Kaiserflagge

Für Kaiser Maximilian nach Mexiko

Matamoros
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Das österreichische Freiwilligenkorps in Mexiko 1864-67

Als der österreichische Erzherzog Ferdinand Max, am 10 April 1864 dem Ruf des mexikanischen Volkes folgend, - zumindest machte es ihm die ausgesandte Delegation so glauben, - nach Mexiko ging, um da als Kaiser Maximilian I. zu regieren, folgte ihm auch eine Schar von mehreren tausend Österreichern, um als Freiwillige in seine Dienste zu treten. Dass eine so große Zahl von Menschen ihm folgen konnte, geschah unter allerhöchster Genehmigung Kaiser Franz Josefs, durch die Bereitstellung eines Freiwilligenkorps.
Das war aber auch schon das einzige Zugeständnis, das Kaiser Franz Josef seinem Bruder Maximilian zu machen bereit war, nachdem er ihn mehr oder weniger genötigt hatte, auf sämtliche Rechte als Erzherzog und Thronerbe zu verzichten.
Auch in der Öffentlichkeit galt Maximilians Engagement als "Mexikanisches Abenteuer", - ein Terminus den der österreichische Gesandte in Washington erstmals gebrauchte, um Kaiser Franz Josef vor diesem "Abenteuer, das man nicht ernst nehmen könne" zu warnen.
Sosehr der tragische Ausgang dieses Abenteuers und das Schicksal Maximilians die Anteilnahme aller Bevölkerungsschichten der österreichischen Monarchie mobilisiert und weltweite Empörung ausgelöst hatte, sind seine Gefolgsleute mehr oder weniger in Vergessenheit geraten, nachdem ihr Schicksal als gestrandete Existenzen und Glücksritter medial entsprechend aufgearbeitet war.
In den folgenden Ausführungen soll daher in objektiver Darstellung und zeitgemäßer Betrachtungsweise versucht werden, diese kurze, aber dafür umso dramatischere Episode österreichischer Geschichte in Erinnerung zu bringen und vielleicht auch ins rechte Licht zu setzen.

Die Seite wurde am 15. Dezember 2008 aktualisiert

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Inhaltsverzeichnis
  1. Hintergründe und Vorgeschichte
  2. Maximilians mexikanisches Abenteuer
  3. Der angebliche Medienrummel
  4. Die Anwerbung und Aufstellung des Korps
  5. Gliederung und Ausrüstung
  6. Fahneneid und Disziplin
  7. Überfahrt und Eintreffen in der neuen Welt
  8. Der Kampf um die Sierra del Norte
  9. Die Offensive
  10. Der Schwarze Erlass
  11. Der Anfang vom Ende
  12. Von Matamoros bis Carbonera
  13. Die Auflösung des Korps
  14. Die Nationalarmee
  15. Schlussbetrachtung und Nachlese
  16. Biliographie
  17. Anmerkungen und Verweise
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Hintergründe und Vorgeschichte

Nachdem Mexiko 1822 seine Unabhängigkeit vom spanischen Mutterland erlangt hatte, ließ sich Agostino Iturbide, der den Unabhängigkeitskampf geführt hatte, als Augustin I. zum Kaiser von M. ausrufen. Er entschloss sich dazu, weil sich im europäischen Hochadel niemand fand, der diese zweifelhafte Würde annehmen wollte. Damit sollten auch alle Zweifler am Bestand dieses neuen Kaiserreiches recht behalten, denn Iturbides Herrschaft, begleitet von Finanznot und innenpolitischen Zwistigkeiten, endete bald durch den Putsch seines bisher engsten Mitstreiters, Generals Santa Anna. Iturbide wurde abgesetzt und des Landes verwiesen, Mexiko zur Republik nach US-amerikanischem Vorbild erklärt. Iturbide selbst endete wie sein späterer Nachfolger Maximilian vor einem Exekutionskommando, als er 1826 versuchte, nach Mexiko zurückzukehren.
Agostino I
Erster Präsidenten der Republik wurde General Guadalupe Vittoria, die tatsächliche Macht im Lande aber teilten sich die verschiedenen Kriegsherren, von denen sich schließlich Santa Anna 1835 durchsetzen konnte und das Land in eine zentralistisch geführte Diktatur führte.
Doch es waren nicht nur die innenpolitischen Differenzen, die das Land nicht zur Ruhe kommen ließen. Vor allem waren es die Vereinigten Staaten, die das Nachbarland als ihr Interessengebiet ansahen, sowie Frankreich, das seine macht- und wirtschaftspolitischen Einflüsse in Lateinamerika auszudehnen bestrebt war.
Doch es waren nicht nur die innenpolitischen Differenzen, die das Land nicht zur Ruhe kommen ließen. Vor allem waren es die Vereinigten Staaten, die das Nachbarland als ihr Interessengebiet ansahen, sowie Frankreich, das seine macht- und wirtschaftspolitischen Einflüsse in Lateinamerika auszudehnen bestrebt war.
Ihre Ansprüche zu realisieren, hatten die Franzosen bald einen geeigneten Anlass gefunden, um wegen angeblicher Gewalttätigkeiten gegen französische Bürger gefunden,Mexiko den Krieg zu erklären. Im Oktober 1838 erschien ein französisches Geschwader unter Admiral Baudin, und zwang nach längerer Beschießung die im Fort San Juan d'Ulloa eingeschlossenen mexikanischen Truppen zur Kapitulation. Nach britischer Vermittelung, konnte im März 1839 ein Friedensvertrag geschlossen werden, in dem Frankreich eine Entschädigung von 600,000 Pesos zugesprochen bekam.
1846 waren es dann die Vereinigten Staaten von Amerika, ihre Gebietsansprüche am Rio Grande und auf Kalifornien anzumelden. Den offiziellen Anlass lieferte Texas, das seit seiner Lossagung von Mexiko 1836 zwar als unabhängige Republik von Mexiko geduldet, gegen den Willen Mexikos 1845 als Bundesstaat in den Verband der Vereinigten Staaten eingetreten war. Um einen Angriff der Mexikaner abzufangen, drangen US-Truppen unter General Taylor über den Rio Grande vor und siegten bei Monterrey, während eine Amerikanische Invasionsarmee 1847 bei Vera Cruz landete. Nachdem es in Kalifornien zur Rebellion angloamerikanischer Siedler gegen den mexikanischen Staat gekommen war, wurden die Kampfhandlungen auf Kalifornien ausgedehnt und Los Angeles besetzt. Als im September 1847 die US- Truppen schließlich Mexiko-Stadt besetzten konnten, musste sich Mexiko geschlagen geben. Im Vertrag von Guadalupe Hidalgo, der am 2. Februar 1848 geschlossen wurde, verlor Mexiko alle jenseits des Rio Grande del Norte gelegenen Gebiete, die heutigen US-Bundesstaaten Nevada, Utah, New Mexiko, Colorado, Wyoming und Teile von Arizona sowie Kalifornien. Als Trostpflaster, wurde eine Zahlung von 15 Mill. Dollar, etwa das Doppelte jenes Betrages, den sie wenige Jahre später für den Erweb von Alaska an Russland zahlen werden, vereinbart. Wie vorteilhaft dieser Zwangsverkauf für die Amerikaner ausfiel, lässt sich daran ermessen, dass das gesamte Areal von 1,5 Millionen Km² zum Preis von einem Dollar pro Km² verhökert wurde.

Amerikanisch-Mexikanischer Krieg

Die darauf folgenden Jahre waren einerseits von der Regierung des Präsidenten Santa Anna, der das Land in einer zentralistischen Diktatur zu reformieren versuchte, und andererseits von einem Dauerkonflikt zwischen Konservativen und Liberalen Parteien geprägt, bei dem es vorrangig um das Verhältnis zwischen Kirche und Staat ging.
Die ersten Versuche einer Säkularisierung des Kirchenbesitzes führten 1857 zu einem 5 Jahre währenden Bürgerkrieg, in dem es Benito Juarez gelang, die Oberhand zu behalten. 1
Von einem allgemeinen Frieden im Lande konnte jedoch keine Rede sein, zumal sich die Konservativen und ihre Anführer Marquez, Vicario, Cobos, Mejia, in den Provinzen halten konnten
Juarez erste politische Entscheidung war die obsolete Verfassungsreform von 1857, die letztlich Auslöser des Bürgerkrieges war, wieder in Kraft zusetzen und die Säkularisierung des Kirchenbesitzes in die Praxis umzusetzen, sowie den Staatshaushalt zu sanieren.
Während der Einzug der Kirchengüter im Ausland wenig Aufsehen erregte, - der Erzbischof von Mexiko und die Mehrzahl der Bischöfe wurden wegen ihrer Parteinahme am Bürgerkrieg des Landes verwiesen, - waren die außenpolitischen Konflikte mit der Sanierung der Staatskassen vorprogrammiert, nachdem die Regierung beschlossen hatte die Rückzahlung der Auslandsschulden auf zwei Jahre auszusetzen.
Schlacht von Puebla Frankreich, England und Spanien als Hauptgläubiger beschlossen daher am 31. Okt. 1861 in der Konvention von London eine gemeinsame Intervention "um ihre daselbst lebenden Untertanen zu schützen und die Republik Mexiko zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen zu zwingen".
Damit begann im Dezember 1861 der Interventionskrieg, aus dem sich England und Spanien bald wieder zurückziehen, Frankreich jedoch einen langjährigen und am Ende wenig ruhmreichen Kleinkrieg führen soll. Die treibende Kraft war Napoleon III. 2 selbst, der seinen Traum, die Mittelamerikanischen Staaten Mexiko, Guatemala und Bolivien in eine von Frankreich protegierte Monarchie zusammenzuführen, verwirklichen wollte Nach anfänglichen Rückschlägen, - die Niederlage bei Puebla wird heute noch als mexikanischer Nationalfeiertag begangen, - konnten die Franzosen unter Forey und Bazaine schließlich die Kontrolle über das Gebiet zwischen Mexiko City und der Atlantikküste erringen und Präsident Juarez samt den Resten seiner republikanischen Truppen in den Norden des Landes zu verdrängen.

Einzug in Mexiko

In der Hautstadt hatte sich unter den Schutz der Franzosen eine "Junta superior del gobierno" mit General Almonte an der Spitze und die Einberufung einer aus 215 Personen bestehenden Notabelnversammlung veranlasst. Diese beschloss am 8. Juli 1863 die Einführung einer absoluten, erblichen Monarchie und proklamierte den von der Regierung vorgeschlagenen Erzherzog Ferdinand Max von Österreich zum Kaiser. Die Idee zu dieser Personalentscheidung ist Napoleon selbst und vielmehr noch seiner Gattin Eugenie zuzuschreiben werden, da die ehrenwerten Notabeln von den Vorgängen im Hause Habsburg kaum Kenntnis haben konnten. Vielmehr war es Napoleons richtige Einschätzung der Vertrauensseligkeit und des politischen Ehrgeizes des Habsburgers, der mit dem Angebot der Kaiserwürde über den Verlust der Regentschaft über das Königreich Lombardo-Venezien getröstet werden sollte.

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Maximilians mexikanisches Abenteuer

In der Österreich hielt sich Begeisterung über dieses Ansinnen allerdings in bescheidenen Grenzen, vor allem was die offiziellen politischen Kreise und das Kaiserhaus betraf. Auf alle Fälle aber war es das unverhohlene Misstrauen, das Kaiser Franz Josef Napoleon III. entgegen brachte, und das nicht nur wegen der noch offenen Rechnung für die Niederlage von Solferino von 1859. Er konnte auch Napoleons Interventionspolitik in Mexiko wenig Sympathie entgegenbringen, zumal sie ganz und gar nicht seiner Auffassung von politischer Redlichkeit entsprach.
Auch waren die von seinem Außenminister Graf Rechberg eingeholten Erkundigungen über die tatsächlichen Zustände in Mexiko, sowie die in London und Washington getätigten Konsultationen, wenig geeignet, des Kaisers Bedenken zu zerstreuen. Obwohl die Vereinigten Staaten durch den seit April 1861 währenden Sezessionskrieg vorrangig mit sich selbst beschäftigt waren, konnte kein Zweifel daran bestehen, dass sie im Falle eines Sieges eine von Österreich oder Frankreich protegierte Monarchie in ihrer Nachbarschaft nicht dulden würden.

 Erzherzog Ferdinand Max mit Gattin Charlotte im Kreise der Familie

Für den Kaiser gab es daher keine andere Alternative, als Österreich aus der Angelegenheit weitgehend herauszuhalten und die Staatsraison über alle familiären Aspekte zu stellen, was sich vor allem auf die Rechte der Erbfolge, - der Thronfolger und Kronprinz Rudolf war ja zu diesem Zeitpunkt noch ein Kleinkind, - auswirken musste. Für den Kaiser gab es daher keine Alternative als Österreich aus der Angelegenheit weitgehend herauszuhalten und die Staatsraison über alle familiären Aspekte zu stellen, was sich vor allem auf die Rechte der Erbfolge, - der Thronfolger und Kronprinz Rudolf war ja zu diesem Zeitpunkt noch ein Kleinkind, - auswirken musste. Entsprechend reserviert verhielt sich auch der Erzherzog selbst, indem er der Delegation der Notabelnversammlung Mexikos, die am 3. Oktober 1863 offiziell mit ihrem Angebot vorsprach, zu verstehen gab, dass er die Annahme der Kaiserwürde von der Zustimmung des Volkes von Mexiko abhängig mache.

Die NotabelnDie Delegierten der Notabelnversammlung Mexikos

Um diese Bedingung zu erfüllen wurde eine Unterschriftenaktion inszeniert, wobei man sich das Ergebnis bei einer Bevölkerung von 80 % Analphabeten vorstellen kann. Den anderen Part der Überzeugungstour übernahm Napoleon selbst, der ihm einerseits jegliche Unterstützung zusagte, andererseits dazu verleitete, die seit der französischen Intervention angefallenen Kosten dem mexikanischen Staat anzulasten, womit die zum Aufbau des Kaiserreichs gedachte Staatsanleihe verpfändet war. Das bedeutet, dass die gesamte Finanzgebarung über das Pariser Finanzkonsortium abgewickelt wurde.Ob Maximilian, wie er sich bereits nennen ließ, auch in dieser Angelegenheit Opfer einer groß angelegten Täuschungsaktion wurde, oder wissentlich seine Zustimmung gab, ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Tatsache ist, dass eine der Hauptursachen für das Scheitern seines Kaiserreiches die latente Finanznot des Staates war, eine Tatsache die er durch seine Leichtgläubigkeit selbst zu verantworten hatte. Der begeisterte Empfang des Kaiserpaares mag zwar ebenfalls eine gelungene Inszenierung gewesen sein, unbestritten aber ist, dass die breite Masse der Bevölkerung die Beendigung des latenten Bürgerkrieges herbeisehnte.
Als Maximilian trotz aller Bedenken Kaiser Franz Josef, am 10. April 1864 das Angebot der Kaiserwürde annahm und seinen Eid auf den Staat Mexiko, wie er seiner Vorstellung nach legitim war, abgeleistet hatte, blieb ihm an Unterstützung seitens seines Bruders lediglich die Zusage zur Anwerbung eines Freiwilligenkorps. Dieser Hilfestellung schloss sich auch Maximilians Schwiegervater, der König Leopold von Belgien an, nicht zuletzt deshalb, weil er um die Sicherheit seiner Tochter Charlotte besorgt war.

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Der angebliche Medienrummel

Obwohl bereits im Herbst 1861 die ersten vorsichtigen Anfragen von Vertretern der Konservativen Partei Mexikos dem Wiener Hof vorgetragen wurden, hat es die amtliche Wienrer Zeitung als offizielles Regierungsorgan verstanden, so wenig als möglich an die öÖffentlichkeit gelangen zu lassen.
Unter dem Titel die mexikanische Angelegenheit berichtete die Wiener Abendpost jedoch in regelmäßiger Folge von den militärischen Erfolgen der französischen Interventionstruppen gegen Benito Juarez´ republikanische Armee, doch brauchte es immerhin einiger Monate, bis die Delegierten der mexikanischen Notabelnversammlung offiziel im Oktober 1863 Maximilian um die Annahme der Kaiserwürde ersuchten. Das Aufsehen war beträchtlich und umso verständlicher, zumal der Erzherzog und seine Gattin sich größter Berliebtheit erfreuen konnten.
Das sollte aber den Boulevard und die zahlreichen Witzblätter nicht hindern, das Medxikanische Abenteuer nach allen Geschmacksrichtungen auszuschlachten und das fremde Ambiente Mexikos einer mehr oder weniger gebildeten Öffentlichkeit nahe zu bringen. Die sehr unterschiedliche Qualität der bildlichen Darstellungen und Kommentare, wie etwa die Figuren, welche die Notabelndelegation verkörpern sollt, weisen darauf hin, dass Bildungshorizont ihrer Hervorbringer die gleiche bescheidene Bandbreite aufweist.

Die DelegiertenBild links: Die Delegierten bieten die Krone Mexikos an

 

Bild rechts: Die Auswanderer: Die Hofdamen - Böhmische Musikanten - der Ungar - die "Beindlstierer" die französische Knochen zu finden hoffen
Die Auswanderer

Neben solcher Geschmacklosigkeiten gibt es auch sozialkritische Seitenhiebe auf jene Wirtschafts- und Finanzkreise, die in Mexiko die Erschließung eines neuen Marktes mit allen Möglichkeiten dubioser Spekulationen auf rasches Geld und Profit zu sehen glaubten.
Dagegen befasst sich Die Presse in ihrer Ausgabe vom 31. März 1864 in einem ausführlichen Artikel mit der Problemantik der Annahme der Kaiserkrone und dem damit verbundenen Verzicht auf die Agnatenrechte Maximilians, während die amtliche "Wiener Abendpost" ein etwas optimischtisches Bild über die politischen und militärischen Verhältnisse in Mexiko zu vermitteln bemüht ist. So schrieb die "Abendpost", dass die Pazifikation Mexikos stetig weitere Fortschritte mache und die Truppen der Republikanischen Gegenregierung von Benito Juarez vor dem Zusammenbruch stünden.
Tatsächlich hatten die etwa 30.000 Mann starke französische Invasionsarmee von Marschall Bazaine, die Provinzen um Mexiko-City bis zur Küstenregion mit der Hafenstadt Vera Cruz unter Kontrolle bringen können, während Benito Juarez, dessen Amtszeit noch dazu abgelaufen und eine Wiederwahl aus begreiflichen Gründen nicht möglich war, um sein militärisches und politisches Überleben bangen musste.
Das Hauptinteresse von Öffentlichkeit uznd Presse galt aber den Ereignissen, in welche die Monarchie substanziell verwickelt war, wie etwa der Dänische Krieg, an dem seit Februar 1864 ein ganzes österreichisches Armeekorps und ein Flottenvarband beteiligt war. Ebenso beschäftigte der Aufstand der Polen gegen die Zarenherrschaft, der bereits im Jänner des Vorjahres ausgebrochen war, nicht nur die Presse sondern auch Regierung und Behörden, die neben der Aufrechterhaltung der Sicherheit an der Galizischen Grenze ein enormes Flüchtlingsproblem zu lösen hatten.
Neben der Berichterstattung über den Krieg im Norden und dem Aufstand im Osten und den Kommentaren zu den internationalen Aktivitäten, blieb der Kolportage über das mexikanische Abenteuer nur ein verschwindend kleiner Raum, der mit den Witzblättern geteilt werden musste. Dass diese umso penetranter in die Öffentlichkeit wirkten, dürfte die einschlägige Literatur als Medienrummel interpretiert haben.

