirol entsendeten Lorenz Gais über eine Verschwörung und Anlage von Waffenlagern im Pustertal und anderen Distrikten, wo große Depots versteckt sein sollten. nichts brachte als dass sich der Burgermeister von Reutte wegen des Kaufs von 20 Zentner Heu verdächtig gemacht hatte. Für ihre Ermittlungstätigkeit soll ihnen ein Taggeld von 5 Gulden bewilligt worden sein. Vgl. Josef Hirn; Seite 93 - 94(zurück zum Text)
(40) Franz Graf Zichy, Österreichischer Finanzminister 1809.(zurück zum Text)
(41) Jacques Pierre Orillard de Villemanzy (geb. 5. Jänner 1751 in Amboise, gest. 3. September 1830 in Versailles), General Intendant und Generalmajor. 1792 Generalkommissär der rheinischen Armee, 1805 und 1810 Generalkommissär für Tirol(zurück zum Text)
(42) Josef Hirn; ebenda. Andreas von Dipauli ("Meine Lebensereignisse", A. D.) meint, Villemanzy habe ohne Auftrag Napoleons die Übergabe vorgenommen habe, um von Bayern ein ansehnliches Geschenk zu erhalten.(zurück zum Text)
(43) Josef Hirn; ebenda Seite 18. Tatsächlich hatte Arco bereits an die Ambraser Schätze die Sperre anlegen lassen. Max Josef genehmigte die Haltung seines Hofkommissärs. Dieser hatte dem Grafen Brandis zu eröffnen: Kaiser Franz habe schon durch den Friedensschluss das Land abgetreten, dessen Übergabe nur derjenige vollziehen konnte, in dessen Besitz es war, weitere Übergabehandlung sei überflüssig;. (M. K.) . (zurück zum Text)
(44) Josef Hirn; ebenda Seite 12: Über die Anlage der größeren damaligen tirolischen Fonde orientiert folgende Tabelle:(zurück zum Text)
(45) Josef v. Giovanelli; geboren zu Bozen am 7. Mai 1750, gestorben ebenda am 19. November 1812, aus einem ursprünglich italienischen Edelgeschlecht, dessen Angehörige mehrfach die Patriarchenwürde und andere hohe Ehrenämter in Venedig bekleideten, dass sich aber später in eine venezianische und eine tirolische Linie spaltete. Schon in den Kriegsjahren 1796–1801 und 1805 entwickelte er als landschaftlicher Abgerordneter des Herren- und Ritterstandes und Kassier der landschaftlichen Filialkasse eifrige Tätigkeit für das Landesdefensionswesen. 1809 war er eine Zentralfigur in der Organisation und der Logistik der Bewegung, unter Hofers Regierung Innenminister.(zurück zum Text)
(46) Josef Hirn; ebenda. Seite 20; Josef Giovanelli d. Ä. an seinen Sohn Josef in Wien: (A. G.)(zurück zum Text)
(47) Josef Hirn; ebenda Seite 20 : Arcos Schreiben an den König am 2. Februar 1808(zurück zum Text)
(48) Reinhard Heydenreuter; Tirol unter dem Bayrischen Löwen. (zurück zum Text)
(49) Reinhard Heydenreuter; ebenda S 132 :Unter Maria Theresia und Kaiser Joseph 11., die eine Abschaffung der landständischen Mitbestimmung anstrebten, wurden grundsätzlich keine großen Landtage abgehalten. Unter Kaiser Leopold II. kam es dann 1790 erstmals wieder nach 70 Jahren zur Einberufung eines großen Landtags mit rund 500 Teilnehmern; weitere Versammlungen folgten 1796 und zuletzt im Januar 1801. Dann kam es zu einer akuten Krise, da der Kaiser bei den Verhandlungen des Landtags allzu viel Ähnlichkeiten mit der französischen Nationalversammlung festzustellen glaubte.(zurück zum Text)
(50) Aufhebungsdekret vom 29. Juni 1807(zurück zum Text)
(51) Das Adelige Damenstift in Innsbruck wurde 1765 von Maria Theresia gegründet. Anlass war der Tod von Franz I. Stephan im Jahr 1765 damit dort für das Seelenheil ihres verstorbenen Gatten gebetet würde. Das Adelige Damenstift war für zwölf adelige Fräulein bestimmt, die Trauerkleidung tragen und täglich im Gebet (Tag und Nacht) des verstorbenen Kaisers gedenken mussten. Die Kleidung der Ordensfrauen war stets schwarz, alltags einfach, mit wenig Schmuck, aber links mit dem Ordenszeichen versehen. Als Festtagskleidung diente ein schwarzes Seidenkleid mit Hermelin besetzter Schleppe. Verboten war der Besuch von Maskenbällen und öffentlichen Komödien, gestattet der Besuch von Oper, Hof- und Adelsveranstaltungen, Spazierfahrten und Gartenfesten. Jede der Damen hatte die Möglichkeit zu heiraten oder einem geistlichen Orden beizutreten. Das Stift wurde 1807 von der bayrischen Regierung aufgelöst, nach der Rückgabe Tirols an Österreich 1816 reaktiviert. Heute handelt es sich um eine Stiftung des Landes Tirol. Gegenwärtig sind noch zwei oder drei Stiftsdamen hier ansässig. (zurück zum Text)
(52) In der Ersatzwahl wurden der Trientiner Dompropst Freiherr v. Pizzini und der Probst von Innichen Johann Andreas v. Kripp gewählt , doch der König verweigerte beiden die Bestätigung. Vgl. Josef Hirn, ebenda Seite 63(zurück zum Text)
(53) Josef Hirn; Tirols Erhebung im Jahre 1809; Seite 119: Diese im Einziehungsmandat vom 16. Sept. 1807 erscheinende Motivierung hatte Arco dem König nahe gelegt, da er schrieb: "Den Ausfall im Studienfond können die Klöster nicht tragen, daher wird man sie ohne viel Aufsehen für diesen Fond einziehen können." So berichtet Philipp Stadion dem Kaiser, nachdem der Gesandte Friedrich Stadion in München Beschwerde eingelegt hatte. am 23. Febr. 1807. W. St.(zurück zum Text)
(54) Die Bibliothek von Neustift wanderte beispielsweise in die Universität Innsbruck, von wo sie erst nach 1919 wieder zurück kam. Der berühmte Kirchenväteraltar des Michael Pacher wurde 1809 nach München gebracht, wo er heute in der Alten Pinakothek zu sehen ist. vgl. Reinhard Heydenreuter; Tirol unter dem Bayrischen Löwen.(zurück zum Text)
(55) Josef Hirn; ebenda. In Neustift waren es zehn Gemälde, ein kleiner Altar, ein Stück von einem alten Messkleide, ein englischer Gruß aus Achat, ein Christusbild aus Korallen die für die Kunstsammlung des Königs ausgesucht waren.(zurück zum Text)
(56) Eberhard Weis: Montgelas: Der Architekt des modernen Bayerischen Staates 1799- 1838, Seite 199 - 122 (zurück zum Text)
