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Berliner Kongress
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Nach Jahrhunderten kriegerischer Auseinandersetungen von den Türkenkriegen bis zum 1. Weltkrieg bemüht sich Österreich in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen an einer Friedenslösung mitzuwirken..

Österreich und der Nahe Osten

Port Said
Suezkanal 1880
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Österreichs langer Weg in die internationale Friedenspolitik

und der schnelle Rückfall in die Bedeutungslosigkeit.

Österreichs Friedensmission auf Kreta

United Nations Truce Supervision Organization - UNTSO

Die älteste UN-Mission im Nahen Osten, in der laufend österreichische Offiziere Dienst versehen
Der Yom-Kippur-Krieg
oder

Der unheilige Krieg der heiligen Tage

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Österreichs Weg in die internationale Friedenspolitk

Als Österreich unmittelbar nach der Erlangung seiner Souveränität, am 14. Dezember 1955 als Vollmitglied in die Vereinten Nationen aufgenommen wurde, konnte niemand ahnen, dass sich aus diesem formellen Beitritt ein politisches Engagement entwickeln würde, das heute als essentieller Bestandteil österreichischer Politik angesehen werden kann. Seit 1990 ist die "Hilfeleistung im Ausland auf Ersuchen internationaler Organisationen oder der Liga der Rotkreuz-Gesellschaften" als eine der Hauptaufgaben des Bundesheeres im §2 des Wehrgesetzes festgeschrieben.
Zum Zeitpunkt des Beitrittsansuchens gab es allerdings noch völkerrechtliche Bedenken, ob diese Mitgliedschaft mit den Bestimmungen der Neutralität vereinbar wäre, so wie es die ebenso neutrale Schweiz bis vor kurzem noch gesehen hatte. Auch war eine Teilnahme an militärischen Einsätzen für Österreichs Politik vorerst unter dem Eindruck des Koreakrieges, der unter dem Mandat der Vereinten Nationen geführt wurde, undenkbar. Das galt auch das auslaufende Jahr 1956 als zur Bewältigung der Suezkrise eine Internationale Friedenstruppe für den nahen Osten zusammengestellt wurde, abgesehen von der Tatsache, dass das Bundesheer zu diesem Zeitpunkt weder personell noch materiell in der Lage gewesen wäre, auch nur eine Kompanie an den Suezkanal oder in den Gazastreifen zu entsenden. Was damals an militärischen Kräften verfügbar war, brauchte man bekanntlich in eigener Sache um mit der Ungarnkrise fertig zu werden.
Auch danach war Österreich vorerst wegen des latenten Südtirolproblems die Rolle des Klienten zugedacht. Nachdem es dem damaligen Außenminister Bruno Kreisky gelungen war eine UN-Resolution zu erwirken, die beide Streitparteien zur gegenseitigen Einigung verpflichtete.
Man kann es sozusagen als positive Vorleistung betrachten, als die österreichische Bundesregierung am 15. September 1960 beschloss, das Ansuchen der Vereinten Nationen zur Entsendung eines Sanitätskontingents in die Krisenregion der ehemaligen Kolonie Belgisch Kongo zu erfüllen.
Diesem ersten praktischen Engagement friedenserhaltender und humanitärer Hilfeleistung sollten mit zunehmender Kapazität des Bundesheeres, in den nächsten Jahrzehnten, eine lange Reihe weiterer Auslandseinsätze, teils von Kontingenten in Verbandsstärke, teils von Gruppen einzelner Militärpersonen als UN-Beobachter folgen und Österreich zu einer der engagiertesten Nationen im Dienste der Völkergemeinschaft werden lassen.
aktuelle  Auslandseinsätze

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Die aktuellen Auslandseinsätze

Derzeit stehen in 15 verschiedenen Missionen, - auf dem Balkan, im Kaukasus, in Afghanistan, im nahen Osten und in Afrika, - fast 800 österreichische Soldaten im Einsatz. Mehr als die Hälfte davon befindet sich im Kosovo, Bosnien und im Libanon