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Die Anwerbung und Aufstellung des Korps

Unmittelbar nachdem Maximilian sich zur Annahme der Kaiserwürde entschlossen und mit seinem Eid auf das Kaiserreich Mexiko besiegelt hatte, gab Kaiser Franz Josef in einem Handschreiben die Genehmigung, mit der Anwerbung der Freiwilligen zu beginnen. Dieses Handschreiben nahm den Inhalt eines späteren bilateralen Abkommens vorweg das mit.Mexiko als "Convention zwischen Österreich und Mexiko vom 19. Oktober 1864 über der die Anwerbung eines Freiwilligenkorps für den mexikanischen Militärdienst",einige monate später in Kraft gesetzt wurde.
Mit diesem Abkommen sollte dieser Waffenhilfe internationale Geltung verschafft werden, - eine löbliche Absicht, die aber leider keine Anerkennung fand. Als ein Jahr später ein weiteres Abkommen, welches die Ergänzung des Korps sicherstellen sollte, geschlossen wurde, war der interrnationele Protest, vor allem jener der USA so stark, dass es nicht zur Ausführung kam.
Ein ähnlicher Vorgang beschäftigte auch das belgische Königreich, das ein Freiwillgenkorps von 1500 Mann nach Mexiko entsenden wollte. Da zum Zeitpunkt der öffentlichen Verlautbarung Kaiser Maximilian und seine Gattin Charlotte bereits in Mexiko waren, mussten die Werbeaktion und die Aufstellungsmaßnahmen unter ziemlichen Zeitdruck ablaufen, unter anderem auch ein Grund für die zahlreichen Pannen und Unzulänglichkeiten
Gemäß den Bestimmungen des Handschreibens war die Aufstellung einer Brigade, die im Einzelnen aus 3 selbständigen Jägerbataillone zu 6 Kompanien und je einem Regiment Husaren und Ulanen zu jeweils 5 Eskadronen vorgesehen. Die artilleristische Unterstützung sollten drei Batterien, 3-pfündige, auf Tragtiere verlastbare Gebirgsgeschütze übernehmen, mit zwei Pionierkompanien sollte den schlechten Verkehrsverhältnissen im Einsatzgebiet Rechnung getragen werden. Die Mitnahme einer kompletten Ausstattung technischer Artillerie sollte die selbständige Herstellung der Munition sicherestellen. Als Indiz für den allgemeinen Optimismus, mit dem das ganze Unternehmen in Angriff genommen wurde, kann die ca. 60 Mann starke Militärkapelle angesehen werden
Auf persölichen Wunsch Maxumilians war als Kommandant des Freiwilligenkorps Oberst Franz Graf Thun-Hohenstein vorgesehen, das belgische Kontingent sollte Oberst Van der Smissen führen. 4
Während die Werbestellen in allen Bezirken der Monarchie eingerichtet waren, wurde als zentraler Sammelort die Stadt Laibach, - das heutige Ljubljana in Slowenien, - bestimmt. Das ursprünglich geplante Triest hatte angeblich nicht genügend Unterkunftsmöglichkeiten zu bieten, - es dürfte jedoch eher daran gelegen haben, dass die Triestiner keinen besonderen Wert darauf legten, ein Heerlagers dieser Größe und mit seinen typischen Begleiterscheinungen zu beherbergen.
Melden konnte sich praktisch jeder Staatsbürger, sofern er nicht mehr militärdienstpflichtig war, sowie alle aktiven Angehörigen der k.k. Armee , die um ihre Aufnahme schriftlich ansuchen mussten. 5
Den Standesübersichten im Österreichischen Kriegsarchiv kann entnommen werden, dass von den 7211 aufgenommenen Personen, - die Zahl der abgewiesenen Bewerber ist unbekannt, - 232 Personen aus gesundheitlichen oder familiären Gründen und 86 "wegen Inkorribilität" wieder entlassen wurden. Weitere 52 Personen waren noch vor der Einschiffung desertiert und 29 während der Aufstellungszeit verstorben.
Bei einer Verpflichtungsdauer von 6 Jahren, waren die Aufnahmebedingungen allgemein verlockend, vor allem aber für die Offiziere. Neben den ausgezeichneten Besoldungs- und Beförderungsmöglichkeiten, - es wurde praktisch jeder Offizier mit dem nächst höheren Dienstgrad aufgenommen, den er in der k.k. Armee bekleidet hatte, - war der Wiedereintritt in die Armee nach Ablauf der 6 jährigen Verpflichtungszeit sicher war. Dass die Auslandsdienstzeit nicht angerechnet wurde, nahm man in Kauf, - ein weiteres Indiz für den Optimismus der Bewerber.
Vor allem profitierten viele Hauptleute, denen die so genannte Majorsecke, - eine in der k.k. Armee gefürchtete Hürde der Beförderung, - aus irgendeinem Grund Schwierigkeiten bereitete. Sie wurden ausnahmslos als Majore in das Korps aufgenommen, wie Alfons von Kodolitsch, der in wenigen Monaten sein Bataillon in das erste siegreiche Gefecht führen wird. Grundsätzlich wurden alle aus dem Aktivstand der k.k. Armee stammenden Offiziere mit dem nächst höheren Dienstgrad übernommenen.
Abgewiesen, - und zwar auf Wunsch Franz Josefs persönlich, - wurden allerdings jene Offiziere, die ihren Dienst in der k.k. Armee quittiert hatten, weil sie mit den Standespflichten in Konflikt geraten waren. Aber auch für die Freiwilligen aus dem Zivilstand waren die Besoldungsangebote verlockend genug, sich sozial und finanziell zu verbessern. Die Aufnahmebedingungen hatten aber auch eine Klausel, die den österreichischen Staat von der Verpflichtung entband, für die im Ausland erlittenen gesundheitlichen Schäden aufzukommen, ein Pferdefuß den viele entweder übersehen oder ignoriert hatten. Warum bei der Abfassung dieser Texte auf eine Rückversicherungsklausel verzichtet wurde, scheint ebenfalls auf den allgemeinen Optimismus aller Beteiligten zurückzuführen zu sein.
Dafür aber waren den Freiwilligen alle staatsbürgerlichen Rechte gesichert, wenn sie nach Ablauf der Verpflichtungsdauer zurückkehren, bzw. nicht vom Angebot des Landerwerbs in Mexiko gebrauch machen wollten. Diese Möglichkeit, sich eine neue Existenz aufzubauen, dürfte vorwiegend die vielen, aus den böhmischen und ungarischen Notstandsgebieten kommenden Arbeitslosen, wie auch jene 472 polnischen Asylanten, die wegen ihrer Beteiligung am großen Aufstand gegen die russische Herrschaft, ihre Heimat verloren hatten, motiviert haben.

Wie schon erwähnt, war die unvergleichlich höhere Löhnung für die Mannschaftsdienstgrade und die Aussicht auf eine glänzende Karriere für die Offiziere das Hauptmotiv für den Eintritt in das Freiwilligenkorps. Das Geld spielte jedenfalls immer eine Rolle, was vor allem für zahlreiche Sprösslinge aus Adelsfamilien und besseren Bürgerfamilien galt, die hoffnungslos verschuldet, den Peinlichkeiten einer Pfändung oder Klage der Gläubiger zu entkommen, wie etwa der junge Graf Carl Khevenhüller oder sein nicht weniger bekannter Kamerad Alfons von Kodolitsch. 6

Carl Khevenhueller zurück zum Inhaltsverzeichnis -

Gliederung und Ausrüstung

Für die Gliederung, Ausrüstung und Bewaffnung waren die Führungs- und Organisationsgrundlagen der Heeresreform von 1851 maßgebend, wobei dem modernen, selbständigen Jägerbataillon der Vorzug vor der klassischen Regimentsgliederung gegeben wurde. Ebenso war das den Jägern eigene Exerzier- und Ausbildungsreglement für den Feuerkampf in der "zerstreuten Ordnung" die zweckmäßigere Taktik für einen Kleinkrieg, mit dem ja zu rechnen war. Die sich daraus ergebende Forderung nach Beweglichkeit war auch richtungweisend bei der Bildung der Kavallerie- und Artillerieeinheiten. Eine Schwachstelle, wie sich später herausstellen sollte war die unzureichende Feuerkraft bei den Ulanen und Husaren, da nur 16 Mann je Eskadron mit Karabinern ausgerüstet waren.
Jägerstutzen M54 Karabiner M63  >>>> Bild Rechts: die einschüssige Reiteristole M62 >>
Pistole M62

 

Die Handfeuerwaffen waren durchwegs Vorderlader der Herstellerfirma Lorenz, mit Perkussionsschloss zum Verfeuern von Patronenmunition damaliger Fertigungstechnik Die Uniformierung entsprach im Schnitt weitgehend dem Vorbild des 1860 neu aus Freiwilligen gebildeten Ulanenregimentes Nr. 13, Graf Trani: blaue Feldbluse mit aufgenähten Taschen, weite, rote Hosen, über die rohlederne Gamaschen getragen wurden,
Die Offiziere.trugen wie auch die Angehörigen der Kavallerieeinheiten Schaftstiefel. Husaren und Ulanen waren durch ihre nationalen Uniformstücke, wie Ulanka und Attila unterschieden, während die Jäger den grauen Jägerhut, mit der Adlerfeder trugen. Mit der Herstellung und Lieferung der Uniformen und Ausrüstungsgegenstände waren ausschließlich österreichische Unternehmen befasst, Feuerwaffen und Geschütze wurden aus Beständen der k.k. Armee übergeben oder von deren Rüstungsbetrieben geliefert. Das Ganze erfolgte selbstverständlich auf Rechnung des Staates Mexiko, bzw. aus der von Maximilian aufgenommenen Staatsanleihe, die von der in Paris ansässigen Finanzverwaltung verwaltet wurde.
Schon bei Beginn der Werbeaktion zeigten sich Zahlungsprobleme, die teils auf das zögerliche Anlaufen der Staatsanleihe zurückzuführen waren, teils aber auch, weil Gelder in andere obskure Kanäle verschzwanden.
Wie sehr Geschäftemacher und Spekulanten auf ihren Profit und schnelles Geld aus waren, zeigte sich, als bald nach dem Eintreffen in Mexiko eine Reihe von Mängeln offenbar wurden, weil teils den klimatischen Verhältnissen nicht genügend Rechnung getragen , vielfach aber schlechte Qualität geliefert wurde. Der Teil dieser Kritiken kann unter die Kategorie Verbesserungsvorschläge eingeordnet werden und weist auf das allgemeine Unvermögen der europäischen Uniformschöpfer in der Wahl tropentauglicher Textilien. So gesehen waren die französischen Truppen nicht besser dran als die Österreicher.
Gravierend aber war die schlechte Qualität des Schuhwerks das der Heereslieferant Valerio geliefert hatte: Er hatte die Schuhe aus längst ausgeschiedenen Armeebeständen billigst angekauft und reparieren lassen. Doch bereits nach den ersten Märschen fielen die Schuhe den Infanteristen förmlich von den Füßen.
Diese betrügerischen Machenschaften und andere an Betrug grenzende Liefermängel, lassen vermuten, dass so manche Lieferanten mit einer durch den Zeitdruck bedingten oberflächlichen Abnahme spekulierten. Im Endeffekt aber waren sie doch die Geprellten, als sie wegen der bald eingetretenen Zahlungsunfähigkeit des Mexikanischen Staates auf ihren offenen Forderungen sitzen blieben.

 Husar Ulan Jäger Jägeroffizier

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Fahneneid und Disziplin

Trotz des anfänglich schleppenden Anlaufs der Werbung, entsprach der Zulauf zu den Werbestellen, die in der gesamten Monarchie eingerichtet waren, durchaus den Erwartungen. Bis Herbst 1864 hatten sich aus allen Teilen der Monarchie kommend, über 7000 Menschen in Laibach versammelt, um in die Dienste ihres neuen Kriegherrn zu treten.
Gemäß Artikel 21 der schon erwähnten Konvention mußten sie schwören, der mexikanischen Fahne treu zu sein und dem Kaiser von Mexiko als oberstem Kriegsherrn gehorsam zu sein. Dieser Fahneneid war noch auf österreichischen Boden zu leisten, womit auch die disziplinäre und militärstrafrechtliche Jurisdiktion der mexikanischen Armee in Kraft trat.
Mit diesem Fahneneid wurde die kriegsrechtliche Stellung des österreichischen Freikorps bewußt hervorgehoben, um einen deutlichen Unterschied, zu den französischen Interventionstruppen zu setzen, was im Übrigen auch für das belgische Freikorps gelten sollte.Die spätere Entwicklung wird allerdings zeigen, dass weder die US-Amerikaner noch das übrige Ausland diesen Unterschied würdigen, sondern auch Österreich als Interventionsmacht betrachten werden.
Was den Triestinern erspart blieb, durften nun die Einwohner von Laibach,- damals eine Kleinstadt von etwa 20 000 Einwohnern vollen Zügen auskosten. Trotzdem war man geteilter meinung, denn diese neuzeitliche Ausgabe von Wallensteins Lager brachte unbestritten einen gewissen Schwung in die Wirtschaft der Stadt. Während das Landespräsidium von Krain im Kriegsministerium vorstellig wurde, die aus allen Teilen der Monarchie zusammengebrachten, größtenteils abenteuerlustigen Leute beschleunigt aus Laibach abzuziehen und weiteren Zuzug zu vermeiden, bedauert es die Geschäftswelt, als im März 1865 der letzte Transport abging. Allerdings mußte der Rücklaßkommandant Oberstleutnant Zach verschiedene Unternehmer ersuchen ihm "schriftlich jene Beträge anzuzeigen, welche Sie vom Freiwilligen Korps zu fordern haben."

Kaiserflagge   Die kaiserliche Flagge von 1863 bis 1864

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Überfahrt und Eintreffen in der neuen Welt

Für die Überfahrt der Truppen nach Mexiko wurden insgesamt 5 Transportschiffe von privaten Reedereien gechartert, die von Triest über St. Nazaire in Frankreich den Atlantik überqueren und nach einem Zwischenaufenthalt auf Martinique das mexikanische Vera Cruz anlaufen sollten. Die Schiffe waren eigens für den Truppentransport mit allen dafür notwendigen Einrichtungen wie Sanitäre Anlagen und Krankenstation adaptiert, die Reedereien vertraglich verpflichtet, den in der k.k. Marine üblichen Standard in Verpflegung und Unterbringung herzustellen. Die Platzverhältnisse waren aber dennoch so beschränkt, dass sich ein Teil der Truppe im Wechsel auf Deck aufzuhalten hatte. Da diese Einteilung bei stürmischer See nicht möglich war, kann man sich lebhaft vorstellen, welche Bedingungen bei den mitunter tagelang anhaltenden Stürmen unter Deck geherrscht haben müssen. 7

Als die ersten Transporte im November 1864 anlaufen sollten, war das Korps allerdings bei weitem noch nicht komplett. Vor allem aber fehlte es noch an Uniformen, die zum Teil erst in Mexiko ausgegeben wurden.
Am 19. November verließ als erstes Transportschiff, die "Bolivian" den Hafen von Triest. An Bord befanden sich 35 Offiziere und 1082 Unteroffiziere und Mannschaften, darunter der Großteil des Korpsstabes mit seinem Kommandeur General Franz Graf Thun-Hohenstein. Vormals im k.k. Infanterieregiment Nr. 9 als Oberst eingeteilt und im Krieg von 1859 ausgezeichnet, war er auf persönlichen Wunsch Maximilians mit dieser Aufgabe betraut worden.
Sofort nach dem Eintreffen in Vera Cruz am Neujahrstag 1864 bezog er mit seinem Stab sein Hauptquartier in Puebla, das vorerst auch Garnison der gesamten Truppe sein sollte. Ob Jäger oder Kavallerie, alle mussten die etwa 250 km von Vera Cruz im Fußmarsch zurücklegen, für viele die erste große Belastungsprobe bei ungewohnten klimatischen Verhältnissen.Ein kurzes Stück von etwa 60 km der geplanten Bahnlinie von Vera Cruz zur Hauptstadt war zwar bereits fertig, für größere Truppentransporte aber kaum geeignet.
Etwa um den 20. Jänner trafen die nächsten Truppentransporte mit der "Peruvian" und "Brasilian" ein, zusammen 61 Offiziere und 2279 Mann. Dem folgten in kurzen Abständen weitere Transporte, die nach durchschnittlicher Dauer von 45 - 50 Tagen ihr Ziel in Vera Cruz erreichten. Als besonders günstig erwies sich der Zwischenaufenthalt auf Martinique, an dem sich die Reisenden von den bisherigen Strapazen auf hoher See erholen und akklimatisieren konnten. Dass die Überfahrt im Großen und Ganzen gut organisiert war, beweisen die wenigen Zwischenfälle: Während eines Sturmes ist auf der "Peruvian", ein Mann über Bord gegangen und das Schiff selbst in der Karibik auf ein Riff gelaufen.8
Am 29. März 1865 verließ die "Brasilian" als letzter Transport den Hafen Triest. Unter den 1114 Mann befand sich auch der als Rücklasskommandant eingeteilte Oberstleutnant Zach, dessen Aufgabe es auch sein wird, zwei Jahre später das Korps nach seiner Auflösung in Triest zu empfangen und die Heimkeherer, soweit sie Armeeangehörige waren, wieder einzugliedern.9
Als der letzte Transport anfangs Mai 1865 in Mexiko eingetroffen war, hatte das Korps bereits seine ersten erfolgreichen Gefechte in der Sierra del Norte bestanden.
Bis es aber so weit war, mussten die Einheiten erst einsatzbereit gemacht werden. Das bedeutet, dass die Jäger erst mit der ihnen eigenen Taktik vertraut und die Kavallerie beritten gemacht werden musste. So mussten das Exerzieren und der Feuerkampf mit dem Jägerstutzen erst erlernt, die Kavalleristen, sofern sie schon reiten konnten, an die kleinen mexikanischen Pferde gewöhnen. Wie langwierig Das Korps selbst gliederte sich in:

  1. Korpsstab
  2. 3 Jägerbataillone ( I. Bataillon "Kaiser Franz Josef") zu 6 Kompanien
  3. 1 Husarenregiment ( "Kaiser Maximilian") zu 5 Eskadronen
  4. 1 Ulanenregiment zu 5 Eskadronen
  5. 3 Gebirgsbatterien (3-Pfünder)- auf Tragtiere verlastet
  6. 2 Pionierkompanien
  7. Garnisons-, Depot- und Disziplinarkompanien, Tragtierabteilung, Korpsgendarmerie
Zusammen mit den beiden belgischen Jägerbataillonen (I. "Kaiserin Charlotte", II. "König Leopold von Belgien") bildeten die österreichischen Truppenteile das "kaiserlich mexikanische Korps österreichischer und belgischer Freiwilliger". Verstärkt mit mexikanischen Einheiten wurde daraus die 2. mexikanische Territorialdivision unter dem Kommando von General Graf Thun.

kontrolliertes Gebiet

Die kaiserlich mexikanische Armee bestand de facto aus Truppenverbänden, deren Kommandeure sich für das Kaiserreich entschieden hatten. Die verlässlichsten davon waren die Generäle Ramon Mendez, Tomas Mejia und Leonardo Marquez, sowie der noch im französischen Exil befindliche Miramon. Mit ihrem obersten Kriegsherren Maximilian wurden sie auch die 5 M bezeichnet.10

Marschall Bazaine   Graf Thun General Mendez   General Miramon   General Mejia

Abb. oben
Die Generäle der kaiserlichen Armee:
Marschall Bazaine - General Graf Thun - General Ramon Mendez - General Miguel Miramon - General Tomas Mejia

Die schlagkräftigste Militärmacht im Lande stellten aber immer noch die Franzosen mit ihrer von Marschall Bazaine geführten Interventionsarmee von etwa 30 000 Mann. Die Truppe setze sich vorwiegend aus Verbänden der Französischen Kolonialarmee in Algerien und der Fremdenlegion zusammen. 11
Für Bazaine, der als früherer Kommandeur in der Fremdenlegion in Nordafrika bereits Erfahrungen im Kleinkrieg gegen Aufständische gesammelt hatte, war dies mit Recht die am besten geeignete Truppe, was Kampfwert und Härte anbelangt, um dafür bei den Einheimischen umso verhasster zu sein. Was aber besonders zählte, waren die ausgezeichneten Artillerieeinheiten, deren Schlagkraft die kleinkaliberigen österreichischen Gebirgsgeschütze übertreffen musste.
Über die Truppen der kaiserlich mexikanischen Armee, deren Verlässlichkeit nicht nur von der Loyalität ihrer Kommandeure, sondern auch von den Lebensbedingungen der Soldaten selbst abhängig war, gibt es kaum Angaben hinsichtlich ihrer Stärke und Gliederung. Authentische Schilderungen und Beschreibungen seitens österreichischer Zeitzeugen sind wegen ihrer subjektiven Aussage wenig hilfreich, da vielfach auch das Verständnis für den Lebensstil der Einheimischen fehlt.
Unten stehende Abbildungen zeigen Uniformen der franz. Algerientruppen, wie sie auch in Mexiko in Erscheinung getreten sein dürften.(Bild zur Vergrößerung anklicken)

Chasseurs Infanterie Spahis Tireilleurs

Das österreichische Korps sammelte anfangs in der alten historischen Garnisonstadt Puebla, 12 von wo die einzelnen Einheiten ihre Garnisonen, insbesondere Orte an den Verbindungswegen von Mexiko zur Ostküste, bezogen. Dazu zählten die Kleinstädte Perote und Jalapa, die auch als Ausgangspunkt der ersten Offensive in die Sierra del Norte eine Rolle spielen werden. Von hier aus durchstreiften die Jägerkompanien das Umland, um bald festzustellen, dass besonders in den nördlich gelegenen Gebieten um die Städte Zacapoaxtla und Teziutlan von den Republikanern kontrolliert werden. Als Einsatzgebiet wurde den Österreichern das Städtedreieck Orizaba, Jalapa, Puebla mit dem Grundauftrag, die Verkehrswege zwischen der Hauptstadt und Vera Cruz zu überwachen, zugewiesen. Die Truppe wurde von der Bevölkerung neugierig aber nicht unfreundlich aufgenommen. Die Soldaten waren diszipliniert, ihr Auftreten gegenüber der Bevölkerung korrekt und freundlich.
Was den Einheimischen dabei nicht auffallen konnte, war das Sprachengewirr, das im Korps selbst herrschte, setzt es sich doch aus allen Nationen der Donaumonarchie zusammen. Was die Truppe verband, war lediglich die deutsche Kommandosprache und der nach und nach sich bildende Korpsgeist.
Ausgesprochen komplex war das Verhältnis zu den anderen Militärmächten, insbesondere das zu den Franzosen. Hier hielten sich alte Ressentiments aus dem italienischen Krieg von 1859 und militärischer Respekt vor den gegenwärtigen Leistungen die Waage, um Monate später in offene Rivalität auszuarten. Was die Mexikaner anbelangt, standen sie bei den Österreichern nicht im besten Ruf, wobei das Offizierskorps als korrupt und die Truppe als unzuverlässig galt.
Die Republikanische Armee, - oder das was von ihr noch vorhanden war, - hatte sich zwar in die Nordprovinzen Sonora und Chihuahua abgesetzt, Guerillaverbände verschiedenster Größenordnung operierten jedoch überall im Lande, besonders aber in den unzugänglichen Gebieten der Sierra del Norte. 13
Zum Teil waren es irreguläre Freischaren, die sich nur wenig von Räuberbanden unterschieden und vorwiegend auf eigene Rechnung operierten. Ein nicht weniger ernst zu nehmender Gegner waren jene Indiostämme, die der Häuptling Juan Francisco Lukas anführte und sich Cuatecomacos nannten. 1855 hatten sie sich unter der Führung ihres Alkalden Jose Manuel Lucas, - dem Vater des nunmehrigen "Generals", - gegen die kreolischen Grundherren erhoben und in den Cuatecomacobergen erfolgreich geschlagen. 14

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Der Kampf um die Sierra del Norte beginnt

Der Oberkommandierende der kaiserlichen Streitkräfte, Marschall Bazaine und auch Graf Thun, waren sich dieser Feindlage bewusst, waren aber der Auffassung, dass eine nachhaltige Besetzung dieser Gebiete nicht möglich wäre. Vor Allem war für Thun das Korps bei Weitem noch nicht einsatzbereit sei, zumal zum Zeitpunkt dieser Feindlagemeldungen, - es war Anfang Februar, - ein sich gutes Drittel noch in Aufstellung in Österreich befand und die verfügbaren Kräfte sich noch in der Ausbildungsphase standen. Vor allem die Kavallerieeinheiten waren zum Teil noch nicht beritten, der Artillerie fehlte es noch an Tragtieren und Gespannen.
Beide hielten daher wenig von den Vorschlägen des Garnisonskommandanten von Jalapa, Major Alfons von Kodolitsch, die Ortschaft Teziutlan, die er als Schlüsselstellung in der Region ansah, militärisch zu besetzen. Im Übrigen war man über die tatsächliche Feindlage nur wenig informiert und war hauptsächlich auf die Nachrichten von Konfidenten angewiesen, deren Auswertung aber durch das Fehlen von Kartenmaterial äußerst schwierig war.
Gerade aber diese Umstände wusste Kodolitsch zu nutzen, seine Absichten in die Tat umzusetzen. In einem Schreiben an das vorgesetzte Kommando berief er sich auf eine Empfehlung des kaiserlichen Ministers Robles, mit dem er befreundet war. Dieser habe ein Treffen mit einem Verwandten des örtlichen Distriktschef und Anhänger der Republikaner arrangiert, aus dem hervorging, dass der Distriktschef bereit wäre, zu den Kaiserlichen überzutreten
Diesen Hinweis durfte Thun dem Kaiser nicht vorenthalten, der darauf prompt die Besetzung von Teziutlan anordnete, ohne den Oberkommandierenden zu konsultieren. Als am 2. Februar 1865 das Schreiben des Generaladjutanten L' Herillier bei Kodolitsch einlangte, waren bereits alle Vorbereitungen für den Angriff auf Teziutlan getroffen. An einzusetzenden Kräften stand das 1. Jägerbataillon zur Verfügung, dessen Kommando, sowie die 2. und 3. Jägerkompanie in Jalapa, die 6. Kompanie in dem etwa 40 km entfernten Perote lagen. Dazu gab es noch mexikanische Kavallerie und Auxiliares aus Jalapa. Zur Unterstützung standen eine Pioniergruppe und 2 Ärzte bereit. Dass keinerlei Artillerieunterstützung verfügbar war, muss Kodolitsch als gravierender Fehler angekreidet werden, wie überhaupt das ganze Unternehmen mehr vom Ehrgeiz als von taktischen Überlegungen geleitet war.
Am Abend des 5. Februars setzte sich die von 74 mexikanischen Reitern verstärkte 6. Jägerkompanie unter Hptm. Hassinger von Perote aus in Marsch. Ihr folgte die aus Jalapa herangeführte 2. Kompanie unter Olt. Hedemann, die von einem Zug der 3. Kompanie Und 50 Auxiliares verstärkt wurde. 15
Ein weiterer Zug der 3. Kompanie unter dem Kommando von Olt. Gruber sollte das Umfeld des Angriffszieles aufklären um einen Überraschungsangriff anderer Feindkräfte zu begegnen, - eine Maßnahme, deren Richtigkeit sich noch bestätigen sollte.
Das Angriffsziel, die Kleinstadt Teziutlan mit etwa 7000 Einwohnern, war von etwa 1000 Mann, davon ein Drittel Kavallerie besetz. Um überhaupt dorthin zu gelangen, musste ein Marschweg von über 40 km zurückgelegt werden.
Nach einer kurzen Bereitstellung im Morgengrauen begann der Angriff der 6. Kompanie. Offensichtlich blieben Anmarsch und Bereitstellung der Österreicher unbemerkt, so dass die 6. Kompanie im Sturm bis auf den Marktplatz vordringen konnte. Im darauf folgenden Häuserkampf gelang es auch die übrigen Ortsteile bis Mittag zu nehmen.
Dank des Aufklärungsauftrages, den Olt Gruber erhalten hatte, konnte dieser tatsächlich einen gegnerischen Angriff auf den Tross der Österreicher verhindern, ebenso gelang es, einen Gegenangriff 2 Tage danach erfolgreich abzuwehren.


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Die Verluste des Gegners sind nur ungenau beziffert, - berichtet wird von einer größeren Zahl von Gefangenen, Pferden und Waffen und einer Kasse, auf der eigenen Verlustliste standen: Sieben Tote, davon der Kommandant der 6. Kompanie Hptm Hassinger, vier österreichische und zwei mexikanische Soldaten, - zwei Vermisste und mehrere, zum Teil schwer Verwundete, wie Kodolitsch' Ordonnanzoffizier Graf Herberstein. 16
Dieser erste Erfolg des österreichischen Freikorps musste natürlich größtes Aufsehen erregen, das vor allem ein mediales Echo in Österreich auslöste. Ebenso wurde der Kaiser selbst, der "schon lange keinen so guten Tag erlebt, als bei der Nachricht von der schönen Affäre", nicht müde, die die Protagonisten mit Orden und Ehrungen zu überhäufen. Kodolitsch erhielt das Offizierskreuz, alle übrigen Offiziere, - der Stabsarzt mit eingeschlossen, - das Ritterkreuz des Guadelupe-Ordens.

Guadelupe <<< Der Guadelupe-Orden 17

Hinter den Kulissen aber gab es eine Reihe von Irritationen, die teils von Neid, vielfach aber auch von berechtigter Kritik getragen waren. Sogar der Kaiser selbst musste feststellen, dass er hier über den Kopf seines Oberkommandierenden Marschall Bazaine hinweg, eine Entscheidung getroffen hatte, die, wenn das Ergebnis nicht so erfolgreich gewesen wäre, fatale Folgen für alle Beteiligten gehabt hätte. Vor allem die Militärs, Graf Thun mit eingeschlossen, durften erkannt haben, dass diese Operation unter Missachtung einer Reihe von militärischen Grundsätze durchgeführt wurde.
Vor Allem das Vorgehen gegen einen Feind, über dessen Stärke und Lage nur ungenaue Informationen vorlagen, ohne über eine artilleristische Unterstützung zu verfügen, muss bei manchem Stabsoffizier Kopfschütteln verursacht haben, eine Beurteilung aus heutiger Sicht dürfte noch gravierender ausfallen.
Obwohl der Gefechtsbericht, - er ist wie auch alle übrigen Gefechtsberichte aus unerfindlichen Gründen aus dem Kriegsarchiv verschwunden, - nicht eingesehen werden kann, ist man in der Lage, aus den verfügbaren Quellen und Schilderungen zwischen den Zeilen zu lesen und eine weitere Liste von Ungereimtheiten und Fehlern auszumachen. Vor Allem fällt auf, dass die 6. Kompanie nach der Erstürmung des Marktplatzes weiter als Angriffsspitze eingesetzt blieb, obwohl sie durch die zweite Kompanie abgelöst hätte werden können. Dieser Umstand wird in den vorliegenden Schilderungen noch unterstrichen, wenn man liest, "sie (die Republikaner)waren von den 470 Kaiserlichen gewichen, von denen nur 300 direkt in den Kampf eingegriffen hatten." 18
In welcher Form auch immer Marschall Bazaine diesen Lapsus seinem obersten Kriegsherren vorgehalten haben mag, Kaiser Maximilians Reaktion war ebenso nobel wie eindeutig. In einem persönlichen Schreiben gibt Maximilian Graf Thun zu verstehen, er"halte es für gut, dass Marschall Bazaine das operativ-militärische Oberkommando über alle diese Truppen führe. Unter ihm werden Sie das vereinte belgisch-österreichische Korps kommandieren"
Mit dieser Entscheidung hatte Maximilian sowohl die Österreichischen als auch die belgischen Freiwilligen, einschließlich ihres Kommandeurs in die Interventionstruppen integriert und letztlich bewirkt, dass sich zu der bereits bestehenden Rivalität zwischen Franzosen und mexikanischen Militärs, noch die der Österreicher und Belgier hinzu gesellte.
Die Herstellung klarer Kommandostrukturen war sicher notwendig, die Art und Weise der Realisierung die einer Brüskierung Thuns gleichkam, zeigt, dass Maximilian völlig unter Bazaines Einfluss stand. Dieser tat noch sein Übriges: Um seine Autorität zu unterstreichen, bestander darauf, dass ihm jeder Operationsbefehl zur Genehmigung vorzulegen sei. Das Hineinbefehlen bis in die unterste Kompanieebene wurde somit zur gängigen Praxis, die mancher Kommandeur, wie beispielsweise Kodolitsch, durch Eigenmächtigkeiten zu durchbrechen suchte.
Ungeachtet dieser Unstimmigkeiten hatte die Einnahme von Teziutlan eine ungemein positive Wirkung nicht nur bei der eigenen Truppe, deren Selbstbewusstsein und Korpsgeist einen besonderen Auftrieb erhalten hatte. Sie machte auch Eindruck auf die Bevölkerung in der Region, die vor allem die Disziplin und Umgänglichkeit der neuen Besatzer zu schätzen begann. So war es eine logische Folge, dass Kodolitsch, nun Distriktschef mit Sitz in Teziutlan, die Fortsetzung der Offensive plante. Nach wie vor aber standen die Bedenken des Brigadekommandos, wie Graf Thuns Kommando nun bezeichnet wurde, so dass Kodolitsch sich vorerst das kleinere Ziel, das etwa 25 km nordwestlich gelegene Zacapoaxtla vornahm. War es vor Teziutlan ein Trick, sich die Genehmigung für den Angriff zu holen, waren es diesmal die unklaren Befehlsverhältnisse, als sich alle Entscheidungsträger wo anders aufhielten als gewöhnlich. Im Militärkommando Puebla hielt zurzeit nur ein französischer Major Rolland die Stellung. Da ein französischer Verband im Raume San Juan los Llanos in Bedrängnis geraten war entsandte Rolland die beiden in Puebla stationierten Jägerkompanien unter dem Kommando von Hptm Höhn zu dessen Unterstützung. Im Einsatzgebiet angekommen, - die Lage der Franzosen war inzwischen bereinigt, - wurde Hptm Höhn vom französischen Kommandeur Capitain Chevallier der Vorschlag gemacht, nach Zacapoaxtla vorzustoßen, da der Ort nur schwach besetzt sei. Am 3. März wurde der Ort von der Kompanie Hptm Hobzas kampflos eingenommen.