(57) Josef Hirn; Tirols Erhebung im Jahre 1809; Seite 118(zurück zum Text)
(58) Josef Hirn; ebenda. Seite 119.(zurück zum Text)
(59) Josef Hirn; ebenda; Seite 121- 122(zurück zum Text)(60) Josef Hirn; ebenda; Seite 120 Es handelt sich dabei um die Ordensleute Benedikt Langes, Johann Ranftl, Placidus Degeser, Basilius Raas, Hermann Strobl, Roman Schuler, Gallus Blaas, Augustin Tschöll, Beda jung, Martin Agathle und Bruno Schatz "(zurück zum Text)
(61) Haspingers Tagebuch, abgedruckt in den Mitteilungen des Kriegsarchivs 11 1903. Haspinger, geboren 1776, trat 1802 in den Orden zu Eppan, Priester 1805, 1806-7 Prediger in Schlanders. Während des Aufstandes 1809 zentrale Führerfigur, die Andreas Hofer zu weiterem Widerstand bewegte. Flüchtete 1810 nach Österreich, wo er als Pfarrer in Jedlesee unterkam. 1836 pensioniert, lebte er in Wien Hietzing und zog 1848 nochmals als Feldkurat einer Schützenkompanie nach Italien. Er starb am 12. Jänner 1858 hoch betagt im Schloss Mirabell zu Salzburg. (zurück zum Text)
(62) Erzherzog Ferdinand II. von Österreich, Landesfürst von Tirol ab 1564 - 1595 (geb. 14. Juni 1529 in Linz; gest. 24. Jänner 1595) Ferdinand war der zweite Sohn des Kaisers Ferdinand I. und Bruder des späteren Kaisers Maximilian II. Er war in morganatischer Ehe mit Philippine Welser (1527 – 1580) verheiratet. Nach deren Tod heirate er 1582 Anna Caterina Gonzaga von Mantua.(zurück zum Text)
(63) Die Gesellschaft Jesu (Societas Jesu, SJ) deren Mitglieder als Jesuiten bezeichnet werden, wurde am 15. August 1534 von Ignatius von Loyola gegründet. Durch das vierte Gelübde zu besonderem Gehorsam gegenüber dem Papst verpflichtet, erzwangen absolutistische Herrscher 1773 ihr Verbot durch den Papst, 1814 erfolgte ihre Wiederzulassung. Die Bezeichnung „Jesuiten“ wurde zunächst als Spottname gebraucht, später aber auch vom Orden selbst übernommen.(zurück zum Text)
(64) Hans Magenschab; Josef II., Revolutionär von Gottes Gnaden; Seite 213. Es ging dabei um das Privileg der Exemtion der Klöster, die sie der Bischöflichen Jurisdiktion entzog. Josef hatte hier die Entscheidung zu einer Frage getroffen, welche die Päpste bisher unbeantwortet ließen.(zurück zum Text)
(65) Die zur Diözese Salburg gehörenden Zuständigkeiten sind heute noch aufrecht.(zurück zum Text)
(66) Das Konzil von Trient (Tridentinum), das von der Römisch-katholischen Kirche als 19. ökumenisches Konzil angesehen wird, fand in vier Sitzungsperioden zwischen 1545 und 1563 statt. Es diente der Antwort auf die Reformation.(zurück zum Text)
(67) Der Begriff Josefinismus (abgeleitet v. Kaiser Joseph II.) bezeichnet die konsequente Unterordnung gesellschaftlicher Angelegenheiten unter die staatliche österreichische Verwaltung nach den Prinzipien des aufgeklärten Absolutismus. (zurück zum Text)
(68) Der Geheimbund der Illuminaten ist ganz der Aufklärung verpflichtet; gegründet hat ihn 1776 der Ingolstädter Professor Adam Weishaupt. Obwohl schon nach zehn Jahren verboten und erloschen, entfaltete er nicht nur in Bayern, sondern in ganz Europa große Wirkung, weil viele seiner Mitglieder den Marsch durch die Institutionen antreten konnten und im Staat, im Erziehungswesen und in der Meinungsbildung Einfluss gewannen. Die Illuminaten sprachen zwar von Revolution, strebten aber eine gewaltlose stillschweigende Übernahme des Staates an. Dafür wollten sie die bürgerlich-adelige Intelligenz am Hof, in der Publizistik, in der Beamtenschaft und im aufklärerisch gesonnenen Teil des Klerus gewinnen.(zurück zum Text)
(69) Josef Hirn; Tirols Erhebung im Jahre 1809; Seite 99(zurück zum Text)
(70) Josef Hirn; ebenda; Seite 97 Diese Weisung erging am 10. Oktober 1806 an alle Bistümer(zurück zum Text)
(71) Reinhard Heydenreuter; Tirol unter dem Bayrischen Löwen: Demzufolge zog Österreich in den Tiroler Kirchenangelegenheiten im Hintergrund die Fäden, da man an einer Verschärfung des Kirchenkonflikts in Tirol sehr interessiert war.(zurück zum Text)
(72) Josef Hirn; ebenda; Seite 108(zurück zum Text)
(73) Der Gesetzestext wurde gefunden bei http://www.epoche-napoleon.net/ (zurück zum Text)
(74) Josef Hirn; ebenda; Seite 100 Anmerkung 2)(zurück zum Text)
(75) Josef Hirn bezieht sich hier auf einen Brief Hofstettens an Arco 27. Febr. 1807 der seine antiklerikale Einstellung dokumentiert. (zurück zum Text)
(76) Josef Hirn; ebenda; (zurück zum Text)
(77) Reinhard Heydenreuter; Tirol unter dem Bayrischen Löwen. Seite 150(zurück zum Text)
(78) Josef Hirn; ebenda; Verordnet 18. Februar 1807(zurück zum Text)
(79) Dekan Ignaz Mantinger in Innichen berichtete, er habe, obgleich ohne bischöfliche Weisung, den Befehl "wegen heilsamster Verlegung" des mitternächtlichen Gottesdienstes an alle untergebenen Priester geleitet "trotz der schlechten Wege und des rauen Wetters". Dekan Alberich v. Jäger in Lienz meldet: "Ich habe den Befehl sogleich durch vier eigene Boten überall hin kund gemacht. Auch war ich so glücklich, manche anfangs gar nicht gut gestimmte und von verschiedenen Tätern rottenweise hierher kommende Gemeindemänner mit eifriger Zusprache, selbst im Beichtstuhl, endlich zu beruhigen und zum Gehorsam zu bewegen. Nur einige Bursche in Aineth haben Unfug getrieben gegen den Seelsorger, weil er die Schlüssel zum Turm und zur Kirche in der Christnacht nicht herausgab." M. 5t(zurück zum Text)
(80) Josef Hirn; ebenda Verordnet am 17. Juli 1807 Seite 102(zurück zum Text)
(81) Josef Hirn; ebenda Weisung vom 22. März 1808. J. St Ähnlich auch für die Pfarre Bozen. Seite 103(zurück zum Text)
(82) Dies ist einem Briefwechsel, Lodron an Aretin 29. Jänner, Montgelas an Aretin 8. Februar. 1808. J. St. zu entnehmen(zurück zum Text)