Der bisher spektakulärste und bislang auch der erfolgreichste Einsatz war der 2013 beendete Einsatz auf den syrischen Golanhöhen, wenn man davon ausgeht, dass sich in den vergangenen 32 Jahren keine Zwischenfälle ereignet hatten, die eine Gefährdung der Stabilität in der Region bedeutet hätten. Die Effizienz der immer noch hier operierenden UNDOF ist auch nach dem zeitweiligen Übergreifen begrenzter Kampfhandlungen im Zuge des syrischen Aufstands ungebrochen.
Bis 2013 hatten nahezu 30.000 österreichische Soldaten auf den Golanhöhen ihren Dienst versehen und es ist daher kein Wunder, dass dieses Hochplateau am Fuße des Berg Hermon im geografischen Wortschatz der Österreicher einen Platz gefunden hat, wie etwa der Großglockner oder der Wienerwald.
Der Einsatz auf den Golanhöhen wurde durch das Genfer Abkommen vom 31. Mai 1974 und der Resolution 350 des UN-Sicherheitsrates als United Nations Disengagement Observer Forces - UNDOF - also vor 40 Jahren, beschlossen und im Juni 2013 in einer fragwürdigen Vorgangsweise, was die vertraglichen Verpflichtungen gegenüber der UNO anbelang, abgebrochen. Besorgnis um die Sicherheit der Truppe infolge des Übergreifens von Kampfhandlungen, waren fadenscheinigen Argumente, um mögliche Stimmenverluste in den Nationalratswahlen zu vermeiden. Dieser unter dem Druck des Boulevards parteipolitisch motivierte Rückzieher war gleichermaßen unglaubwürdig wie rufschädigend, wie den zyxnischen Kommentaren der Auslandspresse zu entnehmen war. Im Endeffekt war die Aktion auch ein Rohrkrepierer für die Regierungsparteien, die mit dem schlechtesten Wahlerergebnis aller Zeiten ihre Quittung erhiekten.
Auch wenn die Zeit nicht mehr zurückgedreht werden kann, lohnt sich die Rückschau allemal schon in Würdigung der Opfer an Menschenleben und Jener, die dauernde Gesundheitsschäden daqvongetragen haben. Als diese Unglücksfälle akut waren, wurden sie von der Tagespolitik mit den abgedroschenen Floskeln des Mitgefühls abgetan.
Es lohnt sich also, vor allem jener Zeit Aufmerksamkeit zu schenken, als es wirklich gefährlich war und Erfolg oder Scheitern unserer Täti an dem seidenen Faden der Bereitwilligkeit, den Waffenstillstand einzuhalten, hing. So sei an die Problematik der eingeschränkten Bewegungsfreiheit und der häufigen schikanösen Eingriffe in die Aufgaben der UN-Organe erinnert.
Unvergesslich aber auch die Gastfreundschaft und Dankbarkeit der Bevölkerung, für die Nemsa mehr bedeutete, als eine stur neutrale Militärmacht.
Erinnert sei auch an den Pioniergeist und die Gabe zur Improvisation, die den österreichischen Soldaten auszeichneten. Damals machte sich die deutsche Bundeswehr unsere Erfahrungen zu Nutze, bevor sie selbst internationale Einsätze übernahm.
Es ist heute auch nicht mehr vorstellbar, dass die ersten UN-Einheiten, gleich welcher Nation sie angehörten, so gut wie nichts vorfanden, was sie für den Aufbau ihrer Infrastruktur im Operationsgebiet benötigten. Wo anders, als in den Ruinen von Ismailia und Suez, wo wir unsre Unterkünfte einrichteten, konnte sich daher das den Österreichern nachgesagte Improvisationstalent besser entwickeln, wer hat noch Vorstellungen von unserem "Auszug aus Ägypten", als wir den Israeliten gleich, mit all unsrer Habe auf die Golanhöhen zogen.

Heute besitz das österreichische Bundesheer zwei Lufttransportflugzeuge mit ausreichender Kapazität, um seine nicht allzu weit entfernten Missionen auf dem Balkan zu versorgen. Ein unvorstellbarer Luxus im Jahre 1973. Da waren wir ausnahmslos auf fremde Hilfe - Briten, Russen oder Amerikaner - angewiesen, was mehr oder weniger funktionierte. Ich darf in Erinnerung bringen, dass in diesen Jahren die Austrian Airlines keine Flugverbindung nach Kairo unterhielten, noch gewillt waren eine Linie einzurichten.
Trotzdem gelang es dem ambitionierten Vizeleutnant Lauter, das Feldpostwesen für den Nahen Osten zu organisieren.
Wenn man heute in den offiziellen Webseiten des Bundesheeres danach zu stöbern beginnt, wird man nur mehr die mageren Daten erhalten, das unrühmliche Ende dverschämt umschrieben. Um das und vieles mehr wieder in Erinnerung zu bringen und vor allem zu zeigen, was österreichischer Pioniergeist vermag, will ich meine Tagebuchaufzeichnungen der Leserschaft zur Kenntnis bringen..

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Der Yom-Kippur-Krieg

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Anmerkungen

(1) UNEF 2:United Nations Emergency Forces 2; UNEF 1 wurde 1956 zur Überwachung des Gazastreifens eingesetzt und durch den 6.Tagekrieg suspendiert. - (zurück zum Text)

(2)UNTSO: United Nations Truce Supervision Organisation- (zurück zum Text)

(3)AUSBATT: Austrian Bataillion.- (zurück zum Text)

(4)UNTSO: United Nations Truce Supervision Organisation, ICC Ismailia Control Center.- (zurück zum Text)

(5)UNMO: United Nations Military Observer..- (zurück zumText)

(6)SARELO: South Arab Republik Egypt Forces Liaison Offgicer, kurz der oberste Verbindungsoffizier für den Südabschnitt.- (zurück zumText)

(7)The Sunday Times Insight Team; Der Wüstenkrieg; S 150-(zurück zum Text)

(8), im Jänner 1915 versuchte die 4. osmanische Armee unter ihrem Generalstabschef Baron Kress von Kressenstein den Suezkanal bei Ismailia zu erobern. Der Angriff wurde unterstützt durch die k.u.k. Gerbirgshaubitzdivision Marno. Nach dem Scheitern der Offensive, deckten die österreichischen Artillerieeinheiten den Rückzug. -(zurück zum Text)