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Die Offensive

Kodolisch' Erfolge hatten nun auch Thun überzeugt, dass die Sierra befriedet werden könnte, wenn man entsprechend konsequent vorgeht. Mit Teziutlan und Zacapoaxtla konnten auch weitere Orte, wie Jalacingo und Tulancingo besetzt werden.
Erstes Angriffziel war die Ortschaft Xochiapulco, wo man die Hauptmacht der Cuatecomacos vermutete und einschließen wollte. Der Angriff wurde konzentrisch aus allen Richtungen vorgetragen: Eine Kompanie von Zacapoaxtla unter Hptm Bernart, Hptm Krikl mit seiner Kompanie aus Zacatlan und die 3. Kolonne aus Zaragoza. Thun selbst befand sich bei Krikls Kolonne wo sich auch die Artillerie mit vier Gebirgsgeschützen befand. Die einzelnen Kolonnen trafen allerdings nur auf hinhaltenden Widerstand leistenden Feind, der schließlich der Einkesselung ausweichen konnte. Die Stadt selbst ergab sich kampflos.
Dem Gegner eine entscheidende Niederlage zuzufügen, war zwar nicht gelungen, doch die beiden Führer, der Indiogeneral Lucas und der Republikaner Fernando Ortega zeigten sich verhandlungsbereit.
Kaiser Maximilian schaltete sich selbst ein, indem er seinen Kommissär Villanueva nach Puebla entsandte, wo die Verhandlungen mit Ortega geführt wurden. Das Angebot des kaiserlichen Kommissärs war durchaus verlockend:
Der frühere republikanische Militärkommandant der Sierra Mendez sollte Gouverneur und Lucas Militärkommandant der Region werden, ein Vorschlag, über den Thun nicht gerade erfreut war, lieferte er doch die kaisertreuentreuen Zapacoaxteken ihren Erzfeinden, den Cuatecomacos aus. Im Endeffekt kam dann doch nicht mehr heraus, als dass Ortega für einige Tage in das Hoflager des Kaisers, - er hielt sich auf einer Rundreise gerade in Jalapa auf, - eingeladen wurde. Am Ende kam lediglich ein Waffestillstand zustande, der von Ortega nach mehreren Wochen aufgekündigt wurde.
Bis dahin aber hatten die Kaiserlichen ihre Chance zu nützen gewusst, indem sie ihre Ausgangspositionen für die Fortsetzung der Offensive wesentlich verbessern konnten. Allerdings konnten auch die Juaristen an die 6500 Mann teils reguläre Truppen, teils Indios von Juan Francisco Lucas, aber auch einige Hundertschaften Plateados, in der Sierra zusammenziehen. 19
General Thun, - er hatte nun die Leitung der Operation selbst in die Hand genommen, - konnte nun auf der inneren Linie operieren und aus dem Raum Teziutlan, Zacapoaxtla, Perote, kräftesparend in alle Richtungen wirken und damit das Überraschungsmoment für sich nutzen.
Am 16. Juli nachts setzten sich 2 Kolonnen, - jede führte je eine Halbbatterie von 2 Gebirgsgeschützen mit, - in Richtung der von Feind besetzten Orte Huahuaxtla und Tetela in Marsch. Huahuaxtla konnte kampflos genommen werden. An der Brücke über den Rio Apulko kam es dann zum entscheidenden Gefecht, das dank der Artillerie und eines Umgehungsmanövers der Auxiliares mit dem fluchtartigen Rückzug des Feindes endete.
Eine andere Kampfgruppe bestehend aus einer Jägerkompanie und einem Zug Ulanen und ei Aufgebot von Auxiliares unter der Führung von Hptm Tankred della Sala war am 15. Juli von Zacatlan aufgebrochen und hatte bereits am 16. Juli Tetela genommen. 20
Am 18. Juli bereits konnte Thun bei denkbar geringen eigenen Verlusten eine positive Bilanz seiner Offensive ziehen. Aber da waren auch zwei Negativposten: Juan Francisco Lucas hatte sich mit seinen Cuatecomacos in die unzugänglichen Wälder zurückgezogen und von der völlig unkontrollierten Küste her rollte unbehindert der Nachschub an Waffen und Munition, dem auch jede Menge an Agitatoren der Juaristen folgten.
Denn im Juni war der amerikanische Bürgerkrieg mit dem Sieg der Nordstaaten zu ende gegangen und die nun offen die Unterstützung der Juaristen vorantreiben konnten. Obwohl Thun das Kunststück zuwege brachte, Juan Francisco Lucas zu einem nachhaltigen Waffenstillstand zu bewegen, waren die militärischen Erfolge nur von kurzfristiger Wirkung, da die zivilen Verwaltungsorgane nicht in der Lage waren, das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen. Aber auch auf militärischer Seite fehlte es an einer konsequenten Koordinierung zwischen General Thun und Marschall Bazaine. Dieser hatte sich offenbar beleidigt in die Flitterwochen mit seiner jungen mexikanischen Frau zurückgezogen und den Österreichern das Feld überlassen. Thun und Kodolitsch, nunmehr Generalstabschef im Korpskommando, hatten zwar freie Hand aber wenig Unterstützung der Franzosen, die faktisch nur mehr ihre Verbände der Fremdenlegion im Lande stehen hatten, da die schon ursprünglich geplante Reduzierung der Truppen unter dem Druck der Amerikaner an Tempo gewonnen hatte.

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Der schwarze Erlass

Im September 1865 hatte der französische Generalstab den Kaiser informiert, Präsident Benito Juarez habe die Grenze bei El Paso del Norte überschritten und das mexikanische Staatsgebiet verlassen
Es entsprach zwar den Tatsachen, dass Juarez sich nach El Paso del Norte am Rio Grande, dem Grenzfluss zu den USA abgesetzt hatte. 21
Juarez hatte aber nicht, wie General Brincourt angenommen hatte, sein Hauptquartier auf amerikanischem Boden, sondern in jenem am mexikanischen Ufer gelegenen Teil der Stadt aufgeschlagen, der heute Ciudad Juarez genannt wird. Diese Falschmeldung aber reichte, den Kaiser zu überzeugen, um folgendes Manifest an das Mexikanische Volk zu erlassen:
"Mexikaner: Die von Don Benito Juarez mit soviel Mut und Hartnäckigkeit vertretene Sache nicht nur die Unterstützung im Volkswillen, sondern auch die Legitimierung verloren, auf die sich der Anführer zur Rechtfertigung seiner Titel beruft. Heute ist diese zum Aufruhr verkommene Sache, durch den Übertritt ihres Anführers ins Ausland endgültig aufgegeben worden."
Damit sah sich Maximilian in seiner ursprünglichen Annahme, der Widerstand gegen das Kaiserreich gehe vorwiegend von irregulären Verbänden und Räuberbanden wie den Plateados aus, bestätigt. Eine Reihe von Erschießungen kaiserlicher Offiziere und Beamter, den spektakulären Überfall auf die belgische Regierungsdelegation Delegation und vieler anderer Übergriffe der Republikaner sollte daher mit einer härteren Gangart beantwortet werden.
Man empfahl dem Kaiser das Staatssicherheitsgesetz vom 25. Jänner 1861 zur Anwendung zu bringen, das Benito Juarez erlassen hatte, worin es heißt:
"Zu den Verbrechen gegen die Unabhängigkeit und Sicherheit des Staates zählen die bewaffnete Invasion des Staatsgebietes der Republik durch Ausländer und Mexikaner oder nur durch erstere ohne vorherige Kriegserklärung durch den Staat, dem sie angehören. Die freiwillige Dienstleistung von Mexikanern bei feindlichen ausländischen Truppen. Bei tatsächlichem Eintritt der Invasion jede Mithilfe dazu, dass an den von den Invasoren besetzten Orten eine Scheinregierung eingerichtet werde, sei es durch Stimmabgabe, ... Annahme von Posten. Zu den Verbrechen gegen den Landfrieden und die öffentliche Ordnung zählen ... das Sich-Anmaßen der höchsten Regierungsgewalt in der Nation, in den Staaten oder Territorien ... kraft eigener oder im Auftrag einer nicht rechtmäßigen Autorität".
Dieser Gesetzestext entsprach genau der gegenwärtigen Lage, oder besser gesagt, dem, was man dafür hielt.
Unter dem Druck der konservativen Regierungsmitglieder und vor allem Marschall Bazaines erließ Maximilian jenes Dekret, das wegen seiner fatalen Folgen auch "Schwarzer Erlass" genannt wird. Das Sondergesetz "gegen die Banden" vom 5. Oktober 1865, in dem die rasche Aburteilung und Hinrichtung für alle vorgesehen wurde, die sich bewaffnet gegen die kaiserliche Regierung und die Invasionstruppen stellten, lautet im Folgenden:
"Die Sache, die Don Benito Juarez mit Mut und Beharrlichkeit vertrat, ist schon unterlegen ... Von heute an und weiterhin besteht der Kampf lediglich mehr zwischen den rechtschaffenen Menschen der Nation und den banden von Verbrechern und Straßenräubern ... Die Regierung wird von heute an unerbittlich in der Züchtigung sein, wie sie die rechte der Zivilisation, die Gesetze der Menschlichkeit und die Erfordernisse der Sitten verlangen. Maximiliano".
Auf diesem Dekret abstützend wurde am Tag darauf ein Gesetz erlassen, das für den bewaffneten Kampf gegen Kaiserliche und Franzosen standrechtlich die Todesstrafe vorsah.
Ob Maximilian so naiv war, die gegen ihn und sein Kaiserreich opponierenden Kombattanten tatsächlich für gesetzlose Desperados zu halten, darf bezweifelt werden, er war jedenfalls naiv genug, zu glauben, dass die Anwendung des Dekretes vom 3. Oktober 1865 ebenso lasch gehandhabt würde, wie Juarez' Gesetz von dazumal. Jedenfalls waren in dem Gesetz einige Sicherungen eingebaut, wie etwa eine Amnestie für alle Kombattanten, die ihre Waffen bis zum 1. Dezember abgeben würden.
Dass es aber anders kam, sorgte der vorauseilende Gehorsam des damaligen Oberst Ramon Mendez, der die beiden in Gefangenschaft geratenen Generäle Artega und Salazar am 13. Oktober, also weit vor Ablauf der Amnestie exekutieren ließ. 22
Zu diesen Scharfmachern zählte auch Bazaine mit seinen Zusatz, den er dem Rundschreiben, mit dem das Sondergesetz verlautbart werden sollte, beifügt hatte. Bezugnehmend auf die "schändlichen Meuchelmorde", - gemeint waren die Erschießung des Kommandeurs und mehrerer Beamten und Bürger von Uruogan, sowie die Erschießung und Ermordung anderer Offiziere und deren mehr, - gehen seine Anweisungen ins Detail:
"Gegen solche verwilderte Untaten werden Repressalien Notwendigkeit und Pflicht. Diese sämtlichen Banditen sind durch das kaiserliche Dekret außer Gesetz befindlich erklärt."
Dieser Passage folgte dann die Anweisung, dass weder Gefangene gemacht noch ausgetauscht würden und jeder, der mit der Waffe in der Hand angetroffen wird, zu erschießen sei. Der Schlusssatz dieser Dienstanweisung entbehrt dann nicht einer gewissen Logik als Konsequenz dieser Anweisung: "Töten oder getötet werden!"
Auf diese offene Absage der Beachtung anerkannter Kriegsregeln reagierte das Ausland mit Empörung, waren es doch immerhin 12 Nationen, die ein Jahr zuvor die Erste Genfer Konvention unterzeichnet hatten. 23
In der allgemeinen Aufregung wurde allerdings übersehen, dass der Mentor und Verfasser dieser Formulierungen Marschall Bazaine, offizieller Repräsentant Frankreichs war, das unter den Signatarstaaten der Genfer Konvention an vorderster Reihe stand.
Die Militärs nahmen Bazaines Rundschreiben eher mit gemischten Gefühlen auf. Während die französischen Einheiten die Gelegenheit zum rigorosen Vorgehen begrüßten, war die österreichische Führung eher geteilter Meinung. Graf Thun zählte zwar auf eine abschreckende Wirkung, wies aber die Kriegsgerichte an, Todesurteile nur bei einwandfrei kriminellen Verhalten zu vollstrecken. So zumindest lautet die offizielle Lesart in der einschlägigen Fachliteratur. Dagegen spricht eine Schilderung des Patrouillenführers Julius Fleißig, dessen 7. Kompanie einen Offizier der Republikaner gefangen genommen hatte: "Der Offizier wurde nun sofort nach der Kaiserlichen Verordnung vom 3. Oktober 65...erschossen". 24
Die sachliche und emotionslose Darstellung dieses Vorfalles, - er geschah am 16. Oktober 1866, also ein Jahr nach der Bekanntmachung des Dekretes, - lässt schließen, dass derartige Exekutionen für die Truppe nichts Ungewöhnliches waren. Wie konsequent oder flexibel das Dekrete gehandhabt wurde, ob einer Exekution eine krieggerichtliche Verhandlung vorausging oder nicht, war der Willkür jedes einzelnen Kommandeurs überlassen, und zwar gleich, ob auf kaiserlicher oder republikanischer Seite. Zur oben beschriebene Szene wäre noch zu bemerken, dass der besagte Offizier kurz vor seiner Füsilierung die Österreicher gewarnt hatte, die republikanischen Stellungen anzugreifen. Anstatt ihn zu erschießen hätte man auf ihn hören sollen, denn einige Stunden später hatte sich seine Warnung als die verheerende Niederlage von Carbonera bestätigt.
Einig war man sich auf beiden Seiten, wie mit den Mannschaften zu verfahren sei. Man fand es ökonomischer, die Gefangenen in die eigene Truppe zu übernehmen, wo sie so lange blieben, bis sie wieder in die Gefangenschaft und auf die andere Seite gerieten.
Auf alle Fälle wurde durch das Sondergesetz die Spirale der Gewalt um weitere Touren weitergedreht, wobei die Zivilbevölkerung am meisten zu leiden hatte, wobei der Unterschied zwischen hartem Durchgreifen und verbrecherischen Übergriffen wurde immer geringer wurde.
Nach einer Aufstellung der siegreichen Republikaner, - vermutlich stand diese bereits beim Kriegsgerichtsverfahren gegen Maximilian zur Verfügung, - sollen im Lauf eines Jahres an die 9000 Todesurteile vollstreckt worden sein, davon an 4 Generalen, 13 Obersten, 13 Majoren und dem Gouverneur von Zacatecas. 25
Eine ebenso genaue Abrechnung der unterlegenen Partei existiert hingegen nicht.

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Der Anfang vom Ende

Das neue Jahr 1866 begann aus österreichischer Sicht mit einer durchaus positiven Bilanz: Mit der Eroberung von Papantla am 15. Jänner 1866, hatte das Korps 64 Gefechte hinter sich, 55 davon waren erfolgreich, neun endeten mit einer Niederlage. Die Verluste aus den Kampfhandlungen hielten sich in Grenzen:
Von den 215 Offizieren waren 9 gefallen, von den 6883 Mannschaften fielen 107 oder starben an ihren Verwundungen. Schlimmer waren die Todesfälle nach Erkrankungen: 5 Offiziere und 194 Mann starben an Krankheiten, davon fast ein Viertel nur in Yukatan.
In allen wichtigen Orten der Sierra lagen Garnisonen sowie auch im Süden in Oaxaca und Tehuacan, als Basis für den Aufbau einer Zivilverwaltung.
Bei allen militärischen Erfolgen, die Graf Thun mit seinen Freiwilligen in der Sierra erzielen konnte, waren die französischen Truppen der einzige Garant, die immer aktiver und stärker werdenden Republikaner in Schach zu halten. Im Vertrag von Miramare hatte Napoleon III. sich verpflichtet, 25 000 Mann zur militärischen Unterstützung in Mexiko zu belassen, bis das Kaiserreich mit einer eigenen Armee seine Herrschaft militärisch abzusichern in der Lage war.
Nachdem die Vereinigten Staaten, die stets offen auf Seiten der Republikaner standen und die Legitimität der Präsidentschaft Juarez', nie angezweifelt hatten, als Sieger aus dem Bürgerkrieg hervorgegangen waren, stand einer Intensivierung ihrer Mexikopolitik nichts mehr im Wege. Vor allem wurde der Druck auf Frankreich verstärkt, das nun offen als Aggressor bezeichnet und aufgefordert wurde, seine Truppen aus Mexiko abzuziehen. Desgleichen kam auch das Kaiserreich Österreich in immer größere Bedrängnis, ausgelöst durch die Spannungen mit Preußen und dem seit 3 Jahren bestehenden Königreich Italien. 26
Die immer deutlichere Formen annehmenden Gerüchte über den bevorstehenden Abzug, lassen schließen, dass es nicht nur der diplomatische Druck der USA, sondern auch die wachsende Kritik an Napoleons Engagement in Mexiko in Frankreich immer lauter wurde. Dazu haben mit Sicherheit die Berichte von Generalleutnant Bressonnet beigetragen, der im Frühjahr 1865 über die Chaotischen Zustände klagt und die mexikanische Gesellschaft bis in die Wurzeln verderbt beschreibt. Ebenso waren die Generäle Douay und Neigre überzeugt, dass das Kaiserreich nur durch die Präsenz der französischen Truppen gehalten werden könne, was deren dauernde Präsenz zur Folge hätte. Diese Berichte und weitere, oftmals übertriebene Nachrichten, hatten zur Folge, dass die Forderungen nach Beendigung des Mexikanischen Abenteuers, - denn als solches sahen es auch die Franzosen, - immer lauter wurden. 27
Im Jänner 1866 lagen dann die Karten auf dem Tisch: In einem Schreiben setzte Napoleon Maximilian in Kenntnis, dass er bis April des folgenden Jahres 1867 seine Truppen abziehen werde. Die darauf folgenden Einwände, die der nach Paris entsandte General Almonte vor Kaiser Napoleon vorbrachte, wurden mit der gleichen Deutlichkeit abgelehnt, wie die Einmahnung der offenen Staatsschulden Mexikos ausgesprochen.
Mit dieser Absage, die den offenen Bruch der Konvention von Miramare bedeutet, dürfte nun auch Maximilian erkannt haben, dass er nur als Strohmann für Napoleons Machtpolitik herhalten musste. Dazu kam noch seine politische Isolation im eigenen Lande. Obwohl, oder weil er Juarez' Gesetze von 1862 über die Konfiszierung der Kirchengüter und die freie Religionsausübung bestätigt hatte, konnte er einerseits das Vertrauen der Liberalen und Republikaner nicht gewinnen, dafür aber die Feindschaft der Erzkonservativen und Klerikalen. Als Antwort darauf hätte es nur eines konsequenten Reformprogramms zur Verbesserung der Infrastruktur und der Wirtschaft des Landes bedurft und es wäre auch vonnöten gewesen, den Verwaltungsapparat von korrupten Elementen zu säubern. Um ein derartiges Programm zu realisieren hätte es allerdings enormer finanzieller Anstrengungen bedurft.
Der Staat aber war Anfangs 1866 so gut wie bankrott und bereits nicht mehr in der Lage, den Sold für die beiden Freikorps aufbringen.
Es musste daher wundern,dass Österreich im März 1866 trotz dieser finanziellen Lage, ein weiteres Abkommen mit Mexiko einging, das die Ergänzung bzw. Verstärkung des Freiwilligenkontingentes um weitere 2000 Mann zum Inhalt hatte. 28
Dass es nicht dazu kam, bewirkten allerdings die USA: Ür sie bedeutete jede Truppenverstärkung eine weitere Eskalation ausländischer Einmischung und drohten daher im Juni 1866 mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Österreich. Dies reichte aus, dass das bereits zum Auslaufen bereite erste Transportschiff mit 1200 Mann an Bord wieder zurück beordert wurde.
In Wahrheit dürfte für diesen Rückzieher der sich abzeichnende Konflikt mitPreußen den Ausschlag gegeben haben. Als 14 Tage später mit der Generalmobilmachung der Deutsche Krieg von 1866 begann, waren diese Freiwilligen leicht dafür zu gewinnen ihr Reiseziel zu ändern und anstatt nach Mexiko in das Debakel von Königgrätz zu marschieren.
Bevor noch diese Entwicklung in Mexiko bekannt wurde, - eine funktionierende telegrafische Verbindung mit dem europäischen Kontinent 29 gab es noch nicht, - hatte sich Maximilian bereits im Mai 1866 entschlossen, das österreichische und das belgische Kontingent in französische Obhut zu übergeben und in den Verband ihrer Streitkräfte einzugliedern. Zusammen mit den Verbänden der Fremdenlegion wurden sie zur Division Auxiliaire Etrangere deren Kommandeur der bereits erwähnte General Baron de Neigre war. Ob dieser Akt von Kindesweglegung aus Unwissenheit oder schlauer Überlegung gesetzt wurde, ist Geschmackssache, denn im Endeffekt war es ja wiederum der mexikanische Staat, der die Kosten für die französischen Besatzer gemäß den getroffenen Vereinbarungen von Miramare zu berappen hatte.
General Thun war nunmehr Brigadier und so gut wie kaltgestellt, da der Kommandeur der Division General Neigre nach hinreichend bekannter Praxis noch mehr in die Einheiten hineinbefehlen konnte. Fast zur Gleichen Zeit machte sich Kaiserin Charlotte nach Europa auf, um das in Bedrängnis geratene Imperium ihres Gatten zu retten. Wie schlecht die Sache auch finanziell stand, beweist die Tatsache, dass die Reise mit Geldern aus dem Katastrophenhilfsfonds finanziert werden musste.