(83) Josef Hirn; ebenda, Seite 105(zurück zum Text)
(84) Josef Hirn; ebenda, Seite 105 Auch bei Reinhard Heydenreuter; finden Daneys Stellungnahme auf Seite 150(zurück zum Text)
(85) Noch unter der österreichischen Herrschaft waren die Gerichte in Landesfürstliche und Patrimonialgerichte eingeteilt. Durch die einsetzende Gerichtsreform der Bayern, wurden die Patrimonialgerichte nach und nach abgeschafft, so dass es sie nach der Verfassung von 1808 nicht mehr gab.(zurück zum Text)
(86) Josef Hirn; ebenda, Seite 106 Anmerkung 3 Die Mem. de Mais verzeichnen zum Kreuzerhöhungstage 3. Mai 1807 die Bestrafung von sieben Bauern aus diesem Grunde.(zurück zum Text)
(87) Josef Hirn; ebenda Seite 107, Anmerkung 1) Die Oberbehörde billigte die Bestrafung, strafte aber den Beamten wegen .Verletzung der Volkssitte". M. K.(zurück zum Text)
(88) Josef Hirn; ebenda Seite 107, Anmerkung 2) Aufzeichnung Stadlers über die im Volk umlaufenden Gespräche, im Oktober 1809 im Stadlerschen Hause von den Bayern konfisziert. M. St. Den Umlauf dieser Gerüchte bestätigt ein Polizeibericht Sumeraus an den Kaiser vom 26. Dezember 1807. j. M.(zurück zum Text)
(89) Diese Verbindung erfolgte offensichtlich über das Tauferertal zum schweizerischen Kloster Münster.(zurück zum Text)
(90) Josef Hirn; ebenda; Seite 126 Dieser Brauch hat sich allerdings bis in die Gegenwart erhalten, wie der Verfasser es selbst im Tiroler Oberland erleben konnte. Es scheint, dass man sich ein gewisses Maß an Aufmüpfigkeit(zurück zum Text)
(91) Josef Hirn; ebenda; Seite 129(zurück zum Text)
(92)Josef Hirn; ebenda; Arco, bekanntlich kein Freund der Scharfmacher, mag seinen Mann gekannt haben. Er tat alles, um Hofstetten den Eintritt ins Gubernium zu verrammeln. Zunächst benützte er ihn zu Spezialmissionen in einzelne Gerichtsbezirke hinaus, dann beschäftigte er ihn in Polizeisachen und um endlich dem fortwährenden Drängen wegen der Gubernialratsstelle aus dem Wege zu kommen, gedachte er ihn unter Verleihung des heißersehnten Titels zum Stadtkommissär in Innsbruck ernennen zu lassen(zurück zum Text)
(93) Josef Hirn; ebenda; Seite 88 Schreiben von Arco an den König am 8. Dezember 1806.(zurück zum Text)
(94)Josef Hirn; ebenda; Seite 88 Hofstetten an Arco 24. Juni 1807(zurück zum Text)(95) Reinhard Heydenreuter; Tirol unter dem Bayrischen Löwen. Seite 154/155(zurück zum Text)
(96) Josef Hirn; ebenda; Seite 134 Verweis auf Ladurner, Gesch. d. Trennung; Mem. de Mais zum 26. Dez. 1807.(zurück zum Text)
(97) Patscheider hatte noch im letzten Augenblick Hofstettens Zorn erregt. Ein Geistlicher in Meran, Walser, hatte sich nach der Konferenz bereden lassen, die vorgelegte Erklärung zu unterschreiben und war deshalb vom Vikar mit der Suspension bestraft worden. Walser brachte das Suspensionsdekret selbst zu Hofstetten, der es im ersten Zorn zerriss und dem Priester befahl, Messe zu lesen. Das zerrissene Stück liegt heute noch bei den Akten. Hofstetten an Arco, 28. Dez. 1807. M. St.(zurück zum Text)
(98) Bischof Klemens Wenzeslaus von Augsburg erklärte dem Hofkommissär, dass er nicht befugt sei, eine Jurisdiktion über churische Diözesanteile zu übernehmen, solange er nicht von Bischof Buol-Schauenstein dazu ermächtigt sei. (zurück zum Text)(99) Josef Hirn; ebenda; Seite 134(zurück zum Text)
(100) Josef Hirn; ebenda; Seite 128(zurück zum Text)
(101) Josef Hirn; ebenda; Seite 129 Aufgesetzt in Meran, 31. Dez. 1807.. j.M.(zurück zum Text)
(102) Josef Hirn; ebenda Seite 130: Man berief sich auf Probleme der Bespannung der Geschütze, über die nur der der König das Geeignete verfügen könne.(zurück zum Text)
(103) Arco an den König am 21. Dezember 1807. ebenda(zurück zum Text)(104) Schreiben des Königs an Arco vom 25. Dezember 1807.(zurück zum Text)
(105) Josef Hirn; ebenda; Seite 98; So hatte Österreich das Patronat über die Pfarre Plaus, die zum Kloster Münster gehört hatte, an sich gezogen, so auch das Patronat über die Pfarre Tirol (von Chur), über Partschins (von Salzburg), über Kuens (vom Kollegialstift St. Andreas in Freising)(zurück zum Text)(106) Josef Hirn; ebenda Seite 108(zurück zum Text)
(107) Josef Hirn; ebenda Seite 108, Hinweis auf ein Schreiben Arcos an den König vom 14. April 1807(zurück zum Text)
(108) Josef Hirn; ebenda Seite 108(zurück zum Text)
(109) Placetum Regium, ist das Recht der Staatsgewalt, in Erlassen der Kirchenbehörden vor deren Veröffentlichung Einsicht zu nehmen und deren Bekanntmachung zu gestatten oder zu untersagen. Obgleich von der katholischen Kirche heftig bekämpft, hatten zu dieser Zeit die meisten Staaten, wie auch das katholische Bayern dieses Recht beansprucht und zumeist auch angewendet.(zurück zum Text)
(110) Generalvikar Zambaiti, die Domherren Buffa und Trentini(zurück zum Text)
(111) Josef Hirn; ebenda, (zurück zum Text)
(112) Laut Konferenzprotokoll als anwesend werden angeführt: Pfarrer Ulrich Platter von Latsch, Martin Stueleitacher von Tschars, Josef Seifart von Plaus, Josef Kiem von Partschins, Graf Wicka von Algund (er erschien, die Badekur unterbrechend, erst im Verlauf des Tages), Thomas Gufler von Kuens, Gabriel Partanes von St Martin, Jakob Zingerle, Verwalter auf Tirol, Josef Plangger, Kurat von Riffian. Den Pfarrern von Schnals und St. Peter war die Einladung zu spät zugekommen. Vom Pfarrer Painhofer in Naturns lag eine Entschuldigung vor. - Wie man sieht, handelte es sich um eine Aussprache des Klerus vom untern Vintschgau und Burggrafenamt(zurück zum Text)
(113)Josef Hirn; ebenda; Die Abwesenden sandten zustimmende Erklärungen ein. Nur Franz Painhofer, bereits im Geruch "bayrischer Gesinnung", machte seine Vorbehalte. Vergleiche Josef Hirn; ebenda Seite 110 Anmerkung Nr.1 (zurück zum Text)
(114)Sandbichler an Lodron, 21. Oktober 1808. J. St. (zurück zum Text)
(115) Josef Hirn; ebenda Seite 110 (zurück zum Text)
(116) Der Fakultät erschien es wie ein Festtag, da sie im Streit zwischen König und Bischof angerufen war: "dies facultatis sacrae nunquam obliviscendus". Josef Hirn; ebenda Seite 111, Anmerkung 2 (zurück zum Text)
(117) Josef Hirn; ebenda Seite 111: dass der König beliebig von der bischöflichen Terna abgehen könnte, fand sie zu weitgehend und meinte, im Falle eines unannehmbaren Vorschlages des Ordinariates sei derselbe so lang zurückzuschicken, bis ein brauchbarer erfolgt wäre.(zurück zum Text)
(118) Josef Hirn; ebenda, Seite 114 (zurück zum Text)
(119) Arco an Thun am 7. Sept. 1807. M. St.(zurück zum Text)
(120) Josef Hirn; ebenda; Seite 114(zurück zum Text)
(121) Josef Hirn; ebenda, Seite 116(zurück zum Text)
(122) Daher die Verfügung des den Bischof begleitenden Polizeikommissärs v. Schubert, dass jener trotz des Sonntags nicht die Messe lesen durfte. Ober die Bewegung in Landeck berichtet nach Angaben eines Geheimagenten Polizeiminister Sumerau an den Kaiser 26. November 1807. j. M.(zurück zum Text)
(123) Protokoll über ein Polizeiverhör mit einem Studenten, welcher über das Gespräch eines Bauern in Hötting mit einem andern aussagte. 28. Nov. 1807. J. SI.(zurück zum Text)
(124) Josef Hirn; ebenda, Seite 116(zurück zum Text)
(125) Eberhard Weis: Montgelas: Der Architekt des modernen Bayerischen Staates 1799- 1838: 14. Kapitel Montgelas und Tirol 1806 – 1814, Seite 428(zurück zum Text)
(126) Vgl. obiges Kapitel „Die Königlichen Versprechungen“ Seite 14 Der Entwurf stammt von Montgelas Chefjuristen Georg Friedrich Freiherr von Zentner (geb. 27. August 1752 , gest. 20. Oktober 1835) Zunächst Professor für Staatsrecht in Heidelberg trat er 1799 in die bayerische Ministerialbürokratie ein.(zurück zum Text)
(127) Kredite, die man seit 1797 in österreichischem Papiergeld aufgenommen hatte, mussten nun in voller Höhe zurückgezahlt werden. Das betraf vor allem die Bauern, die als Untertanen der Hochstifte und Klöster großzügig Kredite bekommen hatten, und nun dem Staat, der diese Kredite zurückforderte als Schuldner gegenüber standen.(zurück zum Text)
(128) Reinhard Heydenreuter; Tirol unter dem Bayrischen Löwen, Seite 108(zurück zum Text)
(129) Reinhard Heydenreuter; Tirol unter dem Bayrischen Löwen. Seite 125(zurück zum Text)
(130) Reinhard Heydenreuter; Tirol unter dem Bayrischen Löwen. Seite 124(zurück zum Text)
(131) Reinhard Heydenreuter; ebenda. Seite 118 Anm. zu Fridolin Dörrer...(zurück zum Text)
(132) Josef Hirn widmet in seinem Buch „Tirols Erhebung im Jahre 1809“ dem "Sanitätswesen" auf Seite 74 ganze 9 Zeilen (zurück zum Text)
(133) Reinhard Heydenreuter; Tirol unter dem Bayrischen Löwen. Seite 118 Vgl. Fridolin Dörrer; Die bayrischen Verwaltungssprengel in Tirol 1806-1814 (zurück zum Text)
(134) Reinhard Heydenreuter; Tirol unter dem Bayrischen Löwen; Seite 134(zurück zum Text)
(135) Eberhard Weis: Montgelas: Der Architekt des modernen Bayerischen Staates 1799- 1838 Seite 433(zurück zum Text)
(136) Josef Hirn; ebenda; S 69 (Anm. 2) Verweis auf die Denkschrift Anm. 2von 1814 von Giovanelli d. j.(zurück zum Text)
(137) Als Aktivität wurden die ständig amtierenden Ausschüssen der Landesversammlung bezeichnet. Der Amtssitz des Landeshauptmannes, vorher Landmarschall genannt, war ursprünglich im Burggrafenamt, von wo er Mitte 18. Jahrhundert nach Innsbruck übersiedelte und stand dort der Innsbrucker Aktivität vorstand, sein Stellvertreter der Bozener Aktivität verblei in Bozen. Wie stark die Landstände politisch an Bedeutung gegenüber der staatlichen Verwaltung verloren hatten, ist auch an der Rolle des Landeshauptmanns abzulesen. Von 1774 bis 1860 (mit einer Unterbrechung von 1790 bis 1806) war dieses Amt dem höchsten staatlichen Beamten im Land, dem Gouverneur bzw. Statthalter, übertragen. In der ab 1860/61 konstitutionellen und demokratisierten Grafschaft Tirol führte der vom Kaiser ernannte Landeshauptmann im Landtag den Vorsitz und war zugleich Mitglied und Chef des Tiroler Landesausschusses. (zurück zum Text)
(138) Reinhard Heydenreuter; Tirol unter dem Bayrischen Löwen: Seite 136/137(zurück zum Text)
(139) Das bisherige Landgericht Trient, das die so genannte Innere und Äußere Prätur umfasste, war schon 1807 wegen seiner Größe und Einwohnerzahl (225 492) in drei Gerichte, Trient, Vezzano und Civezzano, aufgeteilt worden.(zurück zum Text)
(140) Josef Hirn; ebenda; S. 66 Anm. 2 Franz an Stadion 22. August 1807. W. St.(zurück zum Text)
(141) Josef Hirn; Tirols Erhebung im Jahre 1809 Seite 342. Obwohl ursprünglich einer Ausreise nach Bayern nichts in den Weg gelegt wurde, bestand Hormayr, - offensichtlich als Revanche für die Deportation der Bischöfe,- auf deren Verbringung in den Osten Österreichs.(zurück zum Text)
(143) Otto Stolz, Wehrverfassung und Schützenwesen in Tirol; Seite 120: Nur einzelnen Offizieren war es vorbehaltlich einer Genehmigung erlaubt, in ausländische Dienste zu treten.(zurück zum Text)
(144) Das Kantonssystem richtete sich nach dem Geburts- und Aufenthaltsort des Stellungspflichtigen, der damit zum Aushebungsort eines bestimmten Regimentes wurde. Die Aushebung in Tirol 1809 erfolgten ausschließlich für das 11. Infanterieregiment Kinkel (zurück zum Text)
(145) Reinhard Heydenreuter; Tirol unter dem Bayrischen Löwen. Seite 143(zurück zum Text)
(146) Vgl. die Aufstellung bei Josef Hirn; Seite 172
Anm. 3
1804 25 000 Mann 3 600 Pferde 1805 33 246 --"-- 4 369 --"-- 1806 38 229 --"-- 6 294 --"-- 1809 53 119 --"-- 9 104 --"-- 1812 75 602 --"-- 18 380 --"--