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Von Matamoros bis Carbonera

Wenig erfolgreich verlief das Jahr 1866 auch auf rein militärischem Gebiet. Schon im Vorjahr musste nach der zwar erfolgreichen Operation auf Yukatan zur Kenntnis genommen werden, dass es an Truppen zur militärischen Absicherung der eroberten Gebiete fehlte. Das galt vor Allem für die Sierra, deren wichtigste Orte in der Hand der Österreicher aber nur durch schwache Garnisonen in Zugs- bis Kompaniestärke besetzt waren. Die Militärkommandanten waren jedenfalls kaum in der Lage, zu verhindern, dass die dort eingesetzten Verwaltungsbehörden entweder mit den Juaristen sympathisierten, oder ihre Stellung zur eigenen Bereicherung missbrauchten. Es ist auch nicht auszuschließen, dass auch Militärs an derartigen Machenschaften beteiligt waren; so zumindest behauptete das der preußische Gesandte in Mexiko Baron Anton von Magnus. 30
Die Hauptursache der Misserfolge lag aber in der Konzeptlosigkeit der militärischen und politischen Führung, wie beispielsweise ein Prestigeprojekt, wie die Besetzung der Grenzstadt Matamoros am Rio Grande. Die Stadt hatte damals etwa 13 550 Einwohner und bildete mit den andern am Rio Grande gelegenen Städten, - von Bagdad, (El Refugio) an der Mündung bis nach Nuevo Laredo, ein seit 1861 bestehendes Freihandelsgebiet.
Durch die Präsenz kaiserlicher Truppen sollte den USA demonstriert werden, dass die kaiserliche Macht bis an den Rio Grande reiche. Nur hatte man es unterlassen, den Machbereich zumindest bis an die Golfküste auszudehnen und durch die französische Flotte rigoros zu überwachen, - eine Maßnahme wie sie schon Thun bei den Operationen in der Sierra vergeblich gefordert hatte.
Eine Kontrolle über den Bereich der Freihandelszone wäre ebenfalls von Nutzen gewesen, zumal in der Stadt Handelsgüter von beträchtlichem Wert blockiert waren. Die Garnison von Matamoros bestand aus etwa 1000 bis 1500 Mann unter dem Kommando von General Mejia, der sich der problematischen Situation seiner Truppe sehr wohl bewusst war und vor allem auf eine bewegliche Kampfführung zählte. Für diese Taktik gab es zweierlei Gründe. Zum einen war dadurch die Überwachung der Grenzregion der Absatz der Handelswaren ermöglicht, zum anderen wäre im Falle der Einschließung ein Ausbruch nur mit Kavallerie von Erfolg sein.
Entgegen allen diesen Erwägungen entschied sich Bazaine, die Verstärkung der Garnison ausschließlich mit Infanterieeinheiten des österreichischen Freikorps vorzunehmen. Graf Thun bestimmte dazu zwei Jägerkompanien, verstärkt durch eine Halbbatterie Gebigsgeschütze. Da Bazaine darauf bestand, dass ein Stabsoffizier das Kommando führen müsse, wurde Kodolitsch mit dem Kommando betraut. Der Transport der Truppe erfolgte auf See mit dem Kanonenboot Allier

Matamoros 1866 <<< Die Österreicher nach der Landung. --- General Mariano Escobedo >>> Mariano Escobedo

Auf der anderen Seite des Rio Grande lag das US-Amerikanische Fort Brownsville zu dem Handelsbeziehungen aller Art, - gewerbsmäßige Fluchthilfe für Deserteure inbegriffen, - gepflegt wurden. Bis vor kurzem noch von kriegsmüden Südstaatlern genutzt, steht nun das Angebot den Kaiserlichen voll zur Verfügung, wobei die Weitervermittlung in die republikanische Armee nahtlos mit eingeplant ist. 31


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Abgesehen von der Tatsache, dass der republikanische General Escobedo mit seinen Truppen das Umfeld der Stadt, sowie den Rio Grande stromaufwärts unter seiner Kontrolle hatte, blieb die Stadt bis Anfang Juni 1866 unbehelligt, da sich Escobedo für einen Angriff offensichtlich noch nicht stark genug fühlte. 32
Auf Drängen von Graf Thun, der seine Jäger wieder zurück haben wollte, entschied daher Bazaine, die beiden Jägerkompanien als Begleitschutz für einen Warentransport nach Monterrey marschieren zu lassen, von wo sie gemeinsam mit den Belgiern und einer französischen Kolonne nach Puebla gelangen sollten.
Alle Einwände Thuns, anstatt des an die 1600 km langen und von den Juaristen kontrollierten Landweges, wieder den sicheren Seeweg zu nehmen, wurden von Bazaine abgewiesen.
Die über 300 km Strecke bis Monterrey sollte eine zusätzliche Sicherung von 1300 Mann, - das sind mehr als zwei Drittel der gesamten Besatzung von Matamoros, - unter General Olvera übernehmen.
Spätestens hier stellt sich die Frage, ob es sich bei Bazaines Entscheidungen nur um grobe Fahrlässigkeit handelt. Denn abgesehen von der Tatsache, dass er 2 voll kampffähige Einheiten einschließlich ihrer Artillerie auf einen Monate dauernden Marsch unter den schlechtesten Jahreszeitlichen Bedingungen schickt, anstatt sie auf dem gleichen Wege , den sie gekommen waren, in wenigen Tagen sicher wieder verfügbar zu haben. Dazu kommt die verantwortungslose Entblößung der Garnison von Matamoros um mehr als zwei Drittel ihrer Kampfkraft, - für Escobedo eine direkte Aufforderung, die Stadt im Sturm zu nehmen, bedeuten. Wie hoch Escobedos militärische Fähigkeiten einzuschätzen sind, beweist sein weiteres Vorgehen. Denn dank der Lage der Stadt und der Unterstützung der Amerikaner und eigener Spione, über jede Truppenbewegung informiert wendet er sich vorerst der Marschkolonne Olveras zu, die am 7. Juni 1866 zu Ihrem Marsch nach Monterrey aufgebrochen war.
Bereits wenige Kilometer von Matamoros entfernt, hatte der Kommandant der Österreicher Hptm Hobza, die Gewissheit, dass die Marschkolonne bereits von feindlichen Spähtrupps verfolgt würde.
Was dann weiter geschah, wissen wir nur mehr aus den Berichten von Überlebenden der Katastrophe auf der Mesa Santa Gertrudis, wo Escobedo die Marschkolonne in Schlachtformation erwartet hatte. Obwohl die kaiserlichen Truppen Escobedos Angriff in voller Gefechtsbereitschaft und durchaus zahlenmäßig ebenbürtig erwarten konnten, gab Olvera das Gefecht verloren und wandte sich mit seinem Stab zur Flucht. Die übrigen Bataillone taten zum Teil das Gleiche oder ergaben sich bis auf wenige Einheiten, wie die Ruralgarde von Matamoros kampflos.
Diese kämpften gemeinsam mit den Österreichern, bis auch die sich der Übermacht ergeben mussten. Das waren im Endeffekt 200 Mann einschließlich der 50 Verwundeten. Die übrigen 100 waren gefallen, wie der Kommandant Hptm Hobza, Oberarzt Dr. Fuchs, der Artillerieführer Olt von Radoczay und Lt. Ketskemety von den Jägern. Den Kommandanten der Ruralgarde Gomez ließ Escobedo an Ort und Stelle erschießen.
Den Bericht dieser militärischen Katastrophe verdanken wir Leutnant von Kalmucky, der in Gefangenschaft geraten und nach einigen Wochen ausgetauscht wurde. Dieser Bericht, in Gamillschegs Buch wiedergegeben, gibt uns leider keine präzisen Auskünfte über Zeit und Ort, wie auch der eingeschlagene Marschweg nicht nachvollziehbar ist. Als Ort des Gefechtes wird bei Gamillscheg die Meza von St. Gertrudis genannt, eine Ortsangabe die in heutigen Kartenwerken offenbar nicht mehr vorkommt. Da in den Standesakten der Gefallenen der Ort Camargo angegeben wird, wohin auch die Verwundeten gebracht wurden, ist anzunehmen, dass das Gefecht in der Nähe dieses Ortes, der etwa 140 km westlich von Matamoros liegt, stattgefunden haben muss. Die Folge dieser katastrophalen Niederlage war, dass Mejia mit den verbliebenen 600 Mann Matamoros nicht mehr halten konnte. Er übergab er die Stadt am 23. Juli 1866 nachdem ihm freier Abzug gewährt wurde.
Der Fall von Matamoros und die Vernichtung der Marschkolonne von General Olvera war für das Kaiserreich von verheerender Wirkung: Zum einen bedeutete das den Verlust der ersten größeren Stadt, zum anderen zeigte es die erschreckende Unzuverlässigkeit der mexikanischen Truppen, die sich nahezu kampflos den Juaristen ergaben. Sie zeigte aber auch die eklatanten Führungsschwächen der Franzosen und Thuns Unfähigkeit sich durchzusetzen. Offensichtlich war er auch nicht mehr an der Sache interessiert, da sein Abschied und die Rückkehr nach Österreich bereits feststanden.
Auf der anderen Seite lässt der Name Escobedo aufhorchen. Mit dem Abzug der Franzosen aus Monterrey im Herbst 1866, hatte er die nördlichen Staaten, Novo Leon und Tamaulipas unter seiner Kontrolle.
Im südlichen Bundesstaat Oaxaca operierte General Porfirio Diaz, nachdem es ihm gelungen war, aus seiner Gefangenschaft in Puebla zu entkommen. Wie die meisten mexikanischen Generäle und Stabsoffiziere beider Seiten, war auch er militärischer Autodidakt und erst über den Bürgerkrieg von 1857 zum Offiziersberuf gestoßen und dank seiner militärischen Begabung von Juarez zum General ernannt worden.

Porfirio Diaz << General Porfirio Diaz 1867

Im September 1866 hatte er genügend republikanische Truppen versammeln können, um seine Heimatstadt Oaxaca einzuschließen. Das französische Divisionskommando entschied sich diesmal zu einem konsequenteren Vorgehen, um die Stadt aus der Umklammerung zu befreien. Mit fünf Jägerkompanien in der Stärke von 580 Mann, - man sieht, dass die Kompaniestärken bereits auf durchschnittlich hundert Mann gesunken sind, - zwei Ulaneneskadronen mit 194 Mann, zwei Halbbatterien der Gebirgsartillerie und weiteren französischen und mexikanischen Einheiten verfügte Mjr Krikl über eine Kolonne von 1250 Mann, um Oaxaca zu Hilfe zu kommen.
Bei Carbonera, einem Dorf ca. 80 km nordwestlich von Oaxaca erwartete Diaz mit überlegenen Kräften und in gut vorbereiteten Stellungen den Angriff der Österreicher.
Anschaulicher als jeder Gefechtsbericht, - bekanntlich ist dieser, wie auch die übrigen Berichte aller anderen Kriegshandlungen, aus dem Kriegsarchiv verschwunden, - schildert der inzwischen zum Kadetten ernannte Julius Fleißig, den unglücklichen Verlauf dieses Gefechtes. Er erwähnt auch, dass die Operation von Anbeginn verraten war und Diaz daher die Möglichkeit hatte, alle verfügbaren Kräfte zu sammeln. Es sollen an die 9000 Mann gewesen sein, die in einer wunderbaren Stellung auf einem hohen Berg mit Verhauen den Angriff der kaiserlichen erwarteten. Es war offenbar das erste Mal, dass ein Angriff auf eine Truppe mit höchster Feuerdisziplin traf: wie unsere Truppen im Sturmschritt bis an die Verhaue herangekommen waren, hatte der Gegner eine Decharge[Salve] auf uns abgegeben. Dies hatte die Leute so überrascht, dass sie sofort kehrt machten und zurückfluteten.
Einige weitere Salven genügten offenbar, um den Angriff der Österreicher komplett durcheinander und schließlich zum Erliegen zu bringen. Der zum Gegenstoß aus dem Verhau vorpreschende Fein konnte nur mehr von der Kavallerie abgefangen werden. Nachdem ein weiterer Sturmangriff ebenfalls wie die vorhergegangenen liegen geblieben waren und auch die Artilleriestellung aufgegeben werden musste, konnte Major Krikl, der Kommandant dieses unglücklichen, wie auch stümperhaften Unternehmens nur mehr melden: "Alles verloren, nur die Ehre gerettet"
Wie auch bei Matamoros, waren erhebliche Führungsmängel die Ursache dieser Niederlage von Carbonera. Diesmal wäre es aber billig, die Verantwortung wieder auf ein ignorantes französisches Oberkommando abzuschieben, waren die Fehler vorrangig hausgemacht. Es kann einer guten Aufklärung, - dazu hatte man ja die Ulanen und Husaren, - nicht entgangen sein, dass sich der Gegner in einer hervorragenden Stellung befand und außerdem noch an Zahl fünffach überlegen war. Es stellt sich auch die Frage, ob die 4 kleinkalibrigen Gebirgsgeschütze alles an verfügbarer Artillerie waren oder ob man wie schon so oft, auf eine Feuerunterstützung keinen besonderen Wert gelegt hatte. Den Schilderungen des Julius Fleißig kann jedenfalls entnommen werden, dass generalstabsmäßiges Planen und Handeln bei den Österreichern nicht besonders in Mode gewesen sein können. Das braucht uns allerdings nicht zu verwundern, denn der einzige Offizier der auf eine Generalstabsausbildung zurückblicken konnte, war ursprünglich im Intendanzdienst eingesetzt wo er wegen Überforderung abgelöst werden musste. 33
Gemäß einer Aufstellung des Stationskommandos von Acatlan vom 25. Oktober 1866 waren von Krikls 1250 Mann starker Streitmacht, 106 Jäger, 130 Ulanen und 40 mexikanische Cazadores (Jäger) wieder eingerückt, einige Versprengte, zu denen auch Fleißig zählte kamen dann später noch hinzu. In Gefangenschaft gerieten von den Österreichern 5 Offiziere und 384 Unteroffiziere und Mannschaften.
Wenige Tage später, am 22. Oktober, kapitulierte die Besatzung von Oaxaca. Von den Österreichern gingen elf Offiziere und 192 Mannschaften in die Gefangenschaft; über das Schicksal der Einheimischen ist nichts bekannt.

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Die Auflösung des Korps

Im Oktober 1866 trug sich Maximilian ernstlich mit dem Gedanken aufzugeben und abzudanken. Dazu rieten ihm auch alle, die sein Kaiserreich für gescheitert und die Verwirklichung seiner Ideen aussichtslos sahen. Schließlich aber hatte er jenen nachgegeben, die seinen Verbleib als eine Frage der Ehre darzustellen und sein Verantwortungsbewusstsein ihnen gegenüber einzumahnen wussten.
Eine ähnliche Stimmung war im österreichischen Korps, oder das was davon noch übrig war, zu verfolgen. Es waren aber weniger die militärischen Misserfolge, sondern die Erbitterung über die Verhältnisse unter französischer Führung. War das Vertrauensverhältnis zu den Franzosen schon anfangs nicht das Beste, mussten die Österreicher nun zur Kenntnis nehmen, dass Besoldung und Versorgung noch schlechter funktionierten als zuvor. Zudem war der Eindruck, als Schutzschild für den Rückzug der Franzosen herhalten zu müssen, nicht von der Hand zu weisen. Dass diese Vorwürfe berechtigt waren, beweist der verunglückte Entsatzversuch von Oaxaca, an dem kein einziger Franzose beteiligt war, sowie die Interesselosigkeit des General Neigre, den in Jalapa eingeschlossenen Österreichern zu Hilfe zu kommen.
Während im Süden des Landes um Oaxaca gekämpft wurde, fiel auch im Norden und in der Sierra eine Garnison nach der anderen in die Hände der Juaristen. Nachdem General Graf Thun Mexiko verlassen hatte, fühlte sich Juan Francisco Lucas an seinen Bündnisvertrag, den er seiner Auffassung nach mit Thun persönlich geschlossenen hatte, nicht mehr gebunden. Er kündigte formell und schloss sich mit seinen Cuatecomacos den Guerilleros von General Alatorres an, der dank des von der Küstenregion ausgehenden ungehinderten Nachschubs seine Streitmacht sukzessive verstärken konnte. Sein nächster Schritt war die Einschließung von Jalapa. Obwohl noch im August Major Hammerstein mit 3 Jägerkompanien 70 Husaren und einer Halbbatterie zur Verstärkung in Marsch gesetzt wurde, reichte dies nicht aus, nachhaltigen Widerstand zu leisten. Nachdem Hammerstein, - nun selbst eingeschlossen, - 2 Monate lang Neigre vergeblich um Entsatz oder Verstärkung ersucht hatte, musste er am 13. November kapitulieren. 34
Im Juli 1866 hatten Graf Thun und auch sein Stabschef Oberst Paul Zach den Dienst in der kaiserlichen Armee quittiert, Oberst Kodolitsch war als Adjutant am Hof Maximilians ebenfalls abwesend. Die beiden Freikorps führte nun nominell der belgische Oberst Van der Smissen als ranghöchster Offizier.
Sein belgisches Kontingent war inzwischen auf eine Stärke von 750 Mann geschrumpft nachdem es auf dem Rückzug aus San Louis Potosi in einen Hinterhalt geraten und 250 Mann verloren hatte.
Die Verluste bei den Österreichern seit den letzten Niederlagen waren nicht weniger deprimierend: Insgesamt waren 256 Mann gefallen und 1000 in Gefangenschaft geraten. Deren Behandlung soll entgegen allen Erwartungen aber gut gewesen sein, wie aus verschiedenen Berichten zu entnehmen ist. Für die Juaristen waren sie jedenfalls ein Faustpfand gegenüber den in kaiserlicher Gefangenschaft befindlichen Republikanern.
Die Frage nach der Zukunft der Freiwilligenkorps beantwortete Maximilian durch sein Manifest vom 1. Dezember 1866, in dem seinen Entschluss bekannt gab, in Mexiko zu bleiben, sowie die Aufstellung einer Nationalarmee. Gleichzeitg verfügte er mit Handschreiben vom 6. Dezember 1866 die Auflösung der Freiwilligenkorps und deren Entbindung ihrer eingegangenen Verpflichtungen . Bereits Wochen zuvor hatte er Bazaine ersucht, die Repatriierung der Österreicher auf Kosten des französischen Staates vorzunehmen und betraute Kodolitsch mit der Führung der Korps. Gleichzeitig aber beauftragte er ihn, aus den nicht heimkehrwilligen Österreichern und Belgiern den Kern dieser neuen Nationalarmee zu schaffen.
Damit begann ein Prozess, über den die unterschiedlichsten Aussagen und Beurteilungen vorliegen. Vor allem vertraten die für Repatriierung Verantwortlichen, - das waren der mit der Führung beauftragte Kodolitsch und der Gesandte Österreichs in Mexiko, Baron Lago, der die Repatriierung organisieren musste, - entgegengesetzte Interessen.
Neben den primären Ziel, die Heimkehrer gesund und auf schnellstem Wege nach Österreich zu bringen, hatte Lago die Weisung, alle Österreicher in einem Zuge nach Hause zu bringen, da dies die kostengünstigste, weil von den Franzosen finanzierte Lösung war. Dem aber stand die Werbekampagne entgegen, mit der Kodolitsch möglichst viele Österreicher zum Bleiben veranlassen wollte.
Die Folge dieses Interessenkonfliktes waren gegenseitige Beschuldigungen und Vorwürfe, wie unlautere Werbemethoden, - man mache die Leute betrunken, damit sie unterschieben, hieß es, - und Boykottierung der Aufstellung der Nationalarmee, wie die andere Seite behauptete. Jedenfalls weigerten sich verschiedene Kommandeure, Waffen und Ausrüstung, die zweifellos Eigentum des mexikanischen Staates waren, der Nationalarmee zu übergeben. Wie weit die Vorwürfe der Nötigung zu recht bestanden steht Aussage gegen Aussage, Unterschlagung aber war es allemal, als die Ulanen ihre Waffen erst in Vera Cruz abgeben, wo sie unverzüglich an die Republikaner weiterverkauft wurden. Wie immer die Werbeaktion verlaufen sein mag, das Ergebnis war dennoch erstaunlich: 1011 Personen hatten beschlossen, in Mexiko zu bleiben und in die Nationalarmee einzutreten.
Noch während das Korps in Puebla versammelt wurde, begann die Anwerbung für die kaiserliche Nationalarmee. Außer Kodolitsch hatte sich noch eine Reihe von Offizieren entschieden, weiterhin in Maximilians Diensten zu bleiben. Darunter waren auch einige Kadetten, die sofort als Offiziere übernommen, - wie auch Julius Fleißig, dessen Aufzeichnungen noch weitere interessante Details zu entnehmen sein werden.
3500 Männer aber hatten beschlossen Mexiko und dem Krieg, der nicht ihrer war, den Rücken zu kehren. Vielfach enttäuscht und viele auch mittellos, hofften sie in Österreich wieder Fuß fassen zu können. Doch dort zeigte man sich bis an höchster Stelle kleinlich. Kaiser Franz Josef bestand darauf, dass die Abfindung der Freiwilligen zu den eingegangenen vertraglichen Verpflichtungen entsprechend des Abkommens mit Mexiko erfolgen müsse wobei die vorzeitige Auflösung der Korps als Nichterfüllung dieser Bestimmungen anzusehen sei.
Besonders unnachgiebig zeigte er sich bei den Militärs und deren Rückeingliederung in die Armee. Da half auch eine Petition nichts, wenigstens jene Dienstränge zu gewähren, die in den zwei Jahren auch in Österreich erreichbar gewesen wären. Lediglich einer Bitte, wenigsten jene im Offiziersrang zu übernehmen, sie ihn in Mexiko erworben hatten, wurde teilweise entsprochen: Ein neu aufgestelltes Jägerbataillon in Dalmatien sollte zu zwei Dritteln mit jenen Offizieren besetzt werden. Damit aber auch die merken sollten, dass allerhöchste Gnadenbeweise erst verdienst werden müssten, wurden sie als Unterleutnant II. Klasse mit einer zweijährigen Bewährungsfrist eingestellt.
Diese kleinliche Haltung Franz Josefs dürfte allerdings nicht zuletzt auf die inflationäre Beförderungs- und Ordensverleihungswelle in Mexiko zurückzuführen sein. Ausgleichende Gerechtigkeit dürfte er auch in der Behandlung Graf Thuns geübt haben, den Maximilian auf nicht gerade faire Weise kalt gestellt hatte.
Thun wurde mit Wirkung vom 4. Februar 1867 zum Generalmajor befördert und mit dem Orden der Eisernen Krone mit Kriegsdekoration ausgezeichnet.
Für die Masse der Heimkehrer gab es allerdings kaum welche Vergünstigungen. Diejenigen die von dem Wenigen, das sie verdient hatten, etwas beiseite legen konnten, waren noch gut daran, im Vergleich zu denen die als Invalide heimkehrten. Sie waren ausschließlich auf die Almosen der Gesellschaft, angewiesen. Zwei Unterstützungsvereine brachten schließlich eine Summe von 18 100 Gulden auf, um die ärgste Not zu lindern. Die Medien und sonstige Vertreter der öffentlichen Meinung aber wurden nicht müde, darauf hinzuweisen, dass man vor dem Mexikanischen Abenteuer immer schon gewarnt hatte.

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Die Nationalarmee

Mit der Auflösung und Repatriierung könnte das Thema eigentlich abgeschlossen werden. Damit wäre aber den 1000 Personen nicht Genüge getan, die sich zum Bleiben, - aus welchen Motiven auch immer, - entschlossen hatten. Noch im Juli 1866 hatte Rittmeister Carl Graf Khevenhüller ein Manifest des Kaisers, das den Übertritt in die mexikanische Armee anbot, mit den abfälligen Worten kommentiert: "Bis jetzt meldeten sich, wie ich es voraus sah, äußerst wenige. Meistens sind es solche, die ihre Rückkehr nach Europa verwirkten, also Desperados." Wenige Monate später hatte er sich nicht nur entschlossen, in Mexiko zu bleiben, - ein Entschluss, den auch eine Liebesbeziehung zu einer mexikanischen Dame beeinflusst haben mag, 35
Schließlich übernahm er auch den allerhöchsten Auftrag Maximilians, ein Husarenregiment aufzustellen. Auch der zum Oberstleutnant beförderte Hammerstein und Edmund Graf Wickenburg hatten sich entschlossen zu bleiben. 36
Beide waren sie keinesfalls Glücksritter, wie die vielen anderen, die aus Sympathie, Treue zur Person des Kaisers oder einfach aus solidarischen Erwägungen die Sache zu Ende bringen wollten.
Hammerstein war mit der Aufstellung eines Infanterieregiments betraut, Wickenburg übernahm die kaiserliche Gendarmerie. Das Infanterieregiment konnte auf die Stärke von 2 Bataillonen, etwa 500 Mann gebracht werden, die Husaren brachten es auf 3 Eskadronen mit 400 Mann. Aus dem früheren Ulanenregiment konnten 2 Eskadronen "Cazadores a Caballo" (Jäger zu Pferd) gebildet werden. Die Einheiten bestanden etwa zu 50 % aus Österreichern, mit Ausnahme des Husarenregiments, das nahezu vollzählig mit Khevenhüllers Ungarn besetzt war.
Einen ziemlich gemischten Haufen bildete die Gendarmerie Wickenburgs, in der eine Menge Europäer hauptsächlich Franzosen, - oder besser gesagt, Soldaten der Fremdenlegion, vertreten waren. Das Gros der Armee musste aber aus Einheimischen gebildet werden, wofür ein probates Mittel, die Leva zur Anwendung kam, und von unserem Zeitzeugen Julius Fleißig, - inzwischen bei Hammersteins Infanterieregiment als Oberleutnant übernommen, - folgend als Einfangen junger, arbeitsloser Leute beschrieben wurde: "Es waren mitunter ganz nette junge Burschen darunter, die sich gerne abrichten ließen und sogar zu Unteroffizieren befördert werden konnten." Laut Fleißigs Angaben erreichte das Regiment auf diese Weise die Stärke von etwa 900 Mann. 37
Fleißig war auch Zeuge jener denkwürdigen Szene am 13. Februar, als Kaiser Maximilian vor angetretener Truppe, seine Absicht bekannt gab, ohne die Österreicher nach Queretaro zu gehen. Hammerstein hatte offenbar das Regiment eigenmächtig für den Abmarsch nach Queretaro antreten lassen und dem Kaiser Meldung gemacht. Dabei soll es zu einem Wortwechsel gekommen sein:
Maximilian: "Wir haben doch bestimmt, Sie bleiben hier."
Hammerstein: "Nein, Majestät, ich bleibe nicht hier; ich geh' mit."
Maximilian: "Mein lieber Hammerstein, Sie bleiben hier, es wurde ja so bestimmt. Ich gehe nur mit den Mexikanern, Wir sehen uns ja bald wieder."
Nachdem er Hammerstein die Hand zum Abschied reichte, dieser: "Majestät wir sehen uns nicht mehr wieder." Obwohl Fleißig betont, dass er den Wortwechsel nur annäherungsweise wiedergegeben habe, entspricht er genau der aufgeregten Stimmung aller Anwesenden, wie Kodolisch, Khevenhüller und Wickenburg, vor allem aber dem Naturell des gebürtigen Hannoveraners Hammerstein. der letztlich recht behalten hat:
Er fiel am 5. Juni 1867 von der Kugel eines Schafschützen, Maximilian 14 Tage später.
Am Tag zuvor in aller Frühe hatte Bazaine mit den letzen französischen Einheiten die Stadt Mexiko verlassen und General Marquez das Kommando über die Stadt übergeben. Böse Zungen behaupteten, dass ein Schurke dem anderen den Platz überlassen habe. Jedenfalls ist bekannt, dass Bazaine sein Palais, das ihm Maximilian geschenkt hatte, um teures Geld von der Stadtverwaltung zurückkaufen ließ.
Im Übrigen gab es kaum Positives zu berichten. Miramon hatte zwar Zacatekacas im Handstreich genommen, war aber dann Escobedos Übermacht erlegen, wobei er nicht nur den Verlust von zwei Drittel seiner Mannschaft, sondern auch den der Kriegskasse zu beklagen hatte.
Unter den 1500 Gefangenen ließ Escobedo ein Massaker veranstalten, das seinesgleichen sucht: Sämtliche Offiziere und 109 Franzosen, die in die Nationalarmee eingetreten waren, wurden erschossen.
Anfangs März hatte Escobedo Queretaro eingeschlossen. Nach langem hin und her konnte ein Kriegsrat am 20. März 1867 sich endlich durchringen, General Marquez mit einer kleinen Bedeckung nach Mexiko Stadt zu entsenden um Verstärkung heranzuführen. Immerhin wusste man in der vom Feind noch immer unbehelligten Hauptstadt einige tausend Mann, darunter die verlässlichen Regimenter Khevenhüllers und Hammersteins.
Marquez aber hatte andere Pläne, deren Zweck zwar nicht durchschaubar, aber keineswegs im Sinne des Auftraggebers Maximilian sein konnten, der ihn mit der Befugnis eines Lugarteniente (Stellvertreter) ausgestattet hatte.
Anstatt mit den in der Hautstadt liegenden den Regimentern von Hammerstein und Khevenhüller und seiner eigenen, 2000 Mann starken Truppe, unverzüglich zum Entsatz von Queretaro zurückzukehren, verbreitete er Falschmeldungen, der Kaiser sei bereits wieder im Vormarsch und ähnlichen Unsinn.
Am 30. März 1867 rückte mit der ganzen Streitmacht von etwa 5000 Mann und über ein Dutzend Geschützen von der Hauptstadt ab. Das Marschziel erfuhren die Truppenführer erst nachdem die Kolonne bereits die Stadt verlassen hatte: Puebla und nicht Queretaro.
Aber anstatt so schnell wie möglich der belagerten Festung zu Hilfe zu kommen ließ er sich nicht nur Zeit sondern wählte auch einen Umweg von über 20 km. Trotz alledem hätte er noch rechtzeitig eintreffen können, wäre nicht auch in Puebla Verrat mit im Spiel gewesen. Nachdem sich ein Teil der Besatzung kampflos ergeben hatte. Ob nun das zögerliche Vorgehen Marquez' aus verräterischer Absicht erfolgte oder nur auf seine militärische Unfähigkeit zurückzuführen war, soll an anderer Stelle noch näher eingegangen werden. Jedenfalls gab Marquez Verspätung Porfirio Diaz genügend Zeit, Puebla zu nehmen und darüber hinaus die Möglichkeit, sich nun voll auf Marquez' Kolonne zu konzentrieren.
Obwohl der erste Angriff der Republikaner nicht nur abgeschlagen, sondern eine empfindlichen Niederlage der Republikaner umgemünzt werden konnte und sämtliche Truppenführer zur Verfolgung des angeschlagenen Gegners drängten, tat Marquez wieder das Verkehrte: Er befahl ließ biwakieren und damit Diaz die nötge Zeit, seine Kräfte zu sammeln und der kaiserlichen Kolonne den Weg abzuschneiden.
Der Hinterhalt von San Lorenzo sollte eigentlich die völlige Vernichtung der Kaiserlichen bedeuten, dass es doch nicht soweit kam, lag an der Wachsamkeit der Truppenführer die sich nicht überraschen ließen. So gelang es der Masse der Österreicher, diesem Desaster zu entkommen. Dafür war Marquez, der rechtzeitig das Weite gesucht hatte, umso mehr überrascht, als Khevenhüllers Husaren und die anderen Verbände in Marschordnung in der Hauptstadt einzogen.
Wieder in Mexiko eingelangt, versuchte Marquez sein Täuschungsmanöver weiterzuführen und den baldigen Sieg der Kaiserlichen in Queretaro zu verkünden. Dazu inszenierte er eine Komödie mit dem Auftritt einer Person in zerlumpten Kleidern, die sich als General Arrelano, Artillerieführer Maximilians in Queretaro, zu erkennen gab. Er habe sich in dieser Aufmachung durch die feindlichen Linien begeben, - so sagt er, - um Maximilians Aufforderung zum Durchhalten zu übermitteln. Tatsächlich aber war Arrelano aus der Gefangenschaft in Queretaro, wo Maximilian bereits kapituliert hatte, entkommen und von Marquez für den Preis von 5000 Pesos zu diesem Täuschungsmanöver überredet worden. Schließlich gelang es dem österreichischen Gesandten Baron Lago, nach Queretaro zu gelangen und von dort Nachricht über die tatsächlichen Ereignisse in die Hauptstadt zu senden. Seine Botschaft, auf dünnem Papier geschrieben und zu einer Zigarette zusammengerollt, wurde Khevenhüller heimlich durch einen Indio überbracht. Sie enthielt die Aufforderung, die Kampfhandlungen einzustellen und weiteres Blutvergießen zu vermeiden.
Aus Lagos Schreiben geht auch hervor, dass Maximilians eigenhändiges Schreiben an die österreichischen Offiziere von Marquez unterschlagen wurde. Noch am selben Tage nahm Khevenhüller die Verhandlungen mit Porfirio Diaz auf, der ihn bereits Tage vorher dazu eingeladen hatte.38
Am 19. Juni 1867, am gleichen Tag, als Maximilian unter den Kugeln des Erschießungskommandos fiel, wurde über der Zitadelle von Mexiko die weiße Flagge gehisst. Die Kapitulationsbedingungen von General Diaz waren durchaus annehmbar, doch galten sie nur für die Österreicher . Es wurde ihnen der freie Abzug und Verköstigung und Besoldung bis zur Einschiffung zugesagt, die Offiziere durften sogar Pferde und Waffen behalten. Daran änderte auch Juarez' Einspruch nichts, der zwar die Gefangennahme anordnete, die den Angaben unserer Zeitzeugen Khevenhüller und Fleißig zufolge, von einer respektvollen und guten Behandlung durch die Mexikaner getragen war.
Den mexikanischen Offizieren allerdings erging es umso schlechter: Die Generale Vidaurri und Casanera, sowie 3 weitere Generale und zahlreiche Offiziere wurden erschossen.
Nur der Schuft Marquez konnte sich aus dem Staub machen. Jahre später versuchte er, sich durch die Herausgabe seines Buches "Manifestos, el Imperio y los Imperiales" reinzuwaschen, indem er behauptete auf Anordnung Maximilians gehandelt zu haben.
Im Gegensatz zu Porfirio Diaz zeigte sich Juarez ebenso kleinlich wie Escobedo unnachgiebig was die Gefangenen in Queretaro anbelangt. Nachdem er trotz Fürsprachen aus aller Welt, - selbst Garibaldi, dem man gewiss keine besondere Vorliebe für die Habsburger nachsagen konnte, bat vergeblich um Maximilians Leben, - darauf bestanden hatte die Todesurteile an Maximilian und seinen beiden Generäle Miramon und Mejia zu vollstrecken, verlangte er anstelle weiterer Kriegsverbrecherprozesse, die Aburteilung der ausländischen Offiziere entsprechen ihres Dienstgrades. Als ob er selbst diesen juristischen Unsinn erkannt hätte, verfügte er im November 1867 deren Landesverweisung.
Das Gros der Österreicher verließ Anfang August mit dem österreichischen Kriegschiff "Kaiserin Elisabeth" Mexiko, die sterblichen Überreste Maximilian wurden im Oktober von Admiral Tegetthoff heimgeholt.