(147) Johann Nepomuk Joseph Florian von Triva (geb. 20. September 1755 in München; gest. 8. April 1827 in München) Zur dieser Zeit war das Heerwesen noch Chefsache, als in der Hand des Königs, doch hatte Triva alle Kompetenzen. Zum wirklichen Kriegminister ernannte ihn König Max Josef im September 1809. (zurück zum Text)
(148) Reinhard Heydenreuter; Tirol unter dem Bayrischen Löwen; Seite 142(zurück zum Text)
(149) Josef Hirn; Tirols Erhebung im Jahre 1809, Seite 167 Diese Feststellung traf der Tiroler Landtagsabgeordnete Senn nachdem er von Kaiser Leopold über die fehlgeschlagene Konskription seines Vorgängers Josef befragt wurde.(zurück zum Text)
(150) In gewisser Hinsicht kann man dieser Einstellung noch heute begegnen, wie der Verfasser aus eigener Erfahrung weis.(zurück zum Text)
(151) Otto Stolz, Wehrverfassung und Schützenwesen in Tirol; Seite 121 Feldmarschallleutnants Franz Philipp Fenner von Fenneberg (1762-1824),(zurück zum Text)
(152) Josef Hirn; Tirols Erhebung im Jahre 1809 Seite 168. Hirn hält sich da an einen Bericht des österreichischen Majors Stephing über seine Reise durch Bayern und Tirol, vom 4. Sept. 1808. (zurück zum Text)
(153) Josef Hirn; Tirols Erhebung im Jahre 1809 Seite 169.(zurück zum Text)
(154) Josef Hirn; ebenda, Seite 168, Anm. 4: Während des Rasttages in Innsbruck am 18. Aug. 1808 desertierten allein 19 Mann. Kal. Stettner(zurück zum Text)
(155) Josef Hirn; ebenda, Seite 170 Hauptmann der Grenadiere war Carnelli, der Füsiliere Felizian Rauch. Unter den Chargen finden sich die Namen der angesehensten Innsbrucker Bürger: Oberlindober, Simon Tschurtschenthaler, Ferstl, Habtmann, Gamper, Stocker, Schaufler und unseren Chronisten Josef Stettner.(zurück zum Text)
(156) Josef Ignaz Straub, (geb. 1773, gest. 1850) Kronewirt zu Hall, Schützenmajor und Distriktskommandant während des Aufstandes 1809. (zurück zum Text)
(157) Siehe oben Kapitel "Vorbereitung; Agenten und Kundschafter "(zurück zum Text)
(158) Josef Hirn; Tirols Erhebung im Jahre 1809 Seite 170 Anm. 2 Aretin an den König, 15. Oktober 1808 "Ich muss noch eine allgemeine Bemerkung beifügen. Die Stadt Bozen war schon unter der österreichischen Regierung gewohnt, sich den allgemeinen Verordnungen durch Gegenvorstellungen auf verschiedenen direkten und indirekten Wegen zu entziehen, Rekurse auf Rekurse bei jeder Gelegenheit zu häufen und den Verfügungen der unmittelbar vorgesetzten Behörde zu entgehen. Bis jetzt herrscht durch üble Organisation der Autoritäten in Bozen die schlechteste Stimmung, und sie wird vermehrt werden, wenn dem gewohnten Hang nach Gesetzlosigkeit nicht ein starker Damm entgegengesetzt wird. Der Magistrat in Bozen hat nicht, wie er in seiner Eingabe sagt, bei Errichtung der Bürgermiliz tätig mitgetan, sondern von niemand sind mehr Einstreuungen und Proteste gemacht worden, welche bald die ganze Sache vereitelt hätten."(zurück zum Text)
(159) Josef Hirn; ebenda, Seite 171 Anm. 1 Lodron an den König, 11. Nov. 1808(zurück zum Text)
(160) Josef Hirn; Tirols Erhebung im Jahre 1809, Seite 171;. KaI. Stettner bestätigt diese Angabe: "Das Vivat auf den König wurde außer den umstehenden Beamten höchstens von.5 bis 6 Mann nachgesprochen." Stettner war selbst bei der Miliz.(zurück zum Text)
(161) Josef Hirn; ebenda, Seite 172: Lodron an den König, 27. Februar 1809. M. K(zurück zum Text)
(162) Lodron an den König, 27. Februar 1809. M. K(zurück zum Text)
(163) Das Bayrische Kriegsministerium wurde erst mit der Konstitution von 1808 anstelle des bisherigen Geheimen Kriegsbureauss eingerichtet. Als Oberkommandierender der Armee behielt sich der König die Leitung vor und ernannte Generalleutnant von Triva zum Minister- Staatssekretär im Kriegswesen. Zum wirklichen Kriegsminister und " Leiter über die gesamten Dienstbehörden der Armee" wurde Triva erst 1817 ernannt.(zurück zum Text)
(164) Ulrike Längle, Leiterin des Franz-Michael-Felder-Archivs; Unter Anführung von Christine Heidegger und Magdalena Schoch zogen hunderte von Frauen und Männer nach Bezau im Bregenzer Wald, um das Landgericht zu stürmen. Die Frauen wurden zwar verhaftet, aber bald freigelassen und begnadigt.(zurück zum Text)
(165) Josef Hirn; Tirols Erhebung im Jahre 1809, Seite 179(zurück zum Text)
(166) Reinhard Heydenreuter; Tirol unter dem Bayrischen Löwen, Seite 144.(zurück zum Text)
(167) Josef Hirn; Tirols Erhebung im Jahre 1809, Seite 174.(zurück zum Text)
(168) Josef Hirn; Tirols Erhebung im Jahre 1809, Seite 175: Die Konskription war schon allenthalben im Gang, als das Kriegsministerium 40 Exemplare des Kantonreglements zur Verteilung an die Richter sandte.(zurück zum Text)
(168) Josef Hirn; ebenda, Seite 174: Nach 24 Stunden sandte er einen zweiten Erlass nach, wonach die männlichen Untertanen vom 16. bis zum 40. Jahre zu beschreiben waren. Hirn wertet diese Maßnahme als Versuch Lodrons, sein voreiliges Handeln zu beschönigen: "Die Maßregeln, die ich bereits getroffen, wage ich nicht zurückzunehmen, denn beim Volk dürfte noch der unterbrochene Versuch in der Einführung der Konskription Kaiser Josefs im Gedächtnis sein, und es würde meine Zurücknahme für eine Schwäche der Regierung ansehen. Bisher hat man in Tirol nur das eine erfahren, dass alle Befehle mit bestem Erfolg ausgeführt werden können, wenn nur die nötige Energie vorhanden ist, welche eben der österreichischen Regierung stets fehlte; das Volk ist an dieses energische Verfahren der Regierung schon gewohnt."(zurück zum Text)
(169) Josef Hirn; ebenda, Seite 174 Lodron an den König, 17. Feb. 1809.(zurück zum Text)
(170) Josef Hirn; ebenda, Seite 176: Kinkel an Lodron, 17. Feb. 1809(zurück zum Text)
(171) Josef Hirn; ebenda, Seite 180: Richter Bohonowsky am 27. Februar 1809(zurück zum Text)
(172) Josef Hirn; ebenda, Seite 180(zurück zum Text)
(173) Josef Hirn; ebenda, Seite 178. Protokoll, aufgenommen im Gerichtshaus Schlanders am 21. Februar 1809. J. St Es waren die Gemeindevorsteher von Schlanders, Kortsch, Sonnenberg, Göflan, Nördersberg, Vetzan, Latsch, Tartsch, Goldrain, Laas, Tschengls, Eyrs, Morter, Martell und Montan; (zurück zum Text)
(174) Josef Hirn; Tirols Erhebung im Jahre 1809 Seite 178: Ausführlicher Bericht des Richters Froschauer vom 28. Februar 1809(zurück zum Text)
(175) Josef Hirn; ebenda, Seite 179(zurück zum Text)
(176) 27. Febr. und 5. März annulliert der König Kinkels Weisung(zurück zum Text)
(177) Josef Hirn; ebenda, Seite 179 Gen.-Komm. Lodron an Aretin am 23. Februar 1809. j. 51.(zurück zum Text)
(178) Otto Stolz, Wehrverfassung und Schützenwesen in Tirol; Gemäß der Zuzugsordnung von 1802 wurde die Zuzugspfiicht auf „die ganze steuerbare und die ganze Hilfeleistende Klasse“, zu der „alle ledigen Dienstleute, Knechte und Einwohner gezählt werden“ ausgedehnt.(zurück zum Text)
(179) Musterung: Gilt seit dem 16. Jahrhundert als Bezeichnung für die Versammlung und Besichtigung sowie der Listenmäßigen Erfassung der Wehrpflichtigen von Landmiliz und Landsturm. Die entsprechenden Listen heißen Musterrollen oder Musterregister. Auch bei den geworbenen Truppen heißt die erste Aufstellung und Formierung derselben Musterung. Mit der Musterung hei der Landmiliz, die jährlich öfters wiederholt wurde, war auch ein gewisses Exerzieren verbunden. In diesem Zusammenhang und im heutigen Sprachgebrauch versteht man darunter die Erfassung eines oder mehrerer bestimmter Jahrgänge von Wehrpflichtigen zur Feststellung ihrer Tauglichkeit als Voraussetzung zur Leistung des Wehrdienstes.(zurück zum Text)
(180) Beschränkt taugliche Wehrpflichtigen blieben für den Wehrdienst vorgemerkt, vollkommen untaugliche wurde entlassen.(zurück zum Text)
(181) Siehe auch Anhang (zurück zum Text)
(182) Josef Hirn; Tirols Erhebung im Jahre 1809, Seite 182/183 Über die beiden angeblich verwundeten Bayern berichtet Ditfurths Sohn, Maximilian von Ditfurth, "Aus dem Leben des königlich bayrischen Oberst Freiherrn Karl von Ditfurth" erschienen in Kassel 1864.(zurück zum Text)
(183) Josef Hirn; Tirols Erhebung im Jahre 1809 , Seite 183 Welsperg an den König, 14. März 1809. M. St(zurück zum Text)
(184) Josef Hirn; Tirols Erhebung im Jahre 1809; Seite 184- Unter den im Servitenkloster Eingesperrten war der 19-jährige Postillion Josef Kössel; er wurde nach drei Tagen frei, als Graf Taxis für ihn Bürgschaft leistete.(zurück zum Text)
(185) Vgl. "Die Gefürstete Grafschaft Tirol – historisch, statistisch und topografisch beschrieben." Hgg. Von der Wagnerschen Verlagsbuchhandlung in Innsbruck 1827. Seite 53(zurück zum Text)
(186) Josef Hirn; ebenda, Seite 184: Bürgermeister Schumacher an Lodron, 11. März 1809. j. St Siehe auch Anhang II" Konskriptionsordnung – Befreiung von der Dienstpflicht"(zurück zum Text)
(187) Josef Hirn; Tirols Erhebung im Jahre 1809; Seite 186 Pusch, Chronik. v. Innsbruck protokollierte Aussage des Feldwebels Satler in M. SI(zurück zum Text)
(188) Untersuchungsakten des Richters in Telfs. M. St. Landrichter Hecher eilte noch am 13. März mit dem Gerichtsdiener nach Oberperfuss, versammelten die Bauern und stellte sie ob, des Sturmläutens mit scharfen Worten zur Rede. Als sie drohende Mienen an nahmen, zog der Gerichtsdiener den Säbel, aber ein Bauer entriss ihm denselben. Antworten wurden dem Richter verweigert. Bei seinem Abzug erscholl der Ruf, es lebe Kaiser Franz. Chronik. v. Seefeld. A. St.(zurück zum Text)
(189) Josef Hirn; Tirols Erhebung im Jahre 1809; Seite 187/188(zurück zum Text)
(190) Reinhard Heydenreuter; Tirol unter dem Bayrischen Löwen; Seite 144: Die bayerischen Rekrutierungsversuche scheiterten auf der ganzen Linie und mussten gegen Ende März 1809 eingestellt werden, nachdem es in Axams am 13. und 14. März zu Kämpfen zwischen dem bayerischen Militär und der einheimischen Bevölkerung gekommen war.(zurück zum Text)
(191) Josef Hirn; ebenda, Seite 187, Anm. 3: Protokollierte. Aussage Zechs in M. St(zurück zum Text)
(192) Josef Hirn; ebenda, Seite 187, Anm. 1 und 2(zurück zum Text)
(193) Hans Magenschab; Andreas Hofer, Held und Rebell der Alpen, Seite 138(zurück zum Text)
(194) Josef Hirn; Tirols Erhebung im Jahre 1809; Seite 192: Meldungen der Richter von Schwaz und von Reichenhall, 22. März 1809. M. SI.(zurück zum Text)
(195) Josef Hirn; Tirols Erhebung im Jahre 1809; Seite 190(zurück zum Text)
(196) Josef Hirn; ebenda, Seite 190: Miegs Bericht an den König a. a. O(zurück zum Text)
(197) Josef Hirn; ebenda , Seite 190: König an Lodron, 16. März 1809(zurück zum Text)
(198) Josef Hirn; ebenda , Seite 190/191: Lodrons Erlass vom 20. März. J. St.(zurück zum Text)
(199) Andreas Adolf Dipauli; Geb. 17.11.1761 in Aldein, gest. 15.2.1839 in Innsbruck Schon als kleines Kind Vollwaise, besuchte er das Gymnasium in Brixen und studierte anschließend in Innsbruck und Paris. Zum Doktor Juris promoviert wurde er Beamter und 1803 zum Appellationsrat berufen. Er gründete drei Jahre später zusammen mit Erzherzog Johann und anderen Interessierten die Zeitschrift „Sammler für Geschichte und Statistik von Tirol“. 1816 wurde er als Hofrat nach Wien berufen. Nach einem Aufenthalt in Graz wurde er 1824 Präsident des Appellationsgerichtshofes in Innsbruck. Hier war er einer der Mitgründer des Landesmuseum Ferdinandeum. 1827 wurde er für sie seine Leistungen in den Freiherrnstand gehoben.(zurück zum Text)
(200) Die ursprünglich aus einem venezianischen Adelsgeschlecht stammende Bozener Familie Giovanelli, - deren Angehörige trugen mehrfach die Patriarchenwürde und andere hohe Ehrenämter in Venedig, - galt im 19. Jahrhundert als eine Institution in Tirol.