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Schlussbetrachtung und Nachlese

Um eine abschließende Beurteilung zu treffen, muss vorausgeschickt werden, dass der Konflikt um das Kaiserreich Mexiko militärisch nicht zu gewinnen war. Es muss aber auch festgestellt werden, dass ohne die Unterstützung der USA auch das politische Überleben der republikanischen Kräfte um Benito Juarez keineswegs gesichert war.
Als Maximilian seine Regierung in Mexiko antrat, sah Kaiser Franz Josef bei aller Skepsis, die er prinzipiell den Plänen seines Bruders entgegengebracht hatte, keinen zwingenden Grund, dieser Mission jegliche Erfolgschancen abzusprechen. Zumindest aber glaubte er nicht an eine Eskalation zu einem Bürgerkrieg dieses Ausmaßes.
So ist für ihn auch die Entsendung der Freiwilligenkorps als persönliche Schutztruppe Maximilians zu verstehen und keineswegs zur Unterstützung der französischen Interventionsarmee gedacht. So kann man auch davon ausgehen, dass die Masse der Freiwilligen vorwiegend aus Sympathie zur Person Maximilians in seine Dienste getreten sind, was vor allem für jene gilt, die nach Auflösung der Korps in die Nationalarmee eingetreten waren.
In einem Brief, der über die Fortschritte bei der Aufstellung des Freiwilligenkorps berichten soll, schreibt Kaiser Franz Josef an Maximilian, der sich bereits seit Monaten in Mexiko befindet:
"Deinem Wunsch in Bezug auf den Obersten Graf Thun habe ich entsprochen und er kommandiert bereits das fast ganz komplette Korps in Laibach. Er ist ein ausgezeichneter Offizier und ergreift seine Aufgabe mit großem Eifer. Die Offiziere des Korps kann man wirklich vorzüglich nennen und ich bin überzeugt, dass sie ihrer Aufgabe Ehre machen und Dir gute Dienste leisten werden. Ich empfehle die Truppe Deiner väterlichen Fürsorge. Sie wird hoffentlich die guten Eigenschaften, aber gewiss die bekannten Fehler der österreichischen Armee haben, die man gewiss nicht zu hoch anrechnen darf und mit in Kauf nehmen muss, empfehle ich Deiner Nachsicht und der Beurteilung mit österreichischem Auge"
Es ist anzunehmen, dass Franz Josef, obzwar kein talentierter Feldherr, aber durch und durch Offizier und Soldat, die Armee und sein Offizierskorps besser kannte, als so mancher seiner Generäle. Vor allem aber hatte er sich die Personalakte jedes Offiziers, der sich zum Eintritt in das Korps gemeldet hatte, vorlegen lassen. Es dürfte ihm daher nicht entgangen sein, dass abgesehen von Oberst Graf Thun, nur einer der 215 Offiziere, Major Paul Zach, diesen Dienstgrad bereits in der k.k. Armee bekleidet und als Stabsoffizier die entsprechende Erfahrung hatte.
Franz Josef kannte auch mit höchster Wahrscheinlichkeit den Grund dieses auffallenden Mangels an Interesse unter seinen Stabsoffizieren, - die berüchtigte Majorsecke, die in der Zeit vor der großen Heeresreform von 1967 eine nur schwer zu überwindende Barriere in einer Offizierslaufbahn darstellte. Bei jenen Offizieren, die diese Zäsur ihrer Laufbahn überwunden hatten und mit Recht auf eine kontinuierliche Beförderung hoffen durften, war das Interesse natürlich weniger hoch, für etwas Kopf und Kragen zu riskieren, was man ohnehin schon hatte. Für die große Masse der Subalternen und Hauptleute war das Angebot, mit dem nächst höherem Dienstgrad in das Korps einzutreten, natürlich ein besonderer Anreiz, der die nachteiligen Folgen, die Rückstufung in den früheren Rang im, Falle einer Rückkehr, in den Hintergrund treten ließ.
Wenn Franz Josef in weiterer Folge seines Schreibens auf die bekannten Fehler der österreichischen Armee hinweist dürfte er wohl auf den Ehrgeiz der jüngeren Offiziere und die daraus resultierende ambivalente Einstellung zur Befehlstreue und Eigeninitiative angespielt haben. Immerhin wurden Taten, die vorwiegend aus eigener
Entschlusskraft zum Erfolg geführt hatten mit der höchsten militärischen Auszeichnung, dem Maria-Theresien-Orden, belohnt.
Möglicherweise hat Maximilian diesen leisen Hinweis übersehen oder falsch interpretiert, als er mit einem wahren Ordenssegen die Erfolge des Korps belohnend, einem regelrechten Konkurrenzkampf unter den Offizieren ausgelöst hatte.
Ein besonderes Beispiel lieferte der Ulanen Rittmeister Karl Graf Kurtzrock, der mit einer handvoll, nur mit ihren Reiterpistolen und Lanzen bewaffneten Ulanen eine Ortschaft stürmen wollte und dabei mit dem Großteil seiner Truppe den Tod fand. Neben ähnlichen Husarenstücken, mit gottlob weniger tragischen Folgen, waren Neid und Missgunst umso üblere Begleiterscheinungen, die dem Ruf des Offizierskorps mehr schaden als nutzen konnten.
Ein Paradebeispiel war die Eroberung von Teziutlan, die erst durch das eigenmächtige Handeln und ein von Kodolitsch inszeniertes Täuschungsmanöver zustande kam. Dass dieser Erfolg mit einer gehörigen Portion Glück zustande kam, blieb vorerst im allgemeinen Freudentaumel unbeachtet.
Ein weiteres Problem, dass man nicht gerne zugeben wollte war der völlige Mangel an Stabsoffizieren. Es gab zwar genügend Offiziere deren Ausbildungsstand zur Führung auf Kompanieebene ausreichte, mit der Führung eines selbstständigen Verbandes, dazu noch unter den erschwerten Gegebenheiten der Kleinkriegsführung, konnten nur Ausnahmeerscheinungen wie Kodolitsch, Khevenhüller und Hammerstein zurechtkommen.
Der Mangel an Stabsoffizieren musste sich schließlich auch nach Außen auswirken, da es keine geeigneten Verbindungsoffiziere gab, die in den Stäben Bazaines und der mexikanischen Kommanden entsprechend die Interessen der Österreicher vertreten sollten.. Die Folge war das bekannt schlechte Verhältnis zu den Franzosen und Mexikanern, das auch bei der Truppe den Eindruck entstehen ließ, verheizt und im Stich gelassen zu sein. Wie anders wäre es möglich gewesen, die Katastrophe von Matamoros zu vermeiden oder für den rechtzeitigen Entsatz der Garnison von Xalapa zu sorgen.
Was die Unteroffiziere und Mannschaften betrifft, kann angenommen werden, dass die Mehrzahl der Unteroffiziere und Chargen aus dem Aktivstand kamen. Auch der Großteil der Mannschaften hatte zumindest eine längere Dienstzeit hinter sich, viele von ihnen hatten auch die Feldzüge in Italien und gegen Dänemark mitgemacht. Trotzdem bereitete es ziemliche Schwierigkeiten, aus dem zusammengewürfelten Haufen eine schlagkräftige Truppe zu formen, die mit den Besonderheiten des Kleinkrieges zurechtkam. Es dürften weniger die Strapazen der langen Fußmärsche gewesen sein, - die Menschen des 19. Jahrhunderts waren es gewohnt weite Wege zurückzulegen, -sondern das ungewohnte Klima, dass sich vor allem auf Yukatan verheerend auswirkte. Die relativ hohe Zahl an Ärzten und Apothekern lässt darauf schließen, dass man sich der Bedeutung der medizinischen Versorgung wohl bewusst war. Über den Ausbildungsstand und die militärische Schlagkraft des Korps gibt es sehr unterschiedliche Meinungen, die jedoch von Quellen stammen deren Objektivität bezweifelt werden muss. Dass der Ausbildungsstand vor allem bei den Jägern zu wünschen übrig ließ, wurde bereits erwähnt und hatte seinen Grund im dem für die damaligen Zeiten modernen Exerzierreglement der Jägertruppe, das sich wesentlich von dem der Linieninfanterie unterschied, hatte und mit dem nur wenige Soldaten vertraut waren. 39
Ein gravierender Mangel war bei der Bewaffnung der Kavallerie festzustellen: Nur ein Viertel der Reiter, - gleich ob Ulanen oder Husaren, - war mit Karabinern ausgerüstet und daher nicht in der Lage, wie Khevenhüller es treffend aufzeigt, im Feuerkampf geschlossen aufzutreten. 40
Eine Nachrüstung scheint man für überflüssig gehalten zu haben, obwohl es an geeigneten Waffen nicht gemangelt haben kann. Zumindest gibt es keinen einzigen Hinweis auf Verbesserungsmaßnahmen. Dafür aber wissen wir, dass die Kavallerie mehrere Monate brauchte, um alle Eskadronen beritten zu machen, und das in einem Lande, das mit Stolz auf einem Bestand von 2,500,000 Pferden hinweisen konnte. 41
Dies und viele andere Ungereimtheiten lassen auf militärische Organisationsmängel schließen, deren Ursache auf das Fehlen an geeignetem Versorgungs- und Verwaltungspersonal zurückzuführen ist. Aus den Standesübersichten ist zu entnehmen, dass etwa 18 Offiziere im Verwaltungsdienst eingeteilt waren, was aber nicht bedeuten muss, dass diese auch tatsächlich die entsprechende Fachausbildung hatten. Da traditionellerweise dieser Dienstzweig wenig Ansehen unter den Militärs genoss, darf daher bezweifelt werden, dass bei der Auswahl der Bewerber ein strenger Maßstab angelegt wurde. Auch hier findet man keine Personen im Stabsoffiziersrang, geschweige denn, einen Generalstabsoffizier.
Ob die schon erwähnten Korruptionsvorwürfe zurecht bestanden, kann zwar nicht bestätigt werden, es würde aber wundern, dass der Verwaltungsbereich unter den örtlichen Verhältnissen seine Integrität wahren konnte. Was die militärischen Operationen selbst anbelangt, stützt sich deren Bewertung ebenso nur auf Rückschlüsse, die aus der einschlägigen Literatur gewonnen wurden. Eine exakte Analyse ist nicht möglich, da die hiezu unentbehrlichen Gefechtsberichte aus dem Österreichischen Kriegsarchiv verschwunden sind. Um deren Hergang einigermaßen nachzuvollziehen, ist man auf die Berichte von Zeitzeugen angewiesen, aus deren Kreis die Aufzeichnungen des Fürsten Johann Carl zu Khevenhüller-Metsch und die des Julius Fleißig wegen ihres breiten Spektrums am ergiebigsten sind. Ebenso schwierig ist es, den Stellenwert des Freiwilligenkorps als militärischer Faktor im Bürgerkrieg bzw. innerhalb der kaiserlichen und Französischen Armee zu ermitteln. Dass die zeitgenössischen Kommentare vor unterschiedlichstem Aussagewert sind, lag wohl am schlechten Verhältnis der Österreicher zu den Mexikanern wie Franzosen im Allgemeinen und den Missstimmigkeiten zwischen Maximilian und Graf Thun im Besonderen. Von einer Objektivität in der Beurteilung der Leistungen der Österreicher kann aus den verschiedensten Gründen keine Rede sein, wenn man beispielsweise das abfällige Urteil des Fürsten Salm-Salm, der auf die k.k. Armee aus persönlichen Gründen nicht gut zu sprechen war. 42
Im Vergleich zu den französischen Interventionstruppen, deren Zahl zwischen 20 000 und 30 000 Mann lag, machten die etwa 8000 Freiwilligen aus Österreich und Belgien ein Viertel der ausländischen Truppen aus. Zählt man noch die mexikanischen Verbände, über deren Zahl allerdings keine präzisen Angaben vorliegen, - es dürften etwa 10 000 bis 20 000 Mann gewesen sein, - und bewertet lediglich die Kampfstärke des Korps, kommt man auf bescheidene 10 %, die für den militärischen Einsatz in Frage kamen. Beurteilt man aber den Kampfwert nach dem Aufgabenbereich und der Zahl der Gefechte, erscheint die Angelegenheit in einem anderen Licht. Dazu kommt noch die Tatsache, dass die meisten Gefechte der Österreicher ohne jegliche Unterstützung der Franzosen geführt wurden und mexikanischen Hilfstruppen von sehr unterschiedlichem Kampfwert waren. Dass sich ganze Einheiten oft kampflos ergaben, hatte vielfach seinen Grund, dass die Offiziere ihre einzige Überlebenschance in einer kampflosen Übergabe sahen. Die rigorose Liquidierung der mexikanischen Offiziere, gleich welcher Parteizugehörigkeit, hatte durchaus Methode und wurde bereits vor dem berüchtigten kaiserlichen Oktobererlass angewendet, um den Gegner zum Überlaufen zu animieren. Ausländische Offiziere wurden dagegen geschont und relativ gut behandelt wenn sie in Gefangenschaft republikanischer Truppen und nicht die unberechenbarer, krimineller Plateados gerieten.
So kann also angenommen werden, dass das Freiwilligenkorps einschließlich der Belgier innerhalb der auf kaiserlicher Seite operierenden Streitkräfte, ein Eigenleben geführt haben, das auch durch die Eingliederung in die "Division Auxiliaire Etrangere" keine Änderung erfahren hat. Dafür kann man diese Maßnahme als Bruch der Konvention von 1864 werten, womit Österreich die Suspendierung zweiten Konvention vom 15. März 1866 jährlich 2000 Mann als Personalersatz zu entsenden, erleichtert wurde.
Unter diesem Aspekt betrachtet, scheint der diplomatische Druck der Vereinigten Staaten eine eher willkommene Ausstiegshilfe aus dem militärischen Unterstützungsprogramm gewesen zu sein, wie überhaupt Österreichs Hilfestellung für das mexikanische Kaiserreich von der Literatur überbewertet wurde. Dass die Werbungen so erfolgreich waren, - auch für die zweite Aktion gab es genügend Meldungen, - lag eher an den sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen in Österreich und den Aufstiegschancen in Mexiko. Für den österreichische Staat waren so gut wie keine Kosten entstanden, den Schaden aus dem Scheitern des Kaiserreichs mussten die privaten Lieferanten berappen. Abgesehen von dem Medienrummel den das Mexikanische Abenteuer und sein tragischer Ausgang ausgelöst hatte, hatte sich das offizielle Österreich weitgehend herausgehalten, ein Verhalten, das teils die Staatsraison so erforderlich machte, teilweise aber auch der Kleinlichkeit und Pedanterie Franz Josefs und seiner Administration zuzuschreiben war. Daran kann auch die einschlägige Literatur nichts ändern, auch wenn sie sich noch so sehr auf die Person Maximilians oder Benito Juarez und deren angebliche Charaktereigenschaften fokussiert. Was die militärische Auseinendersetzung betriff, kann davon ausgegangen werden, dass hier kein Freiheitskampf geführt wurde, wie es vielfach in der von den USA beeinflussten, amerikanischen wie europäischen Literatur dargestellt wird. 43
Wir haben es vielmehr mit der Fortsetzung des Bürgerkrieges zu tun, der 1857 als Reaktion auf die kirchenfeindlichen Reformen des Präsidenten Comfort und seines damaligen Justizministers Benito Juarez ausgebrochen und primär eine Auseinandersetzung zwischen den liberalen republikanischen Kräften und Jenen war, die für die Wiederherstellung der alten Ordnung und kirchlichen Besitzstände kämpften. Für diese Jahrzehnte währende Auseinandersetzung war Napoleons Intervention einschließlich Maximilians Regentschaft auf einen kurzen Zeitraum beschränkt. Auf wessen Seite die Masse der Bevölkerung stand, war weniger vom politischen Programm, als vielmehr vom Verhalten der örtlichen Machthaber abhängig. Das erklärt auch die anfänglichen Sympathiekundgebungen für Maximilian, die offensichtlich mehr waren als nur bestellte Jubelveranstaltungen.
Diese Fokussierung auf die Regentschaft Maximilians hat jedenfalls den Eindruck entstehen lassen, das Scheitern des Kaiserreichs sei ausschließlich Maximilians Unfähigkeit realpolitischen Handelns und Verkennung seiner finanziellen Ressourcen zuzuschreiben.
Es scheint übersehen zu werden, dass es sein Schicksalsgefährte General Miramon war, der 1859 als Interimspräsident den finanziellen Ruin Mexikos durch die Aufnahme eines Darlehens, das nicht zurückgezahlt werden konnte, eingeleitet hatte.
Die Folgen dieser Machenschaften, die zu durchschauen es eines Finanzgenies bedurft hätte, waren eine permanente Finanznot, die nicht nur alle Reformbestrebungen, sondern auch die militärischen Erfolge zur Wirkungslosigkeit verkommen ließ.
Diese Klarstellungen scheinen notwendig, um dem österreichischen Freiwilligenkorps und seinen Leistungen jenen Stellenwert einzuräumen, der ihm zukommt und damit allen Spekulationen, daraus ein österreichisches, an historische Reminiszenzen anknüpfendes Anliegen zu machen, entgegenzutreten.
Was das Thema so interessant macht, sind es vor allem die auffälligen Parallelen zur Gegenwart und zu den aktuellen Krisengebieten, in denen sich die Sicherheitspolitik der Vereinten Nationen oder der Europäischen so recht und schlecht herumschlägt und besonders dann problematisch wird, wenn die Grenzen zwischen der im Mandat vorgegebenen Hilfestellung hiefür notwendigen militärischem Befugnissen, zu verschwimmen drohen. Ein Paradebeispiel mit geradezu deckungsgleichen Voraussetzungen gesellschaftspolitischer wie militärischer Natur ist Afghanistan, wo die Interessen der in der Region agierenden Kräfte zwischen humanitärer und gesellschaftspolitischer Hilfe und militärischer Intervention auseinander zu triften drohen. Auch hier, wie seinerzeit in Mexiko, ist dieser Kampf um die Kontrolle und politische Stabilisierung des Landes militärisch nicht zu gewinnen.