Vater Josef v. Giovanelli, d. Ä., geboren zu Bozen am 7. Mai 1750, gestorben ebenda am 19. November 1812, hatte in den Kriegsjahren 1796 bis 1801 und 1805 als Abgeordneter des Herren- und Ritterstandes maßgeblichen Anteil an der Organisation der Tiroler Landesverteidigung.
Sein Sohn, Josef v. Giovanelli, d. J.(1784 - 1845) war 1809 eine Zentralfigur in der Vorbereitung und Organisation der Aufstandsbewegung. Unter Andreas Hofers Regierung bekldidete er das Amt eines Innenministers. Nach dem Ende der bayerischen Herrschaft mahnte Joseph v. Giovanelli d. J. am Wiener Kaiserhof unermüdlich die Wiederherstellung der alten Landesverfassung ein, stieß damit aber bei Metternich auf taube Ohren. Der ungemein gebildete Giovanelli war Führer der konservativen Partei in Tirol und zuletzt Merkantilkanzier in Bozen.(zurück zum Text)
(201) 1793 wurde in Wien die so genannte Jakobinerverschwörung aufgedeckt, eine Gruppe republikanisch gesinnter Personen, der auch der Offizier Oberleutnant Franz Hebenstreit von Streitenfeld angehörte. Er wurde zum Tode verurteilt und hingerichtet, die übrigen Mitglieder zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt. (zurück zum Text)
(202) Josef Hirn; Tirols Erhebung im Jahre 1809; Seite 224(zurück zum Text)
(203) Josef Hirn; ebenda; Seite 224(zurück zum Text)
(204) Stadion an den Kaiser, 13. Nov. 1806 (W. St Türk wird hier unter den Kundschaftern genannt (zurück zum Text)
(205) Josef Hirn; ebenda; Seite 222, Anm. 3(zurück zum Text)
(206) Josef Hirn; Tirols Erhebung im Jahre 1809: Seite 238: 1806 schrieb Hofer einen Brief an den Erzherzog mit der Bitte um Rückantwort an den vertrauten Hager in Oberndorf. Eine andere Beziehung Hofers zu Johann vor 1809 ist nicht bekannt.(zurück zum Text)
(207) Anton Steger k.k. Büchsenspanner im Dienste Erzherzog Johanns, schließt sich im April den Tiroler Landssturm als Hauptmann an und wird von Hofer mit wichtigen Kommandofunktionen betraut. zu den Leiblakaien des Hofes, über seine frühere Rolle als Landesverteidiger gibt es keine(zurück zum Text)
(208) Josef Hirn; Tirols Erhebung im Jahre 1809. Seite 227, Anm. 2. Quittung Nessings: "Postporto 1000 Gulden für die seit zwei Jahren vor dem Aufstand mit E. Johann gepflogene Korrespondenz durch zweite und dritte Hand, was der Herr Kugstatscher bezeugen kann." Die hier erwähnten Hände waren die des Anton Steger in Wien und des Josef Krieseisen in Graz (zurück zum Text)
(209) Graff hatte sich im Laufe der Zeit, vermutlich aus weltanschaulichen Gründen - er war Freimaurer - vielleicht aber auch aus persönlicher Abneigung zu österreichischen Patrioten im Bozener Stadtpatriziat, wie auch sein Freund Johann Graf Khuen, auf die Seite der Reformer begeben. 1809 wurden Graff und Khuen auf Hormayrs Betreiben nach Ungarn deportiert und damit nicht genug, wurde Graff des Maria-Theresien-Ordens für verlustig erklärt.(zurück zum Text)
(210) Hans Magenschab; Andreas Hofer, Held und Rebell der Alpen; Seite 154(zurück zum Text)
(211) Josef Hirn; Tirols Erhebung im Jahre 1809; Seite 239 Anm. 238. Michael Stautners Bericht a. a. O.(zurück zum Text)
(212) Josef Hirn; ebenda; Seite 245(zurück zum Text)
(213) Josef Hirn; Tirols Erhebung im Jahre 1809. Seite 239, Anm. 4 So schreibt EH Johann, Hormayr spricht nur von einer Unterredung.(zurück zum Text)
(214) Josef Hirn; ebenda; Seite 240(zurück zum Text)
(216) Josef Hirn; Tirols Erhebung im Jahre 1809; Seite 255: Die von den Bauern angeregte Reinigung des Landes von Übelgesinnten war für Johann reiflich zu prüfen, damit nicht voreilige Schritte geschähen. Gewiss, meint er, müssen wir uns hüten, gegen einzelne, wenn sie nicht besonderen Anlass geben, Verfolgungen anzustellen oder Privatrache zu erlauben, aber zuviel Güte wäre auch von Schaden. Hormayr dürfte von dieser Regel kaum Kenntnis genommen haben.(zurück zum Text)
(217) Josef Hirn; ebenda; Seite 241, Anm. 1(zurück zum Text)
(218) Dieser Termin konnte allerdings nicht eingehalten werden, da die Kriegsvorbereitungen gegen Frankreich noch nicht abgeschlossen waren. Es war dann der 9.April 1809, als das 8. österreichische Armeekorps in Tirol einrückte.(zurück zum Text)
(219) Josef Hirn; ebenda; Seite 245, Anm. 5, Schreiben des Königs an Aretin vom 25. März 1809 (zurück zum Text)
(220) Josef Hirn; ebenda; Seite 148 So dringlich war sein Ansuchen gehalten, dass die ihm bewilligten 1000 Mann aus der Garnison Ulm Tirol in Eilmärschen zu erreichen suchen mussten. Vom Arlberg her über Vintschgau kamen sie gezogen. Ich muss heute noch lachen, so schreibt später Danei, der die Expedition mit ansah, wenn ich an diese kriegerischen Vorbereitungen denke; nirgends ein Feind oder ein Aufstand zu sehen, und doch die geheimnisvollen Mienen der Offiziere und der trotzige Blick der sieg- und rachbegierig einher ziehenden Soldaten, was bei den noch friedlichen Bauern allerlei Vermutungen erweckte(zurück zum Text)
(221) Josef Hirn; ebenda; Seite 271 Arco an den König, 25. März 1808. M. St. Auf die damals von den Franzosen angezeigten Umtriebe eines Chevalier Landriani in Tirol gab Arco nichts.(zurück zum Text)
(222) Josef Hirn; ebenda; Montgelas an Seiboltsdorff, 24. Juni 1808(zurück zum Text)
(223) Josef Hirn; ebenda; Seite 272, Hofstetten an Arco, 24. Juni 1808. j. St (zurück zum Text)
(224) Josef Hirn; ebenda; Seite 273: Die Akten nennen drei: einen Franz Röck, den Förster Rothenbucher und die Wirtin in Gais, Anna Pramstrallerin.(zurück zum Text)
(225) Josef Hirn; ebenda; Seite 275: Aretin an den König, 20. März 1809, M. St.(zurück zum Text)
(226) Josef Hirn; Tirols Erhebung im Jahre 1809, Seite 275: Aretin an den König, 18. März 1809, M. St(zurück zum Text)
(227) Josef Hirn; ebenda; Seite 277: Stettners Tagebuch zum 1. April.(zurück zum Text)
(228) Josef Hirn; ebenda; Seite 262: Kaiserin an Erzherzog Johann, 16. April 1809.(zurück zum Text)(229)Josef Hirn; ebenda; Seite 262, Anm. 2 Der Kommentar (Auszug) stammt aus Erzherzog Johanns Aufzeichnungen(zurück zum Text)
(230) Stadion an den Kaiser, April (ohne Tagesdatum) 1809. W. St.(zurück zum Text)
(231) Rudolf Fallmann; "Die Kampfhandlungen der Jahre 1797 bis 1810" – Vorgeschichte.(zurück zum Text)
(233) Josef Hirn; Tirols Erhebung im Jahre 1809, Seite 263(zurück zum Text)
(234) Josef Hirn; ebenda; 258 Hormayrs Schreiben an Erzherzog Johann vom 16. Juli 1808(zurück zum Text)
(235) vgl. Josef Hirn; Tirols Erhebung im Jahre 1809, Seite 561 und Hans Magenschab; Andreas Hofer, Held und Rebell der Alpen, Seite 208.(zurück zum Text)
(236) Josef Hirn; Tirols Erhebung im Jahre 1809. Seite 261(zurück zum Text)
((237)) Josef Hirn; ebenda; (zurück zum Text)
(238) Josef Hirn; Tirols Erhebung im Jahre 1809; Seite 259: Es ist bekannt, welchen Eindruck die Ereignisse in Spanien auf Europa machten. Man besprach sie selbst in den tiefsten Alpentälern.(zurück zum Text)
(239) Georg August Freiherr von Kinkel, kgl. bayr. Generalleutnant, kgl. Bayrischer Kämmerer ; geb. 05.06.1741 in Trappensee nahe Heilbronn, gest. 25.11.1827 in Nürnberg. 1806 bis 1809 Kommandierender General in Tirol, am 11. April 1809 mit seinen Truppen in Innsbruck gefangen genommen. 29.04.1811 zum Inhaber des Bayrischen Infanterie-Regiment N°11 ernannt, 31.01.1823 im Ruhestand.
Leutnant 03.12.1757, Kapitän 22.01.1761, Hauptmann 27.05.1763, Major 21.05.1775, Oberstleutnant 14.05.1784, Oberst 09.03.1787, Generalmajor 19.05.1792, Generalleutnant 21.04.1804. Die Angaben über seine militärische Karriere sind ungesichert und vermutlich auch fehlerhaft, denn Kinkel müsste bereits mit 16 Jahren zum Leutnant ernannt worden sein, was selbst für damalige Zeiten unwahrscheinlich war. Ungewöhnlich lange scheinen die zwölf Jahre die er als Hauptmann bis zu seiner Beförderung zum Major verbringen musste. So benötigte er weitere 12 Jahre um mit 09.03.1787 zum Oberst ernannt zu werden. Am 19.05.1792 zum Generalmajor befördert, verbrachte er weitere 12 Jahre in diesem Rang, bis er schließlich 1804 zum Generalleutnant befördert wurde. Zu dieser wenig berauschenden Karriere gibt es keinerlei Angaben über eine Teilnahme an den zahlreichen Kriegsereignissen, an denen im Laufe dieser Zeit die bayrische Armee beteiligt war.(zurück zum Text)
(240) Josef Hirn; Tirols Erhebung im Jahre 1809; Seite 171: Ein Kompetenzstreit zwischen dem Generallandeskommissär Graf Lodron und dem General führte bei der Fahnenweihe der Innsbrucker Bürgermiliz zum Eklat. (zurück zum Text)
(241) Reinhard Heydenreuter; Tirol unter dem Bayrischen Löwen. Seite 162.(zurück zum Text)
(242) Montgelas an Triva, 14. März 1809. M. St.(zurück zum Text)
(243) Triva an Montgelas, 21. März 1809(zurück zum Text)
(244) Das Reskript ist vom 9. März. Seine Inhaltsangabe bei Paulus, Bayrische Kriegsvorbereitungen zum Feldzug 1809 (Darstellungen aus der bayr. Kriegs- und Heeresgeschichte, her. v. bayr. Kriegsarchiv 2. Heft 1893) p. 124.(zurück zum Text)
(245) Paulus, Bayrische Kriegsvorbereitungen zum Feldzug 1809 (Darstellungen aus der bayr. Kriegs- und Heeresgeschichte, her. v. bayr. Kriegsarchiv 2. Heft 1893) p. 124.(zurück zum Text)
(246) C. Bauer; Der Krieg in Tirol während des Feldzugs von 1809. Herausgegeben vom Verfasser 1812(zurück zum Text)
(247) Andere Quellen (Werner Köfler, Reinhard Heydenreuter) sprechen von 3400 Mann(zurück zum Text)
(248) Eberhard Weis: Montgelas: Der Architekt des modernen Bayerischen Staates; Seite 432(zurück zum Text)
(249) Reinhard Heydenreuter; Tirol unter dem Bayrischen Löwen; Seite 200-201(zurück zum Text)
(250)Josef Hirn; Tirols Erhebung im Jahre 1809 Seite 247, Aufzeichnungen des Pfarrers Johann Grober in Terlan, 1809 Kooperator in Villanders. H. M.(zurück zum Text)
(251) Josef Hirn; ebenda, Seite 247; Von diesem Konventikel berichtet Kontrollor Wagner an Lodron, 24. März 1809. M. 5t. So auch der Bericht Miegs.(zurück zum Text)
(253)Josef Hirn; ebenda, Seite 248 Untersuchungsakten von 1810, M. St.(zurück zum Text)
(254) Reinhard Heydenreuter; Tirol unter dem Bayrischen Löwen; Seite 166
Werner Köfler; Die Kämpfe am Berg Isel 1809; Militärhistorische Schriftenreihe Heft 20, Seite 18(zurück zum Text)
(255) Vgl. Otto Stolz, Wehrverfassung und Schützenwesen in Tirol; (zurück zum Text)
(256) Granichstaedten-Czerva; Andreas Hofers alte Garde; "Die Strele"(zurück zum Text)
(257) Granichstaedten-Czerva; ebenda; Kap. 8 "Karl Carnelli, die Kapferer, Martin Hußl"(zurück zum Text)
(258) Vgl. "Die Gefürstete Grafschaft Tirol – historisch, statistisch und topografisch beschrieben." Hg. Von der Wagnerschen Verlagsbuchhandlung in Innsbruck 1827. Seite 19(zurück zum Text)