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Bibliografie

Zunächst sei zu bemerken, dass diese Arbeit keinerlei Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erhebt. Beurteilungen und Bewertungen von Personen und Handlungen sind auf Schlussfolgerungen begründet, die nach Prüfung der Quelle und allgemeiner Sachkenntnis des Autors mit großer Wahrscheinlichkeit zutreffen. Die Quellenangaben sind folgenden Büchern bzw. Schriften entnommen: Brigitte Hamann: Mit Kaiser Max in Mexiko; aus dem Tagebuch des Fürsten Carl Khevenhüller Konrad Ratz: Kampf um Mexiko, Kaiser Maximilian in den Erinnerungen seines Privatsekretärs Jose Louis Blasio Felix Gamillscheg; Kaiseradler über Mexiko Edmund Daniek; Sie zogen nach Mexiko Erwin A. Schmidl: Die Aufzeichnungen Julius Fleißigs über seine Teilnahme am mexikanischen Abenteuer Kaiser Maximilians, 1864-67 Herausgegeben vom Österr. Staatsarchiv 1984

Weiters wurden folgende Internetpublikationen verwendet:

Geografische und statistische Angaben über das Land, über die Bevölkerung und Wirtschaft sind Meyers Konversationslexikon von 1888 entnommen

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Anmerkungen

(1)Benito Juarez García (geb. 21. März 1806 in Guelatao als Sohn zapotekischer Eltern; gest. 18. Juli 1872 in Mexiko-Stadt. Von 1861-1872 Präsident Mexikos, gilt er als einer der größten Reformer. Nach dem verlorenen Krieg gegen die USA wurde er Führer der neuen Generation von Liberalen und bewirkte 1854 die Absetzung von General Antonio López de Santa Anna und nahm ein als Justizminister unter Präsident Comfort die Reformgesetze über die Trennung von Kirche und Staat, Zivilehe, Religionsfreiheit und Aufhebung der Klöster, in Angriff. 1861 zum Präsidenten gewählt, zieht er sich unter dem Druck der Invasion durch die Franzosen an die Nordgrenze Mexikos zurück. Nach seinem Sieg über das Kaiserreich Maximilians und seiner Wiederwahl starb er 1872 in seinem Amtssitz an einem Herzanfall.-(zurück zum Text)

(2) Napoléon III. (Charles-Louis-Napoleon Bonaparte) (geb. 20. April 1808 in Paris;gest. 9. Januar 1873 in Chislehurst bei London) war 1849 bis 1852 französischer Präsident und 1852 bis 1870 Kaiser der Franzosen. Wurde im deutsch-französischen Krieg in Sedan gefangen genommen und zur Abdankung gezwungen.- (zurück zum Text)

(3) (Span. Pronunciamiento), ist die damals geläufige Formel, mit der Politiker und Militärs ihre Parteinahme im Bürgerkrieg auszudrücken pflegten- (zurück zum Text)

(4) Franz Graf Thun-Hohenstein (1826 -1888). Zuletzt Oberst im k.k.Infanterieregiment Nr. 9. Quittiert nach seiner Kaltstellung den Dienst unter Maximilian und kehrt im September 1866 nach Österreich zurück.Februar 1867 zum Generalmajor ernannt, wurde in weiterer Folge Divisionskommandeur, 1872 Feldmarschall-Leutnant, 1882 zum Feldzeugmeister und Militärkommandant von Tirol. Er starb 1 Jahr nach seiner Pensionierung in Schwaz in Tirol.
Alfred Louis Adolphe Baron van der Smissen; (1823 - 1895) Im Alter von 20 Jahren trat Alfred der belgischen Armee bei und wurde Offizier. 1851 als Hauptmann mit der Fremdenlegion in Algerien. Begleitete Kaiser Maximilian nach Mexiko als Kommandant des belgischen Kontingentes des Frw. Korps. 1867 kehrte er nach der Auflösung des Korps nach Belgien zurück, 1879 Generalleutnant und Befehlshaber in Brüssel und machte sich 1886 durch die Unterdrückung des Arbeiteraufstandes bei Charleroi bekannt; in seiner Schrift "Le service personnel et la loi militaire" (1887) empfahl er die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in Belgien..- (zurück zum Text)

(5)Zum Zeitpunkt der Aufstellung des Korps galt noch das Kürzel k.k. für kaiserlich königliche Armee. Erst nach Vollzug des Österreichisch-Ungarischen Ausgleichs 1867 wurde das "und" eingefügt, um die Verbundenheit der beiden Reichhälften in den übergeordneten Institutionen, wie k.u.k. Armee, zu symbolisieren. -(zurück zum Text)

(6)Fürst Johann Carl Khevenhüller -Metsch(1839 - 1905). Ältester Sohn und Majoratserbe trat der kaiserlichen Armee bei und erwarb den Rang eines Rittmeisters.Wegen seiner hohen Schulden meldet er sich zum österreichischen Freiwilligenkorps. Da zunächst Eskadronskommandant im Husarenregiment übernahm er Ende 1866 die Aufgabe, ein Husarenregiment der Nationalarmee aufzustellen, das er bis zur Kapitulation der kaiserlichen Armee 1867 führte. Seine Aufzeichnungen ( hgg. von Brigitte Hamann) sind eine der zuverlässigsten Quellen zu dieser Arbeit.
Alfons v. Kodolitsch 1831 - 1893. Als Major in das Freiwilligenkorps übernommen, führte er das erste erfolgreiche Gefecht und trug entscheidend zur Eroberung und Besetzung der Sierra del Norte bei. Ende 1866 übernahm er die Aufgabe zum Aufbau der Nationalarmee. Nach seiner Rückkehr aus Mexiko wieder Rittmeister in der k.u.k. Armee, trat als Generalmajor 1881 in den Ruhestand.-(zurück zum Text)

(7)  Erwin A. Schmidl: Die Aufzeichnungen Julius Fleißigs über seine Teilnahme am Mexikanischen Abenteuer Kaiser Maximilians, 1864-67; . - (zurück zum Text)

(8)ebenda-(zurück zum Text)

(9)Zach hatte im Juli 1866 als Oberst quittiert und nach Österreich zurückgekehrt, als Major von der k.k. Armee wieder eingestellt worden. Er hatte die Aufgabe, Aus den Heimkehrern ein Jägerbataillon aufzustellen..- (zurück zum Text)

(10) General Ramon Mendez wurde unmittelbar nach seiner Gefangennahme in Queretaro erschossen, die Generäle Tomas Mejia und Miguel Miramon teilten ihr Schicksal zusammen mit Maximilian. General Leonardo Marquez gelang es ins Ausland zu entkommen. Seine Rolle im Endkampf um das Kaiserreich war allerdings äußerst zweifelhaft - (zurück zum Text

(11)Die französische Fremdenlegion wurde 1831 ins Leben gerufen wo sie in den Carlistenkriegen in Spanien unter ihrem ersten Nach ersten Kommandeur, dem Schweizer Christoph Anton Stoffel zum Einsatz kam. Nach ihrer Teilnahme im Krimkrieg von 1853-56, war die Legion hauptsächlich an der Eroberung Algeriens und Marokkos beteiligt. Einer ihrer früheren Kommandeure war der damalige Brigadegeneral François-Achille Bazaine der 1863 als Oberkommandierender der Interventionstruppen in Mexiko die Legion dorthin verlegen ließ. Besonders ausgezeichnet hatte sich die Treuppe im Gefecht von Camerone am 30. April 1863, als sich eine Kompanie gegen eine Übermacht opferte, wodurch die Schlacht von Puebla zum erfolgreichen Abschluss gebracht weren konnte. - (zurück zum Text)

(12)Von den Spaniern gegründet und 1531 zur Stadt erhoben. Im Interventionskrieg besiegt General Zaragoza am 5. Mai 1862 die Franzosen, vom 18. März bis 17. Mai 1863 an von den Franzosen unter Forey belagert und schließlich genommen. - (zurück zum Text)

(13)Der Name Sierra del Norte ist heute wenig gebräuchlich. Es handelt sich um den nördlich gelegenen Teil des Bundesstaates Puebla, bzw. den süd-östlichen Ausläufer der Sierra Madre Occidental, mit einer durchschnittlichen Seehöhe von 1600 m bis 2500 m. Die höchsten Erhebungen sind die beiden Vulkankegel, der 4280 m hohe Vulkan Caldera de los Humeros, der damals noch aktiv war und der 4130 m hohe Coffre de Perote. - (zurück zum Text)

(14) Diese Darstellung, entnommen aus Gamillschegs Kaiseradler über Mexiko beruht auf einem Bericht von Major Albert Schönowsky und ist historisch nicht gesichert. Tatsache ist, dass rivalisierende Stämme auf beiden Seiten und mit besonderem Engagement gekämpft hatten. - (zurück zum Text)

(15) Vorwiegend zur Verteidigung ihrer Ortschaften gebildete Milizen, die von den Österreichern ausgerüstet wurden.. - (zurück zum Text)

(16) Graf Karl Herberstein, geb. 1836 in Brünn, musste als Oberleutnant den Dienst in der k.k. Armee angeblich wegen eines Ehrenhandels quittieren und wurde nur als Kadett in das Freikorps übernommen. Für seine Leistung bei Teziutlan zum Leutnant befördert, hatte er seine schwere Verwundung überlebt und wurde schließlich Rittmeister bei den Ulanen. - (zurück zum Text)

(17)Orden unserer lieben Frau von Guadalupe von Kaiser Iturbide gestiftet und 1853 von Präsident Santa Anna erneuert, um das ruhmreiche Andenken der mexikanischen Unabhängigkeit zu verewigen. Kaiser Maximilian gab dem Orden am 10. April 1865 letztmalig neue Statuten. Seit seinem Tod wird der Orden nicht mehr verliehen.-(zurück zum Text)

(18)Zitiert aus Gamillscheg; Kaiseradler über Mexiko, Anmerkung (14)Bericht Kodolisch' an das Korpskommando.- (zurück zum Text)

(19)Plateados wurden die aus vorwiegend kriminellen Elementen zusammengewürfelten paramilitärischen Verbände genannt, deren mit Silberstücken reich beschlagene Kleidung ihnen den Namen verlieh. Wegen ihres rücksichtslosen Vorgehens und ihrer Unberechenbarkeit beim Beutemachen, waren sie gleichermaßen verhasst wie gefürchtet. Auf ihr Konto gehen die Ermordung Rittmeister Kurtzrocks und Leutnants Pekec', die sich bereits ergeben hatten. Sogar republikanische Kommandeure hatten wenig Freude an ihnen und ließen nicht selten ihre Anführer aufgreifen und liquidieren.-(zurück zum Text)

(20)Dieses Namens taten vier Brüder, Luigi, Tankred, Eduard und Ulisse della Sala als Offiziere Dienst in der kaiserlichen Armee. Sie waren Angehörige einer Mailänder Adelsfamilie. Die beiden älteren Brüder Tankred Hauptmann und Luigi Oberleutnant führten einheimische Indioeinheiten (Auxiliares) die beiden jüngeren Eduard und Ulisse wurden als Kadetten in das Korps übernommen. Nach dem österreichisch-italienischen Krieg von 1866 quittierten sie und gingen Tankred, Luigi und Eduard als italienische Staatsbürger nach Italien zurück, Ulisse war bereits im November 1865 gefallen. (S. 88)-(zurück zum Text)

(21)Ursprünglicher Name der heute sechstgrößten Stadt in Texas El Paso, die durch den Rio Grande von der mexikanischen Stadt Ciudad Juárez getrennt wird, zu Maximilians Zeiten aber noch ein Stadtteil von El Paso war. Zur selbständigen Stadz geworden, wurde ihr zum Gedenken an diese Zeit als vorübergehender Regierungssitz, der Name Ciudad Juarez gegeben.-(zurück zum Text)

(22) Mendez widerfuhr 2 Jahre später das gleiche Schicksal, als er in Queretaro gefangen und ohne Prozess sofort erschossen wurde.-(zurück zum Text)

(23)Die Erste Genfer Konvention wurde im August 1864 von Baden, Belgien, Dänemark, Frankreich, Hessen, Italien, die Niederlande, Portugal, Preußen, die Schweiz, Spanien und Württemberg unterzeichnet:. Norwegen und Schweden schlossen sich einige Monate später an. Sie behandelt vorwiegend "die Linderung des Loses der im Felddienst verwundeten Militärpersonen" -(zurück zum Text)

(24) Erwin A. Schmidl : Aufzeichnungen Julius Fleißigs (S. 269)-(zurück zum Text)

(25) Schmit-Tavera, Geschichte der Regierung des Kaisers Maximilian I. h.g. 1903-(zurück zum Text)

(26) Aus dem Königreich Piemont-Sardinien 1861 im Zuge des Risorgimento und des Krieges von 1859 hervorgegangen, währte das Königreich Italien bis 1946. Nach einer Volksabstimmung am 2. Juni 1946 wurde die Republik ausgerufen.-(zurück zum Text)

(27)Clyde Augustus Duniway; Stanford University: The reasons for the Withdrawal of the French Army(zurück zum Text)

(28)Am 15. März 1866 wurde ein weiteres Übereinkommen zwischen Österreich und Mexiko, jährlich 2000 Mann als Ersatz anzuwerben, abgeschlossen.-(zurück zum Text)

(29)Der erste Versuch, eine transatlantische Telegrafenverbindung zu schaffen, scheiterte in den Jahren 1857 und 1858. Erst der 3. Versuch einer neuen Kabelverlegung brachte 1866 den endgültigen Erfolg.-(zurück zum Text)

(30) Brigitte Hamann: Mit Kaiser Max in Mexiko, aus dem Tagebuch des Fürsten Carl Khevenhüller (S. 88)-(zurück zum Text)

(31)Rekrutierungsstellen für die republikanische Armee waren im gesamten Grenzbereich von Texas eingerichtet und hatten auch Zulauf von Exsoldaten der Nord- oder Südstaatenarmee. -(zurück zum Text)

(32)Mariano Escobedo; geb. 1826, gest. 1902. Republikanischer General und Führer der Nordarmee und der Belagerung von Queretaro, 1875 Kriegsminister unter Porfirio Diaz, leitete 1878 einen Putsch gegen Präsident Diaz-(zurück zum Text)

(33)Edmund Danieck: Sie zogen Nach Mexiko.-(zurück zum Text)

(34)Armin Freiherr von Hammerstein; 1832-1867, gebürtiger Hannoveraner, als Hauptmann in des Frw. Korps eingetreten. 1866 Major, wurde Ende 1866 von Maximilian beauftragt, ein Infanterieregiment der Nationalarmee aufzustellen. Fiel am 5. Juni bei der Verteidigung von Mexiko-Stadt. -(zurück zum Text)

(35)Aus der Beziehung mit Leonore Rivas de Torre Adalid entstammte ein Sohn, zu dem sich Khevenhüller wegen der noch aufrechten Ehe Leonores sich nicht bekennen konnte. -(zurück zum Text)

(36)Edmund Graf Wickenburg (1831 - 1871) als Rittmeister in des Frw. Korps übernommen, übernahm er bereits 1865 die Reorganisation der kaiserlichen Gendarmerie, kam Im April 1866 Major zurück in das Husarenregiment. Ende 1866 übernimmt er als Oberst und Kommandeur die gesamte Gendarmeria Imperial. Nach seiner Rückkehr nach Österreich als Rittmeister wieder eingestellt und an der Eintönigkeit des Garnisonsdienstes zerbrochen, ging er 1871 in den Freitod.-(zurück zum Text)

(37)Erwin A. Schmidl : Aufzeichnungen Julius Fleißigs; Seite 275 Anm. Nr. 32-(zurück zum Text)

(38)Dass Khevenhüller die Verhandlungen geführt hatte und nicht Kodolitsch als eigentlicher Ranghöherer, mag verwundern. Über Kodolitsch' Aktivitäten geben die verschiedenen Quellen keine konkreten Auskünfte, während die Aufzeichnungen Khevenhüllers nach wie vor präzise Angaben enthalten.-(zurück zum Text)

(39)Unter Exerzierreglement verstand man zu jenen Zeiten nicht nur das Exerzieren mit der Waffe, sondern auch den Feuerkampf in der Gefechtsformation.-(zurück zum Text)

(40)Brigitte Hamann: Mit Kaiser Max in Mexiko, aus dem Tagebuch des Fürsten Carl Khevenhüller. (S.145)-(zurück zum Text)

(41) Siehe Meyers Konversationslexikon von 1888,-(zurück zum Text)

(42)Felix Prinz zu Salm-Salm (1828-1870 Der Prinz war zunächst Offizier der königlich preußischen Armee, wechselte dann aber wegen dienstlicher Probleme zur k.k. österreichischen Armee. Wegen allzu hoher Schulden, Duellen und einiger Liebesaffären musste er auch hier den Dienst quittieren. 1861 nach Nordamerika ausgewandert wurde er Oberst und Brigade-Kommandeur der Nordstaatenarmee. Nach Ende des Sezessionskrieges trat er in die Armee Kaiser Maximilians und wurde als dessen Adjutant bei Queretaro gefangen und zu mehrjähriger Haft verurteilt. Nach seiner Freilassung wieder in Europa, wurde er wieder in die preußische Armee aufgenommen und fiel 1870 im französischen Krieg-(zurück zum Text)

(43)Verschiedene Romane von Karl May, sowie Wildwestfilme (Vera Cruz) unterschiedlicher Güte bemühen sich, den Freiheitsdrang der einfachen Bevölkerung zu schildern und dem Banditentum ein idealistisches Heldenimage zu verschafften -(zurück zum Text)

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Aktualisiert am 15. Dezember 2008